Da steht ein Mann … auf’m Seil! Und läuft und läuft und läuft… Eine Stange in der Hand, um das Gleichgewicht besser halten zu können. Und das in schwindelerregender Höhe. Philippe Petit ist sein Name. Und er als kleiner schwarzer Punkt vor azurblauen Himmel ist ein ikonografisches Symbol. Man kann nur staunen über den Mut und das Geschick. Man selbst würde wahrscheinlich schon nach Zentimetern in die Tiefe stürzen. Ist Philippe Petit auch passiert. Lunge gequetscht, Knochen gebrochen. Abschürfungen ohne Ende. Doch liegen bleiben ist keine dauerhafte Lösung. Wieder aufstehen, weitermachen. The show must go on! Das ist Philippe Petit.
In diesem Buch erzählt er was ihn antreibt. Was ihn schon immer gekickt hat. Und man liebt es. Man liebt die Selbstverständlichkeit, mit der er von seinen waghalsigen Unternehmungen berichtet. Ja, er gibt sogar Tipps für zukünftige Generation von Hochseilartisten, denen – wie ihm – die Zirkuskuppel zu beengt ist.
Man kennt vielleicht nicht unbedingt seinen Namen, aber seine mutigen Aktionen in Paris, New York, Sydney sind immer noch eine Attraktion, eine Erinnerung, die nie verblassen wird.
Paul Auster musste man sicher nicht lange bitten ein Vorwort für dieses Buch zu verfassen. Er bereitet Philippe Petit den Weg für eine Lebenserinnerung, einen Mutratgeber und einen umfassenden Einblick in die weltumspannende Idee von Mut. Die knappen Kapitel sind Leitfaden zur Vorsicht, aber vor allem Mutmacher sich ein Herz zu fassen und eigenen Träumen nicht einfach nur hinterherzujagen, sondern sie Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Und das in jeder Lebenslage.
Hier bestimmen keine Zeitangaben den Bericht. Hier stehen Eindrücke, Emotionen und ebenso Ängste im Vordergrund wie eiserne Disziplin und Durchsetzungskraft. Hat man erst einmal das Vorwort (Paul Auster) aufgesogen, entkommt man dem Autor selbst nicht mehr. Allein schon die Hingabe zum Arbeitsgerät – so ein Seil ist nicht einfach nur ein Seil: Es muss fett- und ölfrei sein, das gut befestigt sein muss.
Philippe Petit verzichtet wohlwollend auf Aufmerksamkeit erhaschende Effekte. Er könnte episch breit davon erzählen wie er vor den Exekutiven davonrennt. Oder sich für sein Tun rechtfertigen. Nein, er entscheidet sich dafür seiner Leidenschaft einen Raum zu geben, der nicht weit Oben in den Wolken ist, sondern unten auf der Erde in den Händen des Lesers.
