Archiv der Kategorie: Urlaubslektüre

Wenn Du den Regen suchst, der kommt von oben

Wenn Du den Regen suchst, der kommt von oben

Vor, während und auch nach dem so genannten Arabischen Frühling fristete und fristet Algerien ein Mauerblümchendasein. In den 80er und 90er Jahren rückten die Erfolge einzelner Sportler und der Fußballnationalmannschaft in den Fokus der Öffentlichkeit (man denke nur das legendäre Hackentricktor von Madjer 1987 gegen die Bayern), aber ansonsten blieb es still um das mittlerweile größte Land Afrikas. Man kennt es kaum. Algier und Oran sind gerade mal zwei Städte, die man aufzählen kann. In Oran ist Albert Camus‘ „Pest“ verankert. Und Algier kennt man wahrscheinlich nur deshalb, weil es so ähnlich wieder der Landesname klingt.

Yahia Belaskri zeichnet ein wahres, oft düsteres Bild seines Heimatlandes. Da ist zum Beispiel Déhia. Sie ist Professorin für Sprachen. Mit Hingabe versucht sie ihren Schützlingen etwas einzuschärfen, was sie sonst nie wahrnehmen würden: Die Ehrfurcht vor der stärksten Waffe des Menschen. Blinder Religionswahn, ja schon fast Fanatismus, Engstirnigkeit und Korruption erschweren es ihr, sich an ihrem Beruf zu erfreuen. Unter ihren Studenten ist auch einer, der sich auf seinen Papa verlassen kann. Der ist Minister und bietet ein kleines Vermögen für eine von Déhia geschriebene Diplomarbeit seines Sohnes. Déhia zögert keinen Augenblick … und lehnt ab. Déhias Kapitel (Buchkapitel) wird mit einer Katastrophe geschlossen.

Genau wie das ihres Gatten Adel. Das Einzige, was ihm noch bleibt ist Déhia. Seine Liebe zu ihr lässt die beiden die Hoffnung auf Besserung nicht gänzlich ersticken.

Badil, Adels Bruder, ist das dritte Kapitel gewidmet. Er schafft das, was sich so viele Eltern für ihre Kinder wünschen. Er ging ins Ausland. Doch die Gründe dafür sind niederschmetternd. Genauso wie das Wiedersehen mit seinem älteren Bruder Adel und dessen Frau Déhia.

Yahia Belaskri verbindet die blumige Sprache Arabiens mit den unumstößlichen Fakten der Gegenwart. Er verzaubert den Leser und erschrickt ihn zugleich mit seiner schonungslosen Abrechnung mit Algerien. Seine Protagonisten hassen ihr Land, hassen Andersdenkende. Doch lieben sie. Sich untereinander, die Eltern, die eigene Geschichte. Algerien ist ein Land, das noch immer voller Geheimnisse steckt und daraus seinen Reiz bezieht. Dieses Buch gibt einen Einblick in das wahre Algerien, das Besucher ohne dieses Buch so wohl nie erleben könnten.

Letzte Tage in Baku

Letzte Tage in Baku

Olivier Rolin, oder besser: Ein Autor namens Olivier Rolin reist im Jahr 2004 nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Oder noch besser: Olivier Rolin veröffentlicht 2004 einen Roman, in dem ein Schriftsteller nach Baku reist. Und sich das Leben nimmt. Im Hotel Abscheron. Als Todesjahr wird 2009 angegeben.

Nun ist es 2009 und Olivier Rolin will mal schauen, was so aus ihm geworden ist. Baku – das Houston des Mittleren Ostens. Hier, wo Fördertürme den Horizont malen. Wo Tristesse und Aufbruchsstimmung Hand in Hand gehen.

Offiziell ist hat er sich mit einer Makarow 9mm im Zimmer 1123 des Hotels Abscheron selbst das Leben genommen. So steht es geschrieben. Und was geschrieben steht, ist wahr. Nur steht das Hotel Abscheron an seinem vermeintlichen Todestag nicht mehr. Die ganze Geschichte für die Katz? Die ganze Geschichte für die Katz!

Olivier Rolin bereist Aserbaidschan, anfangs um eine neue, passende Todesart zu finden. Auf seiner Suche begegnet er allerlei skurrilen Personen. Zum Beispiel einem Künstler, der sich mit den Großen der Weltgeschichte gern fotografieren lässt. Oder Kellnern, denen er mehr französisch beibringt als sie ihm russisch. Immer mit im Gepäck sind Autoren der Weltgeschichte und ihre Zeilen: Von Jules Verne bis Marcel Proust. Ihre Zeilen leiten ihn, zeigen ihm den Weg, deuten das Jetzt.

Eingerahmt vom niedergeschrieben Trauma und der banalen Faszination des Lebens erfährt Olivier Rolin ein seltsames Land. Russische Legenden, Ölmagnaten, einfache Menschen zeigen ein Aserbaidschan, das er so niemals erleben wollte.

Für den Leser bleibt ein riesiger Brocken Phantasie übrig. Wie sieht Aserbaidschan wirklich aus? Irgendwo zwischen der Sprachgewalt Ernest Hemingways und der Detailverliebtheit Thomas Manns schlendert Rolin durch die Ölfelder, den Kaukasus und über das Kaspische Meer. Sinnverloren treibt er von einer Sehnsucht zur anderen. Immer auf der Suche nach dem eigenen Tod. Seine Reise hat kein Happyend. Olivier Rolin tritt die Heimreise an mit einem Rucksack voller Erfahrungen. Zufrieden ist er dennoch kaum.

„Letzte Tage in Baku“ ist ein herrlich verschrobener Blick auf die eigene Aufgabe (im Sinne von Selbstaufgabe), perfekt zurecht gelegter Biographie und einer gehörigen Portion Fernweh. Es kommt nicht immer alles so wie man es sich vorstellt oder wünscht. Dieses Buch muss man ohne Vorurteil lesen. Wie eine intuitive Reise. Einfach loslegen. Ein Ziel findet sich immer. Großartiger Roman übers Scheitern!

Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal

Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal

Das ist Urlaub für echte Jungens! Von Burg zu Burg, über Stock und über Stein. Unten im Tal fließt herrschaftlich der große Fluss, Gevatter Rhein. Romantisch verklärt und immer wieder dem Ansturm der Besucher ausgesetzt, das ist das Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen.

Thomas Biller und Achim Wendt erläutern in ihrem außergewöhnlichen Wanderbuch nicht nur die einzelnen Wanderpfade. Ihr Hauptanliegen ist Aufklärung warum was wie und wo steht. Zur Einführung gibt es erst einmal eine geballte Ladung Kunst- und Architekturunterricht. Wer kann sich schon an einem Donjon erfreuen? Oder einer Tourelle?

Von der Festung Ehrenbreitstein über Lahneck und Liebenstein geht es bis zur Heimburg, dem Mäuseturm und Brömserburg. Die allesamt idyllisch gelegenen Burgen werden in kurzen, prägnanten Texten vorgestellt. Skizzen und Bilder vervollkommnen den Blick auf die Burgen.

Seit Jahrhunderten bilden die Burgen am Rhein ein unvergessliches Ensemble, das den Besucher kaum vom Haken lässt. Ob vom Fluss aus auf dem Schiff oder per pedes oder Rad: Mit diesem Wanderbuch in der Hand läuft niemand Gefahr diese steingewordenen Zeugnisse der Geschichte nur als ehemalige Behausungen zu sehen. Geschichtsunterricht auf anschauliche Art und Weise. Der Lerneffekt stellt sich sofort ein. Die vierzig vorgestellten Burgen gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO und sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Über die Jahrhunderte hinweg trotzten sie kriegerischen Angriffen und Wetterkapriolen. Teilweise wiedererrichtet, laden sie zum Verweilen ein. Oftmals weiß der Besucher aber kaum etwas von ihrer abwechslungsreichen Geschichte.

Die Autoren schaffen da Abhilfe, wo es nötig ist. Lassen aber genug Spielraum für absolute Entspannung. Der Leser wird nicht überfachtet mit Wissen. Der ideale Reisebegleiter am Mittelrhein.

Widerschein

Widerschein

Pfarrer Hobrecht staunt nicht schlecht als ihm ein Bündel in die Hand gedrückt wird. Der Verrückte, der ihm dieses Bündel gab, war hinlänglich bekannt. Doch das war selbst für ihn ein neuer Höhepunkt. Denn in dem Bündel lag ein kleiner Junge. Vater und Mutter verschwunden. Hobrecht nimmt sich des Kleinen an.

In den Niederlanden des 18. Jahrhunderts zehren die Menschen noch vom Goldenen Zeitalter als man die Meere beherrschte, eine Macht in jeder Hinsicht war. Erfindungsreich und strebsam – so kannte man die Niederländer. Doch andere Reiche machten ihnen den Ruf streitig. In dieser Zeit war auch die niederländische Kunst am Boden, wirtschaftlich gesehen. Künstler wie einst Rembrandt lebten nun von der Hand in den Mund.

Hobrecht nimmt den Kleinen Ferdinand Meerten bei sich auf. Der Kleine ist still. Doch er kann malen. Malen wie kein anderer Künstler. Ein verrußter Stock dient als Zeichenstift, Laken als Leinwand. Bros scheint der ideale Mentor Ferdinands zu sein. Auch er ist Künstler, kann von seiner Kunst gerade so leben. Als Hobrecht stirbt, nimmt Bros Ferdinand vollends zu sich. Das Talent erkennt er sofort. Der Meister ist verblüfft über die Fertigkeiten und in Gerlach haben beide einen euphorischen Abnehmer ihrer Kunst.

Gerlach ist ein gewiefter Kunsthändler, der sofort das große Geld wittert. Bros weigert sich zunächst noch einen Knebelvertrag mit Gerlach einzugehen. Denn hier ist wirklich Staat zu machen. Warum also dem Halsabschneider Gerlach die Früchte der Arbeit überlassen, wenn man selbst dem kargen Leben so einfach entfliehen kann? Doch auch Bros segnet früh das Zeitliche.

Die Geschichte des Ferdinand Meerten verzaubert wegen der sachlichen Mystik ab der ersten Seite. Brotlose Kunst – von wegen. Weder Held noch Autor befeuern dieses Klischee vom armen Künstler. Die Welt auf den Kopf stellend, wird das Genie Meerten nur ausgenutzt. Doch es bewahrt ihn auch vor so mancher Untat. Ein bisschen erinnert „Widerschein“ an Patrick Süßkinds „Parfüm“. Ist Grenouille Opfer seiner Kunst, ist sich Meerten seiner Wirkung nicht bewusst. Um ihn herum sterben die Gönner, die Ausbeuter überleben.

Ein mehr als lesenswerter Roman über das Zusammenspiel von künstlerischem Genie, Gier und der unermesslichen Wirkung der Kunst auf den Menschen.

Kaspirov der Pinguin, Leo & Leo – Fall 5

Leo und Leo_5-Kaspirov der Pinguin

Ein Pinguin am Nordpol? Und dann soll er auch noch über hundert Jahre alt sein? Da stimmt was nicht! Das wissen auch Leo & Leo, die beiden Detektive, die schon so manch kniffligen Fall gelöst haben. Denn sie besuchen die IDEA, die Internationale Detektiv- und Ermittlungs-Akademie. Natürlich nur in den Ferien. So verpassen sich nichts in der „normalen“ Schule.

Leo und Leo, das Geschwisterpaar, das eigentlich Leonart und Leonie heißt, recherchiert, dass einst der berühmte Forscher Humphrey Bottleneck in der Arktis, als am Nordpol verschollen ist. Und der hat eine sagenhafte, weltverändernde Entdeckung gemacht.

Auch die Verbrecherorganisation KRAKE ist dem Pinguin und dem vermeintlich damit verbundenen Geheimnis auf der Spur. Doch Leo & Leo sind gewitzt und lassen sich nicht so schnell in die Irre führen.

Geheimsprache, Labonade (ein Getränk, mit dem man sich in jeder nur erdenklichen Sprache auf der Welt unterhalten kann), ein mysteriöses Mobiltelefon und jede Menge Freunde helfen den Nachwuchsdetektiven den Fall zu lösen.

Die Reihe Leo & Leo ist ein köstlicher Rätselspaß. Denn Autor Tobias Bungter lässt die Leser miträtseln. Am Ende eines jeden Kapitels wird eine Frage gestellt, die auch Erwachsene nicht immer sofort lösen können. Nur wer ganz aufmerksam liest, kommt dem Geheimnis der Pinguine am Nordpol auf die Schliche.

Leo und Leo_Buchmesse_2Lesung mit Tobias Bungter auf der Leipziger Buchmesse

Leo und Leo_Buchmesse_3Leo und Leo_Buchmesse_4Riesenandrang bei der anschließenden Autogrammstunde

Baden in 101 Orten

Baden in 101 Orten

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht ums Planschvergnügen! „Baden in 101 Orten“ ist das Reisebuch, das noch gefehlt hat, um Baden in Baden-Württemberg von einer – bisweilen unbekannten – Seite kennenzulernen. Eva Klingler hat sich auf die Socken gemacht, um ungewöhnliche Orte mit ungewöhnlichen Geschichten zu entdecken.

Wer weiß schon, dass in Konstanz einer Hure ein nicht gerade kleines Denkmal gewidmet wurde? Und das nicht schon vor Jahrhunderten, sondern vor gar nicht allzu langer Zeit.

Wenn man sich die Karte am Beginn des Buches anschaut so macht Baden einen Bogen um den mal mehr, mal weniger geliebten schwäbischen Nachbarn. Manchmal kommt einem die Rivalität etwas komisch vor, ähnlich wie die der Düsseldorfer und Kölner. Doch so manches Schimpfwort in Baden wird um den Zusatz „schwäbischer“ ergänzt. Sei es wie es sei, den badische Landesteil einzigartig zu erkunden, zu erfahren, zu entdecken, dafür bedarf es einiger Recherchen. Und die beginnen mit diesem Buch.

Kösterliche Ruhe und tosendes Nasse, Schwarzwaldperlen, lebensfrohe Barockstädte – Eva Klingler hat die 101 schönsten, bedeutendsten und oft auch kuriosesten Orte gefunden. Zu jedem Kleinod gibt es einen kurzen, alle Informationen enthaltenen Text und ein aussagekräftiges Bild, inkl. Homepage. Zu viel, um einen Urlaub zu füllen. Das muss man schon mehrmals in den Südwesten der Republik reisen. Aber warum auch nicht?! Langeweile kommt hier niemals auf. Und auch nicht die ewige Frage: „Was machen wir morgen?“ Die Antworten gibt es nur in diesem Buch.

Lesereise Myanmar / Burma

Lesereise Myanmar  Burma

Fernweh kommt auf, wenn man die ersten Zeilen der Lesereise von Bernd Schiller liest. Myanmar, Burma, Birma – das Land hat so viele Namen. Einst geknechtetes Land, das unter der Knute einer Militärregierung ein Eremitendasein fristen musste, entwickelt sich Burma heute zu einem Reiseziel, das mit seinen Reizen nicht geizt. Die einstigen Machthaber sind zwar noch an der Macht (2015 gibt es wieder Wahlen), dennoch sprießen an allen Ecken und Enden zarte Blüten von Fortschritt aus dem einst kargen Boden.

Wer Burma bereist, muss auf Luxus nicht verzichten. Doch der ist wie andernorts standardisiert. Das pure Burma erfahren, ist ein echtes Abenteuer. Vielleicht sogar eines der letzten unserer Zeit.

Bahnfahrten sind wahrlich keine Therapiemaßnahmen für geschundene Körper. Die gewöhnliche Klasse (die heißt wirklich so) unterscheidet sich von der ersten Klasse (auch die heißt wirklich so, hat aber so gar nichts mit first class zu tun) nur darin, dass hier keine löchrigen „Polster“ den Allerwertesten „verwöhnen“. Aber auch das kann sich schon wieder geändert haben – Bernd Schillers Reisen liegen teilweise schon Jahre zurück. Burma verändert sich rasend schnell.

Wenn man nach einem Burma-Besuch in gemütlicher Runde zusammensitzt, sich mit anderen Burma-Reisenden unterhält, kann es passieren, dass eine Zwei-Klassen- bzw. Zwei-Erfahrungen-Gesellschaft hat. Die einen kennen Burma noch als das Land, in dem alles beschwerlich war. Keine Organisation. Aber urtypisch. Die anderen wissen um die Besonderheiten der aktuellen Situation. So kann ein Zug Verspätung haben (DB-Kunden kennen das), aber er kann auch mal ein paar Stunden früher fahren. Souvenirstände säumen die Wege zur Shwedagon-Pagode, dem buddhistischen Wahrzeichen Burmas. Vor Jahren noch unvorstellbar. Eine Rundreis in Burma ist also immer etwas Neues.

Mit Feingefühl und jungenhafter Neugier erobert Bernd Schiller das Land zwischen Mandalay und Rangoon. William Somerset Maugham schrieb schon darüber. Heute ist es Bernd Schiller, der dem großen Romancier das Wasser reicht.

Wer Myanmar, Burma, Birma bereisen will, kommt einfach nicht vorbei an diesem Buch. Lesend ein Land zu erfahren ist reine Kopfsache. Eigene Erfahrungen zu machen eine andere. Eine Reise nach Burma ist und bleibt ein unvergessliches Abenteuer, das mit diesem Buch beginnt.

Dass Burma / Myanmar in Sachen Demokratie enorme Fortschritte macht, ist unbestritten. Doch das Land ist weit entfernt von Frieden und Gleichberechtigung für alle. Das Volk der Rohingya zählt laut der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. Die reichlich eine Million Rohingya sind Muslime und müssen sich vor Verfolgung ständig in Acht nehmen. Wo immer sie benachteiligt werden können, geschieht dies auch.

Tote Engel

Tote Engel

Damit hätte Amanda nie gerechnet! Ihr Onkel, den sie nur aus und in ihrer Erinnerung kennt, vererbt ihr sein Hotel im Herzen Regensburgs. Ein echtes Patrizierhaus, das so manche Geschichte erlebt hat. Sie kniet sich richtig rein, gibt ihren heißgeliebten Job als Restauratorin auf und ist mit noch nicht einmal 30 Jahren eine Expertin auf ihrem Gebiet. Dabei blieb aber leider die Liebe auf der Strecke. Mit Hans-Peter, der ehemaligen rechten Hand ihres Onkels, scheint sie nun aber auch auf diesem Gebiet Erfolg zu haben. Alles läuft wie geschmiert. Erst recht als Hans-Peter ihr einen Heiratsantrag macht. Wie zur Selbstbelohnung sich ihn endlich „geangelt“ zuhaben, beschließt Amanda sich zu beschenken. An alter Wirkungsstätte fällt ihr eine jahrhundertealte Ausgabe eines Pflanzenbuches in die Hände. Perfekt, wie gemalt, so wie ihr derzeitiges Leben. Aus dem Buch fallen Liebesbriefe, die sie Verzückung geraten lassen. Wenn es einmal läuft, dann läuft’s, denkt sich Amanda.

Auch im Hotel. Jetzt hat sogar ein Gast Quartier bezogen, den sich jeder Hotelier wünscht: Exzellentes Aussehen und Auftreten, keine Preisnachfragen, distinguiert. Das Glück scheint vollkommen.

Doch genau eben dieser Gast, Bernd Manikowsky, wird tot im Badezimmer des Hotels gefunden. Erhängt! Er war Programmierer, schrieb Programme für Arztpraxen. Im „Schwarzen Hund“ – Amandas Hotel – fand zur Tatzeit ein Ärztekongress, veranstaltet von einer Pharmafirma, statt.

Für Amanda bricht eine Welt zusammen. Selbst ihre beste Freundin Rebecca benimmt sich jetzt, in dieser schwierigen Zeit, irgendwie komisch. Eben war Amanda noch voller Vorfreude über die anstehende Hochzeit, über ihr selbstgemachte Geschenk und die tiefe Freundschaft zu Rebecca. Und jetzt? Alles futsch! Vorbei die zärtlichen Liebesbriefe aus dem sündhaft teuren Buch. Vorbei das innige Verhältnis zur Freundin. Vorbei der wirtschaftliche Erfolg.

Dagmar Isabell Schmidbauers „Tote Engel“ überzeugt mit jedem Wort. Der Leser wird hin- und hergerissen vom Auf und Ab der Hauptfigur Amanda. Diese Frau hat sich alles hart erarbeitet. Nichts wurde ihr in die Wiege gelegt. Mit akribischer Finesse spinnt die Autorin eine, ach was gleich mehrere spannende Geschichten, die dem Leser den Atem rauben. Fast vergisst man darüber hinaus die eigenen Recherchen zum Mörder. Immer tiefer ziehen die scheinbaren Randgeschichten den Leser in einen Strudel aus dunklen Machenschaften, verschlungenen Geheimnissen und bedingungsloser Liebe. Man möchte Amanda zu Hilfe eilen. Ihr Trost spenden.  Man könnte vieles über dieses Buch, über Dagmar Isabell Schmidbauer schreiben. Doch dann wäre man selbst ein Engelmacher…

 

Tote wie Sand am Meer

Tote wie Sand am Meer

Bad Saarow, Kieler Förde, Teneriffa, die Irische See. Malerische Orte. Orte die zum Verweilen einladen. Das denken sich auch die dunklen Gesellen. Hier bleiben! Und zwar für immer!

Der einen geht der Ex gehörig auf die Nerven. Sie nahm Reißaus. Floh in die Sonne. Und nun steht der Alte schon wieder auf der Matte. Und hat sich keinen Deut gebessert. Immer noch der unsensible Pascha, der maßlos Forderungen stellt. Schlaf sanft!

Wenn Dein Chef Dir Steine in den Weg legt, Du nicht arbeiten kannst wie es sich gehört, muss man eben seine eigenen Regeln schaffen. Auch wenn’s schwer fällt. Eine pensionierte Kommissarin erfährt zu spät, wer hinter einem ungelösten Fall steckt. Viel zu spät. Ruhe sanft!

Eine Küstenstraße, endlose grüne Weideflächen. Das Navi gibt die Richtung vor. Geradeaus! Rechts abbiegen! Sie haben ihr Ziel erreicht! Das kühle Nass beruhigt das schwere Gemüt. Treibe sanft dahin!

Die zwölf Geschichten der Mörderischen Schwestern können einem die Lust auf den Urlaub nicht vermiesen. Vielmehr verstärken sie die Lust auf Sonne, Strand und Meer. Es gibt doch nichts Erholsameres als den müden Körper in den weichen Sand zu betten, den Wind im Haar zu spüren und sich einem gepflegten Krimi zu widmen.

Oder eben gleich einem Dutzend Krimis. Spurensuche im Sand. Jede kurze Geschichte ein Kleinod der verzweifelten Seelen. Wortstark und gewitzt wird das laborierte Hirn wieder auf Normaltemperatur heruntergefahren. Urlaubsstimmung mal anders! Gefühlskalt und emotional angespannt sind die Täter, ahnungslos die Opfer. Jede Geschichte ein Volltreffer.

Die Sonne brennt nicht überall gleich heiß. Doch die Motive sind global. Ob rauschende Meeresgischt oder pulvriger Sand am anderen Ende der Welt – gemordet wird überall und zu jeder Zeit.

Die Herausgeberinnen Josephine Rosalski und Angela Hüsgen machen sich einen Riesenspaß daraus den Urlaub zu versüßen. Bitterböse, raffinierte Pläne durchkreuzen die Wege der Sonnenhungrigen. Sie sind die Einzigem, denen der Urlaub ordentlich versalzen wird. Einhundertvierzig Seiten Spannung, einhundertvierzig Seiten Lesespaß, einhundertvierzig Seiten Miss Marple, Thelma & Louise, Columbo. Alle in einem Buch. Ein Buch, das an jedem Sonnentag dazu einlädt aufs Neue gelesen zu werden.

Reportage Iran

Reportage Iran

Vorurteile abbauen – nichts ist dafür besser geeignet als ein Buch. Carola Hoffmeister reiste in den Iran und fand heraus, dass der Iran mit den Meldungen in den Nachrichten nur am Rande in Verbindung steht. Sie traf auf Menschen, nicht auf Meldungen. Menschen, die ihren Alltag genauso meistern müssen wie die Leser dieses einmaligen Buches.

Das Erste, was man im Iran lernt, ist Taroof. Das ist der unermüdliche Austausch von Höflichkeiten. Keine Höflichkeitsfloskeln. Echte, wahre Höflichkeiten. Und als Europäer kann man hier nur verlieren. Carola Hoffmeister passiert es, dass sie ihren Rucksack im langsam schon wieder davon tuckernden Bus vergisst. Atemlos rennt sie dem Bus nach. Sofort springt ihr ein Einheimischer zur Seite und bringt den Bus zum Stehen. Und genauso schnell hat sie einen Reisebegleiter und einen neuen Freund gefunden. Kommt gar nicht in die Tüte, dass sie in einem Hotel wohnt. Privatunterkunft. Anfangs noch etwas mulmig, verfliegt das Gefühl der Befremdung.

Auch als später ein Iraner, der als Deutschlehrer arbeitet ihr den Basar von Isfahan zeigt, sind die wehen Gedanken an Lockvogeltaktiken, um Teppiche an den Mann bzw. in ihrem Fall an die Frau zu bringen schnell vergessen. Anders als Istanbul oder anderen Destinationen wird hier ein Nein akzeptiert. Und eine Einladung zum Tee gibt’s gratis obendrauf.

Der Iran ist so fremd, so freundlich so nah. Angst vor der Fremde, vor der Terrorgefahr, vor grimmigen Extremisten? Nein, niemals.

Sie reist weiter, immer im Gepäck ihre Neugier und der Drang alles aufzuschreiben. Zum Glück für den Leser.

Der Trubel in der Hauptstadt Teheran, die Khaju-Brücke in Isfahan – sie nimmt „alles mit, was es zu sehen gibt“. Doch die Begegnungen mit den Menschen bringen dem Leser den echten, wahren Iran näher.

Sie besucht einen Magier, der einst den Schah und seine Gäste mit Kunststücken verzauberte.

Alkohol ist im Iran offiziell verboten. Offiziell. Trotzdem gibt es ihn auf jeder Party in Hülle und Fülle. Sündhafte teure Markenklamotten gehören zum Status der Mittel- und Oberschicht genauso dazu wie Schönheitsoperationen. Aber alles hinter der Fassade der züchtigen Kleidung des Islam und seiner Wächter.

Der Iran ist ein Land der Gegensätze. Tradition wird mindestens genauso groß geschrieben wie westliche Dekadenz. Der Iran, die iranische Gesellschaft existiert zweimal. Nach außen und nach innen. Wer sich treiben lässt, erlebt beide Seiten. Carola Hoffmeister ist das Bindeglied zwischen Sehnsucht und Neugier. Ihr Buch vermittelt eine Innenansicht Irans, wie man sie sich nicht vorzustellen gewagt hat.