Kategoriearchiv: Reiseimpressionen

Reise in Island

Reise in Island

Was macht man, wenn man unbedingt nach Island reisen will? Sich gründlich vorbereiten! Und wie? Mit diesem Buch. Edgar Sommer – der Nachname passt auf den ersten Blick so gar nicht zum Reiseziel – hat mit seinem Buch das geschafft, was andere nur andeuten. Einen echten Weggefährten. Mit seinem Landrover hat er die Insel besucht, erkundet und lieben gelernt. Davon profitiert nun der Leser.

Island ist dünn besiedelt, fast die Hälfte aller Isländer leben in der Hauptstadt Reykjavik. Der Reiz der Insel geht einzig allein von seiner sagenhaften und weitgehend unberührten Natur aus. Apropos sagenhaft: Elfen und Kobolde spielen nicht nur in der Literatur eine Rolle. Die Hälfte der Isländer glauben an die Fabelwesen. Einige haben sogar schon welche gesehen… Sie leben in Steinen und Höhlen. Also Vorsicht beim Autofahren!

Doch nicht nur die Elfen und Kobolde sollte man im Blick haben, wenn man im – lebensnotwendigen – allradbetriebenen Gefährt unterwegs ist. So manche Pfütze entpuppt sich allzu schnell als tiefergehendes Problem. Und nicht immer ist ein Edgar Sommer da, um zu helfen. Er weiß nicht nur den Leser mit seinen Erlebnissen zu fesseln, sondern auch wie man einen feststeckenden Jeep wieder gangbar bekommt. Die wichtigsten Tipps verrät er im Buch.

Das unangefochtene Highlight des Buches sind die beeindruckenden Bilder. Panoramen von Gletschern, wuchtige Eisberge und mutterseelenallein gelassene Straßenzüge. Wale, Papageientaucher und immer wieder endlose Wiesen und Eiswüsten. Hier muss man die Entspannung nicht suchen, die findet einen.

„Reise in Island“ ist mehr als nur die bloße Wiedergabe von Eindrücken, es ist das Rund-um-Sorglos-Paket für eine Individualreise durch dieses faszinierende Land. Inkl. Hinweisen zum Durchqueren von Wasserstraßen, Reparaturtipps und Landeskunde. Selbst echte Isländer können hier noch was lernen. Am Ende des Buches gibt Edgar Sommer praktische Ratschläge zu Ausrüstung, Wetter und zur Wartung seines Fahrzeuges.

Woanders

Woanders

Eine Weltreise – das wär’s. Edith Werner schafft Fakten. Kein Konjunktiv mehr. Jetzt wird gereist. Doch einfach so. Nicht einfach mal All-inclusive drei Wochen Türkische Riviera. Dann zwei Wochen City-Trip Tokio. Und als Abschluss Safari in der Serengeti. Edith Werners Reisen sind immer mit langen Aufenthalten verbunden. Wenn schon, denn schon.

Ihr Reisefieber treibt sie nach Singapur, Südafrika, Argentinien, Uruguay, Ägypten, Guatemala, Mayotte, Peru, Abu Dhabi, Kolumbien, um nur wenige Länder zu erwähnen.

Auch die einzelnen Abenteuer und Geschichten hier aufzuzählen käme einem Frevel gleich. Denn man müsste immer das eine oder andere Detail weglassen. Das wäre unfair. Edith Werner reist für ihr Leben gern. Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das ist ihr Elixier, das jungbleiben lässt. Sehnsuchtsvolle Orte wie etwas Sansibar lässt sie in einem riesigen Gewürzbasar anwachsen.

Alphabetisch hat sie ihre Reisen in diesem Buch geordnet. Selbst für das Q hat sie eine Reise gemacht. Fast scheint es, dass ihre Reisen nur für dieses Buch gemacht wurden. So liebevolle und detailliert schildert sie ihre Erfahrungen und macht dem Leser Appetit auf mehr. Mehr Abenteuer. Mehr Fremde. Mehr Reisefiber. Anfangs ist man noch neidisch auf die gemachten Reisen. So viel Zeit und so viel zu entdecken. So viel Zeit haben nicht viele.

Edith Werner ruht sich nicht auf dem Luxus Zeit aus. Ein paar Tage bei Freunden in Montevideo – gern. Doch dann geht es schon wieder weiter. Kaffee-Kultur in Buenos Aires. Chinesisch lernen. Den Sambesi bezwingen.

Schon vom Lesen schwirrt einem der Kopf. Doch die Autorin prahlt nicht mit dem Erlebten. Sie lässt den Leser teilhaben. Und zwar so eindringlich, dass man sich gern von ihr an die Hand nehmen lässt. Das grüne Feuer in Bogotá kommt von den Smaragden. Es leuchtet auch ohne einen der Edelsteine in der Hand zu halten. Selbst kleiner Missgeschicke wie ein gebrochener Knöchel in Burma / Myanmar verarbeitet die wissbegierige Weltenbummlerin zu einer herzhaften Geschichte. International wird es am Amazonas, wenn sie auf Fitzcarraldos Spuren wandelt. Hier drehte Anfang der 80er Jahre Werner Herzog mit Klaus Kinski sein wohl bildstärkstes Werk. Sagenumrankt schuf er Unglaubliches. Edith Werner tut es ihm nicht nach, dennoch wandelt sie eindrucksvoll auf seinen Spuren.

Wer die Welt bereisen will, sollte vorbereitet sein. Keine Scheu zeigen. Sprachen lernen. Und „Woanders“ von Edith Werner lesen.

Die Gärten von Marrakesch

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Eine Stadt als Garten. So war Marrakesch einst geplant. Sanft plätschern Brunnen. Erfreuen Groß und Klein. Das kühle Nasse verheißt aber auch Reichtum mitten in der Öde der Wüste. Angelica Gray zog in jungen Jahren mit ihren Eltern nach Marrakesch. Sie liebt die Gärten und hat sich schon früh für deren Geschichte interessiert. In diesem Prachtband teilt sie ihre Erfahrungen du Eindrücke mit dem interessierten Leser. Alessio Meis Bilder lassen den Leser – und somit süchtigen Marrakesch-Reisenden – in eine andere, fremde Gegend und Zeit reisen.

Exotische Details, farbenfrohe Gedankenspiele und saftige Flora ziehen den Leser in den Bann Marrakeschs. Ruhepausen in den Olivenhainen der Ménara-Gärten, alles überragende Palmbäume in der Medina, das Hämmern der Handwerker, die gerade ihren Kunstwerken den letzten Schliff verpassen – Marrakesch steckt voller Faszination.

Der Bahia-Palast scheint vor Überfluss fast aus den Mauern zu platzen. Saftiges Grün von oben, von unten, von rechts, von links. Strahlkraft im Überfluss. Man möchte tanzen, sich an herunterhängenden Blättern von Wand zu Wand schwingen. Symbolhafte Zypressen (sie stehen für die Sterblichkeit) spenden Schatten in drückender Mittagshitze.

Die Muster der Kacheln rund um die Portale verzücken den Besucher und sagen „Tritt ein, erober mich!“

Die Mamounia-Gärten bestechen durch ihre Weitläufigkeit. Gekonnt illuminiert, und wieder mächtige Olivenbäume, wie an der Schnur gezogene Palmen ragen in den blauen Himmel. Hier lässt’s sich aushalten.

Als Erstes stechen dem Betrachter die beeindruckenden Bilder ins Auge. Ein erstes Raunen erfüllt die Bibliothek. Die Texte rücken die Abbildungen in den richtigen Kontext. Denn die Gärten sind nicht einfach nur schön anzuschauen. Sie haben eine Funktion zu erfüllen. Angelica Gray macht den Unterricht zur Modenschau. Auf dem Laufsteg tummeln sich die Schönheiten des Orients. Ein letztes Stöhnen zum Abschied. Doch man kommt wieder, immer wieder in die Gärten Marrakeschs.

Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal

Burgen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal

Das ist Urlaub für echte Jungens! Von Burg zu Burg, über Stock und über Stein. Unten im Tal fließt herrschaftlich der große Fluss, Gevatter Rhein. Romantisch verklärt und immer wieder dem Ansturm der Besucher ausgesetzt, das ist das Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen.

Thomas Biller und Achim Wendt erläutern in ihrem außergewöhnlichen Wanderbuch nicht nur die einzelnen Wanderpfade. Ihr Hauptanliegen ist Aufklärung warum was wie und wo steht. Zur Einführung gibt es erst einmal eine geballte Ladung Kunst- und Architekturunterricht. Wer kann sich schon an einem Donjon erfreuen? Oder einer Tourelle?

Von der Festung Ehrenbreitstein über Lahneck und Liebenstein geht es bis zur Heimburg, dem Mäuseturm und Brömserburg. Die allesamt idyllisch gelegenen Burgen werden in kurzen, prägnanten Texten vorgestellt. Skizzen und Bilder vervollkommnen den Blick auf die Burgen.

Seit Jahrhunderten bilden die Burgen am Rhein ein unvergessliches Ensemble, das den Besucher kaum vom Haken lässt. Ob vom Fluss aus auf dem Schiff oder per pedes oder Rad: Mit diesem Wanderbuch in der Hand läuft niemand Gefahr diese steingewordenen Zeugnisse der Geschichte nur als ehemalige Behausungen zu sehen. Geschichtsunterricht auf anschauliche Art und Weise. Der Lerneffekt stellt sich sofort ein. Die vierzig vorgestellten Burgen gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO und sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Über die Jahrhunderte hinweg trotzten sie kriegerischen Angriffen und Wetterkapriolen. Teilweise wiedererrichtet, laden sie zum Verweilen ein. Oftmals weiß der Besucher aber kaum etwas von ihrer abwechslungsreichen Geschichte.

Die Autoren schaffen da Abhilfe, wo es nötig ist. Lassen aber genug Spielraum für absolute Entspannung. Der Leser wird nicht überfachtet mit Wissen. Der ideale Reisebegleiter am Mittelrhein.

Lesereise Myanmar / Burma

Lesereise Myanmar  Burma

Fernweh kommt auf, wenn man die ersten Zeilen der Lesereise von Bernd Schiller liest. Myanmar, Burma, Birma – das Land hat so viele Namen. Einst geknechtetes Land, das unter der Knute einer Militärregierung ein Eremitendasein fristen musste, entwickelt sich Burma heute zu einem Reiseziel, das mit seinen Reizen nicht geizt. Die einstigen Machthaber sind zwar noch an der Macht (2015 gibt es wieder Wahlen), dennoch sprießen an allen Ecken und Enden zarte Blüten von Fortschritt aus dem einst kargen Boden.

Wer Burma bereist, muss auf Luxus nicht verzichten. Doch der ist wie andernorts standardisiert. Das pure Burma erfahren, ist ein echtes Abenteuer. Vielleicht sogar eines der letzten unserer Zeit.

Bahnfahrten sind wahrlich keine Therapiemaßnahmen für geschundene Körper. Die gewöhnliche Klasse (die heißt wirklich so) unterscheidet sich von der ersten Klasse (auch die heißt wirklich so, hat aber so gar nichts mit first class zu tun) nur darin, dass hier keine löchrigen „Polster“ den Allerwertesten „verwöhnen“. Aber auch das kann sich schon wieder geändert haben – Bernd Schillers Reisen liegen teilweise schon Jahre zurück. Burma verändert sich rasend schnell.

Wenn man nach einem Burma-Besuch in gemütlicher Runde zusammensitzt, sich mit anderen Burma-Reisenden unterhält, kann es passieren, dass eine Zwei-Klassen- bzw. Zwei-Erfahrungen-Gesellschaft hat. Die einen kennen Burma noch als das Land, in dem alles beschwerlich war. Keine Organisation. Aber urtypisch. Die anderen wissen um die Besonderheiten der aktuellen Situation. So kann ein Zug Verspätung haben (DB-Kunden kennen das), aber er kann auch mal ein paar Stunden früher fahren. Souvenirstände säumen die Wege zur Shwedagon-Pagode, dem buddhistischen Wahrzeichen Burmas. Vor Jahren noch unvorstellbar. Eine Rundreis in Burma ist also immer etwas Neues.

Mit Feingefühl und jungenhafter Neugier erobert Bernd Schiller das Land zwischen Mandalay und Rangoon. William Somerset Maugham schrieb schon darüber. Heute ist es Bernd Schiller, der dem großen Romancier das Wasser reicht.

Wer Myanmar, Burma, Birma bereisen will, kommt einfach nicht vorbei an diesem Buch. Lesend ein Land zu erfahren ist reine Kopfsache. Eigene Erfahrungen zu machen eine andere. Eine Reise nach Burma ist und bleibt ein unvergessliches Abenteuer, das mit diesem Buch beginnt.

Dass Burma / Myanmar in Sachen Demokratie enorme Fortschritte macht, ist unbestritten. Doch das Land ist weit entfernt von Frieden und Gleichberechtigung für alle. Das Volk der Rohingya zählt laut der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. Die reichlich eine Million Rohingya sind Muslime und müssen sich vor Verfolgung ständig in Acht nehmen. Wo immer sie benachteiligt werden können, geschieht dies auch.

Reportage Iran

Reportage Iran

Vorurteile abbauen – nichts ist dafür besser geeignet als ein Buch. Carola Hoffmeister reiste in den Iran und fand heraus, dass der Iran mit den Meldungen in den Nachrichten nur am Rande in Verbindung steht. Sie traf auf Menschen, nicht auf Meldungen. Menschen, die ihren Alltag genauso meistern müssen wie die Leser dieses einmaligen Buches.

Das Erste, was man im Iran lernt, ist Taroof. Das ist der unermüdliche Austausch von Höflichkeiten. Keine Höflichkeitsfloskeln. Echte, wahre Höflichkeiten. Und als Europäer kann man hier nur verlieren. Carola Hoffmeister passiert es, dass sie ihren Rucksack im langsam schon wieder davon tuckernden Bus vergisst. Atemlos rennt sie dem Bus nach. Sofort springt ihr ein Einheimischer zur Seite und bringt den Bus zum Stehen. Und genauso schnell hat sie einen Reisebegleiter und einen neuen Freund gefunden. Kommt gar nicht in die Tüte, dass sie in einem Hotel wohnt. Privatunterkunft. Anfangs noch etwas mulmig, verfliegt das Gefühl der Befremdung.

Auch als später ein Iraner, der als Deutschlehrer arbeitet ihr den Basar von Isfahan zeigt, sind die wehen Gedanken an Lockvogeltaktiken, um Teppiche an den Mann bzw. in ihrem Fall an die Frau zu bringen schnell vergessen. Anders als Istanbul oder anderen Destinationen wird hier ein Nein akzeptiert. Und eine Einladung zum Tee gibt’s gratis obendrauf.

Der Iran ist so fremd, so freundlich so nah. Angst vor der Fremde, vor der Terrorgefahr, vor grimmigen Extremisten? Nein, niemals.

Sie reist weiter, immer im Gepäck ihre Neugier und der Drang alles aufzuschreiben. Zum Glück für den Leser.

Der Trubel in der Hauptstadt Teheran, die Khaju-Brücke in Isfahan – sie nimmt „alles mit, was es zu sehen gibt“. Doch die Begegnungen mit den Menschen bringen dem Leser den echten, wahren Iran näher.

Sie besucht einen Magier, der einst den Schah und seine Gäste mit Kunststücken verzauberte.

Alkohol ist im Iran offiziell verboten. Offiziell. Trotzdem gibt es ihn auf jeder Party in Hülle und Fülle. Sündhafte teure Markenklamotten gehören zum Status der Mittel- und Oberschicht genauso dazu wie Schönheitsoperationen. Aber alles hinter der Fassade der züchtigen Kleidung des Islam und seiner Wächter.

Der Iran ist ein Land der Gegensätze. Tradition wird mindestens genauso groß geschrieben wie westliche Dekadenz. Der Iran, die iranische Gesellschaft existiert zweimal. Nach außen und nach innen. Wer sich treiben lässt, erlebt beide Seiten. Carola Hoffmeister ist das Bindeglied zwischen Sehnsucht und Neugier. Ihr Buch vermittelt eine Innenansicht Irans, wie man sie sich nicht vorzustellen gewagt hat.

Lesereise Wales

Lesereise Wales

Fassen Sie Ihr Wissen über Wales doch einmal zusammen! Am Ende des vergangenen Jahrhunderts war die walisische Fußballnationalmannschaft ein unangenehmer Gegner der Deutschen. Die Ortsnamen sind ausnahmslos unaussprechbar. Vopn hier stammen erstklassige Rockbands wie die Manic Street Preachers und „The Welsh Potting Machine“ Mark Williams gehört zur Weltspitze im Snookersport. Das ist alles richtig, aber es ist wirklich gar nichts, was man über Wales wissen muss. Michael Bengel nimmt den Leser mit auf eine Reise, die man niemals vergessen wird. Denn Wales ist vielschichtiger und vor allem anders!

Die Gartenlandschaften verdienen ihren Namen. Es sind nicht einfach nur wohlgestaltete Pflanzanlagen. Hinter jeder Hecke lauert Geschichte. So manch einer hat eine Jagdhütte, die zumal auch als Stecknadelfabrik taugte, über mehrere Dutzende Meilen sich in den Garten gesetzt.

Hotels verströmen ein historisches Flair. Fernab moderner Interieurskunst ist Handarbeit gefragt. Rustikaler Charme, der wie gemacht ist, um sich von der Ruhe einfange zu lassen.

Als Kontrastprogramm stürzt man sich todesmutig von den Klippen, um dann anschließend, adrenalingepeitscht aus der schäumenden Irischen See die Klippen kletternd wieder ans Festland zu gelangen. Coasteering nennt man das, und es wurde hier erfunden.

Allein diese drei Geschichten lassen Großes erahnen – dabei ist man erst auf Seite 32, noch einhundert liegen vor dem Leser. Wales ist anders. Michael Bengel wird nicht müde seine These mit jeder Zeile zu unterstreichen. Für Besucher gerät dieses Buch zur Bibel des Außergewöhnlichen. Erfährt man in Reisebänden, was es alles an Gebäuden und Aussichtspunkten gibt, so kann man diese Lesereise als Kulturwegweiser durch Wales adeln. Kaum eine Eigenart Wales‘ und der Waliser die nicht erwähnt wird.

Und wer noch nicht genug hat vom Lesen über Wales, der geht zum Lesen in Wales über, und zwar in Hay-on-Wye, dem ersten Bücherdorf der Welt. Stunden-, ach was wochenlang kann man hier in alten Büchern schmökern. Und gleichzeitig die Ruhe des kleinen Örtchens genießen. Als Einstimmung dient Buch.

Lesereise Emilia Romagna

Lesereise Emilia Romagna

Emilia Romagna – das klingt verheißungsvoll wie der Name einer schönen Unbekannten. Eine Unbekannte, die kochen kann. Mmmmh leckere Pasta mit ragú, dass wir als Bolognesesauce kennen – die aber in Wahrheit nichts mit der ragú zu tun hat, rein geschmacklich. Und die man niemals zu Spaghetti isst! Die dünnen Nudelchen können die Sauce doch gar nicht erfassen. Jetzt muss aber mal ein Machtwort gesprochen werden.

Und sie ist eine gebildete Unbekannte. Die älteste Universität des Westens befindet sich hier. Aus roten Ziegeln gemauert steht sie fett und gelehrt da. Allesamt Attribute für Uni und Stadt. Umgeben von unendlichen Alleen flaniert man durch die Stadt, die Düfte der Küchen dauerhaft im Gepäck. Hier lehrte unter anderem auch Umberto Eco, der Autor von „Der Name der Rose“ und „Das Foucaultsche Pendel“.

Die Emilia Romagna ist auch eine Cineastin. In Brescello schluegn sich einst ein katholischer Priest und ein kommunistischer Bürgermeister gegenseitig die Köpfe ein und treiben so manch derben Spaß mit dem jeweils Anderen. Klar, die Rede ist von Don Camillo und Peppone. Fnf Filme wurden in den 50er und 60er Jahren hier gedreht, ein Museum mit allerlei Film-Memorabilia erinnert daran.

Im wohl berühmtesten Ort der Emilia Romagna wurde einer der berühmtesten Regisseure der Welt geboren: Frederico Fellini.

Und die schöne Unbekannte ist auch eine Auto-Närrin. Maranello und Modena – allein der Klang dieser beiden Städte lässt das Herze eines jeden Auto-Ästheten höher schlagen. Denn hier stehen die Schmieden von Ferrari und Maserati. Der Dreizack von Maserati stammt übrigens aus Bologna. Das Teufelswerkzeug – samt Teufel – ziert hier einen Brunnen.

Die Emilia Romagna ist keine Unbekannte … mehr, wenn man Stefanie Bisping 132 Seiten lang gefolgt ist. Sie lässt sich einfangen vom Reiz der Region und fängt den Leser mit Sprachbilder und Wortgewalt ein, so dass es kein Entrinnen gibt. Strandspaziergänge, aber bitte nicht während der Hochsaison, laden zum Träumen ein. Genauso wie ausgedehnte Wanderungen durch die prächtige Natur. Lukullische Abstecher, die allenthalben zur Rast einladen. Berauschende Architektur und Geschichte, wo man hinschaut. Gute Reise!

Lesereise Provence

Lesereise Provence

Das Licht der Provence zog schon vor Jahrhunderten Maler in diese … ja, malerische Gegend. Hier, wo die Sonne flirrt, die massiven Berge den Horizont begrenzen, das Meer den Blick frei gibt, fühlt sich auch Michael Bengel wohl. Und weil er sich so wohl fühlt, hat er seine Eindrücke niedergeschrieben. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, bei der Lavendelduft und Sehnsucht ständige Begleiter sein werden.

In den Bergen der Provence gibt es noch eines der letzten Abenteuer für jedermann: Den Mont Ventoux. Wenn im Juli der Tross der Tour de France anrollt, gibt es kein Halten mehr. Unmengen an Menschenmassen säumen die Wegstrecke, feuern die Pedalritter an, schieben sie und sich nach vorn. Sobald der Besenwagen die Strecke passiert hat, kehrt nur ein wenig Ruhe ein. Denn jetzt kommen die Amateure. Auch sie wollen den Ventoux bezwingen. Auch Michael Bengel – ihm geht’s mehr um das Links und Rechts des Weges. Vorbei am Mahnmal des ersten Dopingtoten am Ventoux, durch den Vegetationswechsel, sich dem Wind entgegenstemmen. Rekordverdächtige 320 Kilometer pro Stunde wurden hier schon gemessen, nicht die eines Autos, die des Windes.

Auch die Stars und Sternchen gehören zur Provence. Das Nord-Pinus war einst das erste Haus am Platz in Arles. Davon zeugt aber nur noch die Patina. Pablo Picasso, Helmut Newton, Jean Cocteau und Jean Marais waren hier einst Bewohner der einst stilvoll eingerichteten Räume. Wer sich traut, wird ihre Aura noch vernehmen können. Aber man muss schon sehr konzentriert sein.

Zum Landstrich, über dem so üppig das Füllhorn der Sinnesfreuden ausgeschüttet wurde, gehört auch eine Wüste. Crau, die Steinwüste verblüfft mit ihrer Lebensfreude und Exklusivität. Die Merinos fressen nur das beste Heu, übrigens das einzige Heu weltweit mit einem Herkunftszertifikat.

Michael Bengel fleht vor den Touristenströmen der Provence, die ihre Reize mit dem Massengeschmack teilen müssen. Er entdeckt die Provence neu, für sich und für den Leser. Mit chirurgischer Präzision seziert er Mensch und Landschaft. Neugierig wie ein kleiner Junge, forschend wie ein Wissenschaftler und belebend wie die frische Brise des Mistral taucht er ein in den Süden Frankreichs, dessen Schreibweise – Provence – schon allein zu Träumen einlädt.

Die Provence einmal anders, voller Geheimtipps, für diejenigen, die die Augen offen halten.

Vom Hinterhof in den Himmel

Vom Hinterhof in den Himmel. 15 Spaziergänge durch das unbekannte Wien

Eine Stadt wie Wien, die besucht man nicht einmal so im Vorübergehen. Dafür ist die Fülle an Attraktionen einfach zu groß. Was aber, wenn man nur ein paar Tage Zeit hat die Donaumetropole zu erkunden? Dann braucht man schon einen erfahrenen Experten, um Wien zu erfahren.

Christina Rademacher ist so eine Expertin. Sie zeigt in ihrem Buch Wege durch Wien, zu berühmten Persönlichkeiten und weist auf die oft versteckten Höhepunkte der Stadt hin. Und das alles zu Fuß. Kein langes Warten auf Tram und Bus. Kein Taxigeld-Kalkulieren. Alles ganz entspannt und frei einteilbar.

Wer Wien schon kennt, oder meint es zu kennen, wird überrascht sein, wie viel man noch nicht gesehen hat und vor allem wie viel es noch zu entdecken gibt. Alle Spaziergänge sind so konzipiert, dass man durchaus einen kompletten Tag für einen Spaziergang einplanen kann. Für ganz Neugierige, die aber wirklich gut zu Fuß sein müssen, ist der letzte der 15 vorgestellten Spaziergänge eine echte Herausforderung: Sage und schreibe 20 Kilometer durch alle Bezirke Wiens. Aber auch ein genüsslicher Abschluss, mit Schnitzel.

Christina Rademacher ist immer dabei, wenn man durch die Häuserschluchten der Stadt streift. Hektik kommt hier niemals auf. Gelassen berichtet sie von den kleinen Histörchen am Rande des Spaziergangs. Fast kommt man sich wie der tick-belastete Privatdetektiv Monk aus der gleichnamigen TV-Serie vor: Er muss alles anfassen, der Spaziergänger muss alles sehen. Ruheoasen laden zur Rast ein. Selbst Restauranttipps gibt die Autorin. Die sind aber kein Muss, nur liebevolle Stubser, um bei allem Reiz der Stadt nicht den knurrenden Magen zu übersehen.

Jeder Trip steht unter einem bestimmten Motto – so kann sich jeder nach seinem Gusto sein Wien erlaufen. Ob „Kommunisten im Villenviertel“ (Untertitel: Von Brigittenau über Japan nach Persien) oder „Siedler im Westen“ (Hermeswiese, Friedensstadt und Werkbundsiedlung), alle Spaziergänge ergreifen den Besucher ab dem Zeitpunkt, an dem man die Füße vor die Tür setzt. Am Ende eines jeden Kapitels wird noch einmal zusammengefasst, da kann man noch einmal kontrollieren, ob man nicht doch was übersehen hat. Denn wer schaut bei einer so prunkvollen Stadt wie Wien permanent ins Buch. Für Wien braucht man Zeit, das beweist Christina Rademacher mit jeder einzelnen Zeile. Alle Spaziergänge bei einem Besuch „abzuarbeiten“ – bitte schön. Aber da Wien immer eine Reise wert ist, kann man sich Zeit lassen. Das unbekannte Wien zu erschließen, dauert. Um genau zu sein dauert es zweihundert Seiten. Sofern es nicht einen zweiten Band geben wird …