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Tatort Mittelalter

Tatort Mittelalter

Und wieder lernt der Leser, dass nicht alles, was heutzutage passiert auch eine Erfindung der Gegenwart sein muss. Gräueltaten, Raub, Mord, Folter – alles, was die Gazetten füllt und uns Leser angeblich immer als Erstes interessiert, gab es schon immer. Wenn es im Mittelalter passierte, ist es doch noch einen Spur interessanter.

Nach „Tatort Antike“ ist dieses Buch nicht nur die logische Folge, sondern die Fortschreibung der Grausamkeiten einer Zeit, die an Meucheleien erst viel später wieder überboten wurde.

Die Autoren Franziska Schäfer und Malte Heidemann haben einen guten Grund sich die prominenten Fälle herauszupicken. Denn die sind dokumentiert. Wenn Bauer A seinen Nachbarn um die Ecke brachte, fand das damals schon wenig Beachtung. Es war nicht mal eine Niederschrift wert.

Und die Bandbreite der Scheußlichkeiten reicht von Kindesentführung (die des erst elfjährigen Heinrichs. IV) über Kastration (Petrus Abaelard, Philosoph, 1180) bis hin zum bestialischen Völkermord an den Katharern bzw. Albigensern wie sie in Südfrankreich genannt wurden. Und immer hatte die Institution Kirche in Gestalt eines ihrer so genannten Würdenträger die Finger im Spiel. Machterhalt und Unseriosität gingen schon im Mittelalter Hand in Hand.

Die Autoren bemühen historische Quellen, um die Taten plastisch darstellen zu können. Der Tathergang und die Tatumstände werden dem Leser logisch dargeboten, so dass ein komplettes Bild der Tat entsteht. Freundlicherweise verzichten sie auf unappetitliche Details.

Geschichte zu vermitteln ist schwierig, im Unterricht oft staubtrocken und uninspiriert dargeboten. Franziska Schäfer und Malte Heidemann sind nicht einfach nur die Faktendrescher zwischen Wandtafel und Publikum, sie sind die Geschichtenerzähler einer vor Rohheit strotzenden Zeit. Geschickt entführen sie den Leser in eine Zeit, die längst vorüber gegangen ist. Die Parallelen zur Gegenwart sind noch sichtbar, allerdings sind die Täter der Gegenwart teilweise geschickter.

Solch investigativen Journalismus wünscht man so mancher Gazette. Denn wer macht ausübt, hat fast immer eine Leiche im Keller. Die Leichen der Vergangenheit erzählen noch heute vom Schicksal, das sie ereilte. Die Geschichte wird niemals ruhen …!

Udine – Trends, Tajut und Tiepolo

Udine - Trends, Tajut und Tiepolo

Udine ist eine Stadt, die seit jeher im übermächtigen Schatten Venedigs stand. Und das nicht nur symbolisch. Einst hatten die Dogen Venedigs hier das Sagen. Doch die Stadt ergibt sich nicht ihrem Schicksal, sie sieht es als Chance. Venedig – der ewig überlaufene Kitsch-Moloch – auf der einen Seite. Udine – die Perle des Friaul – auf der anderen. „Mal eben schnell rüber nach Italien“ – da ist Udine eine perfekte Wahl. Klassisch-schöne Paläste, einladende Einkaufsstraßen und eine appetitanregende Küche, die an jeder Ecke eine neue Gaumenfreude parat hält.

Evelyn Rupperti kennt Udine wie ihre Handtasche. Ohne viel Herumkramerei weist sie dem unkundigen Besucher den Weg in die lauschigsten Gassen, zu den anregendsten Speisetempeln, und sie führt kundig durch die sehenswerte Stadt. Der Reiseband liest sich wie eine Liebeserklärung an ein ungerecht unbeachtetes Kind. Schön und ruhig liegt es da – kein Grund zur Klage. Und doch wird es nicht so recht beachtet.

Das ändert sich von nun an.

Auf einen Tajut in der Stadt. Der Tajut ist ein kleiner Schluck zwischendurch. Ein Schluck Wein. Ein Tokaji. Den Namensstreit haben die Friuler gegen Ungarn verloren. Nur noch ungarische Tokajer darf sich so nennen. Nichts desto trotz genießen die Einheimischen ihren Taj. Nicht nur, um nicht aufzufallen, sollte man es ihnen gleichtun…

Als Einkaufsparadies ist Udine ein Glücksfall. Schon vor den Toren der Stadt warten unzählige Möglichkeiten. Doch dann verpasst man die historischen Bauten der Stadt. Lieber die riesigen Zentren des Konsums passieren und in der Stadt einkaufen. Das Erlebnis zwischen venezianischen Bauten und durch wohlgeformte Arkaden zu wandeln (und zu konsumieren), ist mit keinem standardisierten Einheits-Malls zu vergleichen.

Egal, zu welcher Jahreszeit man Udine besucht – mit diesem Reiseband ist man für jede Situation exzellent vorbereitet. Ob als Tages- oder Dauerurlauber: Udine ist mehr als nur die Stadt, die Oliver Bierhoff zum Fußballer von Weltformat reifen ließ. Udine ist eine echte Alternative zum Trubel in Venedig. Zu diesem Buch gibt es allerdings keine Alteranative.

Borneo, Myanmar und andere Exoten

Borneo, Myanmar und andere Exoten

Borneo, Laos, Kambodscha, Myanmar – das klingt doch schon nach Fernweh, nach Abenteuern, nach neuen Kulturen, fremden Sitten. Und für uns „Normalos“ nach ungewöhnlichen Essensritualen und Gerichten.

Sandra Wagner hat sich auf eine – wie sie schreibt – „glutenfreie“ Reise begeben. Denn die Autorin verträgt kein Gluten. Diese Unverträglichkeit bildet den Rahmen einer außergewöhnlichen Reise wie sie nur Backpacker erleben können. Zum Nachahmen zu empfehlen, durch die Preisinformationen im Text leicht nachzuvollziehen.

Fünf Monate reiste Sandra Wagner im Jahr 2010 durch Südostasien. Einmal quer durch die subtropische Region zwischen Indien und dem Pazifik. Aus Reiseführern wusste sie, was ansehenswert war, und was nicht. Dass hier und da die Ansichten darüber auseinandergingen, störte nur am Rande. Ein Schlangentempel zum Beispiel glich eher einem Spielzeugparadies für Kinder als einer echten gruseligen Attraktion.

So mancher Reiseführer entpuppte sich als gewiefter Gauner. Doch all die kleinen Rückschläge konnten die angehende Lehrerin nicht davon abhalten weiterzureisen. Und sie wurde belohnt.

Immer wieder – oft in ausweglosen Situationen, wenn zum Beispiel wieder einmal der angepeilte Bus nicht erschien oder schon abgefahren war – wurde sie von hilfsbereiten Menschen eingeladen. Immer, wenn sich eine Tür schloss, öffnete sich prompt die nächste. Asien für Abenteurer ist eben nun mal ein echtes Abenteuer.

Sandra Wagners Buch ist mehr als nur ein Reisetagebuch vom anderen Ende der Welt. Es ist eine Selbstbestätigung, dass Reisen in Asien immer noch auf eigene Faust unternommen werden können. Es läuft nicht immer alles glatt, aber es läuft. Wer den großen Trip in die unendlichen Weiten der Dschungel, der Großstädte Südostasiens machen will, wird in diesem Buch nützliche Ratschläge finden. Nicht nur zu Preisen, sondern auch zu traumhaften Ausflugszielen. Als Einstimmung auf einen unvergesslichen Urlaub ist dieses Buch ein treuer Wegbereiter.

Kunst und Architektur – Paris

Paris

Paris – die Stadt der Liebe. Die Stadt der Lichter. Ein Genuss für alle, die Schönheit entdecken und in ihrem Herzen und in ihren Erinnerungen bewahren wollen und können. Da ist es wie eine göttliche Fügung, dass in diesem Jahr ein exzellenter neuer Reiseband auf Kunst- und Architekturhungrige wartet. Paris komplett zu erkunden, ist ein hehres Ziel. Schließlich gibt es hier einiges zu entdecken. Im Zeitalter der Digitalfotografie ist es nur noch eine Frage der Anzahl der Speicherkarten, die man mit sich führen muss, um auch nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten der Stadt festzuhalten.

Der Reisebildband besticht durch seine scheinbare Einfachheit. Wohl fein gesponnene Spaziergänge beispielsweise von der Opéra Garnier zum Centre Pompidou geben den Blick für eine verbaute und doch so beeindruckende Reise durch eine der betörendsten Städte der Welt frei.

Viele Städte rühmen sich ihrer Passagen. Doch nur hier versprühen sie diesen einzigartigen Charme, der einem den Atem stocken lässt.

Selbst eingefleischte Pariskenner werden hier noch das Eine oder Andere entdecken, das sie bisher nur im Vorbeigehen gestreift haben. Fast ist man geneigt zu sagen, dass eine Reise in die Sein-Metropole nicht mehr lohnt. Schließlich ist alles Sehenswerte in diesem Buch auf 480 kompakten Seiten zusammengefasst. So weit reicht der Einfluss des Buches nicht. Jedoch wird jeder Paris zu einer endlosen Souvenirjagd nach den Originalen, die hier abgebildet sind.

Eine magische Anziehungskraft übt immer noch das Marais aus. Einst eine Sumpflandschaft ist hier der Stadtteil, der Paris zum typischen Paris macht. Hier, wo einst der Hochadel es sich gut gehen ließ und von hier aus die Geschicke eines ganzen Kontinents leitete, sind die Bauten die einzigen Zeugen einer glorreichen Zeit. Da lohnt es sich mehr als nur einen Blick mehr zu riskieren. Das Hôtel Sully mit dem aufwendigen Fassadenschmuck am Corps des logis vereint das klassische Element der Renaissance mit der Üppigkeit des Barock.

Über Paris zu erzählen ist ähnlich endlos wie der Bestimmung der Zahl Pi. Man muss es erleben. Doch als Appetitmacher sollte man dieses Buch nicht einfach übersehen. Das kompakte Format liegt gut in der Hand. Zahlreiche Texte und die im Übermaß vorhandenen Bilder versprechen eine Traumreise in eine Traumstadt. Einfach mal die Seele baumeln lassen und ein bisschen in diesem Buch herumblättern. Das geht nicht gut. Akutes Reisefieber und der ständige Drang weiterzublättern erlauben kein ruhiges Betrachten. Da hilft nur eines: Auf nach Paris!

Kunst und Architektur – Toskana

Toskana

Es gibt Regionen auf dieser Welt, die erwecken schon ab dem puren Erwähnen einzigartige Assoziationen. Bei der Toskana kommen einem neben erstklassigem Wein und Essen Leonardo da Vinci, der schiefe Turm von Pisa und der Palio von Siena in den Sinn. Ein Urlaub in der Toskana wird wegen ihrer Vielfalt immer ein kultureller Höhepunkt. Kunst und Architektur sind die bleibenden Eindrücke, die einem als sofort ins Auge springen.

Zeit also einen entsprechenden Kunst- und Architekturreiseband für die zahlreichen Touristen der Toskana zu veröffentlichen. Denn wer einfach nur so durch die Toskana reist, wird vieles zwar sehen, aber nicht für sich entdecken.

Pisa zum Beispiel besteht nicht – wie die meisten annehmen und deswegen auch nur dorthin pilgern – aus dem schiefen Turm. Der Palazzo die Cavallieri beherbergte einst die Medici, Cosimo I. erwählte diesen ehemaligen Kommunalpalast als Sitz des Ordine die Cavallieri di Santo Stefano, ein Ritterorden. Allein vor der Fassade des imposanten Baus könnte man stundenlang stehen und die Malereien betrachten, interpretieren und in sich aufsaugen.

Das pittoreske Volterra im Westen Pisas lässt Kinderträume nach Ritterburgen und heldenhaften Schlachten erwachen. Ausgrabungen, die noch im vergangenen Jahrhundert in vollem Gange waren, brachten einzigartige Stätten ans Tageslicht.

Auf über 600 Seiten wird die gesamte Bandbreite an kulturellen Höhepunkten kompakt und kenntnisreich ins Sezen gesetzt. Ein unersetzlicher Reisebegleiter. Der Reiseband protzt nicht mit angeblichen Geheimtipps, die man sonst nirgendwo erlebt. Dieser Reiseband verzaubert durch die Masse an eindrucksvollen Bildern, die die angefügten Texte beispiellos untermalen. Das ungewöhnliche Format erlaubt es den Reiseband jederzeit mit sich zu führen und bei Bedarf darin zu blättern. Kleine Stadtpläne zu Beginn jedes Kapitels erleichtern die Planung der Ausflüge. Auch wer nicht vordergründig auf kulturellen Pfaden wandeln will, wird hier unweigerlich zum Kenner toskanischen Lebens. Renaissance und ihre Meister und Gönner werden nicht länger ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Dafür sorgen die erkenntnisreichen und präzise formulierten Erläuterungen. Selbst architektonische Merkmale wie die Gestaltung von Kapitellen und Friesen sowie ein Ausflug in die Formenlehre von Sakralbauten anhand von Skizzen lassen künftige Besuche auf angenehme Weise zu einem Schulausflug mit bleibenden Erinnerungen werden.