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Gebrauchsanweisung für Mailand

Gebrauchsanweisung Mailand

Zwei tolle Jahre für Mailand: 2015 die Expo, 2016 das Champions League Finale in San Siro. Klar, dass da so mancher auf die Idee kommt der lombardischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Die Stadt, in der Shopping-Event und Kultur-Overkill zusammen gehören wie Pizza und Vino. Das ist nicht alles? Echt? Henning Klüver hat da noch ein paar andere Tipps parat. Er weiß wie man die Stadt für sich einnimmt. Denn er lebt hier, seit über zwanzig Jahren.

Henning Klüver hat auch gleich das Einzigartige an Mailand ausgemacht, ohne das die Stadt ihr Antlitz verlieren würde: Den Dom. Ohne Inter und ohne den AC Milan wäre Mailand noch zu verkraften. Aber ohne den Dom wäre Mailand … nichts. Der Dom ist aber nicht einfach nur ein Gotteshaus mit einer mehr als sehenswerten Architektur. Man kann ihn sogar besteigen. Dann fühlt man sich wie im Panoptikum. Dutzende und Aberdutzende Figuren weisen den Weg über die Dächer der Stadt. Siehe Titelbild.

Den Vergleich mit Rom muss Mailand nicht scheuen. Es ist ein bisschen enger als in der Hauptstadt. Rom ist vielleicht schöner, reicher an Geschichte. Doch – und da sind sich alle Mailänder einig – zum Arbeiten zieht es die meisten nach Mailand. Aber als Tourist will man von Maloche nichts hören und so schiebt Henning Klüver den Leser sanft weiter durch die Stadt.

Da Mailand flächenmäßig eine kleine Stadt ist, kann man vieles schnell erreichen. Eine Fahrt mit der Straßenbahn bietet sich da an. Und schon ist man im nächsten Klischee. Mailand, die Elegante. In der Linie Eins sind die Türen aus Teak gefertigt. Seit sechzig Jahren rattert sie durch die Stadt und quietscht vergnügt im die Ecken. Teak! Ja, Teak in der Tram. Das nennt man dann wohl Lebensqualität. Doch auch Bausünden finden sich hier. Doch die Mailänder haben sich daran gewöhnt und machen sich einen Spaß daraus den Gebäuden passende Namen zu verpassen. Da gibt es das Haus mit Hosenträgern, die Krumme, die Bucklige und die Gerade.

Dieses Buch hetzt den Leser nicht durch die Stadt a Olona und Lambro. Vielmehr ist es über zweihundert Seiten langer Spaziergang durch Mailand, der einem stetig fließenden Wissensfluss ähnelt. So umfassend und detailreich wurden bisher nur wenige Städte vorgestellt.

Henning Klüvers Gebrauchsanweisung für Mailand ist ein doppelter Gewinn für den Leser. Nicht nur, weil auch die umliegende Region vorgestellt wird, sondern, weil es Wegweiser und Reiseführer in Einem ist. Der Autor stellt Orte vor, die man gesehen haben muss, bringt sie aber immer in Verbindung mit den Menschen, die diese Orte geprägt haben. Leonardo da Vinci und Guiseppe Verdi sind ebenso präsent wie hierzulande unbekannte Publizisten und Blogger, die ihrer Stadt wortgewaltig ein Denkmal setzen. Es empfiehlt sich dieses Buch in Milano immer dabei zu haben. Bei einer kurzen Rast lohnt es sich immer wieder einen kurzen Blick ins Buch zu werfen.

Gebrauchsanweisung für Istanbul

Gebrauchsanweisung Istanbul

„My kind of a town“, meinte einst Al Capone über Chicago. Hier konnte er zeitweise schalten und walten wie er wollte. Und Istanbul? Was sagt der geneigte Besucher über diese Stadt? „My kind of a cultural clash“. Hier stoßen die urbanen Lebensentwürfe wie Kontinentalplatten aufeinander. Nicht so langsam – ganz im Gegenteil – jedoch nicht weniger eindrucksvoll. Und hier kann der Gast schalten und walten wie er will. Wenn er sich auskennt! Zur perfekten Reisevorbereitung gehört neben dem unverzichtbaren Reisebuch auch ein wenig wohl formulierte Literatur. Und die liefert Kai Strittmatter. Nun ist Kai Strittmatter nicht nach Istanbul gekommen, weil er hier schon immer mal Urlaub machen wollte. Er wollte, nein er durfte als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung von Peking nach Istanbul wechseln. Der Unterschied zwischen „normalem Touristen“ und dem Autor ist nicht besonders groß. Beide wissen wo ihr Haus wohnt (sorry, aber der Gag musste jetzt einfach sein), der Tourist hat sein Hotel, Kai Strittmatter seine Wohnung (mit Bosporusblick und allem Drum und Dran). Beide wissen, was sie hier zu tun haben, sich umschauen, aufsaugen und berichten. Und beide kommen anfangs nicht aus dem Staunen raus! Wo „normale Touristen“ nicht mehr als ein „Boah“ herausbekommen, arbeitet sich Kai Strittmatter sanft und wortstark durch die einzelnen Kulturschichten. Für den Leser heißt das: Achtung Suchtgefahr! Die Intensität der Worte lässt an der Wahl des Urlaubsortes, sofern er denn nicht Istanbul heißt, zweifeln. Erste Umbuchgedanken kommen auf. Vielleicht doch eher Istanbul statt, Westerwald? Nicht unbedingt. Istanbul rennt nicht weg. Die Stadt gehört zu den Ältesten der Welt. Aber den Gedanken aus dem Kopf zu bekommen, wird verdammt schwer!

Die kurzen Kapitel machen das Buch zu eine echten Lese-Dauerbrenner. Kurz und knapp taucht man immer tiefer in die Seele der Stadt ein. Kurz unterbrochen von farbenprächtigen Absätzen, die einem Istanbul auf Gefühlsebene näher bringen. Mit eines der längsten Kapitel trägt den Titel „Auskosten“. Na klar, was sonst?! Istanbul sollte man in vollen Zügen genießen. Sich dem Rhythmus der Stadt anpassen. Nix für Frühaufsteher! Keyf nennt man das hier. Eine Art Müßiggang mit Zusatzleistungen. Laissez-faire mit Würde.

Kai Strittmatters Texte lesen sich wie ein Roman. Der Ich-Erzähler verzichtet auf das Links-Und-Rechts-Verweisen, was man gesehen haben muss und was nicht so sehr von Bedeutung ist (das gibt’s tatsächlich in Istanbul). Vielmehr ist die Gebrauchsanweisung ein echtes Handbuch, um sich nicht allzu sehr als Fremder im Millionenmoloch Istanbul zu fühlen. Ausflüge gibt es nur in die Geschichte. Alle anderen Trips sind wichtiger Bestandteil des Lebens am Bosporus. Kai Strittmatter geht Vorurteilen nach, belegt oder widerlegt sie, und wenn sie stimmen, forscht er nach woher sie kommen. Wer noch keinen Reisebegleiter für Istanbul gefunden hat: Bitte sehr, hier ist er! Vierundzwanzig Stunden verfügbar, eloquent, ratgebend und unerlässlich.

Pflanzen einfach bestimmen

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Die Abgeschiedenheit von Wiesen, Wäldern und anderen erholsamen Flecken sind die wahren Kraftspeicher und Tankstellen des Lebens. Einmal tief einatmen und die Sorgen des Alltags sind wie weggeblasen. Die Natur unter den eigenen Füßen spüren, krachend, sanft nachgebend, betörend, alle Sinne ansprechend. Wer in die Natur eintaucht, weckt nach und nach auch sein Interesse dafür. Und jetzt kommt der Punkt, an dem sich wissbegierige Forscher von den Rasentretern trennen. Denn jetzt ist der Punkt erreicht, an dem der Natur kleine Rätsel entrissen werden (können). Pflanzen bestimmen.

Puh, das war noch nie leicht! Oma und Opa, die konnten das noch! Die wussten worin sich ein Schnee- von einem Maiglöckchen unterscheidet. Klar, kann man nun sein Smartphone zücken, googeln und dann laut in die Welt hinaus schreien, was man da entdeckt hat. Der Zahn der Zeit! Gleich noch ein Selfie á la „Me and my Buschwindröschen“, Lippen geschürzt und ab ins Netz. Und aus den Augen, und somit auch aus dem Sinn.

Nee, nee, nee. Dieses Buch lädt zum klassischen Erkunden der heimischen Flora ein. Blättern nicht Wischen. Forschen nicht Suchmaschinen durchforsten. Genau beobachten statt flüchtige Blicke. „Schritt für Schritt einheimische Arten kennenlernen“, heißt es im Untertitel. Kennenlernen ist das Zauberwort. Nicht einfach nur entdecken und dafür Punkte kassieren. Angenehm, Grauweide. Sehr erfreut, ich bin Berula errecta, Viele kennen mich auch als kleiner Merk oder Berle. Ich werde bis zu 80 Zentimeter hoch und blühe von Juni bis August. Als Kuppler zwischen den beiden Unbekannten (Betrachter und Pflanze) ist dieses Buch jederzeit bereit. Alles in Allem fast siebenhundert Mal, sechshundertvierundsiebzig Mal, um genau zu sein.

Und jetzt kommt die Nachhaltigkeit um die Ecke. Ein social-media-post steht online, wird maximal noch „geliked“, und hat nun seine Schuldigkeit getan. Ein Buch wie „Pflanzen einfach bestimmen“ währt wahrhaft ewig. Man stellt an exponierter Stelle ins Regal, und holt es dann und wann wieder hervor. Ein Leben lang! Ein echter Freundschaftsdienstleister, der stets mit Rat zu Seite steht, wenn selbiger erforderlich ist. Und ein ganz normaler Spaziergang wird von nun an zu einer echten Forschungsreise. Für manche Grastreter ist es ein Wissensauffrischer, für Einige Neuland, für Alle eine Offenbarung. Wenn in den Medien wieder von Naturzerstörung die Rede ist, denken viele an umgeknickte Bäume. Doch welche Bäume? Wenn von Rodungen gesprochen wird, kann man anhand der Erläuterungen mögliche Opfer benennen. Oder von Vornherein sagen, welche Arten vor Ort schützenswert sind.

Eine weitere Handhabungsmöglichkeit ist die, sich einfach mal wieder mit dem zu beschäftigen, was seit Jahr und Tag vor der eigenen Haustür vor sich geht, was schon immer da war und hoffentlich auch immer da sein wird. Wer auf Wanderschaft durch die heimische Flora geht, wird in diesem Buch einen eloquenten und sachkundigen Begleiter finden. Auch wenn er ihn bis jetzt nicht gesucht hat.

CityTrip Bern

Bern CityTrip

Wieder eine Hauptstadt, die in der Wahrnehmung gar nicht als solche erscheint. Wer an Städte der Schweiz denkt, denkt an Zürich, Genf, Basel (von denen es auch jeweils CityTrips bei Reise Know How gibt). Bern kommt erst ein wenig später. Gut so, denkt sich der Berner. So können wir uns in Ruhe entwickeln und jedem Besucher uns ganz und gar und in voller Pracht, ohne Hektik präsentieren. Wer Bern verschmäht, wird es bitter bereuen. Das meint und weiß auch Gergely Kispál.

Er verbrachte hier einst fünf Jahre, studierte hier. Und mit Studium verbinden viele die Stadt an der Aare. Der weltweit berühmteste Wissenschaftler, der hier wirkte und forschte, war Albert Einstein.

In über achthundert Jahren Stadtgeschichte haben Viele ihre Spuren tief im Gemäuer der Stadt hinterlassen. Auch das veranlasste vor über dreißig Jahren die UNESCO die Innenstadt ins Weltkulturerbeprogramm aufzunehmen. Schon allein das Titelbild des Buches lässt den Leser leise Zustimmung zu zeigen. Bern ist eine wahre Fundgrube für Kunst- und Museumsfreunde. Einsteinhaus, Bernisches Historisches Museum und Kunsthalle sind nur drei Orte, die Besucher in ihren Bann ziehen. Hier wirkte unter anderem auch Paul Klee, der mit seiner Kunst bis heute auch bisher uninteressierte Besucher begeistert. Außerdem war er ein begnadeter Geschäftsmann, der frühzeitig das monetäre Potential seiner Kunst erkannte.

Bern ist auch die Stadt der bekanntesten Schweizer Schoggi, Toblerone. Von hier aus trat die Schokolade in der eigenwilligen Form ihren Siegeszug um die Welt an.

Wer sich nach dem genüsslichen Knacken noch etwas Bern gönnen will, tut gut daran sich vorher und während des Besuchs der Stadt zu informieren. Denn sonst verpasst man beispielsweise beim Aufstieg zum Gantrisch eine der schönsten Aussichten auf die Alpen, die die Schweiz zu bieten hat. Auch ungeübte Kraxler kommen hier auf Touren! Oder man verpasst einen historischen Rastplatz, gleich hinter dem Münster. Und was für die Pariser der Eiffelturm, für die Berliner das Brandenburger Tor sind, ist für die Berner die Zytglogge. Noch nie gehört? Nie gesehen? Noch nie davon gehört? Auf Seite 59 gibt’s die Auflösung!

Bei beiliegende Stadtplan, die kurzen Texte, die zahlreichen Tipps in diesem Buch lassen den avisierten Bern-Trip zu einem Erlebnis werden, das lange in Erinnerungen bleiben wird. Wer auf das Buch verzichten will, hat nun zwei Möglichkeiten: Bern sehen und es doch nicht kennenlernen. Oder die Gratis-App nutzen.

CityTrip Mailand und Bergamo

Mailand CityTrip

Mailand, Milano, gehört zu den Städten, von denen man selbst ohne einen einzigen Besuch meint, sie zu kennen. Doch geht es an die Reiseplanung stellt man schnell fest, dass nur Bruchstücke bereits bekannt sind. 2015 war das große Jahr der Lombardei-Metropole. Eins Komma Drei Millionen Menschen leben hier und selbst sie wissen nicht alles über ihre Heimat. Den Dom, die Scala und die Einkaufswelt der Galleria Vittorio Emanuele II sind auch Besuchern, die noch nie hier waren ein Begriff.

Doch Mailand nur auf diese drei Hotspots zu beschränken, wäre frevelhaft und würde selbst dem kürzesten Kurztrip nicht gerecht werden. Jens Sobisch stellt in seinem Reisebuch CityTrip Mailand und das nahegelegene Bergamo vor, so dass jeder Besuch zu einem Erlebnis wird.

Einfach mal kurz durchblättern und das ganze Ausmaß des kommenden Urlaubs wird sichtbar: Kurze Verhaltensregeln (Stichwort bella figura), Tipps für Herz und Magen sowie ein farbig untermaltes Textfeld mit der unerwarteten Überschrift „Mailand preiswert“. Ja, auch das ist möglich. Wenn das überteuerte Image der Stadt bisher einige abgehalten hat Mailand zu besuchen, wird hier nun auch diesem Vorurteil ein knackiges Ende gesetzt. Wer zum Beispiel ein 24-Stunden-Ticket erwirbt, spart schon mal – je nachdem wie häufig er die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt – ab der vierten Fahrt bares Geld. Denn es kostet nur dreimal so viel wie ein „normales Ticket“. Und wer sich vor Reisebeginn die Mühe macht das Internet zu durchforsten, wird feststellen, dass zahlreiche Museen und weitere Sehenswürdigkeiten an bestimmten Tagen einen kostenlosen Eintritt offerieren. Das Gesparte kann man dann getrost in primo und secondo anlegen. Denn wie der Autor zu berichten weiß, ist es üblich in den (besseren) ristorantes zwei Gänge zu bestellen. Und wo am besten? Das gibt er auch gleich noch bereitwillig preis.

Wer seinen Erstbesuch am Dom beginnen will – den findet man sicher am ehesten in der gewaltigen Stadt – wird es zu schätzen wissen, dass sich die Tipps nicht nur auf das Areal direkt herum beschränken. Links, rechts und hindurch erkundet man mit dem kleinen praktischen CityTrip Mailand die Stadt und fühlt sich wie ein sanfter Eroberer. Und so gelangt man von einem Highlight zum Anderen. Der dem Ende des Buches beigefügte Stadtplan zeichnet einem als Besucher aus und führt sicher ans Ziel. Auf der Rückseite ist die Innenstadt noch einmal detaillierter kartographiert.

Der „CityTrip Mailand und Bergamo“ ist der allzeit bereite und willige Helfer in einer der aufregendsten Städte Italiens und Europas. Bei so viel Information muss man allerdings achtgeben, dass man nicht vergisst den Kopf zu heben und die Stadt Eins zu Eins aufzusaugen. Denn nur sie kann mehr erzählen als das Buch…

smart Italienisch

smart italienisch

Kommt Ihnen das bekannt vor? „Ich, äh, bondschorno, hätte gern drei Brötchen … äh Brötchinos“, prego“. „Schatz, das heißt Panini!“. „Quatsch, das sind die Alben, die ich seit der WM 74 sammle. Panini, also weißt Du?!“. Tja, hätte er mal lieber jemanden gefragt, der sich damit auskennt. Nein, nicht die Übersetzungs-App auf dem Handy – die liefert nur einzelne Wörter. Wer Italien als Urlausbland erwählt hat, sollte zumindest ein paar Brocken Italienisch beherrschen. Leider sind Sprachführer immer etwas zu groß geraten oder zu unübersichtlich oder nur nicht gebrauchter Ballast auf Reisen. Und die ganz kleinen Sprachführer, kommen über „Ciao“ und „Ti amo“ nicht hinaus. Es kann schon ziemlich nervenaufreibend sein, den richtigen Sprachführer zu finden.

Dabei ist es so einfach: Klein, so klein, dass die Ausrede „Der passt nicht in meine Hosentasche“ nicht mehr zieht. Rot, Rot mit einem roten Fiat vorn drauf. Und wer’s gern original haben will, mit mp3-Download aller Audiotracks. Gratis! Das ist sozusagen das Vorspiel.

Zur Einstimmung auf die für viele melodischste Sprache der Welt gibt es ein paar einführende Worte inkl. Aussprache und Handhabung des Buches. Und dann geht’s schon los: „Non La capisco.“ Ein Satz, den man anfangs öfter benutzen wird. „Ich kann Sie nicht verstehen.“ Wenn man diesen Satz fehlerfrei aussprechen kann, hat man schon mal gewonnen. Denn dann ist das Eis gebrochen. Apropos Eis. Nach de colazione und der obligatorischen Pasta zur Mittagsstunde erfrischt ein gelato ungeheuer. Vielleicht fragola? Oder doch lieber limone?

Nochmal zurück zum Mittagstisch. Die Sonne prasselt erbarmungslos hernieder. Das acqua läuft in Strömen über den Körper. Und das Essen? È freddo! Das möchte man dann doch lieber mandarlo indietro, zurückgehen lassen. So ganz banale Dinge wie die Nahrungsaufnahme, und schon kann man sich im gediegenen Italienisch ausdrücken. Nur einmal das Buch aufschlagen! Tutto molto semplice. Ganz einfach.

Dieses Buch immer dabei zu haben, erleichtert sich das Zurechtfinden und nimmt ein wenig die Angst vor dem Fremden. Es vor lauter Aufregung in der Hand zu kneten, bringt nichts. Man muss schon reinschauen, um stets ein freundliches Ciao, per favore, prego, grazie zu ernten. In einer Erholungspause bietet es sich regelrecht an etwas Italienisch zu büffeln. Allerdings mit Spaß! Und wer immer noch nicht überzeugt ist, der sollte den Preis mal umrechnen, also in Lire. Das waren mal 12.000 Lire. Jetzt nur knapp sechs Euro. Wenn das kein Argument ist…

Und in Zukunft heißt es dann „Vorrei tre panini, per favore“. Es ganz einfach, wenn man den richtigen Sprachführer hat. Dann gibt es auch kein mitleidiges Schulterklopfen mit einem „Hier, nehmen Sie meinen Hueber!“.

Hamburg

MM-City Hamburg

Ring frei zur zweiten Runde! Im Boxsport kommt jetzt die Zeit, in der man sich den Gegner zurechtlegt, schaut, ob die eigene Taktik funktioniert, und in der man ganz ruhig dem Erfolg entgegenstampft. Bei dieser Zweitauflage des MM-City-Reisebandes Hamburg wurde der Weg zum Erfolg schon mit der ersten Auflage vorgegeben. Somit ist die Zweitauflage keine Ergänzung im herkömmlichen Sinne, sondern eine Titelverteidigung. Und es gibt keine Manipulationen. Doch, gibt es! Zielgruppe: Potentielle Hamburch-Besucher. Und die wollen unterhalten und informiert werden.

Zweihundertsechsundsiebzig Seiten lang verfolgt der Leser das bunte Treiben in der Stadt. Kleine Aufenthalte in Bars und Restaurants, an erholsamen Punkten für Körper und Geist, auf belebten Straßen, in Vierteln, die in diesem Buch ihre Geheimnisse preisgeben, darf der Leser innehalten. Doch was ist schon eine Verschnaufpause, wenn das Reisefieber in einem hochkocht?

Matthias Kröner schafft den Spagat zwischen Information und Unterhaltung spielend. In jedem Satz schwingt das leise Wegweisen mit ohne dass der Leser ins Stöhnen kommt. „Nicht noch ein Tipp – das Leben ist zu kurz!“, diese Plattitüde kommt gegen die Wucht dieses Buches nicht an. Hamburg mal eben so mitnehmen, auf der Durchreise eine Stippvisite machen: Kein Problem! Dann halt nur eine Tour, statt der beschriebenen sieben Touren. Wie wäre es mit einem Spaziergang am Elbufer? Oder durch Alt- oder Neustadt? Den Hafen? St. Georg und Außenalster? Doch lieber Altona-Altstadt und Ottensen? Sankt Pauli soll`s sein? Bitte sehr gern. Einmal vorblättern zur Seite 112. Auf den folgenden Seiten, sechsundzwanzig an der Zahl, wird dem Mythos gehuldigt (ja, auch den Weltpokalsiegerbesiegern – Bayernfans ist die Schmach vom 6. Februar 2002 inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen). Keine Scheu vor großen Namen, heißt es auf dem einst so heißen Pflaster. Wie zum Beispiel in der „Ritze“, einer Kneipe, die schon von außen mit derber Offenheit lockt. Im Keller der „Ritze“ haben übrigens schon Weltmeister trainiert. Boxweltmeister.

Und so schließt sich der Kreis. Der Gong zur letzten Runde ertönt. Erschöpft und froh darüber, dass das Buch noch lange nicht das Ende der Träume von Hamburg ist, gelangt man auf die letzen Seiten. Nicht schlapp machen, konzentriert bleiben. Die Belohnung wartet ja schließlich noch. Im Ring gibt es ein Kampfurteil, im Buch einen herausnehmbaren Stadtplan. Wohlwollend hat der Leser die kleinen gelben Kästen durchgelesen. Hier wird Stadtgeschichte erlebbar. Kurze Anekdoten, die haftenbleiben und vor Ort die Stadt noch interessanter erstrahlen lassen. Ein Boxer hat einen großen Stab an Helfern, die ihm zu dem machen, was er ist. Hamburg-Besucher haben‘s da einfacher: Sie benötigen nur einen Helfer: Diesen!

Amsterdam

Amsterdam MM City

Unter den Metropolen der Welt sticht Amsterdam nicht nur heraus, weil es die meisten Buchstaben hat: Neun an der Zahl. Nein, Amsterdam ist der Schmelztiegel der Welt. So verwundert es nicht, dass das kulinarische Angebot so breitgefächert ist wie der Erdball rund. Oft werden die reichhaltigen holländischen Gerichte mit exotischen Gewürzen nicht nur verfeinert, sondern auf ein höheres Niveau gehoben. Das ist einer der ersten Eindrücke von Amsterdam.

Doch Amsterdam hat noch viel mehr zu bieten. Das weiß auch Annette Krus-Bonazza. Und nach dem Lesen auch der hoffnungsfrohe Besucher. Kaum eine Stadt der Welt hat ein derart reichhaltiges Staun- und Erholungsangebot. Flussfahrten, Museumsbesuche, ausgiebige Stadtrundgänge, exzellent erhaltene Architektur und ja, es kommt ja schon, auch ein imposantes Nachtleben. Amsterdam ohne einen Abstecher in den Red-Light-District ist irgendwie nicht dasselbe wie mit. Bunte Lichter, die stolpernden Touristen (hier darf der Mann noch Mann sein, also sich wie ein typischer Mann benehmen), die flackernden Lichter, die sich in den Grachten spiegeln. Es gehört halt irgendwie dazu. Doch immer mehr Bars lassen auch Frauen als Gäste zu. Emanzipation und Progressivität gehörten schon immer zur Grachtenmetropole. Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Rotlichtviertel als Augenschmaus – ein Muss. Sich als „aktiver Stadtentwickler“ zu betätigen, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Amsterdam ist auch eine Museumsstadt. Nicht nur das berühmte Rijksmuseum mit einem reichen Arsenal an Rembrandts und Vermeers, auch kleinere Museen sind es wert besichtigt zu werden. Doch Vorsicht! Jeder, der ein paar günstig gelegene Quadratmeter mit ein paar scheinbar zusammenhängenden Exponaten füllen kann, macht ein Museum auf. Oft ist man nach ein paar Minuten wieder draußen und denkt sich im günstigsten Fall, „dieser kleine Gau…, hat er mich erwischt!“ Besser vorher jemanden fragen, der sich damit auskennt.

Zum Beispiel Annette Krus-Bonazza. Preiswerter und anhaltend ereignisreicher sind auf alle Fälle die elf Spaziergänge, die die Autorin für die sechste Auflage des MM City Reisebandes zusammengetragen hat. Und vor allem bunter. Die farbig abgesetzten Infokästen sind die eigentlichen Stars des Buches. Immer wieder kurz und knackig formulierte Tipps, detaillierte Hintergrundinformationen und kleine Anekdoten dienen nicht nur der Unterhaltung. Wie an einer Ampel weiß man: „Achtung, es geht gleich los!“. Immer wieder geben diese kurzen Abrisse den Blick frei für Neues und Interessantes.

Der MM City Reiseband Amsterdam ist das einzige Souvenir, das man selbst nach Amsterdam mitbringt. Für alles andere sorgt die Stadt von ganz allein!

Rom

Rom MM City

Auch wer im Geschichtsunterricht sein müdes Haupt auf dem Pult niederlegte weiß: Hier tobte seit jeher das Leben! Rom, Roma, die Ewige Stadt. Reiseanbieter locken mit Angeboten, die nie und nimmer stimmen können. Drei Tage Rom und keine Sehenswürdigkeit verpassen. Von wegen! Das klappt nur, wenn man drei Tage in diesem Buch blättert!

Drei Tage braucht man schon, um die knapp dreihundert Seiten zu durchforsten. Um dann alles zu sehen, braucht man ein Leben lang. Wer nicht so viel Zeit aufwenden kann, braucht – und das ist die logische Konsequenz – einen umfassenden, kompakten, detaillierten, klar gegliederten Reiseband, der alle Sinne anspricht. Das leise Knistern, wenn man das Buch zum ersten Mal öffnet. Der Geruch des frischen Buches steigt in die Nase. Man kann es fühlen, fast schon schmecken und bereits der Einband lässt es erahnen: Hier scheint die Sonne nur für den Besucher.

Sabine Becht hat sich die einfachste und die schwerste Aufgabe gesucht, denn sie hat einen Reiseband über Rom geschrieben, den man benutzen kann. Einfach deshalb, weil Rom voller Geschichte steckt, die erzählt werden muss. Und genau deshalb ist es auch die schwerste Aufgabe. Was ist wichtig, was weniger wichtig. Wichtig und interessant ist hier eh alles! Kaum ein Meter via, der nicht vom Hauch der Vergangenheit gestreift wurde. Kaum eine piazza, über die nicht ein Weltenbeweger geschritten ist. Kaum eine regione, die nicht den Anfang einer noch nicht beendeten Geschichte ist.

Wo also anfangen? Wie weiter? Wo aufhören? Wer Rom besucht, sollte sich einen Plan zurechtlegen. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Und deswegen dauert die Planung eben auch ein bisschen. Drei Tage mindestens…

Der Giro d’Italia 2016 führt an achtzehn Wettkampftagen durch Italien. Und spart Rom aus. Sabine Becht schickt den Leser auf zehn Spaziergängen durch die Stadt am Tiber und spart die Rundfahrt aus. Auch wer Rom schon kennt,  oder zumindest meint es zu kennen, entdeckt hier und da, wenn auch nur andeutungsweise, Neues. Ganz wichtig in Rom: Die Fortbewegung. Alles erlaufen, ist eine ordentliche Aufgabe. Nicht für jedermann zu bewältigen. Angst etwas zu verpassen, wenn man sich motorisiert fortbewegt, muss man nicht haben. Sabine Becht gibt rechtzeitig Bescheid, wenn man an einer Sehenswürdigkeit vorbei zu schlendern droht. Keine Inschrift, kein Denkmal, kein bedeutendes Objekt bleibt unbemerkt. Als lesender Besucher der Stadt muss man immer damit rechnen etwas zu entdecken. Jeder Rundgang ist mit einer exakten Karte ausgestattet, so dass Verlaufen unmöglich wird. Und wenn man doch einmal falsch abgebogen sein sollte, na und. Auch hier gibt’s was zu sehen. Wieder zurück auf die (richtige) Piste, und schon übernimmt Sabine Becht wieder die gedruckte Reiseleitung. Wenn der Magen knurrt, die Füße schmerzen, das Auge sich erholen muss, auch hier weiß der Reiseband wohltuenden Rat. Bei einem gediegenen Glas vino bianco, einer schmackhaften Pizza oder der besten Pasta der Stadt (damit wirbt eh jeder, doch die Autorin weiß, wo es auch wirklich zutrifft), blättert man noch ein wenig im Buch und bekommt sofort einen Eindruck von dem, was noch auf einen zukommt bzw. worauf man zugeht.

Wer Rom besucht, bekommt zwei im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegende Städte zu sehen: Rom und den Vatikan. Auch hier weiß die Autorin so Manches zu berichten und spornt zu Entdeckungsreisen an.

I love Paris

I love Paris

Paris kulinarisch – ein Gedicht! An jeder Ecke gibt es eine lukullische Entdeckung zu machen. Wozu also ein Restaurantreiseführer durch die Stadt der Liebe? Ganz einfach, weil auch hier vieles der Qualitätsminimierung zum Opfer fällt. Paris hat tausende von Restaurants, Brasserien und ähnlichen Angeboten zu bieten. Mal ein Croque auf die Hand ist ja ganz nett, doch den Tag mit einem ordentlichen Mahl, besser einem Menü, ausklingen zu lassen, hat schon einen ganz anderen Stellenwert. Und schließlich ist man in Paris.

Da hat man ganz automatisch höhere Ansprüche. Doch wie soll man aus der scheinbar unendlichen Menge die Lokalität auswählen, die für einen das magenfreundliche, sinnestimulierende Mahl bereithält? Wen soll man fragen? Warum nicht beim Besten höflich anklopfen? Alain Ducasse gelang was noch keinem zuvor gelang: Dreimal drei Sterne vom Guide Michelin. Er muss es also wissen, wo es am besten schmeckt.

„I love Paris“ – so schlicht und auffallend zugleich, so reicht bestückt und voller Geschmack. Acht Gebiete von Paris, zwanzig Kategorien und fünf Preisklassen. Jedes Lokal mit zahlreichen Bildern und einem kurzen, knackigen Text, der schon beim Lesen Appetit macht. Das ist alles, was das Herz bzw. der Magen bzw. das Auge bzw. die Nase verlangen.

Jedes Restaurant, jede Cafébar, jedes Hotel, jede Vinothek oder Eisdiele bekommt die Würdigung, die es verdient. Und da jeder Paristourist nicht immer über ein flexibles (sprich unendlich dehnbares Portemonnaie verfügt) gibt ein weiteres Piktogramm die ungefähren Preise an. Das reicht von unter zwanzig Euro bis über 250 Euro. Doch wer die Texte aufmerksam liest, und dem dann das Wasser im Munde zusammenläuft, sollte wirklich von oben nach unten lesen. Denn erst am Ende kommt manchmal der monetäre Schock, der den Appetit vor der möglichen facture kapitulieren lässt. Dann sucht man sich eben was Preiswerteres aus dem Buch aus.

Wer Paris schon bereist hat, kennt vielleicht das eine oder andere Restaurant. Und er kennt vielleicht auch das eine oder andere Restaurant, das er links (oder rechts) liegen ließ. Das wird nun nicht mehr passieren! Einhundert Adressen, Gourmetadressen – vom Wochenmarkt über Kaffeeröstereien bis zum „stellaren Verwerter“ – lassen die Vorfreude auf eine der schönsten Städte der Welt wachsen. Ein Gummiband hält alles zusammen, ein Lesezeichen erleichtert die Orientierung.

„I love Paris“ ist keine Neuerfindung. Reisebände über Paris gibt es wie Sand am Meer. Aber, und das ist ein großes Aber: Selten zu vor wurde so kompakt und umfassend zugleich, so leidenschaftlich und informativ die Stadt an der Seine als eleganter Futtertrog dargestellt. Ein Futtertrog für die Innentasche, den man immer zur Hand haben sollte. Sonst geht garantiert kein kulinarisches Bonbon verloren!