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Mordsache Caesar

Es ist fast wie bei Chefinspektor Columbo: Opfer und Täter sind dem Zuschauer bekannt, nun fiebert man mit dem Ermittler mit wie er den Übeltäter ein Falle stellt, damit er sich selbst entlarvt. Shakespeare hat sich auch schon an dem Stoff versucht. Und Hollywood sowieso. Caesar ist tot, es lebe Caesar!

Nun muss ermittelt werden. Umfeldrecherche. Wer könnte ein Motiv haben. Und die Mittel und Möglichkeit. Wen könnte man da fragen?! Rex Harrison, John Gielgud, Alain Delon – die wurden alle als Julius Caesar ermordet. Sind aber ebenfalls schon tot. Vielleicht findet man auf den Gemälden von Camuccini, Gérôme oder Füger Hinweise auf die Täter, um sie zu überführen. Auf alle Fälle muss man weit zurückgehen, um zu erfahren wie es kurz vor Frühlingsanfang des Jahres 44 vor Christus zu diesem Meuchelmord kam. Dreiundzwanzig Stiche in den Körper des Diktators, der der Republik Rom mit einem Flussübertritt den Garaus machte. Das Motiv hätten wir also schon mal.

Ermittler und Autor Michael Sommer geht sogar noch weiter zurück. Lange bevor der kleine Julius das Licht der Welt erblickte, beginnt Michael Sommer seine Recherchen. Er lässt sich dabei nicht – wie heutzutage bei Commissarios und Lieutenants etc. üblich – durch ellenlange Kochexzesse von seinem Vorhaben ablenken. Er ist klar fokussiert und schreitet systematisch voran. Die Tatverdächtigen stehen allesamt an der Wand der Neugier. Penibel untersucht Michael Sommer jeden noch so kleinen Hinweis. Und er behält auch die gesamtgesellschaftliche Lage im Blick. Denn hier liegt der Hase im Pfeffer.

Klingt alles ziemlich oberflächlich und wenig wissenschaftlich. Ist es aber nicht! Ja, Michael Sommer bedient sich einer lockeren Sprache. Warum soll er bierernst einmal mehr die Fakten auf den Tisch legen und ein weiteres Mal neu zusammensetzen. Der blutüberströmte Leichnam ist bekannt. Ebenso die Täter. Wer jedoch mit wem koalierte, und vor allem warum – das wird immer wieder vergessen. Quizshowfragen zu diesem Thema sind echte Gefahrenquellen, weil im Laufe der Jahrhunderte die Tat immer wieder effekthascherisch umgedeutet bzw. umgeschrieben wurde.

„Die letzten Tage des Diktators“ mit dem blutverschmierten Lorbeerkranz auf dem Titel lässt eine Zeit noch einmal auferstehen, die es verdient aller Missverständnisse ein für allemal bereinigt zu werden. Landkarten, historische Abbildungen, ein Stammbaum dabei willkommene Hilfsmittel, um dem spannendsten Mordfall der Geschichte den Staub von der Toga zu pusten und endlich alles Wahre zu einem ehrlichen Bild zusammenzufügen. Und das alles mit der Galanterie eines echten Gentleman-Ermittlers.

Messalina – Intrigen, Macht und Orgien im Alten Rom

C und V – was für ein Leben. C, das ist Claudius, Kaiser von Rom und V – das ist Valeria Messalina, seine Gattin. Und die hatte es in sich! Spötter mögen diesen Satz in alle Himmelsrichtungen verdrehen bis ihnen die Ideen für jedwede Doppeldeutigkeit ausgehen. Damit wird man ihr nicht gerecht. Obwohl an den Anekdoten wohl mehr wahr ist als hinzugefügt. Ein Festmahl für ihre nicht minder mächtigen Feinde zu Lebzeiten.

Ja, Messalina war eine mächtige Frau – schließlich die Frau des Kaisers. Den Ehrentitel Augusta – womit sie noch angesehener gewesen wäre – verwehrte man ihr. Dafür sorgte ihr Gatte, der Kaiser höchstpersönlich, der in ihrem Namen die Ehrung verweigerte. Was das mit einer Frau macht, die Macht um sich häuft wie Andere heutzutage billigen Modeschmuck, kann man sich vorstellen.

Doch Messalina blieb über die Jahrhunderte auch wegen eines anderen Attributes lang in Erinnerung. Auch wenn sie heut fast vergessen schient, streift man durch die Museen der Welt, so kommt sie einem von Paris bis Dresden und natürlich auch noch in Rom, immer wieder vor Augen. Sie war das Sinnbild der männerfressenden Frau schlechthin. Und das in vielerlei Hinsicht. Gerüchten zufolge wartete sie manchmal bis Claudius in den wohlverdienten kaiserlichen Schlaf gesunken war. Dann schlich sie sich aus dem Palast – war das wirklich so einfach? – setzte sich eine blonde Perücke auf und mietete sich ein Zimmer. In einem Bordell! Und dann – na ja, was wohl?! Sie soll sogar eine „Kollegin“ zum Wettkampf herausgefordert haben. Die anonyme Kaiserin gewann … und war immer noch nicht zufriedengestellt.

Wer sich ihr in den Weg stellte, konnte schnell mal den Kopf verlieren. Und das ist ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Claudius wurde ihr nicht Herr. Er musste ja auch noch ein riesiges Reich führen, dass von Syrien bis ins heutige Portugal reichte, und von London bis Theben alles vereinnahmte. Und Intrigen waren nicht sporadische Nadelstiche, sie waren echter und gelebter Alltag.

Honor Cargill-Martin setzt einer Frau ein Denkmal, deren Denkmäler nach ihrem unfreiwilligen Ableben quasi vollständig zerstört wurden. Hier und da erkennt man sie noch auf Reliefs oder Statuen. Doch dafür muss man schon ausgemachter Experte sein. Zu dem wird man unweigerlich schon während der Lektüre. Sie eröffnet einem neue Welten und dem Einen oder Anderen sicher eine neue Sichtweise auf das Alte Rom.

Intrigen und kleine (vor allem aber große!) Ferkeleien interessieren immer. Bis heute. Man denke nur an den Deppenprinzen der er Jahre aus dem Hause Hohenzollern oder die Partyauswüchse von Prinz Harry. Das will man lesen, das will man hören. Hier gibt es darüber hinaus noch Geschichtsstunden, die gar nichts mit denen aus der Schulzeit gemeinsam haben!

Die Straße der fischenden Katze

Die Straße der fischenden Katze gibt es tatsächlich. Und die heißt auch wirklich so. Und auf dem Titelbild sieht man sie. Selbst auf Wikipedia ist die Straße mit einem eigenen Artikel vorhanden. Sie liegt im V. Arrondissement, Quartier de la Sorbonne. Die Straße /Gasse ist klein. Schmal. Nicht besonders lang. Wer versucht einen ganzen Tag hier zu verbringen, muss verdammt langsam gehen. Sie ist nur knapp dreißig Meter lang. So viel zu den Fakten.

Hier lebte auch die ungarische Schriftstellerin Jolán Földes. Sie kennt die Legende der Katze, die mit einem Pfotenschlag Fische aus der nahegelegenen Seine „fischen“ konnte.

Und hier lebt nun auch Familie Barabás. Sie flüchteten aus Budapest entlang der Donau nach Wien. Schon auf der ersten Seite fesselt der Satz, dass die Züge damals wie Schafe einer zerstreuten Herde umherliefen, den Leser und lässt ihn freudig erwartend die kommenden knappe dreihundert Seiten begeistert in die 20er/30er Jahre in Paris eintauchen. Die älteste Tochter der Barabás’ wird die Geschichte der Familie und der Straße so erfrischend ehrlich und neugierig erzählen, dass man sofort die Tasche packen möchte, um diese kleine Gasse nur einmal einfach nur zu sehen.

Denn hier – als Ghetto möchte man die Straße nicht beschreiben, Ghettos sind schlimmer – trifft sich die Welt. Aber nicht in wallender Ballrobe, sondern in Alltagskluft. Russen, Litauer, und eben auch Ungarn versuchen hier ein Leben zu führen, dass man gemeinhin als „normal“ bezeichnen möchte. Doch ihr Leben ist nicht „normal“. Sprachbarrieren erschweren die Jobsuche. Als Ausländer in dieser rauschenden Zeit, in dieser vibrierenden Stadt hat man mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen. Und mittendrin Anna. Ein Kind noch. Doch mit wachem Auge und nicht minder wachem Verstand. Sie sieht, was Erwachsene nicht sehen können. Vorurteile kennt sie nicht. Doch sie erkennt Boshaftigkeit und Lug und trug. Hier ist sie nun zuhause. In dieser kleine Gasse/Straße in der großen weiten Welt. Weit weg von dem, was einmal Heimat war. Die große Politik ist ihnen wie so vielen nicht wohlgesonnen.

Jolán Földes dringt mit Wortwitz und nadelstichiger Präzision in eine Welt ein ohne sie zum Platzen zu bringen. Es ist eine fragile Welt, wie ein Ballon, ein Luftballon. Doch so zart dieser Ballon auch erscheint, er ist flexibel und widerstandsfähiger als man auf den ersten blick erkennen mag. Zerspring er allerdings, ist er irreparabel. Diese Gratwanderung macht „Die Straße der fischenden Katze“ zu einem Meisterwerk, das man sich gern immer wieder zur Hand. Spätestens beim nächsten Parisbesuch.

Monsieur Eiffel und sein Turm

Über Gustave Eiffel kann man sicher einiges behaupten: Ein Hallodri sei er gewesen, wenn man sein Engagement bei der Finanzbeschaffung für den Bau des Panama-Kanals betrachtet. Aber er war auch ein Visionär, um dieses strapazierte Wort noch einmal zu strapazieren. Einfach mal so einen Turm in die Weltmetropole Paris zu bauen, damit möglichst viele Besucher zur Weltausstellung 1889 kommen. Er wird ja danach eh wieder abgerissen. Doch es gibt bis heute nur wenige Bauwerke, die den Namen ihres Erbauers tragen und so weithin dauerhaft als Symbol einer Stadt, in Eiffels Fall sogar eines ganzen Landes gelten. Diese elegante Form, geometrisch perfekt, so spielerisch einfach einsetzbar. Man denke nur an das leuchtende Farbenspiel am Abend oder während der Olympischen Spiele 2024 in Paris. Doch Gustave Eiffel war auch ein Kämpfer. Er musste kämpfen. Denn sein Unterfangen den Turm zu bauen – keineswegs wollte er ihn nach sich benennen – war stets umstritten, stand mehrmals vor dem Aus, und war zudem auch noch Spekulationsobjekt Nummer Eins seiner Zeit. Immer verbunden mit dem Namen Eiffel.

Gustave Eiffel ist kein Einzeltäter. Einzeltäter im Sinne von „Einmal bauen und sich dann auf dem Ruhm ausruhen“. Er hat auch anderswo auf der Welt seine Spuren hinterlassne. Wer in Porto den Douro über die Ponte Dom Luís I überquert, setzt seinen Fuß auf Eiffels Werk. Seine Firma hat diese Brücke gebaut.

Eiffels Leben verlief nie geradlinig. Immer wieder stieß er auf Widerstände. Firmen gingen Pleite, seine Vision stießen nicht von Anfang an auf pure Freude. Er musste stets kämpfen. Mit Erfolg, muss man heute neidlos anerkennen.

Als die Kassen der Firma prall gefüllt waren – ja, es gab auch diese Zeiten – nahm das Projekt Eiffelturm, was da noch nicht so hieß, Gestalt an. Schlank sollte der Turm sein. Ein Zeugnis sein, was Ingenieurskunst imstande war zu leisten. Oder ganz schnöde gesagt, es durfte nicht viel kosten. Und trotzdem zum Imponieren taugen. Spezielle Verfahren zur Stabilisierung mussten entwickelt werden. Dafür hatte Eiffel ein gut gerüstetes und motiviertes Team in seinen Reihen. Er hat bei Weitem nicht alles selbst entworfen, geschweige denn gebaut. Nieten als Verbindungsmittel waren damals der letzte Schrei und sind bis heute das Mittel der Wahl.

Ralf Klingsiecks Biographie über den großen Gustave Eiffel liest sich wie ein Abenteuerroman. Jules Verne hätte seine Freude daran. Das gleichnamige Restaurant in der zweiten Etage des Turms trägt nicht umsonst den Namen des technikaffinen Schriftstellers. Die Leichtigkeit, mit der der Autor dem gewaltigen Werk des Erbauers ein weiteres Denkmal setzt, lässt diese Biographie aus dem Stapel der Biographien einzigartig herausragen.

Wien 2000 Jahre Geschichte

Zweitausend Jahre Geschichte kann man sicher auch in einem Taschenbuch unterbringen. Dann aber in ganz kleiner Schrift und ohne Bilder. Wiens Geschichte, die nun mittlerweile rund zweitausend Jahre andauert, muss so prachtvoll wie die Stadt selbst angeboten werden. Mit all ihren Klischees und den kleinen versteckten Hinweisen, die man dank dieses Buches auf Anhieb finden wird. Ansonsten könnte man beim Schnitzel auch die Panade weglassen. Ist möglich, aber …

Vindobona – das war einmal. Römische Stadt mit der Neigung einmal groß herauszukommen. Die Habsburger haben diesen Traum dann zur Vollendung gebracht, und heute gehört Wien zu den lebenswertesten Städten weltweit. Obwohl erst kürzlich Zürich in diesem Ranking an Wien vorbeigezogen ist.

Edgard Haider ist Historiker und ist ein echter Kenner seiner Stadt. Und das spürt man auf jeder Seite, jedem Absatz, jeder Zeile dieses Buches. Bilder sind immer ein echter Hingucker, und Wien bietet ein Füllhorn an grandiosen Fotomotiven. Dem Autor obliegt es nun diese Bilder mit Wissen anzureichern. Mission erfüllt. Selbst wer schon öfter in Wien war und meint sich auszukennen, wird nach einigem Umblättern immer wieder feststellen, dass er überrascht werden kann. Nur wenige können mit dem „O5“-Zeichen am Stephansdom den aktiven Widerstand gegen die Nazis in Verbindung bringen.

Wer auch nur ein bisschen in diesem Band herumblättert – ohnehin wird es nicht dabei bleiben, man beginnt ganz automatisch die Zeilen aufzusaugen – fühlt sich wie bei einem Rundflug über die Stadt. Farbenprächtig wird es nicht erst mit der Renaissance und der folgenden Reformation. Allein schon der Abschnitt über den „lieben Augustin“ sorgt einmal mehr für einen Aha-das-kenne-ich-doch-aber-die-geschichte-dahinter-kenne-ich-nicht-Ausruf.

Die Entstehung der Ringstraße ist nicht minder prunk- und schwungvoll wie der Wiederaufbau nach den braunen Jahren. Architektonische Aufmerksamkeiten wie der Karl-Marx-Hof oder der Wohnpark Alterlaa gehören zu Wien und diesem Buch wie die historischen Aufnahmen der Dreharbeiten zu „Der dritte Mann“ und das Mahnmal an die ermordeten Juden am Judenplatz.

Der einfach gehaltene Titel „Wien – 2000 Jahre Geschichte“ hält im Inneren viel mehr parat als man es erwarten darf. Die Texte sind für jedermann ein Zugewinn, wenn man einige Zeit hier verbringen will.

Berlin mit der Ringbahn entdecken

Schon mal versucht in Berlin ohne längere Suche einen Parkplatz zu bekommen? Mit viel Glück ist das möglich. Aber eben nicht berechenbar. Und nun will man sich Berlin anschauen. Das Auto steht j.w.d. und man selbst ist damit beschäftigt zuzusehen wie man vorankommt. Erholung sieht anders aus. Dabei ist es doch so einfach. 35 Kilometer in knapp 60 min. Das Zauberwort heißt Ringbahn. Über eineinhalb Jahrhunderte alt, mit Unterbrechungen. Okay, das mit den 60 Minuten ist übertrieben, denn dann sitzt man nur in der S-Bahn und sieht nicht das, was Links und Rechts des Weges zu erkunden ist. Aber es ist möglich.

Dieser Reiseband gehört in jedes Reisegepäck für die Hauptstadt! Einmal im Kreis fahren und die ganze Stadt sehen – das kann man nicht überall. Und vor allem nicht in dem Übermaß. Das geht nur in Berlin!

Das beginnt schon am – nicht originären – Startpunkt. Gesundbrunnen. Dort, wo die Berliner Unterwelten dem Besucher eine Stadt zeigen, die in ihrer Geschichte einiges zu ertragen hatte. Nur zweihundert Meter entfernt. Ebenfalls 200 Meter entfernt: Die Gartenstadt Atlantic. Gleich zu beginn eine Oase der Sinne. Der regierende Oberbürgermeister Eberhard Diepgen wohnte hier. Auch Günther Uecker hatte hier sein Atelier. Am Südkreuz ist es schon gewöhnungsbedürftiger dem Auge „was Schönes zu bieten“. Auf den ersten Blick. Die rote Insel ist mindestens für Hobby-Historiker genauso interessant wie für Eisenbahnfanatiker. Einen erhöhten Platz suchen und schon hat man Fotomotive en masse. Und wer Berliner Geschichte mit Eleganz verbinden will, der sucht die Leberstraße 65. Kurz nach Weihnachten 1901 kam hier der erste und vielleicht einzig wahre Hollywoodstar made in Germany zur Welt: Marlene Dietrich.

Und wir sind immer noch mit der Ringbahn unterwegs. Hopp on hopp off mit den Öffis. Für’n schmalen Taler.

Kirchen, Restaurants, Friedhöfe, Industriedenkmäler, Stadtquartiere – alles nur ein paar Minuten von den Haltpunkten der Ringbahn entfernt. So eine Stadtrundfahrt zieht sich dann gern mal über mehrere Tage. Und immer im Gepäck: Dieser Reiseband. Man muss ja auch nicht nach jedem Abstecher wie ein wilder Stier zur Bahn zurück rennen. Dafür gibt’s den Berlin Marathon…

Wer also Berlin mal janz entspannt jenießn will, der kommt um die Ringbahn nicht herum. Und ebenso ist dann dieser Reiseband unverzichtbar. Jeder Hotspot wird mit Adressangabe, wenn möglich Webadresse, beschrieben, inkl. der Wegstrecke und Laufzeit. Einsteigen, Aussteigen und das Großstadtleben genießen. Manchmal auch wortwörtlich in vollen Zügen…

Paris Wissenswertes und Kurioses – 55 erstaunliche Fakten

Wer mit Informationen voll ausgestattet nach Paris reisen will, muss fürs Extragepäck zahlen. Die Flut an Büchern ist schier unendlich. Und verständlich! Schließlich will man diese faszinierende Stadt auch mit allen Sinnen und komplett aufsaugen. Aber ganz ehrlich: Das ist unmöglich mit einer Reise zu schaffen, auch wenn das Verkehrssystem in Paris es rein zeitlich zulassen würde.

Seit einigen Jahren ist es chic sich mit dem Rad fortzubewegen. Dafür stehen tausende Leihräder zur Verfügung. Aber auch rund zehn Prozent davon müssen täglich(!) repariert werden. Und rund fünf Prozent werden erst gar nicht wieder zurückgegeben.

Weitaus berühmter ist die Metro und ihre kunstvoll gestalteten Metrostationen. Dabei galten sie vor einhundert Jahren, als man begann sie im Jugendstil zu errichten als altmodisch. Apropos Mode. Paris ohne Mode? Geht nicht. Den Grundstein dafür legte übrigens ein … Engländer.

Fünfundfünfzig Fakten, die nicht zwingend erforderlich sind, um Paris zu erkunden, jedoch jeden Spaziergang zu einem besonderen Erlebnis machen, sind in diesem Leichtgewicht versammelt. Es passt in jede Tasche, ist dank des Harteinbandes schnell zur Hand und sorgt Seite für Seite für ein Aha oder Oh lala. Das reicht vom Baguette (die Entstehungsgeschichte ist spannender als man denkt) über Geisterbahnhöfe bis hin zu Fakten, die ein wenig von der überbordenden Pracht der Stadt ablenken (für diejenigen, die ab und zu doch mal zu viel von der Schönheit der Stadt bekommen).

Die liebe volle und ansprechende Gestaltung des Buches führt dazu, dass man es immer wieder aus der Tasche zieht und sich mit scheinbaren Nebensächlichkeiten den Rundgang versüßt. Manchmal erschrickt man doch: Paris ohne Eiffelturm. Das war mal der Plan. Er sollte kurz nach der Weltausstellung 1889 abgerissen werden. Raten Sie mal wie hoch wäre der Stahlrest, wenn er auf der Grundfläche zusammengeschmolzen zur Besichtigung angeboten wäre! Es ist weniger als man denkt…

In diesem Buch hingegen steckt mehr als es das Ausmaß des Buches vermuten lässt.

50 Museen in Wien, die Sie gesehen haben müssen

Wien ohne Museumsbesuch ist möglich, aber … irgendwie auch wieder nicht. Die Stadt atmet an jeder Ecke royale Geschichte aus. Man kommt nicht umhin, doch mal die Nase in das eine oder andere Museum zu stecken. Man muss sie ja auch nicht suchen.

Allen voran die Albertina. Das Museum für alle, die vor allem vor Gemälden tief in sie eindringen können. Zentral gelegen, ist das Museum nicht nur Regenschutz an Schmuddeltagen, sondern und vor allem ein Augenschmaus für jedermann. Allein schon Monets Seerosen fesseln so manchen Durchgangsbesucher für etliche Minuten.

Gleich um die Ecke wird’s übersichtlicher – die Albertina kann auf einen Fundus im siebenstelligen Bereich zurückgreifen. Das Globusmuseum mag um einiges kleiner sein, doch die elegante Präsentation in den teils deckenhohen Vitrinen lässt Fernweh aufkommen. Und im Erdgeschoss ist die gesamte Welt versammelt. Denn befindet sich das Esperanto-Museum. Erstaunlich wie präsent die künstliche Weltsprache sich darstellen lässt.

Was wäre Wien ohne kaiserliche Pracht?! Nicht zu übersehen sind das Kunst- und das Naturhistorische Museum. Prachtbauten, die traditionelle Darstellung der Objekte im modernen Gewand vereinen. Beide gehören zu Wien wie Donau und Schnitzel.

Dieser Museumsband verbindet informativ und sehr gut handhabbar das Offensichtliche, Bekannte mit dem leicht versteckten. Wer weiß schon, dass Wiener Aktionismus und ein Kindermuseum (wo nun wirklich niemand meckert, wenn man Kunst anfasst) ebenso zum Stadtbild gehören wie Uhrenmuseum und Illusionen, die einen fast vergessen lassen, dass man sich in einem Museum befindet – sofern man dies möchte.

Wer Wien schon kennt, war garantiert schon in einem der zahlreichen Museen. Sie gehören einfach zu einem Wientrip dazu. Doch die kleinen, versteckten Kleinode machen diesen handlichen Band zu einem unverzichtbaren Begleiter. Und oft ist es erstaunlich nah bis zum nächsten Schauerlebnis. Die klare Gliederung und die kurzen ausreichenden Infos zur weiteren Recherche sind ein echter Anker auf dem voller Attraktionen steckenden Wiener Pflaster.

Vieles hat man vielleicht schon mal gehört, doch so recht weiß man dann doch nichts darüber. Die Texte im Buch sind Ratgeber, Appetitmacher und Wegweiser in Einem. Von Kaffee über Militärgeschichte bis zu Musik – auch hier gilt wieder: es geht nicht ohne! – ist alles dabei. Stellt sich nur die Frage wie viele Museen schafft man in einem Urlaub? Wie viele Besuche sind nötig, um Seite für Seite aus dem Buch zu besuchen? Denn eines steht fest: Man will sie alle sehen!

Zwei Menschen

Was ein Urlaub?! Mehrere Monate Rom. In den 60ern. Als Amerikaner. Forrest und seine Frau genießen die Zeit in der Ewigen Stadt … nicht. Nicht im Ansatz! Sie nörgelt, er lässt es zu. Es gibt keinen Grund, keine gründe für den Streit, den anhaltenden Zwist. Sie reist ab. Er ist … irgendwas zwischen konsterniert und erleichtert. Wobei Letztes doch die Oberhand gewinnt. Sie reden noch miteinander. Schreiben sich. Sie hält ihn über den Stand der Familie – sie haben zwei Töchter – auf dem Laufenden. Doch mehr ist da nicht (mehr).

Forrest war Broker in New York, stammte aus dem Mittleren Westen. Für ihn war New York mit all seinem Trubel die große weite Welt. Jetzt streift er durch Rom. Sitzt in Cafés, beobachtet Leute. Auch einen Jungen. Der ist ihm schon einmal begegnet. Er hat ihn schon einmal gesehen. Hier kommt Donald Windhams unglaubliches Gefühl für Sprache mit voller Wucht zum Einsatz. Er könnte jetzt eine herzzerreißende, von unerfüllten Sehnsüchten zerfleischende Gier heraufbeschwören oder sich in endlosen Gefühlsduseleien ergehen. Er belässt es bei fast nüchterner Betrachtung. Forrest spricht den Jungen an. Nimmt ihn mit…

Marcello ist Siebzehn. Ein Alter, in dem die Welt ihn nicht versteht. Die Welt ist in allernächster Nähe vor allem sein Vater. Er ist der Ernährer der Familie und bestimmt somit alles. Alles! Ein Patrone reinsten Ausmaßes. Die verständnisvolle Mama tut, was in ihrer Macht steht, um ihrem Nachwuchs die Auswüchse dieser Macht hinfortzufegen. Das klappt mal besser, mal weniger gut. Bildung für die Mädchen und Arbeit für den Sohn: Nein und Ja. So sieht es im Leben der jungen Heranwachsenden aus.

Auch Marcello irrt durch die Stadt. Party hier, Party da. Und den Kopf voller Pläne. Und vor allem voller Fragen.

Auch wenn Forrest und Marcello zig Jahre trennen, so trommeln diese Fragen wie ein steter Hammerschlag gegen alles, was lärmt. Es wird ein Jahr, das ihnen die Augen öffnen wird. Türen werden sich öffnen. So mancher Schleier wird durchlässiger. Happy end inklusive.

Donald Windham ließ sich Zeit zwischen seinem Erstling „Dogstar“, der einschlug wie eine Bombe und selbst Thomas Mann zu Schwärmereien hinreißen ließ. Mitte der 60er Jahre barg auch diese Storyline um einen verheirateten Strohwitwer abroad und einem sinnsuchenden Teenager Zündstoff für eine skandalträchtige Betrachtung. „Zwei Menschen“ ist so neutral verfasst, fast komplett befreit von jeglicher Emotionalität auf den ersten Blick, dass Kritiker von vornherein mundtot gemacht wurden. Es sind „nur zweihundert Seiten“. Doch jede Seite berauscht den Leser auf wundersame Weise.

Anderswo atmet man, hier lebt man

Wie war das noch, damals, in Paris? Oder: Wie war das damals in Paris? Isolde Ohlbaum war – damals – in Paris. Als Au pair. Saugte die französische Lebenskultur und mit ihr die alles überstrahlende Hauptstadt auf. Doch nicht der Eiffelturm und die Prachtboulevards sind ihr vor allem in Erinnerung geblieben. Es sind die Spaziergänge, die Lesenachmittage, die Kinoabende, die ihr im Gedächtnis geblieben sind. Das viel strapazierte Wort von Freiheit trägt sie nicht wie eine Fahne vor sich her. Sie hat sie erlebt, diese liberté.

Ihre Fotos lassen Träume erstehen. Entspanntes Leben wohin das Auge blickt. Und dann diese Kurzportraits! Menschen, die Frankreich präsentieren. Erinnerungen an Frauen und Männer, die die französisch-deutsche Freundschaft symbolisieren wie nur wenige. Wilhelm Hausenstein zum Beispiel. Generalkonsul in Paris, von Adenauer ernannt, von den Nazis verbannt. Er ebnete unter anderem mit den Weg zu der Versöhnung von Deutschen und Franzosen.

Es sind die kurzen Absätze, die – zusammen mit den Portraitfotos und den Stadtansichten – ein Bild der Traumstadt Paris zeichnen, das so nachhaltig in den Köpfen der Leser haften bleibt. Es sind mehr als nur bloße Erinnerungen an Zeiten, die uns in Schwarz-Weiß träumen lassen. Es sind Alltagsszenen voller Eleganz und Nostalgie. Isolde Ohlbaum hat die unruhigen Zeiten der späten Sechsziger miterlebt. Und damit sind nicht die Straßenschlachten gemeint. Die Nouvelle vague war ihr näher als die Demonstranten. Weil hier wahrhafte Veränderungen nachhaltig gestaltet wurden. Steine werfen kann jeder. Veränderungen anstoßen und weiterzuverfolgen, dazu braucht man Courage und Ideen. Die fand sie in den Kinos und den Schriften. Den Verfassern dieser Schriften ist dieses Buch ebenso gewidmet wie denen, die immer noch träumen wollen.

Ein kleines Buch, das in seiner Einzigartigkeit jedem vom Stuhl in den Parks von Paris haut. Und das bis heute!