Archiv der Kategorie: aus-erlesen Bio

Die Fahrt der Beagle

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Man stelle sich eine Weltreise vor: Karneval in Rio, Steaks essen in Buenos Aires, Badeurlaub im Pazifik, Whale watching in Kapstadt. Ja, das wär’s! Zumindest in heutiger Zeit. Doch vor knapp zweihundert Jahren waren Reisen auf dem Meer ein echtes Abenteuer. Ob man heil wieder zurückkam, war ungewiss. Die Unbilden des Meeres stellten ein unvorhersehbares Risiko dar und Reiseapotheken waren auch noch nicht so verbreitet. Reiseberichte würden heute in digitaler Form erscheinen. Jeder ist jederzeit live dabei, wenn Berge bezwungen werden, am Strand eine Kokosnuss geöffnet wird oder man vor aufdringlichen Straßenhändlern fliehen muss.

Damals, 1831 bis 1836, war das noch anders. Charles Darwin war gerade zweiundzwanzig und auf dem Weg zu einer Reise, die bis heute für Aufsehen sorgt. Zwei Jahre wollte er um die Welt segeln. Forschen. Es wurden fünf Jahre und er legte den Grundstein für Theorien und wissenschaftliches Arbeiten, auf dem heute noch gebaut werden kann.

Diese reichbebilderte, exzellent illustrierte Neuausgabe des Tagebuchs des großen Forschers fasziniert ab der ersten Seite. Wuchtig liegt es in der Hand. Schwer auszubalancieren, doch die Mühe lohnt sich. Auf seiner zweiten Expedition mit der HMS Beagle führte Charles Darwin pedantisch Tagebuch. Und das erlaubt uns heute schmunzelnd und staunend zugleich einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Für damalige Verhältnisse kam das Buch einer Revolution gleich. Die von ihm beschriebenen Tiere waren nur wenigen bekannt. Ganz zu schweigen von den Eigenheiten der Tiere. Wo genau leben sie? Wie werden sie gefangen? Welchen Nutzen haben sie für den Menschen? Selbst heute sind noch viele Fragen offen – oder schon wieder?!

Auch der Kapitän der Beagle hat seine Eindrücke damals in einem Tagebuch festgehalten. Auszüge daraus bereichern die Ausführungen des Evolutionstheoretikers Darwin. Zahlreiche Aufnahmen der besuchten Orte, von Flora und Fauna, Skizzen und authentische Fotografien sind Zeitzeugen, die die Faszination Darwins für seine Arbeit hervorheben.

„Die Fahrt der Beagle“ ist der Beweis, dass Reisereportagen anno dazumal nicht weniger spannend waren als heute. Im Gegenteil. Als Vorbereitung gab’s, wenn man Glück hatte, nur Augenzeugenberichte. Keine Reisebände, keine Reisereportagen. Fast wähnt man sich in Kindertage zurückversetzt, als man bei Oma und Opa auf dem Schoß saß und gebannt den Märchen lauschte. Diese Märchen sind echt. Mit jeder Faser seines Körpers stürzte Darwin sich in die wissenschaftliche Arbeit und nicht minder in die Aufzeichnungen. Die Illustrationen sind nicht als Erläuterung der schwer verständlichen Texte zu verstehen. Darwin besaß außer seinem Forscherdrang auch die Gabe andere mit Worten in seinen Bann zu ziehen. Nein, die Abbildungen sind die Gewürzmischung, die diesem Buch erst den richtigen Geschmack verleihen.

Hölle und Paradies – Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur

Hölle und Paradies

Keine Biographie über einen Autor, keine Abhandlung über ein bestimmtes Werk – nein, eine Biographie über einen ganzen Verlag. Man fängt am besten am Ende des Buches an, um dieses Buch zu verstehen. Denn dort stehen die Werke des Querido-Verlages Amsterdam, der so bedeutend ist für die deutsche Literaturszene wie kaum ein anderer. Lion Feuchtwanger, Heinrich, Thomas und Klaus Mann, Albert Einstein, Alfred Döblin, Arnold Zweig, Anna Seghers, Bruno Frank, Romain Rolland, um nur einige zu nennen, die in den Jahren 1933 bis 1950 hier verlegt wurden. Anhand der Jahreszahlen ist es offensichtlich, warum. Sie waren in ihrer Heimat verboten, wurden verfolgt, ihre Bücher öffentlich(!) verbrannt. Exil war die einige Möglichkeit zu überleben. Ihr Brot verdienten sie ebenso dort, im Exil, der Querido-Verlag war ihre nicht verborgene Geldquelle.

Emanuel Querido ist der Kopf hinter dem Verlag, Fritz Landshoff der geschickte Strippenzieher, der von Emanuel Querido von Kiepenheuer in Berlin nach Amsterdam gelockt wird. Hier soll deutsche Literatur ein neues Zuhause bekommen. In Deutschland wurde ihnen der Boden unter den Füßen entrissen. Mit zunehmender Repression werden ihre Schriften politischer.

Klaus Mann will mit seiner Zeitschrift „Die Sammlung“ über den Querido-Verlag den zu Verstummenden eine Stimme geben. Das Projekt ist ehrgeizig, doch schwer realisierbar.

Als 1940 auch die Niederlande, trotz Neutralitätsbekundungen, annektiert werden, steht es schlecht um den Verlag von Joseph Roth, Vicki Baum und Erich Maria Remarque. Emanuel Querido schafft es nicht den Nazischergen zu entkommen. Er wird ins KZ Sobibor gebracht, wo er wahrscheinlich – genaue Aufzeichnungen gibt es nicht (mehr) – am gleichen Tag mit seiner Frau ermordet wurde.

Bettina Baltschev begibt sich auf Spurensuche nach Hinterlassenschaften eines der wichtigsten Verlage deutscher Literatur und Geschichte. Sie wird findet in Amsterdam noch Bücher des Querido-Verlages, der 2015 sein hundertstes Jubiläum feierte. In kleinen Antiquariaten kommen ihr Kleinode unter, die teilweise eine echte Weltreise unternommen haben. Bis heute zählen die Bücher der im Querido-Verlag betreuten Schriftsteller zu den meistgelesenen Werken überhaupt. Es ist das Vermächtnis zweier Männer, die unerschrocken der Kunst eine Bühne boten. Fritz Landshoff überlebte die Nazizeit. Seine Aufzeichnungen, Interviews sind die Basis für dieses Buch, das so eindrücklich Zeugnis ablegt, dass die Feder oft schärfer ist als das Schwert.

Es sind Bücher wie diese, deren Autoren sich vermeintlich kleine Aspekte der Geschichte herauspicken und in einem großen Zusammenhang stellen. Mutige Menschen wie Emanuel Querido, Fritz Landshoff und ihre „Klienten“ wird in diesem Buch ein leicht zu lesendes Denkmal gesetzt.

Albert Einstein & Elisabeth von Belgien – Eine Freundschaft in bewegter Zeit

Albert Einstein und Elisabeth von Belgien

Da ist man doch geneigt zu sagen, dass alles, aber auch wirklich alles, über Albert Einstein gesagt ist. In Bern ziert das Einstein-Museum ein prachtvolles Gebäude, man in seiner bescheidenen Wohnung flanieren wie in der Obstabteilung eines Supermarktes. Und Bücher von und über ihn gibt es wie Sand am Meer. Und nun das! Er, der hochgebildete, engagierte Humanist, der Zeit seines Lebens Konventionen als bekämpfenswert erachtete und Sie, die Adelige des Hauses Wittelsbach am belgischen Hofe, Elisabeth? Dass Einstein sich einen gewissen Ruf als Schwerenöter „erarbeitet“ hatte, ist bekannt. Doch mit einer Adeligen? Nein, dieses Buch ist kein Pamphlet über die amourösen Abenteuer eines Genies und eines Freigeistes. Es ist die Reminiszenz an eine respektvolle Beziehung zweier Menschen, die nur auf den ersten Blick so unvereinbar wie Feuer und Wasser waren.

Elisabeth Gabriele wuchs wohlbehütet am Westufer des Starnberger Sees auf. Adel verpflichtet! Goldene Bälle und extrovertiertes Verhalten waren verpönt. Albert Einstein wurde zwar nicht mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren, doch darben musste er auch nicht. Kämpfen sehr wohl. Um die Gunst der Eltern wie auch um die Anerkennung an Lehranstalten. Seine – heute würde man sagen „große Klappe“ – waren ihm öfter im Wege als dass sie ihm half.

1911 reiste er nach Brüssel. Hier traf sich – von nun ab in regelmäßigen Abständen – die wissenschaftliche Elite der Welt. Marie Curie war unter anderem Stammgast bei der Veranstaltung, die vom Sodakönig Ernest Solvay abgehalten wurde. Zu dieser Zeit war Einsteins Relativitätstheorie in aller Munde, er ein gern gesehener Gast und anerkannter Wissenschaftler. Elisabeth war zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwei Jahre Königin von Belgien. Auch sie musste um Anerkennung kämpfen, denn ihr Schwiegervater war wenig begeistert von der schwächlichen Wittelsbacherin.

Albert Einstein ist öfter mal „bei Königs“ eingeladen. Die Chemie stimmt zwischen dem Physiker und dem Königshaus. Daran können auch Krieg und Wirtschaftskrise nichts ändern. Als die Nazis immer präsenter werden, ihre Terrorherrschaft in Deutschland jeden spüren lassen, findet Einstein in Belgien eine erste neue Heimat. Bis es ihm auch hier zu heiß wird. Überall auf in Europa werden Gleichgesinnte ermordet. Einstein flieht in die USA.

Der Briefkontakt bleibt, man schickt sich regelmäßig Bilder. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges kann man sich wieder in die Arme nehmen. In Briefform. Elisabeth ist da schon Witwe. Ihr Gatte, der belgische König kam schon vor Jahren bei einem Unfall ums Leben. Die „Liebe Königin“ soll auch ihren „lieben Professor“ überleben.

Rosine de Dijns Buch über eine echte, weil Jahrzehnte, alle Irrungen und Wirrungen überdauernde, Freundschaft zeugt vom Respekt der Autorin ihren Helden gegenüber als auch von humanistischen Gedanken der Beiden, die sich ihrer herausragenden Rolle bewusst waren, jedoch nie einen Gedanken daran verschwendeten ihre Stellung schamlos auszunutzen. Beide waren künstlerisch begabt und musizierten so oft es ging gemeinsam. Die tiefe Zuneigung kommt in den zahlreichen Briefen an den jeweils anderen so schnörkellos daher, dass beide Größen ihrer Zeit so nahbar sind wie selten zuvor.

Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers

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Ben Jackson ist ein exzellenter Kenner der amerikanischen Literatur der 40er Jahre (des vergangenen Jahrhunderts). Einige Schriftsteller konnte er stolz zu seinen Freunden zählen. Wie zum Beispiel Carson McCullers. Und nun erzählt er wie Carson McCullers wurde, was sie war: Ein Wunderkind!

Der Anlass, der in bewegt seine Gedanken niederzuschreiben, ist traurig. Denn Carson McCullers hat nur wenige Tage zu vor ihre Augen für immer geschlossen. Und Ben Jackson soll nun ein paar Worte auf der Beerdigung sagen. Es fällt ihm schwer. Und so zieht er sich immer mehr in die Vergangenheit der viel zu früh verstorbenen Carson McCullers zurück:
Dass sie einmal ein Wunderkind zur Welt bringen würde, war Marguerite Waters Smith schon immer klar. Deshalb sollte der Stammhalter auch den Namen Caruso bekommen. Caruso Smith – der Hang zur absolut unpassenden (weil unmelodischen, und frei von jedwedem sozialen Zusammenhang) Namenswahl ist also keine Erfindung der Neuzeit. Doch dann kam es anders – aus Caruso wurde Lula Carson, später einfach nur Carson. Als Carson noch Lula Carson war, setzte sie sich ans Klavier der Eltern. Freunde hatte die Kleine keine, zu schäbig, nicht gut für sie, unpassend für ein Wunderkind. Kinderliebe kann schon seltsame Blüten treiben… Und sie klimperte nicht einfach nur so herum, sie spielte Melodien, Lieder. Ein echtes Wunderkind eben! Ihre Mutter sollte recht behalten.

Doch auch Wunderkinder haben ihren eigenen Kopf. Schriftstellerin will sie werden. Auch als an der renommierten Juilliard School of Music in New York angenommen wird, verflüchtigt sich dieser Wunsch nicht. Sie schreibt schon als Teenager Geschichten. Und als sie das Schulgeld verliert, sich aber nicht getraut es zuzugeben, muss sie sich – allein in New York – irgendwie über Wasser halten. Sie schreibt, bekommt sogar Geld dafür und landet mit „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ ihren ersten Erfolg.

Aus Lula Carson Smith, der Wunderkind von Gottes Gnaden, wird Carson McCullers, die bedeutendste Autorin Amerikas, wenn es nach Tennessee Williams geht. Doch um ihre Gesundheit ist es nicht gerade gut bestellt. Die Rückschläge gesundheitlicher Art werden immer häufiger. Die Erfolge auf schriftstellerischer Ebene lassen nicht lange auf sich warten. „Spiegelbild im goldnen Auge“, „Die Ballade vom traurigen Café“ knüpfen nahtlos an „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ an.

Und Reeves, ihr Mann, Namensgeber? Auch er wollte Schriftsteller werden. Mit ihrer ersten Gage kaufte er sich von der Army los. Sie war er ehrgeizig und erfolgreich, er nur ehrgeizig. Reeves und Carson waren füreinander gemacht, doch schafften es nicht im eigenen Glück zu baden…

Das ist alles nur … fiktiv. Kein Ben Jackson! Leider! Doch Barbara Landes nimmt man jedes Wort in ihrer Romanbiographie ab. Jedes Wort, jedes Komma, jedes Adjektiv sitzt und pulsiert. Als ob das einstige Wunderkind Carson McCullers selbst die Feder gehalten hätte. Wenn Romane wie diese Sinnbild für den Spätsommer sind, lassen sie den noch so heißesten Sommer wie eine laue Brise erscheinen.

Sich an eine Biographie zu wagen, die das Objekt der Begierde selbst schon verfasst hat, grenzt an eine Herkulesaufgabe. Von vorneherein zum Scheitern verurteilt, wenn es sich um jemand wie Carson McCullers handelt. Die Leichtigkeit, mit der Barbara Landes der Schriftstellerin gegenübertritt (oder sollte man sagen „neben ihr herschreitet“?) überrascht. 2017 jährt sich Carson McCullers Geburtstag zum hundertsten Mal. Wer jetzt noch vorhat die Schriftstellerin mit einem Buch zu ehren, muss mehr als einen Kniff im petto haben. Ben Jackson, Barbara Landes und Carson McCullers, zwei real, einer erfunden, sind das trio infernale des literarischen Herbstes 2016.

Leinwandgöttinnen

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Sie sind die einzigen Wesen, an die man glaubt, die man anbetet, die wahrhaftig sind – man sieht sie und wirft jeglichen Atheismus über den Haufen: Leinwandgöttinnen. Oscarprämierte zweidimensionale Geschöpfe, die mit ihrer Kunst und Ausstrahlung selbst einem Fahrradfahrer Benzin verkaufen können. Schon das Buchformat gibt den Rahmen vor: Groß(artig), ein Taschenbuch könnte nur Fakten aufreihen. Der vergoldete Leineneinband am Buchrücken lässt einen Hauch von Kinoatmosphäre aufkommen.

Auf dem Titel prangt der Inbegriff der Göttin: Audrey Hepburn. Würden Lexika nur aus Bildern bestehen, so würde man ihr Bild unter Anmut finden. Ihre Verkörperung der Holly Golightly ist das perfekte Gegenstück zum Entwurf der Figur (ursprünglich hatte Truman Capote Marilyn Monroe die Rolle auf den üppigen Leib geschrieben), denn allein sie prägte das Bild des leichtlebigen, und dabei nie bewusst verletzenden Freigeistes für Generationen.

Ihre Namensvetterin Katherine hingegen bekam gleich viermal den Oscar. Sie ist die unangefochtene Göttin unter den Göttinnen. Ebenfalls aus eher wohlhabenden Verhältnissen stammend, waren ihr Ehrgeiz und ihre Sturheit ihr Markenzeichen. Sie verwandelte die Leinwand in ein Zelluloidfeuer, das heute nur noch wenige ihrer Nachfolgerinnen im Stande sind nachzuzeichnen. Resolutes Auftreten, die eigene Meinung vehement zu vertreten und die Abneigung sich als Star bezeichnen zu lassen, gaben ihr das Attribut Göttin.

Nur ein Jahr jünger war Bette Davies. Ein Biest, wenn man nur ihre Rollen betrachtet. Und das ist es, was bis heute nachwirkt. Sie war nie das Glamour-Girl, das es durch massenwirksame Äußerlichkeiten in die Klatschspalten brachte. Sie war böse, gemein, hinterhältig … in ihren Rollen. Für Produzenten und Studiobosse ein Albtraum. Doch ihre Baby Jane und ihre Jezebel sind bis heute der Inbegriff der Teufelin.

Den Autoren gelingt es in kurzen Texten die Anbetungswürdigkeit von fünfzehn herausragenden Schauspielerinnen und Oscar-Preisträgerinnen ins rechte Licht zu rücken. In jedem ihrer Sätze spürt man die Leidenschaft, die die beiden Autoren für Film und ihre Akteure entwickelt haben. Der Leser taucht tief ein ins Leben der Diven (im Englischen wirkt diese Formulierung besser (dive=tauchen, Diva=Göttin) und hat augenblicklich das Verlangen unvermittelt sich Klassiker wie „Rat mal, wer zum Essen kommt“, „Bonnie und Clyde“ oder „Still Alice“ als Abendunterhaltung zu wählen. Meryl Streep, Julianne Moore, Sophia Loren, Liz Taylor, Grace Kelly und andere haben sich schon ihren Platz im Kinoolymp erkämpft. Sie thronen über vielen anderen, die sich noch si abrackern können und nie die Meriten ihrer großen Vorbilder erhalten werden. Die Leinwandgöttinnen stachen durch ihr außergewöhnliches Talent, aber auch ihr Engagement außerhalb der Studios hervor. Manche waren politisch aktiv wie Jane Fonda und Susan Sarandon, sahen ihr eigentliches Lebensziel darin mit ihrer Reputation die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Andere hoben ihre Kunst auf eine neue, höhere Stufe. Bloße Effekthascherei schnell durchschaut und führt nur auf den kurzen Weg des Ruhmes. Lang anhaltenden, immer währenden Ruhm erhält nur wer Außergewöhnliches leistet. So wie diese Leinwandgöttinnen.

Fidel Castro: Revolutionär und Staatspräsident – Hörbuch

Fidel Castro Hörbuch

Kuba – was für eine Leidenschaft diese vier Buchstaben hervorrufen. Weite Strände, Plamen, endloses Meer, Lebenslust unter karibischer Sonne. Doch auch seit über einem halben Jahrhundert ein Staat, der mit Kampf, revolutionären Ideen und einer Vision in Verbindung gebracht wird. Und einem Mann: Fidel Castro. Ein Name wie Donnerhall für seine Feinde, Erlösung und Balsam für die geschundene Seele für die ihm Dankbaren.

Elke Bader zeichnet mit ihrem Hörbuch ein differenziertes Bild des Máximo Lider. Stimmungsvoll untermalt mit Radio-Ausschnitten und Musik, erzählt von den markantesten Stimmen der Hörbuchszene Gerd Heidenreich und Johannes Steck sowie Murali Perumal. Vier CDs, die das spärlich vorhandene, oft verzerrte Wissen um den gewieften Taktiker und mitreißenden Redner um so manche Anekdote ergänzen und anreichern.

Knapp fünf Stunden lauscht man gebannt den Stimmen, wird zurückversetzt in eine Zeit, die die gar nicht, und wenn doch nur aus Dokumentationen kennen. Mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund aufgewachsen, waren Fidel Castro die herrschenden Sich-die-Taschen-stopfenden Lenker Kubas seit jeher ein Dorn im Auge. Seine Studien – er hat gleich mehrere Abschlüsse – nutzte er, um seiner Heimat eine seiner Meinung nach sonnige Zukunft zu bescheren. Schon Anfang der 50er Jahre desvorigen Jahrhunderts wurde ihm klar, dass den Diktatoren Kubas mit Worten nicht hinreichend beizukommen sei. Zumal sie mit den USA mächtige Rückendeckung besaßen. Der Angriff auf die Moncada-Kaserne war nur der erste Versuch mit Waffengewalt eine Veränderung herbeizuführen.

Mit Che Guevara bekam der Kampf eine Pop-Ikone an die Seite gestellt. Exil, detaillierte Planungen und eine hochmotivierte Truppe brachten endlich das ersehnte Ziel: Ein freies Kuba.

Doch die einstigen Machthaber und ihre Unterstützer ließen nicht locker. Embargos und Isolation folgten. Anbiederung trotz Vorbehalte an den sozialistischen Teil der Erde waren unumgänglich. Kuba, der einstige Sündenpfuhl Lateinamerikas, der der prüden Oberschicht des übermächtigen Nachbarn als lockeres Gegenstück der eigenen Verklemmtheit diente, wurde zum Vorzeigestaat des Marxismus-Leninismus. Als der Ostblock fiel, wankte Kuba ein wenig. Mehr aber auch nicht. Selbst als Fidel die Macht an seinen Bruder Raoul abgab, brachen noch lange nicht alle Dämme.

Die ruhige Erzählweise vermittelt ein fast schon komplettes Bild Fidel Castros. Schon früh musste er lernen sich durchzusetzen. Gegen Mitschüler, die den Ungetauften hänselten, gegen Lehrer, die ihn körperlich malträtierten. Schließlich gegen alle Widerständler, die seine Ideen nicht guthießen.

Das Ergebnis ist bekannt: Wenn Fidel redete, standen die Zuhörer stundenlang still. Solange er lebt, wird Kuba nicht fallen, heißt es. Fidel Castro ist eine Ikone, über die man nur sehr wenig weiß. Aber viel spekuliert. Und die so genannten weichen Fakten (die Anzahl der Ehen und Kinder sind ein willkommenes Fressen für die Klatschreporter) sagen nur wenig über den wahren Charakter des Staatsmannes aus.

Fünf Stunden, um einen Menschen zu beschreiben – reicht das? Nein, aber es reicht vollkommen aus, um aus einem vermeintlichen Phantom einen fleischgewordenen Revolutionär zu skizzieren. Denn sobald – und davon muss man ausgehen – Fidel Castro einmal nicht mehr ist, werden sich die Geier der Geschichtsschreibung auf seinen Kadaver setzen und ihn zerfleischen bis nur noch spärliche Reste vorhanden sein werden. Warum also nicht jetzt schon mal anfangen mit wohlklingenden und bekannten Stimmen deren Siegesgeschrei zu mildern?

Christina von Schweden – Ich fürchte mich nicht

Christina von Schweden - Ich fürchte mich nicht

Was für eine Frau! In einer Zeit, in der fast ganz Europa – salopp gesagt – es modern findet sich zum Protestantismus zu bekennen, geht sie den umgekehrten Weg und wurde Katholikin. Sie verzichtet auf den Thron. Das wäre so als wenn heutzutage ein Afd-Politiker mit einer Blume im Gewehrlauf Flüchtlinge an der Grenze empfängt, um sie anschließend (und ohne Hintergedanken) in seiner von ihm geschaffenen Unterkunft eine neue Heimat gibt. Natürlich sorgte das damals für Unruhe, genauso wie der AfDler heute für Aufsehen sorgen würde.

Doch der Reihe nach. In Europa wütet der Dreißigjährige Krieg. Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf eint so manche Armee und ist so was wie der Platzhirsch im Schlachtengetümmel. Zuhause warten Volk und Familie auf die Rückkehr. Vor allem Christina wartet. Sie wird einmal das Reich regieren. Nach dem Tod des Vaters wird sie maßgeblich an der Beendigung des drei Jahrzehnte dauernden Krieges beteiligt sein.

Christina konnte von ihrer leiblichen Mutter weniger Liebe erwarten als von ihren Kindermädchen. Sie war verliebt, durfte aber ihren Schwarm nicht heiraten. Doch die beiden waren sich immer zugetan. Bis sie ihm ihre Zuneigung entzog. Als erbitterter Feind war er maßgeblich an ihrer erzwungenen Abdankung beteiligt.

Eine Frau auf dem Thron war schon damals nicht für die Arrivierten. Und dann auch noch eine, die sich partout weigert zu heiraten – untragbar. Charlotte Ueckert legt lückenlos dar wie die immer noch starke Frau sich an den Papst wendet, Katholikin wird und im französischen Exil immer noch den Status einer Königin eines einst einflussreichen Landes genießt. Mit aller Macht verteidigt sie ihren Lebensstil. Wer ihr im Weg steht, tut dies nicht lang.

So eine starke Frau und kam ein Geschichtsbuch erwähnt sie. Gerade in Zeiten der Gleichberechtigung – und Schweden ist nach eigenem Bekunden da ganz weit vorn – ein Fauxpas historischem Ausmaßes. Denn selbst in ihrer Heimat ist sie nur wenigen wirklich bekannt. Der Name, ja, der sagt einigen was, auch wegen ihres berühmten Vaters. Aber über ihr Leben können nur wenige (Schweden) etwas sagen. Charlotte Ueckert ändert das mit einem einzigen Buch. Einhundertvierzig Seiten genügen, um der verschmähten Schwedenkönigin ein Denkmal zu setzen. Wer Geschichte nicht nur als bildhaftes Kriegsgemetzel mit Experten-Einspielern von TV-Professoren begreift, bekommt bei diesem Buch feuchte Augen.

Der Untertitel „Ich fürchte mich nicht“ ist mehr als nur eine bloße Floskel. Heutzutage wäre Christina von Schweden ein gern gesehener, streitbarer Gast in jeder Talkshow. Und sie hätte sicherlich so einiges zu sagen, was die Politik in Schweden, aber vor allem in Europa betrifft. Und vielleicht schaffen es die Geschichtsbuchschreiber bis zum 8. Dezember 2026 Christina von Schweden in ihre Werke aufzunehmen. Dann würde sie ihren 400. Geburtstag feiern können.

Mit dem Zeppelin nach New York

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Ein beliebtes Spiel ist Entfernungen oder Volumen zu schätzen. Klar, einen Liter kann jeder anzeigen. Eine Milchtüte bzw. Tetra-Pack kennt schließlich jeder. Aber wie sieht es mit 200.000 Kubikmetern aus? Schwer anzuzeigen und noch schwerer sich vorzustellen. Das ist das Volumen, das der Zeppelin Hindenburg als Gasreservoir mit sich führte. Zweihundertfünfzig Meter lang und Durchmesser von einundvierzig Komma zwei Meter. Das sind Dimensionen, die man Kilometer entfernt schon wahrnimmt.

So in etwa ergeht es auch dem 14jährigen Werner Franz als er als Schiffsjunge auf dem Riesenflieger 1936 anheuert. Nach Rio soll es gehen. Und die Überfahrt dauert fast zwei Wochen. Aktuell werden deutsche Olympioniken mit dem Flugzeug nur ca. einen halben Tag unterwegs sein. Soviel zum Abschätzen.

Mit großen Augen erkundet er die fliegende Zigarre. Brücke, Kombüse, Aufenthaltsräume – Rauchsalon, so was gibt’s heute auch nicht mehr – erforscht er mit kindlicher Neugier. Höhepunkt der Reise ist die Vorüberfahrt der Graf Zeppelin, einem weiteren Luftschiff, das in entgegengesetzter Richtung unterwegs ist. Das Treffen über dem offenen Meer erfolgt so nah, dass sich die Gäste zuwinken können. Dann kommt der Mai 1937. Deutschland ächzt unter dem Joch der Nazis. Die Hindenburg macht sich bereit für die große Überfahrt nach New York. Schneller als ein Schiff zu sein gilt es. Alles muss reibungslos ablaufen. Nur so wird das Unternehmen wasserstoffgefüllte Luftschiffe auch in Zukunft erfolgreich sein. Auf der anderen Seite des Atlantiks erwartet man gespannt die Ankunft des Zeppelins. Unter anderem ist Reporter Herbert Morrison dabei, der mit seiner flehenden Stimme bis heute, knapp achtzig Jahre später, immer noch Gänsehaut hervorruft. Werner kann sich in letzter Sekunde retten.

Sein Urenkel findet eines Tages die Mütze des Uropas auf dem Speicher des Großvaters und fragt ihn aus. Der hatte die Mütze schon längst vergessen, nicht jedoch die Geschichte seines eigenen Vaters.

Die verheerende Katastrophe vom 6. Mai 1937 in Lakehurst beendete mit einem zweiunddreißigsekündigen Feuerball die Ära der Zeppeline. Ein echtes Abenteuer, das man so heute nicht mehr erleben kann. Dieses Buch ist in Zusammenarbeit mit dem Zeppelin Museum Friedrichshafen entstanden, wo die Geschichte der Luftschiffe immer noch lebendig gehalten wird. Dieses Buch ist der richtige Appetitmacher auf solch einen Ausflug. Technische Details werden in kleine Infokästen erläutert, Skizzen und Zeichnungen zeigen die unglaublichen Ausmaße der Zeppeline deutlich auf. Das Buch ist vor allem für Kinder und Jugendliche gedacht, doch auch so mancher Erwachsener wird fasziniert sein. Entweder, weil er die Zeppeline noch nie live gesehen hat oder weil er zu den Wenigen gehört, die sie noch fliegen sahen.

Halt Dich an Deiner Liebe fest

Halt Dich an meiner Liebe fest

Man stelle sich vor, dass es im deutschen Fernsehen ein Castingshow gibt, die die Nachfolger von Ton Steine Scherben sucht. Einmal kurz schütteln! Prrrh! Noch einmal! Ein näselnder Juror fragt: „Wer bist Du? Woher kommst Du? Was machst Du?“ Und dann steht da einer in Baggy pants, ein Totenkopf mit Glitzersteinchen auf dem Shirt, offene Sneaker und behauptet er sei Punk. Jeder Zuschauer, der schon völlig verdreckt im Ratinger Hof in Düsseldorf  Pogo zu den „klängen“ von ZK getanzt hat oder in irgendeinem Dorfgasthof Amateurbands bei ihren ersten Bühnenerfahrungen eine Bierflasche an den Kopf geworfen hat, bricht nun in schallendes Gelächter aus. Das soll Punk sein? Agit-Rock womöglich? Um Himmels Willen. Die Ära ist vorbei. Sie existiert nur noch in den Erinnerungen. Und in Büchern.

Gert Möbius hat nun ein Buch herausgebracht, dass an einen der bekanntesten, eine der schillerndsten Personen, einen wahren Poeten der Aufruhr erinnert: An Ralph Möbius, seinen Bruder. Vielen, vielleicht sogar den meisten, ist er als „König von Deutschland“, Rio Reiser bekannt.

Seine Eltern ermöglichten ihm und seinen beiden Brüdern soweit und sooft es ging alles. Eng waren maximal die Lebensverhältnisse, die Gedanken durften immer frei geäußert und vor allem gelebt werden. Schon früh waren die Möbius-Sprösslinge als Theaterleute erfolgreich. In einer Beat-Oper sollte Drafi Deutscher die Hauptrolle spielen, wurde aber abgelehnt, weil er sich vor Gericht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten musste. Wie die Zeiten sich ändern…

Der steile Karriereaufschwung kam, ungewollt und garantiert nicht geplant, mit Ton Steine Scherben. Gleich mit der ersten Single „Macht kaputt was Euch kaputt macht“ wurde die Band zum musikalischen Taktgeber der aktiven politischen Szene. Sie waren auch Feindbild für alle, die sich im zufriedenen Schaukelstuhl der noch nicht gänzlich aufgearbeiteten deutschen Geschichte einigelten.

Gert Möbius versucht Distanz zu halten – es gelingt nicht immer. Was gut ist! Einem Bruder, einem jüngerem Bruder, ein literarisches Denkmal zu setzen, funktioniert nur mit Emotionen. Und so kommen Anekdoten zum Vorschein, die dem Leser bisher verborgen blieben. Als Bindeglied zwischen Bekannten und Neuem fungieren die Zeilen aus den Erinnerungsbüchern Rio Reisers. Auch Gert Möbius kann so manches beisteuern. Beispielsweise wie ihn Otto Schily, ja, der Otto Schily, über den Tisch ziehen und einen Vertrag unter selbigem verschwinden lassen wollte. Jahre später, als Gert Möbius das Tempodrom eröffnete, und die Scherben spielten, half Rio Reiser eben diesem Otto Schily über die Absperrung zu klettern. Wie die Zeiten sich ändern…

„Halt Dich an Deiner Liebe fest“ ist nicht einfach nur eine Biografie, ein Erinnerungsstück an einen Künstler, der vor zwanzig Jahren viel zu früh gestorben ist. Dieses Buch setzt Himmel und Hölle in Bewegung, damit Verehrer Rio Reisers nicht länger als blinde Passagiere mit dem Kopf durch die Wand gehen. Gert Möbius nimmt den Leser mit für immer und dich, um bei Junimond dem König von Deutschland zu huldigen. Wer die Geschichten für alles Lüge hält, bewirbt sich zwischen Null und Zero auch bei Castingshows, um als Nachfolger von Ralph Christian Möbius berühmt zu werden.

Es sprach der Mond zur Erde

Es sprach der Mond zur Erde

Seit Hunderten von Jahren gilt Tahiti als das Sehnsuchts-Traumziel schlechthin. Das Rauschen des Meeres, die exotische Gastfreundschaft der Maori, das immer währende „schöne Wetter“ und und und. Fletcher Christian war der erste, der hier das paradiesische Leben genoss. Eine Romanfigur. Das war im 18. Jahrhundert. Rund hundert Jahre später kam einer, der echt war: Paul Gauguin. Angeödet, angewidert, enttäuscht vom Leben in Europa zog er sich nach Tahiti zurück. Kehrte wieder heim, war wieder angeödet, angewidert und enttäuscht und wand sich endgültig dem sorgenfreien Leben unter der Südseesonne zu.

Doch das Leben auf Tahiti war weder einfach noch erfüllend. Alles so fremd, alles so fern von daheim, und doch: So organisiert und überhaupt gar nicht so frei wie er es sich vorstellte. Denn die Kolonialmacht Frankreich hatte hier schon so einige Dinge eingeführt, um die Verwaltung zu vereinfachen. Und doch war es der Startschuss für ihn und seine Karriere. Wer Paul Gauguin bisher nur als Maler kannte, wird mit „Es sprach der Mond zur Erde“ verstehen warum es den Maler hier hielt. Die Farbenpracht der Inseln, die für ihn eigenartige, schillernde Hautfarbe der Menschen, vor allem der Frauen, faszinierten ihn.

Der Sprache gar nicht bis kaum mächtig, erobert er sich seine neue Welt. Alles ist neu. Selbst einfache Gesten sind ihm fremd. Doch er lernt schnell! Auch das Ritual der Vermählung, inkl. der achttägigen „Probezeit“. Ein junges Mädchen wird „ihm angeboten“, von der Mutter. Dann wird ihm ihre Mutter vorgestellt. Was? Noch eine Mutter? Ja und nein. Die eine hat die geboren, die andere gesäugt.

Das Klima ist ihm zuwider. Die Hitze macht ihm zu schaffen. Doch das Licht, die Eindrücke und letztendlich die Befreiung von alles Sorgen und Zwängen lassen ihn nicht weiter zweifeln: Hier ist er zuhause!

„Noa noa“ heißt in der Sprache der Maori Duft. Für Gauguin duftet es nach Abenteuer, obwohl er sich nie wie ein Abenteurer fühlt. In seinem Kopf schlagen die Ideen Purzelbäume. Malen, malen, malen – er kann an nichts anderes mehr denken. Ablenkung verschaffen ihm immer wieder der Alltag und die täglichen neuen Entdeckungen.

Die in diesem Buch niedergeschriebenen Erinnerungen (und kunstvoll hinzugedichteten Phantasien) stammen von der ersten Reise Gauguins nach Tahiti in den Jahren 1891/93. Ein bis heute nicht vollends geklärter Streit mit seinem Freund Vincent van Gogh, der dem Holländer ein Ohr kostete, die Erfolglosigkeit als Maler und die Zukunftslosigkeit trieben ihn weit weg von der Heimat. Auf Tahiti schöpfte er neuen Mut und Schaffenskraft. Und schlussendlich auch finanzielle Sicherheit. Denn die auf Tahiti entstandenen Bilder ließen sich in der Heimat tatsächlich verkaufen. Beziehungsweise fand er in Ambrose Vollard einen Gönner, der ihm regelmäßig Geld schickte. Und mit Tehura fand er die Frau fürs Leben.

Wer in Paul Gauguin bisher immer nur als den Maler mit den vielen „nackten Weibern aus einer weit entfernten Welt“ sah, wird in diesem Buch den Menschen hinter den Bildern kennenlernen und teilweise verstehen können. Wozu auch die zahlreichen Abbildungen von Gauguins Bildern beitragen. Die Rituale der Ureinwohner, Gauguins Sichtweise auf sein neues Leben und die Rückschau auf das, was war, vervollkommnen das Vorwissen über einen der eindrucksvollsten Maler der vergangenen anderthalb Jahrhunderte. Die Originalausgabe von „Noa noa“ wird um einige Briefe und Aufzeichnungen ergänzt, so dass das literarische Werk Gauguins immer mehr an Bedeutung gewinnt. Er war eben mehr als nur der Maler der „nackten Weiber aus einer weit entfernten Welt“.