Listet man eine reihe von Städten in Italien auf, die man unbedingt sehen muss, gehört Padua sicher nicht auf die Champions-League-Plätze. Abstiegsgefährdet ist sie allerdings auch nicht. Padua ist klein, kuschelig und vor allem prall gefüllt mit Historie. Eine der ältesten Unis Europas, der älteste Botanische Garten der Welt, Galilei unterrichtete (kann man bis heute besichtigen). Und ein Schmuckkästchen für alle, die feingestalteter Architektur mehr als nur etwas abgewinnen können.
Nun hat mich also entschieden Padua zu besichtigen. Was nun? Was gibt’s zu sehen, was muss man sehen, wo muss man hin? Suchmaschinen führen einen immer an die gleichen Orte. Nämlich die, die von Online-Reise- und Ausflugsportalen gefüttert wurden. Da rennt man dann den ganzen Tag hinter einem Fähnchen her, lässt sich erzählen, dass diese Säule eine Säule ist und dass genau dieses Haus alt ist. Hurra, ein Tankfüllung vergeudet für etwas, was jeder sofort erkennt (so schlecht ist das Internet dann auch wieder nicht…).
Padua muss man selbst erobern. Mit Sinn und Verstand, mit wachem Geist, mit Reiseband und … dieser Reisebeschreibung. Ulrike Rauh ist eine Italophile mit unbändiger Sehnsucht nach dem Stiefel. Von Milano bis Napoli hat sie den Leser schon mehrmals an die Hand genommen und ihn sanft an Orte geführt, die noch nie ein Fähnchen gesehen hat.
Padua ist wie die kleine Schwester von Bologna. Nicht nur wegen der alten Universitätstradition. Auch hier läuft gut beschattet durch Arkaden. Und zu sehen gibt’s hier auch jede Menge. Einfach Kapitel für Kapitel lesen, die von der Autorin gemachten Schritte nicht als Dogma verstehen sondern als liebevolle Stupser in die richtige Richtung. Wer Padua noch nicht kennt, fühlt sich augenblicklich wohl und kaum noch fremd in dieser pittoresken Stadt.
Das besondere an Ulrike Rauhs Büchern sind die gehauchten Liebeserklärungen an die besuchte und beschriebene Stadt. Sie hat immer einen Begleiter im Arm, der ihr und dem Leser SEINE Stadt näher bringt. Und das ist einzigartig! Und lässt so manches Zögern in schwungvolle Schritte verwandeln. Mit diesem Buch rutscht Padua mit einem Mal von den mittleren Wunschplätzen in die Königsklassenregion auf. Der Sommer wartet nicht. Padua wartet auf seien neugierigen Besucher, die dank dieses Buches bedacht und wohl belesen auf historischen Pflaster lustwandeln können.
