Falsche Ursula

Wem das Leben tagein tagaus nur Zitronen schenkt – und man einfach nicht weiß wie man daraus Limonade machen kann – dem kann man mit Scherzen nicht beikommen. Und schon gar nicht mit schlechten Scherzen. Ursula ist so eine, die es einfach nicht schafft dem Leben was Gutes abzugewinnen. Ihr Leben schafft sie, nicht zuletzt wegen ihrer Figur. Wie sie meint. Von allem ein bisschen zu viel. Nur nicht von dem, was sie will.

Auf dem Weg zum Flughafen wird ein Mann von einer Polizeistreife angehalten. Das nervt ihn ungemein, weil er ja ein unbescholtener Bürger ist und es verdammt eilig hat. Das berührt die Polizisten nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Dann wird es Nacht. Ein Schlag, ein Würgen … und wenige Stunden später liegt der Mann, der so dringend seinen Flieger bekommen muss, gefesselt in einem Keller. Alles Betteln hilft nicht. Alles tut ihm weh, die Schnüre und Handschellen schneiden ihm in das zarte Fleisch seines zerbrechlichen Körpers.

Und wie kommen nur er und Ursula zusammen? Die uruguayische Schriftstellerin Mercedes Rosende hat da eine Idee. Doch zunächst kümmert sich Ursula um ihre Gewichtsprobleme. Endlich. Ein erster Schritt. Eine Suppendiät soll helfen. Allerdings kommt sie nicht weit. Denn das Telefon klingelt. Eine seltsam verstellte Stimme teilt Ursula mit, dass ihr Mann entführt wurde und er ein Lösegeld von einer Million verlangt. Er wisse auch, dass sie das Geld auftreiben kann. Noch ehe die verblüffte Ursula etwas sagen kann, ist im Hörer nur noch das Tuten der unterbrochenen Leitung zu vernehmen.

Die Verblüffung ist bis in die Stuben der Leser zu spüren. Ursulas Mann? Sie ist verdammt noch mal allein! Wer nimmt schon eine wie sie zur Frau? Sie könnte jetzt ist Tränen aus- oder gar zusammenbrechen. Oder endlich ihr Süppchen kochen. Sie tut Letzteres, nicht im Kochtopf, sondern erst im Kopf und dann in einer schummrigen Bar, in der sie sich mit einem der Entführer trifft. Und wie ein Blitz trifft sie auch eine Eingebung…

Mercedes Rosende trägt ihren Vornamen nicht zu unrecht. „Falsche Ursula“ ist der Mercedes unter den skurrilen Krimis des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts. Einfach mal den Spieß umdrehen und zum Racheengel werden, das ist nicht ihr Stil. Fein abgestimmte Details verwandeln eine aussichtlose Situation in einen prall gefüllten Garten mit wohlduftenden Geistesblitzen, die dem Leser ein Caracho nach dem Anderen entlocken werden. Nicht eine einzige Reaktion der falschen Ursula ist vorhersehbar. Und trotzdem ist jedes Wort stimmig.