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Travel Time Kalender 2023

Na, können Sie es auch nicht mehr hören? „Früher war alles besser“. Mag ja sein, dass man das so empfindet. Das ist aber noch lange kein Beweis für diese These. Beispiel gefällig? Was ist sooo viel besser daran, mit einem Fahrzeug mit ein paar Dutzend PS eine gefühlte Ewigkeit gen Süden zu tuckern? Immer mit der Angst im Nacken, dass der Motor überhitzt, der Familiennachwuchs permanent auf Toilette muss, die Spritfüllung doch nicht bis zur nächsten Tankstelle reicht und der nächste Berg nur im Zweiten genommen werden kann. Und dann gibt’s am Urlaubsort nicht mal Schnitzel?

Und heute? Schnitzel soweit das Auge reicht, in zwei Stunden im Süden und gegen das Nörgeln gibt’s Videos aus und auf allen Kanälen. Und der Süden strahlt im schönsten Hochglanz – na, fühlen Sie sich nun schlechter?

Zugegeben, die Vergleiche sind stellenweise an den Haaren herbeigezogen. Doch so ein bisschen Nostalgie hat bis jetzt noch niemandem geschadet. Ebenso die Moderne. Je nach Gemütslage kann man sich an dem einen oder anderen mehr oder weniger erfreuen.

2023 ist ein Jahr, in dem die Nostalgie nicht nur an die Tür klopft, sondern tagein, tagaus an der Wand hängt. Kräftige Farben, klare Konturen und der hauch der Vergangenheit lassen Reiseträume erstehen. Ohne viele Schnörkel kommen die Bilder rasch zur Sache: Das musst Du gesehen haben! Die Illustrationen sehen so verdammt echt nach „so war’s mal“ aus, dass man sich mehr als einmal die Augen reibt, wenn man bemerkt, dass diese Abbildungen viel jünger sind als sie anmuten.

Diese Ansichten lauern nur darauf den Betrachter einzufangen. Alaska ohne Huskeys – unmöglich. Budapest ohne Blick aufs Parlament vor dem die Donau fließt – das wäre ja wie Santorini ohne die typischen weißen Häuserfassaden.

Als das Reisen noch mit dem Zen-Spruch „Der Weg ist das Ziel“ gleichzusetzen war, trugen derartige Plakate die nahe Welt in die Herzen derer, die sie sehnsuchtsvoll entdeckten. Kein Filter, der aus einem wolkenverhangenen Himmel das strahlendste Blau herauskitzelt. Zwölf Mal Reiselust und Verheißung ohne dem Bild auf den Leim zu gehen. Hier ist die Kunst so nah, dass sie selbst in den Hintergrund tritt.

Kalender 2023 – Meisterwerke 1923

Auch 2023 wird man sich fragen wie das Jahr wohl verlaufen wird. Die Wünsche und Sehnsüchte sind zu Beginn des Jahres noch allgegenwärtig. Wenn die ersten Tage und Wochen vorüber sind, ist die Gegenwart steter Begleiter.  Dann und wann beginnt man zu sinnieren, warum das Jetzt genauso ist wie es ist.

Am 1. Januar wird beim Blick auf den Kalender schon das erste Nachsinnen über das Jetzt in künstlerischer Hinsicht beginnen. Zumindest, wenn dieser Kalender die Wand verziert. Es gibt nicht mehr viele, die man 2023 fragen kann wie es 1923 so war. Man kann vielleicht den einen oder anderen Kunstexperten fragen, was vor einem Jahrhundert modern war. Aber man wird nur Worte ernten. Ein Blick auf diesen Kalender – und es werden 365 Blicke werden – zeigt, wie sehr Moderne, Expressionismus und Impressionismus den Blick auf die Zukunft lenkten. Noch heute bezeichnen wir diese Gemälde als modern. Und noch immer strahlen sie im hellsten Licht, zaubern ein Lächeln ins Gesicht der Betrachter oder lassen so manchen rätseln, was denn da genau zu sehen.

1923 war ein produktives Jahr für Künstler. Claude Monet – immer hin schon 83 Jahre alt und noch immer ein produktiver Maler – zeichnete immer wieder in seinem Garten in Giverny, westlich von Paris, auf halber Strecke nach Rouen. Bis heute ein mehr als beliebter Ausflugsort für alle, die schon immer mal wissen wollten, wo man die besten Motive findet. Vielleicht findet sich 2023 die Zeit den Ort zu finden, wo ein Jahrhundert zuvor ein weiteres Bild aus dem Garten des großen Impressionisten entstanden ist.

Auch Max Liebermann hat vor einhundert Jahren noch lange nicht den Pinsel beiseite gelegt. Vielmehr hält er einen Spaziergang im Birkenwald in Wannsee (nach Westen, um den kompletten Bildtitel zu nennen) mit eindrucksvollen Pinselstrichen fest.

Das Jahr beginnt dieser Kalender mit einem der namhaftesten Künstler seiner Zeit, Wassily Kandinsky. Zwei schwarze Flecken, wer nur diese auf dem Gemälde erwartet, bekommt mehr als er vermuten konnte. Ein bisschen Blau, einen mehrfarbigen Bogen, ein Viereck, das an Mondrian erinnert. Wenn der Januar wegweisend für das gesamte Jahr ist, kann 2023 nur ein Gutes werden. Man wird mehr bekommen als angekündigt. Nur Zyniker sehen darin eine Schwarzmalerei.

Es ist niemals verkehrt die Zukunft in der Vergangenheit beginnen zu lassen. Es müssen ja nicht immer gleich die Fehler von einst als Referenz herangeholt werden. Manchmal reicht es auch aus einfach mal zu schauen, was es schon gab, um die Gegenwart zu begreifen.

Verfallene Orte in Wien

Wien ein einzigartiges Attribut zu verleihen, ist eine schier unlösbare Aufgabe. Die Schöne, die Elegante, die Historische. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch die Verfallene, darauf kommt keiner, der jemals zwischen Hietzing und Donaustadt unterwegs war. Und dennoch gibt es sie, die verlassenen Orte, die scheinbar dem Verfall preisgegeben werden. Lost places, verfallene Orte, Abenteuerspielplätze für eine neue Art von Geschichtsjägern.

Und manchmal sind diese Orte einfach nur leerstehende Gebäude, die nur darauf warten wieder entdeckt zu werden. Wie das Theater am Mittersteig im Vierten. Es fällt spärliches Licht auf den Saal, wo einst das gespannte Publikum den Filmaufführungen entgegenfieberte. Eine Staubschicht bedeckt den Boden. Restmüll hat der Wind hineingeweht. Vor etwas mehr als einhundert Jahren erbaut, strahlt die Größe immer noch einen gewissen Glanz aus. Nach dem Kriege vergnügten sich hier nur kurz fesche Madeln mit den GIs. Der Kinoboom der Folgejahre hielt nur reichlich zwei Jahrzehnte. Die Logen wurden entfernt. Die Stuckarbeiten mit grässlich-hässlichen Platten verkleidet. Eine Boxhalle wurde aus dem Theater der Träume – so groß ist der Wandel dann auch nicht gewesen…

Heute haben einige der Figuren, die einst die Wände und Decken zierten zerschlagene Nasen. Ironie der Geschichte? Das Theater wieder so herzurichten, dass ein lohnenswerter Kulturbetrieb (der nüchterne Sachton ist in diesem Fall mehr als angebracht) vonstatten gehen könnte, ist fast illusorisch. ABER: Für Stadtabenteurer, die dem Charme des Verlassenen, des Verfallenden anheimgefallen sind, gehören solche Orte zum Standardrepertoire. Denn hier gibt es auf engstem Raum mehr zu sehen als in so manchem Museum.

Ein abgebranntes Restaurant, aus Sicherheitsgründen bald nach der Katastrophe abgerissen, Tiefbunker, und selbst so (thematisch) naheliegende Orte wie der St. Marxer Friedhof sind wahre Fundgruben, um jüngere Geschichte erlebbar zu machen.

Die beiden Autoren / Fotografen machen sich gern die Finger schmutzig, um in aussagekräftigen Bildern die Vergangenheit zu konservieren. Den nur, weil etwas nicht mehr da ist, muss es ja nicht verschwunden sein. Ohne Geschichte kein Jetzt, und erst recht kein Morgen. Nicht viele Orte sind – nicht ganz ohne Aufwand – besuchbar. Die meisten jedoch verstecken sich hinter Riegeln und Schlössern, dicken Mauern, Absperrungen. Zum Glück gibt es Bücher wie dieses, um die versteckten Juwele der Zeit doch noch ans Licht zu bringen.

100 Highlights Wildes Deutschland – Die schönsten Naturparadiese und Nationalparks

Wild ist sicher nicht das erste Wort, das einem einfällt, wenn man von Deutschland spricht. Dennoch gehört das wilde Leben dazu wie die typische Korrektheit und Pünktlichkeit. Und das reicht von Kap Arkona bis ins Höllental, vom Naturpark Schwalm-Nette bis ins Zittauer Gebirge.

An einhundert solcher wilder Orte kann man sich in diesem prachtvollen Bildband ergötzen, und zwar von Nord nach Süd. Als Erstes schlägt man willkürlich eine Seite auf. Land der tausend Seen – Müritz-Nationalpark. Ein stimmungsvoller Sonnenuntergang und ein Urwald, in dem die Stämme in einem derart saftigen Grün zu versinken drohen, dass man es für eine Setaufnahme aus einem mystischen Thriller halten könnte. Doch es ist alles real. Im richtigen Moment den Auslöser der Kamera gedrückt, und voilà: Auch das ist Deutschland. Wild, frei, fernab von Tabellen und Zahlenkolonnen. Der dazugehörige Text brilliert durch Fakten, die nicht wegzureden sind und macht Appetit genau diesen Ort, zu genau der Zeit der Aufnahme einmal selbst zu besuchen.

Nur wenige dutzend Seiten weiter wird’s fast schon historisch, ein wenig politisch sogar. Deutsche Politiker und wild? Keine Angst, so schlimm wird’s nicht. Doch die Schorfheide – bis dahin hat man sich nun vorgeblättert in diesem Buch – ist eng mit den Lenkern Deutschlands verbunden. Wo einst Nazis wie Kommunisten auf der Jagd waren, nördlich von Berlin, ist heute der sanfte Tourismus zu Hause. Hier kann man stundenlang unterwegs sein, ohne dabei tatsächlich eine Menschenseele zu anzutreffen. Kloster Chorin, ein Zisterzienserkloster in Backsteingotik, gehört den berühmtesten Orten der Gegend.

Bereits kurz nach der Wende wurde dem Gebiet in der Uckermark un dem Barnim der Status eine UNESCO-Biosphärenreservats verliehen. Einhundertdreißigtausend Hektar – zur Verdeutlichung: Ein Fußballfeld misst nicht einmal einen Hektar – 240 Seen, Tausende Moore, Wiesen, Äcker und Wälder. Das sind die blanken Zahlen. Was die Natur hier auf die Landkarte gezaubert hat, spottet jedoch jedem Kategorisierungswahn. Jeder Ast darf so wachsen wie er es für richtig erachtet. Jeder Grashalm darf sich nach der Sonne recken wie es ihm beliebt. Und jeder Besucher erfreut sich genau an dem, was so wild mitten in Deutschland zu entdecken ist.

Dieses Buch macht Lust darauf die wilde Seite Deutschlands zu erkunden. Sanft auf dem Rad mit einem Lächeln im Gesicht. Mit forschender Miene. Alle Sinne geschärft. Vom Rothaargebirge bis an die Saale (die mit dem schönen Strand, wie es schon im Volkslied heißt), vom Stettiner Haff bis in den märchenhaften Habichtswald – Wer es bisher nicht wusste, wird in diesem exzellent gestalteten Bildband zum Naturfan, zum Wildheitsforscher, zum Naturparadies- und Nationalparkfan ersten Grades.

Caffè d’Italia – Kalender 2022

Das italienische Lebensgefühl ist nur ein Viertelquadratmeter groß. Klingt erstmal nicht viel, ist aber bei genauer Betrachtung genau das richtige Maß. Fünfzig mal fünfzig Zentimeter ergeben nun mal nur den erwähnten Viertelquadratmeter, was aber schlussendlich nur eine mathematische Fingerübung darstellt. Und beim Lebensgefühl, besonders beim dolce vita geht es nun wahrlich nicht um Zahlen, Fakten und Regeln. Vivere il momento – Leb den Augenblick! Der Augenblick beim Betrachten dieses Kalenders dauert so ungefähr … ein Jahr.

Und so betritt man eine Welt, die jedem offen steht. Die man aber so nur selten zu sehen bekommt. Denn die Fotografien von Toni Anzenberger und Christina Anzenberger-Fink geben dem Alltäglichen den besonderen Anstrich. Es ist ein reduzierter Anstrich. Schwarz-Weiß in all seinen Abstufungen. Was auf Anhieb auffällt: Wer am oder hinterm Tresen steht, lächelt. Da muss wohl was im Getränk sein, dass die Mundwinkel gen Himmel ziehen lässt?! Oder ist es das Ambiente?

Denn das erzählt nicht nur von der „guten alten Zeit“ – es bewahrt sie bis ins Jetzt und Heute. Milano, Roma, Padova, Montepulciano – schon bei der bloßen Erwähnung dieser klangvollen Orte schlägt das Herz eines jeden Italienfans höher. Auch der Gedanke einen echten italienischen Kaffee, sprich Espresso an der Bar genießen zu können, lebt die Sehnsucht nach bella italia schlagartig auf. Selbst eingefleischte Teetrinker werden hier zum Caffenista. Diese Kaffeehäuser muss man sehen.

Jetzt holt man sie sich für ein weiteres Jahr ins Haus. Das Großformat macht es unmöglich sie zu übersehen. Und so manches Mal wird man nicht einfach daran vorbeigehen, sondern innehalten. Vor Ort tritt man einfach über die Schwelle und schreitet in eine andere – sorgenfreie – Welt. Daheim, mit diesem Kalender an der Wand erhält man Einblicke, die man in Torino, Trieste oder Ascoli Piceno suchen muss. Für den Kalender haben diese Suche das Künstlerpaar übernommen. Nur hier gibt es – formatbedingt – den größten Café der Welt.

Sich Italien ins Haus zu holen, beginnt nicht im Vorratsschrank. Es beginnt bei der Einstellung das Wagnis einzugehen. Im eleganten Duotone wird jeder Augenschluck zu einem Augenschmaus und erhöht den Augenblick. 2022 soll nicht noch einmal ein pandemiebedingtes Urlaubsausfalljahr werden. Sollten die Zeichen jedoch wieder auf Homecouching stehen, dann ist dieser Kalender eine Alternative, die zwar die Sehnsucht schürt, aber im Gegenzug auch das Italiengefühl gleichwertig nach Hause holt.

David Bowie Foto

Jeder weiß, wo er war als in New York die Flugzeuge ins World Trade Center krachten. Jeder weiß, wo er war als die Mauer fiel. Und ein sehr großer Teil weiß noch sehr genau, was er dachte als ihn die Nachricht vom Tod David Bowies erreichte. Unmöglich! Erst das neue Album, das das Blut einmal mehr zum Kochen bringt, und nun ist alles eingetreten, was er selbst prophezeit hatte? Wie weit kann ein Künstlerleben reichen? Was nun?

Bowie lebt! Er wird immer weiterleben! Sei es in den Shows von Sven Ratzke, die weltweit das Werk und Wirken von David Bowie einem geschmackvollen Publikum wach halten oder mit diesem Prachtband die Wandlungsfähigkeit eines Kunstfertigen und Geschäftstüchtigen nachhaltig konservieren.

„David Bowie Foto“ ist nicht mehr und vor allem nicht weniger als das, was der Titel verspricht und eben auch hält. Ein neunundsechzig Jahre und zwei Tage anhaltendes Leben für die und als Kunst. Rock, Funk, Soul, Triphop – Pop als Spielart des Seins. Ohne Bowie wäre die Kunstwelt eine andere. Oft wird behauptet, wenn es den Einen nicht gegeben hätte, wäre ein Anderer in die Presche gesprungen. Bowie hat keine Lücke gefüllt, er hat sie aufgetan und hat sich in ihr breit gemacht bis sie zu zerbersten drohte. Dann schlug er die nächste Kerbe ins jungfräuliche Fleisch der Kunst. Das blieb nicht ohne Folgen. Wer heute mit Extravaganz auf sich aufmerksam machen will, muss sich unweigerlich mit dem Vergleich mit Bowie gefallen lassen.

Bei einem derartig umfassenden Kunstwerk wie David Bowie ist es nicht verwunderlich, dass er selbst zum Kunstobjekt anderer Künstler wurde. Oft engagierte David Bowie Künstler, die ihn ins rechte Licht setzen sollten. Die Posen hatte er meist schon geübt, bevor der vor die Linse trat. Nachdenklich, ernst, verspielt, traurig, ironisch, doch immer ikonisch. Es muss ein Fest für jeden Fotografen gewesen sein, einmal David Bowie bei der Arbeit, bei der Selbstinszenierung beistehen zu dürfen. Modefotografen wie Norman Parkinson sind sicherlich Kummer mit den Models bekannt. Die Kunst besteht darin, die Unwegbarkeiten unsichtbar zu machen. Bowie in Szene zu setzen, muss sich dagegen anfühlen wie eine Straßenüberquerung an einem autofreien Sonntag. Ob gestellte Pose oder Schnappschuss bei einem Konzert: Würde es den Begriff „bella figura“ nicht schon geben, hätte Bowie auch dafür ein eingetragenes Markenzeichen für sich in Anspruch nehmen können.

Fotografie-Ikonen wie Greg Gorman schwärmten schon vor ihrer Zusammenarbeit mit Bowie von dem kreativen Genie. Die Aussicht den Thin White Duke und Ziggy Stardust samt realem Bowie vor die Linse zu bekommen, machte selbst ihn nervös, wie er in seiner Erinnerung an David Bowie einräumt.

Es gibt Fotobände, auch über David Bowie, die kurz nach seinem Tod marktschreierisch auf den Markt geworfen wurden, und als Almanach durchaus ihre Berechtigung haben. Doch sie werden nicht annähernd dem Mythos David Bowie gerecht. Mit diesem Buch gelingt es erstmals – immerhin hat es über fünf Jahre gedauert – Bowies Schlaglicht nicht in einem Schatten enden zu lassen, sondern ihm noch mehr Spotlight zu gewähren als er selbst schon ausstrahlt. Bowie ist Kunst, und Kunst ist Bowie. Wer jetzt schon die ersten Weihnachtsgeschenke besorgen möchte, hat Nummer Eins schon erledigt. Denn dieses Buch stellt man nicht einfach ins Regal „zu den anderen Büchern“. Man schlägt jeden Tag eine Seite auf und schwelgt in Erinnerungen.

Landlust Kalender 2022

Nun sind wir alle durch die Pandemie zu einem anderen – neuen – Lebensstil bzw. –ablauf gezwungen worden. Viele lernten sich einmal mit sich selbst zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Andere suchten und fanden neue Hobbies. Ein nicht geringer Teil nutzte die gewonnene Zeit sich auf die eigenen Wurzeln zurückzubesinnen, das Einfache schätzen zu lernen. Der optische Reiz, den man täglich kaum noch wahrnahm, verstärkte sich erst wieder als der Aktionsradius sich langsam wieder ausdehnte.

Das Jahr 2022 wird hoffentlich das Jahr, in dem der Aktionsradius wieder Ausmaße annehmen wird, die uns allen als „normal“ erscheinen. Als kleiner Appetitanreger kann man sich jetzt schon auf den 1. Januar 2022 freuen. Die Völlerei liegt hinter uns, das aufregende Jahr noch genauso lange vor uns. Dann darf man wieder tief einatmen und vor allem stark auspusten. Das entspannt. Und man darf sich auf das freuen, was es (wieder) zu entdecken gibt. Die ersten zarten Triebe an Bäumen und Sträuchern. Eisgebilde an Ästen und Zweigen. Zerbrechliche Blüten an zierlichen Pflanzen. Es wird zeit sich die Natur zurückzuerobern, sie sich in die eigenen vier Wände zu holen. Und in freier Wildbahn der Fauna fröhlich zuzuwinken. Wenn im späten Frühjahr, im frühen Sommer die Blüten überbordend ihren Farbspeicher leeren und knallbunt die Sinne erfreuen, ist es bald schon soweit, dass der Herbst mit der Kraft der letzten Sonnenstrahlen sich gegen die einbrechende Kühle mit Vielfalt entgegenstemmt. Das Winterfell wird rausgekramt. Mutter Natur hüllt sich ein ums andere Mal in wohlige Formen. Sieht so das Jahr 2022 aus?

Ja! Und dieser Kalender beweist jeden Monat aufs Neue.

Das großformatige Wandgemälde in zwölf Variationen lässt keinen Zweifel offen, dass Großes bevorsteht. Im Wechsel der Jahreszeiten verschönert der Kalender den Raum, beflügelt die Phantasie, erfreut das Auge, macht Lust auf Land und Leute. Egal wo. Egal wann. Hauptsache endlich wieder Lust!

Lost & Dark Places Berlin

Eine Brotfabrik, ein Funkhaus und ein legendärer Flughafen – komm, lass uns Urlaub machen! Die in diesem Buch vorgestellten Ausflugsziele stehen nicht auf allzu vielen Wunschzetteln für einen erholsamen Urlaub. Was aber auf alle Fälle feststeht, ist, dass diese Expeditionen jedem Hobbyforscher einen Denkzettel verpassen. Corinna Urbach und Christine Volpert haben dreiunddreißig Orte in und um Berlin gefunden, die ihr Leben gelebt haben, die mittlerweile nicht nur sprichwörtlich ihr Dasein im Schatten fristen. Lost places, dark places nennt man solche verlassenen Orte, die ihre Pracht, ihren Sinn im Laufe der Jahre verloren haben. Hier gilt es Vorsicht walten zu lassen. Hier benimmt man sich wie es sich gehört: Achtsamkeit und Ehrfurcht vor der Geschichte stehen an oberster Stelle. Dafür wird man aber auch außergewöhnlich belohnt.

Der Zahn der Zeit, das Vergessen, der Unwillen zur Erhaltung oder ungeklärte Besitzverhältnisse haben so manchem Ort ein Schicksal in den eigenen Mauern beschieden. Oft sind diese Orte abgesperrt, weil die Holzböden morsch sind, die Statik nicht mehr überprüft wird und somit akute Einsturzgefahr besteht.

Auf der anderen Seite gibt es Orte, die eine dunkle Vergangenheit haben und nun als Mahnmal, niemals zu vergessender Ort der Nachwelt ihre Geschichte erzählen. So wie das Geheimobjekt 05/206. Klingt erstmal nicht besonders spektakulär. Doch der nichtssagende Name in Märkisch Oderland ist nicht mehr und nicht weniger als der Atombunker, der im Ernstfall einmal als Organisations- und Rechenzentrum für die Nationale Volksarmee hätte dienen sollen. Von außen eher unscheinbar, so sollte es ja auch sein, von innen immer noch in erstaunlich gutem Zustand. So dass heutzutage eineinhalbstündige Führungen stattfinden.

Die NS-Zeit ist zum Glück vorüber, die Folgen sind bis heute sichtbar. Aber nicht alles ist noch zu besichtigen. Dank dieses Buches und den darin enthaltenen Abbildungen kann man allerdings einen Blick darauf werfen. So wie in die Siedlung der SS-Leitung des KZ Ravensbrück. Nach dem Krieg eroberten die Sowjets das Gebiet und machten sich bis zu ihrem Abzug Anfang der 90er Jahre sich hier breit. Seit rund einem Jahrzehnt kann man in einzelnen Gebäuden wieder Ausstellungen zur besonderen Geschichte besichtigen.

Auf eigene Faust in abbruchreife Häuser einsteigen, ist ein wahrlich gruseliges Abenteuer. Sollte man unterlassen, da man sich mindestens des Landfriedensbruchs strafbar machen kann. Wer sich dabei die Taschen füllt, ist ein Dieb. Ganz davon abgesehen, dass man sich selbst in Gefahr bringt. Die beiden Autorinnen stellen Orte vor, die Geschichte machten, die man besichtigen darf, aber auch Orte, die der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Nichts desto trotz machen diese Orte Lust auf erlebbare Geschichte. Und dort, wo man nicht rein darf, ist dieses Buch mehr als ein Trostpflaster. Was immer noch besser ist als ein echtes Pflaster auf blutigem Körper…

100 Highlights Jakobswege in Spanien und Portugal

Die Berichte über den Jakobsweg haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. War anfangs „nur“ von dem Jakobsweg die Rede, hat man sich mittlerweile eines Besseren belehrt und spricht – was der Wahrheit entspricht von den Jakobswegen. Wobei keineswegs ein Nachmittagsbummel durch die Gemeinde mit einem Abstecher in den Jakobsweg gemeint ist.

Dieses Buch verdient im Berg der Bücher über den Weg der Wege eine besondere Erwähnung. Zum Einen geht es um den einen Weg nach Santiago de Compostela und wie man über die klassische Route von Frankreich aus kommend in Spanien, die Traumroute am Meer, den ältesten Weg oder die Pfade in Portugal wandert. Zum Anderen besticht dieses Buch durch die eindrücklichen Bilder und verführt durch die appetitanregenden Zeilen von Grit Schwarzenburg und Stefanie Bisping. Stefanie Bisping ist Reiseberichtlesern wohl bekannt. Bei der Wahl zur Reisejournalistin des Jahres landet sie regelmäßig in den Top Ten, 2020 als Gewinnerin, im Jahr darauf auf dem zweiten Platz. Von der Antarktis bis Rio, von den Virgin Islands bis Australien, von Russland bis Bali ist ihr keine Destination fremd. Sie macht ihr Reiseziele und –routen zur ihrer Sache.

Einhundert Mal machen die beiden Halt. Einhundert Mal machen die beiden ihrem Erstaunen mit unvergleichlicher Empathie Luft und dem Leser Lust. Einhundert Mal Rührung, Staunen, (Be-) Wundern, Innehalten, Schwelgen, sich lukullischen Genüssen hingeben. Jedem einzelnen der beschriebenen einhundert Orte entlocken sie seinen eigenen ganz besonderen Reiz. Es wird nicht langweilig beim Durchblättern und Lesen in diesem Prachtband.

Ob nun das einst arg gebeutelte Guernica, eine Flasche asturischer Apfelmost in Sidreria, das niemals alternde Salamanca oder Federvieh wohin man schaut, wenn man sich in Barcelos umschaut (kein Schreibfehler, es ist nicht Barcelona gemeint).

Wer hier wandert, weil es andere vor einem ja auch geschafft haben, und weil es momentan irgendwie trendy ist hier zu wandern, kommt Seite für Seite zu der Erkenntnis, dass man sehr wohl hier wandern kann, weil es andere auch tun. Gleichermaßen muss man sich eingestehen, dass der Antrieb dies zu tun ein Irrweg ist. Hier wandert man, um mit allen Sinnen zu genießen. Und so erlebt man auch dieses Buch. Mit unstillbarer Vorfreude blättert man hoffnungsvoll durch die Seiten und man weiß, dass da schon das nächste Abenteuer wartet.

Kalender 2022 Wildwuchs

Das schönste Unkraut ist das, was man nicht als solches erkennt. Wo Gärtner sich die Haare raufen, erkennt der Genießer die Schönheit der Natur. Disteln gehören nicht zu den Freunden im eigenen Planquadrat des Wochenendglücks, doch wenn man sie – aus sicherer Entfernung – in all ihrer Pracht betrachten kann, kann man sich ihnen nicht entziehen.

Wildwuchs das ganze Jahr über. Von Lauch über Schlüsselblumen bis zu Ochsenzungen (ja, das ist ein Pflanze und keine unerwartete Liebesbezeugung eines Tieres, dem man zu nahe gekommen ist) begleiten den naturliebenden Betrachter durch gesamte Jahr. Jeder Monat hält ein üppiges Füllhorn an Simsenlilien, Herbstzeitlosen und Pfeifenwurzgewächsen parat. Schon beim Lesen der Namen kommen Erinnerungen hoch an das, was die Oma noch wusste. Die Natur ist ihr bester Repräsentant. Sie braucht keinen überflüssigen Schnickschnack, um den Betrachter zu gefallen. Sie ist sich selbst genug.

Die nostalgischen Abbildungen auf dem Graspapier unterstreichen den gemütlichen Charakter, den dieser Kalender Monat für Monat verströmt. Und man lernt sogar noch was dabei. Nicht nur, dass sie allesamt im Mai abgebildet sind, sie gehören zu einer Familie: Vielblütiger Weißwurz, Quirlblättriger Weißwurz, Maiglöckchen (ah jetzt klingelt’s) und Echtes Salomonssiegel. Jeder Pinselstrich ist gewollt und lädt zur Schnitzeljagd auf das nächste Detail ein.

Diese Illustrationen verschönern jede Wand, an der sie zum Verweilen einladen. Die Größe der Abbildungen verstärkt die Wirkung der Pflanzen, die man sonst mühevoll suchen muss. Von Gewürzen wie Thymian und Oregano (wer hat das schon mal in „freier Wildbahn gesehen“? – die wachsen nicht im Glas mit Dosierhilfe!) über Sanddorn bis hin zu den giftigen Pflanzen wie Tollkirsche und Stechapfel bietet die botanischen Illustrationen ein Potpourri, das man sich gern und lange anschaut. Ein echter Appetitanreger!