Sonchai Jitpleecheep – Bangkok

Na, das ist ja mal ein Anfang! Eine gemütliche Verfolgung durch Bangkok. Sonchai Jitpleecheep und sein Partner Pichai wissen, dass da vor ihnen im Wagen ein Marine sitzt, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Das unter der drückenden Schwüle erstickende Bangkok kommt an den meisten Kreuzungen vollends zum Erliegen. Pichai ist auch schon fast soweit. Doch dann geht alles ganz schnell. Der Wagen stoppt. Eine Schlange wickelt sich um den Hals des Marines, weitere Kobras verrichten ihre augenscheinlich gewünschte Arbeit. Auch Pichai wird von der tödlichen Schlange gebissen. Mitten ins Auge. Das geht nicht gut, weiß Sonchai. Und so ist es leider auch. Der Partner, der Freund aus Jugendtagen ist tot. Seit Ewigkeiten, seit damals, als sie auf der falsche Seite des Gesetzes ihre Tage verdösten, war Pichai an seiner Seite. Bis sie – als eine Möglichkeit ihre Zukunft zu gestalten – die Seiten wechselten. Seitdem ist Sonchai ein Polizist, dem Buddhas Lehren von der Zunge gleiten wie anderen die Burgersauce durch die Finger.

William Bradley heißt das Opfer, das bis vor Kurzem noch vor ihnen im Wagen fuhr. Ein amerikanischer Marine. Skrupellos wäre in einem Formular als Charaktereigenschaft anzugeben. Und Sonchai Jitpleecheep soll – und will – die Mörder fangen. Schließlich geht auf deren Konto auch der Tod seines Freundes.

Da William Bradley im Sicherheitsdienst der amerikanischen Botschaft arbeitete, wird Sonchai dorthin eingeladen. Man will wissen, ob man – und wenn ja wie – zusammenarbeiten kann. Denn die Amerikaner kennen nicht mal Bradleys aktuelle Adresse. Dass Sonchai Rache schwört, scheint sie auch nicht sonderlich zu jucken. Im Internet stößt Sonchai auf die Seite eines Jadehändlers: William Bradley. Die ernüchternden Fakten: Ein Ex-Marine, der für die Sicherheit der Botschaft sorgt, noch ein Jahr hat, bevor er in Rente geht, im Nebenberuf Jadehändler ist, von Schlangen zu Tode gebissen wurde. Das reicht, um sich den Rest der Nacht mal wieder so richtig wegzuschießen.

Der dicke Kopf am nächsten Morgen ist für Sonchai nur der Anfang einer langen Reihe von ganz langen Tagen mit ganz dickem Kopf. Denn so einfach wie der Fall scheint – Mörder findet man immer – ist es nicht. Das Straßengewirr Bangkoks ist gegen das Dickicht, in dem der Mord an Bradley geschah, ein peinlich geradliniges Muster. Je weiter Sonchai in diesem Dickicht mit seiner Machete wütet, umso tiefer gerät er in die Schlingen der fleischfressenden Pflanzen.

John Burdett hat mehr auf Lager als einen geschickt verworrenen Krimi anzubieten. Es gelingt ihm spielerisch gleichzeitig eine Sozialstudie Bangkoks vor den Augen des Lesers auszubreiten. Wer noch nie in Thailands Hauptstadt war, kennt sie nach der Hälfte des Buches besser als die meisten Pauschaltouristen.