Wyatt Earp – Australien

Die Abwege abwägen – so lautet das Gebot der Stunde. Ein sicherer Geldtransporterüberfall, so was gibt’s nicht! Und schon gar nicht mit dieser milchbärtigen, methverseuchten Bande. Auch wenn Vidovic – den kennet er – mit dabei ist. Nee, is zu riskant. Wyatt braucht einen One-Man-Job! Er macht sich auf die Suche. Kleines Grundstück, niedrige Kaution, schnell verfügbar. Was nichts anderes bedeutet als ein sicherer Job, mit geringem finanziellen Aufwand und zwar pronto. So werden heutzutage Jobs an Land gezogen. Auftraggeber gibt es, man muss sie nur kennen. Und ihre Codes…

Zwei Stunden Flug geben Wyatt die Möglichkeit sich auf Minto vorzubereiten. Der ist Auftraggeber, Vermittler und Ratgeber in einem. Seine riesige Villa flößt Wyatt jedoch weder Respekt noch Gier ein. Drinnen wartet schon Sten. Die Frau will ein Bild zurück, dass ihr Urgroßvater erstanden hat. Flämischer Maler, uralt und sicherlich den einen oder anderen Dollar wert. Über Umwege gelangte es von London nach Australien. Stens Familie flüchtete vor den Nazis und all ihre Habseligkeiten inkl. Schätze wurden entweder verkauft oder zurückgelassen. Das Bild, das Wyatt besorgen soll, wurde verkauft. Und der jetzige Besitzer kam als Baby mit seinen Eltern nach Australien. An eine Rückgabe, wie es seit einigen Jahren immer mal wieder passiert – mit viel Tamtam und Pomp und generöser Gestik – denkt der aktuell Besitzer aber nicht.

Wyatt braucht eine Waffe – man weiß ja nie. Minto kann ihn beruhigen. Ein Schießeisen wird nicht vonnöten sein. Seine Nichte wird sich um alles kümmern können. Doch die kocht mittlerweile ihr eigenes Süppchen. Auch sie hat einen Dieb an der Hand, der sich gerade darauf vorbereitet ein Model vor ihrem Umzug um das eine oder andere Schätzchen zu erleichtern. Was der gutgläubige Tor nicht weiß, ist, dass Mintos Nichte einen Trumpf in der Hinterhand hat. Und der hat eine Waffe. Eine Waffe, die dem Modeldieb endgültig seinen allerletzten Job bescheren wird. Der Schütze ist jemand, der mehr oder weniger direkt schon einmal mit einem Kunstwerk zu tun hatte, auf das nun Wyatt ein Auge geworfen hat und nun schon bald Hand anlegen wird…

Etliche Jahre sind vergangen, seit Wyatt von Garry Dishers Gnaden überlegt und zielstrebig ans Werk gehen kann. Die Krimireihe um Gesetzeshüter Hal Challis beschäftigte Garry Disher zu sehr. Nun ist der Gauner Wyatt zurück. Ohne viel Schnörkel und mit gleichbleibender Zuneigung schlägt sich der Autor auf die Schattenseite des australischen Way of life. Wyatt ist kein Guter. Er ist ein Dieb. Doch unter den zahlreichen Dieben nimmt er eine Sonderstellung ein. Man mag ihn, hofft, dass er durchkommen wird. Dass er dieses Mal den entscheidenden Coup landen wird, doch dann würde er in der Versenkung verschwinden. Und will man wirklich nie mehr etwas von Wyatt Earp – nicht den Revolverhelden aus dem Wilden Westen – hören? Nein, das will man nicht. Schon einmal verschwand er ohne Ankündigung. Die Trauer war groß. Umso größer ist nun die Freude, das Wyatt wieder da ist!