Lew Archer – Los Angeles

Routine ist gut, wenn man nur den schnöden Mammon betrachtet. Schnelles Geld für solide Arbeit. Privatdetektiv Lew Archer nagt sicher nicht am Hungertuch, aber Routine in seinen Ermittlungen sorgt zumindest für einen vollen Kühlschrank. Wenn die Routine von unvorhersehbaren Ereignissen gestört wird, kommt der Kopf ins Spiel und das ist bei Weitem spannender als ein gefüllter Bauch!

Doch zuerst gibt es was für die Augen. Maude Slocum schwebt wie ein strahlender Engel in sein Büro. Sie wird erpresst, bekennt sich schüchtern. In einem Brief droht der Erpresser ihrem Gatten James von ihrem Seitensprung zu erzählen. Ihre größte Angst sei es aber ihrer Schwiegermutter Olivia dann noch unter die Augen zu treten. Die konnte noch nie eine Frau ihres James dulden. Außerdem hat Maude Slocum eine Tochter. Cathy. Teenager. Und die darf unter gar keinen Umständen vom Streit ihres über alles geliebten Vater James und ihrer Mutter erfahren. Wenig Anhaltspunkte für eine Ermittlung. Mit einem Trick lässt sich Lew Archer zu einer Party der Slocums einladen.

Und wahrlich, Olivia Slocum ist ein echtes Ekel. Findet sie einen Anlass Maude zu demütigen, fährt sie zur Hochform auf. Und James? Der hält brav zu Mutti. Wie er es schon immer tat. Schließlich erlaubt sie ihrem Bubi, dass er ein relativ sorgenfreies Leben ohne Arbeit führen kann. Dass er mit Frauen nichts anfangen kann, muss Olivia Slocum akzeptieren. Aber viel wichtiger ist es, das alles unter der Decke zu halten.

Die Party ist vorbei und Olivia Slocum schwimmt bäuchlings im Pool. Als Nichtschwimmerin hat das fatale, sogar letale Folgen. Jetzt hat Lew Archer endlich einen Fall, der ihn ganz und gar fordern wird. Nur der Polizeichef des kleinen Ortes in der Nähe von Los Angeles, Knudson, ist gar nicht von Lew Archers Schnüffeleien begeistert.

Alsbald kommt Archer einem gewissen Pat Reavis auf die Spur. Ein komischer Kauz. Einer, der keine Gelegenheit auslässt mit einer gut konstruierten Geschichte sich in einem besseren Licht darzustellen, bevor sein Gehirn ihm irgendwie Skrupel vorsetzen kann. Zwielichtig ist er und stand einmal in den Diensten der Slocums. Als Chauffeur. Nebeneinkünfte hat er auch. Steuerfrei, selbstredend. Als Archer ihn endlich dingfest machen kann – Reavis trägt ganz offen „ehrlich verdiente“ zehntausend Dollar mit sich herum – flutscht ihm der dringend Tatverdächtige blutig durch die Finger. Da steckt wohl mehr hinter der Erpressung…

Was als Routinejob beginnt, wird bald schon zum Zahlenspiel für den gewieften Ermittler. Eine Hand reicht schon bald nicht mehr aus, um die Leichen zu zählen. Und jeder hat irgendwie ein geheimes Päckchen mit sich herumzutragen. Doch Lew Archer wäre nicht Lew Archer würde er nicht den losen Faden aufnehmen und das Knäuel zu entwirren.

 

Da staunt Homer Wycherly nicht schlecht. Der Ölmagnat hat sich gerade eine zweiwöchige Kreuzfahrt durch die Südsee gegönnt. Mal abschalten. Von alle dem Stress, von der Arbeit. Und vor allem von seiner Ex-Frau Catherine. Die hat ihm noch bei seiner Abreise eine furiose Szene gemacht und den Reisenden ein ordentliches Spektakel geboten. Und nun, endlich wieder daheim, da, wo er sich am wohlsten und sichersten fühlt, fehlt von seinem Schatz, seiner Tochter Phoebe jede Spur.

Phoebe ist so ein liebes Ding. Immer höflich, tut, was man ihr sagt. Der Abgang vom College in Stanford war zwar ein herber Rückschlag für den stolzen Vater, doch das College in Boulder Beach ist auch nicht zu verachten. Doch Phoebe ist weg. Ihre Mitbewohnerin Dolly Lang (toller Name, der passt auch so herrlich zu der leicht als einfältig zu beschreibenden Zimmergenossin) weiß, dass Phoebe zurückkommen wird. Schließlich hat sie ihr das ja gesagt. Kein Grund zum Zweifeln. Phoebes Freund Bobby hat dagegen eine harte Zeit hinter sich. Er vermisst Phoebe schmerzhaft. Eine Erklärung kann er Lew Archer auch nicht geben.

Lew Archer wurde von Homer Wycherly damit beauftragt das flügge gewordene Früchtchen aufzuspüren. Archer würde gern mit der Mutter, der so verhassten Catherine sprechen. Doch Homer Wycherly hält das für keine gute Idee. Vielmehr verbietet er es sogar der Spürnase. Der gute Ruf der Familie stünde auf dem Spiel. Wie soll man da ermitteln, wenn die wohl wichtigste Person – nach der Vermissten, natürlich – nicht involviert werden soll?

Klinken putzen heißt es für den feinsinnigen Schnüffler. Je mehr er fragt, desto verworrener wird der ganze Fall. Ein zwielichtiger Immobilienhai hat offenbar seine gierigen Finger im Spiel. Und so unschuldig wie Phoebe dem Vater vorkommt, ist die Kleine gar nicht. Ein bisschen zu sehr zugeknöpft, dann wieder überbordend tatkräftig. Depressionen? Mmmh, vielleicht. Beim Psychodoc war sie jedenfalls. Aber nur ein paar Mal. So viel weiß Dolly Lang. Doch Lew Archer weiß immer noch nicht mehr. Geschweige denn, wo er den nächsten Hebel ansetzen soll.

Und so reist er von Motel zu Hotel, quer durch Kalifornien, nur um schlussendlich festzustellen, dass es nur einen Ort gibt, an dem die Lösung sich zeigen wird. Doch ihr Aussehen ist erschreckend. Die Lügen sind bis ins Innerste der Familie Wycherly vorgedrungen und haben ihre Unheil bringenden Wurzeln tief ins Fleisch von Homer, Catherine, Phoebe sowie auch Trevor und Helen, Homers Schwager und Schwester, geschlagen.

Jede Aktion zieht eine entsprechende Reaktion nach sich. Das hat bereits vor mehreren Hundert Jahren Isaac Newton formuliert. Doch das, was Ross Macdonald seinen Helden angedeihen lässt, ist finsterste Bigotterie und ein feistes Lügengebilde. Zum Glück alles nur Fiktion. Mit geschmeidiger Sprache und zielstrebiger Eloquenz stolpert Lew Archer nicht einen Moment. Jeder Ansatz von Hindernissen wird als Sprungbrett für weitere Erkenntnisse geschickt ausgenutzt. Die Vergangenheit wird niemals ruhen so lange Männer wie Lew Archer ihre Aufträge ernst nehmen.

 

Lew Archer mag Isobel Blackwell vom ersten Moment an als sie bei ihm im Büro erscheint. Elegant, distanziert, und ein herzensgutes Wesen. Das merkt er als die beginnt von Harriet, der Tochter ihres Gatten Mark, dem Colonel, zu reden. Harriet ist nach Mexiko gefahren, um ihre Mutter zu sehen und ein wenig zu malen. Isobel weiß allerdings, dass Mutter und Tochter sich nicht sehr nahe stehen. Und die Malerei sollte Harriet jemanden überlassen, der was davon versteht. So einem wie Burke Damis. Der ist Maler. Und wahrscheinlich auch der Grund für Harriets abrupte Abreise. Und schon sind wie bei des Pudels Kern. Burke und Harriet, die nebenbei (oder doch nicht so nebenbei) in baldiger Zeit über eine ordentliche Erbschaft verfügen kann, darf es in den Augen des Colonels nie geben. Ein mittelloser Hallodri und sein Augenlicht – nicht mit dem Colonel! Er hält Burke Damis, so wie schon einige Anwärter zuvor für einen Mitgiftjäger. Doch Harriet liebt Bruke. Und Isobel hält zu ihr.

Lew Archer soll also nun das Pärchen suchen und bitteschön auch finden. Und er muss die ganz dicken Schuhen anziehen. Denn jede Spur von Burke und Harriet ist eine verdammte Kalte. Auch wenn Lews erste Weg ihn nach Mexiko führt. Nicht nur, weil Harriets Mutter dort lebt, sondern wegen eines sonderbaren Fundes. Burke Damis hatte sich für eine kurze Zeit in einem Haus eingemietet, dass dem Colonel gehört. Als das revoltierende Pärchen überstürzt gen Süden ausflog, hatte Burke versucht Spuren zu verwischen. Im Kamin entdeckt Lew Archer einen Flugschein auf den Namen Quincy Ralph Simpson. Und der war nun mal in Mexiko. Ist Q.R. Simpson Burke Damis?  Oder umgekehrt?! Leider nein. Denn der echte Q. R. Simpson ist tot. So wie einige andere auch, die den Weg von Bruce Campion gekreuzt haben. Bruce wer? Bruce Campion, der wahre Name von Burke Damis. Da ist sich Lew Archer ganz sicher.

Kalifornien – Mexiko und zurück. Für die meisten eine Traumreise. Für Archer einmal mehr das Tappen im Dunkeln. Es wird auf ihn geschossen, er trifft eine alte, wenn auch Leinwand-Liebe, und überall findet er Puzzlestücke, die nicht ineinanderpassen wollen. Je öfter man sie dreht, umso verworrener wird das Gesamtbild. Und so mehr Informationen Archer sammelt, desto größer wird das Versteckspiel. Archer gewinnt immer tiefere Einblicke in das Sittengemälde der Familie Blackwell. Und jeder, der hunderte von Seiten lang als Außenstehender wahrgenommen wurde, rückt immer näher in den inneren Kreis der Familie vor. Die Auflösung dieses kniffligen Falles verblüfft Archer schlussendlich kaum noch, dem Leser jedoch reißt es zum Schluss noch einmal die Augen auf.

Und wie kommt nun das außergewöhnliche Fortbewegungsmittel ins Spiel? Der Leichenwagen mit den sechs sonnengebräunten blonden Surfern birgt ein Geheimnis, das die Lösung fast schon auf dem Silbertablett präsentiert…

 

Buchbesprechung folgt demnächst

 

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