Waatstedt und Faber – Ostfriesland

Wer schon mal am Strand herumgebuddelt hat, kennt dieses Gefühl nach einem Schatz zu graben. Doch meist bleibt es bei einer Schaufel oder einem patschnassen Bikinioberteil. Im günstigsten Fall findet man eine Uhr, im ungünstigsten eine Barbie.

So geht es zumindest Pietje. Er ist Baggerfahrer und schafft gerade Platz beim Bau des neuen Wellness-Tempels. Plötzlich ein Hohlraum … und eine Leiche. Kein schöner Anblick, kein schöner Tag, auch für Pietje.

Rike Waatstedt hat auch keinen guten Start in die Woche. Jahrelang war die Kandidatin Nummer Eins auf die Nachfolge ihres Chefs. Doch jetzt kommt da so ein Schnösel von außerhalb hier hoch nach Emden und schwupps ist sie wieder ganz Frau und darf sich hinten anstellen. Zu allem Überdruss nimmt ihr auch noch ein Touri ihrer Ducati und ihr die Vorfahrt. Noch nicht einmal auf dem Revier und schon schlechte Laune. Doch es kommt noch dicker…

Richard Faber ist auf dem Weg zur Arbeit. Ab  sofort leitet der Kriminalhauptkommissar die Geschicke der Kripo in Emden. Etwas undurchsichtig ist die Tatsache, warum er so plötzlich hier hoch versetzt wurde. Schon auf dem Weg zur Dienststelle geht ihm ein Motorradfahrer mächtig auf die Nerven. Fast fährt er ihn um …

Gewaltiges Spannungspotential für den ersten Krimi von Elke Nansen. Zwei Ermittler, die sich auf den Tod nicht ausstehen können und eine Leiche und eine Mumie. Baggerfahrer Pietje hat ungewollt etwas ausgegraben, das niemals entdeckt werden sollte. Als das Hotel Deichrose gebaut wurde, war Bauunternehmer Enno Dahlke noch Polier unter der Fuchtel seines Vaters Wim. Faber und Waatstedt setzen auf Kommissar Zufall und fühlen dem jetzigen Chef der Baufirma Enno Dahlke auf den Zahn. Viel können sie noch nicht verwenden, denn die Ermittlungskaten von damals, Silvester 1985 sind weder digitalisiert noch auffindbar. Enno und Imke Dahlke feierten damals ihr erstes Silvester als Mann und Frau, als Imke beschloss „das Weite zu suchen“. Alle waren betrunken, und Enno ließ sie gewähren. Er konnte ja nicht ahnen, dass Imke ihm für immer den Rücken kehrte. Zehn Jahre später wurde Imke für toterklärt, ohne dass je ihre Leiche gefunden wurde. Aus dem Polier wurde der Bauunternehmer, aus dem Witwer wieder ein Ehemann. Doch unter der Fuchtel seines Vaters scheint er immer noch zu stehen.

Mittlerweile haben sich Faber und Waatstedt, Richard und Rike aneinander gewöhnt, dank der tätigen Mithilfe von Opa Knut, bei dem Rike wohnt. Denn Richard ist inzwischen mehr als nur der Vorgesetzte, er ist auch ihr neuer Nachbar.

Fabers erste Tage sind nicht gerade von gemütlich einrichten und dann mal abwarten gekennzeichnet. Es geht sofort rund. Eine Leiche, die nur schwer zu identifizieren ist, aber allem Anschein nach nur eine einzige Schlussfolgerung zulässt, eine Kollegin, mit der nach einem mehr als holprigen Start die Leidenschaft fürs Rätselknacken teilt und eine verschworene Gemeinschaft, die seit Jahren miteinander klönt und tiefgreifende Geschäfte pflegt. Autorin Elke Nansen fährt die ganz großen Geschütze auf, wenn es um die Polizeiarbeit geht. Detailwissen über den aktiven Dienst, gewiefter Gedankengänge und eine Schreibe, die den Leser erst am Ende von der Leine lässt. So müssen Regionalkrimis sein!

 

Da lässt sich ein Muster erkennen! Wer nach Ostfriesland fährt, lebt gefährlich. Oft – also schon zweimal – endete es bereits tödlich. Einmal in  Krummhörn, nun an der Halbinsel Leyhörn, gleich um die Ecke.

Rike Waatstedt hat es faustdick hinter den Ohren. Vor ein paar Monaten hatte man ihr Richard Faber vor die Nase gesetzt. Sie war fest davon ausgegangen, dass, wenn der Alte geht, sie die Chefin der örtlichen Polizei in Emden/leer werden wird. Doch Faber war aus Frankfurt – warum auch immer, aber das wird sie schon noch rausbekommen – nach hier oben, an die Küste versetzt worden. Kein guter Start. Und dann ist er auch noch ihr Nachbar, wohnt direkt neben ihr und ihrem Opa. Der wiederum kann Richard Faber sehr gut leiden. Und Richard Faber mag seinen Job. Und so triezt er seine „Untergebenen“ mit allerlei Übungen, um sie fitzuhalten, wenn es mal ernst wird. Oskar Ihmelsen gibt ihr die Möglichkeit zur süßen Rache. Der ist fanatischer Vogelschützer und meldet – nicht zum ersten Mal – einen Massenmord. Ausrücken, Blaulicht, Sirene alles an, was anzuschalten ist. Im Schilf sollen die Leichen liegen. Als Faber merkt, dass es sich um Vogelkadaver handelt, ist er außer sich. Bevor er jedoch mit seiner Standpauke richtig loslegen kann, wird es doch noch ernst. Denn zwischen den toten Vögeln liegt eine weitere Leiche. Dieses Mal allerdings humanen Ursprungs. Allerdings nicht ganz vollständig. Kopf und Hände fehlen. Sieht verdammt nach Mafia aus. Doch dazu später.

Auch durch die verstörte Jule kommen die Ermittler dem namen-, hand- und kopflosen Opfer auf die Spur. Jens Strom studierte Journalistik. Nebenbei arbeitete er ehrenamtlich für Greenpeace. Und er war einer großen Sache auf der Spur. Illegale Müllentsorgung im Allgemeinen und kostensparende Verklappung von Dünnsäure in der Nordsee im Speziellen. Ein Hauptverdächtiger ist auch schnell ausgemacht: Eine Farbenfirma aus der Nähe, die ihren Sondermüll im Baltikum entsorgen lässt. Ein skrupelloser Manager, der auch nicht davor zurückschreckt harte Bandagen aufzuziehen. Über ein gut geschmiertes Netzwerk findet er heraus, dass Waatstedt und Faber im trüben Fahrwasser seiner Containerschiffe fischen. Kurzerhand setzt er willfährige Helfer auf die Beiden an … mit fatalen Folgen, nicht nur für Rike und Richard, die sich mittlerweile duzen – man konnte es ja schon fast erahnen: Aber, wenn jemand das Geheimnis um Fabers Versetzung lüften kann, dann nur die enervierende Rike.

Elke Nansen führt den Leser auf die offensichtlichste alle Fährten. Ein Chemiekonzern-Manager, der kein Gewissen hat. Ein Umweltskandal. Ein Mord, noch ein Mord, sogar Doppelmord – wer anders als der Manager soll es gewesen sein? Zumal sein Sohn auch eine Verbindung zum Opfer hat. Es gibt sicherlich Regale voller Regionalkrimis, die diesem Muster folgen. Doch Elke Nansen legt im Hintergrund noch eine weitere Spur. Nur erfahrene Krimileser erkennen das Muster. Umso größer dann die Überraschung, wenn der Täter vor der finalen Entscheidung steht: Mit Pauken und Trompeten untergehen oder sich fügen?