Waatstedt und Faber – Ostfriesland

Wer schon mal am Strand herumgebuddelt hat, kennt dieses Gefühl nach einem Schatz zu graben. Doch meist bleibt es bei einer Schaufel oder einem patschnassen Bikinioberteil. Im günstigsten Fall findet man eine Uhr, im ungünstigsten eine Barbie.

So geht es zumindest Pietje. Er ist Baggerfahrer und schafft gerade Platz beim Bau des neuen Wellness-Tempels. Plötzlich ein Hohlraum … und eine Leiche. Kein schöner Anblick, kein schöner Tag, auch für Pietje.

Rike Waatstedt hat auch keinen guten Start in die Woche. Jahrelang war die Kandidatin Nummer Eins auf die Nachfolge ihres Chefs. Doch jetzt kommt da so ein Schnösel von außerhalb hier hoch nach Emden und schwupps ist sie wieder ganz Frau und darf sich hinten anstellen. Zu allem Überdruss nimmt ihr auch noch ein Touri ihrer Ducati und ihr die Vorfahrt. Noch nicht einmal auf dem Revier und schon schlechte Laune. Doch es kommt noch dicker…

Richard Faber ist auf dem Weg zur Arbeit. Ab  sofort leitet der Kriminalhauptkommissar die Geschicke der Kripo in Emden. Etwas undurchsichtig ist die Tatsache, warum er so plötzlich hier hoch versetzt wurde. Schon auf dem Weg zur Dienststelle geht ihm ein Motorradfahrer mächtig auf die Nerven. Fast fährt er ihn um …

Gewaltiges Spannungspotential für den ersten Krimi von Elke Nansen. Zwei Ermittler, die sich auf den Tod nicht ausstehen können und eine Leiche und eine Mumie. Baggerfahrer Pietje hat ungewollt etwas ausgegraben, das niemals entdeckt werden sollte. Als das Hotel Deichrose gebaut wurde, war Bauunternehmer Enno Dahlke noch Polier unter der Fuchtel seines Vaters Wim. Faber und Waatstedt setzen auf Kommissar Zufall und fühlen dem jetzigen Chef der Baufirma Enno Dahlke auf den Zahn. Viel können sie noch nicht verwenden, denn die Ermittlungskaten von damals, Silvester 1985 sind weder digitalisiert noch auffindbar. Enno und Imke Dahlke feierten damals ihr erstes Silvester als Mann und Frau, als Imke beschloss „das Weite zu suchen“. Alle waren betrunken, und Enno ließ sie gewähren. Er konnte ja nicht ahnen, dass Imke ihm für immer den Rücken kehrte. Zehn Jahre später wurde Imke für toterklärt, ohne dass je ihre Leiche gefunden wurde. Aus dem Polier wurde der Bauunternehmer, aus dem Witwer wieder ein Ehemann. Doch unter der Fuchtel seines Vaters scheint er immer noch zu stehen.

Mittlerweile haben sich Faber und Waatstedt, Richard und Rike aneinander gewöhnt, dank der tätigen Mithilfe von Opa Knut, bei dem Rike wohnt. Denn Richard ist inzwischen mehr als nur der Vorgesetzte, er ist auch ihr neuer Nachbar.

Fabers erste Tage sind nicht gerade von gemütlich einrichten und dann mal abwarten gekennzeichnet. Es geht sofort rund. Eine Leiche, die nur schwer zu identifizieren ist, aber allem Anschein nach nur eine einzige Schlussfolgerung zulässt, eine Kollegin, mit der nach einem mehr als holprigen Start die Leidenschaft fürs Rätselknacken teilt und eine verschworene Gemeinschaft, die seit Jahren miteinander klönt und tiefgreifende Geschäfte pflegt. Autorin Elke Nansen fährt die ganz großen Geschütze auf, wenn es um die Polizeiarbeit geht. Detailwissen über den aktiven Dienst, gewiefter Gedankengänge und eine Schreibe, die den Leser erst am Ende von der Leine lässt. So müssen Regionalkrimis sein!

 

Da lässt sich ein Muster erkennen! Wer nach Ostfriesland fährt, lebt gefährlich. Oft – also schon zweimal – endete es bereits tödlich. Einmal in  Krummhörn, nun an der Halbinsel Leyhörn, gleich um die Ecke.

Rike Waatstedt hat es faustdick hinter den Ohren. Vor ein paar Monaten hatte man ihr Richard Faber vor die Nase gesetzt. Sie war fest davon ausgegangen, dass, wenn der Alte geht, sie die Chefin der örtlichen Polizei in Emden/leer werden wird. Doch Faber war aus Frankfurt – warum auch immer, aber das wird sie schon noch rausbekommen – nach hier oben, an die Küste versetzt worden. Kein guter Start. Und dann ist er auch noch ihr Nachbar, wohnt direkt neben ihr und ihrem Opa. Der wiederum kann Richard Faber sehr gut leiden. Und Richard Faber mag seinen Job. Und so triezt er seine „Untergebenen“ mit allerlei Übungen, um sie fitzuhalten, wenn es mal ernst wird. Oskar Ihmelsen gibt ihr die Möglichkeit zur süßen Rache. Der ist fanatischer Vogelschützer und meldet – nicht zum ersten Mal – einen Massenmord. Ausrücken, Blaulicht, Sirene alles an, was anzuschalten ist. Im Schilf sollen die Leichen liegen. Als Faber merkt, dass es sich um Vogelkadaver handelt, ist er außer sich. Bevor er jedoch mit seiner Standpauke richtig loslegen kann, wird es doch noch ernst. Denn zwischen den toten Vögeln liegt eine weitere Leiche. Dieses Mal allerdings humanen Ursprungs. Allerdings nicht ganz vollständig. Kopf und Hände fehlen. Sieht verdammt nach Mafia aus. Doch dazu später.

Auch durch die verstörte Jule kommen die Ermittler dem namen-, hand- und kopflosen Opfer auf die Spur. Jens Strom studierte Journalistik. Nebenbei arbeitete er ehrenamtlich für Greenpeace. Und er war einer großen Sache auf der Spur. Illegale Müllentsorgung im Allgemeinen und kostensparende Verklappung von Dünnsäure in der Nordsee im Speziellen. Ein Hauptverdächtiger ist auch schnell ausgemacht: Eine Farbenfirma aus der Nähe, die ihren Sondermüll im Baltikum entsorgen lässt. Ein skrupelloser Manager, der auch nicht davor zurückschreckt harte Bandagen aufzuziehen. Über ein gut geschmiertes Netzwerk findet er heraus, dass Waatstedt und Faber im trüben Fahrwasser seiner Containerschiffe fischen. Kurzerhand setzt er willfährige Helfer auf die Beiden an … mit fatalen Folgen, nicht nur für Rike und Richard, die sich mittlerweile duzen – man konnte es ja schon fast erahnen: Aber, wenn jemand das Geheimnis um Fabers Versetzung lüften kann, dann nur die enervierende Rike.

Elke Nansen führt den Leser auf die offensichtlichste alle Fährten. Ein Chemiekonzern-Manager, der kein Gewissen hat. Ein Umweltskandal. Ein Mord, noch ein Mord, sogar Doppelmord – wer anders als der Manager soll es gewesen sein? Zumal sein Sohn auch eine Verbindung zum Opfer hat. Es gibt sicherlich Regale voller Regionalkrimis, die diesem Muster folgen. Doch Elke Nansen legt im Hintergrund noch eine weitere Spur. Nur erfahrene Krimileser erkennen das Muster. Umso größer dann die Überraschung, wenn der Täter vor der finalen Entscheidung steht: Mit Pauken und Trompeten untergehen oder sich fügen?

 

Die vierzehnjährige Gesine Hannler unterbricht prompt die Frotzeleien gegen Richard Faber. Der soll den in drei Tagen aufzustellenden Maibaum bewachen. Denn nur so kann er ein echter Ostfriese werden. Ihm geht das aber ziemlich am Allerwertesten vorbei, denn die Stelle hier oben im Norden ist für ihn nur eine Durchgangsstation. Rike Waatstedt vernimmt diese Aussage mit einem doppelten Grummeln in der Magengegend. Denn zum Einen ist das ihre Chance endlich die ersehnte Leitung der Dienststelle übernehmen zu können. Zum Anderen ist Richard Faber mehr als nur ihr Chef.

Zurück zu Gesine Hannler. Sie hängt im Stall an einem Seil. Selbstmord. Offenbar konnte sie sich in ihrem streng religiösen Haushalt an niemanden wenden als sie erfahren hat, dass sie schwanger ist. Ausgerechnet Gesine! Einser-Schülerin. Oft misstrauisch beäugt. Pferdemädchen. Doch die Fakten sind eindeutig: Der Zeugungsakt – als Ermittler müssen alle Beteiligten neutral bleiben, auch wenn es einigen, allen voran Rike Waatstedt, schwer fällt die Ruhe zu bewahren – verlief wohl nicht einvernehmlich. Jetzt kommt auch noch ein Sexualdelikt an einem Kind hinzu.

Der Fall wird immer grotesker und vor allem umfangreicher. Ein Mitschüler hat ein Video – er denkt es ist ein Fake-Video – auf seinem Telefon, das die Vergewaltigung Gesines zeigt. Später stellt sich heraus, dass er ein Brandstifter ist. Und das alles nur, um in einem Spielranking im Darknet die erste Position in der Tabelle zu erringen bzw. zu verteidigen. Im Hintergrund zieht ein Moderator die Fäden, die für viele Beteiligte zur Schlinge werden.

Elke Nansen reißt den Leser in einen Strudel aus Verrat, Blasphemie und mörderischer Blindwut. Die Täter sind ahnungslos, welch perfides Spiel da im Hintergrund getrieben wird. Denn alles, was hier im beschaulichen Ostfriesland die Idylle trübt, entspringt einem lang gehegten Wunsch eines Enttäuschten.

Waatstedt und Faber bekommen aber auch gehörigen Gegenwind aus den eigenen Reihen. Friedrichs, der allseits unbeliebte und stets zum Gegenangriff bereite Vorgesetzte Fabers, stößt einmal mehr ins Horn des korrekten Ermittlungsablaufs. Es gibt jedoch Fälle, so wie dieser, da darf man auch mal auf seinen Bauch hören. Man muss es sogar! Als die Spur nach Thüringen führt, müssen Waatstedt und Faber feststellen, dass die viel gescholtenen Seilschaften von einst vielleicht nicht mehr so reißfest sind wie es einmal war. Doch die neuen Seilschaften sind nicht viel besser. Sture Beamte, die streng nach Verhaltenskodex arbeiten (müssen), sind die ärgste Bedrohung in diesem Fall.

Natürlich hat auch Knut. Rike Waatstedts Opa wieder seine Finger im Spiel. Er lässt nicht locker: Für ihn gehören Rike und Richard nicht nur an einen gemeinsamen Schreibtisch, sondern zusammen an den eigenen Herd. Doch auch Opa Knut hat ein dunkles Geheimnis…

 

Da, wo die Ems in die Nordsee fließt, liegt Pilsum. Ein kleiner Ort mit etwas mehr als fünfhundert Einwohnern. Und diese Zahl wird auf unnatürliche Weise um Eins verringert. Die Kommissare Rike Waatstedt und Richard Faber sehen in dem Unglück eine Parallele zu einem anderen Fall. Nicht minder tragisch und von brisanter Spannung.

Vor fünf Jahren verschwand Robert Gerber. Brillanter Biochemiker. Dreifacher Vater. Liebevoller Ehemann. Nun wurde sein Auto im Kanal gefunden. Von ihm fehlt weiterhin jede Spur. Seine Frau Bettina nahm die ganze Sache derart mit, dass sie mittlerweile die zweite Chemotherapie über sich ergehen lassen muss. Der Gedanke, dass Robert bald wieder da ist, lässt sie ihr Schicksal ertragen.

Der Fall Robert Gerber wird von Rike Waatstedt und Richard Faber wieder aufgerollt. Beide stehen sich immer noch sehr nah, doch den entscheidenden Schritt wagt keiner als Erstes zu gehen. Richard Faber wird unfreiwillig ein weiteres Argument an die Hand gegeben nichts mit seiner Kollegin anzufangen. Wenn alles gut läuft, wird er in einem Jahr der Nachfolger vom Ersten Kriminalhauptkommissar, der dann in Pension gehen wird. Ein Erfolg im Fall Robert Gerber wäre diesem „Projekt“ sicherlich förderlich.

Robert Gerber in seiner Firma der Gott der Forschungsabteilung. Er forderte viel Engagement, lebte es aber auch bedingungslos vor. Selbst als seine kleine Tochter im Krankenhaus starb, machte er bei der Abreit nur wenige Abstriche. Doch dann plötzlich nahm er zwei Monate Urlaub, was ein erfolgversprechendes Projekt sterben ließ. Er hob zweihunderttausend Euro von der Bank ab, um die Zeit zu überbrücken. Einer der Verlierer dieser ganzen Aktion war Malte Siegurd. Hätte das Projekt durchgeführt werden können, wäre er wegen der Einnahmen aus dem Patent heute ein gemachter Mann. Aus Wut darüber rammte er Gerbers Wagen und fotografierte ihn wie er sich bei Freundin verabschiedete. Die Fotos ließ er Bettina Gerber zukommen. Genug Rache für den geprellten Forscher?

Autorin Elke Nansen führt den Leser an der Nase rum und die Ermittler in alle erdenklichen Richtungen. Ja, es gab eine geheime Beziehung von Robert Gerber. Doch keine Liebesbeziehung. Die Frau, mit er fotografiert wurde, sammelte Informationen über so genannte Todesengel. Krankenpfleger, die aus eigenem Antrieb heraus – oder im negativen Fall für Geld – Leiden endgültig beenden. Denn in dem Krankenhaus, in dem die kleine Sophia Gerber sterben musste, gab es weitere unerklärliche bzw. ungeklärte Todesfälle. Verdächtiger Nummer Eins war ein Pfleger. Der ist nun auch tot. Ebenso eine weitere Angehörige eines Opfers dieses Todesengels. Sie lag vergraben schon seit Jahren in den Ruinen einer Ziegelei in Pilsum. Nur durch die Ortung ihrer Handydaten konnten die Knochenreste gefunden werden.

Der Fall scheint sonnenklar zu sein, besonders als Bettina Gerbers Sohn Mark, der als Teenager das Martyrium seiner Schwester mit ansehen musste und sich nun um seine vom Krebs gezeichnete Mutter kümmert, die Szenerie betritt. Doch Elke Nansen hat noch eine Wendung in der Schreibfeder…

 

Vier Meter über Meeresspiegel, nicht einmal eintausend Einwohner, ein Steinwurf vom Meer entfernt. Das ist Rysum. Und hier ist auch das Revier der Kommissare Rike Waatstedt und ihrem Chef / Freund Richard Faber. Je mehr Fälle die beiden bearbeiten, desto näher kommen sich die Zwei. Und endlich – auch dank der kräftigen Nachhilfe von Rikes Opa Knut – können die beiden auch dazu stehen. Aber die dunklen Gestalten mit den niederen Instinkten gönnen den Ermittlern keine Ruhe…

Zunächst einmal kommt Opa Knut wieder einmal um die Ecke. Der Urenkel eines Freundes macht sich Sorgen um seinen Freund Jannus. Der hat mit seinen fünfzehn Jahren schon derart viel erlebt, dass es für zwei Leben reicht. Jannus hat schon einen Drogenentzug hinter sich. Nun hat er wieder einmal die Biege gemacht. Dieses Mal jedoch ist er nicht mehr erreichbar. Als Rike und Richard, die Opa Knut niemals einen Wunsch abschlagen könnten, die Erziehungsberechtigten, das Wort Eltern trifft hier nicht einmal ansatzweise zu, aufsuchen, bekommen sie ein ungefähres Bild von Jannus‘ Leben. Der Vater, Stiefvater, hat mit dem Sohn, Stiefsohn abgeschlossen. Verbale und sicher auch physische Gewalt sind an der Tagesordnung. Die auch Jannus‘ Mutter wohl schon mehr als einmal zu viel zu spüren bekommen hat.

Am nächsten Tag werden Rike und Richard zu einem Mord gerufen. Eine zweiundachtzigjährige Frau wurde ermordet. In ihrem Haus sieht es aus wie nach einem Blutrausch. Das Rosarot aus Rikes und Richards Leben weicht einem triefenden blutigen Rot. Hier hat sich jemand ausgetobt. Und darüber hinaus auch noch Fingerabdrücke hinterlassen. Ein Teenager. Schon mal auf dem Straßenstrich aufgegriffen. Drogenabhängig. Den Kommissaren schwant Böses. Ja, die Fingerabdrücke stammen von Jannus. Am Tag zuvor hat er seine Mutter besucht und ihr eine Brosche geschenkt. Die stammt von dem Mordopfer. Wenn Kommissar Zufall eingreift, heißt das manchmal auch, dass es keine guten Nachrichten gibt.

So auch bei der erst achtzehnjährigen Rena. Passanten, denen das junge Mädchen in der Stadt begegnet, reagieren unterschiedlich. Angst und Ablehnung – wie kann man so früh am Morgen schon sturzbetrunken sein? Doch Rena ist voll drauf. Stürzt sich auf einen Mann, beißt ihn ins Ohr, stürzt zusammen mit ihm in ein Schaufenster und … ist tot. Eine neue Droge, absolut rein, ist der Auslöser ihrer Psychose. So war es wohl auch bei Jannus als er auf die Rentnerin, die er überfiel und die ihn überraschte, wie besessen einstach. Bei ihren Ermittlungen stoßen Rike und Richard auf einen tschechischen Drogenboss, der in Ermittlerkreisen nicht zu Unrecht der Drogenbluthund genannt wird. Er benutzt Junkies als Räuber und entledigt sich ihrer schleunigst und brutal. Es werden weitere Opfer zu beklagen sein…

Elke Nansen hat tiefgreifend recherchiert. Ihre exakten Schilderungen der Ermittlungen echter Polizisten geben ihren Ostfrieslandkrimis die besondere Note. Auch das Zwischenmenschliche wird bei all dem Elend genügend Raum gegeben. Richard Faber steht bald schon vor einem ganz neuen Fall. Einer, der sich allerdings ganz leicht lösen lässt. Fall Sechs von Rike Waatstedt und Richard Faber wird um eine weitere Komponente erweitert. Man darf gespannt sein!

 

Der Titel ist so doppeldeutig wie der gesamte Fall verzwickt ist. Campen ist zunächst ein Ortsteil von Krumhörn, in dem schon mal ein Elke-Nansen-Mord geschah. Und jeder, der die Krimis von Elke Nansen kennt, weiß auch, dass der Mörder niemals schon auf den ersten Seiten sein wahres Gesicht zeigt. Die Kommissarin Rike Waatstedt und ihr Chef / Verlobter Richard Faber stecken dieses Mal ihre Nase in die Angelegenheiten eines Camping(!)platzes und in bzw. auf den grünen Kunstrasen eines Tennisplatzes.

Das Grün des Courts leuchtet an einer Stelle rot, es hat sich in einen blutroten Tatort verwandelt. Timmo Beimes wurde erschossen! Mitten im Doppel mit seinem Bruder, einem Ladenbesitzer und einem Bauunternehmer. Keine Erschöpfung, sondern ein gezielter – unhörbarer – Schuss!

Es gab mindestens eine Handvoll Menschen, die dem Leben Timmo Beimes‘ gern ein Ende gesetzt hätten. Und die meisten davon hatten mehr als gute Gründe. Sein Bruder ist schwul, was dem gewalttätigen Nazi ein Dorn im Auge gewesen wäre, hätte er es gewusst. Sein Sohn bekam des Öfteren mal ein Backpfeife, und seine Frau die ganze Faust, die Füße und was sonst noch zu spüren. Und der Bauunternehmer Guido Eckhoff, mit dem er Tennis spielte, der die Tennishalle organisierte, wollte Timmos Campingplatz. Ein Wellnesshotel sollte darauf entstehen. Mit allerlei Schickschnack für die ausgebeulten Geldbeutel. Wer genau hinter diesem Bauprojekt steht, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass mit diesen Hintermännern nicht gut Kirschen bzw. – Achtung Krimifans, wer löst das Rätsel? – nicht gut Zitronen essen ist.

Sogar B- und LKA macht eine Stippvisite in der norddeutschen Provinz, um Faber und Waatstedt auf die Finger zu schauen.

Es deutet alles auf den Bauunternehmer Eckhoff hin. Doch der kann es nicht gewesen sein. Denn als der Schuss von oben Timmo Beimes‘ Kopf durchschlug, war Guido Eckhoff auf dem Platz. Sind hier im wahrsten Sinne des Wortes höhere Mächte am Werk? Das Team um Faber und Waatstedt bekommt Unterstützung von zwei weiteren Kriminalkommissarinnen. Laurien Heiligenstadt und Sonja Withuus hielten es auf ihrer alten Dienststelle in Wilhemshaven nicht mehr aus. Anfangs waren sie geachtete Ermittlerinnen, doch nach und nach bekamen sie immer schlechtere Beurteilungen. Dass die sexuelle Präferenz dabei eine Rolle spielte, kann niemand verhöhnen. Und da Fabers Dienststelle unterbesetzt, die beiden sich scheinbar leicht einarbeiten, sind sie herzlich willkommen. Kriminalhauptkommissar Faber hat nun zwei männliche Polizisten und drei Polizistinnen zur Seite. Echte Gleichberechtigung!

 

Herzlichen Glückwunsch! Zum Einen für den verflixten siebten Roman um Waatstedt und Faber, zum Anderen an Opa Knut. Der hat mehr zum Erfolg dieser Krimireihe zugetragen als jeder andere. Nun wird er 76. Und alle Polizisten, die schon einmal mit dem lebensfrohen Rentner auf dessen Terrasse geklönt haben, beteiligen sich am Geschenk für Opa Knut: Drei Wochen im „Tu Huus“ auf Wangerooge, einem Wellness-Hotel erster Kajüte.

Als Rike und Richard ihn dort nach ca. der Hälfte seines Urlaubs dort besuchen, erkennen sie ihn nicht wieder. Die Latzhose ist feinem Zwirn gewichen, der Stoppelbart ist weg und ein Hauch von Weltmännischkeit umweht den rüstigen Rentner. Rena Sommer ist für die 180-Wendung verantwortlich. Ein Backfisch würde Opa Knut sagen, sie ist erst sechzig. Sie ist stilsicher, gebildet und trägt ein Geheimnis mit sich herum. Das weiß Opa Knut. Aber er belästigt sie nicht weiter damit. Betrüblich ist nur die Tatsache, dass Opa Knut seine Rena den beiden Ermittlern – und die sind unvermittelt wieder im Dienst – nicht vorstellen kann. Die erscheint nicht zum Dinner. Und im Hotel, in dem Rena und Knut des Öfteren frühstückten, ist sie abgestiegen. Man kennt sie, auch als Begleiterin von Knut. Doch Hotelgast war sie hier nie!

Es soll noch schlimmer kommen. Eine Leiche wird angespült. Es ist Rena! Ein Schock für Knut – ein Fall für Rike Waatstedt und Richard Faber. Einfach wird es auch dieses Mal nicht. Der Hauptverdächtige ist niemand geringerer als Opa Knut! Da scheint sich ein besonders böser Klabautermann einen besonderen bösen Streich zu erlauben. Opa Knut und Mord?! Der kann ja nicht mal einer Flieg was zuleide tun.

Die Indizien sprechen aber eine ziemlich klare Sprache: Die Goldkette um den Hals der Toten, von Opa Knut. Dass er nicht wusste, dass Rena Sommer in Wahrheit die Baroness Wintershausen ist, klingt auch nicht besonders plausibel. In jüngster Zeit war sie ja öfter in der Regenbogenpresse, weil sie der Hochzeit eines ihre Nachfahren mit einer Schwarzen (Skandal!, der Adel ist und bleibt halt degeneriert!) nicht zustimmte. Fingerabdrücke auf einem Glas sowie eine angebrochene Schachtel jenes Mittels, das die Gräfin ins Jenseits beförderte. Alles findet man bei Opa Knut. Und Kriminalhauptkommissar Richard Faber bleibt nichts anderes übrig als einen Haftbefehl gegen den Schwiegeropa in spe zu beantragen…

Elke Nansen vergreift sich im (verflixten) siebten Roman ihrer Reihe um Waatstedt und Faber am Sympathieträger Nummer Eins der Reihe. Sie darf das. Schließlich sind alle Personen ihre Kinder. Als Kenner der Reihe muss man erstmal schlucken. Endlich hat Opa Knut mal was anderes als Klön, Kuchen, Kaffee und das Wohl seiner Enkelin im Sinn. Da zieht man ihm mit aller Wucht den Boden unter den Füßen weg. Doch was wäre Opa Knut ohne sein Team? Alle, die ihm eben noch gratulierten, stehen Gewehr bei Fuß, um Opa Knuts Unschuld zu beweisen. Knifflig – und wie! Aber die Lösung verblüfft Leser, Ermittler und schlussendlich auch Opa Knut!