Rabbi Small – Boston

01 - Am Freitag schlief der Rabbi lang

Da will man einmal ausschlafen und schon steckt man im dicksten Schlamassel! Da wird man doch meschugge! So würde wohl jeder denken, der sich in der gleichen Situation wie David Small befindet. Doch David Small nicht. Der Rabbi hat sich einen kleinen Nachschlaf gegönnt. In der Synagoge haben die Besucher viel Platz, um sich auszubreiten, anders gesagt: Es ist eh nicht viel los. Schon seit einiger Zeit. Deswegen wollen einige Mitglieder der Gemeinde und des Gemeinderates ihn loswerden. Das geht! Ein Rabbi wird von der Gemeinde gewählt, auserwählt. Und jetzt ist er auch noch Hauptverdächtiger in einer Mordermittlung!

Doch Rabbi Small hat ein reines Gewissen, vertraut auf seinen Glauben, seine Fähigkeiten ihn einzusetzen und auf die Ermittlungsmethoden der Polizei in Person von Hugh Lanigan. Der ist Polizeichef in Barnard’s Crossing, dem kleinen Ort vor den Toren Bostons.

Elspeth Bleech heißt das arme Ding, das mit ihrem silbernen Kettchen, das sie um den Hals trug, erdrosselt wurde. Ihre Handtasche lag im Auto. Im Auto vom Rabbi. Der hatte sich über eine Büchersendung hergemacht, die er schon sehnlichst erwartete. Das dauerte bis in die Nacht, weshalb er auch am Freitagmorgen eine Extraschicht Schlaf einlegte. Jeder hat so seine Versuchungen, denen er erliegt und nachgibt…

Elspeth war Kindermädchen bei den Serafinos. Die beiden betreiben ein Restaurant, in dem ab und zu auch mal Gesangseinlagen geboten werden. Lieder, die nicht ganz jugendfrei sind – das Publikum mag’s. Ansonsten ist es eher der Ruf des Clubs, der für Aufsehen sorgt. Drinnen geht es aber ganz gesittet zu. Joe Serafino und seine Frau sind von der härteren Sorte. Jedes Wort sitzt und hallt lange nach. Echte Geschäftsleute eben. Sonst könnten sie so einen Club nicht erfolgreich führen.

Die Stimmung im Ort gegen den Rabbi wird lauter. Nicht hör-, doch spürbar. Da jede Aktion eine gleichwertige Reaktion hervorruft, weiß Rabbi Small, was zu tun ist: Er ermittelt auf eigene Faust. Rationales Denken ist unerlässliches Werkzeug, um den Schäfchen seiner Gemeinde mit Rat und nun auch mit Tat zur Seite zu stehen. Unterstützung kann er nicht erwarten. Aber allein auf Spurensuche gehen und dem armen Melvin Bronstein zu helfen – das kann er.

Bronstein ist Nummer Zwei in der Reihenfolge der Verdächtigen. Er saß am Abend vor dem Mord mit Elspeth Bleech in einem Restaurant. Verließ es zusammen mit ihr. Ging mit ihr ins Kino. Kaufte ihr das Mordwerkzeug. Rabbi Small traut den Aussagen Bronsteins. Doch wer ist denn nun der Mörder?

Harry Kemelmann erhielt für seinen ersten Rabbi-Small-Roman den Edgar Allan Poe Award. Zurecht! Denn die Bücher sind nicht einfach nur Krimis, in denen ein Geistlicher Mörder jagt und zur Strecke bringt. Sie sind einzigartige Lehrstücke in Sachen jüdischer Kultur und alltäglicher Religionsausübung. Er nimmt dem mythischen das Geheimnisvolle ohne an der Faszination zu kratzen. Dem Leser wird unmerklich gelebter Glaube nahegebracht. In einer Zeit, in der religiöser Fanatismus zum Gegeneinander aufhetzen missbraucht wird, ist Aufklärung gefragter denn je. Und warum nicht in einem spannenden Krimi in wohl formulierten Sätzen?

02 - Am Samstag aß der Rabbi nichts

Jom Kippur, das Versöhnungsfest steht an. Vom Abend zuvor bis in den Abend des Tages wird gefastet. Das ist Tradition und die wird eingehalten. So hält es auch Rabbi David Small. Doch nicht alle nehmen es so genau mit der Tradition. Isaac Hirsh zum Beispiel, Alkoholiker, allerdings seit einiger Zeit trocken, nimmt für einen Nachbarn eine Lieferung an. Ein guter Tropfen, ein sehr guter Tropfen wie er anerkennend bemerkt. Und macht sich über den Inhalt her.

Währenddessen ist die jüdische Gemeinde in der Synagoge versammelt. Für Rabbi Small ist das ein besonderer Tag. Endlich mal volles Haus! Schon kurze Zeit später erhält er einen besorgniserregenden Anruf: Patricia Hirsh sucht ihren Gatten! Die Polizei wird gerufen. Isaac sei schon öfter mal „ausgebüchst“, die Beamten kennen ihn. Vergangenes Mal fanden sie ihn in einem Haus, völlig blau. Beim Verlassen des Hirsh’schen Hauses machen die Polizisten einen Umweg über die Garage. Dort sitzt der Vermisste. In seinem Wagen. Betrunken? Ja und nein. Betrunken und tot! Selbstmord? Wenn ja, dürfte man ihn nicht auf dem jüdischen Friedhof beerdigen. Das ist nicht mit dem Glauben zu vereinbaren. Das weiß der Rabbi, denn er hatte es vor dem Gottesdienst Moses Goralsky eingeimpft als er seine dringend benötigte Medizin nicht nehmen wollte. Fasten ist Fasten, meint der alte Sturkopf. Small entgegnet, dass das nicht für Medizin gelte. Alte und Kranke dürften aus gesundheitlichen Gründen sehr wohl etwas zu sich nehmen.

Die Beerdigung findet trotzdem statt. Ein weiterer Grund für Smalls Gegner ihm ein Bein zu stellen. Und wieder muss Rabbi Small der Polizei auf die Sprünge helfen. So ganz nebenbei lässt er auch noch die Versicherung stolpern. Denn die zahlt natürlich nicht bei Selbstmord. Charlie Beam (!) von der Versicherung stolpert über einen Eimer. Nicht buchstäblich, doch Smalls Argumentationskette lässt nur einen Schluss zu: Es war Mord! Der ehemalige Wissenschaftler Isaac Hirsh, der einst an der Erforschung der Atombombe mitwirkte und gern mal einen zu viel hob, wurde ermordet. Jetzt ist jedes noch so kleine Detail wichtig.

Am Ende fühlt sich Rabbi Small in seinem Glauben bestätigt: Wenn Einer geht, kommt ein Anderer. Und das ist im besten Wortsinn doppelt gemeint…

Machtspielchen, ein Anbau für die Synagoge, verschlungene Beziehungen  – Rabbi Smalls Gemeinde steckt voller Überraschungen. Einmal mehr ist der gewiefte Hobbyermittler als Stichwortgeber und Spürnase gefragt.

 

03 - Am Sonntag blieb der Rabbi weg

Is gar nicht so einfach, so eine Doppelberufung. Der Polizeichef von Barnard’s Crossing hält seinen Kollegen aus dem Nachbarort Lynn für einen fähigen Polizisten und einen Idioten. Manche Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind erfolgreiche Unternehmer und wollen in der Gemeinde noch zusätzlich Politik machen. Und der Rabbi? David Small ist seit Neuestem nicht nur stolzer Vater eines Sohnes, er ist nicht nur der Ratgeber in allem, was die Gemeinde von ihm begehrt, er ist auch derjenige, der Polizeichef Hugh Lanigan wieder einmal hilfreich unter die Arme bzw. auf die Sprünge helfen muss. Dreifachbelastung wäre es für die Einen, für Rabbi Small ist es ganz normaler Alltag. Die Ferienzeit ist angebrochen, alle ehemaligen Klassenkameraden treffen sich, um die freie Zeit gemeinsam zu verbringen. Ihre Eltern hingegen sind teilweise damit beschäftigt die jüdische Gemeinde zu spalten. Zwei Lager haben sich herausgebildet. Am Ende des Tages sind zwei Menschen tot. Verbunden in geschäftlicher Beziehung, der Eine als Käufer, der Andere als Verkäufer. Die Ware: Pot, Hasch, Gras, Marihuana.

Sollte der Anruf des Kollegen (des Idioten) aus Lynn doch eine tiefere Bedeutung gehabt haben, denkt sich Hugh Lanigan? Meyer Paff ist unfreiwillig ins Visier der Behörden geraten. Er betreibt einige Bowlingbahnen. Und genau dort ist die Polizei auf Drogengeschäfte aufmerksam geworden. Der Tipp kam aus der großen Stadt, aus Boston.

Alle Beteiligten halten sich zuerst bedeckt, doch nach und nach kippt einer nach dem anderen um. Und die Polizei rechnet Eins und Eins zusammen. Doch ihr Ergebnis ergibt nicht Zwei. Nur Rabbi Small behält den Überblick. Ganz weltlich zählt er alle Fakten zusammen, bezieht Zufallsfaktoren ein und … bekommt das richtige Ergebnis. Inklusive Beweis. Quod erat demonstrantum.

Der Sonntagsteil der Septologie um den umtriebigen, sich nicht hinters Licht führen lassenden Rabbi besticht durch die akribische Detailarbeit der Zusammenhänge innerhalb der jüdischen Gemeinde in Barnard’s Crossing. Wer mit wem, gegen wem und wofür und wogegen – es ist nicht alles Gold, was glänzt im Staate Massachusetts. Sein unbeirrbarer Glaube an seine Religion, seine Beharrlichkeit, seine Fähigkeit Menschen zusammenzubringen, lassen Rabbi Small am Ende als einzigen Gewinner aus dem vermaledeiten Schlamassel hervorgehen. Die Gemeinde steht nun stärker hinter ihm als er es vermutet hätte.

 

04 - Am Montag flog der Rabbi ab

Irgendwann reicht’s auch dem ruhigsten und besonnensten Rabbi mal. Das Hickhack um seinen Vertrag geht ihm an die Nieren. Er muss mal raus. Am besten ganz weit weg. Urlaub machen, entspannen. Nein, das will er nicht. Das ewige Gequatsche, dass man sich in Jerusalem mal trifft, bringt ihn auf den richtigen Pfad. Jerusalem, das wär’s. Aber eben nicht zur Erholung, sondern, um den lang gehegten Wunsch aller Juden endlich wahr werden zu lassen. In Jerusalem zu leben. Nicht zu lang. Drei Monate, ausreichend lang. Der Gemeinderat ist wenig entzückt. Die Kosten, die das wieder verursacht. Ach herrje! Klingt fast wie auf einem Partietag einer kommunistischen Partei. Erstmal ’ne Kommission gründen, Vor- und Nachteile gegeneinander aufrechnen. Doch dann die rasche Entscheidung: Der Rabbi darf abheben! Am Montag geht’s los! Schließlich will er keinen bezahlten Urlaub – wird also doch nicht so teuer.

Doch von Erholung, Ruhe und innerer Einkehr keine Spur. Alle Nase lang trifft er Leute, die ihn kennen oder kennenlernen wollen. Selbst aus den Staaten scheinen sie anzureisen. Um Rabbi Small die Hand zu reichen. Dan Stedman ist einer von ihnen. Stedman kennt Small, und Small kennt Stedman. Der Journalist den Rabbi aus der Gemeinde und der Rabbi den Journalisten aus dem Fernsehen. Stedman will seinen Sohn in die richtigen Bahnen lenken. Der studiert in Jerusalem, trifft sich mit Freunden, schert sich wenig um die herrschenden Vorurteile – einige seiner Freunde sind Araber.

Immer wieder gehen Bomben in Jerusalem hoch. Polizei und andere Dienste suchen fieberhaft nach den Attentätern. Jeder, der ins Land gereist ist, wird überprüft. Zuerst noch diskret. Dann gerät auch Rabbi Small ins Visier der Behörden. Denn es gibt Zufälle, und es gibt Absichten. Irgendwie ist David Small da rein geraten. Irgendwer spielt ein doppeltes Spiel. Irgendwas ist falsch. Der Rabbi sieht sich seiner riskantesten Aufgabe im Leben gegenüber stehen.

Miriam, Davids Frau ist froh endlich in Israel zu sein. Ihre Tante Gittel Schlossberg hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Und die kennt ihren Neffen Jonathan nur vom Hörensagen. Die resolute Tante hat auch gleich alles organisiert für die lieben Verwandten. Resolut trifft es nicht annähernd den Charakter der Dame zu beschreiben.

In Barnard’s Crossing, zuhause, ist man dagegen ganz zufrieden mit dem Substitutsrabbi. Doch der macht keine Anstalten in den Hinter-Den-Kulissen-Affären eine tragende Rolle zu spielen. Fernab von Ränkespielchen, mitten in den perfiden Spielchen der Mächte viele Zeitzonen entfernt, macht Rabbi Small das, was er am besten kann: Er hilft den Behörden auf die Sprünge. Gänzlich uneitel, tief im Glauben verwurzelt, wendet er ihn an, ohne große Töne zu spucken.

 

05 - Am Dienstag sah der Rabbi rot

Rabbi David Small bekommt ein Angebot, das er nicht ausschlagen will. Er soll am Windemere College in Boston einige Vorlesungen zu jüdischem Denken und jüdischer Philosophie halten. Als Vertretung. Als geübter Rabbi-Small-Leser weiß man, dass der Gemeinderat zustimmen muss und natürlich seine Bedenken hat. Schließlich gehört der Rabbi (zu) der Gemeinde. Was, wenn nun gerade dann eine Beerdigung oder ähnliches ansteht? Der in sich ruhende Rabbi kann alle beschwichtigen. Dann müssten die Studenten eben warten. Ist doch ganz klar, kein Grund, um in Sorge zu geraten. Kein Grund rot zu sehen…

Am College eingetroffen, trifft Rabbi Small Roger Fine. Den hatte er gerade erst verheiratet – auch keine leichte Sache, denn viele Vorstellungen der Braut waren mit den Regeln der Synagoge nicht vereinbar. Fine ist bei dem Studenten beliebt, bei der College-Leitung umso weniger.

Mit Professor Hendryx soll sich der Rabbi ein Büro teilen. Kein Problem für den Rabbi, doch ein riesiges Zugeständnis vom Prof. Der will seine Ruhe haben. Sein Büro ziert eine gewaltige Büste Homers. Mehrere Dutzend Pfund schwer – ein Geschenk seiner ersten Klasse, die er unterrichtete.

Hendryx und Fine sind sich nicht ganz grün. Fine sieht sich eher als Erneuerer, der Prüfungen in weiten Teilen ablehnt, für Hendryx sind sie unabdingbares Mittel zur Wissensermittlung.

Und zwischendrin Rabbi Small. Gleich zu Beginn seiner ersten Stunden prasseln auf ihn die Fragen der Studenten ein. Neugier und Ablehnung schlagen ihm gleichermaßen entgegen. Vorurteile werden ihn wohl noch ein ganzes Stück seines Weges begleiten. Es begegnet jedem Einwand und jeder Frage mit der gleichen stoischen Ruhe, die ihn auszeichnet und den Synagogenrat in Barnard’s Crossing zur Verzweiflung bringt. Bis auf die Freitagsvorlesungen – da kommt kaum noch einer in die Vorlesung – freut sich Rabbi Small auf die neue Aufgabe.

Doch dann passiert etwas Schreckliches: Zwei Denker treffen aufeinander. Im wahrsten Sinne des Wortes AUFeinander. Prof. Hendryx und Homer. Oder besser: Homer trifft AUF Hendryx. Die Büste rauscht nach (nicht mit!) einem Knall auf den Schädel des Professors nieder. Doch dann stellt sich heraus, dass das AUFeinandertreffen einseitig war. Hendryx war schon ein halbe Stunde vorher jedwedem Treffen aus dem Weg gegangen.

Von wegen junge Menschen formen. Ein neuer Fall für den spitzfindigen Amateurermittler mit dem Hang zur Detailversessenheit. Der Aufschrei ist groß. Die großen Studentenunruhen sind noch gar nicht so lange her. Demzufolge geraten auch die Redseligsten schnell in den Verdacht eine Bombe gezündet zu haben, die ein Menschenleben forderte. Rabbi Small ist da anderer Ansicht!

 

06 - Am Mittwoch wird der Rabbi nass

Einst zerstritten sich Vater und Sohn, weil Letzterer in die Kasse griff, und ihn der Vater erwischte, bevor der seinen Fehler wieder gutmachen konnte. Nun Arnold Aptaker wieder heim, mit neuem Namen und reumütig. Doch die Zusammenarbeit in der väterlichen Apotheke ist nicht von Harmonie gekrönt. So packt Akiva Rokeach als Arnold Aptaker seine Sachen und verschwindet wieder und lässt ein weiteres Mal Vater Marcus und Mutter Rose zurück. Marcus Aptaker soll bald ein weitaus existenzbedrohenderes Problem bekommen.

Der alte Kestler hat wohl die falschen Pillen bekommen und genommen. Dr. Cohen kann es sich nicht erklären: Als Kestler das letzte Mal krank war – gleiche Diagnose – hatten sie geholfen. Kestler war allergisch auf Penicillin, deswegen hat er Tetracyclin verschrieben. Vier Tabletten täglich, fünf Tage lang. Auch wenn es dem Patienten besser ginge. Das Rezept wurde von Marcus Aptaker entgegengenommen und die Medizin ausgegeben. Oder war es doch ein Behandlungsfehler?

Fakt ist, dass der alte Kestler nicht besonders beliebt war. Er vergab gern mal Kredite, gegen horrende Zinsen. Auch sein Sohn Joe Kestler ist in diesem Geschäft. Allerdings nicht ganz so öffentlich wie sein Vater. Soll heißen, dass er Schuldscheine aufkaufte, die Summe verdreifachte und dann mit eindeutigen Gesten seinen Forderungen Nachhall verlieh. Sollte Arnold Aptaker, der nun Akiva Rokeach wieder in  Philadelphia zu sein scheint, in die Fänge von Kestler junior geraten sein?

Polizeichef Hugh Lanigan kennt seine Pappenheimer, und Rabbi Small kennt seien Gemeinde. Er findet auch heraus, dass es eine Hand voll Leute in Barnard’s Crossing gibt, die dem Tod des alten Halsabschneiders nicht unbedingt mit Trauer begegnen. Streitigkeiten und Nachbarschaftszickereien – darin tauchte immer der Name Kestler auf.

Dem Apotheker Marcus Aptaker schlägt alles nicht nur auf den Magen, ihm geht es richtig schlecht: Der Verdacht etwas falsch gemacht zu haben, schließlich gab er das Penicillin aus, dass der alte Kestler nicht vertrug, und die drohende Kündigung seines Mietvertrages lassen ihn fast resignieren. Mit dem alten Vermieter, Goralsky, war er sich schon einig. Um zehn Jahre sollte sein Mietvertrag verlängert werden. Doch Goralsky starb kurz vor Vertragsabschluss. Nun soll der ganze Block nach dem Maximalprinzip veräußert werden: Geringer Aufwand, größtmöglicher Ertrag. Auch der Gemeinderat und einige Mitglieder, die Kestler überhaupt nicht wohlgesonnen waren, sind darin involviert. Rabbi Small wittert großes Unrecht.

Detektivisches Gespür des Polizeichefs und der untrübliche Spürsinn des immer hellwachen Rabbis verhelfen der Gerechtigkeit über verschlungene Pfade zum Sieg.

 

07 - Der Rabbi schoss am Donnerstag

Ellsworth Jordon hat wenige Freunde, eigentlich fast keine. Keine richtigen. Alle sind irgendwie mit ihm verbandelt, besser gesagt: Von ihm abhängig. Denn er ist reich. Und davon wollen viele profitieren. Nur eine einstige Geliebte, der er ein Kind, Billy, machte, erliegt nicht seinem mammonen Charme. Dennoch nimmt er Billy ein wenig unter seine Fittiche, besorgt ihm einen Job bei der Bank von Larry Gore, einem entfernten Verwandten. Und er hat auch gleich eine wichtige Aufgabe für Billy. Cunninghams Konto ist für den ekelhaften Alten von Belang. Er braucht die Informationen, um Cunningham einen Schritt voraus zu sein, ihn unter Druck setzen zu können, um seinen eigenen Willen durchzusetzen. Aber Billy weiß nicht, wer Jordon in Wahrheit ist.

Doch dann ist Ellsworth Jordon tot. Erschossen. Polizeichef Hugh Lanigan ist in einer verzweifelten Lage. Denn jeder, der dem Halsabschneider an den Kragen wollte, kann kein echtes Alibi vorweisen. Ein Toter und so viele Verdächtige. Vielleicht hat Rabbi David Small einen Rat … oder besser noch, einen stichhaltigen Beweis?

Zu den Verdächtigen zählt auch Billy. Am Vorabend hatte er seinen Chef Larry Gore zu Ellsworth Jordon begleitet. Gore wollte eine wertvolle Silberarbeit abholen. Also hatte Billy eine Pistole dabei. Die von Larry Gore. Der wiederum besitzt keinen Waffenschein und sollte allen Unannehmlichkeiten aus dem Weg gehen. Im Staat Massachusetts gelten besonders scharfe Waffengesetze. Jordon fand das alles Quatsch und nahm Billy den Revolver ab.

Auch der Synagogenvorsitzende Henry Maltzmann war überhaupt nicht gut auf Jordon zu sprechen. Der Immobilienmakler hat einen großen Fisch am Haken. Ben Segal will sich in Barnard’s Crossing niederlassen. Geld spielt keine Rolle. Doch das Grundstück, das ihm behagt, gehört dem knochigen Alten. Und ist wird mit Maltzmann niemals Geschäfte machen. Als eingefleischter Antisemit bereitet es ihm eine diebische Freude dem Makler die Suppe zu versalzen.

Harry Kemelmann lässt seinen Rabbi Small durch eine scheinbar bis dato unbedeutende Begebenheit aus der Vergangenheit das Rätsel lösen. Nach all den Verstrickungen der Einzelnen, lässt einem die Lösung mit einem Lächeln zurück.

Wer noch immer an die Rechtmäßigkeit der Vergabemodalitäten von Fußball-Weltmeisterschaften glaubt, wird gleich auf den ersten fünfzig Seiten in Welt des Gebens und Nehmens eingeführt. Sobald es einen Heller oder mehrere tausend Dollar zu verteilen gibt, stehen alle Gewehr bei Fuß. Die Moral bleibt auf der Strecke – nur wenige setzen sich zur Wehr. Rabbi Small hat mit der Zeit gelernt seine eigenen Strategien zu entwickeln und anzuwenden. Ein köstlicher Lesespaß, wie übrigens die gesamte Reihe, die Religion im Alltag anschaulich darstellt, gewürzt mit einer Prise detektivischer Finesse.