Kommissar Gennat und der BVG-Lohnraub

Berlin Mariendorf, 14. Mai 1932, ganz früh am Morgen. Ach nee, die Presse ist schon da. Kriminalrat Gennat, der Tausendsassa, der die Berliner Polizei mit wissenschaftlicher Recherche vertraut gemacht hat (noch nicht komplett, aber die Anfänge seiner Arbeit tragen schon erste zarte Früchte), ist erstaunt, dass Max Kaminski vom Berliner Echo schon am Tatort ist. Ein Kneipenüberfall, mit Schießerei. Und die schreibende Zunft zückt schon wieder den Bleistift. Naja, was soll’s, der Kaminski is in Ordnung! Ein paar Tage später hockt man zusammen beim Dinner und schwatzt über den Fall. Bei Kaminski zuhause. Gennat mag Kaminski und weiß um die Hilfe der Presse. Der Freitag vor Pfingsten, dem Tag des Raubmordes – ein Opfer ist inzwischen verstorben –  war ein heißer Tag. Noch vor drei Tagen fröstelte man bei knapp über zehn Grad, nun war es mehr als doppelt so warm.

Die Polizei tappt im Dunkeln. Sucht Verdächtige, findet sie aber nicht. Kaminski schon. Wie? Ihm stehen andere Mittel als der Polizei zur Verfügung… Der Sommer kommt, die Ermittlungen stocken.

Im September nehmen sie allerdings wieder Fahrt auf. Ein Geldtransporter wurde überfallen. Ein verlassener Fluchtwagen, geklaut, natürlich, blockiert die Kreuzung. Erinnert verdächtig an den Überfall auf die Kneipe in Mariendorf.

Die Beute von 34.000 Mark sprengte alles bisher Dagewesene. So viel wurde noch nie erbeutet. Ein Toter und ein Schwerletzter gingen ebenfalls auf das Konto der Bande, die mit Akribie und Raffinesse von Polizei und dem Journalisten Max Kaminski verfolgt wird. Kaminski spannt für seine Recherchen sogar seine Ehefrau Lissy ein. Mit Wissen von Kriminalrat Ernst Gennat. Und nach einigen Monaten führen die Ermittlungen zum Erfolg.

In der Zwischenzeit haben die Nazis die Macht ergriffen. Das Urteil ist verheerend: Todesstrafe bis hin zu langjährigen Haftstrafen. Für Gennat geht die Zeit im Polizeipräsidium bald zu Ende. Die neuen Herren haben keine Verwendung mehr für den umtriebigen Schnüffler.

Dr. Regina Stürickow kann nicht nur Sachbuch. Dieser historische Roman fußt auf den noch zahlreich vorhandenen Akten. Max Kaminski ist ihrer Phantasie entsprungen. Er hatte jedoch ein reales Vorbild. Gennat ist so real wie die Spuren, die er hinterließ. Er war es, der das wilde Herumsuchen am Tatort unterband und Spuren nahm, die bisher im Chaos der ersten Ermittlungen unwissentlich zerstört wurden.

Die Aufmachung des Buches wie ein Dick-Tracy-Comic ist sicher kein Zufall. Es ging heiß her im Berlin der beginnenden 30er Jahre. Immer mehr verloren ihre Arbeit und sahen der Zukunft nur widerwillig und geknickt entgegen. Die Kriminalitätsrate schnellte in ungekannte Dimensionen. Gennat brachte Ordnung ins Chaos. Die Lösung des größten Kriminalfalls in Großberlin ist sein Vermächtnis.