Hope Hill Drive

 

Während man auf der nördlichen Halbkugel im Dezember meist vor Kälte bibbert, stöhnt man unter der Sonne Australiens unter der Dezembersonne. Viel kann man in der endlosen Weite der Gegend, in der Hirsch berufsmäßig ermittelt wenig tun: Kupfer klauen, Hunde entführen, ein Haus abfackeln. Trostlos, oder?! Oder man ermittelt Kupferdiebe, bringt Hunde zu ihren Besitzern zurück und versucht Feuerteufel zur Strecke zu bringen. Constable Paul Hirschhausen hat einen ruhigen Job in einer sehr ruhigen Gegend. Routine bestimmt seinen Alltag. Präsenz zeigen, sich um die Sorgen der Menschen im Umkreis von vierhundert Kilometern sorgen – das ist echte Knochenarbeit. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Gerade wenn eine ortsbekannte Säuferin und stellvertretendes Familienoberhaupt einer der berüchtigsten Sippen ihren Wagen nicht vor, sondern im Pub abstellt. Oder Nan Washburns Wagen geklaut wird. Dann bestellt Hirsch die beiden Übeltäter auch gern mal zum Entschuldigungs-Powwow ein. Ob’s gefruchtet hat, lässt sich leicht klären – nein. Kurze Zeit später werden Nan Washburns Ponys bestialisch ins Jenseits befördert. Und das kurz vor Weihnachten! Und so ganz nebenbei rettet Hirsch auch noch einem Kind das Leben. Die Mutter hatte es im Auto gelassen. Nur ganz kurz, wie sie beteuert. In der sengenden Hitze Südaustraliens!

Dass da Untersuchungen eingeleitet werden, ist klar. Doch die Adresse, die die Mutter angegeben hat, Hope Hill Drive 58, gibt es gar nicht. So lang ist die Straße nicht. Sie gehört ja nicht mal richtig zu einer Ortschaft. Hope Hill Drive – ein Witz. Denn Hoffnung gibt es hier nicht. Dass – es ist Weihnachten – in Tiverton und Umgebung die Medien einfallen – tote Ponys, ein fast totes Kind in einem gottesvergessenen Landstrich – passt Hirsch so gar nicht in den Kram. Doch es ist nichts womit er nicht fertig und schon gar nichts im Vergleich mit dem, was noch auf ihn zukommen wird. Denn schon bald türmen sich nicht nur tote Ponys vor ihm auf, sondern auch menschliche Leichen. Und zwei – ihm nicht gerade wohl gesonnene – Polizisten bauen sich vor ihm auf. Doch Hirsch ist nicht minder gewitzt und verschlagen als die Metropolen-Bullen. Er weiß, wann er sich zurückziehen kann, wann er seine Erkenntnisse für sich behält, und wann er uneingeschränkt kooperieren muss. Eine Familie im Zeugenschutzprogramm, marodierende unter Alkoholeinfluss fahrende Einwohner, mehrere Leiche im und außerhalb der Keller – so langweilig und routiniert ist es dann doch nicht am Ende vom Ende der Welt…

Garry Disher lässt Paul Hirschhausen ein zweites Mal vom Haken. Die endlose Weite seines Reviers lässt ihm unendlich viele Möglichkeiten seinen zweiten Fall zu lösen. Mit Ruhe und Gelassenheit ist er der Typ Ermittler, dem man seine Lesestunden gern anvertraut.