Im Fluss

Eines gleich vorweg: Diese Reise kann in keinem Reisebüro gebucht werden. Auch das Reisemittel, ein Kanu ist bei keinem Outdoorausrüster so erhältlich.

Dirk Rohrbach umkreist die Vereinigten Staaten mit dem Fahrrad. Er nahm sich den Yukon vor. Da entstand auch der Gedanke den Mississippi samt Missouri von der Quelle bis zur Mündung in die Karibische See zu befahren. Und er stellt auch gleich einmal ein weit verbreitetes Vorurteil richtig. Der Mississippi (ideal auch zum Abzählen von Sekunden: ein Mississippi, zwei Mississippi etc.) ist eigentlich ein Zufluss des Missouri. Da die Eroberer der Neuen Welt aber von Osten kamen, trafen sie zuerst auf den Mississippi. Und der war dann der Namensgeber. Erst später entdeckte man die Quellen des Missouri.

Und dort, in den Höhen und Weiten von Montana beginnt das große Abenteuer. Ein kleines Rinnsal, das aus einem Berg entspringt. Zu flach und zu schmal, um es mit dem Kanu zu bereisen. Das Kanu übrigens hat Dirk Rohrbach selbst gebaut. Mit Hilfe eines Videotutorials, in dem alles irgendwie viel einfacher aussah als es in der Wirklichkeit ist.

Und kaum auf dem Wasser taucht auch schon das erste Problem auf. Und zwar in der Gestalt einer Elchmutter samt zweifachen Nachwuchs. Dirk Rohrbach weiß, dass Bären mit einem Spray relativ einfach zu vertreiben sind. Aber eine Elchmutter mit ihren Zöglingen stellt ein unkontrollierbares Risiko dar. Mutter und Nachwuchs Nummer Eins queren den Fluss, doch der Nachzügler müht und strampelt sich ab wie er nur kann. Dirk Rohrbach möchte gern eingreifen und helfen. Doch das würde seiner Gesundheit nicht zuträglich sein. Auch wenn Rohrbach einmal Arzt war. Der Kleine schafft ans andere Ufer zu Geschwister und Mutter, und Rohrbach kann weiterpaddeln.

Auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten unterliegt harten Regeln. Jeder, der den Missouri / Mississippi befährt, muss sein Gefährt untersuchen und abnehmen lassen. Ein Fluss-TÜV. Da sein Boot Marke Eigenbau ist, ist es nicht registriert. Und das sorgt bei den Inspektoren für Verwirrung. Hier ist Rohrbach bedeutend entspannter als bei der Elchkuh.

Eines fällt sofort auf: Dirk Rohrbach kommt schnell mit Leuten ins Gespräch. Das liegt an seiner außergewöhnlichen Route und der Neugier der Menschen am Fluss, an den Flüssen. Für den Leser ein Sammelsurium an Charakteren, die so manch einem nicht in ihrem ganzen Leben begegnen, trifft Rohrbach quasi im Vorbeipaddeln. Tom-Sawyer-Und-Huckleberry-Finn-Romantik trifft Abenteuerdurst auf einer der aufregendsten Routen, die diese Welt noch zu bieten hat. Von der unberührten Natur Montanas, in der es ein Glücksfall ist, wenn man hier mal tatsächlich einen Menschen trifft, über die Badlands, die die ersten Siedler nicht umsonst so tauften bis in die vor Leben überbordende Metropole New Orleans fast am Ende der Reise. Ein echtes Abenteuerbuch von einem überzeugten und überzeugenden Verführer!