Das Ende des Schweigens

Ein Bulle, der mal im Knast saß. Ein Ex-Major der Nationalen Volksarmee, der im Knast hätte sollen. Und eine Journalistin, die mit dem Knast noch nie in Berührung gekommen ist. Das sind die Zutaten von Claudia Rikls Krimi „Das Ende des Schweigens“.

Susanne Ludwig kommt endlich mal raus. Ein paar Tage frei. Die Tochter freut sich wie Bolle bei der Oma sich austoben zu können. Und Susanne kann Ex-Mann und Scheidung hinter sich lassen. Ein Haus hat sie gemietet. Der Besitzer macht es sich so lange im Haus ihrer Eltern bequem. Couchsurfing für Hausbesitzer. Die Ruhe Mecklenburgs soll ihre Tankstelle sein. Sie ahnt noch gar nicht wie sehr sie ihre Kräfte noch brauchen wird!

Denn als sie an einem Frühlingssonntag endlich das Haus gefunden hat, schlägt ihr ein bestialischer Gestank entgegen und sie auf den Boden. Erst die Polizei holt sich ins Leben zurück.

Kriminalhauptkommissar Michael Herzberg leitet die Ermittlungen. Nicht, weil die Journalistin zu Boden gegangen ist, sondern wegen der Ursache des Gestanks. Die Magengrummeln verursachende olfaktorische Herausforderung stammt von Hans Konrad. Der liegt in seinem eigenen Blut. Reden kann er nicht mehr, doch selbst wenn er den massiven Blutverlust überlebt hätte, würde es ihm schwerfallen noch zu reden. Der Mörder hat ihm die Zunge herausgeschnitten. Auffällig ist weiterhin, dass der Tote keine Papiere bei sich hatte.

Schließich stellt sich heraus, dass die Leiche einmal Major bei der NVA war. Herzberg verursacht diese Erkenntnis Übelkeit. NVA. Stasi. Bautzen II. Das Stasigefängnis. Auch er hatte das zweifelhafte Vergnügen dort einmal die Gastfreundschaft des Überwachungsapparates am eigenen Leib spüren zu dürfen. Wie soll man da noch objektiv bleiben? Michael Herzberg stößt an seine Grenzen. Dass Susanne Ludwig auch nicht das tut, was man als Rekonvaleszente so tut – sich ausruhen, erholen, wieder zu Kräften kommen – steigert seine Laune nicht im Geringsten. Auch nicht die Ermittlungsergebnisse. Und deren Folgen. NVA – Stasi – Mobbing auf höchstem (und körperlichen) Niveau – sowie Seilschaften, die bis heute noch existieren und exzellent funktionieren. Doch nicht wie im Film weit weg … nein, gleich um die Ecke, im Büro nebenan. Vor der eigenen Spürnase.

Ein Knabenchor ist keine Armee der Welt. Wer sich gern aufspielt und die Macht dazu erhält, nutzt sie gnadenlos aus. In der NVA war das Schildkrötenspiel, bei einem Frischling Stahlhelme an Ellenbogen und Knie geschnürt wurden, so dass er auf dem Boden herumgestoßen werden konnte, eines der harmloseren Spielchen. Claudia Rikl holt noch ganz andere, perfidere Spielchen ans Tageslicht. Ihr Hauptkommissar bezieht dafür heftig Prügel, sie macht alles publik.