Toscana

Wälzt man Bildbände über Italien, erhält man ein Bild, dass nur einen Schluss zulässt: Die Toscana ist Italien! Endlose Alleen, kraftstrotzende Felder an den Hängen sanfter Hügel, und zwischendrin immer mal wieder ein Artefakt aus vergangenen Zeiten. Wer Florenz dann auch noch auf dem Reiseplan hat, ist verloren. Denn hier – und nur hier – hat die Renaissance stattgefunden. Nirgendwo anders! Basta!

Oh, du wunderbare Welt der Alternativwahrheiten. Dann kommt einer wie Verleger Michael Müller daher und rückt die Toscana wieder dahin, wo sie hingehört. Ins Herz Italiens, ohne dabei den Rest des Stiefels in den Schatten zu stellen. Es ist immer wieder erstaunlich wie kompakt Reisebände sein können, ohne Inhalt zu verlieren. Auf den ersten Blick klingen siebenhundertvierundachtzig Seiten viel. Doch wer schon einmal in der Toscana war, weiß, dass man blöckeweise Eindrücke niederschreiben kann. Da hilft nur kürzen, kürzen, kürzen. Nicht in diesem Fall!

Mit voller Hingabe lässt Autor und Verleger Michael Müller die Metropolen erstrahlen, gibt den anderen Regionen der Toscana aber mindestens genauso viel Luft und Platz im Buch wie Pisa, Siena, Florenz. Mugello zum Beispiel ist eben nicht nur Motorsportfans ein Mekka geworden, sondern vor allem der farbenprächtige Kontrast zum geschäftigen Treiben am Arno. Die Medici haben hier ihre Wurzeln. Fra Angelo wurde hier geboren. Die unrasierte Toscana nennt der Autor diese Region. Pratolino ist sicherlich nicht der erste Ort, der einem einfällt, wenn man an die Toscana denkt. Der mediceische Park jedoch ist mehr als nur einen Abstecher wert. Teiche, Wasserspiele, Grotten zieren heute das Areal, wo einst Gastfreundschaft ein Fremdwort war.

Eins Zwei Drei Vier, also 1234, das Jahr, gilt als Geburtsdatum des Klosters Monte Senario im Luftkurort Bivigliano. Ein traumhafter Nadelwald soll den Anstieg in 800 Meter Höhe versüßen. Und oben angekommen, ist man wahrhaft oben angekommen. Der Ausblick … göttlich!

Achtzehn Auflagen und immer nur ein Ziel im Blick: Dem Leser die Toscana so zu zeigen wie sie wirklich ist. Wer sich die Zeit gibt und die knapp achthundert Seiten als Herausforderung annimmt, wird Seite für Seite der Toscana ein Stück näherkommen. Wer im Urlaub sich ein paar Minuten mit dem Buch beschäftigt, wird fürstlich entlohnt werden. Wer nach dem Urlaub noch einmal ein wenig die Seiten durch die Finger rinnen lässt, hat nur eine Wahl. Immer wieder zu kommen und immer wieder in diesem Buch blättern, den Urlaub planen und die schönste Zeit des Jahres haben.