101 Wien – Geheimtipps und Top-Ziele

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Je kompakter die Stadt, desto einfacher ist es sich zurecht zu finden. Mag stimmen, auch im Falle von Wien. Wer zum Beispiel den Stephansdom sucht, folgt einfach den Touristenströmen. Ganz einfach! Doch hat man dann Wien gesehen? Nein! Nur den Stephansdom und vielleicht noch das, was links und rechts des Weges stand. Aber Wien gesehen zu haben, kann man dann immer noch nicht behaupten. Nicht einmal ein Prozent hat man dann gesehen.

Schon das Titelbild der Highlight-Sammlung aus einhundertundein Top-Zielen verrät, dass es noch mehr geben muss. Und sei es „nur ein Stück Torte“ … aber was für eine?! Sachertorte dort essen, wo sei erfunden und immer noch im Original kredenzt wird. Dort, wo einem stilvoll – leider völlig losgelöst von der Garderobe (bei so manchem Gast fragt man sich echt, wo der Geschmack geblieben ist) der Platz zugewiesen wird. Dort, wo Kaffeehaus-Kultur wirklich noch als kulturelles Erbe zelebriert wird. Die Rede ist vom Sacher. Auch wenn es teilweise den Geldbeutel sprengt, sollte man es sich nicht nehmen lassen hier die eine oder andere Viertelstunde innezuhalten und zu genießen.

Die Autorin Sabine Becht ist vielen Reisenden, die gern auf eigene Faust Städte und Regionen erkunden als Ostsee- und Italienspezialistin bekannt. Nun also die Hauptstadt Österreichs. Zusammen mit Sven Talaron hat sie die Mammutaufgabe einhundertundeins besondere Orte in Wien herauszusuchen angenommen … und was soll man sagen? Es ist ihr mehr als geglückt! Die Gratwanderung zwischen dem, was jeder unbedingt gesehen haben muss (Stephansdom, Schönbrunn und Naschmarkt) und den sich weniger aufdrängenden Schätzen der Stadt (der Neunte, Freihausviertel und Palais Mollard) wird den Leser nur eine Wahl lassen: Der nächste Urlaub findet an der Donau statt.

Mit Wohlwollen nimmt man zur Kenntnis, dass der Titel irreführend ist. Denn in diesem Buch sind weitaus mehr als „nur“ einhundertundeins sehenswerte Attraktion versammelt. Einhundertundeins Kapitel mögen es sein, aber jedes birgt mehr als nur ein Geheimnis, das es wert ist erkundet zu werden. Was haben ein Guglhupf, ein Turm und ein Krankenhaus gemeinsam? Oder was hat ein Krankenhaus mit einem gelungenen Urlaub zu tun? Der Narrenturm ist Tipp 76 im Buch. Wegen seiner Form wird er auch Guglhupf genannt und wurde 1784 von Joseph II. als Allgemeines Krankenhaus errichtet. Stilecht – in Wien ist übrigens nichts ohne Stil zu erkunden – führen weiß bekittelte Studenten stündlich durch die oberste Etage des einzigartigen Baus. In einem Buch, das nur von der bloßen Aufzählung lebt, um dem eigenen Titel gerecht zu werden, erfährt man so etwas nicht. Und man kann nie behaupten Wien gesehen zu haben. Zum Buch gehört ein Faltplan, inkl. U-Bahn-Netzplan, der die Orientierung in der Stadt an der Donau erleichtert. Die Tipps in diesem Buch sind nach Themengebieten wie Aktivitäten, Kunst und Kultur oder Bummeln geordnet. Je nach Lust und Laune fängt man also entweder in der Mitte des Buches an zu erkunden oder am Ende oder ganz klassisch am Anfang. Wien belohnt jeden, der es wagt sich der Stadt eigensinnig und neugierig zu nähern. „101 Wien – Geheimtipps und Top-Ziele“ ist dabei Wegbereiter und unerlässlicher Reiseguide in einem.