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Schottland

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Mythen, Whisky (ohne „e“ vorm „y“!), Golf. This is Scotland! Wenn’s so wäre, wäre dieses Buch nicht in der zehnten Auflage erschienen und nur ein ödes Blatt Papier. Mit ein paar Bildchen, Platz wäre ja noch genug. Wer sich die Zahlen anschaut, erkennt sofort, dass alle, die schon mal in London waren (oder es, aus welchem Grund auch immer, umgehen wollen) und die Insel lieben, als nächstes Ziel Schottland angeben. Und doch ist Schottland nicht überlaufen. Außer in der Saison die eine oder andere Stadt vielleicht.

Auch wäre es falsch zu behaupten, dass Glasgow und Edinburgh (wobei das „burgh“ nicht wie in Burger mit einem „ö“ ausgesprochen wird, sondern eher einem „boro“ wie in der Zigarettenmarke) die eigentlichen Höhepunkte der Schottlandreise sein werden. Klar, Edinburgh Castle ist sehenswert. Aber andere Mütter haben auch hübsche Töchter.

Für Royalisten ist Schloss Balmoral eine Stippvisite wert. Hier verbringt die Queen ihre Sommerferien. Und gleich in der Nähe gibt es das, was auf alle Fälle, aber nicht sofort mit einem Schottlandurlaub in Verbindung bringt. Wer am ersten Septembersamstag das Örtchen Braemar besucht, wird es nie wieder so stimmungs- und voll erleben. Denn dann finden hier das Braemar Royal Highland Gathering statt. Highland Games. Mit allem, was dazu gehört, zusätzlich dem, was bei allen anderen Nachahmer-Veranstaltungen fehlt. Zum Beispiel spielen Dudelsack-Kapellen … um die Wette, um die Ehre und um einen begehrten Preis.

Gut betuchte Besucher – und das Wort „betucht“ muss dieses Mal wortwörtlich genommen werden – suchen die natürliche Ruhe der Highlands und der Lowlands. Schottland bietet Wanderern, Klettermaxen und Naturliebhabern ein wahres Füllhorn an Betätigungsmöglichkeiten. Munros nennt man die knapp eintausend Meter hohen Berge. Fast dreihundert sind es und mittlerweile ist es zu einer Art Sport geworden sie alle zu besteigen. Rekorde in Schnelligkeit und Anzahl und Wiederholung sind die Antriebsfeder.

Nur diese paar kleinen Auszüge beweisen, dass Schottland eben mehr als nur der ewige Kampf von Celtic gegen die Rangers im Fußball ist, übrigens sind ab der Saison 2016/17 wieder traditionelle Old Firm Derbies an der Tagesordnung. Die zehnte Auflage des Reisebandes für Individualisten ist das Verbindungsglied zwischen Wunsch und Realität. Der Stadtplan Edinburghs auf der letzten Umschlagseite, die herausnehmbare Karte (alle Karten sind außerdem online abrufbar), die farbigen Seiten mit praktischen Reiseratschlägen, Verhaltenshinweisen, die immer wieder eingestreuten Einkehr- und Unterkunftstipps. Der Reiseband geizt nicht mit handfesten Tatsachen, die es jedem Urlauber, Wanderer, Reisenden, Besucher leichtmachen sich in rauen Schottland heimisch zu fühlen und möglichen Touri-Fallen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn die Frage, was der Schotte unterm Kilt nicht endgültig gelöst wird (niemand kann das!), so weiß man doch, was der Schottlandbesucher im Gepäck hat: Diesen Reiseband!

Gebrauchsanweisung für Schottland

Gebrauchsanweisung für Schottland

Gleich der erste Satz gleicht einem Aktualitätsdonnerwetter: Schottland ist nicht England! Wenn man das nur ein paar Tage nach dem Brexit-Referendum (bei dem Schottland mit ansehnlicher Mehrheit für „Bremain“ gestimmt hat) liest, weiß man, wie der Hase läuft. Schottland ist anders, und eben nicht England.

Mit besonderer Leidenschaft widmet sich Autor Heinz Ohff dem schottischen Witz. Der wäre ohne England und Engländer nicht denkbar. Doch kleine Nickligkeiten erhalten die Freundschaft. Und bei einem

Dram, tot, nip oder spot lässt sich die Unterschiedlichkeit am besten vergessen. Die vier Begriffe sind nichts anderes als ein Synonym für einen „Schluck“ Whisky, ohne „e“ vor dem Ypsilon. Das bleibt den Amerikanern vorbehalten!

Auch kulinarisch ist Schottland nicht gerade der originäre Reisegrund. Haggis, das optisch oft fragwürdige, geschmacklich – je nach Anbieter – durchaus schmackhafte Mahl, ist so was wie die Currywurst in Deutschland. Gibt‘s überall. Schmeckt aber nicht überall gleich (gut). Sollte, nein, muss man probieren. Heinz Ohff hat sich bei seinen Aufenthalten in Schottland überzeugen lassen. Doch meint er auch, dass es nicht gerade als Kompliment gilt, Schottland über den Haggis zu definieren. Wir Deutschen wollen ja auch nicht nur auf Currywurst reduziert werden…

Doch nicht nur die Engländer bekommen von den Schotten (den Scots, Scotch wird scottish getrunken – so viel Zeit muss für die Grammatik bleiben) gern mal eines verbal drübergezogen. Auch untereinander gibt es mehr oder weniger ernstgemeinte Querelen. So wie die zwischen Edinburgh und Glasgow. Oberflächlich betrachtet ist das an Einwohnern weit überlegene Edinburgh die Stadt zum Anschauen, Glasgow mit etwas mehr als der Hälfte der Einwohner die Macherstadt. Architekturanregungen gingen von hier in die ganze Welt hinaus. Die Glasgow School of Art ist erst auf den zweiten Blick eine Augenweide. Wer die Möglichkeit hat, sie von innen zu erforschen, sollte das Angebot annehmen.

Bei all den Rivalitäten, die Heinz Ohff aufzählt, bekommt man beim schnellen Überlesen den Eindruck, dass hier der Wettkampf zu Hause ist. Doch der ehemalige Feuilletonchef umgeht geschickt wort- und detailreich den Fauxpas den Schotten Kampfeslust zu unterstellen. War Schottland bis vor Kurzem noch das El Dorado der Allwetter-Bekleidungsjünger, die per pedes Schottland ursprünglich und sanft erurlauben wollten, so gibt der Autor hilfreiche Tipps für Schottlandjungfrauen als auch tiefergehende Ratschläge für alte Schottlandrecken. Schottland ist mehr als nur grünbeweidete Hänge und Burgen, trinkgelageartige Abende und gewöhnungsbedürftiges Essen. Wenn der abgenutzte Spruch zutrifft, dass an irgendeinem Platz der Welt Tradition und Moderne aufeinandertreffen, dann ist es wohl in Schottland. Wer England kennt, wird hier ein weiteres Kapitel in der Britain-Ablage einrichten.

Fremde Treue – Laidlaw III

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Ist das noch Jack Laidlaw? Dicker Kopf, mit beißendem Zynismus auf der Zunge, am Boden zerstört. Ersteres ist neu, das Zweite wohlbekannt … doch Drittens ist so unerwartet. Das war für ihn auch die Nachricht vom Tod seines Bruders Scott. Betrunken vom Auto angefahren. Jacks einziger Verbündeter in dieser Welt ist nicht mehr. Die beiden standen sich näher als jemand anderes sonst. Das soll nun alles vorbei sein? Er will nach Graithnock, wo Scott gelebt hat. Will sich umschauen. Reisen wie er es oft in Glasgow tat. Nur für ein paar Tage, um alles verstehen.

Scott war Lehrer, in seiner Freizeit hat er gemalt. Ein umgänglicher Kerl, doch Jack hört auch andere Stimmen. Anna, Scotts Frau, ist Jack gegenüber abweisend. Die Beziehung war am Ende. Scott hatte sogar eine Affäre, von der kaum jemand wusste. Ellie Mabon hieß sie, war eine Kollegin, die, um Schaden von beiden abzuhalten, aber Schluss machte. Jacks Reise in Scotts Leben gerät immer mehr zu einer Sinnkrise.

Halt findet in den kurzen Telefonaten mit Brian. Sein Kollege hält derweil in Glasgow die Stellung. Einen Toten gab’s. Meece Rooney, ein Kleinkrimineller, der seinem eigenen Stoff zu sehr zugetan war. Doch eines der Telefonate dient auch einem anderen Grund: Scott soll sich im Pub heftig mit Frankie White gestritten haben. Fast Frankie White – den kennt Jack Laidlaw. Einer seiner Klienten. Kurz bevor Scott vom Auto überfahren wurde, fielen einige unschöne Worte. Klangen fast wie Drohungen. Jacks Jagdinstinkt beginnt sich zu rühren.

Annas Verhalten ist mehr als merkwürdig. Ein Eisblock ist gegen sie eine Hitzewelle. Sie verkriecht sich in Edinburgh. Als Jack sie, seine Schwägerin, die Frau, bei deren Hochzeit er Trauzeuge war, die Frau seines toten Bruders über ihn befragen will, bekommt er nur kurzatmige Antworten. Carla, eine Freundin, die unbedingt bei dem Treffen dabei sein muss, scheint ihr näher zu stehen als der Bruder ihres verstorbenen Mannes.

Die Rätsel um Scotts Tod nehmen nicht ab. Aber sie bekommen Konturen. Wer ist der mysteriöse Mann im grünen Mantel, von dem Jack im Pub hörte? Annas einzige halbwegs menschliche Reaktion, die Jack vernehmen konnte, war bei der Frage nach eben diesem Typen. Er scheint das Licht zu sein, das den Nebel der Verschleierung durchschneiden kann. Ein Ausflug raus aus Glasgow, in die Vergangenheit sollte es werden. Nun ist es eine Ermittlung, die ihn wieder dahin bringt wo er herkam…

Es ist das Schicksal der Denker, immer auf das zu stoßen, was sie nicht zu treffen wagten. Sie erwarten es, und sind dann doch davon überrascht. Jack Laidlaw dafür zu rügen, wäre fatal. Auch wenn es manchmal scheint, als ob sich der Ermittler im eigenen Selbstmitleid, in seinen Selbstzweifeln ertränken würde, so sind es doch genau diese Ausflüge ins scheinbare Nirgendwo, die ihn menschlich machen.

Die Suche nach Tony Veitch – Laidlaw II

02 Die Suche nach Tony Veitch

Jede Stadt hat so ein Original. Glasgow hat Eck Adamson. Der liegt im Sterben und lässt Jack Laidlaw, Detective Inspector Jack Laidlaw, an sein Krankenbett kommen. Er kannte Eck, doch nicht so gut, dass als Vertrauter durchgehen könnte. In den Habseligkeiten des Verstorbenen findet Jack Laidlaw einen Zettel. Ziemlich schwülstige Zeilen, die und die niedergeschriebene Adresse erregen seine Aufmerksamkeit. Zusammen mit Harkness macht er sich auf die Suche nach dem Geheimnis um den Tod von Eck Adamson. Denn so viel steht fest: Auch wenn Eck oft mehr Alkohol im Blut als umgekehrt hatte, wurde er vergiftet.

Auch Paddy Collins starb im Krankenhaus. Seine Familie – allesamt Gangster ersten Ranges – will wissen warum ihm jemand mit einem Messer so durchlöchert hat. Aus Birmingham ist Mickey Ballater zurückgekehrt. Er sollte eigentlich von Paddy vom Bahnhof abgeholt werden. Warum er nicht kam, ist ihm nun klar.

Wie es der Zufall will, laufen alle Fäden bei einem Tony Veitch zusammen. Er hinterließ geheimnisvolle Zeilen bei Eck Adamson und schuldete Anderen einen Haufen Geld. Nun sind sie hinter ihm her. Jack Laidlaw, weil er Antworten haben möchte. Cam, Mickey, Dave und die anderen Ganoven, weil sie hoffen von ihm Geld zu erhalten. Doch wo ist Tony Veitch?

Tony Veitch ist Student. Kurz vor dem Examen hat er sich aus dem Staub gemacht. Tonys Mitbewohner Gus beschreibt ihn als naiven Sonderling, der sich wohl nie in der Welt zurechtfinden wird. Tony Veitchs Welt war überschaubar. Und undurchdringlich.

Jack Laidlaw reist wieder durch Glasgow auf der Suche nach einem Mann, dessen Aktionsradius eigentlich überschaubar war. Und doch ist Tony Veitch nicht aufzutreiben! Selbst die Methoden der Gangster führen nicht zum Erfolg. Was Laidlaw beruhigen sollte. Doch dann wird Tony doch noch gefunden…

Teil Zwei der Reihe um Detective Inspector Jack Laidlaw. War Glasgow in „Laidlaw“ noch die graue Stadt, in raue Gesellen ihr Unwesen trieben, ist die Stadt am Clyde nun ein düsteres Wirrwarr aus Lügen, falsch verstandener Treue und voller untrennbar miteinander verwobener Geheimisse. Akribische Detektivarbeit, Zwischen-den-Zeilen-Lesen und Unnachgiebigkeit führen den zynischen Ermittler letzten Endes ans Ziel. Doch das Ergebnis stellt kaum jemanden zufrieden.

Laidlaw

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Bud Lawson – ein Name wie Donnerhall, und so sieht er auch aus – sucht seine Jennifer. Die 18jährige ist nicht von der Disco nach Hause gekommen. In seinem Kopf malt er sich schon Szenarien aus wie er reagieren wird. Von Sanftheit und Besonnenheit lässt sich bestimmt nicht leiten. Pflichtgemäß, eine Charaktereigenschaft, die ihn so nicht auszeichnet, hat er ihr Verschwinden bei der Polizei gemeldet. Bei Jack Laidlaw, Detective Inspector in Glasgow. Ein Mann, der mit knapp vierzig schon zu viel erlebt hat, als dass ihn noch irgendetwas schnell aus den Latschen kippen lässt. Die Anzeige nimmt er zur Kenntnis, er kennt Bud Lawson. Und Bud Lawson kennt ihn. Laidlaw muss ihm vertrauen, Bud Lawson vertraut niemandem.

Nur kurze Zeit später treffen sich die beiden wieder. Laidlaw hat eine schlimme Nachricht: Jennifer wurde im Kelvingrove Park tot aufgefunden. Nun beginnt die Suche nach dem Täter.

Den Mörder kennen zu diesem Zeitpunkt nur zwei (lebende) Menschen: Harry Rayburn, Nachtclubbesitzer und Tommy, sein Freund. Aber viele Leute sind hinter ihm her. Aus unterschiedlichen Motiven. Der Mörder selbst hat nur einen Verbündeten. Und selbst der kann ihn nicht aus seinem selbstgewählten Asyl herauslocken.

Auch Unterweltgröße John Rhodes ist auf einmal hinter dem Mörder her. Jack Laidlaw hat ihn mehr oder weniger darum gebeten „seine Kontakte spielen zu lassen“. John Rhodes findet Bud Lawson hinter einer Flasche Whiskey. Ruhig wie immer. Was er tun würde, wenn er den Mörder seiner Tochter findet. Die Antwort überrascht ihn nicht. John gibt Bud den Rat – falls er ihm zu dem Mörder führen könnte – Stillschweigen zu bewahren. Nicht nur für die Zeit kurz danach. Sondern für immer! John Rhodes hat keine Angst, dass sich Bud irgendwann mal bei der Polizei verquatschen könne. Vielmehr geht es um Loyalität.

Auch Matt Mason ist irgendwie daran interessiert, dass Jennifer Lawsons Mörder seiner Strafe zugeführt wird. Der Buchmacher hat so ziemlich in jeder Gaunerei der Stadt seine klebrigen Finger im Spiel.

Jack Laidlaw und sein neuer Partner Harkness wissen, dass sie nicht die Einzigen sind, die den Mörder des Teenagers suchen. Doch sie wissen, dass sie die Ersten sein müssen, die ihn dingfest machen. Fangen ihn die Anderen vor ihnen, sieht’s schlecht aus.

Bei all der Jagd, der Hatz nach dem Mörder kommt bei William McIlvanney niemals Hektik auf. Ruhig und besonnen ermittelt Jack Laidlaw in diesem besonderen Fall. Die blumige, teils zynische Sprache, die er seine Protagonisten sprechen lässt, ziehen den Leser in ihren Bann. Das Glasgow von Jack Laidlaw ist grau, verschroben, eigenbrötlerisch und … mörderisch.

Schottland

Schottland

Schottland – das Land der unendlichen grünen Weite. Alle sind glückselig, trinken den eigenen Whisky (ohne E vor dem Ypsilon!, ganz wichtig). Klingt ein wenig rückständig,  wenn auch romantisch. Schottland ist jedoch mehr als verlassene Burgruinen und durch die raue Witterung gegerbte Haut. Schottland ist ein Touristenziel, das anders und gleichsam nicht viel anders ist als andere Destinationen. Anders, weil hier die Uhren manchmal anders ticken. Gleich, weil auch hier Tourismus nicht nur aus Spaß an der Freude betrieben wird.

Der Reiseband von Andreas Neumeier – und damit haben wir es auch gleich hinter uns – hat einen Nachteil: Die Überraschungen vor Ort halten sich im überschaubaren Rahmen. Man kann es kaum glauben: 792 Seiten reichen wirklich aus, um dieses so abwechslungsreiche Land ausgiebig und tiefschürfend zu erkunden. Als Dreingabe gibt es eine Karte im Maßstab 1:300.000.

Was tragen Schotten unterm Kilt? Muss ich damit rechnen, dass ich auf freiem Feld auf einmal auf eine Arme aus entblößten Hinterteilen starre? Spielt wirklich jeder Schotte Golf? Wem diese Fragen bekannt vorkommen, muss dieses Buch lesen. Nicht wegen der Antworten. Die muss man eh selbst für sich beantworten – sieht bestimmt lustig aus, wenn man gestandenen Mannsbildern, auf Knien rutschend, entgegen robbt, um …Lassen wir das! Nein, es geht nicht um die Klischees. Vielmehr werden in diesem Buch Fragen beantwortet der Autor Fragen, die man sich nicht vorstellen konnte zu stellen. Zum Beispiel die Frage nach dem Wohin. Wohin in Schottland? In die Highlands? Nach Galloway? Nach Edinburgh? Strathclyde oder auf die Isle of Skye oder die Orkneys? Aberdeen als Boomtown – vorstellbar? Eine Ölmetropole wie Dallas, denn ohne schottisches Öl wäre Aberdeen immer noch ein verschlafenes Nest. Auf alle Fälle mindestens eine Stipvisite wert.

Im Kapitel Central Five Tayside – eine Region, die nur jemandem bekannt ist, der schon einmal dort war, oder der dieses Buch gelesen hat, lockt der Queen Elizabeth Forest Park. Der Autor bezieht sich nicht nur auf das, was es hier alles zu sehen gibt, sondern beschreibt auch wunderschön und detailliert den Weg dorthin. Wer sich dann noch verfährt, macht einen Umweg. Aber einen der sich lohnt. Ausgedehnte Seetouren, unberührte Natur, einsame Wanderungen.

Andreas Neumeier ist schreibender Schotte, was nicht bedeutet, dass er sparsam mit seinem Wissen umgeht – im Gegenteil: Er schüttet sein Füllhorn des Wissens mit herzerfüllter Freude aufs Papier. Das spürt man mit jeder Seite, die man durch die Finger gleiten lässt. Wer Schottland bereist, hat Leidenschaft im Blut. Der Autor hat es auch und teilt mit Freuden seine Leidenschaft mit dem Leser.

Schottland fürs Handgepäck

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Modezaren halten die Schotten für die freiesten Menschen der Welt. Engländer halten die Schotten für die Eigenartigsten. Ihr Dialekt ist für Englischsprechende gewöhnungsbedürftig. Schottland gehört immer noch zu den Geheimtipps für Individualreisende. Zerklüftete Felsformationen, ein stetig beißender Wind, eine Sportkultur, die echte Kerle erfordert. Das ist Schottland.

Das ist ein Klischee. Diese Zusammenstellung von Texten beweist, dass Schottland mehr ist als das Land der rauen Sitten. Virginia Woolf besucht Skye, die Insel des Whiskeys. Ringsum nur Meer, absolute Stille … fast wie in der Südsee. Eine eigenwillige Deutung der Umgebung.

Theodor Fontane lässt’s spuken bzw. ist dem Spuk auf der Spur. Und Coco Chanel lässt sich beim Angeln begleiten.

Jede einzelne Geschichte zeigt Schottland von einer anderen Seite. Der Leser wird jedes Mal aufs Neue überrascht und neugierig gemacht. Wer in einem Reisebuch blättert, weiß, wo er lang gehen muss, um fest in der Erde verankerte Zeugnisse der Geschichte zu finden. Ihm wird der Weg zu ehrfürchtigen Gemäuern und Trutzburgen gezeigt – auch das ist Schottland.

Wer den Weg in die schottische Seele sucht, kommt um intensiveres Lesen nicht herum. Seit Zeiten haben die schottischen Highlands, die düsteren Schlösser und die weite See die Phantasie beflügelt. Einsam an den Klippen zu sitzen, der tosenden See zu lauschen – ein Traum für Viele. Doch diese Eindrücke in Buchstaben, Worten, Sätzen festzuhalten, gelingt nur Wenigen. Die, denen es gelungen ist, sind in diesem Buch versammelt. Sie schildern ihre Eindrücke zweifelsfrei. Dem Leser bleibt es überlassen nur in Gedanken nach Schottland zu reisen oder gleich die Koffer zu packen. Letzteres wird meist vor sich hergeschoben. Das Reisefieber wird allerdings nicht so schnell zu kurieren sein.

„Schottland fürs Handgepäck“ ist aber nicht einfach nur der Titel des Buches, es ist eine Aufforderung. Dieses Buch darf man nicht zu Hause liegen lassen. Immer mal wieder darin blättern. Die eine oder andere Geschichte abermals lesen. Das ist die Bedienungsanleitung für dieses Buch.