Archiv der Kategorie: Jedem die Seine

Paris Hauptstadt Eiffel Eiffelturm Seine Montmartre Montparnasse

Paris abseits der Pfade I

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Über die Boulevards schlendern, den Eiffelturm erklimmen, auf den Treppen vor Sacré Cœur ein Eis schlecken – Paris. Ein Traum! Viel zu erleben, aber auch viel zu verpassen. Denn nur Boulevards, Turm und Ausblick mit Eis macht aus keinem Gast einen Paris-Experten. Das unter anderem beweist dieser Reiseband, der jedem Paris-Besucher unters Kopfkissen gelegt gehört.

Und wenn man es dann wieder hervorholt und auch nur ein bisschen darin blättert, erlebt man Paris wie es selbst viele Pariser nicht jeden Tag erleben. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Buch „hintereinander wegzulesen“, ist nur was für Menschen mit fotografischem Gedächtnis. Die Dichte an Informationen erschlägt den Leser. Fast! Denn so manche Straße ist dem Besucher schon bekannt. Doch erfährt man nun erst, was man alles übersehen hat, welche Histörchen sich hier zugetragen haben. Auf einzelne Beispiele kann aus Platzgründen nicht eingegangen werden.

Georg Renöckl hat all seine Sinne geschärft, um dem Leser das Flanieren so einfach wie möglich zu machen. Der Duft von exotischen Kräutern aus aller Herren Länder steigt in die Nase, das Auge zuckt von einem denkwürdigen Platz zum Anderen, die Ohren vernehmen schon ab den ersten Seiten den Klang von Paris. Mit dem Autor genießt man ein krosses Baguettes und blickt auf die Ratten von Paris. Nicht sprich-, sondern wortwörtlich. Keine Angst, die tun nichts mehr!

Mit Victor Hugo durch Paris laufen, Haussmanns Erbe in sich aufsaugen, mit Napoleon die Welthauptstadt erobern und zwischendurch die kleinen, in keinem Reiseführer verzeichneten Geheimtipps aufsuchen. Georg Renöckl hat viel gelesen, hat in Paris gelebt, ist also der ideale Paris-Guide für Anfänger und Paris-Kenner. Romantisch verklärte Klischees sucht man vergebens in diesem Buch. „Augen auf!“, heißt es vielmehr, wenn man durch das Häusermeer spaziert. Den Blick immer schweifen lassen, kein Detail außer Acht lassen.

Bei der Fülle an Eindrücken gibt der Autor immer wieder Tipps zur Erholung, sprich wo man es sich schmecken lassen kann. Am Ende der Kapitel noch einmal kompakt zusammengefasst. Egal, wo man sich gerade befindet. Auch in den so genannten No-Go-Areas. Die liegen eh im Auge des Betrachters. Wer sich von den hypermodernen Hipster eher abgestoßen fühlt, meidet andere Quartiers als die Stubenhocker, die immer nur auf ihre eigene ach so tolle Kultur pochen. Alles ist relativ. Nur Paris nicht! Paris ist absolut: Lecker, bestaunenswert, vielfältig und abwechslungsreich. Und mit oder nach der Lektüre dieses Buches eine Stadt, die man so noch nicht gesehen hat.

Oft heißt es in einem Gespräch, dass man eine gute und eine schlechte Nachricht hat. Hier ist es anders: Es gibt einen Lichtblick und die Frage „Wie liest man dieses Buch?“. Der Lichtblick ist der Titel „Paris abseits der Pfade – Band 1“, d.h. die Reise wird weitergehen. Die Frage nach der Leseart ist da schon schwieriger zu beantworten. Beim Gehen schmökern? Dann verpasst man ja alles! Vor dem Flanieren lesen oder hinterher? Beides! Eindeutig beides. Zuerst anfüttern und am Abend Revue passieren lassen. So liest man „Paris abseits der Pfade“. Und Paris ist kein Traum mehr, sondern das wahre Leben!

Rendezvous in Paris

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Manchmal reicht ein winziger Moment aus, um das Leben umzukrempeln. Und dann wieder alles in den Originalzustand zu versetzen … ein sinnloses Unterfangen. Das klappt nie!

Es ist Dienstagabend. Irgendwo in Berlin wird getanzt, gelacht, geschmust. Die Tennismeisterschaften sind vorbei, der Sieger gekrönt und mittendrin tanzen Frank, der amerikanische Geschäftsmann, und Evelyn, die Frau des Landgerichtstrates, gedankenverloren miteinander. Nur noch Minuten, dann muss Frank den Zug nach Paris besteigen. Minuten, die beide zwischen Hoffnung, Skepsis und momentanem Glück schwanken lassen.

Soll es das nun gewesen sein? Eine kurze, glückliche, verheißungsvolle Zeit in den Armen eines Fremden? Soll es das nun gewesen sein? Eine kurze, glückliche, abenteuerliche Zeit in den Armen einer Frau, die so sehr nach mehr zu lechzen scheint? Soll der Abend schon zu Ende sein? Droht nun wieder der Alltag mit dem lästigen Prozess, der so zu schaffen macht?

Drei Menschen: Evelyn, Frank und Kurt, Gatte von Evelyn. Alle Drei erleben ein und denselben Tag. Jeder hat seine Sichtweise, auf das Jetzt und die Zukunft. Jeder hat seine eigenen Sorgen und Nöte.

Evelyn wagt den Sprung ins kalte Wasser. Frank hat sie zu sich gelotst. Sie in Paris. Ihr Gatte im Gerichtssaal, die Kinder wohlbehütet daheim. Frank voller Vorfreude in Paris, seine Verhandlungen mit den französischen Geschäftspartnern laufen schwierig, aber sie laufen. Ist Evelyn nur der amüsante Zeitvertreib zwischen Verhandlungen und Vertragsunterzeichnung?

Wie in einem Tagebuch seziert Vicki Baum die wenigen Tage, die Evelyns Leben so stark veränderten. Jeder der Beteiligten – Evelyn, Frank und Kurt – wird zum Chronisten des Zerfalls. Für Kurt ist Evelyn auf dem Lande bei Marianne, der energischen Freundin Evelyns. Frank und Evelyn genießen anfangs die gemeinsame Zeit. Doch sie sind rational genug zu wissen, dass ihre amour fou ein rasch nahendes Ablaufdatum hat. Es sei denn, …

Wer schon immer mal einen echten Liebesroman – mit allen seinen Höhen und Tiefen – lesen wollte, kommt mit „Rendezvous in Paris“ voll auf seine Kosten. Kein Kitsch, sondern ausgefeilte Szenarien umgarnen den Leser und lassen ihn erst wieder los, wenn das Buch zugeklappt wird. Wer Vicki Baums Roman liest, ist versaut für die nachkommenden Werke. Es ist schwer an ihr emotionales Sprachgewitter heranzukommen.

Styleguide Paris

Styleguide Paris

Einen Styleguide zieht man zu Rate, wenn man merkt, dass der eigene Style nicht mehr ganz … mmmh sagen wir mal … passt. Eine Stadt wie Paris, eine Stadt, die für jeden Touristen auf den ersten sich als Selbstläufer darstellt, eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet, braucht keinen Styleguide. Oberflächlich betrachtet mag das stimmen. Aber was ist mit denjenigen, die „auf der anderen Seite stehen“? Die, die Paris besuchen? Wenn man die tennisbesockten Sandalenträger in der Warteschlange am Eiffelturm sieht, haben die einen Styleguide mehr als nötig.

Dieses Buch ist für alle Parisbesucher, denen das Überangebot an extravaganten Hotspots die Sprache verschlägt. Und für diejenigen, die den Parisaufenthalt als Höhepunkt des Jahres ansehen. Bloß nichts verpassen! Auf gar keinen Fall irgendetwas vermissen müssen in der schönsten Zeit des Jahres.

Da ist man endlich in Paris. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages in Montmartre genießen, am besten mit einem Croissant in der Hand. Doch wo bekommt man die besten Croissants? Wo den besten Café? Am besten frischgebrüht, mit frisch gerösteten Kaffeebohnen. Elodie Rambaud ist Pariserin, Fotostylistin. Dem Namen und dem Beruf nach die ideale Beraterin in Sachen Style und Paris. Sie ist der Styleguide Paris, wenn es um Essen, Einkaufen und Liebe geht. Egal wie lange man in Paris verweilt, mit diesem Buch ist man bestens ausgerüstet, um wirklich nichts zu verpassen.

Gleich zu Beginn des Buches gibt die Autorin eine kleine Anleitung wie man ein Wochenende in Paris verbringen kann. Kann! Elodie Rambaud gibt Ratschläge, keine sie macht keine Vorgaben! Wer länger belieben kann, blättert weiter und hüpft wohlgemut von Tapetenladen Diptyque zum Maison M, einer Boutique mit ausgewählten Schreibwaren, die es sonst nirgends in Paris gibt, um dann im Yveline Kurioses zu entdecken. Unterwegs kann man im Mahatsara allerlei Buntes und Nützliches aus Afrika bestaunen und shoppen. Oder im Pour vos beaux yeux sich von der Brillenvielfalt verzaubern lassen.

Sicherlich sollte ein Urlaub dazu dienen sich zu erholen. Die einen tun dies, indem sie tagelang am Strand faulenzen. Andere kraxeln lieber Berge hinauf und wieder hinab. Als Städtebesucher erliegt man leicht der Versuchung durch die Shops der Stadt zu tingeln und hier und da sich mit dem „Nötigsten“ einzudecken. Und wie überall ist die Gefahr groß sich nichtssagenden Tinnef ins Reisegepäck zu stopfen, den man zuhause eh bloß versteckt. Der Styleguide Paris ist die Präventivmedizin für alle, die gar zu schnell im Rausch der Zeit dem Rausch des Konsums verfallen. Nicht das „mehr“ ist besser, sondern „besser“, „origineller“ lautet das Gebot der Stunde. Globalisierten Mainstream findet man in diesem Buch nicht. Jeder einzelne vorgestellte Ort ist ein Symbol für Paris, seine Eigenständigkeit als Marke stellt Paris auch mit seinen extravaganten, einzigartigen Shoppingaltären, die die Flaniermeilen der Citytripper links und rechts nicht nur füllen, sondern Paris immer wieder neu kreieren.

Die gekonnte, eigenwillige Aufmachung des Buches verführt zu mehr als dem bloßen Herumblättern. Ein Bildband im Taschenformat, der eine zweite Welle der Impressionen in Bewegung setzt.

Manet – Sehen

Manet sehen

Bild – Skandal – Revolution … wie geht’s weiter? Manet! Edouard Manets Bilder waren zeitlebens ein Aufreger. Doch man konnte sich der Anziehungskraft der Werke nicht entziehen. Kritiker und (einstige) Freunde gerieten sich regelmäßig in die Haare, wenn Manet ausstellte.

Schon Mitte der 60er Jahre des vorletzten Jahrhunderts fanden in Paris regelmäßig Salons statt. In denen stellten die Künstler ihre Exponate aus. Tausende Exponate. Wer auffallen wollte – und Manet wollte auffallen – musste sich schon was Besonderes einfallen lassen. Edouard Manet traf den Nerv der Zeit. Und vor allem den der Betrachter. Ein wohl gesonnener Kritiker traf den Nagel auf den Kopf, als er meinte, dass es immer ein Bild im Salon gibt, das heraussticht. Und das sei immer ein Bild von Manet.

Noch bis zum 4. September 2016 kann man dies in der wieder eröffneten Kunsthalle Hamburg überprüfen. Denn hier sind alle herausstechenden Bilder versammelt. Der begleitende Bildband / Katalog ist ein Füllhorn an Wissen zum Wegbereiter der Moderne. Kann der Besucher dem Blick der Exponate standhalten? Wenn ja, hat man den Titel der Ausstellung „Manet – sehen“ schon verinnerlicht und nach der Lektüre vollständig verstanden.

Wie bedeutend Manet ist, lässt sich nicht allein schon an der Liste der Leihgeber erahnen: Die Bilder stammen aus Paris, Sao Paolo, Boston, Zürich Stockholm, Chicago, Essen und vielen anderen Städten der Erde. Das Buch ist kein Leichtgewicht! Weder wortwörtlich noch sinnbildlich.

Wem Manet bisher nicht viel (außer dem Namen nach etwas) sagte, wird schon auf den ersten Seiten ein Déjà-vu erleben. Viele Bilder sind dermaßen im kollektiven Gedächtnis eingebrannt, dass man sie als kulturelles Welterbe ansehen kann. Nur der Produzent ist einigen unbekannt. Eine Nackte im Park mit zwei Männern, die sie betrachten, mit ihren Reden. Sie schaut lieber auf die, die nicht im Bild zu sehen sind, sondern davor stehen. „Picknick im Freien“ – würde auch heute noch Regungen beim Betrachter hervorrufen, wenn man Model und Maler im Park sehen würde. Nur, dass eben heute tausende von Handy-Fotos gemacht werden würden und in Klatschmagazinen darüber berichtet werden würde…

Die Autoren des Bildbandes sezieren das künstlerische Schaffen Edouard Manets ohne ihn dabei zu verletzen. Mit chirurgischer Präzision tragen sie Schicht für Schicht ab, um den Besuchern das Werk unzensiert nahezubringen. Eindrucksvoll berichten sie von den Schwierigkeiten, denen Manet, der Künstler mit dem ausgeprägten Ego, sich gegenüber sah. Es waren die Blicke, die Manets Werke so aufrührerisch erscheinen ließen. Künstler – Modell, Modell – Modell, Modell – Betrachter. Portaits im Maßstab Eins zu Eins lassen das gängige Verhältnis von Groß und Klein verschwimmen. Man geht an ihnen vorbei, achtlos. Um im gleichen Moment wieder umzukehren, und noch einen zweiten, dritten, vierten Blick zu riskieren. Das Risiko lohnt sich!

Wenn die Ausstellung Anfang September endet, ist der Nachklang immer noch spürbar. Manet ist immer eine Reise, einen Besuch wert. Dieser Bildband wird zukünftigen Besuchern nicht die Neugier auf kommende Ausstellungen nehmen, sondern vielmehr Appetit machen Edouard Manet in seiner Komplexität aufzusaugen.

Paris City Trip 2017 Kalender

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Wie wird Sehnsucht geweckt? Man sieht etwas, immer wieder, hört davon, härt andere davon schwärmen. So nach und nach baut sich eine innere Unruhe auf. Es fehlt plötzlich was im Leben. Da ist ein Loch, das gefüllt werden muss. So wird das Jahr 2017 mit dem Kalender „Paris City Trip“. Zwölf Monatsblätter, die alle 28 bis 31 Tage ein neues Verlangen kreieren werden. Garantiert!

Eine typische Boulangerie, Holztäfelung an der Außenfassade, Jugendstilelemente an den Glasscheiben, stimmungsvolle Lichtakzente – gleich der Januar lässt die kalten Tage vor den heimischen Fenstern vergessen machen. Actionreicher wird es im Folgemonat. Die ehrwürdige Kathedrale Notre Dame im farbenprächtige Wintersonne, im Vordergrund ein Straßenkünstler bei der Arbeit. Und – wie unfair – ein lupenreiner blauer Himmel! Romantischer als der April in Paris ist der launische Monat nirgends. Die Seine plätschert vor sich hin und die Bäume beginnen ihre bunten Gewänder wieder zu tragen. Wer unter Romantik im Lexikon nachschlägt, wird dieses Bild entdecken.

Doch auch der Mai wird Paris gerecht. Anders! Ganz anders. Modern, kitschig koloriert schon fast. Moderne Architektur, klare Formensprache, aufwühlende grelle Farben. Ganz im Gegensatz zum Juli. Hier wird das savoir-vivre gefeiert. Entspannte Atmosphäre, leere Stühle in einem Café. Das, was man tagsüber nie zu sehen bekommt, wird zum Symbol der Nacht. Und trotzdem geschäftiges Treiben drumherum.

Ein Kurzurlaub in der Stadt der Liebe ist immer ein Erlebnis. Wer noch nie Paris en direct gesehen hat, es aber immer vorhatte, kommt nun nicht mehr daran vorbei die ersten Reisevorbereitungen zu treffen. Zwölf Monate hat man nun Zeit sich Paris noch einmal zweidimensional anzusehen. Dann wird es Zeit einen Schritt, eine Dimension, weiter zu gehen. Dieser Kalender lässt niemanden kalt, der sich für Ästhetik, Farbenspiele, Architektur, Lebenslust und die Magie der Bilder begeistern kann.

Der Haschischklub

Der Haschischklub

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es einen kleinen Zeitungsartikel, der vor allem religiöse Fanatiker aufbrachte. Ein junger Mann, betete ein Poster der Band KISS an. Offenbar im Drogenrausch züngelte Gene Simmons vom Poster herab – der junge Mann hörte nie wieder KISS. Blödsinn! Mag man denken. Schon Jahre, Jahrzehnte, weit über einhundert Jahre zuvor brachte Théophile Gautier eine ähnliche Geschichte zu Papier. Auch er sorgte Zeit seines Lebens für Furore. Ein junger Mann, gerade die Schule beendet, verbringt die Zeit bei einem Verwandten. Von einem Gobelin steigt eine rau zu ihm herab, er verehrt sie. Ist verknallt, um die Wahrheit zu sagen. Er muss das Haus verlassen, Jahre später entdeckt er den Gobelin wieder. Hat aber nicht genug Geld in der Tasche, um ihn sich zu leisten. Als er mit der geforderten Summe zurückkehrt, ist der Gobelin schon verkauft. Vorbei, vorbei, vorbei – es bleiben nur die Erinnerungen…

Phantastische Erzählungen ziehen den Leser in ihren Bann. Sie regen die Phantasie an, sorgen dafür, dass die kleinen grauen Zellen, wie sie Hercule Poirot immer so gern bezeichnete, in Bewegung bleiben. Denn Bewegung bedeutet Fortschritt.

Die titelgebende Erzählung „Der Haschischklub“ zeigt die ganze Kraft der Worte. Den Haschischklub gab’s wirklich. Und auch Théophile Gautier war Mitglied. Man traf sich konspirativ, probierte … na was schon?! … und gab sich den eigenen, neuen, fremden Gedanken hin. Schonungslos geht der Autor mit sich und den anderen Beteiligten, zu denen „in echt“ auch Balzac, Flaubert und auch Baudelaire gehörten, ins Gericht.

Obszön waren seine Geschichten als sie erstmals veröffentlicht wurden. Rücksichtslos wie ihr Autor, der die Bohème verkörperte wie kein anderer. Genuss-Sehnsucht und mit jeder der sieben Todsünden auf Du und Du. Immer für einen Skandal gut, wie 1830 bei der Uraufführung von Victor Hugos „Hernani“. Unangepasst war er, und kreativ. Erst vor reichlich hundert Jahren wurden seine Werke ins Deutsche übersetzt. Und das obwohl seine Wurzeln bei einem Deutschen liegen: E.T.A. Hoffmann. Die Anleihen sind besonders im „Haschischklub“ offensichtlich.

Die Magie der Geschichten Théophile Gautiers liegt in ihrer Eleganz, die der leidenschaftliche Außenseiter sich sicher nicht auf die Fahnen geschrieben hätte. Ihm war die Hornhaut an den Händen und handfeste Scherereien näher.

Und wenn einem am Ende des Buches danach ist Théophile Gautier anzubeten – keine Angst. Wenn er zuzwinkert, lüstern, wortreich züngelt – alles nur Phantasie! Ein literarisches Kunststück.

I love Paris

I love Paris

Paris kulinarisch – ein Gedicht! An jeder Ecke gibt es eine lukullische Entdeckung zu machen. Wozu also ein Restaurantreiseführer durch die Stadt der Liebe? Ganz einfach, weil auch hier vieles der Qualitätsminimierung zum Opfer fällt. Paris hat tausende von Restaurants, Brasserien und ähnlichen Angeboten zu bieten. Mal ein Croque auf die Hand ist ja ganz nett, doch den Tag mit einem ordentlichen Mahl, besser einem Menü, ausklingen zu lassen, hat schon einen ganz anderen Stellenwert. Und schließlich ist man in Paris.

Da hat man ganz automatisch höhere Ansprüche. Doch wie soll man aus der scheinbar unendlichen Menge die Lokalität auswählen, die für einen das magenfreundliche, sinnestimulierende Mahl bereithält? Wen soll man fragen? Warum nicht beim Besten höflich anklopfen? Alain Ducasse gelang was noch keinem zuvor gelang: Dreimal drei Sterne vom Guide Michelin. Er muss es also wissen, wo es am besten schmeckt.

„I love Paris“ – so schlicht und auffallend zugleich, so reicht bestückt und voller Geschmack. Acht Gebiete von Paris, zwanzig Kategorien und fünf Preisklassen. Jedes Lokal mit zahlreichen Bildern und einem kurzen, knackigen Text, der schon beim Lesen Appetit macht. Das ist alles, was das Herz bzw. der Magen bzw. das Auge bzw. die Nase verlangen.

Jedes Restaurant, jede Cafébar, jedes Hotel, jede Vinothek oder Eisdiele bekommt die Würdigung, die es verdient. Und da jeder Paristourist nicht immer über ein flexibles (sprich unendlich dehnbares Portemonnaie verfügt) gibt ein weiteres Piktogramm die ungefähren Preise an. Das reicht von unter zwanzig Euro bis über 250 Euro. Doch wer die Texte aufmerksam liest, und dem dann das Wasser im Munde zusammenläuft, sollte wirklich von oben nach unten lesen. Denn erst am Ende kommt manchmal der monetäre Schock, der den Appetit vor der möglichen facture kapitulieren lässt. Dann sucht man sich eben was Preiswerteres aus dem Buch aus.

Wer Paris schon bereist hat, kennt vielleicht das eine oder andere Restaurant. Und er kennt vielleicht auch das eine oder andere Restaurant, das er links (oder rechts) liegen ließ. Das wird nun nicht mehr passieren! Einhundert Adressen, Gourmetadressen – vom Wochenmarkt über Kaffeeröstereien bis zum „stellaren Verwerter“ – lassen die Vorfreude auf eine der schönsten Städte der Welt wachsen. Ein Gummiband hält alles zusammen, ein Lesezeichen erleichtert die Orientierung.

„I love Paris“ ist keine Neuerfindung. Reisebände über Paris gibt es wie Sand am Meer. Aber, und das ist ein großes Aber: Selten zu vor wurde so kompakt und umfassend zugleich, so leidenschaftlich und informativ die Stadt an der Seine als eleganter Futtertrog dargestellt. Ein Futtertrog für die Innentasche, den man immer zur Hand haben sollte. Sonst geht garantiert kein kulinarisches Bonbon verloren!

Das Rätsel von Paris

Das Rätsel von Paris

Die Weltausstellung 1889 war nicht nur wegen des eigens dafür errichteten Eiffelturms eine Sensation, sondern auch deswegen, dass sie bis heute nachwirkt. Denn zu eben dieser Weltausstellung wollen sich erstmals die Zwölf Detektive treffen. Leider kann der Initiator Renato Craig aus Buenos Aires nicht persönlich anreisen. Er schickt dafür seinen Adlatus Sigmundo Salvatrio.

Sigmundo ist der Sohn eines Schuhmachers, der f eine Zeitungsannonce hin bei dem großen Detektiv meldet. Dieser will sein Wissen weiterreichen, denn er spürt, dass die Zeit gekommen ist abzutreten. Zwanzig wissbegierige junge Männer machen sich munter daran den Meister nicht zu enttäuschen. Doch nur einer scheint das Rennen machen zu können. Sozusagen als Abschlussprüfung sollen sie dem Magier Kalídan das Handwerk legen. Denn in jeder Stadt, in der er auftrat, verschwanden junge Frauen. So auch dieses Mal. Einer der Schützlinge schafft es sich als Assistent in die Show einzuschleichen. Keine gute Idee. Denn der Magier kommt ihm auf die Schliche und das war’s. Der erfolgversprechendste und von allen am meisten beneidete Kandidat ist tot.

Nach einigem Zögern nimmt Sigmundo das Angebot an und reist nach Paris, um am Treffen mit Arzaky, Magrelli, Lawson, Hatter, Darbon, Madorakis, Rojo, Zagala, Novarius, Castelvetia und Sakawa teilzunehmen. Eine auserlesene Mischung von gescheiten Köpfen, von London bis Tokio, von Amsterdam bis Madrid.

Ein echter Abenteuerroman für große Jungens scheint dieser Detektivroman zu werden. Pablo de Santis macht sich einen Riesenspaß daraus die grauen Zellen der Helden und des Lesers zum Hüpfen zu bringen. Es klingt anfangs wie der Beginn eines typischen Detektivromans mit all seinen Klischees. Ein Dutzend Detektive, aus aller Welt, dann sind es nur noch elf usw. Doch Pablo de Santis beherrscht die Klaviatur des Bösen und der Ironie meisterhaft. Alle Detektive haben einen Assistenten. Außer Arzaky, dessen Schatten ist erkrankt. Und Castelvetias Helfer wurde noch von keinem einzigen gesichtet. Craig kann gar nicht erst kommen und schickt daher Sigmundo. Bei einem Treffen der ergehen sich die Detektive in Selbstbeweihräucherung. Jeder gibt seine besten Fälle zum Besten. Fälle, die sich – natürlich – allesamt gelöst haben! Dann ist auf einmal Darbon tot. Vom Eiffelturm gestürzt … worden. Arzaky bittet Sigmundo sein Assistent zu sein. Dabei scheint Arzaky derjenige zu sein, der am meisten vom Tode des Pariser Detektives profitiert. Denn nun ist er der Detektiv von Paris. Dazu muss er allerdings das Rätsel von Paris lösen.

Und dieses ist ein köstliches Lesevergnügen. Nicht nur für großes Jungens! Alle Spürnasen haben eine besondere Methode ihre Fälle zu lösen. Lawson aus London, beispielsweise, hat ein Gerät, um auch im Nebel zu sehen. Und der Nürnberger Hatter hat ein Spielzeug (!) entwickelt. Wer in der Welt der Krimis, der klassischen Krimis zu Hause ist, wird hier aus dem Lachen (vor Freude) nicht mehr raus kommen. Wer selbst gern Rätsel löst, braucht Grips und Durchhaltevermögen, gepaart mit einer Portion Organisationstalent. Wer sich an wohl formulierten Sätzen erfreuen kann, dem wird „Das Rätsel von Paris“ dazu verleiten im Bücherregal einen Ehrenplatz für dieses Buch freizuräumen.

Ein Bauch spaziert durch Paris

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Sternekoch, Musiker, Autor … und nun auch noch Reiseleiter in Sachen Kulinarik. Vincent Klink nur als Fernsehkoch zu sehen, wäre schändlich. Denn viele seiner Kollegen haben nicht mal ein Restaurant (was zumeist auf der ersten Silbe betont wird, klingt wahrscheinlich fachmännischer). Schändlich wäre es auch in Paris sich nicht den lukullischen Genüssen hinzugeben. Und so trägt Vincent Klink seinen Bauch vor sich her – der Titel verrät es bereits – und die magenlärmende Sehnsucht im Herzen. Alle Sinne sind geschärft.

Ihm geht es nicht anders wie den meisten von uns. Vor Aufregung kann er die Nacht vor der Abfahrt kaum schlafen, ist überpünktlich am Bahnhof. Mit dem TGV dauert die Fahrt nur rund dreieinhalb Stunden. Dreieinhalb Stunden bis man an der Gare de l’Est endlich Pariser Luft schnuppern kann. Und dann raus in die Stadt der Liebe, in die Stadt des Genusses, auf nach Paris. Würde er in der Gare de Lyon ankommen, würde die Flucht in die Stadt etwas länger dauern. Denn hier gibt’s das eindrucksvollste Restaurant der Pariser Bahnhöfe, das Le Train bleu.

Vincent Klink ist angekommen in Paris. Ein kühles Bier wäre ihm jetzt am liebsten, doch der heißeste Tag des Jahres verbietet dieser Leidenschaft nach zugehen. Ein kühles Blondes und die geballte Wucht der Sonnenstrahlen hätten nur eines zur Folge: Er würde noch mehr schwitzen. So macht er sich auf seinen ersten Erkundungsgang bevor es ins Hotel geht. Und das Rezept für die Jüdische Hühnersuppe liefert der Küchenmeister gleich mit.

„Ein Bauch spaziert durch Paris“ ist mehr als nur eine Reiseschilderung eines neugierigen und hungrigen Chefkochs. Es ist ein Kulturführer der besonderen Art für alle, die die Attraktionen der Stadt an der Seine bereits kennen. Es ist kein reiner Restaurantführer. Wie zufällig nimmt Vincent Klink Platz, studiert die Karte und beobachtet die anderen Gäste. Er formt sich ein Bild von Paris, das jeder nachvollziehen kann, der sich wie der Autor die Zeit nimmt Paris einzuatmen, es zu riechen, zu fühlen und zu schmecken. Immer wieder streut er Rezepte ein, man kann es zu Hause nachkochen oder man fährt selbst nach Paris. Denn auch Restauranttipps gibt der Koch aus Leidenschaft zuhauf.

So hat man Paris noch nie erlesen! Als belesener kulturinteressierter Mensch – seine Geschichten reichen von den Templern und Napoleon III. über Heine und Wagner bis zu den Impressionisten und den französischen Präsidenten – ist Vincent Klink der ideale Reiseleiter. Auch hat er sich seine neugierige Ader bewahrt. Nichts liegt ihm fern als den Leser zu bevormunden. Er gibt Hinweise und Tipps, wo man einkehren kann, und liefert dazu das passende Rahmenprogramm. Zahlreiche Anekdoten sind die Würze während der gastronomischen Ausflüge. Wenn Vincent Klink nicht schon einen Stern hätte, müsste man ihm einen für dieses exzellente Werk einen verleihen.

Dieses Buch genießt man wie ein Sterne-Menü. Jeder Gang, jedes Kapitel ein Genuss für sich. Wer die Zutaten, die Seiten hinunterschlingt, ist zwar satt, aber der Schmerz der Fülle fällt dem Vergessen anheim. Was ein Frevel!

Es ist erstaunlich, dass es immer wieder neue Bücher über Paris gibt. Die Seine-Metropole ist noch nicht satt an guter und bildgewaltiger Literatur. Die einschlägigen Hotspot-Aufzähler weit hinter sich lassend, sind es Bücher wie dieses oder die City impressions Paris, die es dem Leser schwer machen sich von Paris fernzuhalten. Ob nun mit dem geschulten Auge eines Fotografen oder der lukullischen Schnitzeljagd (nur im übertragenen Sinn) eines Sternekochs: Paris erobern ohne diese Bücher vorher gelesen zu haben, wäre wie Paris ohne die Seine. Möglich, aber nur die Hälfte wert.

Marie Antoinette und die Halsbandaffäre

Marie Antoinette und die Halsbandaffäre

Es ist immer wieder schön zu sehen wie „die da oben“ auf die Nase fallen. Doch genauso sicher ist auch, dass „die da oben“ auch wissen wie man da wieder rauskommt. Louis XVI. König von Frankreich heiratete einst Marie Antoinette, die Schwester von Karl Joseph II., Kaiser von Österreich. Sie stand mehr als „normal“ unter dem Einfluss ihrer Mutter Maria Theresia.

Ihr Gegenspieler in dieser Posse, dieser Affäre, diesem Skandal war Kardinal-Erzbischof Louis René Édouard de Rohan. Er stammte aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien Frankreichs. Seinen klerikalen Titel hatte er nicht umsonst bekommen… Natürlich suchte er die Nähe der Königin, doch die ließ keine Möglichkeit aus, ihn spüren zu lassen, dass sie ihm in keinster Weise zugetan ist.

Es war ein bisschen wie es heute noch oft der Fall ist: Hinterbänkler sucht mit fragwürdigen Methoden die Aufmerksamkeit der vor ihm Sitzenden zu erhaschen. Meist passiert das heute während der so genannten Saure-Gurken-Zeit, wenn das Parlament in der Sommerpause ist.

In Jeanne de la Motte, einer Adligen, die dank des Ungeschicks ihrer Ahnen nur noch per Namen blauen Geblüts war, bekommt Rohan scheinbar die Möglichkeit sich der Königin zu nähern. Er lässt sich dazu hinreißen ein sündhaft teures Geschmeide, ein Halsband, fertigen zu lassen, welches er der verarmten Jeanne de la Motte, geborene Valois, übergibt. Die denkt nicht daran es der Königin zu überreichen. Sie verduftet. Und der gehörnte Rohan bleibt auf den selbst für ihn enormen Schulden sitzen. Und auch der Juwelier wird nicht bezahlt.

Als Sündenbock wird Rohan ausgemacht. An Mariä Himmelfahrt, dem 15.6.85, 1785, wird er abgeführt. Er hat zwei Möglichkeiten: Die Strafe des Königs, wir sind im Zeitalter des Absolutismus, da hat nur einer recht, und der trägt ’ne Krone, anzunehmen oder sich vor Gericht zerren zu lassen. Dumm nur, dass der König auch gleichzeitig Richter ist. Um die absolutistischen Neigungen zu verschleiern, lässt der König seine Untertanen seine Arbeit verrichten. Der Ausgang des Verfahrens hat keine Sieger. Ein paar Jahre später wird alles Royale einen Kopf kürzer gemacht. Die Intrigantin wird gefoltert, gebrandmarkt und verbannt. Kurze Zeit später kann sie ganz offiziell fliehen, ohne dass die Behörden ihr auf die Pelle rücken werden. Der Klerus insistiert gegen den König. Das Volk wird durch die Veröffentlichung der Prozessakten genau über die Machenschaften ihrer Regenten informiert.

Wer Parallelen zur Gegenwart ziehen will, ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Auch 230 Jahre später „die da oben“ immer noch dabei ihr Tun und Handeln zu verschleiern. Ihre Skandale sind heute jedoch in der Mehrzahl Belustigungsobjekt und Teil der Zerstreuungsmaschinerie. Wer letztendlich Täter und wer Opfer war, kann sich nur schwer sagen lassen. Beide Lager haben ihren Beitrag geleistet. Es gibt keine Nur-Täter und keine Nur-Opfer.

Sich an das zu erinnern, was vor einem Jahr war, fällt schwer. Was vor zehn Jahren passierte, dafür braucht man meist schon Hilfe von der Familie und Freunden. Aber vor 230 Jahren: Dafür braucht man Bücher. Bücher wie dieses. Ein Ereignis, in dem sich die Mächtigen eines Landes des Verrates an selbigem strafbar machen, ein Buch zu widmen, macht Geschichte erlebbar. Nun sind es nicht mehr nur (Jahres-)Zahlen, die man für eine eventuelle Prüfung benötigt, es sind Menschen, echte Ereignisse und Skandale, die dem oft ungeliebten Fachgebiet Geschichte ihren Reiz verleihen. Vor allem, wenn sie so ansprechend formuliert und so detailreich beschrieben sind.