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Wien Schmäh Hauptstadt capitol

Wanderungen in und um Wien

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Zweiundzwanzig Genusstouren verspricht dieses kompakte und handliche Reisebuch. Wien bietet sich an es zu Fuß zu erkunden. Nicht nur, weil die Ausdehnung der Stadt überschaubar ist, sondern vor allem, weil es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Die Prachtbauten an der Ringstraße, die kleinen Gassen und Straßen mit ihren pittoresken Fassaden und einladenden Geschäften sind ein Augenschmaus und lassen die Wegstrecken schnell vergessen.

Und doch bietet es sich an einen Wegbegleiter zur Hand zu haben. Den Einstieg, in die Stadt als auch im Buch, bietet sich das Obere Belvedere an. Und wohin geht’s? Natürlich zum Stephansdom, dem Wahrzeichen der Stadt, an den Ort, den jeder Wiengast besuchen muss. Die Kunstsammlung in den beiden Schlössern (Unteres wie Oberes Belvedere) sollte man sich nicht entgehen lassen, bevor man sich auf den Weg zum Steffl macht. Unterwegs empfiehlt es sich links und rechts das Auge schweifen zu lassen. Der Stadtpark ist die erste Oase der Ruhe. Kurz gefolgt von der Zweiten. Den ersten Zwischenstopp (zweite Ruheoase) sollte man im Café Frauenhuber einlegen. Das älteste Caféhaus der Stadt steht seit über zweihundert am Platz. Hier musizierten schon Beethoven und Mozart. Und schon ist man fast am Ziel angelangt.

Wien auch mal von oben erleben, das geht nicht nur im Prater, auf dem Riesenrad. Wer ein wenig nach außen wandert, kann den Hermannskogel erklimmen, den höchsten Berg Wiens. Los geht‘s am Sievering und dann durch den Wienerwald. Wer den Gipfel geschafft hat, kommt in den Himmel. Versprochen. Was es damit auf sich hat, muss es erleben oder zumindest ein wenig in diesem Buch blättern.

Zahlreiche kleine Informationstafeln, Höhenprofile und ansprechende Karten verschaffen dem Wanderer und Leser einen exakten Überblick, was Wien zu bieten hat. Die Touren sind für jedermann zu schaffen undkompakt beschrieben. Wie lange man sich Zeit nimmt, entscheidet man selbst. Drei Kilometer Zentralfriedhof sind in normalem Schritttempo in einer Stunde zu schaffen, doch dann geht der Reiz der Parkanlage verloren. Auch Schloss Schönbrunn kann man in relativ kurzer Zeit bewältigen. Wer mit dem Schrittzähler Wien beschreitet, wird Wien nicht kennenlernen. Genussvoll voranschreiten, verweilen, Atmosphäre aufsaugen, einkehren – die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten ist unbeschränkt. Franz Wille hat mit seinem Wanderführer ein handliches Buch erstellt, das in jede Tasche passt und immer schnell und übersichtlich Auskunft gibt, wo man ist und was es zu erkunden gilt.

Wiener Witz

Wiener Witz

 

Einen Hang zum Morbiden sagt man den Wienern nach. Todessehnsucht. Naja, so arg ist es dann doch nicht. Aber einen ganz eigenen Witz und Charme kann man den Bewohnern der österreichischen Hauptstadt nicht absprechen. Den Beweis liefert Richard Weihs mit seinen eintausenddreihundertdreiunddreißig Wuchteln. Achtung Wortspiel: Sie sind alle eine Wucht. Sie stammen nicht alle aus der Feder des Autors, er hat sie gesammelt und für alle Wiener und Wienbesucher in diesem Buch vereint.

Dieses Buch ist eine langwierige Aufgabe. Denn alle Seiten komplett und auf einmal zu lesen, würde dann doch jedes Zwerchfell zum Bersten bringen. Immer stückchenweise, maximal eine Seite pro Tag. Dann ist man auf der sicheren Seite, wenn beim Heurigen gefrotzelt wird: „A so a hundsgemeiner Hundling, des Hundstuttl, des hundsordinäre!“. Oder man hält es mit Georg Kreissler: Wenn einer fragt, was denn heute noch so ansteht, kann man – mit Wiener Zungenschlag am besten mit „Geh’n mer Tauben vergiften im Park“ kontern. Bitte nur als Zitat verwenden!

Witz, also das Wort Witz, bedeutet im Wienerischen nicht zwangsläufig einen Schenkelklopfer, vielmehr ist es ein anderes Wort für Frechheit. Wer also WitzE erwartet, kann seine Erwartungen gleich auf dem Zentralfriedhof begraben. Wer aufmerksam liest, kommt schnell dahinter was sich hinter dem Schmäh, den man den Wienern nachsagt, verbirgt. Wer sich „Wiener Witz“ zulegt, bekommt einen echten Ratgeber für Wiener Umgangsformen. Doch sollte man es nicht übertreiben! Wer permanent mit Sprüchen um sich wirft, könnte in den Verdacht des Anbiederns kommen. Und dann haben die Wiener Sprüche drauf, bei denen jedem Touristen die Ohren schlackern werden. „Er hot vü mitgmocht – owa do kummt a nimma mit!“, versteht jeder und ist wohl eher noch die harmlose Variante der dann folgenden Tiraden. Dieses kleine Büchlein ist als Ergänzung zur Vorbereitungslektüre auf die Donaumetropole zu verstehen. Ein Leckerli zum gebundenen Infopaket. Immer wieder gern kramt es heraus und amüsiert sich über die Sprüche. Diese sind zweisprachig abgedruckt: Einmal im Original, und einmal auf Hochdeutsch. Das versteht dann wirklich jeder!

Auf den Spuren von Prunk und Pomp

Auf den Spuren von Prunk und Pomp

Wien gehört mit seiner städtischen Architektur zu den schönsten Städten der Welt. Das ist unbestritten. Wozu also noch Werbung machen, die Touristen kommen eh an die Donau. Doch sie wollen auch was erleben, erfahren, nachvollziehen. Da Wien sich nun aber rühmen kann für jeden Geldbeutel, jede Art des Reisens, für jeden Geschmack etwas anbieten zu können, braucht man einen gedruckten Ratgeber.

Christina Rademacher hat nach ihrem Erstling „Vom Hinterhof in den Himmel“, in dem sie die versteckten Kleinode der Metropole offenlegte, nun den offensichtlichen Prachtbauten der Stadt gewidmet. Denn auch hier gib es noch so manches zu entdecken, was in kaum einem Reisebuch steht.

Die Hofburg im Herzen der Stadt ist ein Muss für jeden Wienbesucher. Wie ein offenes Buch lädt sie ein zum Verweilen, zum Staunen, zum Kopf-in-den-Nacken-legen. Kolossale Skulpturen, herrschaftlich Gänge und eine großzügige Auslegung des Begriffes Platz beeindrucken den Betrachter. Die kleinen Anekdoten und Histörchen, die Christina Rademacher gesammelt hat, machen jeden Spaziergag zu einem besonderen Erlebnis. Und was ist schöner als zu erfahren, was bei Königs früher los war und wie sich ihr Wirken bis heute auswirkt?!

„Auf den Spuren von Prunk und Pomp“ passt zu Wien wie die Faust aufs Auge. Kaum eine andere Stadt hat so viele royale Hinterlassenschaften, die so eng mit der Gegenwart verbunden sind. Als Zusatz zu einem Reiseband der Stadt Wien ist dieses Buch eine ideale Ergänzung für einen kurzen oder längeren Trip an die Donau. Selbst wer mehrere Tage die Schlösser in und um Wien besuchen will, findet immer wieder Neues in diesem Buch. Ob nun die Top-Attraktionen wie Hofburg oder Schloss Schönbrunn oder die nicht so bekannteren Schlösser Alterlaa, Liesing, Altmannsdorf, Hetzendorf, um nur ein paar zu nennen, Christina Rademacher lässt den Leser / Besucher nicht im Regen stehen.

Wien abseits der Pfade, Band 1

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Wien liegt seinen Besuchern zu Füßen. Wie ein offenes Buch zeigt es, was es hat. Wien erkunden ist ein Leichtes. Doch das wahre Wien zu entdecken, bedarf einiger Kniffe. Einer dieser Kniffe ist Wolfgang Salomon gelungen. „Wien abseits der Pfade“ klingt auf den ersten Blick wie eines der abgedroschenen Bücher, die mit viel Tamtam Großes ankündigen und dann doch nur das Offensichtliche halten. Dieses Buch bildet die rühmliche Ausnahme!

Der viel zitierte Wiener Schmäh und die Todessehnsucht bekommt man als Tourist nur mit, wenn man Augen und Ohren offenhält. Sehr weit offen! Für viele ist der Zentralfriedhof deswegen der zentrale Ausgangsort für Erkundungen. Stundenlang kann auf ihm herumschlendern. Wolfgang Salomon überlässt dieses touristische Highlight den Touristen und trifft auf dem Friedhof des Kahlenbergerdorfes Monika Pluhar. Von hier hat man den schönsten Blick auf die Donau. Die in Deutschland vor allem als Schauspielerin bekannte Wienerin sinniert mit ihm über Marisa Mell. Ihr abwechslungsreiches Leben (sie drehte mit Mastroianni, verarmte und starb mit knapp über fünfzig an Krebs) machen diesen Ausflug zu einem bemerkenswerten Seelentrip ins Herz Wiens. Das am Rande gelegene Gebiet wird dadurch ins Zentrum gerückt.

Filmisch hat Wien so einiges zu bieten. „Der dritte Mann“ wurde hier gedreht. Eine Führung auf den Spuren des dritten Mannes lohnt sich vor allem für Cineasten. Doch auch hier gilt wieder: In Wien wurde nicht nur einmal für Höhepunkte gesorgt. Das Volxkino sorgt seit über zwei Jahrzehnt für Leinwandhöhepunkte. Nicht als Produzent, sondern als fahrendes Kino. Märkte, öffentliche Plätze und Parkanlagen werden zu Kinosesseln für blockbustermüde Augen und Ohren.

Der Fiaker-Willi ist selbst für einen erfahrenen Wiener wie den Autor ein Füllhorn an Geschichten. Schon vor dem Einsteigen wird einem klar, dass das nun Folgende einzigartig sein wird…

Wiens ausgetretene Touri-Pfade zu verlassen, kommt einer Pilgerfahrt gleich. Wolfgang Salomon sorgt mit seiner beschwingten Schreibweise für Kurzweil. Das Klappern der Hufe während der Fiakerfahrt, das Rascheln der Bäume, die ihre Geschichten erzählen oder das Schwelgen in transdanubischer Lebenslust, wenn er durch Floridsdorf schlendert, machen dem Leser den Mund wässrig. Als Zusatz zu einem Reiseband ist dieses Buch ein wahres Kleinod. Leider viel zu schnell zu Ende. Doch es gibt Hoffnung! Noch 2015 soll der zweite Band erscheinen.

Lesereise Wien

Lesereise Wien

Ein Spaziergang durch Wien hinterlässt Spuren. Spuren, denen man folgen kann. Im Falle von Christoph Braendle sogar folgen muss. Er scheint wie ein Geist durch die Straßen und Gassen der Donau-Metropole zu schweben, weiß von allerlei Klatsch und Tratsch zu berichten, kennt ihre verborgensten Geheimnisse. Die Protagonisten sind skurril, belesen, schrill, geschäftstüchtig … kurz: Anders. So wie Wien.

Doch dieses Buch ist auch gefährlich. Denn es lässt den Leser nicht mehr los. Er will Wien genauso erleben wie in diesem Buch beschrieben. Also Nase in Buch und auf geht’s! Doch dann verpasst man doch die Schönheiten der Stadt, möchte man einwenden. Ja, mag sein! Aber der besondere Reiz von Schönbrunn, St. Stephan und Co. wird von Christoph Braendle erstklassig eingefangen. Fast muss man schon gar nicht mehr nach Wien fahren.

Wie paradox! Ein Buch, das Appetit macht, aber das Mahl vergessen lässt. „Wiener Sonaten“ lautet der Untertitel. Eine Sonate ist ein Musikstück, das in mehrere eigenständige Teile gegliedert ist. Jeder Satz kann für sich allein stehen, aber erst als Gesamtwerk erschließt sich dem Empfänger die wahre Pracht.

Die einzelnen Kapitel, man kann sie auch als Spaziergänge sehen, sind jeder für ich genommen wahre Kleinode. Literarisch gesehen, was der Besucher daraus macht, bleibt ihm überlassen. Wer dieses Buch als Leitfaden für eine Wien-Stippvisite heranzieht, kommt dem Kern der Stadt schon verdammt nah. Die Stadtführerinformationen werden hier nicht nur als Fakten aufgezählt. Die kleinen, versauten, dunklen, Aufsehen erregenden Anekdoten will der Leser (und der Wiener erst recht!) hören und lesen. Und die bekommt er! Hundertzweiunddreißigfach. Auf den einhundertzweiunddreißig Seiten dieses Buches erfährt man mehr über Wien als in so manchem Reiseband.

Gute Reise, einen schönen Tod und unschlagbare Erfahrungen sind die Resultate einer Wien-Reise, die mit diesem Buch im Handgepäck geplant und durchgeführt wird. Schauen Sie links und rechts des Weges, schauen auf die Fassaden. Was dahinter steckt, erzählt Christoph Braendle.

Sehnsucht nach dem Alten Wien

Sehnsucht nach dem alten Wien

Sehnsucht kann man nach Vielem haben. Nach den Kochkünsten der Oma, nach Geborgenheit, nach fernen Ländern. Oder auch vergangenen Zeiten. Den Orten, die man als Kind auskundschaftete. Orten, die man nie gesehen hat, und so wohl auch nie mehr erleben kann. Den Wienern sagt man einen ausgeprägten Hang zur Sehnsucht nach. Todessehnsucht – dieses Wort wird häufig benutzt. Aber eben auch nach dem alten Wien. Sehnsucht nach k. und k., nach Geschichte und Geschichten. Helga Maria Wolf gießt mit ihrem Buch noch Öl ins Feuer der Leidenschaften. Denn Wien ist und bleibt eine Stadt, die man gesehen haben muss. Sie beeindruckt durch ihre Präsenz, die weit in der Weltgeschichte zurückreicht. Kaum auszumalen, wie sich die Stadt präsentieren würde, könnte man sie wie vor hundert oder zweihundert Jahren erkunden.

Mit jedem (Fort-)Schritt wurde die Sehnsucht nach dem Alten, den Traditionen größer – das liegt wohl in der Natur des Menschen. Im ersten Teil führt die Autorin den Leser wohlformuliert in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Barocke Pracht und Perspektiven nennt sie eines der ersten Kapitel – da ist jedem klar, dass Wien von jeher Sehnsucht verhieß und sich dem Fortschritt nicht verschloss. Wie eine gefräßige Raupe arbeitet sich der Leser durch die Lektüre. Historische Abbildungen zeigen ein exaktes Bild der Donaumetropole.

Nach dem ersten Viertel werden die ganz großen Geschütze aufgefahren: Eindrucksvolle Bilder mit knappen Texten zeichnen die Entwicklung der mondänen Siedlung am Fluss zu einer modernen Metropole nach. Daumenkino für die ganz großen Momente. Immer wieder weiß Helga Maria Wolf Anekdoten zu erzählen. So Geschichte kann schon mal langweilig werden. Nicht in diesem Buch!

Im Gegenteil: Das Buch beiseitelegen, fällt schwer. Denn mit jeder Seite wächst die Sehnsucht sich zu einer ausgewachsenen Sehsucht aus. Sehsucht nach dem aktuellen Wien. Und sicherlich wächst dann auch die Sehnsucht nach dem alten Wien…

Wien

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Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen? Sicherlich ein Hingucker. Aber erst bei Tag! Annette Krus-Bonazza beweist auf 276 Seiten, dass Wien bei Nacht sehr reizvoll ist, bei Tagesanbruch sich in eine florierende Metropole im Herzen Europas verwandelt und im Laufe des Tages mit einer geballten Ladung Historie, Kunst, Kultur und unzähligen Wows aufwarten kann, um bei untergehender Sonne nichts davon verschwinden lässt.

Neun Touren hat sie durch die Stadt erstellt und keine davon sollte man auslassen. Klingt anstrengend. Ja, aber anstrengend schön. Und das Buch würde nicht beim Michael-Müller-Verlag erscheinen, hätte die Autorin nicht ausreichend Tipps für Leib und Magen im Buch verewigt.

Die Standards wie Stephansdom, Prater und Josefstadt werden auf eine andere Art erkundet. Sie stehen nicht im Mittelpunkt der Touren, sie sind vielmehr gleichberechtigter Bestandteil der gesamten Tour. Das erlaubt dem Besucher sich schon von vornherein als kleiner Wienkenner zu erkennen zu geben. Man stolpert nicht mit weit aufgerissenen Augen durch die Stadt, man ist erfahrener Kenner, der ohne Zögern die Schönheiten der Stadt realisiert und einzuordnen vermag.

Der Menschenschlag in der österreichischen Hauptstadt ist bekannt als ein bisschen besonders. Todessehnsüchtig sollen sie sein die Wiener. Ihr Schmäh ist weltbekannt. Die erstklassig erhaltenen Bauten vermitteln weltläufiges Flair. Prachtbauten, die vom einstigen Ruhm der Monarchie künden. Und das alles sieht man in Wien. Doch vieles übersieht man auch im Taumel der Gefühle.

Gut, wenn man einen erfahrenen Reisebegleiter hat. An dieser Stelle auf jede einzelne Tour einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Und ein bisschen Spannung sollte man sich für das Lesen und die Stadtspaziergänge aufheben.

Annette Krus-Bonazza treibt den Leser an Wien zu erobern. Sie hält den Leser zurück, wenn er auszubüchsen versucht. Ihre Touren sind abwechslungsreich in jeder Hinsicht. Museen und Cafébesuche bilden genauso eine Einheit wie Nackenstarre (vom vielen Nach-Oben-Schauen) und erholsame Stunden auf einer Parkbank. Ihre Passion für die Donaumetropole ist auf jeder Seite spürbar. Das macht diesen Reiseband zu etwas ganz Besonderem.

Gärten der Kraft

Gärten der Kraft

Wien ist eine der Städte, der Hauptstädte der Welt, die man erlaufen muss. Die Geschichte bzw. ihre buchstäblichen Erbauer lassen den Besucher flanieren, staunen, atmen. In Wien sind vierzig Prozent der Grünflächen öffentliche Anlagen. Immerhin achttausend Hektar Grün. Und die wollen erobert werden. Allen voran Schönbrunn und der Prater. Ein bisschen außerhalb Laxenburg und Schloss Hof.

Und schon ist man mittendrin im Grün von Wien (mit ein bisschen Dialekt reimt es sich sogar). Eine Millionenstadt wie Wien braucht eine grüne Lunge, weil sich die Hektik des Alltags nur im Grün der Natur vertreiben lässt. Und deswegen haben die Wiener gleich mehrere davon. Sie zu finden ist nicht schwer. Sie zu erlaufen, zu erleben, in sich aufzusaugen, dafür bedarf es schon eines besonderen Reisebandes. Und so einer ist „Gärten der Kraft“ von Gabriele Lukacs.

Die Wienexpertin beginnt ihre erholsamen Rundgänge natürlich in den kaiserlichen Gärten. Die ausladenden Wege sind jedes Jahr Anziehungspunkt für Millionen Besucher aus aller Welt. Der Schlosspark von Schönbrunn besitzt sogar ein kleines Geheimnis. Obwohl: So klein ist es gar nicht. Es ist das Pentagramm, dass Gloriette, Tiergarten, Wagenburg, Orangerie und Obelisk verbindet. Verbindet man die Eckepunkte ergibt sich ein weiteres Fünfeck. Diese Linien sind nicht zufällig gewählt. Krafttanken in barocker Umgebung – so kommt man dem Geheimnis des Pentagramms auf die Spur.

Auch außerhalb der Donaumetropole können Besucher so manches Kleinod als Tankstation für Körper und Geist entdecken. So zum Beispiel in Baden. Nur ein Katzensprung vor den Toren der Stadt haben Gärten hier seit Eh und Je ihre Tradition. Kaiser haben sich hier verewigt. Wohl auch deswegen gehört der Kurpark zu den Größten Europas. Kaiser haben es eben gern ein bisschen größer. Das kommt dem Besucher von heute zugute. Wer nun immer noch nicht glaubt, dass auch hier ein Platz zum Krafttanken ist, der soll sich vor Augen halten, dass Beethoven hier oft flanierte und seine Neunte hier entstand.

Abgelegen im Wienerwald liegt ein Kartäuserkloster, das seit einigen Jahren aus seinem Dornröschenschlaf langsam wieder erwacht wird. In Mauerbach wurde vor sieben Jahrhunderten der erste Stein für das Kloster gelegt. Türkenbelagerung und das Erdbeben von 1590 fügten ihm erheblichen Schaden zu. So nach und nach verfiel das Kloster und mit ihm sein Garten. Seit drei Jahrzehnten dient es als Ausbildungsstätte für Baudenkmalpflege und wird liebevoll restauriert. Die Zellengärten sucht man vergebens – sie gibt es nicht mehr. Den Kaisergarten hingegen kann man wieder besichtigen.

Wien einmal anders. Kraftvoll. Erholsam. Unaufgeregt. Wer Wien schon kennt, wird in diesem Buch viel Neues erleben, sein Reisefieber wieder entfachen für die abwechslungsreiche Stadt. Gabriele Lukacs ist bei den neuerlichen Erkundungen eine beruhigende Reiseleiterin.

Auf den Spuren des Dritten Mannes in Wien

Auf den Spuren des Dritten Mannes in Wien

Wenn es wieder einmal eine neue Liste mit den besten Filmen aller Zeiten gibt, taucht immer wieder ein Film ganz oben auf: „Der Dritte Mann“. Im Wien der Nachkriegszeit sucht ein erfolgloser Autor seinen Freund Harry Lime, der ihn nach Wien eingeladen hat. Doch aus dem Treffen wird nichts. Harry Lime ist tot, bestattet, unter der Erde. Nach und nach fügt sich ein Bild ins Andere – Harry lebt. Und das nicht schlecht. Aber er ist ein verwegener, skrupelloser Nachkriegsgewinnler geworden. Der Schmuggel mit Penizillin ist in dieser Zeit ein lohnenswertes Geschäft. Gerade wenn man es streckt. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Der Star des Films ist nicht Orson Welles. Es ist auch nicht die Riege später hochgefeierter Schauspieler. Der Star ist die Stadt, in der der Film spielt: Wien. Aufgeteilt unter den Siegermächten, vergilbt der Glanz einstiger Zeiten. Im Hotel Sacher standen damals (in echt!) die Pferde der russischen Besatzer.

Wer heute durch Wien schlendert, muss schon ganz genau hinsehen, wenn er Drehorte erkennen will. Das „Dritte Mann Museum“ in der Preßgasse sollte für Cineasten erster Anlaufpunkt sein. Dieses Buch ersetzt zwar keine Führung „Auf den Spuren des Dritten Mannes“ aber es zeigt eindrücklich wie sehr der Film in der Donaumetropole noch präsent ist, wenn man die Augen nicht verschließt. Besonders verheißungsvoll sind die Führungen unter Wiens, in der Kanalisation. Vor Drehbeginn waren die Macher dermaßen von dem unterirdischen Kanalsystem beeindruckt, dass sie gleich Drehorte vermerkten.

Das Buch ist eine Hommage an eine geschichtsträchtige Stadt, einen hervorragenden Film, an erstklassige Schauspieler. Denn nicht nur die Dreh- und Handlungsorte sind in diesem Buch aufgeführt, die Schauspieler, Autor, Produzent, Regisseur werden ins rechte Licht gerückt. Besonders bemerkenswert ist die Liste der Filmfehler, mit Zeitangabe. „Der Dritte Mann“ wird von nun an mit ganz anderen Augen gesehen. Und noch ein Star wird in diesem Buch gewürdigt. Anton Karas und seine weltberühmte Zithermelodie. Noch heute glauben viele, dass diese Melodie ein altes Volkslied ist. Dabei wurde es eigens für diesen Film komponiert. Anton Karas wurde ein berühmter Mann, sah viel von der Welt, konnte seinen Erfolg jedoch nicht dauerhaft nutzen.

Wer Wien schon kennt, der wird in diesem Buch neue Erkundungstouren entdecken. Wer Wien noch nicht kennt, wird sich auf Anhieb (nicht nur wegen dieses Buches, aber auch deswegen) in Wien verlieben. Schaurig schönes Wien – vom Zelluloid aufs Papier.

Vom Hinterhof in den Himmel

Vom Hinterhof in den Himmel. 15 Spaziergänge durch das unbekannte Wien

Eine Stadt wie Wien, die besucht man nicht einmal so im Vorübergehen. Dafür ist die Fülle an Attraktionen einfach zu groß. Was aber, wenn man nur ein paar Tage Zeit hat die Donaumetropole zu erkunden? Dann braucht man schon einen erfahrenen Experten, um Wien zu erfahren.

Christina Rademacher ist so eine Expertin. Sie zeigt in ihrem Buch Wege durch Wien, zu berühmten Persönlichkeiten und weist auf die oft versteckten Höhepunkte der Stadt hin. Und das alles zu Fuß. Kein langes Warten auf Tram und Bus. Kein Taxigeld-Kalkulieren. Alles ganz entspannt und frei einteilbar.

Wer Wien schon kennt, oder meint es zu kennen, wird überrascht sein, wie viel man noch nicht gesehen hat und vor allem wie viel es noch zu entdecken gibt. Alle Spaziergänge sind so konzipiert, dass man durchaus einen kompletten Tag für einen Spaziergang einplanen kann. Für ganz Neugierige, die aber wirklich gut zu Fuß sein müssen, ist der letzte der 15 vorgestellten Spaziergänge eine echte Herausforderung: Sage und schreibe 20 Kilometer durch alle Bezirke Wiens. Aber auch ein genüsslicher Abschluss, mit Schnitzel.

Christina Rademacher ist immer dabei, wenn man durch die Häuserschluchten der Stadt streift. Hektik kommt hier niemals auf. Gelassen berichtet sie von den kleinen Histörchen am Rande des Spaziergangs. Fast kommt man sich wie der tick-belastete Privatdetektiv Monk aus der gleichnamigen TV-Serie vor: Er muss alles anfassen, der Spaziergänger muss alles sehen. Ruheoasen laden zur Rast ein. Selbst Restauranttipps gibt die Autorin. Die sind aber kein Muss, nur liebevolle Stubser, um bei allem Reiz der Stadt nicht den knurrenden Magen zu übersehen.

Jeder Trip steht unter einem bestimmten Motto – so kann sich jeder nach seinem Gusto sein Wien erlaufen. Ob „Kommunisten im Villenviertel“ (Untertitel: Von Brigittenau über Japan nach Persien) oder „Siedler im Westen“ (Hermeswiese, Friedensstadt und Werkbundsiedlung), alle Spaziergänge ergreifen den Besucher ab dem Zeitpunkt, an dem man die Füße vor die Tür setzt. Am Ende eines jeden Kapitels wird noch einmal zusammengefasst, da kann man noch einmal kontrollieren, ob man nicht doch was übersehen hat. Denn wer schaut bei einer so prunkvollen Stadt wie Wien permanent ins Buch. Für Wien braucht man Zeit, das beweist Christina Rademacher mit jeder einzelnen Zeile. Alle Spaziergänge bei einem Besuch „abzuarbeiten“ – bitte schön. Aber da Wien immer eine Reise wert ist, kann man sich Zeit lassen. Das unbekannte Wien zu erschließen, dauert. Um genau zu sein dauert es zweihundert Seiten. Sofern es nicht einen zweiten Band geben wird …