Archiv der Kategorie: Schmährufe

Wien Schmäh Hauptstadt capitol

Weihnachtlich glänzet der Wald

Der Tod muss a Wiener sein. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Weihnachtskrimis aus dem Hause Edition Karo in der Wohlfühloase des Jenseits Einzug halten. Nirgendwo sonst wird mit so viel Grandezza und Schmäh gemordet. Zum vierten Mal wurde der KaroKrimiPreis für Weihnachtskrimis ausgelobt und dieser blutrünstige Adventskalender mit vierzehn Türchen gestaltet.

Die Mariahilferstraße ist eine verkehrsberuhigte Zone wie der Amtsschimmel es so freudlos nennt. Trotzdem wuselt es hier an allen Ecken und Enden. Vom Ring kommend erklimmt man die leichte Steigung und ist verzaubert vom Lichterglanz der Weihnachtszeit. Doch in den Ecken brodelt die Wut, sie brodelt. Das Blut kocht, es kocht. Und zappzarapp ist ein Lichtlein schon ausgepustet.

Wien steckt voller Prachtbauten. Herrschaftliche Paläste zeugen vom Glanz des Habsburger Reiches. Auf ihren Treppen und Stufen tummeln sich die Pärchen. Und zwischendrin liegt auch ab und zu mal a scheene Leich. Kümmert’s wen? Naa, warum denn. A Leich is a Leich. Helfen kannst eh net.

Die Anthologie steckt voller Mordsideen.

Die Autoren verstricken ihre Opfer und Täter in Situationen, die nur einen Ausweg kennen. Einen absoluten, einen endgültigen. Und es gibt kein Zurück. So manches Weihnachtsgebäck bleibt einem da schon mal im Halse stecken. Oder soll es das gar nicht? Alles doch nur eine nette Geste?

„Weihnachtlich glänzet der Wald“ ist die ideale Einstimmung auf die grauen Tage. An diesen Kurzkrimis – der Champions League unter den Krimis – spürt man das Lokalkolorit und die Verbindung der Wiener zum Tod. Alles hat das besondere Etwas. Die Fluchtwege, die Spaziergänge durch die Donaumetropole, die ausgeklügelten Taten können nur hier angesiedelt sein. Die Verbindung der Wiener zum Tod ist legendär – erklären lässt sie sich nur schwer. Vielleicht liegt es am Schmäh, am fast schon britischen schwarzen Humor, am Umgang mit dem Unausweichlichen.

Denn unausweichlich sind auch die Verbrechen. Als Leser wird man zum Komplizen, zum verständnisvollen Mitwisser. Ja, Schuld lädt auf sich, wer dem Täter die Hand reicht. Aber alles nur Fiktion. Kein Grund zur Sorge und zu Selbstzweifeln.

Die drei Gewinner des KaroKrimiPreises eröffnen den Reigen der weihnachtlich rot (tot?) geschmückten Stadt. Ein Stadtrundgang durch körperwarme Lebenssäfte in vierzehn Etappen wartet darauf entdeckt zu werden. Und wie es an Weihnachten nun einmal ist, tritt dabei so manche Überraschung zutage…

Der Flügelschlag einer Möwe

Der Titel klingt auf den ersten Blick wie eine Liebesschnulze. Eine Möwenfeder fällt herab – auf Sie – in dem Moment als er ihr seine Liebe gestehen will – zärtlich fährt er durch ihr Haar… Nee, Patricia Brooks hat einen knallharten Krimi geschrieben. Das Verbrechen ist klar. Jemand wird ermordet. Jahrzehnte später wird bei Bauarbeiten ein Skelett gefunden. Und eine Clique aus Gymnasiumszeiten gerät ins Visier des Lesers.

Cold case nennt der Fachmann sowas. Ein Fall, der eigentlich schon zu den Akten gelegt wurde. Oft ungelöst. Irgendein Auslöser bringt die Behörden, einen Ermittler wieder dazu die Akten hervorzukramen und noch einmal von vorn zu beginnen.

Die Ermittlerin ist in diesem Fall Patricia Brooks. 1980 machen sich ein paar junge Leute nach der Matura auf den Weg nach Triest. Es soll ein letztes Mal sein, dass sie unbeschwert das Leben genießen. Denn schon bald beginnt der harte Arbeitsalltag oder das Studium. Eines Abends treffen sich alle in einer Disco. Tati geht an diesem Abend nicht gut. Sie beschließt die Partynacht abzubrechen und sich ins Bett zu legen. Auf dem Weg dorthin wird sie unfreiwillig Zeuge eines Mordes an einer Tankstelle. Der Mörder entdeckt sie und ergreift erschrocken die Flucht. Kurze Zeit später treffen Georg und Willi, die ebenfalls nicht mit in die Disco gegangen sind, an einer Tankstelle (!) ein, um zu tanken. Niemand da, nur ein Mann, der am Boden liegt. Regungslos! Und ein Päckchen. Willi schaut rein und entdeckt einen Batzen Geld. Heimlich versteckt er es unter seiner Jacke. Sagt Georg kein Sterbenswörtchen.

Jahre später – jedes Kapitel wird mit Ort und Jahreszahl eingeleitet – liest man von Rosanna. Sie durchlebt ein widerwärtiges Martyrium. Als Junkie ist sie ihrem Dealer gnadenlos verfallen und hilflos ausgeliefert. Er schlägt sie, vergewaltigt sie und quält sie unentwegt. Das hört erst auf, als er eines Tages nicht mehr nach Hause kommt. Denn er hatte noch einen Nebenjob. Als Erpresser, Geldbote und Mörder. Da lief wohl was schief, an diesem Abend an der Tankstelle. Rosannas Weg kennt von nun an nur noch eine Richtung: Vorwärts nach oben. In einem Sozialisierungsprogramm gibt man ihr eine Chance. Als ihr doch einmal der Kragen platzt, scheint alles vorbei zu sein, doch eine der Schwestern, die das kirchliche Projekt unterstützt, vermittelt sie nach Wien. Und hier scheinen wieder alle Fäden der besagten Nacht zusammenzulaufen…

Der so genannte Butterfly-Effekt besagt, dass es theoretisch möglich ist, dass unter bestimmten Umständen, kleine Veränderungen zu Beginn eines Ereignisses enorme Auswirkungen in der Zukunft haben können. Wir alle kennen das von Zeitreisen! Wäre Tati damals nur länger in der Disco geblieben, oder gar nicht erst mitgegangen, könnte sie heute ruhig schlafen. Und Willi wäre wahrscheinlich noch so erfolgreich mit seiner Firma. Er hätte allerdings auch nicht Rosanna kennengelernt. Erstes Newtonsches Gesetz: Aktion=Reaktion. Doch so weitreichend, spannend und nachvollziehbar wird es nur von Patricia Brooks beschrieben.

Die Reise

Ein echter Delage soll es sein! Den Spruch will Frank Delage hören. In seiner Heimat Australien hat er einen neuen Flügel entwickelt. Der Sound soll revolutionär sein. So wie die Akustik der Elbphilharmonie in Hamburg. Und in Wien hofft er auf zahlreiche zahlungskräftige Klientel. Hier, wo er auf den Stufen hinauf schreitet, die schon Mozart trugen. Hier, wo Mahler, Brahms, Strauss ihre unvergesslichen Melodien schrieben. Doch die Klientel bleibt aus. Man verschließt sich der Neuerung, hängt den Traditionen nach.

Amalia von Schalla tut ihr Bestes, um dem Unternehmer den roten Teppich auszurollen, doch das kunstinteressierte Wien, zeigt dem Aussie die kalte Schulter. Enttäuscht reist er wieder ab. Mit dem Containerschiff, seiner Erfindung und einem blaublütigen Mitglied derer von Schalla, Elisabeth, begibt er sich dreiunddreißig Tage auf See. Noch immer verstört, nicht fassen, was in Wien passierte bzw. nicht passierte, soll diese Reise Abschied und Aufbruch zugleich sein.

Es gibt nicht viel zu sehen auf See. Auch das Schiff, es ist schließlich ein Arbeitstier und kein Vergnügungspalast, bietet wenig Abwechslung. Aber dafür viel Zeit sich der jüngeren Vergangenheit zu widmen. Den bornierten Kunstfortschrittsbanausen in Wien, die sich im Stillstand suhlen und jedwedes Vorankommen ignorieren. Delage ist immer noch bitter enttäuscht, doch findet in Elisabeth eine willige Stichwortgeberin, die ihn in seiner Meinung bestätigt.

Dekadent und reaktionär finden die beiden das Wiener Publikum. Und hier draußen auf See wird die Seele mal so richtig durchgepustet. Wie die Besatzung werfen die beiden ihren Müll in die weite See. Der, der Crew schwimmt oben auf, verschmutzt die Meere. Delages und Elisabeths Müll ist mehr symbolischer Art.

Murray Bails „Die Reise“ gehört zu den ungewöhnlichsten Titeln des Literatur-Sommers 2017. Die Präzision, mit der jedes Wort den Nerv der Situation trifft, ist einzigartig. Sehnsucht nach Meer, nüchterne Abrechnung nach einer geschäftlichen Enttäuschung, zarte Bande zwischen zwei Menschen – das alles vereint der Autor auf knapp dreihundert Seiten, die man ohne Unterbrechung lesen muss.

Wiener Märkte – Kulinarische Spaziergänge

Nur ein kleiner Buchstabendreher und alles wird bunt. Wien – Wein. Wein – Wien. Wien verändert sich. Keine breiteren Boulevards, keine neuen Einkaufstempel, die seelenlos das Fußvolk anlocken – nein, überall sprießen neue und alte Märkte aus dem Boden, um dem Frischgebot der Zeit Tribut zu zollen. Georg Renöckl hat sich die Nase geputzt und ist selbiger gefolgt, um Wiens Attraktionen eine weitere bzw. gleich mehrere zu addieren.

Istanbul, Dubai, Goa ohne Märkte – undenkbar. Folklore, wohin man nur sieht. Das Gemeinschaftserlebnis Shopping, das gute Gefühl beim Erzeuger sich die besten Stücke aussuchen zu können, ein verstohlener Blick in die Körbe der „Mitstreiter“, ach, welch ein Erlebnis!

Von der Inneren und der Leopoldstadt über Mariahilf und Alsergrund bis zur Jesefstadt und Hernals, Ottakring, und Liesing schlendert Korbträger Renöckl mit dem Leser über gestandene und neue Märkte der Hauptstadt Österreichs. Und man mag es kaum glauben, aber jeder Markt hat ein unverkennbares Merkmal, den so genannten unique selling point, kurz USP. Also das besondere Etwas, was sonst niemand hat und weswegen man eben genau dorthin geht, und nicht woanders hin.

Wien-Besucher aufgepasst! Zur Stärkung vor und nach dem Spaziergang aufm Zentralfriedhof, nach dem Besuch des Kunsthistorischen, vor dem Staunen und Flanieren im Graben, wird sich erstmal gestärkt. Und zwar kräftig, und zwar vor Ort, und zwar direkt vom Hersteller. Auf geht’s!

Schon die ersten Worte des ersten Kapitels machen Appetit. Denn nur eine gewachsene Stadt kann am rechten Fleck den Bauch haben. Mittendrin. Im ersten Bezirk. Zentraler geht’s nicht. Auf der Freyung wird’s  bio. Seit drei Jahrhunderten kommt hier nur das an den Stand, was jedem gedeckten Tisch zur Zierde gereicht. Hier war schon immer ein Markt, und er wird es auch bleiben. Mit Tradition hat man’s halt an der Donau.

Einzigartig – und auch das verblüfft bei einer so großen Stadt – ist der Meiselmarkt, Wiens einzige Markthalle im 15. Aber er stand nicht immer da. 1990 wurde beschlossen an der originalen Stelle ein – na was schon – Einkaufszentrum zu bauen. Doch die Buden blieben, blieben erhalten und siedelten fünf Jahre später an ebenfalls historischen Ort um. Ein alter nicht mehr genutzter Wasserspeicher wurde zum neuen Anlaufpunkt für das Markttreiben.

Mit allen Sinnen genießen, allen Sinnen – wer das will, darf sich den Leibniz- und Viktor-Adler-Markt nicht entgehen lassen. Georg Renöckl nennt dieses Kapitel „Der Sound der Petersilie“. Kosten erlaubt, Staunen und Schmatzen erwünscht. Wenn man beim Lesen nicht schon Appetit bekommen würde, könnte man ja einfach weiterlesen. Doch die stimmungsvollen Spaziergänge machen erst einmal einen Gang zur Küche notwendig. Hunger stillen. Gegen das Reisefieber und den Entdeckerdrang hilft nur noch ein Wien-Trip. Am besten mit leerem Magen, damit so viel wie möglich aus diesem Buch besichtigt, gekostet, geschluckt und verdaut werden kann. Ein leicht verdauliches Buch, das niemals schwer im Magen liegen wird. Und dessen Wirkung lange anhält.

Am Tiefpunkt genial

Ach Mensch, Paul! Du wusstest es doch! Als Stefanie so vertraut mit Markus war. Das Klingeln im Ohr?! Du hast es doch gehört. Nun ist sie weg, die Stefanie. Jetzt gibt es dafür Markus und Stefanie. Mensch Paul! Kippen, Bücher und Musik sind doch nicht alles.

Man möchte Paul anschreien, ihn wachrütteln. Ein bisschen Selbstmitleid sei ihm zugestanden, ihm dem Buchhändler, der so sehr an Zigaretten und Musik hängt. Und bis vor Kurzem hing er auch noch an Stefanie. Sie, das Modepüppchen, die nächtelang die Clubs unsicher machte, sehr, zu auf ihr Äußeres achtete und dieses hegte und pflegte. Stundenlang. Und Paul, der Mode zwar buchstabieren kann, aber ansonsten damit nichts anfangen kann. Warum hat Bernhard diesen Markus auch angeschleppt?!

Hass empfindet Paul nicht. Mit Klarissa hingegen spricht er sich aus. Seine Ex. Sie kennt ihn und mag ihn und fühlt sich immer noch ein wenig für ihn verantwortlich. Aber vor allem macht sie ihm Mut. Die Trennung war gut für ihn. Den Eigenbrödler. Und dann wieder Bernhard. Lass uns treffen. Alle zusammen. Auch Markus? Ja. Der Soundtrack des Lebens hält für den Musikliebhaber Paul aber auch immer wieder eine B-Seite parat. Kein stimmungsvoll-melancholischer B.B. King, keine immer passenden Stones, kein beruhigender Miles Davis.

Und wie im richtigen Muskleben enthält die B-Seite eine echte Rarität. Markus und Paul können sich in die Augen schauen, miteinander reden und sich sogar die Hand geben. The kids are alright oder doch Sympathy fort he devil?

Wer nun meint, dass mit Paul wieder alles in Ordnung ist, irrt. Mit Paul war schon immer alles in Ordnung. Aus falschem Pflichtgefühl heraus bildet er sich ein, dass Schicksalsschläge unbedingt mit tiefer Trauer, Selbstzweifel und vielleicht sogar Hass einhergehen müssen. Doch Paul hat seine Bücher, seine Kippen und seine Musiksammlung. Und wenn ihm danach ist, haut er sich einfach aufs Sofa. Nichts tun, den Herrgott einen liebe Mann sein lassen. Er verliert seinen Job und erkennt, dass Markus auch bloß ein Aufschneider ist, der gern andere in seine Machenschaften zieht. Im ersten Moment keine sonderlich schönen Ereignisse. Dennoch: Paul kann zufrieden sein. Denn schlussendlich ist da noch etwas. Das Leben!

Karoline Cvancara zeichnet mit Paul einen Lebemann, den man nicht auf Anhieb dieses Attribut verleihen würde. Er ist wie eine Katze, landet immer wieder auf den Füßen. Die Abgründe, die sich vor ihm auftun, kennt jeder. Man kann sich verkriechen, die Decke über den Kopf ziehen, aber das zögert die Lösung des Problems nur hinaus. Man kann sich bewusst Hilfe suchen, aber dann muss man alles noch einmal aufrollen, ob’s hilft, weiß man vorher nicht. Oder man lässt alles erst einmal sacken und blickt nach vorn. So wie Paul.

Der dritte Mann

Ein Mann wird am helllichten Tag auf der Straße von einem Fahrzeug angefahren. Sofort ist ein Arzt da. Das Opfer wird sofort im herbeieilenden Krankenwagen ins Spital gebracht. Ein Freund und noch ein dritter Mann begleiten ihn. Doch es ist zu spät – der Mann ist tot! Vor einigen Jahrzehnten lautete nun die Aufgabenstellung „Machen sie was draus! Schreiben Sie einen Klassiker!“ Gesagt, getan. Graham Greene gelang es mit scheinbarer Leichtigkeit. Es selbst sagte jedoch, dass mit dem Drehbuch zum Film (übrigens seit Jahren, seit Jahrzehnten immer wieder als bester britischer Film betitelt – auch wenn er beispielsweise an Drehorten in Wien immer noch als Hollywoodfilm bezeichnet wird) die Geschichte so richtig zum Tragen kommt. Die wegweisende Kameraführung und die damit geschaffenen expressionistischen Bilder, das diabolische Genie von Orson Welles, die beängstigende nächtliche Kulisse des vom Krieg gezeichneten Wiens sind nur drei Zutaten für diesen Klassiker.

Kann man diesen nun noch eine weitere Komponente hinzufügen, um ihn für die Nachwelt zu erhalten und den Ruf als „Must-Have“ der Literatur und Filmkunst zu bestärken? Ja!

Annika Siems studierte Mode und Illustration in Hamburg und Paris, recherchierte im Internet, um die Stimmung der Geschichte einzufangen. Ihr gelang es an die Grenzen des world wide web zu stoßen und ging nach Wien. Das Nachkriegs-Wien in Bildern nachzuempfinden war nicht einfach, fast schon unmöglich. Hier fand sie die nötige Inspiration dem „Dritten Mann“ das passende Gewand zu schneidern. Sie entschied sich bewusst dafür ihm keinen neuen Anzug zu entwerfen, sondern ihm mit den vorhandenen Materialien einen frischen, nichts verfälschenden Look zu verpassen.

Für sie war es eine echte Herausforderung. In der Welt der Farben ist sie zu Hause. Ein wohl dosiertes Farbspektrum zeichneten bisher ihre Arbeiten aus. Und nun das expressionistische Schwarz-Weiß in Szene setzen? Nicht leicht. Sie sammelte alles, was sie in die Finger bekommen konnte: Stadtansichten, Modefotografien, Szenenfotos – und wenn man Annika Siems über ihre Mappe mit den Inspirationsmaterialien reden hört, geht jedem Filmfan das Herz auf: Das flammt immer wieder die Leidenschaft auf, die man auf jeder von ihr gestalteten Seite von Oben bis Unten, von links nach rechts sehen und erleben kann.

Kunst, die mit Handwerk Hand in Hand geht, wirkt! Der Film als Inspirationsquelle für die künstlerische Ader und das Dritte-Mann-Museum Wien als ewig sprudelnder Quell für die handwerkliche Umsetzung. Hier und bei Spaziergängen durch die Stadt keimten die Ideen für die Neuauflage bei der Edition Büchergilde. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald noch mehr Filmvorlagen, die so nah am Original sind und doch neue Ansichten eines Klassikers anbieten… Verbessern kann man sie nicht, aber auf eine neue Ebene heben schon.

Wien steckt voller Überraschungen und zeigt sich Besuchern gern von seiner schönsten Seite. Filmfans aus aller Welt wandeln hier auf den Pfaden von so manchem Leinwandstar. Unter all diesen Spaziergängen ragt einer besonders hervor: Ein Rundgang durch Wien auf den Spuren des Dritten Mannes. Film und nun auch dieses exzellent gestaltete Buch machen Appetit auf mehr. Mehr dritter Mann und mehr Gänsehauterfahrungen. Und noch ein Mehr: Mehr gibt es unter events.wien.info/de/6k/dritte-mann-tour/ und www.viennawalks.com. Kleiner Tipp: Die späten Touren geben sowohl die Stimmung des Films als auch der Stadt am besten wieder. Wer Glück hat, trifft in seiner Gruppe auf einen Hutträger: Schummriges Licht, lange Schatten – fast wie im Film!

Gebrauchsanweisung für Wien

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Wien, Wien, immer wieder Wien! So geht es Monika Czernin. Einmal pro Saison muss sie da hin. Und immer wieder findet sie Neues in der Donaumetropole. Und endlich hat sie es aufgeschrieben. Und endlich kann jeder es lesen! Muss es lesen! Denn wer Wien besucht und dieses Buch nicht mindestens einmal gelesen hat, findet sich nicht auf der sagenumwobenen Ringstraße wieder, sondern auf der Verliererstraße.

Monika Czernin redet keinen Besucher – sei er zum ersten oder zum wievielten Mal hier zu Gast – aus, die üblichen Verdächtigen zu besuchen. Wien ohne Stephansdom wäre wie Paris ohne Eiffelturm. Das muss man auch hoch. So richtig Appetit auf Wien bekommt man schon auf den ersten Seiten. Klar mit Sachertorte lockt man jeden Neugierigen hinterm Ofen vor. Wer behauptet Wien sei hässlich, unnahbar oder überhaupt nicht besuchswert (echt, solche Leute soll’s geben…), bleibt halt auf Balkonien und regt sich über den Straßenlärm auf. Für den Rest gibt‘s dieses Buch!

Heimlich, still und leise hat sich Wien zu dem gemausert, was man eine Metropole nennt. Die Lebensqualität ähnelt der von San Francisco oder Boston. Berlin als hipper place to be? Existent, aber Wien ist hipperer, eleganter, moderner. Hinweg geblasen der Staub der Monarchie, doch den Charme eben dieser erhalten. Traditionen wie die des Kaffeehauses werden geradezu zelebriert. Doch Vorsicht! „Hallo, ich hätte gern ein Brötchen, Herr Kellner“, führt schnell zu Augenbrauenzusammenziehen. „Herr Ober, eine Semmel bittschön und einen Braunen“, damit kommt man weiter. Und nach unzähligen Besuchen darf man den Herrn Ober sogar beim Vornamen nennen. Kosmopolitik ganz einfach. Darauf versteht sich Monika Czernin.

Nach der geballten Wucht der offensichtlichen Höhepunkte der Stadt, führt die Autorin den Leser ins Wien der Künstler und das der Spione, in die Ecken des roten Wiens, der Stadt Sigmund Freuds und vorbei an den Schaufenstern der besonderen Läden. Dort, wo man das findet, was man eigentlich überall sucht, das man aber nur findet, wenn man sich richtig vorbereiten kann, indem man eben Bücher wie die „Gebrauchsanweisung für Wien“ liest. Unverzichtbar ist dieses Buch! Man kann es sogar ohne Stadtplan beim Herumschlendern aufgeschlagen, mit dem Finger als Lesezeichen herumtragen, immer mal ein paar Zeilen lesen. Und schon ist man wienerischer als so mancher Wiener. Ortsangaben wie „Sechster“ oder „Josefstadt“ gehen einem genauso flott über die Lippen wie Fiaker oder Zentralfriedhof. Würde es einen Einbürgerungstest für Wien geben, wäre dieses Buch die ultimative Vorbereitungslektüre.

Nehmen Sie den unterschwelligen Ratschlag Monika Czernins an, und suchen Sie sich Ihr Lieblingskaffeehaus. Ob nun eines, in dem die Großen der Welt ein- und ausgingen, oder ein uriges mit dem besonderen maroden Charme oder ein Modernes – es lohnt sich sich in Wien heimisch zu fühlen.

101 Wien – Geheimtipps und Top-Ziele

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Je kompakter die Stadt, desto einfacher ist es sich zurecht zu finden. Mag stimmen, auch im Falle von Wien. Wer zum Beispiel den Stephansdom sucht, folgt einfach den Touristenströmen. Ganz einfach! Doch hat man dann Wien gesehen? Nein! Nur den Stephansdom und vielleicht noch das, was links und rechts des Weges stand. Aber Wien gesehen zu haben, kann man dann immer noch nicht behaupten. Nicht einmal ein Prozent hat man dann gesehen.

Schon das Titelbild der Highlight-Sammlung aus einhundertundein Top-Zielen verrät, dass es noch mehr geben muss. Und sei es „nur ein Stück Torte“ … aber was für eine?! Sachertorte dort essen, wo sei erfunden und immer noch im Original kredenzt wird. Dort, wo einem stilvoll – leider völlig losgelöst von der Garderobe (bei so manchem Gast fragt man sich echt, wo der Geschmack geblieben ist) der Platz zugewiesen wird. Dort, wo Kaffeehaus-Kultur wirklich noch als kulturelles Erbe zelebriert wird. Die Rede ist vom Sacher. Auch wenn es teilweise den Geldbeutel sprengt, sollte man es sich nicht nehmen lassen hier die eine oder andere Viertelstunde innezuhalten und zu genießen.

Die Autorin Sabine Becht ist vielen Reisenden, die gern auf eigene Faust Städte und Regionen erkunden als Ostsee- und Italienspezialistin bekannt. Nun also die Hauptstadt Österreichs. Zusammen mit Sven Talaron hat sie die Mammutaufgabe einhundertundeins besondere Orte in Wien herauszusuchen angenommen … und was soll man sagen? Es ist ihr mehr als geglückt! Die Gratwanderung zwischen dem, was jeder unbedingt gesehen haben muss (Stephansdom, Schönbrunn und Naschmarkt) und den sich weniger aufdrängenden Schätzen der Stadt (der Neunte, Freihausviertel und Palais Mollard) wird den Leser nur eine Wahl lassen: Der nächste Urlaub findet an der Donau statt.

Mit Wohlwollen nimmt man zur Kenntnis, dass der Titel irreführend ist. Denn in diesem Buch sind weitaus mehr als „nur“ einhundertundeins sehenswerte Attraktion versammelt. Einhundertundeins Kapitel mögen es sein, aber jedes birgt mehr als nur ein Geheimnis, das es wert ist erkundet zu werden. Was haben ein Guglhupf, ein Turm und ein Krankenhaus gemeinsam? Oder was hat ein Krankenhaus mit einem gelungenen Urlaub zu tun? Der Narrenturm ist Tipp 76 im Buch. Wegen seiner Form wird er auch Guglhupf genannt und wurde 1784 von Joseph II. als Allgemeines Krankenhaus errichtet. Stilecht – in Wien ist übrigens nichts ohne Stil zu erkunden – führen weiß bekittelte Studenten stündlich durch die oberste Etage des einzigartigen Baus. In einem Buch, das nur von der bloßen Aufzählung lebt, um dem eigenen Titel gerecht zu werden, erfährt man so etwas nicht. Und man kann nie behaupten Wien gesehen zu haben. Zum Buch gehört ein Faltplan, inkl. U-Bahn-Netzplan, der die Orientierung in der Stadt an der Donau erleichtert. Die Tipps in diesem Buch sind nach Themengebieten wie Aktivitäten, Kunst und Kultur oder Bummeln geordnet. Je nach Lust und Laune fängt man also entweder in der Mitte des Buches an zu erkunden oder am Ende oder ganz klassisch am Anfang. Wien belohnt jeden, der es wagt sich der Stadt eigensinnig und neugierig zu nähern. „101 Wien – Geheimtipps und Top-Ziele“ ist dabei Wegbereiter und unerlässlicher Reiseguide in einem.

Styleguide Wien

Styleguide Wien

Styleguide – das Wort hat irgendwie was Modernes an sich. Ein Reiseband für den modernen Reisenden, der immer nur das Neueste, das Abgefahrenste, das Außergewöhnliche sucht. Also kein Reiseband für die ganze Familie?

Ganz im Gegenteil! Denn die beiden Autorinnen sind Familie, sind Mutter und Tochter. Und sie wohnen in Wien, lieben Wien und – was ganz wichtig ist – sie kennen Wien. Und von wegen immer nur das Moderne … sie kennen beide Seiten Wiens. Die altehrwürdigen Bauten mit ihren Geschichtchen und das sich immer wieder verändernde Wien.

Wien zu erfassen ist nicht einfach. Die Stadt bietet sich an sie schlendernd zu erkunden. Staunenden Blickes mit hoch erhobenen Haupt schreitet man durch das Vermächtnis von k.u.k. und erblickt so manches Kleinod und großartige Errungenschaften. Aber hat man dann Wien wirklich gesehen? A bissl! Mehr net!

Angie und Brigitte Rattay helfen dem Neugierigen gehörig auf die Sprünge. Schon beim ersten Durchblättern hat man das Programm für zwei volle Tage zusammen. Die beiden Autorinnen gliedern ihr modern gestaltetes Buch (mit Gummiband als Lesezeichen) nach den Stadtteilen Wiens. Sie beginnen natürlich im Ersten, soll heißen im ersten Bezirk, dort wo Stephansdom, Café Korb und Albertina von außen und innen den Gast „verwienern“. Selbst wer Wien schon kennt, beißt sich vor Wut in den Allerwertesten, und fragt sich „Wieso kenne ich das nicht?“. Tja, ganz einfach, den falschen Reiseführer befragt. Aber keine Angst, beim nächsten Mal wird alles besser! Denn dieser Reiseband gehört einfach zu Wien wie Walzer, Eitrige und Schmäh.

Bildreich mit kurzen, prägnanten Texten ist dieses Buch ein ständiger Begleiter, der regelmäßig Tipps gibt. Und da man sich vorrangig in einem Bezirk bewegt, muss man nicht andauernd die kompletten über zweihundertfünfzig Seiten durchblättern, sondern bleibt in der „Umgebung“.

Neben den offensichtlichen Highlights, die natürlich nicht in einem Buch über Wien fehlen dürfen – Naschmarkt und Donauinsel – sind auch kleinere, vielleicht nicht so bekannte Anlaufpunkte vermerkt. Heißhungerbefriediger im 12 Munchies, Cineastische Hochgenüsse im Votivkino oder was auf die Ohren in Teuchtlers Plattenladen im Sechsten. Drei Orte, die nur in wenigen Reisebänden stehen, und doch das komplette, wahre Wien zeigen.

Wer Wien besucht, nur um behaupten zu können auch hier einmal gewesen zu sein, braucht dieses Buch nicht, der braucht überhaupt kein Reisebuch. Wer Wien jedoch als Höhepunkt seiner Reisen erleben will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wohlfühlen in einer der schönsten Städte der Welt mit einem der befriedigendsten Bücher über die Stadt wird man voller Eindrücke wieder an den heimischen Herd zurückkehren und sich schwören, dass man beim nächsten Mal wieder mit diesem Buch Wien aufs Neue erkunden wird.

Wien abseits der Pfade, Band II

Wien abseits der Pfade 2

Man hätte es sich ja schon fast denken können. Ein etwas anderer Reiseband durch Wien, der die Wege neben den ausgetretenen Pfaden beschreibt reicht nicht aus. Schnell war die Idee von einem Nachfolgeband geboren und nun ist die Geburt vonstattengegangen, das Neugeborene erfreut sich bester Gesundheit. Jetzt kommen die alle Neugierigen, um das neue Produkt zu begutachten. Doch sie bringen keine Geschenke, sie wollen etwas von dem Neuen. Dann sollen sie es auch bekommen, meint der stolze Vater Georg Renöckl. Aber seien Sie gewarnt: Die Postkarenidylle der Donau-Metropole wird ganz schön ins Wanken geraten!

Stephansdom, das Kunsthistorische, Stadtgarten – alles wunderbare Plätze, an denen es sich aushalten lässt. Keine Frage. Aber das kennt man schon, ist so bekannt, dass man es kaum noch wahrnimmt. Links und rechts schauen, immer mal wieder abbiegen, schnüffeln, stöbern, erkunden – das steht von nun an auf dem Eroberungsplan für Wien.

Auf den ersten Blick klingt es nicht besonders schmeichelhaft, wenn eine Tour durch Wien angeboten wird, die die hässlichsten Orte der Stadt zeigt. Doch Mr. Ugly macht das mit so viel Charme, dass es selbst dem weltberühmten Wiener Schmäh die Schamesröte in die Wangen schießen lässt. Eugene ist Engländer mit irischen Wurzeln und hat nun selbige in Wien geschlagen. Er will nicht den Ruf der Stadt zerstören, sondern eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart und ihren Auswirkungen auf die Zukunft in Gang bringen. Seine Touren sind also keine reinen Touristenangebote. Aber für Besucher sicherlich erkenntnisreicher als so manch andere begleitende Führung.

Eine Großstadt wie Wien bringt man nur schwerlich mit Landwirtschaft in Verbindung. Und mit Schnecken schon gar nicht! Doch sind sie es, die vor den Toren der Stadt zu tausenden wachsen, gedeihen, ja sogar gezüchtet werden. Und zwar vom einzigen Schneckenzüchter Wiens. Zum Abschied gibt es für den neugierigen Leser noch ein Rezept für Schneckenbeuschel, bzw. Altwiener Schneckenragout. Altwien – also keine Erfindung der Moderne wie beruhigend.

Beruhigend kann man nun auch wieder nach Wien reisen. Denn es gibt ein neues Buch, das die (bisher) unbekannten Seiten zeigt. Vorbei die Zeiten, in denen man – wie immer – das ewig Gleiche betrachtet, nur weil man einmal da ist. Die Spannung war irgendwie weg. Jetzt kommt neuer Schwung in die Wien-Besuche. Und dieses Mal lohnt es sich wirklich den reiseband vorher komplett durchzulesen und einzelne Ausflüge zu planen. Am Ende gibt es ausgewählte Tipps für Orte zum Verweilen und Vertiefen.

Bei so viel neuen Orten, die man noch nicht kennt, und die man unbedingt sehen will und muss, stellt sich nur noch eine Frage: Wann kommt Band 3?