Archiv der Kategorie: Limmateien

Reise in die Schweiz – Kulturkompass fürs Handgepäck

Reise in die Schweiz - Kulturkompass fürs Handgepäck

Die Schweiz ist ein kleines Land, klein an Fläche. Die Schweiz ist ein reiches Land, reich an sehenswerten Orten. Schwer sich da zu recht zu finden. Klar, dass ein Reiseband da nottut. Aber was ist mit den Dingen, die die Schweiz ausmachen? Kultur, Verhaltensregeln, Sehnsüchten? Wer die Schweiz besucht, denkt gar nicht so weit, dass es wegen der Nähe – vor allem sprachlich – doch gewaltige Unterschiede zu unseren Gefilden gibt. Wenn es doch nur ein Buch geben würde, das dem Besucher erlaubt die Schweiz einmal fernab von „Da müssen Sie hin, das muss man gesehen haben“ näherbringt. Gibt es doch! Und jeder kann ihn haben! Den Kulturkompass fürs Handgepäck für eine Reise in die Schweiz.

Und gleich zu Beginn eine Überraschung. Susann Sitzler behauptet (und kann es auch belegen), dass die Schweizer raus wollen aus ihrer Schweiz. Aber auch Heimweh haben, teils sogar daran kränkeln. Ein Widerspruch?! Zum Einen verengen die Berge die Sicht, zum Anderen geben sie auch Sicherheit und Geborgenheit. Die Schweizer sind mobil. Viele machen sich bevorzugt am Wochenende auf, um mit dem Töff das Land zu erkunden. Das Töff ist übrigens das Motorrad, kein abschätziges Wort, sondern ernstgemeinter Begriff.

Und so rollt man dann gemütlich durch die Schweiz. Über Berge und Täler, durch Dörfer. Und gelangt vielleicht sogar in einen Musikwettstreit. So wie Friedrich Glauser im Buch. Oder wird Zeuge von typisch schweizerischen Sportarten wie Schwingen und Hornussen, bei dem es um Herunterholen, Abtun oder Ablöschen geht.

Eine weitere Schweizer Tradition ist das Käsemachen. Doch Käse ist nicht gleich Käse. Kenner bemerken den Unterschied zwischen Alp- und Talkäse, und Jeremias Gotthelf gibt einen kleinen Einblick in die Naturgeschichte der Käsereien.

Die Schweiz ist mehr als eine bergige Binnenenklave mit Kreuz, Schoggi und Kuhglocken. Obwohl man sich hier gern dieser Klischees bedient, um dem Gast alles so angenehm wie möglich zu gestalten. Namhafte Autoren wie zum Beispiel Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt vermitteln dem Schweizunkundigen und Schweizneugierigen einen umfassenden Überblick über das, was die Schweiz ausmacht. Als Tourist fühlt man sich mit diesem Buch weniger als Selbiger. Pflichtlektüre vor der Reise, Stichwortgeber währenddessen und Memoirenbewahrer zu jeder Zeit.

Zürich

Zürich

Es ist kein Wunder, das viel Zürich für die Hauptstadt der Schweiz erachten. Irgendwie laufen hier alle Fäden zusammen. Mark van Huisseling ist gebürtiger Berner, ein Attribut, mit dem er als Lehrling mal vorgestellt wurde und das ihm überhaupt nicht passte. Nun lebt er in Zürich. Er liebt Zürich seit dem Tag als er zum ersten Mal mit seinen Eltern durch die Stadt an der Limmat fuhr. Hier wollte er leben, was erleben.

Und er liebt die Stadt. Nicht übermäßig, nicht blind, doch in jeder Zeile schwingt mal leise, mal lauter die Schwärmerei mit. Er weiß aber auch, und das schreibt er deutlich, dass das Paradies hier bestimmt nicht zuhause ist. Irgendwo zwischen Sehnsucht und Hassliebe bewegen sich seine (Stadt-)Ansichten. Wer Zürich noch nicht kennt, kommt schnell in die Versuchung als altklug zu gelten. Denn Mark van Huisseling gibt die Stadt so exakt wieder wie er nur kann. Und das mit einfach sprachlichen Mitteln ohne dabei abzuflachen. Ein Lesespaß, der erst mit dem Besuch in Zürich endet.

Das Buch zeigt dem Leser – egal, ob er schon Zürcher zu den Bewohnern der Stadt sagt oder sie noch als ZürIcher bezeichnet – wie die Stadt tickt, wie die Menschen die Stadt erobern, formen und nutzen. Kein Cocktail-Must-Have im Sowieso, kein Unbedingt hier das Zürcher Geschnetzelte einnehmen und da den Blick auf die Stadt genießen. Das muss man sich schon selber erarbeiten.

„Zürich“ ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nimmt. Vor dem Urlaub, um sich ein wenig zu informieren und die Don’ts am Ende des Buches zu umgehen. Währenddessen schmökert man immer wieder darin, um die Do’s (gleich nach den Don’ts am Ende des Buches) nicht zu verpassen. Und schlussendlich erinnert man sich jedes Mal, wenn man es durchblättert, an einen Besuch erinnert, der einzigartig war. Hier in der Stadt, in der die einzige Kunstrichtung der Welt mit einem exakten „Gründungsdatum“ – dada – „erfunden wurde“.

Die kurzweiligen Texte laden zum Niederlassen ein. Eine Bank, die irgendwo auf der Welt, ist immer da. Setzen. Buch aufschlagen. Und Träumen, Sehnsucht pflegen und Pläne schmieden. Wenn ein Buch das Prädikat „Reisefieber-Virus“ verdient, dann dieses. Und der edle Einband zeigt dem Vorbeigehenden gleich, dass hier niemand sitzt, der in Zürich nur den Weg zum nächsten H&M oder McDonald’s sucht, sondern ein echter Genießer, der einem eigenen Weg folgt, um sich Erholung, Genuss und Entspannung zu suchen.

Kleine Stadtgeschichte Zürichs

Kleine Stadtgeschichte Zürichs

Zürich, die elegante Stadt an der Limmat, am idyllischen See. Wer dort weilt, holt sich was weg. Und zwar eine geballte Ladung Eindrücke und Geschichte. Bei so viel Finanzgebaren vergisst man schnell, dass schon vor Jahrtauenden hier die ersten Siedler ihre Zelte aufstellten, die Kelten und die Römer Kastelle errichteten und die Stadt zu einem wichtigen Handelsort machten.

Thomas Lau gibt in seiner „Kleinen Geschichte Zürichs“ mehr als einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Stadt. Wer Zürich außerhalb von Reiseführern erkunden will, findet in diesem Buch den idealen Reiseguide, der kenntnis- und detailreich zu berichten weiß.

Immer wieder lockern kleine Anekdoten das Geschichtsbuch auf, um den Leser nicht mit Zahlen und Ereignissen zu überfrachten. Das Buch liest man nicht in einem Ritt durch. Auch zweihundert Seiten können eine Unmenge an Fakten aufweisen. Stück für Stück, Jahrhundert für Jahrhundert, nähert man sich dem Zürich wie man es heute kennt. Auf den Spuren von Dichtern und Gelehrten wandelt der Leser durch die heimliche Hauptstadt der Schweiz. Vorbei an historischen Gebäuden, die noch immer ihre Wirkung nach außen tragen. Hier wurde Dada „erfunden“, Revolutionen ersonnen, Nobelpreisträger geformt.

Dieses Buch ist eine echte Bereicherung für jedes Reisegepäck. Thomas Lau lässt die Persönlichkeiten, die diese Stadt prägten zu Wort kommen und gibt ihnen den Freiraum Andere (Leser) in ihren Bann zu ziehen. Einst galt sie als Hauptstadt des Exils: Lenin, die Manns, James Joyce (der hier auch begraben ist, auf dem Friedhof Fluntern) lebten und wirkten hier.

Wer Zürich schon kennt, wird es nie leid es zu besuchen. Doch so, wie in diesem Buch beschrieben, hat man Zürich noch nicht gesehen. Der Begriff Historie wird mit diesem Buch im Speziellen und der Reihe im Allgemeinen auf eine höhere Stufe gehoben. Man muss ja nicht gleich den gesamten Urlaub auf den Spuren der Vergangenheit verbringen. Aber ein Tag, ein paar Stunden, dafür allemal Zeit und die Stadt gibt es auch her. Stadtrundgänge wird man vergebens suchen. So viel Individualismus muss sein, das erhöht den Forscherdrang. Auch wenn das Ergebnis dank des Buches schon feststeht, wird man jeden Schritt, den man diesem Buch folgt genießen und keinen einzigen bereuen.

Gebrauchsanweisung für Zürich

Gebrauchsanweisung für Zürich

Den Ruf als teuerste Stadt der Welt hat Zürich verloren. Den Ruf als eine der schönsten, lebenswertesten nicht. Wie auch, wenn es solche Bücher über die Stadt gibt?! Milena Moser ist hier geboren und aufgewachsen. Mittlerweile liegt ihr Lebensmittelpunkt woanders, doch immer wieder zieht es sie für mehrere Wochen in ihr Zürich zurück. Es ist dann jedes Mal wie der Besuch bei Tante Turica. Allgemein ist Zürich wie Tante Turica, so der alte Name der Stadt.

Und nun darf sich der Leser zurücklehnen und den Besuchen bei der Tante lauschen. Hinhören, ausgiebig schwelgen, vom Reisefieber gepackt werden ausdrücklich erwünscht. Jeder einzelnen Zeile merkt man die Liebe der Autorin zu ihrer Heimatstadt an. Dabei sieht sie aber nicht nur die Dinge, die „man gesehen haben muss“, immer noch kritisch, mit den Augen einer Außenstehenden mit Insiderwissen verführt sie den Leser Zürich zu entdecken.

Klar, Zürich ist teuer. Doch muss man ja nicht immer gleich einen Schtutz oder mehrere rausblasen, um eine Stadt zu genießen. Schtutz sagen die Einheimischen zu ihrer Währung. Wer Fränkli sagt, gibt sofort seine Herkunft preis. Milena Mosers Reise beginnt am Bahnhof. Wie in vielen Großstädten der Sammelpunkt für alle, die irgendwie irgendwelchen Träumen nachhängen. Ein Sammelbecken der Nonkonformierten. Über die Bahnhofstraße, dem Konsum-Mekka, gelangt sie zum See, dem Herzen der Stadt. Und damit ist die Stadt schon erstklassig beschrieben. Hier liegt das komplette Spektrum der Träume auf engstem Raum.

Als Leser hat man nun zwei Möglichkeiten: Weiterlesen und sich nach der Stadt verzehren oder Koffer packen, Buch einstecken und ab an die Limmat. Selbst die oft lieblos beschriebene Geschichte einer Stadt, gerät bei Milena Moser zu einer launischen Anekdote. Mit allem, was dazu gehört: Abgeschlagene Köpfe, wehrhafte Ritter und der Wankelmut der Züricher. Ja, die Autorin blickt nicht durch die rosarote Brille auf ihre Geburtsstadt. Als Gast fallen einem nur die Ergebnisse auf. Der steinige Weg mit all seinen Schikanen, Haken und Ösen bleibt den Stadtbewohnern vorbehalten. Das ändert dieses Buch. Erst mal dagegen sein, scheint das Credo der Züricher sein. Dass es dann doch mit dem einen oder anderen Projekt klappt, freut schlussendlich auch die anfänglichen Skeptiker.

Zürich gibt sich nicht gern preis. Jeder Besucher muss für sich selbst entscheiden wie er die Stadt sich aufnehmen lässt. Klischees sind dazu da auf sich aufmerksam zu machen. Bücher wie die „Gebrauchsanweisung für Zürich“ sind dazu da die Seele einer Stadt zu absorbieren und einen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Es gibt keinen besseren Stadtführer als Milena Moser. Sie verrät nicht nur zwischen den Zeilen, was Zürich so lebenswert macht und wie man es „gebraucht“.

Mörderzeichen

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Sara Helbling war ein Engel. Sie war es. Denn nun ist sie tot. Erschossen. Eine Hand wurde ihr abgetrennt. Hat wohl der Mörder an sich genommen. Souvenir? Oder steckt mehr dahinter.

Max Noll, den alle nur Sokrates nennen, viele außergewöhnliche Fälle als Gerichtsmediziner zu untersuchen. Auf seinen Assistenten Nik hält er große Stücke. Sokrates ist ein Mann strenger Prinzipien. Jeden Morgen lässt er sich von Eva in ihrem Salon die Haare waschen und den Kopf massieren. Für ihn seine Geschichten schließt sie extra eine Stunde früher auf. Bei ihr kann er sich komplett fallen lassen, vertraut ihr sogar Dienstgeheimnisse. Denn Eva kann er vertrauen, sie hält dicht. Danach steigt er in die Tram und steigt generell eine Station später aus, um durch den Park zu laufen. Das bringt seinen Körper in Schwung.

Der Fall Sara Helbling wird ihn noch ein ganzes Weilchen beschäftigen. Sie saß an ihrem Sekretär und schrieb etwas. Sie muss ihren Mörder gekannt haben. Und so liebevoll wie er sein Opfer drapiert hatte, hatte auch er eine ganz besondere Beziehung zu ihr. Ein fast schon kryptischer Vers, den anscheinend der Mörder hinterlassen hat, gibt Kommissar Theo Glauser einige Rätsel auf.

Ein Rätsel kann sehr schnell gelöst werden: Wie das Schweizer Fernsehen an die Information kam, dass dem Opfer die rechte Hand abgeschnitten wurde. Ein mediengeiler Bestatter hat Maria Noll(!) den Tipp gegeben. Sie weiß aber auch, dass sie von ihrem Vater keinerlei inoffizielle Hilfe erwarten kann…

Dann geschieht ein weiterer Mord. Ein Architekt. Auch er wurde erschossen. Auch ihm wurde fachmännisch die rechte Hand entfernt. Auch bei ihm wurde eine kryptische Nachricht hinterlassen. Jedoch in einer anderen Handschrift. Haben die Opfer diese Nachricht selbst schreiben müssen?

Auch Maria recherchiert über die Morde. Auf der Suche nach dem Sinn der Texte stößt sie auf eine Studentenverbindung, in der das zweite Opfer Mitglied war. Das ist eine Ewigkeit her. Die beiden Opfer haben etwas gemeinsam, was aber bis hier nur der Leser weiß. Der Ex-Freund von Sara arbeitet im Unispital, dort war auch das zweite Opfer einmal „zu Gast“. Zugegeben ein schwaches Indiz, doch das erste Bindeglied. Leider wissen Behörden und Medien kaum etwas von den Ermittlungsergebnissen des anderen.

Wolfgang Wettstein hat zu diesem Zeitpunkt – wir befinden uns erst in der Mitte des Buches – eigentlich schon alles zusammen, um einen spannenden Krimi zur Vollendung zu bringen. Doch er will mehr. Mehr Verwirrung, mehr falsche Spuren, mehr geschickt versteckte Hinweise an den Leser. Und mehr Morde!

Es fällt schwer dieses Buch beiseite zu legen. Auch weil immer mehr Charaktere die Szene betreten und den Leser immer tiefer in den Strudel der Geschichte hineinziehen. Zürich als Heimat eines gerissenen Mörders, einer herzerfrischend neugierigen Journalistin und eines analytischen Ermittlers mit sympathischen Spleens wirkt durch die detailreichen Beschreibungen so nah und vertraut, dass man sich hier sofort zuhause fühlt. „Mörderzeichen“ ist eine mehr als lesenswerte Einladung in die Stadt an der Limmat.

Geballte Wut

Geballte Wut

Der Titel lässt es vermuten, dass es sich nicht um Kaninchenzucht handelt. Ein Jugendlicher mit gezücktem Messer: Der Plot scheint klar. Autorin Petra Ivanov lässt ihren Helden Sebastian einen Hindernislauf der Brutalitäten durchlaufen. Sebastian ist kein besonders guter Schüler gewesen. Deswegen sitzt er nicht auf der Anklagebank. Viele Freunde hat er auch nicht. Auch diese Tatsache allein hat ihn nicht hierher gebracht. Blitz und Mike sind seine Freunde. Blitz, der Nachbarsjunge, bei es immer so sauber, wie geleckt aussieht, ist wohl sein einziger Freund. Ein bisschen Neid von Sebastians Seite hat dazu beigetragen, dass sie so was wie unzertrennlich sind.

Die Freundschaft bekommt Risse als Blitz Thomas König zu sich einlädt. Thomas ist so was wie der erklärte Todfeind von Sebastian. Er demütigt den unsicheren Teenager bis … ja, bis Sebastian sich zur Wehr setzt. Bam, Bam. Fäuste sagen mehr als Worte. Seitdem herrscht Waffenstillstand. Bis Sebastian Thomas bei Blitz wiedersieht. Er solle verschwinden. Blitz‘ Reaktion fällt anders aus als erhofft. Der steht zu Thomas. Sebastian antwortet in gewohnter Manier: Bam. Bam. Thomas sitzt da. Blitz‘ Sportpokale purzeln auf ihn hernieder. Einer so unglücklich, dass Thomas‘ Schädel blutrot überströmt wird. Einer der Gründe, warum Sebastian jetzt da ist, wo er ist. Vor Gericht.

Kevin, Goran, Noah – Seb hat nun Freunde. Alle helfen ihm, wenn es mal nicht so läuft wie es soll. Alkohol ergaunern? Kein Problem! Ein Springmesser? Erst recht nicht. Nur für die Lehrstelle ist sein Vater zuständig. Als Koch im Hotel. Wieder wird Sebastian fremdbestimmt. Küchenalltag. Dem kann er endlich entfliehen als er Isabella kennenlernt. Zuerst ist er einzig allein von ihren körperlichen Vorzügen angetan. Als sie ihn wahrnimmt, ist es endgültig um ihn geschehen.

Bisher war die einzige Konstante in Sebastians Leben der Weg nach unten – jetzt, mit Isabella, scheint es aufwärts zu gehen. Es scheint nur so. Denn auch Isabella ist kein Kind von Traurigkeit. Ein gerissenes Biest, dass Seb heißmacht, zusammen mit ihren Kumpels ausnimmt und an Drogen heranführt. Wieder eine scheinbar heile Welt, die für Seb zusammenbricht.

Der Leser weiß zuerst nicht recht warum Sebastian vor dem Kadi steht. Die Gesetzestexte und die Hinweise aus Therapieanweisungen zu Beginn der Kapitel lassen dem Leser Böses erahnen. Sebastian spricht zum Leser. Denn der ist der Einzige, der Sebastian verstehen kann. Nur er kennt die ganze Geschichte. Eine traurige Geschichte, exzellent recherchiert, brillant geschrieben.

City Trip Zürich

Zürich CityTrip

Regelmäßig versuchen sich Ratingagenturen am Katalogisieren der Welt. Bei den teuersten Städten der Welt taucht seit Jahren immer wieder eine Stadt auf: Zürich. Momentan irgendwo um Platz Acht oder Neun. Je nach Untersuchung. Unter dem Schlagwort „Die lebenswertesten Städte der Welt“ rangiert die größte Stadt der Schweiz auf Platz Eins. Tanja Köhler und Norbert Wank wissen warum.

Städte an Seen faszinieren schon allein durch ihre Lage. Das wusste schon die alten Römer und errichteten hier eine Zollstation, Turicum. Bei einem Ausländeranteil von knapp einem Drittel ist es klar, dass hier auch unterschiedliche Kulturen ihren Spuren hinterließen.

Das Erste Kapitel ist mit „Auf ins Vergnügen“ überschrieben. Wohin die Reise geht, ist klar: Egal ob für einen Tag, ein Wochenende, ob als Genießer, Bummler oder Geldbeutelerleichter – Zürich bietet was für alle Sinne. Im Kunsthaus kann man sich an den weniger teuren Skulpturen Giacomettis erfreuen – erst kürzlich wurde der „Zeigende Mann“ für über 140 Millionen Dollar verkauft, Giacometti hält somit Platz Eins und Zwei der teuersten Skulpturen der Welt. Wem das noch nicht reicht, der sollte seinen Zürich-Besuch auf das erste Septemberwochenende legen. Denn dann findet die „Lange Nacht der Museen“ statt.

Nach so viel laufen und Staunen tut ein wenig Erholung gut. Dafür sind die Parkanlagen wie Zürichhorn oder der Belvoirpark an. Auch der Zoo bietet auf 27 Hektar Entspannung und einen herrlichen Blick über Stadt und See. Apropos See: Am Stadthausquai befindet sich das Frauenbad. Und ja, der Name lässt es leise anklingen, es ist nur für Frauen! Seit fast einhundertdreißig Jahren kann man hier planschend den Blick auf Grossmünster und Altstadt genießen.

Große Denker und Dichter hatten schon früh die Stadt für sich entdeckt: Friedrich Gottlieb Klopstock vergnügte sich hier ausgiebig, Gottfried Keller setzte mit seiner „Zürcher Verlobung“ der Stadt ein literarisches Denkmal, Lenin genoss hier ausdauernd sein Exil. Auch Revolutionäre machen mal Pause vom Kampf und erfreuen sich an den bourgeoisen Errungenschaften…

Wer Zürich besucht, braucht Hilfe. Hilfe beim Herausfiltern der zahllosen Attraktionen zwischen Finanzmetropole und lukullischen Höhepunkten, zwischen Shoppingrausch und Museumsbesuch. Die beiden Autoren geben umfassend und knapp zugleich einen kompletten Überblick, was man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen darf. In der letzten Umschlagseite ist der Netzplan des öffentlichen Nahverkehrs abgebildet und für Puristen ein Stadtplan beigefügt.

Schwiizertüütsch

Schwiitzertüütschwww.reise-know-how.de, 144 Seiten, 7,90 €, ISBN 978-3-8317-6406-8

Wenn ein Schweizer in seiner Sprache so richtig loslegt einem was zu erzählen, wird’s für die meisten eng. Nichtschweizer Kabarettisten versuchen sich krampfhaft mit Krächzen und endlosen –lis am Ende der Substantive dem Schwiizertüütsch zu nähern. Sie sind alle zum Scheitern verdammt. Doch keine Angst: Ein echter Schweizer kann auch hochdeutsch.

Dennoch ist es doch gerade eine fremde Sprache, die einen Urlaub zu einem Abenteuer macht. Und ein paar Brocken zu beherrschen, lässt einem doch auch nicht einen Zacken aus der Krone brechen, oder?! Die Kauderwelsch-Reihe aus dem Reise Know How Verlag ist praktisch in vielerlei Hinsicht. Zum Einen ist der kleine Sprachführer so handlich, dass er bequem in die Hosentasche passt. Zum Anderen ist er klar gegliedert und hält für jede Situation die richtige Floskel parat. Auch wenn es kein einheitliches Schweizerdeutsch gibt, jede Region pflegt ihren eigenen Dialekt. Wer die Aussprache beherrscht, hat schon mal die Hälfte des Sprachweges hinter sich. Ein h hat im Schwiizertüütsch keine Dehnungsfunktion, sondern wird deutlich gesprochen. Wird ein Vokal lang ausgesprochen, wird er verdoppelt. Das n am Ende von Verben wird weggelasse. Und wenn ein Schweizer eine d Pfane auf den Herd stellt wird erstmal s Rüebli (das e ist stumm und dient dazu das ü lang zu sprechen) im Wasser gekocht und nicht gebraten.

Bis hierhin hat man gerade mal ein Sechstel des Buches geschafft und eine ganze Menge gelernt.

Bis zu Globi, Knorrli und Täät Garee ist es noch ein weiter Weg. Sie können mit diesen Begriffen nichts anfangen? Im Buch wird Ihnen klar wie Sie zu reagieren haben, wenn es so über die Straßen schellt. Egal, ob im Restaurant oder auf der Straße – Konversation gehört nunmal dazu, um eine Stadt, eine Region, ein Land kennenzulernen. Ebenso wie das mehr oder weniger intensive Auseinandersetzen mit der Sprache des Landes. Dieses kleine Büchlein ist ein hilfreicher Ratgeber für jede Situation im eidgenössischen Verbund.

Ein letzter Tag Unendlichkeit

Ein letzter Tag Unendlichkeit

Na das ist doch mal eine Einladung! Eine Schifffahrt auf dem Zürichsee. Die Einladenden versichern dem Eingeladenen die ungeteilte Zuneigung der Damen. Ein jeder wird seine Dulcinea dabeihaben. Welch prachtvolles Wort für Freundin! Klingt ein bisschen anrüchig, oder?! Nun ja, es mag an der Zeit liegen, in der dieser Roman spielt. Juli 1750. Es mag aber vielleicht auch an der Gesellschaft liegen, die die Ungeziemtheit vergessen machen lässt. Der der Eingeladene ist Friedrich Gottlieb Klopstock, mit Mitte zwanzig schon ein gefeierter Dichter. Die Fahrt soll in die Geschichtsbücher eingehen…

Die Gesellschaft versammelt sich am Ufer des Sees. Alle sind gespannt auf den Dichterfürsten. Treten von einem Bein aufs Andere. Dann kommt er. Aufgebrezelt. Mit Perücke. Ein bisschen dandyhaft. Er genießt es bewundert zu werden. Und ein bisschen freut er sich auch auf das versprochene Rahmenprogramm…

Die Gesellschaft besteht auf honorigen Bürgern Zürichs, allesamt mit tadellosem Ruf. Das Boot legt ab, der Tag kann beginnen. Alle hängen an den Lippen Klopstocks. Der fabuliert, sinniert, sinniert. Feuchte-Augen-Garantie bei den Damen, stolz geschwellte Brust bei den Herren. Und ein jubilierendes Herz beim Gast. Denn er hat Anna Schirz ins Visier genommen. Dem Liebreiz der jungen Dame ist ab dem ersten Zusammentreffen verfallen. Unerhört, denn die junge Dame ist nicht allein gekommen. Hartmann Rahn ist ihr eigentlicher Begleiter, aber auf der Einladung stand ja …

Schlussendlich „bekam“ keiner der beiden Anna Schinz. Rahn wurde später Klopstocks Schwager und der Schwiegervater des Philosophen Johann Gottlieb Fichte.

Oft hapert es bei historischen Romanen an der Detailgenauigkeit. Lucien Deprijck richtet anhand der unwiderruflichen Fakten dieses Sittengemälde auf. Zwei Kapitel, gibt er zu, sind nicht verbürgt. Der Rest … der Rest hat sich genauso zugetragen. Wenn man dann noch Klopstocks „Fahrt auf der Zürcher See“ liest (zu finden auf der Homepage des Verlages), bekommt man eine ziemliche genaue Vorstellung von diesem historischen Tag im Zürich des Jahres 1750.