Archiv der Kategorie: aus-erlesen Bonjour

Clos Gethseman

Wie bringt man das älteste Weinbaugebiet der Welt, Jacques Cousteau, Pablo Picasso und Sisi zwischen zwei Buchrücken? Indem man vier Bücher schreibt, eines über jeden. Bliebe da noch das Problem mit den ZWEI Buchrücken. Es ist eine wilde Hatz, der man gerne folgt, wenn Walter Hönigsberger diesen vier berühmten Namen ein paar weitere zur Seite stellt und einen Krimi von biblischem Ausmaß schreibt.

Karl Breitenstein hat von seiner reichen Tante geerbt. Und zwar für Körper und Geist. Ein Dach überm Kopf muss er nicht mehr suchen – gut für den Körper. Und für den Geist hat die liebe Erbtante reichlich Rebensaft hinterlassen. Nicht irgendwelche Weine, besondere Weine. Und Karl konnte seinen Job an den Nagel hängen. Jetzt besteht sein Lebensinhalt darin dem Geist des Weines auf den Grund zu gehen. Bodensatzleserei? Bei Weitem nicht. Mittlerweile ist er ein ausgewiesener Experte, wenn es darum geht alte – noch trinkbare – Weine aufzustöbern.

So trifft er auch Jakob Jünger, dessen Alter so gar nichts mit seinem Namen zu tun zu haben scheint. Schon seine Vorfahren gaben sich dem Weinbau hin. Und so baut er nicht nur Wein an, sondern ist sogar dem Nachwuchsexperten Breitenstein um Längen voraus. Er und seine Vorfahren tranken schon Weine mit Picasso und anderen Größen ihrer Zeit.

Marion Drygalski ist Journalistin, und mit Karl Breitenstein bildet sie ein Paar. So trifft sie eines Tages einen Weinhändler, der sie umschmeichelt, dass es ihr fast den Magen umzudrehen droht. Er war schon mit Jacques Cousteau auf den Meeren der Welt unterwegs. Doch nicht, um Fischen die Flosse zu reichen, sondern nach versunkenen Schätzen zu suchen. Denn so manches gesunkene Schiff hatte reichliche Wein an Bord. Auf diesen Händler stößt sie als sie zu einem dreisten Weinrebenraub recherchiert. Unbekannte haben dem Emporkömmling der Weinszene die Reben auf dem Boden geholt. Ein immenser Schaden.

Und was ist mit Sisi? Die liegt bekanntermaßen in der Kapuzinergruft in Wien. Jetzt wird’s fiktional – die Gruft stürzt in sich zusammen. Ein großer Schock für die Kulturwelt. Doch auch für den wissbegierigen Weinhändler. Dessen Kellergewölbe, das voller Schätze ist, grenzt nämlich unmittelbar an die Gruft. Währenddessen ist Karl Breitenstein in Georgien unterwegs. Und stößt auf ein welterschütterndes Geheimnis…

Walter Hönigsbergers wilder Ritt durch die Geschichte fesselt ab der ersten Seite. Er holt weit aus, um die Charaktere zu bestimmen. Und gleichzeitig zieht er den Leser immer tiefer in seinen Bann. Reichlich vierhundert Seiten lang zerrt er den Leser von einem Ort zum nächsten, spannt Brücken vom Damals ins Heute und zeichnet ein Bild der Zukunft, dass einem der Atem stockt.

Die fremden Götter

Man überschreitet deutlich mehr als nur die Grenze des guten Geschmacks, wenn man Luises Leben, das in Nizza begann und in Avignon weitergeführt wurde, als himmlisch bezeichnet. Denn es sind die Jahre nach der Naziherrschaft in Europa. Ihre Eltern haben das Konzentrationslager überlebt, und können wie nur Wenige zurückkehren. Ihre Jüngste hat die Strapazen des Krieges nicht überlebt. Luise lebt! Die Jahre im Ursulinenkloster, dessen Gebäude heute noch in Avignon existiert, haben ihre Spuren hinterlassen. Luise ist nun strenggläubige Katholikin. Statt sich maß- und vor allem grenzenlos über die seltene Familienzusammenführung zu freuen, sind Mutter und Vater zutiefst enttäuscht über den Wandel der Tochter. Denn die Eltern sind nicht minder tiefgläubige Juden. Weshalb sie auch von der Gestapo deportiert wurden.

Walter Schott wurde im KZ zu einem ernsthaften Juden. Wollte man ihm dies austreiben, ist es gründlich in die Hose gegangen. Wieder in Freiheit kann er seiner Religion nicht mehr auch nur eine Handbreit freigeben. Das spürt besonders Tochter Luise. Ihr Vertrauen in Gott ist ungebrochen. So oft es geht, betet sie in der Kirche, bittet um Beistand in der schwierigen Zeit. Denn die Eltern haben sich verändert.

Walter Schott fleht seine Tochter an wieder zum Judentum überzutreten. Einen konkreten Grund hat er nicht bzw. kann ihn nicht nennen. Für einen Mann mit seinem Schicksal tut er etwas Ungeheuerliches: Er sperrt seine Tochter bei Wein, Brot und Apfel ein. Niemand darf zu ihr. Nicht einmal die Schulkameraden, denen erzählt wird, Luise habe die Masern. Auch der Mutter wird strengstens untersagt Luise zu besuchen.

Kurz zuvor hatte es der Vater „noch im Guten versucht“. Théodore Bovin, der Sohn des Rabbis und selbst schon auf dem Sprung zum Philosophiestudium an die Sorbonne sollte Luise ins Gewissen reden. Doch stattdessen verguckt er sich in die hübsche Siebzehnjährige. Emile Colombe ist Buddhist. Auch er schafft es nicht – will es auch nicht, denn sein Wankelmut sieht keine Religion vor – Luise zur Rückkehr zu bewegen. Denn Luise ist in Henri Matelotte verknallt. Selbstständiger Fotograf, der in ihr aber leider nur ein Abenteuer sieht. Sie sind trotzdem Luises letzte Möglichkeit dem Wahn des Vaters zu entkommen.

Es ist erschreckend zu lesen, wohin religiöser Wahn führen kann. Und so aktuell. Hermann Kesten schrieb diesen Roman in den 40er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der Krieg war gerade aus, etwas Ruhe kehrte langsam ein. Doch die Dickschädel – und deren Couleur spielt überhaupt keine Rolle – mischen immer noch mit. Es ist die Zeit der Neuanpassung, des Aufbruchs und Neuaufbaus. Das Land liegt brach, und die Fanatiker sehen darin die Chance ihre Ideen auf fruchtbarem Boden zu säen. Doch die Menschen sehnen sich nach Bewährtem, nach Sicherheit. Und die fanden nicht Wenige im Schoß der Religion. Warum also davon abweichen? Luise will ihren eigenen Weg gehen. Dornig wird er und entbehrungsreich, doch es ist ihr Weg.

Paris, Exil

Es gab eine Zeit, in der Paris die Stadt des Lichts war, nicht, weil sie so wundervoll des Nachts erstrahlte, sondern weil hier der Funke Hoffnung noch ein wenig Erhellung im wahrsten Wortsinne versprühte. Es war die Zeit, in der in Deutschland die Lichter ausgingen. Wer fliehen konnte, tat es. Nicht wenige strandeten in der Seine-Metropole. Doch wie sollte es nun weitergehen?

Joseph Roth, Walter Benjamin, Hans Sahl oder Anna Seghers waren keine Auswanderer wie man sie heute im Fernsehen beim Scheitern und Sich-Wundern bestaunen / belächeln kann. Ihre Gedanken, ihre Schriften waren Gift für die neuen Herren und ihre neue Zeit. Doch auch in der Fremde war es nur allzu natürlich nach Essen, nach einem Dach über dem Kopf zu lechzen.

Judith N. Klein macht sich auf Spurensuche. Doch nicht der vor ihr liegende Weg ist das Ziel. Vielmehr hält sie eine literarische Rückschau auf dem Stadtplan von Paris. Während sie zielstrebig vom Leseplatz der Bibliothek aufbricht, stößt sie auf Hinterlassenschaften, erinnert sich an Textpassagen und ihr eigene Familie. Auch ihre Vorfahren flohen vor dem Terror der „Heimattreuen“. Es entsteht ein seltsam beklemmendes Gefühl. Paris als Sehnsuchtsort, als urlaubskassenplündernder Großstadtdschungel, der im Mix der Kulturen seine ganze Kraft entwickelt, wird zum Exilantenteppich, der einfach nicht abheben will. Dernier arrêt Paris.

Ihrer Verzweiflung machten die Autoren, die zwischen 1933 und 1940 Paris als Rettungsanker wahrnahmen, in ihren Schriften Luft. Kaum was zu essen, der eigenen Wurzeln beraubt, haltlos im Sturm, der über Europa toste. Immer wieder brennt Judith N. Klein dem Leser die Landmarken der Verdammnis ins Gedächtnis.

Ein Wanderführer ist dieses Buch keineswegs, sollte es auch nie werden. „Paris, Exil – Mehr Wandern als Wohnen“ der Untertitel nimmt es vorweg handelt vom Fortschritt, auch wenn der nicht immer gleich ins Auge sticht. Doch jeder Tag Leben, hieß zu dieser Zeit ein Tag mehr, Fortschritt. Das Buch rüttelt an den Nerven. Denn auch heute noch ist Paris Zufluchtsstätte für Gestrandete und Auswanderer wider Willen aus dem In- und Ausland.

Der steile Anstieg zum Olymp

Auf Du und Du mit den Rittern der Neuzeit – Giacomo Pellizzari ist leidenschaftlicher Radfahrer und somit auch Fans der großen Rundfahrten und ihrer Helden. Das Wort Helden verliert jedoch schon im Laufe ihrer Karrieren bzw. im Nachgang immer wieder und immer mehr an Bedeutung. Zu viele Skandale, zu viele Tricksereien, zu viele Exzesse, zu viel Betrug haben einmal dazu beigetragen, dass sie Helden waren und nun im Sumpf der Enttäuschungen verrotten.

Pellizzari hat im Laufe der Jahre viele Pedalritter kommen und gehen sehen. Doch diese vierzehn im Buch vorgestellten Helden der Landstraße haben es in seinen Augen verdient besonders hervorgehoben zu werden. Aus unterschiedlichen Gründen. Eines ist ihnen gemein: Ihre Strahlkraft.

Sein Buch beschließt Pellizzari mit dem unsympathischsten und bis heute unsportlichsten Radfahrer aller Zeiten: Lance Armstrong. Ein begabter Radfahrer war er. Und ehrgeizig. Angetrieben vom Stiefvater. Ein Krebsleiden riss ihn jäh aus seinen Sportlerträumen. Doch die Therapie schlug an und er kämpfte sich zurück. Sieben Mal sprang Armstrong aufs Siegertreppchen am Ende der Grand Boucle, der Tour de France. Allen Unkenrufen zum Trotz. Doch dann der tiefe Fall. Pellizzari sitzt ihm geistig gegenüber als Armstrong Oprah Winfrey das Interview seines Lebens geben wird. Tief in ihm drin will er sich rächen, der erste sein, der Doping anprangert. Das Ende ist bekannt – Armstrong wird verbannt, mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Mitleid kann Pellizzari nicht aufbringen. Warum auch? Armstrong hat keine Entschuldigungen parat. Er war ein Betrüger, und ganz im olympischen Sinne bleibt er es auch.

Den in Stein gemeißelten Heroen wie Bernard Hinault, Eddie Merckx, Marco Pantani oder Francesco Moser kann er hingegen schon mehr Bewunderung abringen. Er gibt ihnen Attribute, die in der Überschrift huldvoll klingen, aber im Text mal lauter oder leiser durch eingestreute Zweifel neu nivelliert werden. Er spricht vom Beau Fabian Cancellara, vom Rockstar Bradley Wiggins, vom bescheidenen Miguel Indurain oder vom Pechvogel Felice Gimondi.

Wenn jedes Jahr im Sommer die Tour de France aufmarschiert, läuft immer der Zweifel mit. Die Schar derer, die die Rundfahrt nicht mehr verfolgen wollen, wächst. Die Berichterstatter werden zerknirschter. Die Hoffnung auf sauberen Sport blubbert mäßig vor sich hin. Warum also ein Buch über „Helden“, die mit großer Wahrscheinlichkeit – bis nichts bewiesen ist, sind sie aber schuldlos – unlautere Mittel genommen haben, um am Ende die (Pinocchio-)Nase vorn z haben? Ganz einfach: Es sind eben doch Helden. Seit frühester Kindheit rasten Kinder über die Straßen ihrer Viertel und schrien lauthals die Namen ihrer Vorbilder. Sie waren in diesen Momenten Fignon, Bugno, Chiapucci, Saronni oder Sagan. Das kann ihnen und den Radsportlern keiner nehmen.

Im fiktiven Zwiegespräch verneigt sich Pellizzari vor dem Einen oder Anderen, nimmt sie aber keineswegs in Schutz. Und vielleicht ist es ja doch so, dass einer oder mehrere Helden sich diesen Titel redlich verdient haben. Zu wünschen wäre es – dem Autor, den Lesern, den zahllosen Kids und nicht zum Schluss auch ihnen selbst.

Paris, Mai ’68

Anne Wiazemsky ist Cineasten ein Begriff. Als Schauspielerin, die mit Robert Bresson, Pier Paolo Pasolini und Jean-Luc Godard arbeitete, mit dem sie auch verheiratet war. Auch als Schriftstellerin machte sie sich einen Namen.

Das Jahr 1968 beginnt wie jedes andere auch für die junge Schauspielerin, die – gerade mal zwanzig – in Jean-Luc Godard die Liebe gefunden hat. Ihr Leinwandstern beginnt gerade richtig zu funkeln als in Paris erste Unruhen das öffentliche Leben zu stören beginnen. Im Frühjahr eskaliert die Gewalt auf den Straßen. Das Pflaster wird aufgerissen, um den Strand ans Licht zu holen. Knüppel und Schutzschilde auf der einen, Tücher vor dem Mund und eindeutige Parolen auf der anderen Seite. Und mittendrin ihr Gatte. politisiert, angestachelt von Kameraden und dem Drang mitzugestalten.

Jean-Luc Godard ist nun nicht mehr nur die Ikone der nouvelle vague, sondern will in die erste Reihe der Kämpfer hervorstoßen. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne großes Grübeln über die Wahl der Worte, sehr wohl aber der Waffen, stürzt er sich ins Getümmel. Wer Widerworte gibt, bekommt die volle Breitseite seines Wortschatzes zu spüren. Unversöhnlich ist er. Nur gegenüber Anne ist er ab und an ein wenig zahmer.

Für sie ist der Mai 1968 ein Wendepunkt. Mit aller Macht wird sie in die Unruhen, die Kämpfe, die politischen Agitationen hineingezogen, obwohl ihr Filmemachen näher ist als der gesellschaftliche Umsturz. Bernardo Bertolucci macht ihr Offerten für einen Film. Die Beatles, wollen mit Godard drehen. Die Stones drehen mit Godard.

Filme werden radikaler, die Kunst einmal mehr als Waffe installiert. Wirtschaftlich weitgehend abgesichert, lässt es sich besser kämpfen als mit knurrendem Magen. In der Wohnung von Jean-Luc Godard und Anne Wiazemsky tummeln sich die Agitatoren. Sie ekelt sich vor ihrer rüden Sprache, ihrem ungepflegten Aussehen, kann ihrer Logik nicht folgen. Jean-Luc ist Feuer und Flamme, stößt alte Weggefährten vor den Kopf. Die Ehe wackelt und wird bald schon vor dem Aus stehen. Doch darüber wird sie niemals schreiben. Da bleibt sie sich treu.

„Paris, Mai ‘68“ ist kein aufwieglerisches Manifest, das zum Kampf aufruft. Es sind Memoiren einer Frau, die in einen Kampf hineingezogen wurde, der nicht der ihre war. Sie gibt einen Einblick in Kreise, die ihr eigenes Leben führen. Elitär – ja, aber stets darum bemüht dem wahren Leben auf der Straße nicht mit Gleichgültigkeit zu begegnen. Daniel Cohn-Bendit, François Truffaut und Bruno Cremer treten in Episoden auf wie der Nachbar von nebenan, den man an der Supermarktkasse trifft. Gespickt mit Anekdoten, die das Lesen dieses ernsten Textes immer wieder auflockern, zeigt Anne Wiazemsky ihre Sicht auf die Dinge im Mai ’68 und die darauf folgende Zeit.

Paris abseits der Pfade, Band II

Kann man das Besondere noch besonderer machen? Ist nicht schon alles über Paris geschrieben worden? Ist die Stadt nicht ein offenes Buch? Nein! Man mag es kaum glauben, aber im Überfluss der Parisbücher gibt es immer wieder grelle Lichtquellen, die die Massenproduktion über die Stadt der Lichter, die Stadt der Liebe in den Schatten stellen.

Zwei Jahre ist es her, dass Georg Renöckl den ersten Funken in den Orbit der besonderen Paris-Bände entsandte. „Paris abseits der Pfade“ war der ambitionierte Name, der das Versprechen des Titels auf jeder Seite hielt. Nun folgt Band Zwei. Fortsetzungen haben immer den Beigeschmack, einen Erfolg auf Teufel-Komm-Raus ewig in die Länge zu ziehen. Georg Renöckl schafft es scheinbar spielerisch diesem Trend mit Inhalt, Spannung und wahrer Detailverliebtheit ein Schnippchen zu schlagen. Denn auch der zweite Band (wie schon bei den beiden Wien-Büchern der Reihe, Georg Renöckl schuf den zweiten Teil) wird selbst Paris-Kenner in Erstaunen versetzen.

Schon allein die Auswahl der Viertel, die er unter die Lupe nimmt, verheißen Paris par excellence: Saint Germain des Près, Montmartre, Bois de Boulogne. Das ist Paris! Das ist es, was der geneigte Paris-Besucher sehen will. Und das bekommt er auch. Doch eben nicht die Wegbeschreibungen zum nächsten Shoppingtempel oder der nächsten Würstchenbude. Nein, Georg Renöckl schlendert mit geschärften Sinnen durch die „besseren Viertel“, um dem Schmelztiegel Paris beim Verknüpfen von Vergangenheit und Gegenwart zu einer Zukunft zuzuschauen. Und immer mit dabei: Der Leser.

„Auf diskreten Wegen durch den goldenen Pariser Westen“ heißt ein Kapitel, das das Anliegen des Buches am besten widerspiegelt. Villen prägen das Panorama, das den Besucher empfängt, wenn der die Metro an der Station La Muette verlässt. Etwas mehr als eineinhalb Jahrhunderte ist es her, dass die Bewohner von Ateuil und Passy sich als Pariser bezeichnen dürfen. Napoleon III. hatte das Ruder fest im Griff (naja, was man halt landläufig als „fest“ bezeichnet) und Haussmann befehligte eine Armada von Baugeräten. Hier lässt es sich aushalten. Wer im sechzehnten Arrondissement lebt, genießt tagtäglich die Aussicht auf das Paris der Hochglanzprospekte. So der erste Eindruck. Doch hier gibt es noch mehr. Die Vergangenheit mit den mehrstöckigen, effektvoll verzierten Häusern fällt einem immer wieder ins Auge, das Museum Marmottan lädt zum Verweilen ein (inkl. Monet), doch dann stürzt die Gegenwart mit ihren Zukunftsplänen das verträumte Auge mitten in die Realität. Der moderne Wohnungsbau mit all seiner Phantasielosigkeit türmt sich vor einem auf. Auch das ist Paris. Kleine Grünanlagen besänftigen sofort wieder das Gemüt, bevor die Reise kurz für Lapin à la moutarde unterbrochen werden kann. Das Rezept hat Georg Renöckl für die „Daheimgebliebenen“ gleich mit abdrucken lassen.

Victor Hugo bezeichnete das Flanieren als pariserisch. Georg Renöckl führt diese Aussage weiter und breitet nun schon zum zweiten Mal den roten Teppich als Beweis selbiger für den Parisgast aus. Auf ihm im Blitzlichtgewitter der Stadt zu schreiten, ist ein Wohltat für jeden einzelnen Sinn.

Lesereise Korsika

Auf und Ab – das ist Korsika. Nicht nur geographisch, denn die viertgrößte Insel des Mittellmeeres ist ein echtes Kraxelparadies. Nein, auch politisch ist die Insel ein Pulverfass, an deren Lunte des Öfteren immer mal wieder gezündelt wird. Susanne Schabers Lesereise Korsika ist ebenso aufgebaut.

Neben bezaubernden Naturbeschreibungen und Portraits der Menschen, die diese Landschaft prägen, schreibt sie auch vom blutigen Kampf der Korsen um Anerkennung und Unabhängigkeit.

Der kleine Korse, der einmal zum großen Franzosen wurde, ist auf der Insel nicht so sehr anerkannt wie landläufig angenommen wird. Denn als er den Thron Europas erklomm, war seine Herkunft kein Thema mehr.

Und dann wieder Traditionspflege, die in einem in Gedanken schon die Koffer packen lässt. Da liest man dann von Kastanienbäumen, die hier auf der Insel so bedeutsam sind. Jede gute Korsin muss beweisen, dass sie dutzendfach die Früchte verarbeiten kann.

Hotels und Tourismus sind wichtige Einnahmequellen Korsikas. Denn wer einmal hier war, kommt oft wieder. Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen gehören zu den elementaren Eigenschaften, die man benötigt, um Erfolg zu haben und dem Gast unvergessliche Tage und Wochen bereiten zu können. Das ist nicht immer einfach, doch lohnenswert. So wie Madame Dalakupeyan. Ihr Hotel ist äußerlich vielleicht nicht das durchgestylteste. Doch eines der am liebevollsten geführte. Susanne Schaber lässt sich vom Charme der Inhaberin und ihres großen Traumes aus Stein verzaubern und zieht dabei den Leser in eine Geschichte, die ihresgleichen sucht.

Was gehört sonst noch in ein Buch, das ein Reiseziel emotional in den Fokus setzen möchte? Ein wenig Geschichte gefällig? Keine Räuberpistolen, sondern stolze Recken, die den Ungerechtigkeiten der Besatzer die Stirn bieten und ihr Herz mit der Faust präsentieren.

Dass auf Korsika fürs leibliche Wohl exzellent gesorgt wird, versteht sich von selbst. Doch Susanne Schaber schreibt das nicht einfach nur auf. Sie macht Appetit auf die Insel und ihre kulinarischen Eigenheiten. Als Insulaner ist man auf das angewiesen, was Mutter Natur zur Verfügung stellt. Zumal man sich ja nicht vom Festland abhängig machen will. Da ist sie wieder, die tiefe Kluft zwischen dem zentralistischen grand frère und dem rebellischen Corse. Als Besucher bekommt man davon nur vereinzelt etwas mit. Vielmehr umarmt einen die Gastfreundschaft mit voller Wärme und Herzlichkeit. So wie dieses Buch unerlässlich ist, bei einem Besuch der Insel, genauso tief und ehrlich empfunden sind die Geschichten in ihm. Einhundertzweiunddreißig Seiten voller Leidenschaft und Bewunderung für eine Insel, die im Zwiespalt sich erhoben hat, um im Europa anzukommen.

Petit-Louis

Nur zwei Wochen. Nur zwei Wochen, dann ist alles wieder zuvor. Das dachten Henri und Jeanne als der Krieg losging. Petit-Louis, ihr Sohn ist gerade mal sechzehn. In ihre Pariser Wohnung dringt nur selten das Sonnenlicht, hat man sie im sechsten Stock erreicht, ist man außer Atem. Nur zwei Wochen sollte diese Idylle, und das ist es trotz aller Schwierigkeiten, dem Krieg weichen. Doch die Geschichte will es anders. Vier Jahre soll es dauern bis 1918 endlich wieder Frieden herrschen soll.

Henri wird sofort eingezogen. Kämpfen wird er in seinem Alter nicht, denkt Jeanne. Doch die Geschichte will es wieder anders. Dass Ihr Sohn eingezogen werden soll, auch das kann und vor allem will sich Jeanne nicht vorstellen. Petit-Louis ist so empfindsam, ein belesener, ruhiger, höflicher Junge. Durch den Männermangel in der Stadt begünstigt, findet er schnell Arbeit. Die Kollegen sind schroff und amüsieren sich über die Belesenheit ihres jungen Kollegen.

Nun muss auch Petit-Louis in den Krieg ziehen. Zusammen mit seinen Freunden ist er voller Enthusiasmus dem zivilen Leben den Rücken kehren zu können. Schon kurz nach der Mobilmachung (ein fürchterlicher Euphemismus, wenn man bedenkt, was dahinter steckt: Krieg, Elend, Tod, Verstümmelung, Krankheit – die Reihenfolge in der Aufzählung ist dabei das Einzige, was wirklich egal ist) merkt Petit-Louis die raschen Veränderungen. Plünderungen und Verrohung greifen postwendend um sich als klar wird, das Frankreich als Verbündeter Russlands gegen den so genannten Erbfeind ins Feld ziehen wird.

Hinter der Front ist das Soldatenleben einigermaßen erträglich, im Vergleich zu dem, was die Frontschweine so erzählen. Da kann man dem Vorgesetzten schon eine Krankheit vorspielen, zu Essen gibt es jedenfalls genug. Für Petit-Louis ist der Krieg bei Weitem nicht willkommen, aber mit Hindernissen zu ertragen.

Als der Krieg zu Ende ist, streicht Petit-Louis das petit aus seinem Namen. Wie selbstverständlich sitzt er am elterlichen Tisch auf Vaters Platz. Beide, Vater und Sohn haben den Krieg ohne größere Blessuren überstanden. Jetzt kann das richtige Leben losgehen. Eugène Dabit gelingt es mit nüchterner Distanz eingehende Erfahrungen – er selbst ist wie Petit-Louis 1898 geboren – aufzubereiten. Nicht alles im Roman hat er selbst so erlebt, vieles jedoch selbst mit ansehen müssen. Weniger drastisch als „Im Westen nichts Neues“, aber nicht weniger eindrucksvoll feuert Dabit gegen die Kriegstreiber und gibt dem einfachen Soldaten, der nichts anderes kennt als tumb Befehle befolgen zu müssen ein Gesicht. In seiner Schlichtheit ist dieses Antikriegsbuch ein Kleinod aus der Feder eines gefühlvollen Schreibers.

MMMM

Der Titel erinnert ein wenig an einen 90er-Smash-Hit: MMMM. Die Crash Test Dummies bestimmten über Wochen die Starre in zahlreichen Charts. Dieses Buch hingegen wird viel länger nachhallen. Zum ersten Mal sind die vier Romane „Sich lieben“, „Fliehen“, „Die Wahrheit über Marie“ und  „Nackt“ in einem Band erhältlich, mehr als dreißig Prozent mehr als so manche Leckerei.

Sich lieben

Marie Madeleine Marguerite de Montalte ist eine Künstlerin wie sie im Buche steht. Als Modedesignerin ist sie weltweit begehrt und gebucht. Der anonyme Erzähler und Marie sind ein Paar. Aber eigentlich auch wieder nicht. Es ist kompliziert. Eben noch im Taxi in Paris – Marie in Tränen aufgelöst / er hilflos und sorglich zurückhaltend – wissen beide, dass das Licht am Ende des Tunnels ein Zug ist, der mit brachialer Gewalt ihrer Zweisamkeit den Garaus machen kann. Und wird. So wie schon einmal. Damals in Tokio.

Marie war eingeladen eine Ausstellung mit ihren Werken zu organisieren. Tokio sollte nicht der Anfang einer großen liebe werden, vielmehr sollte er das Ende besiegeln. Da war sich der Erzähler sicher. Denn wenn Marie ihn so nah an sich ranließ, verhieß das nichts Gutes.

Es ist eine verrückte Liebe zwischen dem Erzähler und Marie. Mit Wohlwollen nimmt der Leser zur Kenntnis, dass zwar Marie das Objekt der Begierde ist, aber nur der Erzähler sich und seine Beziehung analysiert. Er vermeidet es Marie unter die Lupe zu nehmen und zu sezieren. Jean-Philippe Toussaint könnte es, schließlich sind Erzähler und Marie seiner Phantasie entsprungen, doch das Kribbeln der beiden soll auf den Leser überspringen. Und das tut es mit vehementer Direktheit.

Die Szenen wechseln zwischen brutalen Phantasien – der Erzähler hat sich eine Flasche mit hochprozentiger Salzsäure zu gelegt – und wildem Deckengwühle, das bei aller Schamlosigkeit niemals ins Ordinäre abgleitet, umrahmt vom Gedankenspiel des Erzählers. Marie, die Unnahbare, die Unfassbare, die Wechselvolle verschwindet immer mehr hinter dem Schleier der Ungewissheit. Man möchte nur noch …

Fliehen

Der Erzähler ohne Namen und Marie haben das UND aus ihrer beider Leben gestrichen und gehen beide nun getrennte Wege. Sie in Paris, er in China. Ein bisschen Ablenkung sollte guttun. Shanghai frisst ihn auf, genauso wie die ständige Überwachung in der Millionenmetropole. Im Zug nach Peking lernt er Li Qi kennen. Im Gegensatz zu Marie ist Li Qi unkompliziert, und prätentiös und … willig. Und eine willkommene Abwechslung zur ständigen Anwesenheit des Überwachungshundes, der seit der Landung in Shanghai nicht von der Seite weicht. Marie hatte den Erzähler gebeten einen Umschlag bei dem Überwachungstier anzugeben. Und nun wird er ihn nicht mehr los.

Gerade als so etwas wie Alltag in die Urlaubsreise einkehrt, durchbricht das enervierende Bimmeln des Telefons die Erholungs- und Eingewöhnungsphase. Marie ist dran, ihr Vater ist gestorben. Gedankenlos lauscht er mehr oder weniger konzentriert ihrem Schmerz. Keine Tränen, keine Rührung ist zu vernehmen. Aber die Tatsache, dass Marie ihn, der tausende Kilometer entfernt ist, anruft, um die traurige Nachricht mit jemandem teilen zu können, lässt ihn wachbleiben.

China ist für ihn ein echtes Abenteuer. Verkehrschaos wechselt mit exotischer Küche, geschäftiges Treiben geht mit fremdanmutender, barscher Vehemenz Hand und Hand und überall wird man überwacht. Nur Marie macht der Neugier einen Strich durch die Rechnung. Ihr Anruf schlägt ihm auf den Magen. Selbst Li Qi kann ihn nicht mehr recht aufmuntern, was ihr nicht verborgen bleibt.

Zurück in Frankreich ist die Distanz zwischen Marie und ihm größer denn je. Er war nicht da, als sie ihn brauchte, als die Nachricht vom Tode ihres Vaters sie wie ein Blitz traf, der sie erstarren ließ. Doch beide wissen, dass er ein viel größerer Störfaktor gewesen wäre, wäre er greifbar gewesen. Es ist das alte Spiel: Sie können nicht ohne einander, und miteinander können sie noch viel weniger. Marie wird immer geheimnisvoller. Wird er sie je erfahren, …

Die Wahrheit über Marie

Die Wahrheit in der Liebe ist nie einfach. Nicht einfach zu erklären, nicht einfach zu verstehen. Oder ist es die Logik, die so schwer zu greifen ist? Marie und der Erzähler sind (wieder einmal / immer noch) kein Paar. Räumlich sin sie sich so nah wie selten in der jüngeren Vergangenheit. Sie sind sich treu und auch wieder nicht. Während er mit Marie schläft, also einer Frau, die ebenfalls Marie heißt, vergnügt sich Marie, die die er eigentlich liebt, aber …, mit Jean-Christophe de G. Plötzlich über kommt sie die Müdigkeit. Sie gibt nach, Jean-Christophe de G. auch. Nur anders. Er kippt um, kaum spürbarer Puls. Wie soll es anders sein: Marie bittet ihn, den namenlosen Erzähler, ihren Rettungsanker in allerlei prekären Situationen um Hilfe. Im strömenden Regen eilt er durch die Pariser Nacht. Marie! Endlich wieder Marie. Endlich ist sie wieder bei ihm! Doch Grappa und Blut – eine wunderbare Kausalkette, die Jean-Philippe Toussaint Marie ins Hirn pflanzt – lassen ihn aus seinen Träumereien und Hoffnungen herausplumpsen.

Jean-Christophe ist tot. Seine Familie lässt eine Traueranzeige in den Tageszeitungen schalten und der namenlose Erzähler, der sich so sehr mit Marie verbunden fühlt, weiß nun, dass der Tote ein ganz anderer war. Marie zieht sich in ihrer Trauer nach Elba zurück, auf den Familiensitz. Dort verstarb vor einem Jahr ihr Vater. Ihr zur Seite stand damals wie heute er, der treue Freund, Geliebte und Weggefährte. Doch mehr als „nur ein paar Spielereien“ wird es auch dieses Mal nicht geben. Sie will das so, er weiß es und ergötzt sich an ihrem Anblick. Denn sie ist …

Nackt

Er und sie, also der namenlose Ich-Erzähler und Marie, kennen sich in. Und auswendig. Zusammen waren sie schon, getrennt sind sie immer noch. Die Zwischenspiele haben in ihnen eine Freundschaft erwachsen lassen, die, wenn mehr daraus werden soll, in einer Katastrophe enden wird. So hat es jedenfalls das wahre Leben vorgesehen. Doch Marie und er sind nicht von dieser Welt. Sie ist die erfolgreiche Designerin, die Models in Honigkleidern und in Dornengewächsen über die Laufstege, die eher Museen gleichen, schreiten lässt. Er hingegen sieht sein Lebenselixier darin Marie zu beschreiben und für sie im Falle eines Falles da zu sein. Nicht einfach nur verfügbar, sondern wahrhaft da.

Seine Odysseen führten ihn, zusammen mit Marie nach Tokio, allein nach China und zu ihr nach Elba. Zuhause sind beide in Paris. Nur wenige Schritte voneinander entfernt leben sie ihr Leben einsam mit dem Anderen im Kopf. Waren sie bis vor ein paar Jahren nackt, so hieß das Schwitzen bis zur Besinnungslosigkeit. Heute ist ihre Nacktheit eine symbolische Nacktheit. Sie kennen sich wie s nur Freund tun. Marie hat in der Vergangenheit so manchen ihrer vermeintlichen Freunde z Grabe tragen müssen. Auch ihren Vater. An ihrer Seite war stets der namenlose Freund und einstige Liebhaber. Es wird Zeit für ein Happy end…

Jean-Philippe Toussaint lässt seine beiden Helden knapp sechshundert Seiten vier Romane lang leiden, lieben und durch das Fegefeuer der Abwegigkeit waten. Wie die zwei Königskinder ist ihnen das Schicksal der Alleinbewältigung des Lebens vorbestimmt. Mit bisher nie gekannter Wortgewalt schwappt dem Leser die komplette Portion Leben ins Gesicht. Der namenlose Ich-Erzähler verzehrt sich nach der selbstbestimmten Marie, beide spielen ihre Rollen gut. Doch nicht gut genug, um schlussendlich einen – den richtigen – Entschluss zu fassen: Was viermal währt, wird endlich gut!

Der schöne Heilige

Blasphemie! Heilige sind nicht schön, sie sind heilig! Doch das ist nicht die einzige Neuerung, die von diesem Roman ausgeht. Es ist Philippe Soupaults erster Roman, ein neuer Star am Literaturhimmel. Und – und das ist noch viel bedeutender – ein Hauch von Surrealismus schwingt in ihm mit.

Jean X und Philippe Soupault – einer der Hauptakteure heißt genauso wie der Verfasser – kennen sich von Kindesbeinen an. Sie mögen sich. Sind unzertrennlich. Und doch entwickeln sie sich in unterschiedliche Richtungen. Der eine will schreiben, der andere die Welt aus den Angeln heben. Jean X wird den ganzen Roman über unter dem Deckmantel des Pseudonyms Jean X verborgen bleiben. Wer jedoch schon ein paar Texte von Philippe Soupault gelesen hat – es empfiehlt sich also nicht mit „Der schöne Heilige“ die Entdeckungsreise ins Werk Soupaults anzutreten – kennt Jean X in und auswendig. Es ist der Autor selbst! Zusammengefasst: Philippe Soupault schreibt einen Roman über zwei Freunde, die beide gleichermaßen er selbst sind. Puh, das ist echt neu!

Soupaults (im Roman) Bewunderung für Jean X ist grenzenlos. Er ist fasziniert von dessen Ehrlichkeit und Forscherdrang. Ihr Dreh- und Angelpunkt ist Paris. Hier treffen sie Michel Palmyre, der im echten Paris Guillaume Apollinaire hieß und Philippe Soupault, den Autor, zu seinen ersten Veröffentlichungen verhalf.

Es ist ein rechtes Auf und Ab in der Beziehung der beiden. Jean X treibt immer wieder in die Ferne. Als er endgültig verschwindet, ist Soupault betrübt, als einzige Hinterlassenschaft an den Freund hat der ihm sein Tagebuch hinterlassen. Dieses dient als Rechtfertigung über ihre Freundschaft öffentlich zu reden und zu schreiben. Denn Ereignisse, die man gemeinsam erlebt, haben nun mal zwei Seiten, von denen sie betrachtet werden können.

Wer erkannt hat, dass Jean X und Philippe Soupault ein und dieselbe Person ist, jeder mit einem eigenen Charakter ausgestattet, wird sich an „Der schöne Heilige“ nicht satt lesen können. Man streift durch das Paris der literarischen Avantgarde wie über ein Feld gerade frisch erblühter Blumen. Alles duftet so unschuldig. Man ist der erste, der zwischen den Blättern hindurch wandert. Und wenn man mal nicht weiter weiß, hilft einem der Autor Soupault den Hauptakteur Soupault zu verstehen. Wenn es noch einen Grund bedurfte Philippe Soupault anzupreisen – bitte sehr, hier ist er!