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Fein und festlich

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Das kennt jeder: Weihnachten steht vor der Tür. Es sind nur noch ein paar Wochen, und man hat keine Ahnung, was auf den Tisch kommt. Die Kochbücher geben auch nicht so richtig was her. Alles schon mal dagewesen. „Fein und festlich“, was gut gern noch durch das Wörtchen „Dein“ ergänzt werden kann, bietet dreißig Möglichkeiten die Advents- und Weihnachtszeit lukullisch auf originellem Niveau zu bereichern.

Mal Zutaten kombinieren, die auf den ersten Blick zu zusammenpassen, wie Rehbraten mit Esskastanien und Schokoladensauce oder gebratenen Seeteufel mit Speck und Herbsttrompeten, einer Pilzsorte. Wer’s ganz exquisit mag, greift zur Foie gras mit Feigen und Honigkuchen. Wenn noch was von der Foie gras übrig sein sollte, macht man aus den Resten Häppchen mit Zwiebel-Konfitüre. Eine Topinambur-Velouté mit Jakobsmuscheln klingt schwieriger als zuzubereiten ist. Opinambur-Knollen und Kartoffel schälen, würfeln und mit Milch aufgießen. Mit Vanille und aufkochen. In der Zwischenzeit die Jakobsmuscheln anbraten (wie sie richtig gelingen, steht natürlich auch im Rezept, wird aber an dieser Stelle nicht verraten). Würzen, alles zusammengeben und voilá: Fertig ist das schmackhafte Festmahl, das so einfach ist. Resteverwertung deluxe verspricht der Kartoffel-Apfel-Salat mit Trüffel. Oder auch Scampi in Champagne-Creme. Als Sättigungsbeilagen gibt es Pürees aus Sellerie, Süßkartoffeln, Pastinaken oder Kürbis.

Dass ein so kleines Buch so vielfältig und nachhaltig den Gaumen erfreuen wird, ist selten. Auf jeder Seite kommt man schon beim puren Durchblättern in Weihnachtsstimmung. Man kann es kaum erwarten, endlich das eine oder andere Rezept als Weihnachtsüberraschung zu kredenzen. „Oh, es riecht gut. Oh, es riecht fein“, wird schnell zum Küchencoral, wenn es an die Zubereitung geht.

Ob als Nachtisch oder als Belohnung für den Koch gibt es Trüffelpralinen, mit Kokosraspeln, Rum oder Pfeffer. Dieses Jahr gibt es keine Ausreden, wenn es um das Weihnachtsmenü geht. Dreißig Rezepte, die entweder gekonnt abgewandelt oder neu interpretiert oder eigens fürs Fest kreiert wurden. Einzig allein Entscheidungsunfreudige werden sich an diesem Buch die Zähne ausbeißen. Da gibt es nur eine Lösung: Seite für Seite nachkochen, nachbacken und genießen!

24 Winterwohlfühlrezepte

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Es klingt schon fast wie eine magische Zahl: Vierundzwanzig. Jetzt weiß jeder, dass die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken, in absehbarer Zeit Schnee fällt und rote Mäntel Mangelware werden. Hardcore-Romantiker krallen sich krampfhaft an Tassen mit heißen Getränken fest und mummeln sich in weiche Decken ein. Beim Blick aus dem Fenster graut’s einem: Dicke, fette Wolken, verschleiern den Horizont, ein (im besten Fall leichter) Wasserfilm liegt über der Natur. Das Licht am Ende des Tunnels lässt so manchen auch diese ungemütliche Zeit überstehen. Weihnachten steht noch nicht ganz vor der Tür, aber bald bevor.

Und schon beginnt der Stress. Was kochen? Wie dekorieren? Wen womit beschenken? Nur allzu gern lässt man sich von Hektik leiten und den eigentlichen Sinn von Weihnachten hinten anstehen. Zumindest, was das Kochen betrifft, gibt es Abhilfe. Und das gleich – Achtung, it’s magic – vierundzwanzig Mal!

Die Adventszeit dauert nur ein paar Wochen. Da fühlt man sich schon ein wenig unter Druck gesetzt, will man sich und seinen Lieben die Zeit des Wartens so außergewöhnlich gestalten wie nur irgendwie möglich. Das schnöde Frühstücksei ist passé. Ebenso der Toast am Morgen. Jetzt gibt es Maronenwaffeln. Vielleicht nicht unbedingt zum Frühstück – schließlich werden die Waffeln mit Puderzucker karamellisiert und mit Calvados abgelöscht. Zur Stärkung einen orangenglühwein gefällig? Oder doch lieber was Herzhaftes wie ein Nudelgratin mit Kürbis, Tomaten und Ziegenkäse? An dieser Stelle dieser ungewöhnlichen Rezeptesammlung ist noch nicht einmal Nikolaustag. Und schon läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Ungewöhnlich ist das Buch auch wegen der Aufmachung. Kein Buch, das man von links nach rechts durchblättert. Wie ein Kalender – gerade zur Weihnachtszeit ein beliebter Artikel, nicht nur bei Kindern – schlägt man Seite für Seite um.

Neben Klassikern wie Bratapfel (hier verfeinert mit Ingwer) stehen auch traditionelle, fast schon vergessene Zutaten und Rezepte auf dem Plan,  Pastinaken und Jakobsmuscheln stehen so selbstverständlich neben- bzw. hintereinander wie heiße Schokolade und Apfel-Cidre-Tarte. Weihnachten wird vielleicht nicht weißer oder schneesicherer durch dieses Buch. Aber es wird weihnachtlicher, genussvoller und zufriedener.

In 80 Fettnäpfchen um die Welt

In 80 Fettnäpfchen um die Welt

Stellen Sie sich vier Karikaturen vor! Ein blasser Typ lässt einen Ziegelstein fallen. Ein Blonder (nein, jetzt kommt kein Blondinenwitz) tritt in ein Klavier. Ein korrekt gekleideter Mann tritt in eine Schale. Und zum Schluss trampelt ein Mann mit Baskenmütze in einen Teller. Sieht witzig aus. Tollpatschig. Hat auch was von Vorurteilen. Alles vier Bilder sagen Ein und dasselbe aus: Achtung Fettnäpfchen! Jede Sprache hat dafür einen Ausdruck. Schon erraten, woher die vier Karikaturen stammen? Auflösung am Ende des Textes.

Was an einem Ort als höflich gilt, ist andernorts ein Affront sondergleichen. Und umgekehrt! Françoise Hauser hat sich auf die Kultursuche gemacht und verschiedene Sitten miteinander verglichen. Globalisierung per Zwerchfell. Denn die Ergebnisse ihrer Recherchen sind nicht nur nützlich für alle, die gern Menschen in fremden Ländern besuchen, sie sind vor allem auch eine schmunzelnder Verne-Trip (Achtung Wortspiel!). Schon Jules Verne als geistiger Namensgeber des Buches ließ seine Helden „In achtzig Tagen um die Welt“ in mehr als ein Fettnäpfchen treten. Wer kommt heute noch auf die Idee eine rituelle Opferung zu stören?

Schon kleine Gesten können die schönste Zeit des Jahres zu einem Horrortrip geraten lassen. Es muss ja nicht immer gleich ein Schmähgedicht sein… Wenn man in Deutschland oder den USA jemanden seinen Respekt für eine besondere Leistung zeigen will, Daumen hoch! Wenn in Israel eine Frau auf die Art scheinbar die Würdigung anzeigt, hat das auch was mit Leistung zu tun. Allerdings will sie dem Empfänger eine besondere Art Leistung anbieten. Im Iran, Irak oder Australien sollte man der Aufforderung Folge leisten, und sich aus dem Staub machen.

Die Peinlichkeiten im Ausland beginnen oft früher als man denkt. Françoise Hauser unterteilt die Kein-Fettnäpfchen-Auslasser in mehrere Klassen. Von überambitionierten Adaptionisten (die, die alles mitmachen), Besserwisser (muss man nicht erklären, die hat jeder in seiner engeren Umgebung – wird man als Leser dieser Buches eigentlich zu Selbigem?) oder auch Kolonialherren (früher war alles besser, und ohne die einstigen Herren kann es ja nur schiefgehen) und auch Senior-Reisende, die eben nicht nach Wrocŀaw fahren, um sich die Feierlichkeiten der Europäischen Kulturhauptstadt Europas 2016 anzusehen, sondern steif und unerschütterlich ins (schlesische) Breslau fahren – am besten mit doppelt scharfen S.

Es gibt so wunderbar herrliche Fettnäpfchen, die man bewusst oder im Vorbeigehen einfach nicht auslassen kann. Das ist aber auch nicht schlimm. Man ist schließlich fremd, und wenn man sich nicht allzu sehr danebenbenimmt, kommt man meist damit auch durch. Freundlichkeit hat noch niemandem geschadet. So sollte man es halten. Dennoch ist die Lektüre dieses Buches keine vergebene Liebesmüh. Man kann nicht alles im Kopf behalten, was in diesem Buch beschrieben ist. Doch immer mal wieder reinschauen, auffrischen – besonders vor einer Reise – schadet nicht. Im Gegenteil, es schärft den Blick für das Neue, das Fremde und hilft es zu verstehen. Außerdem werden Einem selbst anhängende Eigenarten in ein anderes Licht gerückt. Das nimmt so mancher extremistischen Strömung den Wind aus den Segeln.

Und hier die Auflösung der Rätsels vom Beginn: Der, der den Ziegelstein nicht festhalten kann, ist Engländer, der Klaviermalträtierer ist Schwede, der Korrekte natürlich Deutscher und der Tollpatsch, der in den Teller tritt, kommt aus Frankreich.

Wer so gut gerüstet in den Urlaub startet, kann viel erzählen. Der Reiseblog 
www.travelepisodes.com ist eine gute Adresse, um seine Erfahrungen der Welt 
mitzuteilen. Zusammen mit dem Malik Verlag hat nun jeder die Möglichkeit dazu. 
Aber bitte nur echte Abenteuer. 
"Wichtig ist uns das persönlicher Erlebnis, das eine Reisereportage lebendig macht. 
Der Leser muss das Gefühl haben, selbst vor Ort zu sein, ob auf Bali oder am Bodensee. 
Wir wünschen uns Autoren, die uns intensiv teilhaben lassen am grandiosen Abenteuer 
die Welt zu bereisen.", so Johannes Klaus Herausgeber der Website und des ersten 
Reportagebandes "The Travel Episodes - Geschichten von Fernweh und Freiheit".
Einsendeschluss ist der 30. Juni 2016.

Der Schüttler von Isfahan

Der Schüttler von Isfahan

Prozentrechnen für Weltreisende: Wie viele Menschen in Ihrer Umgebung kennen Sie, die schon mal in der Schweiz waren? Garantiert mehr als 90 %. Und in Thailand? 70%? Namibia, Niger, Kirgistan? Weniger als ein Viertel? Und jetzt alles zusammen, also von Armenien und Chile über Iran und Usbekistan bis nach Burkina Faso und Grenada. Es tendiert wohl gegen Null. Darf ich vorstellen: Georges Hausemer. Seines Zeichens Weltreisender und eloquenter Geschichtenerzähler. Und Mister Einhundert Prozent!

Heruntergekommene Hotelzimmer, euphorisch begrüßter Kaffeegenuss, enervierende (russische) Flugzeugpassagiere, die ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, unglaubliche Naturphänomene am Ende der Welt, der ganz „normale Wahnsinn“ in ehemaligen Sowjetrepubliken, missverständlicher Smalltalk im Taxi … die Liste der Geschichten ließe sich unendlich fortsetzen.

Die titelgebende und so viele Assoziationen hervorrufende Story ist derart überraschend, dass man selbst sofort die eigenen Urlaubserlebnisse niederschreiben möchte. Denn das, was Georges Hausemer in den vergangenen Jahren passiert ist, kann jedem passieren. Nur halt nicht so oft und schon gar nicht in so vielen Ländern. Und schon gar nicht kann jeder diese Erlebnisse so pointiert niederschreiben.

Reisen bildet – und es schafft Platz im Hirn für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Der Alltag als Besonderheit ist der Boden auf dem die Reisegeschichten des Autors wachsen. Man muss nur hinschauen. Wachen Auges schreitet Georges Hausemer durch die entlegensten Flecke der Erde. Fast scheint es so, als ob er der Typ ist, den man am Abend an der Bar, auf der Terrasse, im Restaurant irgendwo auf der Welt gesehen hat, wie er mit Stift und Papier bewaffnet seine Eindrücke festhielt. Nicht immer streng nach den Regeln wie er selbst in einer Geschichte einräumt. Denn das A und O der Aufzeichnungen sind Daten und Fakten. Manchmal ist das Erlebte so spannend, so neu, so faszinierend, dass man darüber hinaus diese vergisst. Den Ausführungen tut das keinen Abbruch. Die verlorenen Fakten machen die Texte mystischer und den Autor nahbarer.

Die mehrere Dutzend Geschichten vermitteln einen beeindruckenden Überblick über die Verschiedenheit der Lebensentwürfe der Welt. Geht in Deutschland ein Taxi kaputt, geht gleich die Welt unter. In Armenien oder Georgien nimmt man es hin. Man weiß, dass es etwas länger dauern kann. Die Definition von „etwas länger“ ist im Kaukasus auch eine gaaaaanz andere als bei uns. Aus dem kleinen Luxemburg in die Welt hinausgeschleudert, auf einem Blatt Papier um die Welt reisend, mit spitzer Feder vom Erdball die letzten Geheimnisse kratzend. Georges Hausemer ist der Reiseleiter, den sich jeder wünscht. Und sei es nur in Buchform.

Profi-Taschenfernglas

Profi Taschenfernglas

Die Welt ganz nah zu sich bringen. Kinder haben da ihre eigenen Strategien. Doch wenn der kindliche Forscherdrang jugendlichem Forschergeist nach und nach weicht, muss die Wirklichkeit mit technischem Gerät aufgefüllt werden. Wer sich in Flora und Fauna bewegt, kommt schnell an den Punkt, dass die Objekte der Begierde zwar erkennbar, aber doch nicht deutlich auszumachen sind. Mit dem Profi-Taschenfernglas wird beispielsweise das scheue Wild greifbar. Fast! Mit einer Vergrößerung von 8 x 21 mm kann man da schon mal die ersten Schritte unternehmen. Und mit 130 Gramm ist es auch nicht zu schwer, so dass weitere Utensilien der Reihe „Expedition Natur“ wie das Abenteuer-Teleskop, Messer, Kompass und Becherlupe noch locker in den Adventure-Rucksack passen. Die mitgelieferte Aufbewahrungstasche lässt sich mühelos am Gürtel befestigen.

Pflanzen einfach bestimmen

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Die Abgeschiedenheit von Wiesen, Wäldern und anderen erholsamen Flecken sind die wahren Kraftspeicher und Tankstellen des Lebens. Einmal tief einatmen und die Sorgen des Alltags sind wie weggeblasen. Die Natur unter den eigenen Füßen spüren, krachend, sanft nachgebend, betörend, alle Sinne ansprechend. Wer in die Natur eintaucht, weckt nach und nach auch sein Interesse dafür. Und jetzt kommt der Punkt, an dem sich wissbegierige Forscher von den Rasentretern trennen. Denn jetzt ist der Punkt erreicht, an dem der Natur kleine Rätsel entrissen werden (können). Pflanzen bestimmen.

Puh, das war noch nie leicht! Oma und Opa, die konnten das noch! Die wussten worin sich ein Schnee- von einem Maiglöckchen unterscheidet. Klar, kann man nun sein Smartphone zücken, googeln und dann laut in die Welt hinaus schreien, was man da entdeckt hat. Der Zahn der Zeit! Gleich noch ein Selfie á la „Me and my Buschwindröschen“, Lippen geschürzt und ab ins Netz. Und aus den Augen, und somit auch aus dem Sinn.

Nee, nee, nee. Dieses Buch lädt zum klassischen Erkunden der heimischen Flora ein. Blättern nicht Wischen. Forschen nicht Suchmaschinen durchforsten. Genau beobachten statt flüchtige Blicke. „Schritt für Schritt einheimische Arten kennenlernen“, heißt es im Untertitel. Kennenlernen ist das Zauberwort. Nicht einfach nur entdecken und dafür Punkte kassieren. Angenehm, Grauweide. Sehr erfreut, ich bin Berula errecta, Viele kennen mich auch als kleiner Merk oder Berle. Ich werde bis zu 80 Zentimeter hoch und blühe von Juni bis August. Als Kuppler zwischen den beiden Unbekannten (Betrachter und Pflanze) ist dieses Buch jederzeit bereit. Alles in Allem fast siebenhundert Mal, sechshundertvierundsiebzig Mal, um genau zu sein.

Und jetzt kommt die Nachhaltigkeit um die Ecke. Ein social-media-post steht online, wird maximal noch „geliked“, und hat nun seine Schuldigkeit getan. Ein Buch wie „Pflanzen einfach bestimmen“ währt wahrhaft ewig. Man stellt an exponierter Stelle ins Regal, und holt es dann und wann wieder hervor. Ein Leben lang! Ein echter Freundschaftsdienstleister, der stets mit Rat zu Seite steht, wenn selbiger erforderlich ist. Und ein ganz normaler Spaziergang wird von nun an zu einer echten Forschungsreise. Für manche Grastreter ist es ein Wissensauffrischer, für Einige Neuland, für Alle eine Offenbarung. Wenn in den Medien wieder von Naturzerstörung die Rede ist, denken viele an umgeknickte Bäume. Doch welche Bäume? Wenn von Rodungen gesprochen wird, kann man anhand der Erläuterungen mögliche Opfer benennen. Oder von Vornherein sagen, welche Arten vor Ort schützenswert sind.

Eine weitere Handhabungsmöglichkeit ist die, sich einfach mal wieder mit dem zu beschäftigen, was seit Jahr und Tag vor der eigenen Haustür vor sich geht, was schon immer da war und hoffentlich auch immer da sein wird. Wer auf Wanderschaft durch die heimische Flora geht, wird in diesem Buch einen eloquenten und sachkundigen Begleiter finden. Auch wenn er ihn bis jetzt nicht gesucht hat.

Masuren – Im Land der tausend Seen

Masuren - Im Land der tausend Seen

Da meint man, man kenne Europa, habe ihm all seine Geheimnisse entrissen und müsse – um Neues zu finden – den Kontinent verlassen. Und dann kommt ein Buch wie „Masuren – Im Land der tausend Seen“ daher. Masuren: Diese Region in Polen, das, oberflächlich betrachtet, aus deutscher Sichtweise immer wieder erkundet wird. Hier kämpften im Krieg Deutsche gegen Russen. Hier liegen die Wurzeln vieler Entwurzelter, die nach dem Krieg ihre Heimat verlassen mussten. Hier ist die Heimat der Helden von Siegfried Lenz.

Und dann blättert man neugierig durch das Buch. Das Magazin National Geographic ist ja bekannt für seine aufregenden Fotoreportagen aus den entlegensten Ecken der Erde. Und dann tritt etwas zutage, das man so nicht erwartet hat: Umwerfende Landschaftsaufnahmen, fremdelnde Lichtschauspiele, baumüberspannte Alleen, beeindruckend illuminierte Stadtansichten. Europas Geheimnisse? Ja, es gibt sie noch!

Die Masuren haben keinen Zugang zum Meer – das unterscheidet sie von so vielen Regionen, „die man gesehen haben muss“. Auch mit Bergen wurden sie kaum bedacht, allenfalls ein paar Hügelchen. Doch sie haben trotzdem Wasser und idyllische Aussichtspunkte, um übers Wasser zu schauen. Und mit Danzig eine Weltstadt, die immer noch einem steten Wandel unterworfen ist.

Touristen finden sich hier kaum ein. Die Sommermonate sind die einzige Zeit, in denen man auch andere Sprache wahrnimmt. Von See zu See paddeln, sorgt dann hier und da für einen leicht erhöhten Geräuschpegel. Ansonsten ist hier das El Dorado für alle, die die Ruhe und Geborgenheit der Hektik und dem Nach-Attraktionen-Hecheln-Und-Hetzen den Vorzug geben. Nur ab und zu trommelt ein seltenes Geräusch klar und unaufdringlich die Ruhe des Morgens. Langsam kommt es näher, ein Schnauben stiebt durch den erwachenden Tag. Wildpferde wirbeln den Morgentau auf, durchschneiden den zarten Nebel. Ein Naturschauspiel, das nur wenigen vergönnt ist.

Dirk Bleyer hat auch dieses Abenteuer in seinen Bildern festgehalten. Geduld braucht man, um die Seele der Masuren in Pixel zu bannen. Ein startender Storch, zufrieden weidende Kühe, das Licht- und Schattenspiel der Marienburg, entspanntes Segeln, ein filigranes Spinnennetz – Masuren ist ein Ort für jeden, der noch echten Abenteuergeist in sich spüren kann.

Ein Bildgewaltiger Reiseband mit echten Geschichten von echten Menschen, die das echte Leben noch leben dürfen.

Tierspuren – Scout Natur

Tierspuren

Da streift man nicht ahnend durchs Grün und plötzlich sind da fremde Spuren. Für Schuhe zu filigran. Für Reifenabdrücke nicht durchgehend genug. Ein Waldbewohner war’s! Doch welcher? Da wäre es nützlich ein kleines handliches Nachschlagewerk zu haben, das die eine oder andere Spur erklären kann. So um die acht mal dreizehn Zentimeter reichen da vollkommen aus, um den Gefährten, der hier vor gar nicht allzu langer Zeit den Weg gekreuzt hat.

Wer vorgesorgt hat, kann jetzt an seinen Gürtel greifen, den Karabiner lösen und „Tierspuren“ aus der Scout-Natur-Reihe zu Rate ziehen. Die einzelnen Blätter sind praktischerweise reiß- und wasserfest und in Spiralbindung zusammengefasst. Ist der Naturbursche identifiziert, verrät der darunter stehende Text etwas mehr zu dem Tier, das man zwar verpasst hat, aber dessen Spuren mal entdeckt hat.

Siebenunddreißig solcher Steckbriefe erleichtern die Spurensuche in der näheren Umgebung. Nicht nur im Wald gibt es Tierspuren zu entdecken. Immer öfter trifft man auch in der tierunfreundlichen Stadt das eine oder andere Tier, das man hier gar nicht vermutet.

Die Illustrationen sind so täuschend echt, dass man mit offenem Auge auch das Original sofort wieder erkennt. Genauso wie auch die Unterkunft der abgebildeten Tiere oder etwa eine so genannte Fraßspur wie bei der Feldmaus. Denn auch die gehören zu den besprochenen Spuren, die Tiere hinterlassen und bei Entdeckung für helle Freude sorgen.

Wer sich in den Wald traut, verliert mit dem angehängten Kompass nie die Orientierung.

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten

Wenn beim Spazierengehen ein Elternteil tönt: „Lass das liegen! Das ist schmutzig!“, lächelt man über den Entdeckergeist von so manchem Nachwuchs. Er macht das, was schon seit Anbeginn der Menschheit getan wird: Dinge aus dem Boden holen. Sie sichtbar machen. Ihnen einem Zweck zuführen. Eric Chaline hat – nach „50 Tiere, die unsere Welt veränderten“ – sein Augenmerk auf die Erdschätze gerichtet.

Der Einband verrät schon so einiges, was den Leser erwartet: Gold, Schwefel, Bimsstein. Edelmetalle und besonders Edelsteine faszinieren seit jeher die Menschen durch ihre optische Strahlkraft. Ihr materieller Wert ist der Seltenheit und der Schwierigkeiten beim Abbau anhängig. Man stelle sich vor, das statt Schotter und Kies Gold auf den Wegen liegen würde. Kein Mensch würde sich Straßenbelag an den Finger stecken oder in der Bank deponieren.

Es sind nicht nur die seltenen – sehr teuren – Spekulationsobjekte, die unser Leben veränderten und es noch immer tun. Lehm, Kohle und sogar Sand sind elementar wichtig für unseren Alltag. Alles, auf dem wir uns bewegen, mit dem wir tagein, tagaus zu tun haben, kommt irgendwie aus dem Inneren der Erde. Sie traten freiwillig ans Tageslicht oder wurden teils unter schwersten Bedingungen an die Oberfläche befördert.

Eisen ist ein Stoff, der in der jüngeren Vergangenheit so komplex wie etwas anderes genutzt wurde. Veredelt als Edelstahl (wie soll er denn sonst heißen?!) ist er Hauptbestandteil der meisten Küchen. Steakliebhaber schwören auf ihre „Gusseiserne“. Paris ohne Eisen? Unvorstellbar, dass der Eiffelturm aus einem anderen Material gefertigt wäre. Die industrielle Revolution wäre ohne Eisen ein Stürmchen im Wasserglas gewesen. Nein, sie hätte nie stattgefunden.

„50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten“ ist ein Aufmerksammacherbuch. Viele Stoffe, Metalle, Dinge nehmen wir als gegeben hin und sind erstaunt, wenn wir darüber nachdenken, wie viel in den vergangenen Jahrtausenden schon geschaffen wurde. Wenn man dann noch einen Schritt weitergeht, kann man sich zusammenreimen, dass noch lange nicht alles erforscht ist und es noch jede Menge gibt, was in der Erde schlummert und darauf wartet an der Oberfläche für Veränderungen zu sorgen. Dieses Buch ist eine weitere Entdeckung. Es liest spannend wie ein Krimi, ist lehrreich wie ein guter Lehrer und exzellent illustriert.

Das Herbarium der Heil- und Giftpflanzen

Das Herbarium der Heil- und Giftpflanzen

Wenn’s weh tut, nimm ‘ne Pille. Wenn’s dauerhaft weh tut, greif auf alte Hausmittel zurück. Warum sich nicht gleich auf Mutter Natur berufen? Schätzungen zufolge sind 35.000 bis 80.000 Blütenpflanzen auch als Heilpflanzen anzusehen. Und demzufolge auch zu benutzen. Nicht alle wachsen um die Ecke, auf den Feldern, in Gärten, am Wegesrand. Doch Vorsicht, die Menge macht’s. Viel hilft viel – trifft bei Giftpflanzen nicht zu. Besser nochmal nachschauen, bevor man sich der Botanik an den Hals wirft. Oft scheitert die natürliche Heilmethode schon daran, dass man nicht weiß wie die heilenden Pflanzen überhaupt aussehen. Und das obwohl Generationen von Forschern sorgsam ihre Entdeckungen in Herbarien angelegt haben. Bernard Bertrand ist der Geschichte nachgegangen und die eindrucksvollsten Herbarien in diesem Prachtband versammelt.

Alle abgebildeten Pflanzen sind giftig und / oder heilend zugleich. Was das Buch so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass die abgebildeten Pflanzen im Maßstab Eins zu Eins wiedergegeben werden. So erkennt man nicht nur die Form wieder, sondern auch die Größe. Wie gesagt, es kommt auf die Dosierung an. Jedes Heilgift, nennen wir es mal so, was natürlich überhaupt nicht fachmännisch ist, hat seine eigene Geschichte. So liest man beispielsweise gleich zu Beginn über den Fuchseisenhut, dass die Securitate dieses Gift benutzte, um unliebsame Kontrahenten bewusst aus dem Weg zu schaffen. Unbewusste Opfer gab es knapp zwanzig Jahre zuvor, als ein Fallschirmjäger-Bataillon in den Pyrenäen auf der Suche nach Nahrung dieses spezielle Kraut zu sich nahm. Doch eigentlich benutzte man es, um Füchse zu jagen und zu erlegen. Daher der Name.

Beim Weiterblättern trifft man auf Bekanntes wie Buchsbaum und Stechapfel, aber auch auf Namen, die Vielen nicht geläufig sind wie der rundblättriger Sonnentau oder den echten Gmander. Die übersichtliche Gestaltung, die Hinweise zur Bestimmung, kleine Anekdoten aus der Mottenkiste, Tipps zur richtigen Handhabung und ein lehrreicher Einleitungstext sind die perfekte Zugabe zu den exzellenten Abbildungen. Nicht jeder, der in diesem Buch blättert wird automatisch zum Hexenmeister. Das ist auch nicht Ziel des Buches. Es ist Bildband und Lehrbuch in Einem. Wobei der Lehrcharakter keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Es ist ein Buch, das man gern durchblättert, man wird immer wieder etwas Neues entdecken. Die Texte sind verständlich geschrieben, so dass auch „Bio-Sechs-Setzen“-Leser auf ihre Kosten kommen. Und sei es nur die Verwunderung, dass die Kartoffel in einem Buch über Heil- und Giftpflanzen vorkommt.

Der Beginn des Buches, den man erstmal überblättert, weil man heiß auf die großformatigen Bilder ist, was auch verständlich ist, hat man die ersten zwei, drei Seiten gesehen, wirft ein neues Licht auf Pflanzen und ihre Wirkung. Die Geschichte der Gifte und die Gifte der Geschichte ziehen den Leser in ihren Bann. So mancher Krimi, in dem mit Giften gemordet wird, rückt so in ein anderes Licht. Den Täter versteht man immer noch nicht, aber die Wirkung wird nun wissenschaftlich untermauert. Und man erfährt auch, dass Gifte nicht nur das Leben beenden können, auch das Gegenteil ist oft der Fall. Die Menge macht’s. Doch leider ist nach 192 Seiten schon Schluss. Wenig hilft viel, sagt man sich angesichts der Tatsache, dass dieses Buch sämtliche Sinne anspricht. Und bedauert, dass der Spruch „Viel hilft viel“ bei diesem Buch keine Anwendung findet.