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Manchmal gewinnt der Bessere

Physik und Fußball? Oh je. Schon in der Schule schlug man mit der Geschwindigkeit v auf einer Strecke s in einer Zeit t auf die harte Schulbankoberfläche auf, wenn der Lehrer genau dieses Phänomen langweilig wie ein 0:0 beim Kick am Wochenende erklärte. Boah eh, Fußball und Physik … geht gar nich!

Doch! Und wie! Wenn der Lehrer Metin Tolan heißt. Und Fußballfan ist. Und sein Fachgebiet auch außerhalb des Hörsaals liebt und lebt. Fußball ist berechenbar. Aber nicht seine Ergebnisse. Zu viele Variable. Doch man kann die Wahrscheinlichkeit berechnen. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Wettanbieter nutzen dieses Wissen aus. Professionelle Wetteneinsetzer helfen dann gern mal ein bisschen nach.

Die drängende Frage, wer denn 2018 in Russland am Abend des Finalspiels den Pokal in die Höhe halten kann, ist eindeutig zu beantworten. Aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht Saudi-Arabien oder Panama sein wird, ist doch schon sehr hoch. Wenn es anders kommt, passt es allerdings auch wieder ins aktuelle Bild der Politik. Nichts ist mehr vorhersehbar.

Das spannendste Kapitel kommt zum Schluss des Buches. Wer wird Weltmeister 2018? Das kann man doch gar nicht berechnen! Stimmt. Aber – da ist sie wieder – die Wahrscheinlichkeit. Legt man die Ergebnisse der Qualifikationsrunden zu Grunde ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von nicht einmaleinem Prozent, dass … Brasilien Weltmeister wird. Ganz dicht gefolgt von Kroatien. Mexiko, der erste Gegner der deutschen Elf kann gar nur mit einer Hoffnung von einem Viertelprozent die Reise nach Russland eigentlich gleich als Erfahrungswert absetzen. Es sind, wenn man es so wie Metin Tolan errechnet, nur drei Mannschaften, die eine reelle rechnerische Chance haben den Pokal in die Höhe zu stemmen: Spanien mit knapp 21 Prozent, Belgien (!) mit fast 30 Prozent und mit der Strahlkraft der vier Sterne Deutschland mit einem statistischen Wahrscheinlichkeitswert von 32,34 Prozent.

Fazit. Die WM wird sterbenslangweilig, weil ja eh am Ende Deutschland gewinnt. Diese Erkenntnis stammt von Gary Lineker, einem Spieler, in dessen Heimat das Fußballspiel erfunden wurde. Er muss es also wissen. Doch warum hat dann England nur einen Chance von 0,62 Prozent auf den Titel? „Manchmal gewinnt der Bessere“, diese titelgebende Weisheit von Lukas Podolski, ist das Besser-Wisser-Buch zum Ereignis des Jahres 2018. Eine gewisse Affinität zu Zahlen, Mathematik und Physik sollte man allerdings mitbringen. Poissonverteilung und Magnuseffekt kann man nachlesen, deren Anwendung muss man sich en détail erklären lassen. Metin Tolan nimmt sich die Zeit, um wortgewandt und detailverliebt die Physik des Fußballs zu erläutern. Man muss sich darauf einlassen. Wer dies tut, wird mit Erkenntnissen erst Klasse belohnt und wird auf den Rängen, auf der Couch, beim „public viewing“ – wo auch immer – für seine Eloquenz und sein Fachwissen beachtet werden. Jetzt müssen sich nur noch die Zweiundzwanzig auf dem Platz an die Physik halten…

Ballgefühl

Vier zu Zwei und Drei zu Acht. Klingt wie Fußballergebnisse. Fast. Es sind die Anzahl der Welt- und Europameisterschaften bei den Männern und den Frauen. Viermal sind die Jungens Weltmeister geworden und zweimal die Frauen. Europas Könige waren die Männer bisher dreimal, und die Damen konnten den Titel schon achtmal erringen. Achtmal bei zwölf Turnieren. Und trotzdem ist Frauenfußball in Deutschland immer noch so was wie ein Exotensport. Ein Sprungbrett für engagierte Journalisten. Nischenprodukt für findige Unternehmergeister. Aber auch schon Spekulationsobjekt für kommende Generationen.

Als XY-Chromosomenträger muss man ordentlich aufpasse, dass beim Thema Frauenfußball einem nicht immer noch der eine oder andere politisch nicht ganz bis unkorrekte Spruch rausrutscht. Frauen und Fußball – dass das zusammengehört, ist mittlerweile auch beim härtesten Stadiongänger und Stehpinkler angekommen. Es wird toleriert, meistens sogar akzeptiert.

Die beiden Verlegerinnen Sascha Nicoletta Simon und Brigitte Ebersbach treten in diesem amüsanten Fußballbuch, dass Frauen und Fußball durchaus direkt miteinander zu tun haben. Nicht, weil sie ihm gefallen will. Oder er es will – was eigentlich auch nie so recht der Fall war oder ist. Sondern, weil sie Fußball toll finden. Nicht nur Frauenfußball.

Hier jetzt bitte die typisch männlichen Floskeln einsetzen:

… Ronaldo, klar, dass der denen gefällt, ist doch kein Mann …

… Das da unten ist der Rasen …

… In 90 Minuten ist Abpfiff, steht das Bier schon kalt? …

Machosprüche, wie sie älter nicht sein können. Falsch. Selbst noch in diesem Jahrtausend (!) wurden Frauen (beim 1. FC Saarbrücken) fast so vom Stadionsprecher begrüßt, kein Witz.

Jede der Autorinnen hat ihre besondere Fußballgeschichte. Ob sie nun beim Helmut Schön auf der Couch saßen und genüsslich den mitgebrachten Kuchen verspeisten, was die Jungens in der Klasse gehörig ärgerte oder sich einfach nur ihre Lust am Spiel von der Seele schreiben wollten – sie alle sind Fußballfans wie jeder andere auch. Nur viel gefühlvoller, oft objektiver, aber nicht minder fanatisch.

Da ja mittlerweile jede Woche irgendein Fußballhighlight über die Bildschirme flimmert, ist dieses Buch nicht an ein so genanntes Event oder ähnliches gebunden. Dieses Buch kann (und sollte) zu jeder Jahreszeit gelesen werden. Nur nicht währen des Spiels. Das wäre gefühllos.

Die Weltgeschichte des Fußballs in Spitznamen – Von den Anfängen bis zum fliegenden Holländer

Das brauchte die Fußballwelt noch! Echt jetzt. Das brauchte sie wirklich. Ein Buch mit den Spitznamen aus dem Sport, mit dem weltweit am meisten Aufmerksamkeit erregt wird, das meiste Geld verdient wird und die meisten Menschen begeistert werden können.

Dieses Buch, dieses Kompendium des Fachwissens, beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts. Preston North End schoss sich gerade zum ersten Fußballmeister Englands, ja sogar der Welt. Und schon damals firmierten sie unter zwei weiteren Namen: The Lilywhites, wegen der blauen Hosen und weißen Shirts und The Invincibles, wegen ihrer sagenhaften Serie von 42 Siegen hintereinander. Das war 1887/88. Seit 1961 waren sie nicht mehr erstklassig, spielen heute in der zweiten englischen Liga.

Die Reise zu den Spitznamen von Mannschaften, Derbies und Spielern zieht jeden Fußballfan, egal von welcher Mannschaft in ihren Bann. Ein Lexikon zu lesen ist in etwa so spannend wie bei Volksmusiksendung mitzufiebern. Doch dieses Buch ist nun mal kein Lexikon. Ein Nachschlagewerk sehr wohl.

Und so reist man vom Black Country Derby in England zur spanischen Máquina Blanca, schaut bei der DIMAYOR, einer parallelen Fußballliga im Kolumbien der 50er Jahre den Ballkünstlern auf den Spann, feuert den Windhund an, oder die Knappen, um schlussendlich dem Bomber der DDR, Joachim Streich (den Spitznamen gab es so allerdings nicht in der DDR, viel zu martialisch und militärisch) die gesamtdeutsche Ehre zu erweisen.

Mariano Beraldi und Verleger Wolf-Rüdiger Osburg geben ihrer Leidenschaft nach und schrieben das Fußballbuch, das wirklich in jeden Bücherschrank gehört. In einer Zeit, in der überzuckerte Jungbullen überalteten Fohlen die Sporen geben, Dinos trotz Jugendtrainer nun zu Auswärtsspielen in Orte fährt, die weniger Einwohner haben als so mancher Stadtteil daheim – in einer Zeit also, in der Fans sich über mangelnde Loyalität und überhandnehmenden Kommerz (wieder) einmal beschweren, sind es solche Bücher, die dazu beitragen, Traditionen und Traditionsvereine wieder in den Fokus zu rücken, zumindest aber in den allgemeinen Sprachgebrauch zurückzuholen. Und das Beste kommt ja noch: Teil Zwei ist schon in Vorbereitung. Denn dieser Band beschäftigt sich von den Anfängen, den eingangs erwähnten Invincibles bis zur WM 1974. Der Rest – vielleicht wird ja bei der Fußball-Weltmeisterschaft ein Russland eine weitere Legende geboren – soll bald folgen.

Noch ein paar Spitznamen zum Rätseln gefällig? The Mighty, The Turfites, El Filtrador, Die Döblinger, Veleno, The Clarets, Der schwarze Peter, Stan, Linke Klebe. Ein köstliches Buch, das im Bücherschrank immer ganz vorn stehen wird, so dass man es immer zur Hand hat, wenn man das Gefühl hat ein bisschen darin herumzublättern.

La Fidanzata

Ein Name wie Donnerhall schallt durch die Arenen der Welt: Juve kommt! Fans wie Spieler freuen sich bis heute, wenn die nationale Denkmal des italienischen Fußballs zu einer anderthalbstündigen Stippvisite vorbeikommt. Meist krallen sich die Spieler auf dem Platz gleich die Willkommensgeschenke mit gierigen Pranken und entführen regelmäßig drei Punkte von fremden Plätzen. Auf dem Platz standen und stehen Ikonen den Weltfußballs: Dino Zoff, Zlatan Ibrahimovic und Gianluigi Buffon und andere spielen mit Grandezza, während der Gegner noch darüber grübelt, ob die schwarz-weiß gestreiften Trikots nur Tarnung sind oder echten Gefängnisinsassen gehören.

Juventus Turin wird gern die alte Dame genannt. Echte Fans nennen sie La Fidanzata, die Verlobte. Zahlenjongleure sehen in Juventus Turin den trophäensammelnden Verein aus dem Norden, der unbarmherzig Spiele für sich entscheidet.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde dieser Unbarmherzigkeit (und dem Titelsammeln) der Riegel vorgeschoben. Und das nicht nur sprichwörtlich. 2005 wurde Juventus zum zigsten Mal italienischer Meister. Diese Meisterschaft war etwas ganz besonderes. Es wäre die achtundzwanzigste Scudetto gewesen. Doch der Titel musste noch ein paar Jahre warten. Denn aus Abhörprotokollen der Staatsanwaltschaft ging eindeutig hervor, dass Spiele manipuliert wurden und somit die Meisterschaft erkauft wurde. Im Jahr darauf wurde Juve wieder Meister, doch die beiden letzten Meistertitel wanderten unversehens in den Abfallkorb der Geschichte und La Fidanzata in die Serie B. Mit dem Handicap von 30 Punkten Minus. Daraus wurden später 17 Punkte, doch der Gang in die Zweitklassigkeit blieb unangetastet – anders als bei weiteren in diesen Skandal verwickelten Vereinen wie AC Milan, AC Florenz und Lazio Rom. Ein Jahr im Keller, auferstanden wie Phönix aus der Asche. Ein Jahr später war man wieder oben auf und zu Beginn des zweiten Jahrzehnts stärker denn je. Sechs Meisterschaften in Folge gaben wieder Anlass zu Kopfschmerzen bei den Fans der gegnerischen Vereine.

La Fidanzata ist die Spalttablette im Calcio auf dem Stiefel. Wie das Trikot der Spieler gibt es nur Schwarz oder Weiß, Liebe oder Hass. Einfach, ernsthaft, zurückhaltend ist das Spielsystem von Juve von jeher gewesen. Schon früh waren ausländische Spieler und Trainer die Säulen des Erfolges eines vereins, der von Gymnasiasten gegründet wurde und seit fast einhundert Jahren in den Händen einer Familie liegt: Agnelli. Die Nachfahren des Fiat-Gründers schafften es dem Kaufwahn der Ölmilliardäre zu widersteh und Juve bis heute von fremdem Geld unabhängig zu machen.

Birgit Schönau ist für die ZEIT und die Süddeutsche in Italien tätig. Sie schafft mit inbrunstiger Wortgewalt dem Mythos Juventus den würdigen Blätterrahmen zu verleihen. Wie in einem Almanach folgen die Augen den Worten wie einer galant geschlagenen Flanke. Wie den Elfmeterschuss erwartende kann man es kaum erwarten bis man die nächste Seit aufschlagen kann. Und schlussendlich der Volltreffer, wenn man die zweihundert Seiten vollendet hat. Spieler, Namen, Anekdoten sind nun vertraut die Tante Trude um die Ecke, die Faszination ist weiterhin ungebrochen, wenn nicht sogar noch verstärkt worden. Keine Lobeshymne, jedoch ein Buch, das Spaß macht gelesen zu werden – egal, ob man nun Fan ist oder nicht.

Das Spiel meines Lebens

Da geht man sich „nur kurz mal die Füße vertreten“ und schon liegt die Mannschaft, die das ganze Spiel über geführt und es dominiert hat, in der Nachspielzeit zurück. Schlusspfiff, die Spieler überstrapazieren ihren Tränengänge und die hintere Nackenmuskulatur aufs Extreme. So ein Spiel werden sie nie vergessen. Alle stürzen auf die Spieler ein. Vernünftige Antworten sind zwar nicht aus ihnen herauszupressen, dennoch versucht man es. Und was ist mit den Fans und den Reportern? Werden die denn überhaupt nicht gefragt? Doch! Julia Suchorski – Pauli-Fan – bat sie ihre Erinnerungen an das Spiel ihres Lebens niederzuschreiben, die nun endlich erhältlich sind.

Das eingangs erwähnte Spiel ist das Champions-League-Finale 1999, Bayern-ManU. Die Bayern führen fast die gesamte Spielzeit, und verlieren binnen Sekunden in der Nachspielzeit. Für den gebürtigen Münchner Benedict Wells – und nicht nur für ihn – ein Drama. Insgeheim trägt er sogar Schuld daran. Denn er konnte sein „Glücksritual“ nicht bis zum Schlusspfiff durchziehen. Oder war doch Coca Cola Schuld, weil die so kleine Dosen herstellen?

Christine Westermann, die man nicht unbedingt unter den Ball-Enthusiasten vermutet – nicht weil sie eine Frau ist!, nein! – macht sich Gedanken darüber, welcher Spiel denn nun das „Spiel ihres Lebens“ war. Und dabei haut sie eine Anekdote nach der anderen raus. Eine Wonne für Fußball-Nostalgiker!

Die Autoren standen auf mehreren Kontinenten auf den Tribünen. Sie litten, schrien, weinten, jubelten. Wie selten zuvor. Oft sind die „Spiele ihres Lebens“ nur bruchstückhaft noch in ihren Erinnerungen vorhanden, doch das Gefühl daran ist präsent als ob es gestern gewesen wäre. Verpasste Chancen hüben wie drüben, bei Spielern und Fans gehören dazu wie das unbeschreibliche Gefühl einem historischen Moment beigewohnt zu haben.

Voller Leidenschaft frönen die Autoren in ihren Texten ihren Erinnerungen und dem Spiel „da unten, auf dem Rasen“, so dass der Leser die Umarmungen, die Verzweiflung, die Euphorie, die Niedergeschlagenheit am eigenen Leib miterleben kann.

Die Autorin gibt zu, dass es schon ungewöhnlich ist, dass sie ein Buch herausgibt, das allein dreimal den Rivalen aus der Hansestadt zum Thema hat (S2U0N1 – Fußballfakten-Kenner wissen worum es geht). Auch Dortmund kommt gleich zweimal zum Schuss – und gewinnt. Als Fußballfan erinnert man sich vielleicht an manche beschriebene Partie. Selten zuvor wurden Emotionen so wortstark und nachvollziehbar aus der Sicht der Zuschauer und Fans betrachtet. Rechtzeitig zur Frauen-EM in Holland ist dieses Buch der Brückenschlag in die Erinnerungen an „die gute alte Zeit“, als Kerle noch instinktiv gegen die Pille kickten und nicht bierbäuchig ihr Exp(äh, äh)rtentum vor laufenden Kameras kundtun mussten.

Dieses Buch gehört den Funktionären – von ganz oben angefangen, denn ganz besonders – um die Ohren gehauen bis ihre „Geschäftigkeit“ der Leidenschaft, die sie einst zum Fußballspiel trieb, gewichen ist. Kaum ein (ernst gemeintes) Wort über Schiebung, Korruption und Betrug, sondern pure Emotionen, Freude am Spiel und die Aussicht darauf, dass sich alles irgendwann einmal zum Besseren wenden kann.

Fußball in Berlin

Fußball in BerlinIch bin ein Fan von Hertha! Is erstmal ‘n Statement. Aber welche Hertha? Literatur-Nobelpreisträgerin Hertha Müller? Politik-Dauer-Nörglerin Hertha Däubler-Gmelin? Oder doch Hertha Suurbier, die mit der eigenen Fahne…

Dann doch lieber Hertha BSC. Als Fußballfan eines Hauptstadtvereins hat man in England die Qual der Wahl – Chelsea, Arsenal, Tottenham ganz oben mit dabei, West Ham, Crystal Palace, Fulham eher Kellerkinder. In Frankreich ist es der Hauptstadtclub PSG, der seit einiger Zeit den Ton angibt – und wie! Italiens römische Vereine sticheln gern und oft, aber Meister kommen dann doch von „weiter oben“. Und in Deutschland? Von den 54 Vereinen, die jemals in der Bundesliga gespielt haben – ja, auch vorher wurde schon Fußball gespielt, aber … – hat sich der Hauptstadtclub auf Platz Zwölf der ewigen Bundesligatabelle eingerichtet. Nicht schlecht! Aber ohne Titel eben. Die letzte Meisterfeier stammt aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Ostteil der einst geteilten Stadt wurde dagegen regelmäßig der Meistertitel gefeiert. Allerdings hatten da höhere Mächtige ihre Hände im Spiel, echte Menschenfreunde wie sie meinten…

Noch einmal zur Ewigen Tabelle. Ein Berliner Verein führt diese an – allerdings nur, wenn man sie auf den Kopf stellt: Der SC Tasmania 1900 Berlin. Acht kümmerliche Punkte nach der Dreipunktregel. Zur aktiven Zeit  der Verein ist mittlerweile Pleite – waren es sogar nur sechs Punkte. Zwei Siege, zwei Unentschieden. Und sagenhafte einhundertacht Gegentore. Das ist Fußball in Berlin! Nicht ganz. Meint zumindest Henry Werner, Autor des Buches „Fußball in Berlin“. Und er hat recht!

In Berlin wurde 1897 der erste Fußballverband gegründet, im „Dustren Keller“ in der Bergmannstraße 107, unweit des Flughafens Tempelhof. Das Buch ist mehr als ein Almanach der Punkteverteilung. Historische Plakate wie dem von den Internationalen Fußball-Wettspielen, fotografischen Zeugnissen u.a. von Viktoria Berlin und den Gründungsvätern des BFV oder auch athletischen Momentaufnahmen des Weltsports Fußball. Die Texte strotzen nur so von Fachwissen.

Über einhundert Jahre Fußballgeschichte aus und in einer der bedeutendsten Städte der Welt, deren Veränderungen Jahrzehnte, gar Jahrhunderte bewegten und immer noch bewegen. Auch wer kein Fußballfan eines Berliner Vereins ist – und Vereine gibt es hier mehr als Baustellen – wird sich an diesem Buch erfreuen können. Immer wieder streut der Autor kleine Anekdoten ein, die man einfach nicht kennen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Wie die der „Spartaner“. Ernst Fuhry gründete diese sektenartige Mannschaft in der dunkelsten Zeit Deutschlands. Nationalsozialistische Ideologien paarten sich mit kruden Idealen, die den Spielern wirklich jeden Spaß am Leben verdarben. Doch ihr Spielstil war einzigartig: Fair, ritterlich, aufopferungsvoll und ohne Fouls und Tacklings. Das war selbst den Machthabern suspekt. Fuhry selbst wurde denunziert, verfolgte aber – ganz Sportsmann – stur seine Linie. Die Spartaner wurden dem Post-SV untergeordnet, das war das Ende der Spartaner. Dennoch wurden sie in der Saison 1937/38 ungeschlagen Berliner Meister. In 27 Spielen kassierten sie lediglich 17 Gegentore.

Bildband oder Nachschlagewerk? Das ist hier nicht die Frage! Fußballfieber zwischen zwei Buchdeckeln trifft es eher. Das Großformat trägt der Bedeutung der Stadt als Fußball-Dauerbrenner Rechnung. Wer Berlin besucht, kommt irgendwann auch am Olympiastadion vorbei – auf der letzten Umschlagseite mit der „Berliner Fußball-Karte“ übrigens als Standort „3:10“ gekennzeichnet. Spätestens hier wird auch der neutrale Beobachter vom Fußballfieber gepackt. Für echte Fans müssen nicht immer die Alte Försterei oder der Jahnsportpark sein…

Fußball

Fußball

Schaltjahr – Olympische Sommerspiele – Fußball-Europameisterschaft! Die drei Eselsohren für Sportfans. Und wieder werfen Experten ihre Fußballgeschichten auf den Büchermarkt. Man meint, dass schon über jede Meisterschaft, jedes Spiel, jeden Spielzug Zeilen verfasst wurden. Und dann kommt ein anerkannter Schriftsteller daher und beweist das Gegenteil. Jean-Philippe Toussaint ist seit Kindesbeinen an vom runden Leder und der Jagd danach angetan. Er ist kein Fanatiker, Enthusiast trifft es eher. Er kreischt nicht bei jeder öffentlichen Zurschaustellung (public viewing ist einfach zu blöd, um die Menschenansammlungen zu beschreiben), nur weil einer seiner Helden in Großaufnahme zu sehen ist. Er ergötzt sich an Tricks, freut sich über gelungene Spielzüge und … er erinnert sich.

Als Belgier des Jahrgangs 1957 konnte er sich über die belgische Abseitsfalle jahrelang erfreuen. Doch ab Mitte der 80er bis ins neue Jahrtausend hinein konnte er seinen Emotionen nur in den Qualifikationsspielen freien Lauf lassen. Doch seit einem Jahrzehnt kann er sich auch darüber hinaus an Wilmots und Co. erfreuen. Auch 2016 ist Belgien wieder ein essentieller Bestandteil des europäischen Fußballgeschehens.

Nun ist Jean-Philippe Toussaint sicherlich keiner, der einhändig im Stadion zu Brüllen beginnt, wenn sein Team punktet. Er ist ein stiller Genießer, der im richtigen Zeitpunkt die Arme hochreißt und seinen Nebenmann umarmt. Auch wenn er ihn gar nicht kennt. Oft passiert. Auch bei Weltmeisterschaften. Denn die haben es ihm angetan. 2002 in Japan und Korea war er vor Ort, also in Japan. Schaute Spiele im Stadion und im Fernsehen an. Doch das echte Ereignis waren für ihn die Stadionbesucher. Diszipliniert, uniformiert, stressresistent. Den Ratschlag schon Stunden vor Spielbeginn aufzubrechen, beherzigt er und wird nicht enttäuscht.

Enttäuschend hingegen die WM 2006 in Deutschland. Keine Karten für Jean-Philippe Toussaint. Nur durch Umwege kann er sich Schweden gegen Paraguay anschauen – beide Teams scheiden in der Vorrunde aus.

Jean-Philippe Toussaints Ansichten über Fußball sind universell und speziell zugleich. Seine Wortwahl ist treffsicher, ohne verbale Schwalben, kein sinnfreies „kick and rush“, einfach nur intelligentes Phrasieren über die schönste Nebensache der Welt.

Das Titelbild des Buches zeigt die Veränderungen des Fußballs. Waren bis in die 80er Jahre fast nur echte Fußballfans in den Stadien, ist ein Event wie die Europameisterschaft heute ein Massenphänomen, das auch Menschen an lockt, die sonst rein gar nichts mit den zweiundzwanzig Millionären, die gegen einen Ball treten, zu tun haben. Eine Riesenparty, die mit dem eigentlichen Fest kaum etwas zu tun hat, lässt auch die Leidenschaft von Jean-Philippe Toussaint ein wenig nachlassen. Das Halbfinale der vergangenen WM zwischen Holland und Argentinien wollte er sich im Internet auf Sardinien anschauen. Ein Stromausfall hatte dann doch sein Feuer wieder entfachen lassen. So ist es: Fußball kann sich kaum jemand entziehen, der den puren Nervenkitzel sucht. Je länger ein Turnier dauert, desto größer das Kribbeln. Zum Glück hat es Jean-Philippe Toussaint auch in den Fingern gekribbelt und er beschert uns im Fußball-Sommer 2016 das Fußball-Buch 2016.

Junior Fußball-Quiz

Junior Fußball Quiz

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Zehn – zehn heißt die Zauberformel, die jedes Fußballerherz höher schlagen lässt: Denn vom 10. Juni bis zum 10. Juli trifft sich die europäische Kickerelite in Frankreich um ihren Meister zu suchen und zu küren. Aus der Masse der spielerischen Must-Haves sticht dieses Spiel für Nachwuchs-Balltreter heraus. Einhundert Spielkarten mit Fragen, die selbst jahrelang trainierte Fußballgenies ein Fragezeichen auf die Stirn zaubern.

Das Spiel ist zwar dem Namen nach für Junioren gedacht, aber so mancher Fußballfan, der den D-und C-Kadern längst entwachsen ist, wird an den Fragen seine Freude haben. Vor allem die kuriosen Fragen zu fragwürdigen Entscheidungen (und das betrifft nicht nur Wembley 1966 – es war kein Tor!!!) lassen das Fußballerherz höher schlagen. Eine Antwort sei an dieser Stelle gestattet. Russland verlor bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm gegen Deutschland. Aus Frust darüber weigerte sich Zar Nikolaus die Kosten für die Heimreise zu übernehmen. Damals ein Drama, heute würde das eher ein Schmunzeln über die Gesichter der Spieler huschen. Mehr nicht! Wie sich die Zeiten doch ändern…

Die Antworten sind in einem lustig gestalteten Antwortbüchlein kurz und knapp festgehalten. Und wer die meisten Antworten kennt, geht als verdienter Sieger vom Platz. Dann muss aber schon wissen, welches die größte Tordifferenz in einem offiziellen Länderspiel war. Oder aus welchem Material die ersten Fußbälle bestanden. Oder oder oder. Fußball ist so bunt und vielfältig wie dieses Kartenspiel. Und nicht minder emotional!

100 Jahre FC St. Pauli

 

100 Jahre FC St. Pauli

Der FC St. Pauli gehört zu den beliebtesten Vereinen in Deutschland. Das ist Fakt. Kaum ein anderer Stadtteil-Fußballverein (außer Schalke) erfreut sich solch großer Beliebtheit. Auch Fakt. Es gibt nur wenige Mannschaften, die trotz dem sie in drei Spielklassen spielten, immer wieder „Aaahh“s und „Ohhh“s hervorrufen. Der FC St. Pauli war nie weg – schon gar nicht im Jahre 2010, das Jahr, in dem der Verein sein 100jähriges Bestehen feiert. Im Moment wird aus der Geburtstagsfeier auch eine Aufstiegsfeier.

Was macht ein Fanbuch zu einem echten Fanbuch? Einem Buch für Fans. Ein Fan braucht doch kein Buch, um sich zu erinnern, um sich an den Verein zu binden. Sicherlich, aber wir kennt schon Walter Brombacher, Rudolf Prinzlau oder Christian Schmelzkopf? Die drei gehörten zu den so genannten „Fußlümmeln“, sozusagen zur Erstbesetzung im Kiezfußball-Theater. Aufstiegmannschaften und den genauen Verlauf DES Spiels gegen Bayern München können sicher viel gebetsmühlenartig herunterleiern. Voller Leidenschaft beschreiben die Autoren sie Szenen, die zu unerwarteten 2:1-Erfolg des Tabellenletzten der deutschen Fußball-Bundesliga gegen den frischgebackenen Weltpokalsieger führten. Die Spannung scheint greifbar, das Buch scheint aus allen Nähten zu platzen. Die Tribünen brechen unter der Freude der Fans zu zerbersten. Die Stimmung ist elektrisiert.

Und genau deswegen braucht man dieses Buch. St. Pauli ist Atmosphäre. Der Verein lebt nicht von seinen Meisterschaften. Es sind die kleinen Erfolge, die Fans, der Kampfgeist, die geniale Vermarktung der Marke, die diesen Verein prägen und zu dem machten, was er heute ist. Erfolge wie der am 6. Februar 2002 gegen die Bayern – Fans die treu zu ihrem Verein stehen und dabei niemals ins Platte abdriften. Fans, die immer kreativ sind und ihren Verein auch dann unterstützen, wenn es schon kurz nach Zwölf ist – Kampfgeist zeigen, wie etwa Sepp Piontek, der die Paulianer 1978/79 trainierte. Der Trainingsplatz (näher am Lokalrivalen dran als am eigenen Stadion) war dermaßen von Maulwurfhügeln übersät, dass der Coach die Plagegeister eigenhändig … ja sagen wir mal … beseitigte. Und die geniale Vermarktung. Man muss die Verantwortlichen einfach so betiteln. Als es dem Verein wieder einmal so richtig dreckig ging, und er kurz vor dem endgültigen Aus stand, weil das nötige „Kleingeld“ fehlte, wurden die „Retter“-T-Shirts gedruckt. Selbst der ehemalige Bayern-Manager Uli Hoeneß trug eines. Ob er es selber bezahlt hat, ist nicht wirklich überliefert. Fakt ist aber, dass der große FC Bayern dem „kleinen“ FC St. Pauli immer wieder gern unter die Arme greift. Und das nicht aus großkopfertem generösem Getue, sondern weil es eine Herzensangelegenheit ist. Und das honorieren auch die Fans des FC St. Pauli, die (außer, wenn es gegen Hansa Rostock zu spielen gilt) zu den friedlichsten der Liga gehören.

Wer noch kein Fan des sympathischsten Vereins des deutschen Fußballs ist, der wird hier einer harten Prüfung unterzogen. Seite für Seite ist dieses Buch ein flammendes Plädoyer für einen Verein, der es nicht immer leicht hatte, der die tollsten Fans der Welt hat und trotz aller Niederschläge niemals aufgegeben hat – nie aufgibt – und schon gar niemals aufgeben wird.

 

 

Fußballfieber magisches Handtuch

Fußball-Fieber Zauberhandtuch

Magie ist so einfach. Maradona war ein Zauberer am Ball, genauso Zidane, Garrincha ebenso. Und wie passen Magie und Fußball noch zusammen? Ganz einfach: Den Fußball auspacken. In warme Wasser legen. Und siehe da – der Ball ist gar nicht rund. Sondern dreißig mal sechzig Zentimeter groß und ziemlich flach. Und grün. Und mit Fußballmotiv. Lustiges Gimmick, das besonders zur WM großen Anklang finden wird.