Archiv der Kategorie: Nordlichter

… und morgen werde ich Dich vermissen

Anniken Moritzen ist das passiert, was man seinem ärgsten Feind nicht wünscht: Sie muss den Tod eines nahen, jüngeren Angehörigen verschmerzen. Und nun brauchen Arne Villmyr, ihr Ex-Mann und sie ein Grab, um trauern zu können. Rasmus war Leuchtturmwärter, hoch im Norden, im norwegischen Norden. Dort, wo die Sonne vor Arbeitswut den Tag unendlich erscheinen lässt.

Unendlich hoffnungslos ist momentan auch das Leben von Thorkild Aske. Jetzt arbeitet er als Privatermittler. Er soll den Mord an Rasmus aufklären. Offiziell ist Rasmus bei einem Tauchunfall (prr … im Norden in der norwegischen See sind Wassertemperaturen von 20 Grad wohl nur im Lexikon zu finden). So sehen es auch die Behörden. Doch Thorkild ist der richtige Mann dafür. Er passt in die rauhe Landschaft. Gerade aus dem Knast entlassen, fristet er ein Leben zwischen Hoffnungslosigkeit und psychiatrischer Behandlung. Ist er wirklich der richtige Mann für diesen knochenharten Job?

Einst war Thorkild Polizist, Spezialeinheit, interne Ermittlungen, Verhörspezialist. Lücke. Knast. Entlassung. Neuanfang. Was genau geschah, was ihm fast das Genick brach, bleibt noch verborgen.

Den Job im Norden wurde Thorkild von Ulf besorgt, Freund und Psychiater. Und Thorkild kennt den Auftraggeber. Von früher, als er noch bei der Internen war. Als er frei kennengelernt hat, als er sich in sie verliebte. Arne Villmyr. Thorkild beginnt innerlich zu zittern. Ausgerechnet Arne. Er will ihn, den gefallenen Ermittlerengel, bezahlen, er soll nur den wahren Schuldigen am Tode Rasmus‘ ermitteln. Mehr nicht… mehr nicht?

Thorkild macht sich auf den Weg in den Norden. Und er wird fündig. Er findet eine Leiche, doch es ist nicht Rasmus – immer noch kein Grab für die trauernden Auftraggeber. Ein weiterer Rückschlag in der Therapie des verwundeten Ex-Polizisten? Von wegen! Ein Fanal. Die Spürnase nimmt Witterung auf.

Heine Bakkeid hat mit Thorkild Aske einen Ermittler geschaffen, der seinen Tiefpunkt bereits erreicht zu haben scheint. Doch er gibt ihm immer wieder einen Stoß, um ihn in tiefere Abgründe zu stoßen. Umso überraschender der Wendepunkt. Instinkte verliert man niemals. Eine Liebesgeschichte, eine dunkle Vergangenheit, eine unwirtliche Umgebung – Thorkild Aske muss sich durchbeißen. Arbeit als Therapie, das funktioniert. Doch noch nie wurde so eine Therapie so kraftvoll, so anziehend beschrieben.

„… und morgen werde ich Dich vermissen“ ist der Auftakt zu einer Krimireihe, die – und das steht schon nach dem ersten Fall eindeutig fest – den Leser mit jedem Mall immer wieder und immer fester fesseln wird. Thorkild Aske ist der geborene Romanheld, irgendwo zwischen John McClane und Kurt Wallander.

Magnus Carlsen – Das unerwartete Schachgenie

Elfterelftersechzehn. Nullkommafünf zu Nullkommafünf. Einskommaeinsmillionen. Zahlenkauderwelsch, das nur Kennern etwas sagt. Es war der 11. November 2016. Schach-WM zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und dem Herausforderer Sergeij Karjakin. Unentschieden nach Partie Eins. Punkteteilung. Patt im Spiel um 1,1 Millionen Dollar.

Bereits im Jahr zuvor überschlugen sich die Fachjournalisten beim Spiel des jungen Norwegers Magnus Carlsen. Nun hatte er die Möglichkeit sein außergewöhnliches Können noch einmal und schlussendlich unter Beweis zu stellen. Karjakin hatte zuvor mit allerlei Getöse auf sich aufmerksam gemacht. Carlsen ließ das scheinbar, zumindest äußerlich kalt. Es ging um Schach. Immer wieder wurde er gefilmt, wie er Schach spielte. Wenn andere aßen, Mails lasen, einkauften, telefonierten, Auto fuhren etc. spielte er Schach. Immer wieder. An den ungewöhnlichsten Orten, zu unmöglichsten Zeiten. Schach, Schach, Schach.

Zu Beginn des Turniers war er 25 Jahre alt. Als alter und neuer Weltmeister war er um ein Jahr gealtert. Was aber nur daran lag, dass er am Tag der Tie-Break-Partien Geburtstag hatte. Cleveres Marketing oder Zufall? Egal, selbst Schachablehner bekamen einen ungefähren Einblick ins Leben dieses Ausnahme-Könners. Die Fangemeinde wuchs. Die Zuschauerzahlen ebenso. Und Carlsens Bekanntheitsgrad übertraf im November 2016 fast schon den der Präsidentschaftskandidaten in den USA. Doch kennt man den jungen Kerl nur weil man ab und zu im Fernsehen das Ballett von Springer und Läufer gesehen hat? Nein.

Aage G. Sivertsen kennt Magnus Carlsen. Und dank ihm kennt Magnus Carlsen nur die ganze Welt ein bisschen besser. Ein Vierteljahrhundert alt und schon eine Biographie. Das gibt’s doch sonst nur bei enervierenden Melodievergewaltigern aus Castingshows, die meinen, weil sie ihr Pickelgesicht vor Millionen Followern im Netz zeigen, dass sie was zu sagen hätten.

Großartige Erkenntnisse über den Lauf der Welt kann man auch von Magnus Carlsen nicht erwarten. Aber das sollte man auch nicht. Es ist doch viel interessanter wie dieser junge Kerl dazu kam den wohl langweiligsten Sport der Welt auszuüben. Skifahren und Norwegen bilden sonst eine Einheit. Und bei der Ruhe, die er ausstrahlt, wäre doch eine neuer Ole Einar Björndalen (Biathlon) fast schon die logische Konsequenz gewesen. Doch Magnus Carlsen war schon als Kind vom Spiel der Könige fasziniert. Er wollte Schach spielen. Spielend Schach in sich aufsaugen. Druck gab es nicht. Mit dreizehn Jahren war er Großmeister, was vielleicht vergleichbar mit dem schwarzen Gürtel im Judo ist. Auf reisen zu Turnieren hatte er keinen Sinn für Sehenswürdigkeiten. Die einzigen Türme, die ihn interessierten, waren sie auf vier von 64 Feldern auf dem Schachbrett. Und royalen Häuptern die Hand schütteln bzw. sie umzustoßen (als Zeichen der Aufgabe), überließ er großzügig anderen.

Aage G. Sivertsen schafft es den stillen Mann der Figuren ins rechte Licht zu rücken, ohne an seinem ihm angedichteten Heiligenschein zu kratzen. Fernab von Lobhudelei lässt er Vorgänger Carlsens zu Wort kommen, die dem neuen Superstar ihren Respekt erweisen. Auch wer bisher noch nie mit Schach in Berührung gekommen ist, wird diese Biographie erst beiseitelegen, wenn nichts mehr zu lesen ist.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band I – Dänemark für Einsteiger

Mehr als nur ein Auftakt zu einer Trilogie der Erholung. Genauso wie Dänemark mehr ist als Olsenbande, Meerjungfrau und Korn. Kathrin von Maltzahn ist das, was man unter einem eingefleischten Dänemarkfan versteht. Seit vierzig Jahren ist in unserem nördlichen Nachbarn immer wieder unterwegs undentdeckt dabei tatsächlich immer noch Neues und Wissenswertes.

Hier wurde der Ferienhausurlaub erfunden! Dänemark und die „eigenen vier Wände zur Selbstverwirklichung“ sind oft Ein und Dasselbe. Praktische Tipps für den Ferienhaus-Urlaub in Dänemark mit Ausflugszielen, alles übers Wetter und Urlaub mit dem Hund sowie ein Einkaufsberater verspricht der Untertitel.

Zuerst fallen die gleichmäßig gestalteten Kapitel auf: Eindrucksvolle Bilder, Orientierungshilfen an den Seitenrändern, farbig unterlegte Tipps, leicht verständliche Grafiken. Alles drin, was man so braucht, um sich im Land der durchgestrichenen Os zurechtzufinden. Und zwischendrin immer wieder QR-Codes, die nach dem Abscannen komplette Urlaubsanleitungen zutage befördern. Das Land mag klein sein, der Erlebnisreichtum hingegen ist unermässlich. Selbst ein Profi wie die Autorin kann nicht alles in einem Buch unterbringen. Zumindest so lange nicht, bis jeder Urlauber es als selbstverständlich empfindet einen mehrere Kilogramm schweren Reiseband rund um die Uhr mit sich herumzutragen…

Von den Nordseeorten Fjand oder Bork Havn zur Ostsee in Hou oder Hejls über die Inseln Rømø, Lolland oder auch Falster begleitet Kathrin von Maltzahn den Leser und baldigen Dänemarkgast, um ihm Land und Leute näher zu bringen. Nicht ohne dabei immer ihren selbstgefundenen Tipp mit auf den Weg zu geben. Und so ganz nebenbei lernt man auch gleich noch ein paar Brocken dänisch. Machen Sie es sich „hyggelig“ und blättern ein wenig in Band Eins „Mein Herz schlägt für Dänemark – Band I – Dänemark für Einsteiger“ herum. Der Appetit kommt beim Lesen.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band II – Dänemark für Kenner

Es wäre ein Frevel zu behaupten, dass man als Leser von „Mein Herz schlägt für Dänemark – Band II – Dänemark für Einsteiger“ nicht mehr nach Dänemark fahren müsste. Man weiß ja eh schon alles. Danke Kathrin von Maltzahn. Nee, nee … hinfahren muss man schon noch. Vor allem, weil die Autorin noch viel mehr zu berichten weiß. Dafür verleiht sie dem Leser das Prädikat „Kenner“. Band II ihrer Dänemark-Trilogie – um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, es handelt sich nicht um eine typisch skandinavische Krimireihe – überrascht mit der Tatsache, dass es doch noch Flecken in Dänemark gibt, die sie bisher im Verborgenen hielt.

Jütland, Seeland und die Inseln Ǽrø, Langeland, Fejø und noch einmal Lolland geben sich die Ehre ihre Schätze vor dem geneigten Besucher zu präsentieren.

Vorhang auf für die Tipps und Tricks für den perfekten Aufenthalt in Dänemark. Es muss nicht immer alles Schnell-schnell gehen: Ist die Fähre von Kragenæs nach Fejø mal zu voll – dass Dänemark eine Reise wert ist, wissen nun mal eben ein mehr Leute als einem manchmal lieb ist – setzt man sich in die kleine Grillbar und genießt man die Aussicht bis die nächste Fähre … ach da ist sie ja schon … eintrifft. Wer mit Kathrin von Maltzahn reist, in ihren Büchern stöbert, vergisst die Zeit, legt den Alltagsstress ad acta und genießt die schönste Zeit des Jahres mit dänischer Gelassenheit.

Zum Beispiel in Ebeltoft. Apfelfest und wilde Tiere heißt es in der Kapitelüberschrift. Von der Aarhus-Bucht bis Grenå gelangt man von hier aus zur Halbinsel Djursland. Im malerischen Følle fällt man aus seinem Ferienhäuschen direkt in den weißen Sandstrand. Gerade richtig, um den Tag gemütlich-genüsslich anzugehen. Vielleicht mit einem Picknick? Oder einem Spaziergang? Das ist jedem selbst überlassen. Die Autorin gibt hier lediglich Hilfestellung. Jeder Satz ein Ausflugstipp, der keine Wünsche offenlässt.

Hier kann man es sich gutgehen lassen und den Urlaub genießen. Doch halt! Zum Stichwort Genießen hat Kathrin von Maltzahn noch etwas im petto. Band III.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band III – Dänemark für Genießer

So genug eingestiegen, genug kennengelernt – jetzt wird genossen! Genießerferien auf  Samsø, Læso oder Bornholm und Insidertipps für Kopenhagen, Aalborg und Aarhus. So steht’s geschrieben – so wird’s gemacht! Ja, mittlerweile folgt man Kathrin von Maltzahn auf Schritt und Tritt. Sie kennt die ausgetretenen Pfade, weiß wie man sie umgeht und führt den Leser, der nun sicher schon vor Ort war (zumindest bald in Dänemark seinen Urlaub verbringen wird), sicher ans Ziel seiner Sehnsüchte.

Selbst ein so profanes Unternehmen wie eine Stadtrundfahrt, die gern von temporären Gästen mit unstillbarem Besichtigungshunger bevorzugt wird, kann ihren Reiz haben. Einfach aufspringen, wenn der Bus kommt, und ihn wieder verlassen, wenn’s spannend wird. Und wann dies genau der Fall ist, steht in diesem Buch!

Oft entsteht die Zuneigung zu einem Land, wenn man die Hauptstadt oder eine andere Metropole besucht. Schritt für Schritt erobert man die Stadt, ihre Straßen und Plätze, Bars, Cafés, Gebäude, Parks und bekommt Appetit auf Mehr. Sobald man das Umland erkundet hat, ist es nur ein kleiner Schritt den Rest des Landes für sich erschließen zu wollen.

Kathrin von Maltzahn geht den umgekehrten Weg. In ihrer dreiteiligen Liebeserklärung an Dänemark macht sie das, was Millionen schon vor ihr getan haben. Dänemark individuell vom Meer (im kleinen Ferienhaus am Strand) erkunden und hier das Basislager aufzuschlagen. Vom Einsteiger entwickelt man sich kontinuierlich zu Kenner, um nun ganz logisch zum Genießer aufzusteigen.

Eine Stadt wie Kopenhagen nimmt man nicht einfach mal so mit. Die Hauptstadt mit royalen Bewohnern verdient es genauer unter die Lupe genommen zu werden. Egal wie prall der Geldbeutel gefüllt ist, auch in Band III kommt jeder auf seine Kosten. Und was gibt es Schöneres als am Wasser zu stehen und die Stadtansicht mit einem leckeren Eis in der Hand zu genießen. Blöd, wenn man jetzt nicht weiß, wo der nächste Eisstand ist, und von wo man den besten Blick hat. Wer die ersten beiden Bände schon verinnerlicht hat, weiß wen er zu fragen hat. Na klar, die Autorin selbst.

Aarhus drängt sich immer mehr in den Vordergrund und aus dem Schatten des übermächtigen Kopenhagen. Den lille storby – die kleine Großstadt – wird Aarhus auch genannt. Nicht so überlaufen wie mancher Platz in der Hauptstadt bietet Aarhus die perfekte Mischung aus Großstadt und idyllischen Orten, die man hier vielleicht nicht auf Anhieb erwartet. Ein prall gefülltes Programm erwartet den Leser / Gast in Aarhus und im Buch.

Drei Bücher, die Lust machen Dänemark noch einmal oder immer wieder neu zu entdecken. Die Mischung aus Bekanntem und Neuem macht es immer spannend die Seiten durchzublättern, vor dem Urlaub, mittendrin oder auch im Nachgang, um sich das Erlebte noch einmal zurückzuholen. Kathrin von Maltzahn wurde schon früh vom Dänemark-Virus infiziert. Ihre drei Reisebände beweisen eindrucksvoll, dass Reisen bildet und diese Lust ansteckend ist. Wer nach Dänemark reist, sollte nicht versäumen in diesen drei Bänden zu schmökern.

Hamburg

In Zeiten von fake news ist das so genannte fact checking von besonderer Bedeutung. Und so kommt’s, dass man bei der dritten Auflage des Hamburg-Reisebandes von Matthias Kröner erst einmal über die Neugestaltung des Buches (und der gesamten MM-City-Reihe) staunt und dann schon vor dem ersten Durchblättern stutzt: „Da ist etwas anders!“. Das ist gut so! Aus Bordeauxrot mach Margenta. Geschmackssache. Und bei Reisebänden spielt die Außenfarbe eh keine Rolle. Wichtig ist, was drin steckt, schließlich steckt die Nase ja andauernd drin, und was rauskommt. Keine Angst! Der Inhalt litt in keiner Weise unter der neuen Farbgebung. Im Gegenteil. Hamburg ging jahrelang schwanger mit einem architektonischen Wunderkind, das einfach nicht ans Licht der Welt wollte. Manche bezeichneten es schon als Rosemarys Baby. Doch als es dann endlich da war, glockenhell sein Erscheinen kundtat, waren alle hellauf begeistert. Die Rede ist von der Elbphilharmonie. Ein guter Grund die dritte Auflage des MM-City-Reisebandes Hamburg in Angriff zu nehmen. Doch nicht der einzige Grund!

Zehn Touren hat sich Matthias Kröner teils noch einmal vorgenommen. Noch einmal Fischbrötchen, noch einmal Reeperbahn, Ritze, Rote Flora. Noch einmal? Nicht ganz. Denn auch an Hamburg nagt der Zahn der Zeit und Veränderungen sind hier nicht weniger willkommen als im Rest der Welt. Der oft als spröde verschriene Charme der Norddeutschen wird in Hamburg auf Hochglanz gebracht. Die Nase immer im Wind und nicht in den Wolken. Das verbindet die Hamburcher mit diesem Buch. Bodenständige Exklusivität, verpackt in einem neuen praktikableren Gewand. Der Zahn der Zeit, wir müssen noch einmal zu ihm zurückkommen, muckerte und muckerte bis der Doktor (also die Macher) den Kreativbohrer ansetzten und den Zahnstein der Gewohnheit entfernten. „In Hamburg sagt man Tschühüss“, auch zu den geliebten gelben Infokästen. Doch nur zum Gelb. Ein zartes Lila bringt nun den geneigten Reisenden dazu sich hier heimisch zu fühlen und Anekdoten wie ein Ureinwohner herausblasen zu können. Passt einfach besser zum Margenta. Inhalt – wie gesagt – immer noch eine Bereicherung jedes Schrittes durch die Hafenmetropole. Und noch eine Neuerung: Die einzelnen Kapitel werden nun in kurzen Worten angeteast, d.h. kurz dass man nun schon vorher ganz genau weiß, wo der Weg lang führt und was einen erwartet. Wer jetzt vorwitzig meint, was mich nicht interessiert, kann ich ja getrost weglassen oder überlesen, irrt. Das wäre so wie wenn man sich an die Elbe stellt, vor dem Millerntor ein Astra trinkt und auf St. Pauli die Damen nett grüßt und meint Hamburg zu kennen. Nee, das is nich so! Wer weiß schon, wo in Hamburg man so richtig leckeres und supergünstiges Kantinenessen gibt. Wer’s nicht weiß, hat ein Brett vorm Kopf. Die, die’s wissen, haben selbige unter den Füßen – Hinweis verstanden? Bretter, die die Welt bedeuten? Alles klar? Ja, das und die Faszination von sieben Knoten, einem Duell, das über dreihundert Jahre zurückliegt oder die besten Plätze für Schiff-Spotting erfährt man nur bei Matthias Kröner und dem Michael-Müller-Verlag.

Für Puristen liegt ein Stadtplan bei, für Modernetiker gibt’s ’ne Web-App. Und wie immer Tipps und Ratschläge wie Sand am Meer. Wenn man nicht so ungeduldig wäre und es kaum erwarten kann, was einem in der vierten Auflage an Neuerungen geboten wird, könnte man nun ganz entspannt nach Hamburg reisen…

Weihnachten bei den Elchen – Die schönsten Wintergeschichten aus Skandinavien

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Ach wie ruhig kann Weihnachten sein! Ach wie ruhig ist es auch! Meistens! Leise rieselt der Schnee, Glöckchen klingen, der Duft von Gebäck liegt in der Luft. Es ist Frieden! Und irgendwie kommen einem Bilder von Skandinavien in den Sinn. Warum? Keiner weiß es so recht. Vielleicht, weil dort immer, zumindest jedoch öfter als in unseren Breiten auch wirklich Schnee liegt?! Oder weil der Weihnachtsmann dort zu Hause ist?! Egal, Adventsstimmung und Skandinavien haben eine Verbindung. Und das lässt sich literarisch sogar beweisen. „Weihnachten bei den Elchen – die schönsten Wintergeschichten aus Skandinavien“ bildet den friedlichen Ringelreih zum Fest aus dem Schneegestöber-Norden.

Und wie es sich für einen Geschichtenband gehört, fängt es mit „Es waren einmal …“ an. Elsa Beskow erweckt die Wichtel zum Leben. Ein vorwitziger Wichteljunge erlebt durch seine Neugier und Vorwitzigkeit das Abenteuer seines Lebens. Er zaubert Lachen in die Gesichter der Kinder, doch vermisst er auch die Familie, bei der er und seine Familie ein Heim gefunden hat. Mit warmen Worten lässt die Autorin ihre Geschichte gut enden und den Leser mit dem guten Gefühl zurück, dass nicht jeder Fehltritt unendlich zu bereuen ist.

Henning Mankell begibt sich mit seiner Weihnachtserinnerung auf ein neues Gebiet. Keine Morde, keine Schicksalsschläge in weiter Ferne – nein, eine ganz normale Weihnachtserinnerung, die in ihrer Klarheit und Poesie mehr an Truman Capote erinnert, denn an düstere Komplotte und Intrigen.

Astrid Lindgren – ja, sie darf in solch einem Buch niemals fehlen, lässt den Schrecken von Gevatter Tod durch die besinnliche Zeit verblassen. Die Präzision ihrer Worte trifft den Leser mitten ins Herz. Der Geist der Weihnacht siegt über die Schatten des irdischen Seins.

Diese Geschichtensammlung hat es in sich. Nicht wegen der großen Namen – auch Selma Lagerlöf leistet ihren literarischen Beitrag – sondern wegen der sorgfältig ausgesuchten Kurzgeschichten. Kein verklärtes Heimatklischee kreuzt den Wohlklang lebensechten Einblicke ins Leben unserer nördlichen Nachbarn. Kindheitserinnerungen wechseln sich ab mit Rückblenden als alles überhaupt nicht besser war, sondern entbehrungsreich. Kleine Gesten schieben die trüben Wolken beiseite und lassen Kinder- wie Erwachsenenherzen höher schlagen. Dieses Buch in den Händen eines versierten Vorlesers, den Nachwuchs auf dem Schoß, ist der perfekte Einstand für die Adventszeit!

Christina von Schweden – Ich fürchte mich nicht

Christina von Schweden - Ich fürchte mich nicht

Was für eine Frau! In einer Zeit, in der fast ganz Europa – salopp gesagt – es modern findet sich zum Protestantismus zu bekennen, geht sie den umgekehrten Weg und wurde Katholikin. Sie verzichtet auf den Thron. Das wäre so als wenn heutzutage ein Afd-Politiker mit einer Blume im Gewehrlauf Flüchtlinge an der Grenze empfängt, um sie anschließend (und ohne Hintergedanken) in seiner von ihm geschaffenen Unterkunft eine neue Heimat gibt. Natürlich sorgte das damals für Unruhe, genauso wie der AfDler heute für Aufsehen sorgen würde.

Doch der Reihe nach. In Europa wütet der Dreißigjährige Krieg. Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf eint so manche Armee und ist so was wie der Platzhirsch im Schlachtengetümmel. Zuhause warten Volk und Familie auf die Rückkehr. Vor allem Christina wartet. Sie wird einmal das Reich regieren. Nach dem Tod des Vaters wird sie maßgeblich an der Beendigung des drei Jahrzehnte dauernden Krieges beteiligt sein.

Christina konnte von ihrer leiblichen Mutter weniger Liebe erwarten als von ihren Kindermädchen. Sie war verliebt, durfte aber ihren Schwarm nicht heiraten. Doch die beiden waren sich immer zugetan. Bis sie ihm ihre Zuneigung entzog. Als erbitterter Feind war er maßgeblich an ihrer erzwungenen Abdankung beteiligt.

Eine Frau auf dem Thron war schon damals nicht für die Arrivierten. Und dann auch noch eine, die sich partout weigert zu heiraten – untragbar. Charlotte Ueckert legt lückenlos dar wie die immer noch starke Frau sich an den Papst wendet, Katholikin wird und im französischen Exil immer noch den Status einer Königin eines einst einflussreichen Landes genießt. Mit aller Macht verteidigt sie ihren Lebensstil. Wer ihr im Weg steht, tut dies nicht lang.

So eine starke Frau und kam ein Geschichtsbuch erwähnt sie. Gerade in Zeiten der Gleichberechtigung – und Schweden ist nach eigenem Bekunden da ganz weit vorn – ein Fauxpas historischem Ausmaßes. Denn selbst in ihrer Heimat ist sie nur wenigen wirklich bekannt. Der Name, ja, der sagt einigen was, auch wegen ihres berühmten Vaters. Aber über ihr Leben können nur wenige (Schweden) etwas sagen. Charlotte Ueckert ändert das mit einem einzigen Buch. Einhundertvierzig Seiten genügen, um der verschmähten Schwedenkönigin ein Denkmal zu setzen. Wer Geschichte nicht nur als bildhaftes Kriegsgemetzel mit Experten-Einspielern von TV-Professoren begreift, bekommt bei diesem Buch feuchte Augen.

Der Untertitel „Ich fürchte mich nicht“ ist mehr als nur eine bloße Floskel. Heutzutage wäre Christina von Schweden ein gern gesehener, streitbarer Gast in jeder Talkshow. Und sie hätte sicherlich so einiges zu sagen, was die Politik in Schweden, aber vor allem in Europa betrifft. Und vielleicht schaffen es die Geschichtsbuchschreiber bis zum 8. Dezember 2026 Christina von Schweden in ihre Werke aufzunehmen. Dann würde sie ihren 400. Geburtstag feiern können.

Reise nach Island – Kulturkompass fürs Handgepäck

Island fürs Handgepäck

Das Jahr 2016 könnte das Jahr Islands werden. Sie sind endlich mal bei der Fußball-EM dabei – und nicht länger immer mal wieder „nur“ ein Stolperstein für Qualifikanten – und die Panama-Papers rücken das Land wieder einmal negativ in den Fokus der Öffentlichkeit. Bisher galt es als Reiseziel für Individualisten. Unendliche Weiten, unberührte Natur. Ha, da haben wir’s! Unberührte Natur. Von wegen! Schon in den ersten Geschichten des Buches wird klar, dass auch in Island nicht alles Gold ist, was glänzt. Ein gigantisches Kraftwerkprojekt drohte hier in einer Katastrophe zu enden. Die Rahmenbedingungen stimmten nicht so ganz. Und die Isländer? Die warten erstmal ab. Hektik ist ihnen fremd. Macht sie irgendwie sympathisch.

Der „Kulturkompass fürs Handgepäck“ vereint Texte aus Zeitschriften und Extrakte aus Büchern von Isländern bzw. Islandfans. Sie sind das Salz in der Suppe der Fakten über den Inselstaat im Norden des Atlantiks.

Wenn man im Flieger nach Reykjavik sitzt – was so um die sechs, sieben Stunden dauert – hat man genug Zeit sich auf die Gepflogenheiten des Landes einzurichten. Hier haben Trolle noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Hier ist man stolz auf di eigene Identität. Hier kommen mehr Schriftsteller auf einen Einwohner als sonst wo in der Welt. Hier werden Speisen angerichtet, die es auch wirklich nur hier gibt…

Island ist so fremd und doch so nah, dass es notwendig ist sich mit dem Land auseinanderzusetzen. Ansonsten ist man aufgeschmissen! Dieses kleine Büchlein ist die Quintessenz dessen, was einem auf der Insel erwartet. Von Halldór Laxness, dem Nobelpreisträger über Jules Verne, der seine Figuren hier zum Mittelpunkt der Erde vorstoßen ließ, bis zu Gudmundur Andri Thorsson geben alle Autoren einen – dokumentarischen bis hin zu fiktionalen – Einblick in das Inselleben. Die volle Breitseite isländische Kultur!

Bornholm

Bornholm

Einer gegen Alle: Bornholm ist geradezu verschrien als Insel der Biederen. Kleine, süße, genormte Ferienhäuschen in der rauschenden Gischt der Ostsee. Aber bitte alles ordentlich! Andreas Haller stemmt sich mit all seinen Erfahrungen und seiner Leidenschaft für die dänische Urlaubsinsel im Baltischen Meer gegen die Phrasendrescherei der Vorverurteiler.

Man braucht nicht gleich das ganze Buch auf einmal zu lesen, um die Insel in sein Herz zu schließen. Schon das Titelbild macht Lust auf weite Strände und undaufgeregte Inselarchitektur unter blauem Himmel. Im besten Wortsinne ist Bornholm eine echte Familienurlaubsinsel.

Mehr als nur Schafe gucken und planschen ist allemal drin. Kleines Experiment gefällig? Einfach mal das Buch aufschlagen, Seite 138, Kapitel: Der Osten, „Rund um den Gudhjem“. Gleich zu Beginn eine schlechte Nachricht: Baden ist hier nicht das Erste, was Einem in den Sinn kommt. Versprochen, das ist und bleibt die letzte schlechte Nachricht. Von jetzt an geht es nur noch bergauf. Weiter im Süden kann man baden. Erster Pluspunkt. Wer zu Fuß nach Melsted läuft (dort, wo man endlich baden kann), passiert eine spektakuläre Klippenszenerie. Zweiter Pluspunkt. Kirche, Museum, Mittelalterzentrum sind weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Dritter, vierter und fünfter Pluspunkt. Klingt doch erstmal ganz unterhaltsam und tagesfüllend, dafür, dass man das Buch eher zufällig aufgeschlagen hat, oder?! Das Spiel ließe sich unendlich bzw. 240 Seiten lang fortsetzen. Und natürlich beschleicht einen das Gefühl, das Andreas Haller die Insel verdammt gut kennt. Tut er! Die farbigen Infokästen bilden den kontrastreichen Wissenswiderpart zu den wissensreichen Texten im Buch. Wellness, Wandern, Klettern (spätestens hier geht es nur bergauf), Shopping, Golf, Baden, Inselgeheimnisse, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten, ach die Liste der unerlässlichen Tipps ist schier endlos.

Wer pauschal die Insel besucht, wird mit diesem Buch zum Über-Den-Tellerrand-Gucker. Wer auf eigene Faust die fast 600 Quadratkilometer erkunden will, kommt an diesem Buch einfach nicht vorbei. Nur für eifrige Strandburgenbauer, die hier ihren Traum vom eigenen Reich verwirklichen wollen, ist dieses Buch einfach 240 Seiten zu dick. Für alle anderen ist es eine wahre Schatztruhe voller Reichtümer, die die schönste Zeit des Jahres noch lange nachklingen lassen. Weit über einhundert Fotos vermitteln den Bornholm-Neulingen einen getreuen Einblick und machen Appetit auf mehr. Jetzt muss nur noch die Reisezeit heranreifen. Und die Zeit nutzt man am besten mit diesem Buch!