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In Pompeji

„Ganz ruhig bleiben, ich will nichts Böses. Nur reinkommen. Mich ein wenig umschauen. Keine Angst. Es besteht kein Grund auszubrechen!“ Die Stadt Pompeji wird immer mit einem Gefühl der Ehrfurcht betreten, das antike Pompeji natürlich. Der Vesuv hat vor knapp zweitausend Jahren die blühende Stadt in ein Aschegrab immensen Ausmaßes verwandelt. Und so geschah es, dass Pompeji zu Sinnbild der modernen Ausgrabungen in Europa wurde. Heute kann man (fast) ruhigen Gewissens über das holprige Pflaster wandeln – Augen auf, denn auch da verbergen sich mehr oder weniger wichtige, auf alle Fälle zum Schmunzeln einladende Beweise – und sich einen detaillierten Überblick verschaffen, wie Zivilisation vor Jahrtausenden aussah.

Das Image der antiken Schönheit, die der Natur nichts als Durchhaltevermögen entgegensetzen konnte, zog schon immer die Besucher an. Unter ihnen auch große Namen. Charles Dickens und Mark Twain besuchten die Stadt. Letzterer hatte die Schrecken des amerikanischen Bürgerkrieges miterlebt und sah nun wie Italien nach und nach zu sich selber fand.

Pierre-Auguste Renoir holte sich in den Ruinen ernsthafte Inspirationen für seine Werke. Roberto Rossellini verführte Ingrid Bergman mit einem Ausflug hierher zur Zusammenarbeit. Pompeji war und ist immer noch ein Ort, den man mit besonderer Ehrfurcht betritt.

Fernab der Touristengruppen, die sich mehr oder weniger gelangweilt ellenlange mehr oder weniger inspirierende Vorträge anhören (müssen), legt die Stadt dem Wissbegierigen ihr Herz frei.

So beeindruckend die Stadt bis heute ist, so unbeholfen wirkt man heute oftmals, wenn man die Eindrücke beschreiben will. Ingrid Rowland ging es nicht anders, als mit acht Jahren das erste Mal nach Pompeji kam. Erst die Abreise aus New York, dann die Aussicht auf ein halbes Jahr Mainz in Deutschland, wo ihr Vater arbeiten konnte. Der Abstecher nach Italien veränderte ihr Leben. Immer die Kamera in der Hand wurde sie von Pompeji magisch angezogen. Das ging so weit, dass es ihr ein Herzensbedürfnis war dieses Buch zu veröffentlichen. Von Mozart bis Renoir, von Twain bis Dickens lässt sie große Worte in diesem Buch zusammenfließen zu einer appetitanregenden Mixtur aus Historie, Erläuterungen der selbigen und leicht eingängiger Wissensvermittlung. Man muss kein großer Antikenfreund sein, um den Zeilen folgen zu können. Nur Interesse muss man mitbringen, dann wird „In Pompeji“ zu einem Buch, dass die Reiselust weckt und so manche Mußestunde versüßt.

Marmeladen und Curds

Jetzt wird’s ernst! Die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel entfällt! Zumindest für Marmeladen und Curds! Für Marmeladen und was? Curds? Der sitzt doch am Frühstückstisch undstreicht sich daumendick die leckere Konfitüre aufs Brot. Curds sind Brotaufstriche, ein wenig wie Pudding und sagenhaft lecker und süß. Meist mit Butter und Ei angereichert und sämig geschlagen. Bildungsauftrag erfüllt, jetzt kommt die Kür!

Zum Standard der Curds gehört der (oder das oder die?) Lemon Curd. Zitronensaft, Butter, Eigelb und Zucker mit einer Prise Fleur de Sel. Die Zubereitung ist nicht gerade was für nebenbei, denn die Masse darf nicht kochen. Zwanzig bis dreißig Minuten sollte man einplanen. Der Aufwand lohnt sich, denn das Ergebnis begeistert nicht nur den Zubereiter, sondern den ganzen Tisch! Als Abwandlung kann das Ganze auch mit Ananas oder (und?) Kokosnuss zubereitet werden. Ist dann die exotische Variante.

Das kleine Büchlein ist prall gefüllt mit Appetitmachern aus dem Obstland. Apfel-Birne-Karamell-Konfitüre – man bekommt die Tür nicht zu. Feigen-Konfitüre mit Mandeln – nichts für Angsthasen. Brombeer-Thymian-Konfitüre – der Magen brummt (oder brommt er?) schon beim bloßen Nennen der Zutaten. Erdbeeren und Pistazien, Ananas und Kiwi, Quitten und Bananen – das Füllhorn des Gartens ergießt sich wie ein süßer Fluss über den Frühstückstisch.

Die Zutaten sind je nach Jahreszeit überall erhältlich und belasten den Geldbeutel nicht mehr fertiger Süßkram aus dem „Alles für den Frühstückstisch“-Regal. Es gibt also keine Argumente nicht Seite für Seite erst zu lesen und anschließend die Rezepte auszuprobieren. Vorkenntnisse sind kaum erforderlich. Wer weiß wie man die Temperatur am Herd reguliert, hat schon gewonnen. Und wer dann doch nicht am Schokoriegelregal vorbeigehen kann ohne zuzugreifen, wird in der Mitte des Buches zum unumwundenen Fan des Buches: Schokoriegel-Creme. Den Lieblingsschokoriegel zerkleinern – Naschen ausdrücklich erwünscht, also lieber ein bisschen mehr kaufen – Butter und Sahne dazu, eine Masse entstehen lassen und sowie wieder eine Prise Fleur de Sel beifügen. Erhitzen, umrühren und schon sind alle Chocoholics zufrieden. Nicht im Kühlschrank lagern. Naja, lange wird das Glas eh nicht überleben, oder?!

Gelees, Konfitüren, Cremes und eben Curds (wer sie bis jetzt noch nicht kannte, wird begeistert sein und die englische Küche ein wenig besser verstehen) bilden die Glücksmomente eines jeden Morgens. Umso wichtiger ist es, dass der Tag mit einem Lächeln beginnt. Und in diesem Buch gibt es für jeden Tag des Monats einen Grund zum Lächeln.

Barcelona

Und weiter geht die wilde Hatz! Sagrada familia, schnell ein paar Tapas, playa, ramblas – puh das stresst. Aber man hat in wenigen Stunden alles gesehen, was es Sehenswertes in Barcelona gibt. Könnte man meinen. Doch dann fällt einem der Reiseband „Barcelona“ von Baedeker in die Hände. Dreihundert Seiten stark – da muss es also noch mehr geben als die extravagante Architektur von Antoni Gaudí und Fressmeilen. Aber wer reist schon so. Und Barcelona im Speziellen hat durchaus mehr zu bieten. Da tut es Not sich zumindest ein wenig im Vorfeld zu informieren, was es alles zu erobern gibt. Und dieser Baedeker ist ein auskunftsfreudiger Reisebegleiter!

Zuerst zum Standard. Jeder Reiseband ist mit einer Karte, in diesem Fall mit einem aussagekräftigen Stadtplan versehen. Ebenso zum guten Ton gehört eine informative Einführung in die Stadt mit einem kurzen Abriss zur Geschichte – so manches Aha-Erlebnis wird erst so zu Selbigem. Zum Beispiel, wenn man am 15. oder 30. August, 24. September, am ersten Sonntag im Oktober oder den Sonntag nach dem 22. Oktober oder am 1. November oder am dritten Sonntag im November in der Stadt ist. Dann werden die Castells, die berühmten menschlichen Kathedralen allerorten zu sehen sein. Ein Erlebnis, das im Fernsehen schon beeindruckend ist – live fiebert man mit jeder neuen Etage mit den Casteller mit. Schon auf der Umschlagseite wird auf diese Tradition hingewiesen.

Architektonisch ist Barcelona eine Sensation. Nicht nur die Sagrada familia, das unvollendete Bauwerk Gaudís, sondern ganze Straßenzüge, die im katalonischen Jugendstil, der Modernisme genannt wird, erhellen die Herzen der Besucher. Muss man gesehen haben. Das nötige Hintergrundwissen gibt’s im Buch.

Ein Städtetrip nach Barcelona ohne vernünftigen Reiseband wäre wie Strandurlaub im Hotelbett, wie ein McDonalds-Besuch in Lyon oder Wassertreten in der Sahara – unnötig und sinnlos. Ausflüge ins nur wenige Kilometer entfernte Montserrat mit seinem Kloster, oder in die traditionsreiche Fußballgeschichte der Stadt oder eine (Rad-)Tour zum Museu Marítim oder oder oder – die Stadt bietet so viele Möglichkeiten sich für immer an sie zu erinnern, dass es schon an ein Wunder grenzt, dass so viele in diesem Buch vereinigt werden konnten.

Wer den Reiseband verschenken will, dem sei noch empfohlen, dass zum „Rundum-Sorglos-Paket“ ein Prachtband und ein wenig Belletristik gehören. Der ewige Dank des Beschenkten ist einem hundertprozentig sicher. Und ein Souvenir als Dankeschön aus der Hafenstadt am Mittelmeer kann schon mal eingeplant werden…

Sizilien. Eine Geschichte von der Antike bis in die Moderne

Je nach Größe verfügt jede Stadt, jede Region, jedes Land über eine gewisse Anzahl von Bauwerken oder Naturschönheiten, die unverwechselbar sind. Und jeder Besucher will dort hin. Oft sind es die Stilbrüche, die einen Ort so einzigartig machen. Und je mehr davon zu sehen ist, desto beliebter war dieser Ort, diese Region, diese Insel (wir nähern uns langsam dem Thema). Davon kann man ausgehen. Denn zum Einen war der Ort – okay, sagen wir wie es ist: Die Insel – schon vor Zeiten ein Anziehungspunkt und man blieb auch lang genug, um sich hier ein Denkmal zu setzen, eine Burg zu bauen, auf jeden Fall etwas Bleibendes zu hinterlassen. Eine Frühform von Multikulti.

Und dann steht man in Sizilien. Auf einer Piazza, einer Via in einer Stadt, einem Dorf oder am Strand. Und überall wimmelt es nur von fremder Architektur, exotische Düfte umschwirren die Nase, ein seltsam hartes Italienisch dringt ins Ohr … es ist zwar Italien, aber auch noch vieles Anderes. Je nach Reiseband ist man nun aufgeschmissen oder man erfährt so manches, warum es hier so aussieht wie es ist.

Man kann aber auch die Abkürzung nehmen und den Richtigen fragen. John Julius Norwich ist der Richtige. Er ist der Chronist der Winde und Stürme, die über die größte Insel des Mittelmeeres jemals fegten. Und er kennt sie alle, die Griechen, die Karthager, die Römer und die Barbaren, von Napoleon bis zur Mafia. Es ist faszinierend dem Autor auf seinem Ritt durch die Geschichte zu folgen. Und folgen kann man ihm ganz leicht. Als ob es die einfachste Sache der Welt wäre, macht er Geschichte, die Geschichte Siziliens greifbar, nahbar. Kein stupides Daten herunterrasseln oder gehetztes „dann kam der, dann der und dann die“ etc. Hier ist ein Fachmann am Werk, der nicht nur sein Themengebiet beherrscht, sondern spielerisch Anekdoten und Fakten miteinander zu verknüpfen weiß.

Man muss dieses Buch nicht lesen, um Sizilien zu lieben. Aber es ist Basislektüre, um es zu verstehen. John Julius Norwich stellt keine Hinterlassenschaften in den Vordergrund, er stellt die Erbauer vor, führt den Leser in längst vergangene Zeiten und verknüpft die historischen Eckpunkte zu einem edlen Teppich, auf dem sich vorzüglich Sizilien erkunden lässt. Die Liebe zu der Insel ist in jedem Absatz spürbar. Immer weiter zieht der Autor den Leser in die ereignisreiche Historie der Insel, die von den Normannen genauso beeinflusst wurde wie von deutschen Kaisern, sarazenischem Säbelrasseln, griechischer Kulinarik oder anderen „Ehrenmännern“. Sizilien ist der wahrgewordene Urlaubstraum, dieses Buch der ideale Begleiter.

Italien – Der Norden

Das reicht fürs Erste! Meint man schelmisch, wenn man das über sechshundert Seiten starke Werk in den Händen hält. Unhandlich? Ja, ganz so leicht wie so manch anderer Reiseband ist dieser hier nicht. Aber die Macher haben eine verdammt gute Ausrede. Denn Italiens Norden ist reicher an Kulturschätzen als die meisten Länder dieser Erde überhaupt vorweisen können. Und hätten wir alle doppelt so große Hände, könnte das dann viermal so große Werk immer noch nicht alles in Wort UND Bild erfassen. Nehmen wir die Größe des Buches hin und schauen nach den inneren Werten. Fast wie im richtigen Leben…

Als erstes muss man die beiliegende Karte herausholen. Das Schmatzen der Folie, wenn man die Karte zum ersten Mal herausfingert, fördert die Neugier, Beim Auffalten wird klar: Von Turin bis Triest, von Como bis Rom, von Parma über Florenz und Genua bis nach Bologna wird der Reiselust ordentlich Zucker gegeben.

Die Fülle an historischen Plätzen und die schier unendliche Menge an Kulturgütern lassen eine Planung oft schon im Keim ersticken. Mit diesem Buch in der Hand lässt es sich erquicklich planen. Das erste Viertel – immerhin einhundertfünfzig Seiten – gibt einen Einblick in die lange Geschichte des Stiefels. Es wird mit Klischees aufgeräumt, Tipps zum Verhalten gegeben und mögliche Ausflugstouren vorgeschlagen. Diese sollte man als Italien-Neuling ernstnehmen. Denn, auch wenn Verlaufen in Italien niemals zum Desaster gerät, wer planlos Italien erkunden will, kommt nur schwer von der Stelle. In Spuckweite lauert garantiert schon das nächste Highlight.

Auf den folgenden Seiten wird der Norden Italiens alphabetisch unter die Lupe genommen. Geographische Kenntnisse sind also nicht von Nöten – das erleichtert so manchem die Suche, welcher Ort denn nun als nächstes erobert werden kann und endloses Blättern. Herausklappbare Seiten sparen Platz und vermitteln trotzdem die Pracht und Herrlichkeit von so beeindruckenden Bauwerken wie dem Mailänder Dom oder der Piazza della Signora in Florenz oder dem Palazzo Ducale in Mantua oder … ach, es gibt so vieles zu entdecken im Norden Italiens.

Angereichert wird jeder Ort – und es sind nicht nur die großen Städte und Gemeinden, die im Buch Erwähnung finden – mit kurzen Tipps zu den Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt gesehen haben muss. Auch Restauranttipps, Übernachtungsmöglichkeiten und nützliche Hinweise zum Geld verprassen runden das Bild ab.

Sicher, es gibt handlichere Reisebände. Aber da steht dann eben nur das drin, was eh offensichtlich ist. Wer auf dem Markus-Platz in Venedig den Markusturm sucht, muss sich nur umdrehen und braucht keinen Reiseband. Wer aber allumfassend informiert sein will, die eine oder andere Touristenfalle umgehen und versteckte Ecken erkunden möchte, braucht Rat. Und den findet jeder in diesem Buch. Ein Begleiter, der äußerlich auf den ersten Blick etwas zu viel auf den Rippen zu haben scheint, doch innerlich ein Füllhorn an Informationen und eingängigen Tipps parat hält.

Der Kuss

Jetzt wird auch noch dieser sinnliche Moment wissenschaftlich zerrupft?! Jein! Ja, es stimmt, Alain Montandon nimmt den Kuss unter die Lupe. Nein, er wird nicht zerrupft, sondern stilvoll unter die Lupe genommen. Kein erbsenzählender Kinsey-Report, der bei der Fortsetzung des Kusses seine Nase in alles reinstecken musste, sondern die literarische und kulturelle Erkundung kurz unter Augenhöhe. Versprochen! Es wird ein Fest für die Sinne!

Oscula, basia und suavia bezeichnen alle dasselbe, den Kuss. Und zwar den ritualisierten, den freundschaftlichen und den erotischen Kuss. Die Römer verstanden zu küssen. Beziehungsweise ihn einzuordnen (im wahrsten Sinne des Wortes) und zu benennen. Und dann liest man weiter. Der Kuss als Friedensbekundung (unter Staatsoberhäuptern) – man stelle sich vor in welche Orgie es ausartet, wenn wieder einmal ein G-20-Treffen stattfindet, wie in Hamburg. Die Synapsen spielen verrückt, wenn man sich das Begleitprogramm dann ausmalt, Rundgang auf Sankt Pauli etc…

Es gibt Orte auf dieser Welt, an denen das Küssen verboten ist. In Frankreich zum Beispiel. Ja, Frankreich! Dem Land, in dem das Küssen erfunden zu sein scheint. Gilt aber nur auf Bahnübergängen. Alles halb so wild. Wilder, fast schon ernst – das Gesetz wird aber wohl kaum noch angewendet –  ist es in einigen Staaten der USA, in denen ein Kuss nur eine Sekunde dauern darf (Maryland), oder drei (Rhode Island) oder fünf Minuten (Iowa). In Wisconsin muss die Zunge im eigenen Mund bleiben. Also Vorsicht bei der Wahl des Urlaubsziels! Im Pazifik wird noch richtig gebissen, bei den Papua. Die Aborigines teilen sogar den eigenen Schweiß mit den Fremden. Die Eskimo stupsen sich mit der Nase.

Die Untersuchung des Kusses kann also auch lehrreich und manchmal kurios sein bis hin zum Schmunzeln. Es besteht jedoch nicht die Gefahr, dass man nach der Lektüre des Buches zum Fachidioten wird. So wie manche Fachleute ihr Fachgebiet nicht mehr mit Abstand betrachten können, wird es sicher nicht bei jedem Kuss, den man bekommt oder gibt vorkommen, dass man ihn nun analysiert. Vielmehr wird man bewusster dem Gegenüber seine Ehrerbietung bekunden. Nicht jeder, der den Kopf des Anderen in die Hand nimmt und ihm einen innigen Kuss gibt, wird kurze Zeit später („wenn Mama nicht mehr unter uns weilt“) zum Mörder. Das Buch wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bei denen, die viel küssen sowieso. Bei denen, die sich nach mehr Küssen sehnen ganz bestimmt. Und bei denen, die endlich mal geküsst werden wollen, regt es die Sehnsucht zusätzlich an.

Von Mundhygiene über Mundpropaganda bis hin zum Austausch von Flüssigkeiten leitet Alain Montandon den Leser durch die Kulturgeschichte des Kusses. Keine Angst vor dem großen Wort Kulturgeschichte, es war, ist und bleibt immer nur ein Kuss!

Andalusien

Ándale, ándale – auf nach Andalusien! Ja, so geht es vielen. Endlich Sommer, endlich Sonne, endlich Urlaub! Und dann muss man sich entscheiden. Meer oder Berge, Kultur oder all inclusive oder oder oder – die Auswahl ist schier unmöglich zu bewältigen. Aber man weiß immerhin schon, dass es nach Andalusien gehen soll. Gute Wahl! Noch besser, wenn man auf zehn Auflagen Reiseabenteuer aufbauen und auf die elfte sich verlassen kann. Thomas Schröder hat die Zeit seit der zehnten Auflage genutzt, um noch ein wenig mehr zu recherchieren und seinen Reiseband über Andalusien mit noch mehr Tipps anzureichern.

Siebenhundertzwanzig Seiten liest man nicht einfach mal so durch. Muss man ja auch nicht. Doch das erste Fünftel sollte man schon einmal genauer durchlesen. Eine ausführliche Einleitung gibt den Weg frei für einen unvergesslichen Urlaub. Andalusien hat seinen Namen nicht etwa, weil hier alles so schnell und hektisch vonstatten geht (Stichwort ándale, ándale! – das gehört zu Speedy Gonzalez), sondern weil hier das Licht zuhause ist, meinen die Einen. Andere vermuten in dem Wort den arabischen Namen für Atlantis. Nun, beides ist vorstellbar. Denn hier kann man sich verlieren, was nicht schlimm ist, und die Sonne ist täglicher Begleiter. Auch wenn Autor Thomas Schröder noch so präzise Angaben macht, ist es doch verlockend auch seinen Ausführungen mal ein wenig auszubüchsen. So wie ein Kleinkind, dass nicht immer an der Hand geführt werden will und muss, sind es die eigenen Erkundungen, die jede Reise so nachhaltig in Erinnerung bleiben lassen.

Auch wer noch nicht viel von Andalusien zu wissen scheint, wird beim ersten Blick auf die beiliegende Karte überrascht sein, wie viel orte doch shcon bekannt sind: Sevilla, Malaga, Cadíz, Granada, Cordoba … Auch Marbella als „Hotspot der Schönen und Reichen“ wie es in einschlägigen Magazinen heißt, darf sich zu Andalusien zählen. Doch was nützt es einem, wenn man zwar die Orte kennt, aber nichts mit ihnen anzufangen weiß?

In acht Teile ist dieser Reiseband gegliedert, acht Regionen und ein kleiner Wanderführer, denn auch dafür ist diese Region prädestiniert. Genauso fürs Schlemmen, fürs ausgedehnte Baden, für erlesene Kulturrundgänge – Andalusien hat einfach alles. Es bietet sich an dieses Buch beim ersten-Mal-in-die-Handnehmen die Seiten durch die Finger rinnen zu lassen. Noch nie schnell eine Region auf über siebenhundert Seiten kennengelernt! Man schafft es nicht alle Seiten schnell durchzublättern. Immer wieder stockt man. Jungwölfe im Lobo Park, gelbe Infokästen mit unterhaltsamen Hintergrundwissen, die Weine von Montilla-Morilles, Karten, wehrhafte Burgen – man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Wie immer wird jedes Kapitel mit zahlreichen Tipps zur Einkehr, zum Shoppen, Tanzen oder für Ausflüge abgerundet. In diesem Buch gibt es allerdings noch eine weitere Besonderheit: Tipps rund um das, was Andalusien für die meisten greifbar macht, den Flamenco. Und Thomas Schröder setzt noch einen drauf. Was einem vielleicht erst vor Ort auffällt, weil man so weit dann doch nicht plant, wie kommt man denn nun zu den einzelnen Orten? So was kann man nicht am Laptop recherchieren, das muss man erlebt haben. Genau wie Andalusien. Und damit jeder mindestens genauso begeistert ist wie der Autor, gehört dieses Buch einfach mit ins Reisegepäck. Individuell reisen – so lautet das Motto des Michael-Müller-Verlages. Viele wollen es, nur wenige schaffen es. Hundertprozentige Zufriedenheit gibt es nicht – doch, wer sich an dieses Buch hält, ist verdammt nah dran!

L’amour toujours – toujours l’amour?

Um es gleich vorwegzunehmen und jeglichen Zweideutigkeiten die Luft aus den Segeln zu nehmen: Es geht um die Liebe!, nicht ums Liebemachen. Zum Beispiel um die so wunderbar klinge ménage à trois – klingt nur im Französischen so geheimnisvoll. Jean-Baptiste Robert ist ein glücklicher Mann. Er hat die Liebe in all ihren Vorzügen gepachtet. Ein ihn liebendes Eheweib und eine ihn liebende Geliebte. Alice – die Ehefrau – umsorgt ihn, Célia – die Geliebte – empfängt und umfängt ihn. Clémentine Beauvais lässt ihn gewähren, bis eines Tages Célia ihm die Zweisamkeit kündigt. Tief gekränkt versucht herauszufinden, wer der geheimnisvolle Jüngling ist, der ihm von nun an die Schäferstündchen stiehlt. Wahrlich ein Fortschritt für Célia, muss er neidlos anerkennen. Doch dann sieht aus seinem Versteck heraus eine weitere Person sich aus Célias Wohnung stehlen…

Immer wieder die Liebe, für immer – kurze Texte, die die ganze Bandbreite der Liebe, wenn man es so nüchtern betrachten will – darbieten. So wie Frankreich ist, unterschiedliche Kulturkreise aus aller Herren Länder, sind auch die Geschichten in Afrika, Osteuropa, und natürlich auch im Mutterland der Liebe angesiedelt.

Jede Geschichte ist es wert abgedruckt zu werden. Dass so viele Texte in einem Buch dem liebestrunkenen Lesevolk in die Hand gegeben werden, ist ein Glücksgriff für jeden, der auch nur wenige Seiten in diesem Buch blättert. Preisgekrönte Autoren, allesamt noch jung, einigen sich ohne Absprachen darauf, dass die Liebe einzigartig und vielfältig in Einem ist.

Von der Liebe zu Charlotte Corday, die auf dem Schafott endete, von roten Socken, die allein nur einem Zweck dienen: Dem, die Liebe zu entfachen und am Brennen zu halten oder einem neuen Rotkäppchen – davon erzählen die Autoren, die bislang wenig bekannt sind.

Wer es sich nicht verkneifen kann und dieses Buch Seite für Seite nacheinander durchliest, wird den Fortgang der Geschichten wie einen Liebesakt erleben. Vom zarten Annähern bis hin zur ungeschminkten Ekstase ist der Leser gern gesehener Gast im Boudoir der Autoren, stiller Teilhaber im Beben der Körper und (wissbe-)gieriger Voyeur neuer Geschichten des beliebtesten Themas der Literatur.

Allein gegen die Schwerkraft

Würde Albert Einstein noch leben – immerhin wäre er 2017 erhabene 138 Jahre alt – hätte er sich wohl schon daran gewöhnt regelmäßig selbst zum Objekt von Forschungen gemacht zu werden. Der Strom an Biographien über den so gelehrten, geselligen, umtriebigen, unterhaltsamen, kämpferischen Einstein ebbt nicht ab. Denn Einstein ist es wert, dass so viel wie möglich über ihn erfahren wird. Bis heute sind seine Reden als Manifeste der Menschlichkeit aktueller denn je. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse bilden die Grundlagen von Forschungen und unseres Verständnisses der Welt.

Thomas de Padova zeigt in „Allein gegen die Schwerkraft“ ein sehr breites Spektrum der Persönlichkeit Albert Einsteins. In den Anfangsjahren seiner Arbeit tat sich der junge Einstein schwer eine Anstellung zu bekommen. Förderer wie Max Planck traten ihm zur Seite und sorgten dafür, dass er seinen Forschungen nachgehen konnte.

Wegbereiter wie zum Beispiel die zu oft verschmähte Marie Curie – immerhin zweimalige Nobelpreisträgerin, für Physik UND Chemie – kommen ebenso zu Wort wie seine Frau Mileva und seine Geliebte Elsa. Letztere war sicherlich mit ausschlaggebend, dass die Bemühungen Max Plancks Einstein nach Berlin zu holen Früchte trugen.

Ein bisschen Vorbildung ist von Nöten, um „Allein gegen die Schwerkraft“ vollends zu verstehen. Wer im Physikunterricht der Schwerkraft nur insofern nachgab, als dass der Kopf vor selbiger kapitulierte, kommt an manchen Stellen zum Stillstand. Wer sich hingegen auf Einsteins Theorien einlässt, entdeckt in de Padovas Buch viel Vertrautes und Neues aus dem Leben eines Genies.

Der Autor lässt den Leser nicht allein. Großzügig gibt er einen umfassenden Überblick über die Zeit und Umstände, in denen Einstein forschen konnte und musste. Unter dem Brennglas der Geschichte referiert de Padova zu Einstein und seiner Zeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formulierte Einstein die spezielle Relativitätstheorie, elf Jahre später – also mitten im Kriege – die allgemeine. Kollegen verteufelten den Mann mit dem Wuschelkopf, oder sie überschlugen sich vor Begeisterung. Einstein selbst genoss den Ruhm, ließ die Kritiker alsbald verstummen.

Wer auch nur ein wenig in diesem Buch blättert, um sich die Zeit zu vertreiben, wird schnell süchtig nach Einstein. Mit einfachen Worten schafft es der Autor die komplexe Theorie darzustellen, bzw. es deren Entdecker selbst zu überlassen. Dort, wo Erläuterungen angebracht sind, springt der Autor ein. Ansonsten spricht in diesem Buch nur einer: Albert Einstein.

Costa de la Luz

Denk ich an Spaniens Küsten in der Nacht, … komme ich völlig durcheinander. Wo liegen die denn überhaupt. Costa del Sol, Costa brava, Costa de la luz? Letztere, die Küste des Lichts, ist der Teil im Süden Spaniens, der sich von Portugal im Westen bis nach Gibraltar erstreckt. Sevilla, Cadiz und Huelva sind wohl die bekanntesten Orte der Region. Sevilla ist in diesem Buch mit erwähnt, obwohl es eigentlich nicht direkt zur Costa de la Luz gehört, wohl aber als Ausflugsziel oder Ausgangsort einfach mit dazu gehört.

Schon die kleine Karte auf der Buchrückseite zeigt die ganze Vielfalt der Küste des Lichts: Gebirgszüge, ein Nationalpark, viel Wasser und wie es der Name schon sagt, viel Licht, sprich Sonne. Ideal zum Wandern, planschen, shopping, genießen. Und Thomas Schröder hat schon zuvor mehrere Reisebände über verschiedene Regionen Spaniens geschrieben. Einen besseren Reiseguide kann man sich nicht wünschen. Nur bei einer Frage kann auch er sich nicht entscheiden: Was bestelle ich nur im Restaurant? Die Vielfalt ist umwerfend. Da muss man als Gast ganz allein durch.

Das ist aber das einzige Mal, dass auch der Autor keinen echten Rat weiß. Ansonsten setzt er der Routine des Reisebuchschreibens die Leidenschaft für die Region entgegen. Das merkt man besonders, wenn man sich die gelb unterlegten Kästen durchliest. Hintergründe und kleine Anekdoten wie zum Beispiel über das „Schlemmen am Ufer der Meeresfrüchte“ oder den Karneval von Cádiz oder die Schlacht um den Thun lassen schon vor der Reise Urlaubsstimmung aufkommen.

Ein Füllhorn an Ausflugstipps und genauen Wegbeschreibungen lassen keine Wünsche offen. Huelva zum Beispiel war bis vor wenigen Jahren eine wenig besuchte Stadt, die Region nur bei Spaniern bekannt. Dabei ist das Hinterland mehr als sehenswert. Mittelalterliche Städtchen geizen nicht mit ihren Reizen, hier wächst ein leckeres Weinchen, und in El Rocío kommt Westernstimmung auf. Drei Tipps auf ein paar wenigen Seiten, von denen man bisher selten bis gar nicht gehört hat. Also immer dem Licht entgegen!

Thomas Schröder schafft es ab der ersten Seite den Leser die Costa de la Luz so nahe zu bringen, dass man sich schon vor der Abreise als Experte bezeichnen möchte. Auf der Landkarte nimmt dieser Flecken Erde nicht viel Platz ein. Doch vor Ort öffnet sich ein riesiges Areal, das es gilt zu erkunden. Verlaufen unmöglich, denn Thomas Schröder ist ja da, um hilfreich zur Seite zu springen.