Archiv der Kategorie: offenes Asien

Die Deutschen und ihre Kolonien

Deutschland und seine Kolonien. Wenn man Großbritannien, Spanien und Frankreich betrachtet, spielte Deutschland keine große Rolle im Verteilungskampf der Mächte um die Welt. Nur jeder 40 Quadratkilometer  der kolonialisierten Welt hieß Fritz. Es gab zehnmal mehr Johns.

Schon im 17. Jahrhundert gab es Landstriche in Tobago in der Karibik und in Westafrika am Gambia-Fluss, die in deutschem Besitz waren. Aber sie als Kolonien zu bezeichnen ist irreführend. Da könnte man auch behaupten, dass so manche Autobahnraststätte Kolonie eines Fast-Food-Giganten wäre (auch wenn es sich vielleicht so anfühlt, ist dem nicht so).

Von 1884 an besaß Deutschland dreißig Jahre lang Kolonien. Wer bei Oma und Opa auf dem Dachboden stöbert, findet vielleicht manchmal noch Zigarettenbildchen, die mehr als klischeehaft das Leben in Deutsch-Südwest (Namibia), Deutsch-Ostafrika (Tansania), Kamerun, Togo, den Marshall-Inseln, Samoa, Tsingtau oder Neuguinea zeigen. Mit dem Ersten Weltkrieg war dann Schluss mit dem Weltenspielgehabe. Und so ertragreich und vor allem nachhaltig war „das Engagement“ dann auch wieder nicht. Kein Chinese aus dem Nordosten wird heute noch über deutsche Hinterlassenschaften erzählen können. Zumindest nicht so vielfältig wie ein Inder über den Five o’clock tea, der er selbst noch als Kind erlebte.

Fernab jeder aktueller Befindlichkeit sind die Autoren bestrebt einen umfassenden Überblick über das kurzzeitige deutsche Kolonialreich zu berichten. Sie schaffen es. Mit einfachen Worten und durch die schnörkellose Darstellung von Zusammenhängen, die erst durch dieses Buch zutage treten. Die Vorstellung, dass eine exzellent strukturierte Armee mit Pauken und Trompeten bzw. Kanonen und Gewehren die Bevölkerung niedermetzelte und anschließend das schwarz-weiß-rote Banner in den Boden rammte, dass Blut aus ihm quoll, ist veraltet und größtenteils falsch. Ja, es gab Verbrechen gegen die Menschenwürde. Unentschuldbar! Aber im Großen und Ganzen wurde das deutsche Kolonialreich am Verhandlungstisch geboren. Auf der so genannten Kongo-Konferenz. Ein reichliches Dutzend Länder, bzw. deren Vertreter saßen über Landkarten, mit Lineal und Zirkel wurden Einflussbereiche bestimmt, wieder verworfen, und neuangelegt. Es wurde gestritten, taktiert und sich gegenseitig gratuliert. Nur die, um die es ging, blieben außen vor, wurden nicht einmal eingeladen. Ein ganz perfides Spiel.

Über hundert Jahre ist es her, dass kleine bunte Bildchen, den Einheimischen die Fremde näherbrachten. Wenn auch mit einem verklärten, die Realität verleugnenden Blick. Reisen in diese Länder – Namibia erfreut sich seit Jahren ungebrochener Beliebtheit bei Fernreisen ins südliche Afrika, dem einzige Land, in dem wirkliche Spuren hinterlassen wurden, wie auch immer man das bewerten will – tut ein Blick in die Geschichte gut, vieler Orten tut er Not. Den Autoren ist es zu verdanken, dass Spurensuche nicht immer mit einem schlechten Gewissen enden muss. Sie haben sich einen Maulkorb auferlegt, was Wertungen betrifft, und konzentrieren sich nur auf das, was niedergeschrieben wurde und in Archiven zu recherchieren ist. Informativ und eine echte Bereicherung für jeden Bücherschrank der Geschichte.

Sri Lanka

Sri Lanka-Iwanowski

Ein Land, dessen Name aus zwei Worten besteht – gibt’s nicht oft. Und in Asien noch weniger. In den vergangenen Jahrzehnten ist hier ein Industriesektor erwacht, vergrößert und zum Exportschlager Nummer Eins geworden wie kaum anderswo auf der Welt: Der Tourismus. Von all inclusive über liegende Buddha-Stauten und Elefantenreiten bis hin zum erholsamen Badeurlaub bietet das ehemalige Ceylon alles, wonach dem fernwehgeplagten Herzen dürstet. Doch welche frevelhaftes Verhalten, wenn man Sri Lanka nur auf der faulen Haut genießt?!

Autor Stefan Blank macht seinem Namen alle Ehre und entblättert die geheimnisvolle Insel zu Füßen des indischen Subkontinents bis auf die Knochen. Soll heißen, das Wort Geheimnis hat im Zusammenhang mit Sri Lanka nur noch nostalgischen Wert.

Eine Insel wie Sri Lanka will erobert werden. An allen Ecken gibt es für Südostasien-Neulinge an jeder Ecke was zu entdecken. Fremde Gerüche, exotische Speisen, fremde Kleidung (obwohl auch hier schon die typischen Souvenirstände mit Trikots von Real Madrid bis Bayern München locken) und unendlich schönes Wetter lassen den unweigerlich näher rückenden Heimflug in weiter Ferne erscheinen. Doch was tun? Wo anfangen mit der Entdeckermission? Bereits zum neunten Mal wurde der Reiseband Sri Lanka aus dem Hause Iwanowski nun überarbeitet. Zum zehnten Mal kann sich jeder, der Sri Lanka bisher nur als weißen Fleck auf der Landkarte gesehen hat, sondern sich vor Ort ein eigenes Bild der Zauberinsel machen möchte, auf über vierhundert Seiten schlau machen, was er in ein, zwei oder vielleicht sogar drei Wochen erleben kann. Auf eigene Faust, ohne vorgefertigte Route.

Dazu gehört natürlich auch der ausführliche Einstieg in die Geschichte der Insel. So gut vorbereitet können die Erkundungstouren nun starten. Die meisten zieht es erstmal in die Hauptstadt Colombo. Wie der fast gleichnamige Lieutenant vom LA-Police department erforscht man am besten mit dem Autor zusammen die Großstadt an der Westküste. Bis vor dreieinhalb Jahrzehnten war sie sogar die Hauptstadt. Doch der Titel ging 1982 an Sri Jayewardenepura. Colombo ist aber immer noch die dominierende Metropole. Das ist sicher eine der ersten Überraschungen, die man diesem Buch entnimmt. Von nun an sind alle Seiten voll gespickt mit Überraschungen, echten Tipps, die man sonst nur von Einheimischen bekommt, prall gefüllten Infokästen, die nur darauf warten „abgearbeitet zu werden“ und und und. Immer wieder werden die Ausführungen von exakten farbig abgesetzten Kästen unterbrochen, in denen man wie ein Schulanfänger an die Hand genommen wird, um sicher ans nächste Ziel zu kommen. Jetzt ein einziges Highlight des Buches, der Insel, des kommenden Urlaubs herauszuheben, wäre den anderen gegenüber unfair.

Deswegen ist es ratsam sich das Buch rechtzeitig vor Reiseantritt zu besorgen und Schritt für Schritt, Kapitel für Kapitel, Seite für Seite zu studieren. Garantiert: Noch nie war lernen und lesen so informativ und kurzweilig wie in diesem reisefiebersteigernden Reiseband. Alle, die Sri Lanka echt und unverfälscht in sich aufsaugen wollen, müssen einfach den direkten Weg über 432 Seiten nehmen.

Schnee

Schnee

Ein Haiku ist eine besondere Gedichtform aus Japan, die in letzter Zeit auch immer mehr Anhänger (und auch Dichter) in Europa findet. Es besteht aus drei Versen und siebzehn Silben. Und diese Regeln sind wie in Stein gemeißelt. Da gibt es kein Vertun! Haikus sind also rational, weil sie eine unabdingbare mathematische Komponente haben und emotional, weil sie Gefühle ausdrücken. Was sind das also für Menschen, die Haikus schreiben?

Yuko ist so einer. Sein Vater ist Shinto-Priester. In seiner Familie waren alle männlichen Ahnen entweder Priester oder Krieger. Yuko schlägt ein bisschen aus der Art, er will Dichter werden. Eine brotlose Kunst, mehr ein Zeitvertreib, kein Beruf. Meint sein Vater.

Doch Yuko lässt sich nicht beirren. Vom Schnee fasziniert schreibt er in einem Sommer siebenundsiebzig Haikus. Ganz nüchtern betrachtet, sind das zweihunderteinunddreißig Verse und eintausenddreihundertundneun Silben. Würde Yuko das auch so sehen, hätte er auch Krieger werden können. Die Nüchternheit, die Reinheit des Schnees reicht ihm jedoch, um die schönsten Haikus zu schreiben. Sie sind so schön, dass sogar der kaiserliche Hof davon Wind bekommt. Yuko lehnt das Angebot ab an den Hof zu kommen und als Hofdichter seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Vielmehr wird er zu einem Meister geschickt. Denn so schön, so rein seine Haikus sind, so blass, durchsichtig und farbenfrei sind sie auch. Soseki ist blind, doch er sieht mit dem Herzen. Er ist der unumstrittene Meister der Haikus. Er nimmt Yuko bei sich auf. Lehrt ihm Farben mit geschlossenen Augen zu sehen. Doch Meister Soseki hat ein Geheimnis. Seine Frau starb vor Jahren bei einem Unfall. Sie war rein, weiß wie Schnee. Yukos ist fasziniert von der Frau, die er auf dem Weg zu Soseki schon einmal gesehen hat. Sie war Französin, blondes Haar, gletscherblaue Augen. Und sie war Seiltänzerin. Aus Lieb zu Soseki gab sie ihre Leidenschaft auf. Nur noch ein einziges Mal wollte sie zwischen zwei Gipfeln, hoch über dem Tal balancieren. Ein fataler Wunsch. Sie stürzte ab, ward nie mehr gesehen. Der Berg, der Schnee hatte sie in sich aufgenommen…

Maxencé Fermine gibt der Poesie einen Rahmen, der jeden, ob er nun Gedichte oder gar Haikus mag oder nicht, in seinen Bann zieht. Japans Kultur ist so fremd, dass viele von vornherein sich nur selten die Mühe machen sie kennenzulernen. Dieses elegante Büchlein – Form und Aufmachung bieten sich geradezu an es als Geschenk weiterzugeben – bringt die Kunst und die Leidenschaft für die spezielle Form der Versgestaltung auf den Punkt. Die Liebe zu Schnee, zu Worten, zur Poesie erreicht in diesem Buch ihren Höhepunkt. Wer’s nicht gelesen hat, wird Japan und Haikus nie verstehen!

Der Schüttler von Isfahan

Der Schüttler von Isfahan

Prozentrechnen für Weltreisende: Wie viele Menschen in Ihrer Umgebung kennen Sie, die schon mal in der Schweiz waren? Garantiert mehr als 90 %. Und in Thailand? 70%? Namibia, Niger, Kirgistan? Weniger als ein Viertel? Und jetzt alles zusammen, also von Armenien und Chile über Iran und Usbekistan bis nach Burkina Faso und Grenada. Es tendiert wohl gegen Null. Darf ich vorstellen: Georges Hausemer. Seines Zeichens Weltreisender und eloquenter Geschichtenerzähler. Und Mister Einhundert Prozent!

Heruntergekommene Hotelzimmer, euphorisch begrüßter Kaffeegenuss, enervierende (russische) Flugzeugpassagiere, die ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, unglaubliche Naturphänomene am Ende der Welt, der ganz „normale Wahnsinn“ in ehemaligen Sowjetrepubliken, missverständlicher Smalltalk im Taxi … die Liste der Geschichten ließe sich unendlich fortsetzen.

Die titelgebende und so viele Assoziationen hervorrufende Story ist derart überraschend, dass man selbst sofort die eigenen Urlaubserlebnisse niederschreiben möchte. Denn das, was Georges Hausemer in den vergangenen Jahren passiert ist, kann jedem passieren. Nur halt nicht so oft und schon gar nicht in so vielen Ländern. Und schon gar nicht kann jeder diese Erlebnisse so pointiert niederschreiben.

Reisen bildet – und es schafft Platz im Hirn für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Der Alltag als Besonderheit ist der Boden auf dem die Reisegeschichten des Autors wachsen. Man muss nur hinschauen. Wachen Auges schreitet Georges Hausemer durch die entlegensten Flecke der Erde. Fast scheint es so, als ob er der Typ ist, den man am Abend an der Bar, auf der Terrasse, im Restaurant irgendwo auf der Welt gesehen hat, wie er mit Stift und Papier bewaffnet seine Eindrücke festhielt. Nicht immer streng nach den Regeln wie er selbst in einer Geschichte einräumt. Denn das A und O der Aufzeichnungen sind Daten und Fakten. Manchmal ist das Erlebte so spannend, so neu, so faszinierend, dass man darüber hinaus diese vergisst. Den Ausführungen tut das keinen Abbruch. Die verlorenen Fakten machen die Texte mystischer und den Autor nahbarer.

Die mehrere Dutzend Geschichten vermitteln einen beeindruckenden Überblick über die Verschiedenheit der Lebensentwürfe der Welt. Geht in Deutschland ein Taxi kaputt, geht gleich die Welt unter. In Armenien oder Georgien nimmt man es hin. Man weiß, dass es etwas länger dauern kann. Die Definition von „etwas länger“ ist im Kaukasus auch eine gaaaaanz andere als bei uns. Aus dem kleinen Luxemburg in die Welt hinausgeschleudert, auf einem Blatt Papier um die Welt reisend, mit spitzer Feder vom Erdball die letzten Geheimnisse kratzend. Georges Hausemer ist der Reiseleiter, den sich jeder wünscht. Und sei es nur in Buchform.

Erzähl mir von Ladakh

Erzähl mir von Ladakh

Wer sich auf dem Drahtesel über Pässe quält, die sechstausend Meter über dem Meeresspiegel auf dem indischen Subkontinent liegen, muss einfach seine Impressionen niederschreiben. Nicht, weil die Reise irgendwie finanziert werden muss. Nein, weil er nach dem Urlaub in geselliger Runde wohl kaum jemanden finden wird, der das gleiche Schicksal, die gleichen Eindrücke wiedergeben kann. So einen Urlaub macht man meist nur einmal.

Adi Traar hat schon mehrere solcher Reisen unternommen. Er kennt sich aus. Doch diese Reise wird auch ihn verblüffen. Die einzelnen Kapitel haben keine blumigen Überschriften – sie sind nach Höhenmetern unterteilt. So nüchtern das klingen mag, so farbenfroh sind die Reisebeschreibungen. Poetry slam im höchsten Gebirge der Welt. Adi Traar trifft in echt echte Typen, die man nicht überall auf der Welt als Reisegefährten sieht. Und alle sind genauestens informiert. Nicht über das Vorhaben des verrückten, der mit dem Rad in gebirgige Höhen aufsteigen will. Nein, das Schicksal Michael Jacksons ist ihr Tages- bzw. Wochen- bzw. Monatsthema. Alle sprechen ihn darauf an. Die Reise fand kurz nach dem Tod des Kings of Pop statt.

Den Autor plagen derweil andere Probleme. Hält die Technik, zum Beispiel? Um es vorweg zu nehmen: Nein, zumindest nicht immer. Antriebslos wird er deswegen nicht. Improvisieren in tausenden Metern Höhe. Auch ein Abenteuer, das nicht jeder erleben darf. Oder die durchaus als besonders zu bezeichnende Befriedigung ein echtes Bett unter dem geschundenen Körper spüren zu können. Die seltsame Küche Indiens und der Bergregionen zu genießen. Adi Traar genießt wirklich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in den Bergen. So manchen Abschnitt vielleicht auch erst im Nachhinein. Doch Genuss ist der ständige Begleiter des radelnden Reporters.

Egon Erwin Kisch dichtete man die Aufforderung „Schreiben Sie das auf, Kisch!“ an. Adi Traar möchte man zurufen: „Pack die Sachen, verreise und schreib alles auf!“. Mit Verve und lockerer Schreibe setzt er der seit Kurzem einsetzenden Himalaya-Bilderflut ein wortgewaltiges, fast unscheinbares Büchlein entgegen. Jeder Satz sitzt, jedes Wort ein Volltreffer, das den Leser die Strapazen einer solchen Reise vergessen lässt. Die Leichtigkeit seiner Worte steht im krassen Kontrast zu den Anstrengungen im Gebirge im Wiegeschritt voranzukommen. Oft muss man Schmunzeln, oft gerät man ins Grübeln. Doch immer unterliegt man dem Charme des Autoren und der unbeschreiblichen Landschaft.

Wieder einmal wird ein weißer Fleck auf der Landkarte der Abenteurer durch ein kleines Büchlein in ein Farbenmeer an Impressionen ersetzt.

Die Welt des Buddhismus

Die Welt des Buddhismus

Jede Art des Reisens hat ihre Vor- und Nachteile. Ob nun All inclusive oder individuell, ob Wandern oder Pool-Lounging, ob aktiv oder entspannt: Jeder kann sich aus dem schier unendlichen Angebot an Reisemöglichkeiten etwas aussuchen. Und dann gibt es Reisen, die gibt es gar nicht, zumindest gar nicht zu buchen.

Hermann-Josef Frisch hat so eine Reise gemacht bzw. hat mehrere Reisen unternommen, um dieses Buch möglichen weiteren Interessenten in die Hand legen zu können. „Die Welt des Buddhismus“ – klingt erstmal gar nicht nach Reisen im eigentlichen Sinn. Hört sich erstmal nach innerer Einkehr an. Und das Buddhismus seit ein paar Jahren so richtig in geworden ist, gibt es auch dementsprechend viel Literatur zu diesem Thema.

Doch „Die Welt des Buddhismus“ ist ein echtes Reisebuch. Denn der Buddhismus hat einen echten Ursprungsort. Der liegt in Indien und heißt Kapilavastu. Hier wuchs Siddharta Gautama, Buddha, auf. Geboren wurde er in Lumbini. Und diese Orte kann man heute noch besuchen. Wobei die Betonung auch suchen liegt. Ein bisschen Vorbildung ist da schon von Nöten. Oder man macht es sich einfach und nimmt dieses Buch als echten Reiseband zur Hand.

Wenn man den Ausführungen und Wanderungen des Autors folgt, wird einem schnell klar, dass die alte asiatische Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ nicht von ungefähr kommt. Buddhismus ist nicht gleich Buddhismus. Auch in dieser Religion gibt es verschiedene Strömungen oder Arten der Religionsauslegung. Vajrayana, Theravada und Mahayana sind unter dem Begriff Buddhismus zusammengefasste Religionen. Ihr Einzugsgebiet reicht von China über Indien, Thailand, Myanmar, Laos und Nepal bis Korea und Japan. Als Tourist lädt man sich gern mal eine Buddhaskulptur als Mitbringsel in Handgepäck. Mal ist es ein dicker lachender Buddha, mal ein liegender, nachdenklicher Buddha. Die Bedeutung dahinter geht oft im dekorativen Chaos daheim unter. Es sieht halt nett aus.

Wer dieses Buch in die Hand nimmt und vielleicht auch den einen oder anderen Ort besucht, wird überrascht sein, wie viel Realität in dieser Religion liegt. Und wie viel es darüber zu berichten gibt. Hermann-Josef Frisch versteht es Religionswissenschaft, Reisefieber und Geschichte in Einklang zu bringen. Dem Leser soll‘s recht sein: Er wird auf eine unendliche Reise geschickt. Bis er erleuchtet ist. Nein, darum geht s nicht in diesem Buch. Religion erlebbar machen, sie anfassen, den Spuren folgen – das alles vermag der, der dieses Buch nicht nur als Anschauungsobjekt betrachtet.

Der Fengshui-Detektiv

01 - Der Fengshui-Detektiv

Gegensätze ziehen sich an. Sie gleichen sich aus. So ist es auch im Fengshui. Yin und Yang. Das Böse und das Gute. Soweit zu den Vorurteilen, die wir hegen und pflegen.

C.F. Wong ist Fengshui-Berater in Singapur. Seine Kunden bitten ihn um Rat, wenn sie ein Haus kaufen wollen. Denn ein Yin-Haus wird niemals ein Hort der Freude sein. Es wird ein einsames Haus sein. Wie gemacht wie für einen Mord, den keiner so schnell (oder am besten niemals) entdecken soll.

Mister Wong geht auch zu seinen Kunden. Richtet Räume und Möbel aus. Er ermittelt den besten Umzugstermin. Und er gibt Ratschläge in welche Richtung man ziehen soll. Das Rundum-Sorglos-Paket für alle, die an die Macht der Elemente glauben. In Singapur, im gesamten südöstlichen Asienraum ein einträgliches Geschäft. Mister Wong sieht seine Arbeit aber darin Zufriedenheit zu bereiten. Geld ist nur ein Nebeneffekt.

Einer seiner Kunden, beziehungsweise ein Freund seines Chefs, bittet ihn um einen ungewöhnlichen Freundschaftsdienst: Er soll dessen Tochter für eine gewisse Zeit als Assistentin bei sich aufnehmen. Das geordnete Leben des Mittfünfzigers wird durch die 17järhige Göre aus dem fernen Australien ganz schön durcheinander gewirbelt.

Doch hinter dem „ätzend“, „krass“ und „wie oder was“ steckt ein aufgewecktes Mädchen. Joyce McQuinnie oder einfach Jo ist der quirlige Gegenpol zum besonnenen C.F. Wong, der seine Gedanken gern niederschreibt. Sie ist direkt heraus, stößt ihr Gegenüber mit ihrer direkten erfrischenden Art ein ums andere Mal vor den Kopf. Jedoch niemals respektlos.

Bei ihrer Arbeit treffen die beiden immer wieder auf Verbrechen. Ein Verlag kommt trotz einer enthusiastischen Leserschaft auf keinen grünen Zweig. Schlechtes Verhältnis von Erde, Feuer, Metall, Wasser und Holz? Oder doch gezieltes Machenschaften eines Angestellten? Wie im Fengshui gibt es immer zwei Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen. So auch in diesem Fall.

Nury Vitacchi lässt in seinen Kurzkrimis zwei Menschen aufeinander treffen, die nicht gegensätzlicher sein könnten. Nur zusammen lösen sie die kniffligen Fälle, die ihnen wie selbstverständlich vor die Füße fallen. Als Ausgangspunkt dient Singapur. Von hier aus reisen die beiden nach Indien, Vietnam und Malaysia. Das Verbrechen ist universell, genauso wie die Lehre von den fünf sich ausgleichenden Elementen.

Der Fengshui-Detektiv und der Geisterheiler

02- Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler

Das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse wiederherstellen, ist der Beruf, die Berufung von Mister Wong. Als Fengshui-Meister berät er seine Kunden in Sachen Yin und Yang. Dieses Mal stößt er – zusammen mit seiner blutjungen Assistentin Joyce – auf ein ganzes Meer Yang, also das Böse. Ein Kind wurde entführt, ein Gauner holt sich Rat bei einer Wahrsagerin (sie soll ihm das Todesdatum seiner „Auserwählten“ nennen, damit er weiß, ob es sich lohnt eine Lebensversicherung abzuschließen), und bei Wong im Büro verschwindet die Klimaanlage.

Alles sehr mysteriös. Joyce McQuinnie als modernes Girlie, die den Meister mit ihrer Jugendsprache zwar nicht auf die Palme bringt, dennoch so manches Mal ein Staunen ins Gesicht zaubert, ist hocherfreut als C.F. Wong mit Ihr auf seine Rechnung nach Australien fliegt. In ihr Geburtsland. Nach Sydney. Denn dort scheint die Lösung des Problems, der Probleme zu liegen.

Wong sucht den Ort der Millionenmetropole mit dem schlechtesten Fengshui. Und findet ihn. Auf dem Dach der weltberühmten Oper.

Nury Vittachis Ermittlerduo verlässt das heimische Singapur, um auf der südlichen Erdhalbkugel eine Frau vor ihrem vorbestimmten Schicksal zu retten. Die Polizei ist keine große Hilfe, denn ohne handfesten Beweis wollen die gar nicht erst eingreifen. Und eine weitere Macht ist im Spiel. Mysteriös bis sie ihre Masken fallen lässt: Ein Triaden-Clan aus Hongkong.

Mister Wong und Jo müssen erkennen, dass mit Fengshui Vieles zu erklären ist, viele Sachen aber eben nicht zu verhindern sind.

Der Fengshui-Detektiv und der Computertiger

03 - Der Fengshui-Detektiv und der Computertiger

Alles ist im Fluss. Der Körper befindet sich – dank hochmoderner Analysegeräte und –techniken – im absoluten Gleichgewicht. Wer in so einem Fitnessstudio trainiert, dem kann so schnell nichts aus den Sneakers kippen. Denkt man! Denken sich auch die Mitglieder. Doch schlechtes Fengshui macht ihren Gedanken einen Strich durch die Rechnung. Man könnte auch sagen, dass ein Mitglied beim Training ums Leben gekommen ist. Vielleicht weil die Dosis Sport zu hoch war, falsch berechnet wurde?

C.F. Wong, der rührige Geomant, das ist ein Fengshui-Meister, und seine Assistentin Joyce sollen der Ursache für den Todesfall auf den Grund gehen. Leicht verdientes Geld. Eine schicke Reise. Und der Fall ist so einfach, dass Joyce den Fall allein lösen kann. Ach, Mister Wongs Welt könnte soooo schön und erholsam sein…

Das ist nur eine Geschichte dieses Bandes. Der Fengshui-Meister und seine um Einiges jüngere Assistentin Joyce McQuinnie müssen außerdem noch die Garage des neununddreißigstreichen Asiaten ausrichten. Ja, der neununddreißigstreiche Asiate! Mister Wong steht auf solche Spielchen. Das ist gut fürs Geschäft. Denn der rundliche, Harmonie schaffende Meister ist auch Geschäftsmann. Und was für einer! Er kann zwar den Wert der Oldtimer, die in der Garage schlummern, nicht einschätzen, weiß jedoch, dass das ein so reicher Kunde weitere ähnliche Kunden im Schlepptau haben kann.

Nury Vittachis Geschichten über Wong und Joyce sind die moderne Verknüpfung von althergebrachten Weisheiten und Ritualen, gepaart mit den Annehmlichkeiten und Errungenschaften der Gegenwart. Obgleich er seine Assistentin nicht immer versteht – ihre Jugendsprache ist aber auch manchmal wirklich zum Verzweifeln krass – beweist sie ihm ein ums andere Mal, dass er ohne sie nicht so schnell voran kommen würde.

Die Fälle, die beide dieses Mal zu lösen haben, sind keine knallharten Action-Fälle mit viel Tam-Tam. Vielmehr verlangen sie Grips und Gelassenheit. Und dafür ist Mister Wong genau der Richtige!

Shanghai Dinner

04 - Shanghai Dinner

Wer etwas auf sich hält und sein Geschäft erweitern will, muss am Pulsschlag der Globalisierung horchen. Und wo kann man das am besten, am erfolgreichsten? In Shanghai. Kaum ein Tag ohne bauliche Veränderungen, die jeden Stadtplan ad absurdum führen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Mister Wong, der Fengshui-Detektiv sich hier niederlassen will. Denn hinter dem listigen kleinen Mann steckt ein Bär von einem Geschäftsmann.

Zusammen mit seiner Sekretärin Winnie Lim und seiner Assistentin Joyce will er den Milliardenmarkt China erobern. Doch auch hier steht vor dem Vergnügen die Arbeit.

Eine Woche ist er nun schon in der chinesischen Millionenstadt. Und er hat das Büro, das ihm besonders gutes Chi verspricht. Die Balance zwischen Yin und Yang stimmt. Mit einem gehörigen Übergewicht an Yin, also der „guten“ Energie. Mister Wong kann sich so seinem Vermächtnis, der Niederschrift asiatischer Weisheiten hingeben. Bumm! Die Erde bebt! Oder doch nicht? Was war das? Ein markerschütternder Knall durchbricht die Konzentration. Der Energiefluss des Büros wird empfindlich gestört. Mister Wong und seine Assistentin inkl. Sekretärin sehen sich einer riesigen Abrissbirne gegenüber! Shanghai ist wohl doch nicht das richtige Pflaster für die Drei?!

Nury Vittachi lässt seine Helden das komplette Shanghai-Programm durchlaufen: Stau (und was für einer!), militante Tierschützer (die außerdem noch ein ganz anders Ziel zu verfolgen scheinen) und die geballte Macht des chinesischen Machtapparates. „Shanghai Dinner“ macht Appetit. Mister Wong ist schwer zu erreichen – sei Büro wurde ja dem Erdboden gelichgemacht. Dennoch finden seine Klienten zu ihm. Ein verschwundenes Kind und ein Staatsbesuch – Nury Vittachi lässt nichts aus, um den Moloch Shanghai zu beschreiben. Und dabei huschen ihm und dem Leser immer wieder Lachfalten übers Gesicht. Wie bei der Geschichte über den weißen Elefanten, der … diese explosive Geschichte muss man einfach lesen!

Mister Wong fällt die ehrenhafte Aufgabe zu, sich Shanghai und dem aus den Fugen geratenen Energiefluss anzunehmen. Ihm wird klar, dass die Dinge auch auf den zweiten Blick oft anders sind als sie scheinen.