Archiv der Kategorie: Links und rechts der Adria

Mondo Veneziano

Mondo veneziano

Jeder, der außerhalb(!) einer Touristengruppe Venedig für sich entdeckt, hat unweigerlich das Gefühl ein Buch z schreiben. Und so verwundert es nicht, dass es über die Lagunenstadt – neben Paris und Rom – die meisten gedruckten Reiseimpressionen gibt. Von grandiosen Bildbänden wie „City impressions Venedig“ über Reisebände wie „MM City Venedig“ bis hin zu historischen Aufarbeitungen wie „Venedig erobert die Welt“.

Heidrun Reinhard hat die Herausforderung angenommen und ein weiteres Buch dieser prachtvollen Reihe hinzugefügt. Und das mit Erfolg! Denn „Mondo Veneziano“ gehört wie die eingangs erwähnten Bücher ebenso zur Pflichtlektüre eines Jeden, der Venedig auf eigene Faust und mit fundiertem Wissen erkunden will. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise vorbei an den Palästen der Stadt. Übrigens erkennt man Touristen und Gäste daran, dass sie die Häuser der Stadt, von den Einheimischen meist nur „Ca‘“ genannt, auch wirklich als Paläste bezeichnen.

„Menschen und Paläste am Canale Grande“ lautet der Untertitel des Buches. Die Paläste, oder „Ca‘“, sind hinlänglich bekannt bzw. für jedermann leicht zu erreichen. Man kennt sie aus Reportagen, aus Büchern und vom Vorbeigondeln. Dass sie Geschichte in sich bergen, ist auch jedem klar, der sich nur ein wenig mit der Geschichte der Serenissima beschäftigt hat. Doch welche Geschichten sich darin zutrugen, wer sie erbaute, wer wem an die Wäsche wollte, das sind die Geheimnisse, die in diesem Buch so eindrucksvoll und lebendig beschrieben werden.

Die alte Dogenmacht Venedig war im Mittelalter ein ernst zu nehmender Handelsriese. Ein global player, der überall auf der Welt seine Finger im Spiel hatte. Von Konstantinopel über die Adria gehörte mehr als nur der Mittelmeerraum zum Einzugsgebiet der venezianischen Handelshäuser. Auch die Deutschen hatten hier eine Niederlassung, ein deutsches Haus, in dem täglich so viel umgesetzt wurde wie ein durchschnittlicher venezianischer Mittelständler sonst in einem Jahr verdiente. Hier wurde kaum produziert, dafür aber umso mehr ge- und verkauft. Die Dogen und auch der zehnköpfige Rat der Stadt, die Regierung, ließen sich ihre erbaulichen Ideen etwas kosten. Als Tourist kann man heute nur noch die Pracht der Stadt vor fünf-, sechs-, siebenhundert Jahren erahnen. Aber das reicht schon, um sich verzaubern zu lassen.

Dass Venedig nicht nur glorreiche Zeiten erlebte, zeigt Heidrun Reinhard, die die Stadt als ihre zweite Heimat bezeichnen darf, in der zweiten Hälfte des Buches. Denn an die Spitze gelangen, ist bei Weitem einfacher als diese zu behaupten. Als Konstantinopel in die Hände der Araber fiel, schwanden auch der Ruhm und der Einfluss Venedigs. Bis die Intelektuellen und Künstler Venedig wiederentdeckten. Verdi, Wagner, Thomas Mann – sie alle setzten der Lagunenstadt ein weiteres Denkmal. Die Venezianer sind ja in Sachen Denkmäler setzen nicht so spendabel.

„Mondo Veneziano“ ein Buch für alle, die Venedig nicht nur als Tages- oder gar nur Stundenausflug erleben wollen. Schon vor dem Besuch weiß man – gefühlt – mehr als so mancher Einheimischer. Vor Ort ist man der kundige Betrachter, der sich von keinem Reiseleiter etwas vormachen lässt. In Erinnerungen schwelgend nimmt man dieses Buch immer wieder gern zur Hand und stimmt Seite für Seite kopfnickend zu: Venedig ist mehr als nur eine Reise wert!

Wenn Venedig stirbt

Wenn Venedig stirbt

Die Deutschen sind immer noch Reiseweltmeister. Wann immer es Zeit und Geldbeutel zulassen, sind wir gern bereit unsere Euros Händlern, Reiseveranstaltern, Restaurants gegen Service zu überlassen. Wir erkunden die Welt in Frankreich, Ägypten, den USA, Fernost, der Türkei oder Italien.

Wenn wir schon bei oder in Italien sind: Stellen Sie sich vor, Sie hätten jeden Tag zwei neue Gäste. Egal, ob werktags oder sonntags, ob feiertags oder langes Wochenende. Und die stapfen 24 Stunden am Tag durch ihre heimischen Gefilde. Fassen da was an, nehmen dort ein Souvenir. Einzig allein, dass sie bei Ihnen zuhause mehr Geld lassen als anderswo, lässt sie die Situation halbwegs erträglich erscheinen. Und mehr als erscheinen ist es nicht. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr dasselbe Prozedere. Venedig hat sich in sein Schicksal ergeben. Die Stadt lebt mit und vor allem von den Touristen. Neuerdings können die sogar vom Frühstückstisch aufstehen und direkt, ohne großes Palaver Markusplatz und Dogenpalast erobern. Tonnenweise Tennissocken, den Kopf hoch erhoben gen Selfie-Stick toben sie gemächlich durch die Stadt, die immer noch vom Ruf als romantische Stadt lebt. Sieht so Romantik aus? Was passiert mit dem historischen Erbe, über das die Lagunenstadt zweifelsohne verfügt?

Salvatore Settis sieht Venedig exemplarisch für den Ausverlauf der Kultur. Wenn Touristen aus ihrem wohlverdienten Urlaub zurückkehren und nicht mehr Bilder zeigen, sondern ihre Schnäppchen präsentieren oder meinen, dass zwei Stunden vollkommen ausreichen, um die Kloake Venedig über Gebühr mit ihrer Anwesenheit beehrte haben, dann kann man nicht mehr von einem Kulturerlebnis sprechen. Salvatore Settis beklagt, ja klagt schon fast an, den Ausverkauf der Städte.

Dabei beginnt alles schon uns vor der Haustür. Eine Häuserzeile – vielleicht Jahrhunderte alt – muss Neuem weichen. Wer aufmerksam die Stadtentwicklung egal wo auf der Welt verfolgt hat, weiß schon, welche Läden da als nächstes stehen werden. Eine eigene Identität weicht Konformität. Und dann ist es wirklich egal, ob der Pappbecher mit dem brühend heißen Kaffee, der in Sydney genauso schmeckt wie in Castrop-Rauxel, nun zwischen altehrwürdigen Gemäuern geschlürft wird oder an einem Stehtisch.

„Wenn Venedig stirbt“ – bleiben wir bei der Frage. Dann gibt es anfangs ein Riesengeschrei, doch schon kurze Zeit später werden andere Städte, die jetzt schon in den Startlöchern sitzen, versuchen dessen Platz einzunehmen. Ein kulturelles Erbe ist dann nur noch im Museum zu besichtigen. Und das hat, um überhaupt den Hauch einer Überlebenschance zu haben, einen Museumsshop. Was sollen wir nun machen? Venedig links liegen lassen? Es ignorieren? Nur damit die Venezianer sich in Ruhe mal wieder auf ihr Erbe besinnen können und sich ein neues Marketingkonzept ausdenken. Da ist es schon wieder: Marketing. Neue Märkte erschließen. Es gibt keine endgültige Antwort. Aber Salvatore Settis ist endlich einer, der die richtigen Fragen stellt.

Tod zwischen den Zeilen

23 Tod zwischen den Zeilen

Rausgerissen aus dem Leben, verstümmelte Reste, Raub und Diebstahl: Brunetti hat es dieses Mal nicht mit einem bestialischen Mord zu tun – anfangs – sondern mit einem Diebstahl. In der Biblioteca Merula wurden wertvolle Bücher gestohlen und zerstört. Brunetti kennt die Bibliothek aus Studientagen, doch scheint sie dem Ermittler inzwischen fremd. Kaum eine Erinnerung kann die Gegenwart erhellen.

Bücher wurden gestohlen, einzelne Seiten wurden aus den wertvollen Niederschriften herausgetrennt. Direktorin Dottoressa Fabbiani ist verzweifelt. Wer tut so was nur? Brunettis erste Spur führt ihn zu Tertulian, einem Priester, der immer wieder in den Werken Tertullians liest und deswegen von den Angestellten so genannt wird. Eigentlich heißt er Aldo Franchini, und er war mal Priester. Beim Gespräch mit der Dottoressa über eben diesen Tertullian fällt Brunetti was auf: Tertullian war nur Besucher, interessiert, aber eben nur ein Besucher. Die Dottoressa kenne ihn gar nicht, doch kann dem Commissario sofort Antworten geben, auf Frage, wie nur jemand, dem Tertullian ziemlich vertraut ist.

Die Bücher sind zu einem Großteil Schenkungen einer der angesehensten Familien der Lagunenstadt, deren Oberhaupt die Contessa Morossini-Albani ist. Brunetti kennt die resolute Dame. Sie ist eine Freundin seiner Schwiegermutter. Aber eigentlich ist Brunetti hier gar nicht zuständig, er ist Mordermittler und nicht Schnüffler für Buchverstümmelung.

Seit einigen Fällen lässt Donna Leon ihrem Commissario Brunetti einen gewissen Hauch von Büchervernarrtheit offen angedeihen. War es zu Beginn der Reihe eher seine Frau Paola, die sich an Büchern und Geschichte nicht genug ergötzen konnte, so kristallisierte sich in den vergangenen Jahren auch immer mehr sein Interesse für das Gewesene heraus. Wohl auch deswegen bleibt Brunetti am Ball.

Der Einfachheit halber recherchiert zur Familie Morossini-Albani. Gianni, der Spross der Familie, die einst vier Dogen stellte, ist ein ganz besonderes Früchtchen. Drogen, Partie mit Minderjährigen Mädchen, Diebstahl – er lässt nichts aus und … kommt ungeschoren immer wieder aus dem Schlamassel raus. Solche Leute liebt Guido Brunetti besonders! Die Contessa hingegen ist von anderem Schrot und Korn. Sie liebt und hasst gleichermaßen leidenschaftlich. Und sie weiß, was sich als ehrenwerte Tochter der Stadt gehört: Sie fördert die Kultur. Sie ist spitzzüngig und generös.

Und dann gibt es für Commissario Guido Brunetti endlich einen Mord! Endlich darf er offiziell ermitteln! Und schlussendlich – so viel darf verraten werden – findet er den Schuldigen Papierraubtiger!

Im dreiundzwanzigsten Fall lässt Donna Leon ihre zweite große Leidenschaft, nach der barocken Musik, Bücher und das darin versammelte Wissen in einen ihrer Krimis einfließen. Verstaubte Gewölbe, verstaubte Bibliothekare sind nicht das Terrain, auf dem Brunetti sich bewegen muss. Vielmehr sind es Lebenslust und die Kunst Venedig trotz der Spuren der Vergangenheit im Glanze erstrahlen zu lassen. Und ein Mörder kümmert sich erfahrungsgemäß nur oberflächlich um die Vergangenheit. Um zu entkommen, muss sein Fokus auf die Zukunft gerichtet sein. Und heißt erst einmal Commissario Brunetti!

Wer Donna Leons gelegten Fährten ihres Commissarios durch Venedig folgt, lernt die Lagunenstadt besser kennen als ein Pauschaltourist, der brav dem hochgehaltenen Regenschirm der Reiseleitung hinterher trabt. Die Dramen hinter den teils maroden Fassaden, die einstigen Bewohner der Paläste links und rechts der Kanäle sind zu engen Vertrauten geworden. Wer noch tiefer in die Stadt eintauchen will, muss entweder nach Venedig reisen oder steckt seine Nase in den prächtigen Bildband „Venedig – City Impressions“ von Bernd Rückert – ebenfalls vorgestellt auf dieser Seite. Stimmungsvolle Bilder stellen eine Parallele zu den Ermittlungen von Commissario Brunetti dar. Langsam lichtet sich der Nebel des Unbekannten, um dann mit voller Wucht vor die Augen des Betrachters zu treten. Ein bildgewaltiger Krimi ohne Opfer, es gibt nur Gewinner. Die Leser.

City Impressions – Venedig

City impressions Venedig

Das Verhältnis von Einwohner zu Besuchern beträgt in Venedig Eins zu Hundert. Null Komma Eins zu Eins beträgt das Preis-Seiten-Verhältnis dieses Bildbandes. Klarer Sieg für das Buch! Doch so kann man weder Venedig noch dieses Buch betrachten. Venedig sehen (und nicht gleich danach sterben!) gehört einfach in die Lebensplanung eines Touristen.

Venedig ist mathematisch nicht zu erklären. Venedig genießt man mit all seinen Sinnen. Die Augen laufen über beim Anblick der üppigen Architektur. Das Plätschern des Wassers in den Kanälen lässt den Alltagslärm fast vergessen. Der Duft, der aus den zahlreichen Restaurants strömt verbreitet Urlaubsstimmung. Ein morbider Charme zeichnet Venedig aus. Darin sind sich alle einig. Eine Zerbrechlichkeit, die im Sonnenlicht hervorbricht, bei Nacht sich dem Betrachter in ihrer ganzen Schönheit zeigt.

Auf pechschwarzem Grund präsentiert Bernd Rücker seine Eindrücke. Das Wasser und die Besucher hinterlassen ihre Spuren. Doch auch die Großen ihrer Zeit haben sich in Venedig verewigt. Heutzutage ist es Commissario Brunetti, dessen 23. Fall in diesen Tagen erscheint. Einst waren es Giacomo Casanova und Antonio Vivaldi. Amouröser Provokateur, melodischer Musiker und berechnender Polizist: Venedig ist für jeden da!

Das Buch beginnt mit einer für Venedig so typischen Szene: Ein Anlegesteg für Gondeln. Der Tau (wieder Wasser) tropft leise vom Geländer, das fade Licht der Straßenlaternen taucht die Stadt in einen mystischen Nebel. Der Dogenpalast ist nur schemenhaft als kolossale Silhouette zu erkennen. Der Markusplatz glänzt im zarten Nass der Nacht. Passend zu der Geschichte um Robert, der immer noch im Alltag gefangen ist. Die Stadt wird ihn verschlingen und ihn aufsaugen. So wie es jedem in Venedig geht.

In Einzelbildern wird sein Schicksal zu dem eines jeden Bildbetrachters. Wie im Museum, nur mit dem Unterschied, dass hier offensichtlich eine Geschichte erzählt wird. Einzelne Spots erhellen die Nacht. Lang geöffnete Blenden erzeugen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Mit nicht ganz geöffneten Augen – ein wenig verschwommen taucht die Rialto-Brücke aus dem Nichts der Nacht auf. Leichte Wellen lassen die Nacht nicht gänzlich vorüber sein. Das Schwarz-Weiß wird gekonnt durch Farbakzente in beruhigenden Farben ersetzt.

Bernd Rücker verzaubert mit seinen Bildern den zweidimensionalen Spaziergänger durch die Lagunenstadt. Das turbulente Ringelreih der Tauben – die Touristen nur zu gern füttern und dann bitterlich dafür bestraft werden – gehört zum Alltag genauso dazu wie Souvenirkitsch rund um die bekannten Hotspots der Stadt. Es sind die kleinen Details, die diesen Band der Bildbandreihe City Impressions von Vagabond books. Kleine Risse in Mauerwerken, verwittertes Holz an den Gondeln, entspannte Gondoliere, spielende Kinder … Venedig ist so reich an Lebensfreude und Verfall wie keine andere Metropole der Welt.

Oft wird gesagt, dass abseits der Touristenpfade eine Stadt am ehrlichsten ist. Nur will da keiner hin. Keine Postkartenidylle – kein Besuch. Dass es sich lohnt Venedig weit weg von maßlos überteuerten Cappuccini und überlaufenen Sandalenpfaden zu erkunden, wird spätestens ab der Mitte des Buches klar. Hier sieht Venedig nicht mehr so geleckt aus. Hier erholt man sich vom Stress des babylonischen Sprachenwirrwarrs. Hier ist der Himmel blau, weil er blau ist und nicht weil Photoshop es so will.

In der Zwischenzeit ist Robert weiter in die Stadt eingetaucht. Und er ist nicht mehr allein. Emilio und Sarah haben sich zu ihm gesellt. Sie sind die Abwechslung für Robert während seiner Venedigtour. Bei so vielen Eindrücken muss ab und zu eine Pause drin sein. Schließlich wartet noch der Tag noch auf einen krönenden Abschluss.

Der durchbrochene Buchdeckel in Form des Umrisses von Venedig gibt ein wenig die Richtung des Buches vor. Düster und kolossal zu gleichen Teilen. Dieses Buch liest man mehrmals. Als Vorbereitung auf eine unvergessliche Zeit und nach der Rückkehr immer wieder als qualitativ (in jeder Hinsicht) hochwertiges Fotoalbum.

Die komplette Buchreihe City impressions umfasst außerdem die Metropolen Marrakesch, Rom, Paris, Lissabon, Barcelona und Istanbul und ist generell in zwei Sprachen erhältlich, deutsch / englisch und französisch / spanisch.

Soča – Isonzo, Juwel zwischen Alpen, Karst und Adria

Soca Isonzo

Die Soča ist ein Fluss in Slowenien, der vorbei am Trubel des Tourismusbooms weiter seine Kreise zieht. Sein smaragdgrünes Wasser, seine natürliche Unbändigkeit verleihen ihm den besonderen Charme. Im weiteren Verlauf erobert er Italien und wird von nun an Isonzo genannt. Der Untertitel dieses Buches „Juwel zwischen Alpen, Karst und Adria“ verrät es schon: Destination-Goldgräber kommen hier voll auf ihre Kosten.

Die Region um, an und auf der Soča muss erwandert werden. Querfeldein, über Stock und Stein – so, und nur so, erschließt sich der Reiz der Flusslandschaft dem Reisenden. Autor Wolfram Guhl hat vierunddreißig Touren zusammengestellt – mehr als ausreichend für einen Urlaub. Jede einzelne Tour wird ausgiebig vorgestellt, die Höhepunkte hervorgehoben. Am Ende gibt es eine kurze Zusammenfassung und eine kleine Übersichtskarte.

Wer bisher noch nicht vom Wanderfieber gepackt wurde, wird es spätestens bei diesem Buch. Einfache Wanderungen für Anfänger erleichtern es sich für diese Art des Reisens zu erwärmen. Wanderprofis werden es die schwierigeren Touren antun. Allen gemeinsam ist die Bewunderung für die zahlreichen wunderschönen Abbildungen. Der Blick auf den tief unten liegenden Križ-See. Wie ein verborgener Schatz liegt er tiefgrün vor dem Betrachter. Ringsherum massige Bergformationen.

Der beginnende Morgen mit Blick auf die Triglav-Nordwand entschädigt für die eine oder andere Strapaze der vergangenen Tage.

Wolfram Guhl ist es gelungen eine Region umfassend vorzustellen, die vielen bisher unbekannt war. Jede Wanderung entlang der Soča – Isonzo ist ein Highlight für sich. Das Buch ist das dazugehörige Rüstzeug.

Das Kanaltal

Kanaltal

Dreiländerecke haben ihren besonderen Reiz. Denn hier hat man auf engstem Raum einen Mix aus mindestens drei Kulturen. Im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien liegt das Kanaltal. Und mittendrin liegt die Stadt Tarvis. Umgeben von den Julischen Alpen und den Karawanken entstand hier eine Landschaft und eine Kultur, die Ihresgleichen sucht. Hans Messner ist dem Geheimnis dieses einzigartigen Landstriches auf der Spur.

Er folgt zwei Flüssen (Fella und Slizza), erlebt drei Kulturen und vier Sprachen (Italienisch, Deutsch und Slowenisch). Schon die Römer wussten schon, dass es sich hier gut leben lässt. Nachfolgende Regenten zerrten das Gebiet mal auf ihre Seite, mussten es anschließend wiederum an Andere abgeben.

Den ersten Kontakt mit dem Tal – sozusagen das erste Highlight – ist die Küche. Hier muss der Leser das erste Mal innehalten. Leberknödelsuppe, Tellerfleisch und Gurkensalat mit süßem Rahm. Klingt vertraut und doch ein wenig anders. Probieren. Genießen. Sich zurücklehnen.

Der Kanaltaler Kulturverein ist das Gewissen des Tals. Hier wird die Tradition nicht nur hochgehalten, sie wird gelebt. Die siebentausend Einwohner des Kanaltals sind stolz auf ihr Tal und ihre Herkünfte.

Hans Messner besucht nun die Orte des Tals. Tarvis, Camporosso, Ugovizza, Malborghetto, Pontebba – sie alle haben ihren Reiz und Charme. Um es dem Leser / Reisenden einfacher zu machen, werden einzelne Persönlichkeiten vorgestellt. Sie bieten das, was man im Urlaub sucht: Erholung, eine Ruhestätte, eine Einkehr nach erlebnisreicher Wanderung oder haben das im Angebot, womit man die Daheimgebliebenen überraschen kann.

Die große Anzahl an eindrucksvollen Bildern – viele vom Autor selbst – vermitteln einen Einblick ins fast unbekannte Kanaltal. Wer im Herzen Europas noch etwas Neues entdecken will, der muss ins Kanaltal kommen. Den Reiseband gibt es nun bereits…

Wem die Glocke schlägt

Wem die Glocke schlägt

Adria – das klingt nach Urlaub, Erholung, Entspannung. Und kulinarischen Höhepunkten. So beginnt auch Peter Kimeswengers „Wem die Glocke schlägt“. Ein Boot auf der Adria in sturmgepeitschter Gischt. Doch die Aussicht auf einen Fang lässt die Strapazen vergessen. Dazu ein Glas Wein. Mmmh lecker. Doch im Weinkeller hängt ein Toter.

Kommissar Karl Heber, der sich im beschaulichen Piran zur Ruhe gesetzt hat, sein Häuschen ausbaut, kommt nicht zur Ruhe. Einmal Bulle, immer Bulle. Erst die Sturmschlacht in den Fluten, dann der seltsame Selbstmord. Adria und Erholung – für Heber passt das nur bedingt zusammen.

Und es wird auch nicht besser als Heber einen Anruf von Antonella Lupini bekommt. Vor Jahren hatte die Anwältin ihn bei einem Prozess ordentlich in die Mangel genommen. Nun sitzen die beiden in einem Café in Piran. Sie braucht seine Hilfe. Denn ihr Bruder – Zwillingsbruder – Angelo wurde tot aufgefunden. Der Tote aus dem Weinkeller. Antonella glaubt nicht an die Selbstmordtheorie. Sie will Klarheit. Und die erhofft sie sich von dem beinharten Kommissar. Heber ist die Situation anfangs unangenehm. Das Katz-und-Maus-Spiel damals im Gerichtssaal wirkte noch lange nach. Auch wenn er als „Sieger“ aus diesem Spiel hervorging.

Wohl auch deswegen, vor allem aber, weil ihm ihr Auftreten und ihr Aussehen imponieren, erklärt sich Heber bereit der Dottoressa zu helfen. Schließlich hat er außerdem noch gute Kontakte zu seinen Ex-Kollegen.

Zwischen Fischerausflügen und Hausputz und kulinarischen Besonderheiten findet Heber schnell Zugang zu dem Fall. Visitenkarten, seine Spürnase und die Hilfe eines befreundeten Kommissars kommt Heber dem Geheimnis um Angelo Lupinis Tod schnell auf die Spur…

Peter Kimeswenger hat mit „Wem die Glocke schlägt“ (die Nähe zu Hemingways „Wem die Stunde schlägt“ kommt nicht von ungefähr!) nicht nur einen schnöden Krimi geschrieben. Mit viel Herz umschreibt er die Menschen im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich, würzt die Geschichte mit magenknurrenden Appetitanregern und so ganz nebenbei wird ein Kriminalfall gelöst. Der ideale Urlaubskrimi!

Tatverdacht

Tatverdacht

Fabian Zaugg ist als Soldat im Kosovo eingesetzt. Vorrangig soll er serbische Kulturgüter beschützen. Als Mitglied der Swisscoy, einer Schweizer Militäreinheit, ist es ihm untersagt mit Einheimischen Kontakt zu haben. Dennoch freundet er sich mit der Bardame Besarta Sinani an. Und nimmt sie mit in sein Quartier. Sein „Mitbewohner“ Enrico Geu ist eh nicht da. Ehe Zaugg sich versieht, wird er der Vergewaltigung an Besarta beschuldigt. Seine Verteidigung übernimmt Pal Palushi. Auch er ist Albaner. Wie das vermeintliche Opfer. Eine verzwickte Situation ist das. Auf dem freien Bett in Zauggs Unterkunft wurden Speichelspuren der Frau gefunden und unter dem Bett ein Slip der Frau. Es sieht nicht gut aus für Fabian Zaugg.

Und es wird nicht besser. Denn Anzeige wegen Vergewaltigung hatte nicht Besarta gestellt, sondern ihr Cousin Alban. Einst wurde sie von ihrer Familie verstoßen, jetzt wird sie mehr oder weniger freiwillig in den Schoß der Familie zurückgeführt. Die ganze Sache stinkt gewaltig.

Deswegen braucht Pal Palushi unbedingt professionelle Hilfe. Jasmin soll ihm helfen. Die einstige Polizistin ist vielen Lesern als „Bambi“ aus den Flint/Cavalli-Romanen bekannt. Sie hat nicht nur eine fixe Auffassungsgabe, sondern auch eine schnelle Fortbewegungsart. Ihre Ducati ist ihr Ein und Alles.

Sie und Palushi ermitteln vor Ort im Camp Casablanca in der Nähe von Prizren. Ihr Bild von Fabian Zaugg ist janushaft: Auf der einen Seite der liebe, brave Junge, der immer viele Freunde hatte, bei allen beliebt war. Auf der anderen Seite der sich stark veränderte Soldat, der auch vor derben Späßen nicht zurückschreckte. Selbst als der Kriminalfall gänzlich geklärt zu sein scheint, bleibt da noch ein Geheimnis …

Falsch verstandene Ehre, Geldgier, sich verstecken hinter Paragraphen, zwielichtige Gestalten, gravierende Kulturmissverständnisse – das die Zutaten des Spin-Offs von Petra Ivanov. Dieses Mal ermitteln nicht Bezirksstaatsanwältin Regina Flint und Kommissar Bruno Cavalli, dennoch sind ihre Kollegin und ihr Auftraggeber Pal Palushi nicht minder agil im Kopf und wissbegierig in ihren Ermittlungen.

So genannte Friedenseinsätze bergen in sich genauso große Gefahren wie „echte“ Kampfeinsätze. Detailversessen wie immer und sensibel wagt sich Petra Ivanov an ein heikles Thema heran. Vergewaltigungen gehörten im Balkankrieg zur gängigen Praxis. Erst vor wenigen Jahren wurden diese Verbrechen als Menschenrechtsverletzung anerkannt. Organisationen wie SOLWODI (Solidarity with Women in Distress) oder Medica Mondiale leisten nicht nur Aufklärungsarbeit, sie sind die Sprachrohre der Unterdrückten und kämpfen für deren Rechte. Dieses Buch unterstützt indirekt die Arbeit dieser Organisationen.

Typisch Kroatien

Typisch Kroatien

Wenn man von der östlichen Adria die Rede ist, meint man Kroatien. Hier wurde schon immer ereignisreiche geurlaubt. Endlose Strände, wenn auch nicht immer der feine Sand. Kultur und Geschichte wohin das Auge reicht. Hier wurden Kaiser geboren, von hier aus regierten sie Reiche. Lukullische Exzesse im besten Sinne gehören zu Kroatien wie die Sonne am Firmament. Friederun Pleterski wirft (nicht nur im Untertitel) einen Blick hinter die Kulissen.

Herauskommt eine Liebeserklärung an das Land der Sonne im Spiegellicht der adriatischen See. Mal melancholisch, mal neugierig, mal sachlich, doch immer voller Vorfreude auf den nächsten Tag verführt die Autorin den Leser zum Verweilen und Träumen. Der nächste Urlaub ist schon so gut wie gebucht! Kroatiens Tourismusminister sollte schon mal einen Orden ordern.

Das Buch ist für alle, die Kroatien schon immer auf der Rechnung hatten, aber es noch nicht schafften, Dubrovnik, Split, Zagreb und Rijeka zu besuchen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Friederun Pleterski führt gekonnt durch römische Stätten, vorbei an roten Sternen bis in die verstecktesten Ecken Kroatiens.

Arnold Pöschl setzt die Erkundungen der Autorin ins rechte Licht, seine Bilder wecken Fernweh.

Die 40 bekanntesten historischen und archäologischen Stätten in Istrien

Die 40 bekanntesten historischen und archäologischen Stätten in Istrien

Es sind Bücher wie dieses, die einen Urlaub zu einer unvergessenen Zeit(reise) machen. Istrien, die Halbinsel, die sich Italien, Slowenien und Kroatien teilen, war schon in der Antike besiedelt. Schatzsucher können sich hier und da noch richtig austoben. Wolfram Letzner hat sich ausgetobt. Und er hat noch nicht genug. Vierzig Stätten, die exemplarisch für die Entwicklung Istriens (und längst verschwundener Reiche) stehen, hat er besucht und für den Leser seziert.

Bis in die Ur- und Frühgeschichte reichen die Fundorte. Monkodonja wird die Mykene Istriens genannt. Wer sich auch nur ein bisschen anstrengt, kann sich die Siedlung vor dreitausend Jahren vorstellen. Ein grandioser Ausblick bis zur Küste der Adria hin. Sehr gut erhaltene Mauerreste zeugen noch heute von der Geschicklichkeit der Handwerker.

Oder Milje, italienisch Muggia. Waffenschmiede einst, heute ein idyllisches Örtchen mit einer interessanten Geschichte. Die liest man aber lieber nach oder besucht Muggia selbst.

Die zahlreichen Abbildungen verstärken die Sehnsucht Istrien fernab vom Touristenmob zu erkunden. Wunderschöne Landschaften mit Resten von Tempeln, Festungsanlagen und noch intakten Gebäuden laden zum Verweilen und zu eigenen Nachforschungen ein. Wie ein kleiner Junge hüpft man von Mauerrest zu Mauerrest, stellt sich die Welt vor Jahrhunderten und Jahrtausenden vor. Aktivurlaub mal anders.

Die zahlreichen Übersichtskarten dienen als Landkarte durch die Vergangenheit und Wegweiser durch die Gegenwart. Und das Beste: Man lernt so ganz nebenbei noch was. Nach dem Urlaub, in geselliger Runde, kann man mit echtem Fachwissen glänzen. Während Andere sich an Souvenirständen mit allerlei Folklore eindecken, hat man selbst Folklore am eigenen Leib erfahren und erkundet. Der flexible, robuste Einband nimmt keinerlei Schaden, wenn man immer wieder drin blättert. Ein echter Reiseführer durch die Geschichte, vom Alten Rom bis in unsere Zeit.