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Thorbeckes Tiere und Pflanzen der Berge Kalender 2020

Tiere und Pflanzen der Berge – klingt nach Heimatidylle mit kitschigem Anstrich. Klingt aber auch nur so! Ist es ganz und gar nicht. Das Jahr grüßt mit einem Steinbock. Erhaben mit stolzem Geweih zeigt er seine Flanke und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass 2020 ganz im Zeichen nostalgischer Fauna steht. Flora folgt eine Woche später, wenn das Jahr bzw. man sich selbst im neuen Jahr eingefunden hat. Ein Potpourri farbenprächtiger Alpenpflanzen, mit dem Edelweiß, das auch im Jahr 2020 bei keiner Bergansicht fehlen darf. Doch die Pflanzen sind nicht nur hübsch anzusehen, sie sind nicht zuletzt auch nützlich. Flavonoide heißt das Zauberwort, Stoffe, die die Pflanzen, aber auch die menschliche Haut vor Schädigungen der UV-Strahlung schützen.

Die Trollblume – so erfährt aus einem der zahlreichen Texte, die die beeindruckenden Abbildungen vervollkommnen – ist eine bedeutende Blume. Ihren Namen hat sie – und da müssen jetzt alle Fantasyfans ganz stark sein – nicht von den Figuren ohne die kein echtes Fantasyabenteuer auskommt, sondern vom altdeutschen Wort troll, und das bedeutet kugelig. Sie kann entweder winzig kleine Insekten aufnehmen oder mit ihren starken Blättern nicht erwünschte Eindringlinge beiseiteschieben.

Wer schon mal in den Alpen geurlaubt hat, kennt den geistreichen Enzianschnaps. Gewöhnungsbedürftiger Geschmack – und wer weiß wie der Basisstoff dieses hochprozentigen Erlebnisses aussieht? Ende Mai ist man schlauer. Mit feinster Pinselführung werden kleinste Erhebungen und Details sichtbar gemacht. Ein Genuss für alle Sinne. Bis auf den Geruchssinn, der wird mit diesem Kalender leider nicht bedient.

Fast schon technisch wird Anfang Juli der Wacholder vorgestellt. Im Bildmittelpunkt ein Zweig mit den charakteristischen Nadeln und dichtem Fruchtstand, darunter die einzelnen Stadien der Fruchtwerdung. Zu finden ist der Wacholder dort, wo andere Bäume keinen Halt mehr und keine Nahrung finden. Und zwar von Hier bis in den Himalaya.

Im November, wenn man sich nur allzu gern zuhause verkriecht und mit sehnsuchtsvollem Blick jeden Sonnenstrahl erhaschen versucht, thront der Steinadler auf einem Felsen. Die Beute fest im Griff sondiert er die Umgebung, auf dass ihm niemand den Fang streitig macht.

So unverhohlen rein war die Natur der berge noch nie zu sehen. Ozonalarm, Smog und von Menschenhand geschaffene Einflüsse sind mit jedem Umblättern im Kalender – also jede Woche  – wie weggeblasen. Knallige Farben, dass man meint sie können nicht echt sein, machen aus jedem der 366 Tage des Jahres 2020 (es ist wieder Schaltjahr!) ein Fest für die Augen.

Thorbeckes historischer Fahrradkalender 2020

Jedes Jahr im Sommer wird fast ganz Europa von einem rätselhaften Fieber erfasst. Man hockt stundenlang vor der Glotze und schaut gebannt zu wie sich erwachsener Männer – mehr oder weniger stimuliert – auf ihren Drahteseln von A nach B bewegen. Reporter versuchen diese Zeit – ebenso mehr oder weniger engagiert und eloquent – mit unterhaltsamen Fakten zu untermalen. Es ist wieder Tour de France. Drei Wochen Werbung für Frankreich.

Mahr als siebzehn Mal so lang wirkt dieser Kalender. Historische Bildzeugnisse aus Zeitungen, Illustrierten, Prospekten aus allen Sparten des Radsports zeugen von der Faszination Radfahren. Wie zum Beispiel das Titelblatt des „Le Petit Journal“ vom 26. September 1891, in dem ein gewisser Charles Terront vorgestellt wurde. Er war einer der ersten Superstars der Szene. Frisch geduscht, mit frischen Trikot wurde er nach seinem Sieg des Rennens von Paris nach Brest für die Nachwelt verewigt. Er selbst begann seine Karriere auf dem Hochrad. Nach dem „Abstieg“ auf „normale“ Vehikelgröße gewann er Bahnradrennen wie Straßenrennen.

Hochräder waren nicht zu übersehen. In luftiger Höhe überschaute man die Landschaft und schaute herab auf Fußgänger. Ein riskantes Unterfangen, denn bei plötzlichem Bremsen, war der unfreiwillige, und somit verletzungsanfällige Abstieg, vorprogrammiert. Die Werbung von Columbia Bicycle zeigt aber auch die Eleganz dieses grazilen Gefährtes.

Es sind nicht nur glitzernde Bilder aus der Welt des Radfahrens, die diesen Kalender zu einem echten Highlight des Jahrs 2020 machen. Auch technische Detailzeichnungen wie von einem Patentkurbellager oder eines Dreigang-Nabengetriebes zeigen die Präzision, mit der das Produkt Fahrrad beworben wurde. Rennszenen, schon damals – so zeigt es das Titelbild des „La Domenica del Corriere“ – erregten spektakuläre Rennverläufe, wie nach einem Sturz, die besondere Aufmerksamkeit der Leser.

Ein wenig Wehmut schwingt schon mit, wenn man schon vorher ein wenig durch den Kalender blättert. Echte Kerle, die ohne Begleitfahrzeug ihr Rennen bestritten. Keine Wasserträger, die ihren Kapitänen, das Wasser reichen, weil sie ihnen aufgrund mangelnder Unterstützung aus der medizinischen Abteilung das Wasser nicht reichen können. Kein Vergleich mit dem Heute.

Diesen Kalender als nur hübsch anzusehen, ist eine gewaltige Untertreibung. Mit großen Augen erwartet man den Montag, um ein neues Histörchen aus der pedalen Welt zu erfahren. Die kurzen Texte auf jedem Blatt halten so manche vergessene Geschichte parat.

Verrückt nach Karten

Alles beginnt mit einem weißen Fleck. Inmitten von Flüssen und Bergen, von Kathedralen und Burgen, von Brücken und Gässchen – Landkarten, Stadtpläne, Liniengittern sind ein Labyrinth, in dem man sich leicht verlieren kann. Joseph Conrads Marlow ist zwar nur ein fiktiver Held, der diese Sehnsucht aber sehr real auf den Punkt bringt. Dort, wo das Weiß des Papiers noch sichtbar ist, will er reisen und der Geschichte seinen Stempel aufdrücken. Und erst eine (selbst gezeichnete) Karte macht das fiktive Raskawien greifbar.

Karten sind – egal, ob analog oder digital, wobei die analogen aus längst vergangenen Zeiten durch ihre Farbenpracht bestechen, wohingegen heutige Karten nur noch nutzvoll erscheinen müssen – nachvollziehbar, abenteuererheischend, fantasieanregend. Da verwundert es nicht, dass Bücher über Karten, keine Atlanten, die Augen erstrahlen lassen. So wie in diesem Fall.

Huw Lewis-Jones ist dem Virus Karten schon längst verfallen. Und dieses Buch ist auch geeignet, wenn man sich von diesem Virus befreien will. Stellt sich die Frage, warum man diesen gutmütigen Virus loswerden solle? Es gibt keinen vernünftigen Grund. Nur die weißen Flecken werden weniger.

Dieses Buch ist ein Schatzatlas. Gespenstig wirkende Karten wie die Suche nach dem sagenumwobenen Moby Dick, knallbunte Karten wie die des Garten Eden aus einer deutschen Bibel des Jahres 1536 oder der Karte der Neun Welten der Runemarks-Serie befeuern die Sehnsucht mach Unentdecktem und Entdeckungswertem. Ob nun real oder in Büchern, das ist ab dem ersten Durchblättern unerheblich.

Schon der Einband von „Verrückt nach Karten“ lässt den Betrachter verharren. Was könnte das sein? Was erkenne ich? Und schon ist man in der größten Schatzsuche seines Lebens. Tolkiens Werk begann mit einer Karte. Jules Verne ohne Karten wäre nur ein paar Spinner auf dem Weg irgendwohin und niemand weiß es. Wer Karten lesen kann, dem eröffnet sich eine Welt voller Geistesblitze. Tiere, in deren Umrisse Ländereien und Reiche gezeichnet werden, lassen beim Betrachter die Synapsen knallen. Man stelle sich vor das Königreich Narnia würde nur als Filmadaption existieren. Ohne Karte. Wie langweilig. Genauso wie ein Bücherschrank ohne Atlanten und dieses Buch!

Glücksmomente am Gardasee

Wer am Gardasee Urlaub macht, hat das Glück an sich schon gepachtet. Strahlend blauer Himmel, kühles Nasse und eine Aussicht, die Ihresgleichen sucht. Und wenn man den Autoren Monika Kellermann und Thilo Weimar glauben darf, findet man zusätzlich zu diesen drei unschlagbaren Erholungsmomenten noch weitere 146 Glücksmomente, die den Urlaub unvergesslich machen. Und jeden Moment ewig währen lassen…

Neben zehn Badestränden, die nicht nur die Top Ten bilden, sondern von Natur aus (und das ist hier wortwörtlich zu nehmen) langanhaltende Glücksmomente bescheren, sind es so genannte Highlights, die man vor Ort als gegeben hinnimmt. Wie zum Beispiel San Zeno, das Maroni-Paradies. Zur Monatswende Oktober / November werden die Früchte geerntet. Wer zu dieser Zeit am Lago di Garda urlaubt, darf dieses Ereignis nicht verpassen. In der Taverna Kus kann man es sich gut gehen lassen. Und Maroni in allen Variationen genießen. Die Autoren können allerdings noch einen drauf setzen. Nach dem Weinkeller fragen, soll ihrer Meinung nach den Genussmoment noch verstärken und verlängern.

Desenzano ist ein Paradies für Modebewusste. Tessilandia heißt das Zauberwort – Stoffe und Muster, dass einem das Auge übergeht. Je nach Muße kann auch dieser Glücksmoment länger dauern als so manche Eiskreation am Wegesrand. Die verschafft ja auch oft – nur leider auch zu oft zu kurz – einen Glücksmoment.

Dieser kleine Reiseband verspricht nicht reißerisch Highlights und versteckte Kleinode, er präsentiert sie kurz und prägnant. Vor allem aber übersichtlich und leicht nachvollziehbar. Das praktische Format lässt erst gar keinen Zweifel aufkommen, ob man nun noch ein Reisebuch über den Gardasee einpacken soll oder nicht. Dieses Buch gehört mit auf Reisen, auf jedem Spaziergang, zu jeder noch so kurzen Erkundungstour. Auch wenn man schon das eine oder andere Mal am Gardasee die schönste Zeit verbracht hat. Selbst Experten werden überrascht sein, was ihnen bisher entgangen ist.

Frankenstein oder der moderne Prometheus

Welcher Autor kann schon von sich behaupten über zwei Jahrhunderte Generationen von Lesern mit nur einem Buch begeistert zu haben? Die Aufzählung dürfte reichlich dürftig ausfallen. Mary Shelley könnte dieser Herausforderung gelassen entgegen sehen. Sie und ihr Frankenstein sind derart eng miteinander verwoben, dass kein beschriebenes Blatt zwischen Kreateur und Kreatur passt. Als dann auch noch Hollywood und die Hammer Studios in England dem Stoff ihre besondere Note verliehen, war es in Stein gemeißelt: Dieses Buch wird niemals in Vergessenheit geraten!

Die zahlreichen Verfilmungen und Verfremdungen haben aber auch eine dunkle Seite. Denn viele meinen, dass der Film ausreicht, um den Stoff zu kennen. Falsch! Boris Karloff, Bela Lugosi, Peter Cushing, Christopher Lee und wie sie alle hießen, interpretierten ihren Frankenstein auf ihre eigene Art und Weise – künstlerische Freiheit. Und dass Lord Byron einer der Anstifter zu dieser Geschichte war, ist fast schon in Vergessenheit geraten. Die düsteren Bilder, die dem Zuseher vor den Augen flimmern, lassen einem schon fast vergessen, dass der Geburtsort Frankenstein nicht in einem vom Moor umgebenen verwunschenen englischen Schloss liegt, sondern in einem Labor in der Westschweiz, nahe Genf. Der Student Viktor kann die Finger einfach nicht von der Wissenschaft lassen. Sein Forscherdrang ist derart unnachgiebig, dass er ein Geschöpf kreiert, das bald schon eigene Entscheidungen treffen kann. Es sind die falschen Entscheidungen!

Bei der aktuellen Diskussion um Künstliche Intelligenz, in der erstaunlicherweise mehr Wissenschaftsjournalisten als „echte Wissenschaftler“ die Agitation übernehmen, wirkt dieses Buch wie ein Warnsignal. Künstliche Wesen schaffen nie etwas Gutes! Es gibt immer jemanden, der ihren guten Kern ins Gegenteil umwandelt.

Diese Ausgabe zeichnet sich durch ihre exquisite Aufmachung aus. Jede Abbildung von Martin Stark sitzt wie ein Stich ins Herz des Lesers. Passend zur düsteren Stimmung des Buches, das erstmals im Jahr 1818 veröffentlicht wurde, wirken die Schwarz-Weiß-Illustrationen wie ein Wink des Himmels. Dafür gab es zu Recht bei den European Design Awards die Goldmedaille in der Kategorie „Book & Editorial Illustration“. Und so liest man dieses Buch zweimal. Erst den Text, und ein zweites Mal die Zeichnungen. Man erinnert sich an einzelne Textpassagen, die zu den Bildern gehören, und wird sich ein weiteres Mal der Tragweite dieses Buches bewusst.

Ein Bücherregal ohne Frankenstein ist möglich. Ein Bücherregal mit ähnlicher Literatur ohne dieses Buch ist so nutzlos wie die meisten Verfilmungen des Frankensteins!

Entdeckungsreisen – Magische Bilder exotischer Welten

Wer heutzutage vermeintlich exotische Orte besucht, muss sich der Tatsache stellen, dass er nicht der Erste ist, der das Paradies entdeckt hat. Das ist der Wermutstropfen auf so manchem Spektakel. Vor Jahrhunderten noch, konnte man sich sicher sein eine unentdeckte Insel nach sich oder seinem Gönner benennen zu dürfen. Ein flüchtiger Blick in den Atlas beweist dies auf zigfache Weise.

Reisen waren im 17., 18. und 19. Jahrhundert noch echte Abenteuer, für echte Kerle. Die Rückkehrer, also eigentlich nur die Lenker und Denker dieser Reisen, wurden zu Vorträgen eingeladen und selbst von gekrönten Häuptern hofiert. Was sie mitbrachten von ihren Reisen ist heutzutage Alltag. Man denke nur an die Massen von Schokolade, die die Regale der Supermärkte füllen.

Sir Hans Sloane war so ein Entdecker, der sich um die – bleiben wir beim leckersten Beispiel für frühe Globalisierungsnachweise – Schokolade besondere Verdienste erwarb. Von 1687 bis 1689, vor mehr als dreihundert Jahren!, schipperte er gen Westen. Jamaika war nicht das vorrangige Ziel der Reise des Arztes mit irischen Wurzeln. Die Naturwissenschaften an sich hatten es ihm angetan. Die im Jahr seiner Geburt gegründete Royal Society „zur Verbreitung naturwissenschaftlichen Wissens“ förderte undorganisierte Fahrten in eben diese fremden, weil fernen Welten. Neugier und Wissensdurst, gepaart mit aggressiver Expansionspolitik, wovon die Forscher natürlich nichts wissen wollten, waren der Antrieb. Außer den Pflanzen, und oft auch Tieren brachten die Seefahrer und Forscher unendlich viele Zeichnungen mit, die der staunenden Menge wie der abgeschlagene Kopf des Teufels präsentiert wurden. Das Natural History Museum zu London könnte sich noch so sehr vergrößern, es würden immer noch nicht alle Exponate ausgestellt werden können. Die Archive quellen über vor Forschergeist und künstlerischer Ästhetik.

Dieser Prachtband ist nichts anderes als das „Best of the Best“ der zweidimensionalen Errungenschaften menschlicher Eroberungsgier und einmaligen Forscherdrang. Keine noch so moderne Kamera mit noch so vielen und detailgenauen Filtern kann die Einzigartigkeit der abgebildeten Objekte widergeben! Das Großformat ist die einzig sinngebende Maßeinheit für ein Buch dieser Ausdruckskraft. Jede Faser eines jeden Blattes, jedes noch so kleine „Blütenstäubchen“, jede Facette eines prächtigen Federkleides, ist den Gestaltern verborgen geblieben. Da kann keine Buntstiftkasten und keine 256 Millionen Farben anzeigende Bildersoftware mithalten. Mutter Natur ist und bleibt die einzig wahre Künstlerin. Die Schmetterlinge von Surinam sind durch Maria Sibylla Merians Zeichnungen einem vorher nie gekannten Publikum bekannt geworden. Die Fahrt der „Investigator“ von 1801 bis 1805 mit Matthew Flinders und Ferdinand Bauer an Bord hat die wohl schönsten Pflanzenzeichnungen überhaupt hervorgebracht. Die Küste Australiens wurde erstmals, wenn auch nur unzureichend kartographiert. Die Flora und Fauna war noch wenig erkundet und noch weniger dargestellt worden. Flinders und Bauer macht dem Unwissen ein Ende.

Wer unter anderem ihre detailreichen (doppelseitigen) Zeichnungen auf dem Schoß liegen hat, weiß um die Schönheit der Natur. Und um die Ausdruckskraft, die ein Buch entfalten kann, wenn es mit Liebe zum Detail und dem Drang nach Perfektion gestaltet wird. Hier trifft alles auf einmal zusammen!

Secret Citys Europa

Paris, London, Rom – ohne Zweifel lohnenswerte Reiseziele für jedermann, die keine Wünsche offen lassen. Aber bei Weitem sind diese Städte nicht das Nonplusultra unter den Städtedestinationen Europas. Allein die geographischen Abmessungen sind ein Garant dafür, dass man sich keine Minute langweilen muss. Bei der Planung eines Städtetrips fallen Städte wie Stralsund, Lodz oder Aarhus aus dem Sichtfenster. Zu Unrecht!

Wer ein bisschen Trubel abseits der großen Metropolen sucht, bekommt rechtzeitig vor der Urlaubssaison mit diesem Buch gleich siebzig neue Vorschläge – das sollte erstmal für einige Jahre reichen!

Wie wäre es mit Augsburg mit seiner Fuggerei und der Puppenkiste? Oder dem schweizerischen Basel? Oder dem steierischen Graz, das sich neben dem Titel Genusshauptstadt Österreichs auch zu einer erstklassigen Kunstmetropole entwickelt?

Auch Hauptstädte wie das elegante Ljubljana in Slowenien oder das slowakische Bratislava (nicht verwechseln!) oder das litauische Vilnius bereichern mit ihren Silhouetten und exzellent in Szene gesetzten Schätzen diesen Prachtband.

Wer seine Sinne schärft, wird überall auf der Welt zuhause sein. Dieser Band ist der Schärfstein für die Sinne. Prächtige Abbildungen, farbenfrohe Impressionen und eingehende Texte stellen Städte vor, die sich nicht hinter den Metropolen ihres Landes verstecken müssen. Kleinode wie Česky Krumlov, Cork oder Groningen buhlen mit feinster Architektur, ideenschwangeren  Events und köstlichen Leckereien um die Gunst des Besuchers.

Allein schon beim oberflächlichen ersten Durchblättern markiert man sich im Stillen den einen oder anderen Ort, den man in der Zukunft mit Sicherheit besuchen wird. Ob Ost, West, Nord oder Süd – das viel beschworene Potpourri Europas wird auf jeder Seite erlebbar. Jedes Kapitel macht nicht nur süchtig, sondern gleich noch Weblinks zur Vertiefung dieser Sucht mit auf den Reiseweg. Prächtiges Flandern in Gent, und gleich um die Ecke diskreter Charme in Malmedy. Die wohl abwechslungsreichste Stadt Frankreichs Lille zusammen mit dem prickelnden Reims. Auch oder gerade paarweise machen die Städteportraits Lust Europa neu zu erkunden.

Ein Buch zum Verlieben, das Appetit macht sich den Magen so richtig vollzuschlagen mit den Schätzen Europas, ohne dabei je an Völlegefühl leiden zu müssen.

George Grosz, Rudolf Omansen und ein Huhn

Hat einer verrückte Ansichten, ist man der Meinung, dass derjenige eine Meise hat. Oder ein schräger Vogel ist, dann zeigt man ihm gern selbigen. Ist einer jedoch so richtig dada (oder gaga), dann hat er ein Huhn! Ziemlich schräg?!

Ganz so schräg ist dieses Buch – und vor allem die Geschichte dahinter – nicht. George Grosz war einer der führenden Köpfe der Dada-Bewegung in Deutschland. Schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zog es ihn in die Ferne. Südfrankreich und Marseille waren seine Zufluchtsorte, als dieses Wort für einen deutschen Künstler noch keine Rettung darstellen musste. Als die Nazis an die Macht kamen, war er einer der ersten, die entrechtet wurden, denen man die Staatsbürgerschaft entzog, die Konten plünderte. Da war er schon in den USA. Dennoch nagte es an und in ihm. Auch nach der dunkelsten Zeit weigerte er sich mit Deutschland zu identifizieren. 1959 zog es ihn wieder nach Berlin. Wo er allerdings nur kurze Zeit später starb.

Ein Wiedergutmachungsverfahren des Entschädigungsamtes brachte George Grosz mit Rudolf Omansen zusammen, der den ärztlichen Dienst des Entschädigungsamtes leitete und den „Fall Grosz“ begleitete. Die beiden freundeten sich an.

Rudolf Omansen war auch Schriftseller. Bei einer Soiree gab er gern seine Texte zum Besten. Grosz, nur allzu gern Gast in Omansens Haus in Berlin- Nikolasee, war derart beeindruckt von der seelischen Qual, die ein Huhn den Protagonisten bereitete, dass er umgehend die Zeichnungen zu den Geschichten beisteuerte. Sechzig Jahre nach dem Tod George Grosz ist nun endlich dieses Buch mit den Geschichten von Rudolf Omansen und den Tuschezeichnungen von George Grosz erschienen. Gut Ding will Weile haben. Es sind die letzten Illustrationen von Grosz. Die Texte von Omansen wurden im Original übernommen, so dass die Einzigartigkeit des Buches so originalgetreu wie möglich erhalten blieb.

Saxones

Die Sachsen haben die stille Revolution begonnen, die zum Zusammenschluss beider deutscher Staaten führte. Hier liegt die Wiege der deutschen Hochsprache, dank Lessing. Doch das Land, das von Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Tschechien und Polen umrandet wird, trägt seinen Namen und seine Geschichte weit darüber hinaus. Das Land Niedersachsen ist nicht nur sprachlich den Sachsen verbunden. In einer Ausstellung, die bis zum 18. August im Landesmuseum Hannover und vom 21. September 2019 bis Ende Februar 2020 im Braunschweigischen Landesmuseum wird die nachhaltige Geschichte der Sachsen mit zahlreichen eindrucksvollen Exponaten erlebbar gemacht. Als Begleitband zur Ausstellung, als Appetithäppchen vor dem Museumsbesuch oder / und als Erinnerungsstück danach sind die knapp vierhundert Seiten ein wahres Füllhorn an überraschenden Einblicken in eine Kultur, die seit über tausend Jahren maßgeblich die deutsche Geschichte geprägt hat.

Die Hinterlassenschaften wie Schmuckstücke, Werkzeuge, Alltagsgegenstände auf einmal zu erfassen, ist unmöglich. Eine Vielzahl von Forschern hat sich auf diesem Gebiet hervorgetan und präsentiert in diesem Katalog die Erkenntnisse der Forschungen. Manchmal spannend wie ein Krimi, immer sachlich fundiert, liegt ein echter Schatz in den Händen des Lesers. Schon vor rund zweitausend Jahren bekamen die römischen Invasoren die scharfen Klingen der Sachsen zu spüren. In Hedemünden an der Werra wurden mehr oder weniger gut erhaltene Dolche aus dem Leib der Erde entnommen und sind nun wieder zu bestaunen.

Selbst so nützliche Alltagsdinge wie ein Eimer zeugen von der Kunstfertigkeit der Sachsen. Der Hemmoorer Eimer, der im Landkreis Cuxhaven gefunden wurde, beeindruckt durch die zahlreichen Verzierungen, die man heutzutage in den Haushaltsabteilungen der Kaufhäuser vergeblich sucht.

Landkarten, Skizzen, Fotos von Ausgrabungsstellen bereichern jedes Kapitel in diesem Buch. Sie zeugen von der gewissenhaften Arbeit der Archäologen, die nicht müde werden unter der Oberfläche die Vergangenheit ans Tageslicht zu holen.

Der alte Gassenhauer von den Sachsen, der das reisen so sehr liebt, bekommt durch die Ausstellung und auch dieses Buch eine zusätzliche Komponente, die Sachsen, aber auch alle anderen Völker des deutschen Sprachraumes in Erstaunen versetzen wird.

Milch und Kohle

Der Ruhrpott in den 60ern: Die Beatles brachten noch Platten heraus. Pasta hieß Nudeln und al dente war nicht ganz durch statt köstlich. Der Eiswagen brachte Erfrischung in den wolkenverhangenen Sommer. Für Jugendliche wie Simon, 15, 16 Jahre alt, war die Zeit das Sprungbrett in den Ernst des Lebens. Mit dem Moped raus in die Natur. Bier trinken. Overstolz oder ‘ne Juno rauchen. Und am Wochenende wurde … naja ‘ne Frau klargemacht.

Trist? Nur auf den ersten Blick, vielleicht noch auf den zweiten. Und den dritten. Okay, es ist trist. Die Schlote qualmen als ob es kein Morgen gibt. Wie prophetisch die Schornsteine damals schon waren! Wer arbeitet, malocht. Und dafür will er dann zuhause aber auch seine Ruhe haben. Das Lob des kleinen Mannes ist, wenn man ihn in Ruhe lässt. Alles hat seine Ordnung.

Simons Vater bringt eines Tages einen Kollegen mit nach Hause, Gino. Italiener. Der der Familie exotisches Gemüse und fremde Gewürze vorstellt. Alles für die Pasta. Der Sauerbraten wird erstmal beiseite gestellt. Den gibt’s morgen. Simon ist irgendwie fasziniert von Gino. Nicht nur, weil der ein Rennrad hat. Simon hat ja nicht einmal ein Moped, geschweige denn einen Führerschein. Nein, es ist die uneingeschränkt offene Art. Sein Akzent. Was oll das Leben im Pott für Simon schon bereithalten? Gesellenprüfung, Maloche, Auto, Haus, Kind, Tod. Die heilige Sechsfaltigkeit der hoffnungslosen Jugend.

Doch ganz so düster ist die Welt dann doch nicht. Schließlich gibt es Bier und Frauen und Mopeds. Und die Freiheit all dies zu genießen. Eben noch ‘nen Milchbart, und schon kohlrabenschwarz im Gesicht. Buch allein ist immer noch aktuell. Auch wenn der Kohleabbau im Pott seit einiger Zeit passé ist. Die Nachwirkungen des exzessiven Kohleabbaus, der sich tatsächlich mal rentiert hat – zumindest für einige – sind immer noch zu spüren. Die Arbeitersiedlungen sind allgegenwärtig, ebenso der direkte Humor und die auf Außenstehende schroffe Lebenseinstellung der Pöttler. Ralf Rothmann hat ein zeitloses Pottwerk geschrieben, das niemals seinen Nachdruck verlieren wird. Die einfache Sprache der Menschen in ein Gewand aus geschliffenen Worten gekleidet, ohne dabei jemandem auf den Schlips zu treten, glänzt im matten Schwarz der Kohle.

Jörg Hülsmann untermalt in dieser Sonderedition der Büchergilde die eingehenden Passagen mit nicht minder eingängigen Bildern. So düster die Gestalten auf den Betrachter wirken, so farbenfroh wirkt der gesamte Band. Schwarz als Synonym für Eleganz – hier wird es zum düsteren Star, der allen Gesetzmäßigkeiten zum Trotz erstrahlt. Für Kenner gibt es eine Vorzugsausgabe (limitiert auf 120 Exemplare) mit einer signierten und nummerierten Originalgrafik im Pappschuber.