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Highlights Oman mit Dubai und Abu Dhabi

Reiseberichte bergen in sich immer einen Hauch Abenteuer und Sehnsucht. Man liest von exotischen Tieren, von prachtvollen Bauten und außergewöhnlichen Menschen. Die Bilder im Kopf sind bei jedem andere. So manches Mal wünscht man sich ein wenig an die Hand genommen zu werden, um der Phantasie einen Schubs zu geben. In diesem Bildband / Reisebericht passiert einem das garantiert nicht.

Die unzähligen Abbildungen sind aber nicht nur farbenprächtige Untermalungen der Reiseberichte. Sie sind vor allem optische Appetithäppchen, die man sich vor den Augen zergehen lässt. Das liegt vor allem an den ausgewählten Reisezielen. Oman, das einzige Land der Erde, das mit einem O beginnt. So richtig wahr nimmt man es erst seit rund einem halben Jahrhundert. Als überall, wo bereits Öl gefördert wurde, aus Dollarscheinen eine bis heute wachsende Tourismusindustrie erwuchs, verfügte Oman nur über eine einzige asphaltierte Straße. Heute nimmt das Land für sich in Anspruch sehr wohl auf der Ölwelle mit zu schwimmen, doch dem überbordenden Boom in Sachen Party und Baugigantismus die kalte Schulter zu zeigen.

Hier reist man gediegener. Oman stellt seine Geschichte mehr in den Vordergrund als seine ihn umgebenden Nachbarn, die man sowohl luxuriös bereisen kann als auch an der Discounterkasse buchen und bezahlen kann. Das Land des Weihrauches zeigt sich stets von seiner freundlichen Seite, wie die Autoren zu berichten wissen. Man ist gern eingeladen und wird derart fürstlich bedient, dass ungeübte Reisende aus Unwissenheit vor dem Neuen Scheuklappen aufsetzen. Was ein großer Fehler ist!

Dieses Buch ist nicht nur ein Augenschmaus für jeden Neugierigen, es ist ein Leitfaden, den man nicht aus der Hand legen darf. Fünfzig Ziele, Aussichtspunkte, Sehenswürdigkeiten warten nur darauf entdeckt zu werden. Sie sind allesamt mehr als nur präsentabel, sie strahlen im Sonnenlicht um die Wette, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Prunkvolle Moscheen, die in ihrer Vielfalt jeden in den Bann ziehen. Eine Oper in der Wüste, besser in einer Oase, die seit knapp zehn Jahren das Publikum in eine andere Welt hineinzaubert. Oder einfach nur Markttreiben, bei dem das Weitergehen durch das reichhaltige, oft noch fremde Angebot erschwert wird.

Oman bietet aber nicht nur unzählige Möglichkeiten den Geldbeutel im Handumdrehen von seiner Last zu befreien. Landschaftlich bietet es mehr Abwechslung auf relativ kleinem Raum als so manch vergleichbares Land. Die Höhlen von Al Hoota sind erst seit 2006 für Besucher geöffnet. Im Inneren warten Tropfsteinhöhlen und einen See, der fast einen Kilometer lang ist.

Dubai hingegen ist schon seit einigen Jahren länger kein weißer Fleck mehr auf der Tourismuskarte. Action und Shopping sind sofortige Assoziationen, die einem in den Sinn kommen. Wem das Herz nicht schnell genug schlagen kann, der ist hier bestens aufgehoben. Den Gigantismus muss man etwas abgewinnen können, streift man durch die Stadt. Ebenso der Hitze. Man gewöhnt sich schnell an klimatisierte Räume, Malls und Restaurants.

In Abu Dhabi bekommt man schnell den Eindruck, dass Tradition und modernes Luxusgefühl eine Symbiose eingehen. Man kann den Louvre besuchen – die Wartezeiten in der Wüste sind wesentlich kürzer als an der Seine – oder die Sheikh Zayed Grand Mosque besuchen. Die Augen werden übergehen und man selbst will nicht aufhören hinzuschauen.

Dieses Buch ist ein Juwel, wenn man sich vom Glanze jeder Art verführen lassen kann. Ein Buch, drei Länder, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede selten so detailreich dargestellt wurden. Als Appetitanreger, als Geschenk oder als Erinnerungsbuch immer die beste Wahl!

Highlights Schottland

Da, wo man sich wohlfühlt, lass Dich nieder. Böse Menschen haben keine schönen Bilder. Und wer diesen Bildband auch nur oberflächlich betrachtet – was man eh nicht tut, weil er zum Eintauchen einlädt – wird niemals mehr kariert aus der Wäsche schauen!

Schottland und Sehnsucht – diese Mixtur treibt viele an dieses Land einmal zu besuchen. Ein schier endloser Horizont, der auf dem Weg die gesamte Farbpalette präsentiert. Historische Bauten, die vor lauter Geschichte zu beben scheinen. Und ein einzigartiges Licht, das nur hier seine Wirkung entfalten kann.

Fünfzig Ziele sollen es sein, die in diesem Buch dem Leser ein inneres Beben der Sehnsucht hervorrufen werden. Die Ortsnamen sind gewöhnungsbedürftig. Glen Shiel – wo die Spanier untergingen (wenn man der Überschrift des Kapitels glaubt) – klingt da noch verhältnismäßig eingängig. Auch mit Mull of Kintyre kann man sich anfreunden, besonders wenn man ein Beatles-Fan ist und bei Paul McCartney immer noch ins Verzücken gerät. Und Whisky, ohne e vor dem Ypsilon – das wird den Amerikanern überlassen – gehört zu Schottland wie die Frage, was die Männer unterm Rock, pardon, Kilt, tragen. Um es vorweg zu nehmen, sie tragen … nein, auch in diesem Buch wird diese Frage nicht abschließend beantwortet. Es ist schließlich ein Bildband!

Und der hat es in sich. Schon auf den ersten Seiten, genauer gesagt auf Seite Elf schlägt die Stunde der Wahrheit. Denn Schottland ist nicht nur Glasgow, Edinburgh und ein paar Seen mit Bergen. Die ganze Karte ist übersät mit Highlights, die man gesehen haben muss. Und die natürlich in diesem Band vorgestellt werden.

Jedes einzelne Kapitel schottisiert den Leser mit jeder Zeile. Doch das Highlight sind die erstklassigen Abbildungen! Exakt gegärtnerte Landschaftsoasen, feierliche Zeremonien mit blankgeputzten Uniformen, perfekt ins rechte Licht gesetzte Burgen und Schlösser, aussagekräftige Detailaufnahmen … ach, man müsste jetzt in Schottland sein. Denkt man sich bei jedem Umblättern. In der Umgebung von Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands, liegt Lothian. Hier beginnt für die meisten der Kampf mit der Sprache. Setzt man sich – fast schon typisch schottisch – darüber hinweg, wird man mit rauer Natur belohnt.

Weiter im Westen, in den westlichen Highlands und auf den Hybriden, kann das sogar noch getoppt werden. Alles ein bisschen noch rauer, wilder, ungestümer, sehnsuchtsvoller.

Petra Woebke und Peter Sahla wecken nicht nur die Reiselust auf Schottland, sie haben auch gleich das fiebersenkende Mittelchen parat. Jetzt liegt es an einem selbst. Den Kopf voller Bilder, Ideen en masse für den nächsten Urlaub. Fehlt nur noch die Reise…

Amazonas

Was macht ein Musiker, wenn er mal nicht auf Tournee ist? Er zieht sich in seine Dachstube zurück und schreibt neue Texte, feilt an Formulierungen oder … Oder er macht sich auf in die Wildnis und entdeckt das, was echte Kerle zu tun pflegen. Im Falle von Till Lindemann ist es nicht die Kemenate, sondern der schwer zu durchdringende Dschungel des Amazonas. Zusammen mit Joey Kelly, eben der von der Kelly-Family – also Melodie-Ideen tauschen die beiden garantiert nicht aus – kämpft er sich durch das größte Urwaldgebiet Amerikas.

Allein schon das Cover lässt erahnen, dass die Glamping-Ausrüstung zuhause bleiben muss. Schlammverschmierte Gesichter, die zu müde sind ein Lächeln hervorzuzaubern – Preisfrage: Wer hat Till Lindemann schon mal lächeln sehen?, schon allein Seite 61 wird da zur Offenbarung – und als zartes Band der beiden ungleichen Musiker: Ein Schlange.

Genug der Klischees. Joey Kelly und Till Lindemann müssen niemandem mehr beweisen, dass sie echte Männer sind. Sie treten die Reise ins Länderdreieck Peru, Kolumbien, Brasilien an, um sich an ihre Grenzen zu führen, etwas wirklich Neues zu erleben und um anderen, den Lesern, zu zeigen wie wunderschön unberührte Natur (auch mit Menschen drin) sein kann.

Wer bei Abenteuer Tom Sawyer und Huckleberry Finn im Kopf hat, startet beim Lesen von einer gesunden Basis. Till Lindemann mit Schlange (zwei, drei Meter wird sie sicher lang sein), Joey Kelly mit Blasrohr (ein bisschen kürzer, ganz sicher): Zwei Bilder, die mehr Symbolkraft haben als man gemeinhin zugeben möchte. Martialische Pose auf der einen, fokussiertes Engagement auf der anderen Seite. Und zwischendrin einzigartige Einblicke in ein Leben von Menschen, die fern der so genannten Zivilisation dem trotzen, was dem Großteil der Leser schon bei der Vorstellung daran pflaumengroße Schwerperlen aus den Poren drückt. Till Lindemann gibt zu, dass die Luftfeuchtigkeit ihm zu schaffen macht. Die Hitze – daran gewöhnt man sich schneller als man denkt.

Das Zusammenspiel von Reiseimpressionen mehrerer National-Geographic-Autoren und den bei jedem Umblättern faszinierenden Bildern lassen Abenteuerpläne in der Glut der Sehnsucht Gestalt annehmen. Ein Kinderlachen inmitten notdürftiger Behausungen, Joey Kelly auf dem Rücken von Till Lindemann durch den Fluss watend, die Farbenpracht eines Papageien, unerhört beruhigte Landschaften – wo andere nur stumm abbilden, erzählen die Bilder (doppelseitig im Breitbandformat – mehr geht nicht!), kontert dieser Bildband mit einer plappernden Bildsprache, die jeden Zweifler erstummen lässt. Für Rammsteinfans? Ja! Für Kelly-Family-Fans? Ja! Für Abenteurer, für Fotoenthusiasten, für Amazonas-Begeisterte? Auf alle Fälle!

Deutschland leuchtet

Alfred Hitchcock benutzte die Vogelperspektive, um dem Mörder eine Drohung „von Oben“ zu schicken. So als ob Gott mit dem erhobenen Zeigefinger dem Delinquenten klarmacht, dass er gegen das fünfte Gebot (sofern er Katholik ist, ansonsten gegen das sechste) verstößt bzw. verstoßen hat. Der Einblick ist allumfassend. Seit dem die Technik, sprich Drohnen, so weit fortgeschritten ist, dass ein ebenso umfassender Blick eine ganze Szene erfasst, gibt es kein Halten mehr. Immer mehr Fotos „von Oben“ ermöglichen Sichtweisen, die man bisher nicht kannte. Der Fotograf Robert Grahn hat diesem Genre nun die Krone aufgesetzt. Deutschland von Oben. Deutschland in der Nacht. Deutschland leuchtet!

Er zeigt mit seinen teils ganzseitigen Fotos wie agil das Land bei natürlicher Dunkelheit ist, und wie farbenfroh es des Nachts im künstlichen Licht erstrahlen kann. Wenn die Nacht über den Ku’damm Einzug hält, springen die Lichter der Großstadt und verzögern die hereinziehende Lähmung. Ein Lichtband durchzieht den Prachtboulevard, Häuserblöcke trotzen der fruchteinflößenden Lichtstille. Von Unten kennt man die Schaufenster der Passagen und Ladengeschäfte. Scheinwerfer, die einem ins Gesicht scheinen, sind niemandem fremd. Doch aus einer Höhe von mehr als dem höchsten Punkt rund um die Flaniermeile, sieht man erst das ganze Ausmaß des nächtlichen Funkenspiels: Vom Tauentzien bis zum Maison de France, Gedächtniskirche und Europacenter – bekannt bei Tag, ein optischer Leckerbissen bei Nacht. Aus der Vogelperspektive fast noch als Neuland zu bezeichnen.

Doch nicht nur die Metropole Berlin fasziniert in diesem prachtvollen, außergewöhnlichen Bildband. Schon der Einband mit der Dresdner Frauenkirche zieht den Betrachter in seinen Bann. Die exakt gestaltete Parkanlage inkl. Schloss Sanssouci in Potsdam, die Jerusalembrücke in Magdeburg oder der Marktplatz in Halle an der Saale, hier kann man sich sehr lang darin verlieren, das am Tag Gesehene in einer Nachtaufnahme nachzuerforschen.

Ein nächtlicher Streifzug durch Leipzig lohnt sich immer. Ein Blick, ein Appetitmacher darauf liefert Robert Grahn auf einer Doppelseite. Sie macht Lust die Stadt zwischen Alt und Neu zu erkunden. Selbst Leipziger entdecken hier ihre Stadt noch einmal neu!

„Deutschland leuchtet“ ist mehr als nur eine Alternative im Lockdown (der ist irgendwann vorbei, das Buch bleibt für immer) sich eine aussichtsreiche Zukunft auszumalen. Man wird immer wieder zu diesem Buch greifen, um den Blick von Unten, den man tagein tagaus hat, mit den Ansichten von Oben in Einklang zu bringen.

Japan

Eine ordentliche Vorbereitung ist die halbe Miete, sagt man. Und da ist es egal, ob es sich um einen Sportler handelt, der sich auf den Wettkampf seines Lebens vorbereitet, eine Geisha, die sich für ihr Engagement vorbereitet oder man selbst sich Gedanken macht, was man den Lieben an Weihnachten schenkt. Und schon sind wir beim Thema. Japan. Im Sommer 2020 sollten zum zweiten Mal in der Millionenmetropole Olympische Sommerspiel stattfinden. Die ganze Welt wurde in den Jahren seit Bekanntgabe des Austragungsortes vom Japanfieber infiziert. Und dann kam so ein kleines, fieses Virus und alles war dahin. Alles? Nein, nicht alles! Es gibt ja noch Weihnachten und die ewiges Frage: Was schenke ich?

Ein Buch geht immer. Doch dieser Bildband sagt unzweifelhaft, dass man sich Gedanken gemacht hat und dass der Beschenkte einem etwas bedeutet. Ein echtes Schwergewicht – der Titel Sumo ist sein Helmut Newtons Meisterwerk leider schon besetzt – unter den Bildbänden über Japan! Riesige Abmaße. Und der Inhalt begeistert ohne dass man das Buch aufschlagen muss. Eine exzellent vorbereitete Geisha in einem farbenprächtigen Kostüm. Die Rückansicht ist so geheimnisvoll wie das Land rätselhaft.

Einmal Auge in Auge einem Kendo-Kämpfer gegenüberstehen. Einmal inmitten einer schier unendlichen Menschenmenge in Japans Hauptstadt stehen und dem Lichterreigen begeistert zusehen. Über den Wolkenkratzern schweben. Und dann wieder einem Ikebana-Kunstwerk so nahe kommen, wie man es nicht erwartet. Solch einen Urlaub wünscht man sich. Für die meisten bleibt es eben doch nur ein Traum.

Dieser Prachtband macht jede vergossene Träne über einen nicht stattfindenden Urlaub vergessen. Denn Japan ist hier so vielschichtig dargestellt, dass wirklich nur noch eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne es toppen kann!

Die gigantischen Maße des Buches erlauben es nur ausgewählten Muskelmännern, das Buch wie einen Schmöker auf der Couch zu verschlingen. Die Mehrheit legt es sich auf den Lesetisch oder auf den Schoß und blättert mit wachsender Begeisterung darin. Viele Abbildungen erstrecken sich über eine Doppelseite, so dass es nicht viel Vorstellungskraft bedarf das wahre Japan zu erkennen.

Ein Bildband zum Verlieben! In Japan, in das Auge des Fotografen, in die Detailverliebtheit, die jedes Bild ausstrahlt und zum Verweilen nicht nur einlädt, sondern geradezu auffordert. Dieser Bildband ist etwas für Kenner und Genießer. Kein kleiner Appetitmacher, den man in der Gesäßtasche verschwinden lässt, sondern ein besonderes Ausstellungsstück, das man gern immer wieder aus dem Schrank holt und an dem man sich einfach nicht sattsehen kann.

Der Traum von einer schönen Stadt

Es muss nicht immer ein Traum bleiben, schön zu sein. Das beweist Leipzig. Und das wiederum beweisen Wolfgang Hocquel und Richard Hüttel, die mit ihrem Buch der Stadt Leipzig wirklich etwas Schönes geschenkt haben. Ein Buch über eine schöne Stadt und mit im Gepäck der Beweis, dass ihre Titelthese auch wirklich stimmt.

Etwas als schön zu bezeichnen, ist eine schwierige Angelegenheit, wenn man es auch noch beweisen muss. Das fällt einem in Florenz, Siena oder Rom leichter als im dazu unbekannteren Leipzig. Doch die heimliche Hauptstadt Sachsens muss sich architektonisch nicht hinter der Ewigen Stadt oder den Toskanajuwelen verstecken.

Ein derart kompaktes und zugleich flächenmäßig großes Ensemble des Historismus muss man lange suchen. Schlussendlich landet man doch wieder in der Pleißestadt. Ob nun die im alten Glanz wiedererstrahlenden Messepassagen, die reichlich (und doch nicht überladen) verzierten Fassaden der imposanten Bauten vor allem innerhalb des Stadtringes und die weitläufig angelegten Parkanlagen machen Leipzig nicht nur lebenswert, sondern zu einer schönen Stadt.

Bei ihren Streifzügen durch Leipzig entdecken die Autoren nicht nur so manches Detail, sondern forschen ausgiebig auch nach deren Herkunft. So wird so mancher alteingesessener Leipziger aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Seit etwas mehr als anderthalb Jahrhunderten ist die Stadt im steigen Wandel. Die Jahre der Stagnation, in denen die historische Substanz der Natur überlassen wurde – es gab in den Achtzigerjahren Häuser, die mehr Wurzelwerk als Fundament aufwiesen – sind vorbei und noch immer werkelt man an allen Ecken und Enden der Stadt, um die Pracht der Gründerzeit wieder im Sonnenlicht strahlen zu lassen.

Nur wer sorgfältig durch die Stadt stromert, was in Leipzig mehr als nur ratsam ist, wird die Kunstfertigkeit der Architekten und Handwerker erkennen. Die Geschichte dahinter ist nur selten für jedermann einsehbar. Deshalb dieses Buch! Von der größten Errungenschaft der Stadt, dem Kanal, der den Namen seines Erdenkers Karl Heine trägt, und in absehbarer Zeit Leipzig auf dem Wasserweg mit den Weltmeeren verbinden wird, über fast vergessene Idealisten wie Hugo Licht, sowie immer noch präsente Verlegerlegenden wie Hans Meyer, die Meyerschen Höfe gelten heute als begehrte Wohnanlagen, reist der Strom des Staunens beim Lesen nicht ab. Die unzähligen und aussagekräftigen Abbildungen machen es einem leicht die beschriebenen Orte wieder zu erkennen, sofern sie vom Bombenhagel und der Abrisswut der Genossen von einst verschont blieben. Historische Abbildungen zeigen wie sehr sich das Antlitz der Stadt verändert hat. Die Texte der Autoren sind ein wahres Füllhorn für jeden Neugierigen, egal, ob er in Leipzig ansässig ist oder die Stadt für ein paar Tage besucht.

Logbuch

Mit dem Schiff die Welt erkunden hat in den vergangenen Jahren – wegen des massiven Überangebotes – einen bitteren Beigeschmack bekommen. Venedig droht deswegen vollends seinen Charme zu verlieren, Dubrovnik platzt durch die Besuchermassen aus den Nähten. Und dennoch ist die Begeisterung für die schwimmenden Kolosse und ihre Legenden ungebrochen. Das beweisen die unzähligen Buchtitel, die vom Hochglanzprospekt bis zur Wühltischware das gesamte Spektrum des Buchmarktes abdecken.

Doch ab und zu fallen Titel aus dieser Aufzählung, die durch ihren Gestaltung und Illustration selbst diejenigen erreichen, die bisher dem Schiffsbau nicht sonderlich zugeneigt waren. So wie „Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden“. Siebenundzwanzig Schiffe – erstaunlich wie viel man doch dem Namen nach kennt – und ihr Weg zur Legende werden auf ganz eigene Weise vorgestellt. Von einfachsten Schwimmfahrzeugen wie dem Surfboard über Kon Tiki, dem berühmten Floß Thor Heyerdahls über den nicht minder berühmten Fliegenden Holländer und die Arche Noah bis hin zur HMS Olympic, dem Schwesterschiff der Titanic, und dem Empire State Building – alles an Bord. Moment! Das Empire State Building? Was hat das denn mit Schifffahrt zu tun? Das einstmals höchste Gebäude der Welt hätte um ein Haar (genauer gesagt um vierzehn Meter) diesen Rekord verpasst. Mit einem Ankermast für Luftschiffe wie den Zeppelin konnte es sich aber um einige Meter mehr in den Himmel recken und verdiente sich so den ersehnten Titel. Tatsächlich, hier sollten mal Hindenburg und Co. einmal vor Anker gehen.

Die Texte zu den Schiffen sind in ihrem Anekdotenreichtum unübertroffen. Lucia, schallt es überall in Italien. Doch am Lago die Como hat dieser Name einen besonderen Ruf. Denn die idyllisch anmutenden Boote mit den drei Bögen, über die bei Bedarf der Sonnenschutz gezogen werden kann, heißen Lucia. Ihren Namen verdanken sie einer der berühmtesten Legenden Italiens. Einer Liebeslegende. Lucia und Renzo dürfen nicht heiraten, weil Don Rodrigo Lucia als seinen Besitz ansieht. Renzo macht die Leinen los und flüchtet mit seiner Lucia über die Wogen des Comer Sees.

Ein Schiff ganz anderer Art hat während des erzwungenen Exils Napoleon Bonaparte beschützt und bewacht. Die Insel Ascension. Hätte irgendjemand versucht den Feldherren von St. Helena zu befreien, hätte er an der vorgelagerten Insel vorbeigemusst. Dort warteten aber die Büchsen und Kanonen der Bewacher.

Lucia Jay von Seldeneck zeichnet für die Geschichten zu Geschichte der Schiffe verantwortlich, die dem Leser mal einen unverstellten Blick auf die Wasserfahrzeuge freigeben. Denn dahinter stehen auch immer Menschen und ihre Schicksale.

Die seitenfüllenden Zeichnungen von Florian Weiß sind mehr als nur eine Ergänzung der Texte. Mit feinstem Pinselstrich im maritimen Blau-Weiß gehalten erzählen sie für sich allein schon ganze Geschichten. Eine zweidimensionale Multimediashow, die einen sofort in den Bann zieht. Bötchen gucken auf allerhöchstem Niveau!

Bahnhöfe der Welt

Barcelona, Bozen, Besewitz – eine Metropole, eine Stadt, ein fast vergessener Ort. Sie alle haben eines gemeinsam: Einen Bahnhof. Während in Barcelona am Frankreich-Bahnhof, Estació de França, mehrere Züge im Stundentakt das imposante Bauwerk verlassen, hält in Besewitz am Naturschutzpark Darß schon seit Langem kein Zug mehr. Gäste gibt es immer noch, da hier Ferienwohnungen entstanden sind. So unterschiedlich die Reisziele auf dieser Welt sind, so unterschiedlich sind die ersten Gebäude einer Stadt, eines Ortes.

Antwerpens Bahnhof ist wegen seiner opulenten Architektur sicherlich ein Augenschmaus. Im Gare de Lyon in Paris kommt zum visuellen Erlebnis noch das lukullische hinzu. Im Restaurant „Le Train Bleu“ wird die gute alte Zeit in die Gegenwart transformiert. Die Decken sind mit nostalgischen Malereien der anzufahrenden Destinationen verziert. Das im rasenden Tempo bedienende Personal ist ein weiteres Highlight.

Wer in Barancas, Mexiko auf den Zug wartet, kommt schnell mit vielen Leuten in Kontakt. Hier trifft man sich wie andersorten auf dem Markt, und da es nur einen Personenzug gibt, ist der Fahrplan mehr als übersichtlich.

Martin Werner schafft es mit wenigen Worten und beeindruckenden Bildern eine Welt darzustellen, die sich jeder vorstellen kann. Denn jeder ist in seinem Leben schon einmal mit dem Zug gefahren. Wer tatsächlich noch nie mit der Bahn unterwegs war, hat es zumindest zum Einkaufen schon mal in einen Bahn hof geschafft. Bestes Beispiel dafür: Der Leipziger Hauptbahnhof. Einst aus zwei Bahnhöfen entstanden, war er jahrzehntelang der größte Kopfbahnhof weit und breit. Momentan sind noch etwas über zwanzig Gleise in Betrieb. Als Einkaufsmeile – und das kann man durchaus wörtlich nehmen: Auf drei Etagen gibt es vom Reisemagazin bis zum Donut wirklich alles hier zu kaufen – ist wider Erwarten der Bahnhof mehr Bummelpfad als Abfahrts- und Ankunftsort. Von Brisbane und Istanbul über Taipeh und Peking bis nach Garub in Namibia und dem U-Bahnhof am World Trade Center – hier geht jedem Bahnfreund das Herz auf.

Wer sich bisher nicht so recht für die Schienenhaltestellen begeistern konnte, wird schon beim ersten Durchblättern Schnappatmung bekommen. Originelle Ein-, Drauf- und Ansichten, detaillierte Raffinessen und die überbordende Vielfalt der gezeigten Bahnhöfe rund um den Globus faszinieren jeden, der sich an Architektur im zügigen Zeitalter an Schönheit erfreuen kann.

World of food Kalender 2021

Wenn jemand dicke Backen macht, ist er erstaunt über das Erlebte. Wer die Welt mit dem Gaumen erforscht, hat noch einen Grund mehr dicke Backen zu machen. Er isst dann baff erstaunt!

Wer reist, staunt je nach Reiseart mal mehr, mal weniger über die kulturellen Unterschiede, besonders bei der Nahrungsaufnahme, bei der Zubereitung und bei der Darstellung in den Auslagen. Ein schier unendliches Feld mit roten … ja womit eigentlich? Es ist rot. Aber was ist dieses ES? Es sind Süßigkeiten. In Vietnam. Zum Trocknen in die Sonnen gelegt, damit Kinder – große und kleine – sich später an ihnen laben können und ihnen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird.

Wie Atlas, der die Welt auf seinen Schultern trägt, wirkt ein weiteres Kalenderblatt dieses außergewöhnlichen Kalenders. Ein Fischer auf dem Mekong in Thailand. Er wirft sein Netz in den Fluss. Das hat die Form eines riesigen Balles, fast wie ein Erdball. Ein Schnappschuss, der für Innehalten sorgt. Oder ein total überladenes Fahrzeug, das unter der Last der Paprikaschoten einzuknicken droht. Überfluss mal anders. Ganz im Gegensatz zur kontemplativen Stimmung im April. Eine Gruppe von Reisebäuerinnen zieht im Morgengrauen über eine endlos erscheinende Plantage. Das zarte Grün der terrassenförmigen Anbaufläche ist für sie nur Staffage. Für den Betrachter eine Augenweide.

Wer Essen nur als Energiegewinnung betrachtet, wird mit diesem Kalender eines Besseren belehrt werden. Diese Welt des Essens ist eine Welt voller Genüsse. Ob ein Basar, der ohne das Übermaß an Gewürzen nur eine Halle im shabby look wäre oder ein kleiner Laden, der so unscheinbar wirkt, dass man ihn glattweg übersehen könnte, dessen Angebot aber so manches Leckermäulchen ins Schwärmen geraten lässt – hier ist die Welt noch in Ordnung.

Zwölf Kalenderblätter, die intensiv unseren Hunger nähren und stillen zugleich.

Farbwelten Kalender 2021

Das Jahr 2021 wird bunt! Nicht im Vergleich, sondern besonders zu diesem Jahr. So könnte man diesen Kalender jetzt schon als hoffnungsvollen Farbschimmer für ein rotes, grünes, blaues, gelbes, violettes Jahr sehen. Erlebnisse, die an einem haften bleiben, sind mit unseren Sinnen verknüpft. Ein duftendes Mahl, ein knalliger Augenschmaus, ein wohlklingendes Geräusch. Damit verbinden wir schöne Ereignisse, eine gute Zeit.

Als optisch eingestelltes Wesen, was der Mensch nun mal ist, gehört es zum guten Ton (ein Sinn allein kann nicht existieren) ein Farbenspiel als Assoziationsmöglichkeit zu empfinden.

Rot ist eine Signalfarbe. Und so beginnt in diesem Kalender das Jahr 2021 mit eben diesem Alarm. Es sticht ins Auge, ohne Schmerzen zu verursachen. Vielmehr ist es „Hallo-Wach-Erlebnis“, dass das Jahr 2021 einläutet. Weiß und Rot, wobei das Weiß lediglich die Leinwand bildet, um dem Rot den Raum zu geben, den es verdient. In China gilt Rot als Farbe des Lebens. Ein Farbe, die Glück verheißt. Deswegen werden in China zum Neujahrsbeginn auch gern rote Dinge verschenkt. Wer Rot trägt (und zwar so eng am Körper wie möglich), dem wird ein glückliches Jahr beschieden sein. Gerade nach dem Jahr 2020 ein Hoffnungsschimmer, eine Verheißung, ein gutes Omen.

Blau beruhigt das Auge. Kalte Fließenornamente bestimmen den Fortgang des Jahres.

Nicht minder entspannt, doch schon ein wenig lebendiger zeugt der März vom aufziehenden Frühling. Ein Kirchendach, dessen Dachziegel in Gelb, Grün und Schwarz in der Sonne glänzen, lässt den Betrachter die kalte Zeit vergessen.

Vom überbordenden Farbrausch kann man 2021 nicht genug bekommen. Jedes Kalenderblatt zeigt in jeweils drei übereinander gestapelten Bildern die Pracht einer oder mehrerer Farben. Alltägliche Ansichten, die man allzu oft übersieht, weil der Weg nicht als Ziel, sondern als nötiges Übel hingenommen wird. Ein Blick nach Oben, nach Links oder Rechts, manchmal auch nach Unten, fördert so manche Überraschung ans und ins Licht. Mal verträumt, mal nachdenklich, mal melancholisch, mal Abenteuer verheißend. Diese Farbwelten sind eine eigene Welt für sich!