Archiv der Kategorie: Bildgewaltig

Kunst 2.0 Kalender

„Das ist doch … na wie heißt er gleich. Der mit den Farben. Ach nee, is er doch nich!“ Oder doch? Nein, ist er nicht, könnte er aber sein. Und das da, das ist doch … aber nicht von dem mit den Farben. Stimmt. Könnte aber sein! Die Kunstwelt ist in Aufruhr. Neue Werke von längst verstorbenen Künstlern zieren auf einmal die Wände der Nation. Ein Manet, ein van Gogh oder ein Klee. Wer kann sich das schon leisten. Selbst Drucke sind oftmals unverschämt teuer. Zwölf Mal Kunst in seiner modernsten Form. Am Computer entstehen oft die dollsten Dinge. Und dieser Kalender ist eines davon. Stadtimpressionen von Paris im Stile von Gustav Klimt, London mit den Augen von Henri Rousseau oder Rom in Anlehnung an Hioeronimus Boschs „Garten der Lüste“. Die Monatsblätter nehmen nicht nur Anleihen von den großen Meistern, sondern sogar von einem bestimmten Werk.

Schon bevor das neue Jahr beginnt, kann man ein Quiz veranstalten, wem denn nun der Juli oder der September zugeschrieben werden kann. Die seltsame Pinselführung mit dem kräftigen Gelb … mmh, erinnert an Sonnenblumen, an südliche Gefilde. Irgendwie ein bisschen verrückt. Schon erraten, wer da Dezember und das Titelbild gestaltet haben mag?

„Die Frau mit Sonnenschirm im Garten“, ein Bild von Pierre-August Renoir. Doch was sucht die chinesische Mauer da im Hintergrund. Also doch kein echter Renoir. Doch nicht minder beeindruckend.

Alles Kunst, alles falsch, alles umso beeindruckender, da sich der Künstler seine Kollegen genau angeschaut und deren Stile studiert hat. Hier sind nicht zwölf Fälschungen im Umlauf, sondern es sind zwölf Kniefälle vor dem Hohen Gericht des guten Geschmacks. Jeder Monat eine Verbeugung vor dem Werk der Farbenmeister der vergangenen Jahrhunderte.

Wenn die Golden Gate Bridge in Flammen zu stehen scheint, hat August Macke seine farbverschmierten Finger im Spiel. Wenn ein Sturm über dem Burj al Arab aufzuziehen scheint, lässt William Turner grüßen. Und wenn Rot und Blau Rom regieren, lugt Ernst Ludwig Kirchner um die Ecke. Ein Museumsspaziergang ganz ohne zu laut eingestellte Audioguides, einfach nur Kunst für jeden Tag und jede Jahreszeit. So haben es sich die meisten Künstler sicher irgendwann mal vorgestellt. Jetzt wird ihr Traum wahr. Auf alle Fälle nicht zu spät!

City Maps – Die Metropolen der Welt in alten Stadtplänen

Es gibt Dekogegenstände, die muss man sorgsam aussuchen. Denn sie begleiten einen das ganze Jahr hindurch. Sie sollen im Winter wie im Sommer Freude bringen. Die Suche kann anstrengend sein. Aber wenn man dann das Richtige gefunden hat, ist die Freude umso größer und anhaltender. Drei Viertel unserer Lebenszeit soll diese Freude dreihundertfünfundsechzig Tage andauern. So ist es zum Beispiel bei einem Kalender. Die Tage soll er anzeigen. Diese Funktion haben nunmal Kalender. Wandkalender sollen hingegen noch ein bisschen mehr. Sie sollen so richtig was hermachen. Ausdrucksstarke Bilder sollen Sehnsüchte wecken, motivieren, vielleicht sogar ein (Reise-)Ziel schmackhaft machen.

Landkarten und Stadtpläne sind seit der digitalen Revolution zu blassen Linienformationen in einfachen Farben geworden. Sie sollen einen ans Ziel bringen mehr nicht. Es gab Zeiten, da waren Karten wahre Kunstwerke. Eben echte Handarbeit von echten Künstlern. Achtung Phrase: So was gibt’s heute nicht mehr!

Doch! Und zwar das ganze Jahr über. „City Maps – die Metropolen der Welt in alten Stadtplänen“ nennt sich ein Kalender, der großformatig (50 mal 66 Zentimeter) das historische Auge schult. Wer weiß schon wie Sydney im 19. Jahrhundert aussah. Kleiner Tipp: Wer die Oper sucht, tut dies vergeblich. Als die Karte, die den Mai 2018 ziert, erstellt wurde, war Jørn Utzon, der Architekt der Oper, noch nicht einmal geboren, auch Harbor Bridge sucht man vergebens. Dafür findet man im März ganz leicht die Verbotene Stadt in Peking oder im April die Tower Bridge und Tate Gallery.

Das Großformat erlaubt es die Karten durchaus als naturgegeben anzusehen. Einzelne Spazierfahrten und –gänge können teils noch einmal mit dem Finger abgegangen werden. Von schachbrettartigen Stadtplanungen wie New York oder Mexico-City über dreidimensionale Abbildungen von Los Angeles bis hin zum königlichen Oslo und dem habsburgischen Wien legen die Städte ihre geheimsten Wege frei.

Die zarten Farben machen den Kalender passend für jeden Wohnungstyp, von antik über rustikal bis zur modernen Wohnungseinrichtung: Dieser Kalender ist eine Zier für jeden Haushalt. Wer reist, braucht Orientierung. Wer außerdem noch geschmackvolle Erinnerungsstücke sein eigen nennt, wird an diesem Kalender seine helle Freude haben.

Archäologischer Kalender 2018

Wie lang dauert eine Weltreise? Ein paar Monate sollten es schon sein, um von China und Griechenland über Syrien, Italien und Persien bis nach den Irak bis nach Mali zu reisen. Und wie lang dauert dann eine Zeitreise, die mehrere Jahrhunderte, so gar Jahrtausende zurückreicht? Ca. ein Jahr! Genauer gesagt vom ersten Weihnachtsfeiertag 2017 bis zu Heilige Drei Könige 2019. Dazwischen hat man im –Zwei-Wochen-Rhythmus immer wieder Reiseziel, die so nicht, ja sogar niemals wieder so zu sehen sind.

Der archäologische Kalender aus dem Philipp-von-Zabern-Verlag ist eben mehr als nur ein A4-Wandschmuck, den Gäste sich gern betrachten, der einen selbst immer wieder zum Anhalten und Bestaunen anhält, sondern der ein ganzes Jahr lang Reisen in ferne Welten parathält. Zwei Wochen hat man jeweils Zeit, um vielleicht eine kleine Museumstour zu erstellen. Denn die abgebildeten Objekte entspringen nicht der Phantasie, sondern sind hier und da tatsächlich in Museen rund um den Globus zu betrachten.

Amulette, eine Wangenplatte einer Pferdetrense, Mosiaken, antike Flaschen und ein wahres Füllhorn an archäologischen Fundstücken erster Klasse machen es schwer nicht schon mal weiterzublättern, um die Neugier zu stillen.

Es passiert zum ersten Mal, dass ein Montag so sehnsüchtig erwartet wird. Dann darf endlich – beim Adventskalender darf man ein weiteres Türchen öffnen, allerdings nur vierundzwanzig Mal – umgeblättert werden. Die Rückseite wird als detailreiches Infoblatt genutzt. Kurze Texte geben einen exzellenten Einblick in das, was Geschichte ausmacht: Spannende Alltagsgeschichten zu den abgebildeten Objekten und eine zeitliche Einordnung. Ägypter, Paestanier und Babylonier haben viel zu erzählen. Da sie es nicht mehr können, machen sich seit Ewigkeiten Wissenschaftler daran die Geheimnisse der verschwundenen Reiche aufzudecken. Und das auch anhand von Hinterlassenschaften. Und die sind in diesem Kalender ein Jahr lang zu bestaunen.

City impressions Barcelona

Für alle diejenigen, die die City-Impressions-Reihe noch nicht kennen, sei es noch einmal gesagt: Man erkennt sie an der Silhouette der Stadt auf dem Buchcover und der Dicke des Buches. Äußerlich. Die inneren Werte, der Name nimmt es vorweg, lauert im Inneren. Lauern ist auch nicht das richtige Wort: Sie springen einem Seite für Seite mitten ins Gesicht! Schon nach wenigen Seiten präsentiert sich die lebhafte Metropole als Panorama. Es wird nicht das erste Mal sein, dass man beim rhythmischen Durchblättern ins Stocken gerät. Als „Schon-Mal-Da-Gewesener“ sucht man auf dem Panorama die Plätze, wo man schon war. Als „Hoffentlich-Bald-Mal-Dort-Gewesener“ fiebert man der Zeit entgegen diese Plätze endlich mal besuchen zu können.

Autor, Photograph und Herausgeber Bernd Rücker zeigt dem Leser, der sich wie in einem lebendigen Museum vorkommt, erst einmal einen Rundumschlag seiner Stadt. Wer jetzt noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, hat noch viele, viel Seiten Zeit, sich Appetit zu holen. Für alle, die eh nicht mehr für Barcelona begeistert werden müssen, kommt nun eine kleine optische Abkühlung. Denn immer wieder wird dem Auge eine Auszeit gegönnt – kurze, romantische, auf alle Fälle barceloneske Geschichten lockern den Bildband auf. So wie unter anderem auch – unbedingt als Pflichtlektüre für kommende Barcelona-Trips zu empfehlen – die Kurzgeschichte „Gute Nachrichten auf Papierfliegern“.

Nun erwacht die künstlerische Ader des Photographen. Alle Fotos sind auf schwarzen Papierseiten gedruckt. Das wirkt nicht nur edel, sondern hat den Effekt, dass Fotos, die mit dem Spiel von Hell und Dunkel ihre Wirkung entfalten, so erst richtig zur Geltung kommen. Denn eine echte Begrenzung der Bilder ist nicht erkennbar. Lichtpunkte funken aus dem scheinbaren Nichts optische Reize an den Empfänger. Details, die man im Vorbeigehen garantiert übersehen würde, rücken in den Fokus des Betrachters. Die Stadt erwacht, menschenleere Plätze (soll’s tatsächlich geben, muss man aber suchen – oder man blättert ein wenig im Buch…), Schnappschüsse, Wolkenformationen, die schon kurz nach der Aufnahme nie mehr so zu sehen sein werden, erstaunen mit jeder neuen Seite.

Jedes einzelne Bild ist eine besondere Komposition mit sorgsam ausgewähltem Motiv, geschickt ausgesuchtem Ausschnitt und exquisit arrangierter Platzierung. Fast könnte man meinen, die Stadt nicht mehr besuchen zu müssen, weil man eh schon alles kennt. Ein weiterer Grund (und es gibt weitaus mehrere Gründe) sich dieses Buch zuzulegen, ist die Tatsache, dass man mit diesem Buch jemandem eine Riesenfreude macht. Als Appetizer für denjenigen oder diejenige, die Barcelona als Traumziel ansieht. Und nicht nur wegen der Maße und des Gewichtes (>2kg), auch und besonders wegen der unglaublichen Fülle an erstklassigen Aufnahmen. Als Zugabe (neben der eingangs erwähnten Kurzgeschichte) legt man einen Reiseband bei und vielleicht noch eine Anthologie. Als perfekter Appetitmacher für einen perfekten Urlaub.

Depeche Mode – Monument – Limited Extended Version

Jetzt gibt’s was auf die Augen! Normalerweise wartet eine Band bis zu einem runden Jubiläum, um die Fans mit einem besonderen Geschenk zu beglücken. Depeche Mode – Achtung Phrase! – waren schon immer anders als die anderen Band. Hier war es nur eine Question Of Time bis so ein monumentales Werk den Markt eroberte. Der Titel „Monument“ ist Programm: Fast so groß wie der Stapel an LPs, den die Band irgendwann mal hinterlassen wird, voller Bilder, Interviews, Magazin- , LP/CD-Covern und doppelseitigen Nahaufnahmen der Bandmitglieder. Keine Condemnation, vielmehr Enjoy The Umblättern!

Der Leser ist Museumsbesucher. Große Sonderausstellung zum 37jährigen Bandjubiläum von Depeche Mode! Erleben Sie die Band, in privaten Momenten, lesen Sie, was Wegbereiter und andere Fans zu berichten wissen! Mittendrin im Geschehen und nicht Behind The Wheel. Ein lebendiges Museum von vier Jahrzehnten Popgeschichte. Über vierhundert Seiten Bilder For The Masses, eine bunte Celebration, die jeden Fans schreien lässt I Want You Now.

Für Fans der ersten Stunde ist es streckenweise erstaunlich, was man alles schon mit der Band erlebt und eventuell schon wieder vergessen hat. Die ersten Bühnenoutfits, schon allein über Martin Gores Garderobe könnte man ein nicht minder monumentales Werk gestalten, Schwarz-Weiß-Bilder der Gegend, aus denen Dave Gahan, Andy Fletcher und Vince Clarke stammen, markieren nicht nur den Ausgangspunkt für eine der weltweit erfolgreichsten Bands, sondern weisen schon den Weg, den das Buch einschlagen wird. Mit jeder Seite mehr taucht man tiefer ein ins Universum der Synthi-Pop-Helden. Schonungslos offen auch der Umgang mit dem traurigen Kapitel als die Band vor ein paar Jahren fast vor dem Aus stand. Dave Gahan war erkrankt, dem Tode nah, ein überlebter Drogenexzess öffnet ihm die Augen. Seitdem kennt die Band nur einen Weg: Den nach oben. Immer weiter.

Es gibt vielleicht nur ein paar noch praktizierende Bands, denen ein Buch von diesen Ausmaßen zusteht: Klar, die Rolling Stones, U2 sicher, Metallica gehören auch fest in diesen erlauchten Kreis. Dann wird’s schon schwierig eine Band zu benennen, die so lange einen so großen weltweiten Erfolg aufweisen kann. Und diesen Erfolg mit einem Buch zu bildgewaltig präsentieren darf. Preiswerter als jede Konzertkarte, langlebiger als das komplette Musikwerk ist „Monument“ das, was es vorgibt zu sein. Nämlich die kiloschwere Historie einer Band, die den Modestil nicht nur einer Generation beeinflusst hat, deren Musik schon nach wenigen Takten eindeutig als Depeche-Mode-Sound zu erkennen ist, und die es immer wieder schafft Fans und Kritiker zu überzeugen und neue Fans zu erobern. Dieses Buch will nicht erobert werden. Das passiert einfach so! Als Meister der Maxiversionen – ja, das gab es einmal – lautet der Untertitel natürlich auch „Limited extended version“. Die Maxi von „Shake The Disease“ war eine Viertelstunde lang. Das ist man in diesem Buch vielleicht gerademal auf Seite Dreißig. Bis man mit dem Buch „durch ist“, kann man also noch die gesammelten musikalischen Werke der Band von 1980 bis zur Jahrtausendwende hören. Und blättern und blättern und schwelgen und träumen und …

Verlassene Orte in Berlin

Blut spritzt, Knochen splittern – das tut weh. Farbe blättert, Putz bröckelt, Scheiben klirren – das hat Charme. Metropoler shabby chic mitten unter uns. Berlin ist die Metropole des Schauderns – Ciarán Fahey zeigt Berlin wie es sich Berlin Touristen nicht vorstellen können. Und doch gibt es mehr als genug Neugierige, die dem Charme des Verfallenen nicht widerstehen können. So wie der Autor.

Er kraucht dort hinein, wo man sich schmutzig macht. Wo man sich die Hosen zerreißt und vielleicht auch die eine oder andere Schramme holt. Und er erhellt das Dunkel der Vergangenheit, in dem er zum Beispiel die Bärenquell-Brauerei ihres letzten Geheimnisses beraubt. Nämlich dem wie es heute um die einstige Hopfentränke bestellt ist. Ein gelinde gesagt staubiger Eindruck. Als ob hier von einer Minute die Feierabendsirene ertönt wäre und man vergessen hätte wieder zur Arbeit zu erscheinen. Wo vor hundert Jahren noch – sogar werktags – geschwoft wurde, hätte selbst die beste Feuchtigkeitscreme keine Chance die Risse in der Fassade glattzubügeln. Das Ballhaus Grünau ist heute nur noch annähernd ein Schatten seiner selbst.

Mit detaillierter Versiertheit beschreibt er die Orte, die einmal Großes darstellten und heute aus den verschiedensten Gründen den Naturgewalten anheimfallen (gelassen werden).

Verlassen? Ja! Vergessen? Nein! Dank Ciarán Fahey. Der irische Autor geht auf die Knie vor den erhabenen Bauten und robbt sich vor ins Innere der meist abgesperrten Hinterlassenschaften aus Urgroßmutters Zeiten. Wer heutzutage bei Siemens die S-Bahn verlassen will, landet im Nirgendwo. Siemensbahn – die Geisterstationen von Siemens‘ verlassener S-Bahnlinie heißt das Kapitel, das – genau wie der Rest des Buches – eindrucksvoll beschreibt wie der Zahn der Zeit an Plattform, Handlauf, Dach und Informationstafeln genagt hat. Rost ist keine Farbe, sondern eine Lebenseinstellung, scheinen einem Text und Bilder entgegen zu schreien. Und doch gedeiht hier noch oder schon wieder Pflanzen. Die Natur gibt, die Natur nimmt. Was schon einmal samtzart das Auge berührte, wirkt gegenwärtig wie pubertierende Akne auf verwelkter Haut.

Man riecht den Moder und die Verwesung, sieht aber das Potential der abgebildeten Objekte und schnauft tief durch. Warum nur findet sich niemand den Reiz der Vergangenheit noch einmal zu alter Blüte zu verhelfen? Waschbären als Hüter des Augenblicks, Graffitis als Boten der Moderne, Schrottautos als stillgelegter Protest gegen das Vergessen?

Dieses Buch ist ein reiseband der besonderen Art. Kein Aufforderung Grenzen zu überschreiten. Wohl aber ein gedrucktes Mahnmal für den Erhalt der eigenen Geschichte.

Kiki die Mäusedame

„Ih, eine Maus, mach sie weg“, so reagiert wohl so mancher hysterische Mieter, wenn eine Maus seinen Weg kreuzt. In der Fliederstraße 15 in Stockholm, bei den Gulbranssons ist das ein bisschen anders. Arne, der Sohn der Gulbranssons ist der Grund, warum Kiki hier lebt und nicht bei Onkel Björk. Der wohnt nämlich in einem Supermarkt. Dort ist zwar der Tisch immer gedeckt, aber es ist eben auch sehr laut und hektisch.

Kiki, die eigentlich Kinuski Kielo Lundgren heißt, ist eine Dame ersten Ranges. Die schönen Dinge des Lebens haben es ihr angetan – allein schon das Bild, auf dem Kiki (mit Schleife im Haar) zufrieden grinsend mit einer Tasse in ihrem Bettchen verstohlen in die Luft schaut, zeigt die ganze Eleganz der Maus und das Können der Illustratorin Marion Schickert. Zum Piepen!

Das Leben könnte so schön sein, wenn das nicht das dicke Katervieh Percy wäre. Zum Glück ist er ein fauler Kater. Dick und rund, und unbeschreiblich bequem. Und berechenbar. Pünktlich um acht Uhr morgens und um sechs Uhr abends trabt er zum Futtertrog.

Mit Freja, ihrer besten Freundin, ist es ein besonderes Vergnügen die Sonnenstrahlen unterm Brombeerbusch zu genießen. Dort sehen sie auch wie Arne von zwei Größeren drangsaliert und ihm sein Fernrohr, das er gerade erst von Onkel Peer geschenkt bekommen hat, weggenommen wird. So eine Frechheit. Das muss man einschreiten. Doch Kiki und Freja sind zu klein. Doch nicht im Kopf… Kiki und die anderen Mäuse fassen einen Entschluss. Sie wollen Arne helfen. Man muss es eben nicht nur hier haben, sondern auch hier. Jeder muss sich nun die entsprechenden Gesten dazu selbst ausdenken…

Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz. Im hinteren Teil des Buches wird es so richtig melodiös. Autor Olaf Krätke hat eigens für dieses Buch ein Lied komponiert, das inkl. Noten hier abgedruckt ist. Und ganz am Endes des ersten Abenteuers von Kiki – JA! – es wird weitergehen – ist eine CD mit zwei Liedern beigelegt.

Luxemburg – Das einzigartigste Großherzogtum der Welt

Kennen Sie Luxemburg? Ja, das ist das kleine Land im Westen, das von Frankreich und Belgien an Deutschland gedrängt ist. Geographisch gesehen ist nichts einzuwenden. Doch die Frage war ja nicht wo liegt Luxemburg, sondern, ob Sie es kennen? Also nein! Gut. Aber schon mal davon gehört?! Klar, immer wenn es in den Nachrichten um Europa geht. Gähnende Langeweile, dieses Europa. Urlaub ohne Geldtauschen – mehr fällt einem dazu nicht ein. Und zu Luxemburg? Ähm, … die Hauptstadt heißt wie das ganze Land. So wie in Mexiko. Dort ist es toll. Und warm. Und das Essen ist scharf. Stop! Wir schweifen ab. Ja Luxemburgs Hauptstadt heißt Luxemburg. Und weiter! Nichts!

Okay, etwas übertrieben! Ein Mauerblümchendasein fristet das 83 mal 57 Kilometer große Luxemburg ist sehr wohl im Bewusstsein der Europäer angekommen. Schon länger. Aber so richtig viel weiß man trotzdem nicht. Auch gibt es exzellente Literatur über unseren „kleinen Nachbarn“. Jeder ein Kleinod für sich. Doch Land und Leute lernt man nicht in einem Bildband kennen. Die Sehenswürdigkeiten werden in Reisebänden nur gestreift.

Hier kommt Abhilfe: „Luxemburg das einzigartigste Großherzogtum der Welt“. Klingt mutig. Zumal es von dieser Art nicht viele gibt. Genau genommen gibt es nur ein Großherzogtum. Platz Eins ist insofern schon mal sicher!

Auch dieses Buch kann sich berechtigte Hoffnungen machen die Charts der Luxemburgensia zu erklimmen! Ein buntes Potpourri an schrägen Geschichten, echten Hinguckern und messerscharf beobachteten Eigenheiten des Landes wurde hier von den Autoren zwischen zwei Buchrücken, nicht gepresst, sondern verführerisch dargeboten. Wehrhafte Burgen werden hier gleichermaßen angepriesen wie kleine Dörfer, deren Einwohnerzahl locker an einer Hand abzuzählen ist. Die Einzigartigkeit eines Zoos ist mindestens genauso wichtig wie ein Interview mit Désirée Nosbusch, dem charmanten Exportschlager aus der einflussreichen Medienszene. Apropos Zoo. Der Verlag capybara books, der dieses Buch komplett verantwortet, hat hier zwar nicht seinen Ursprung, dennoch ein ganz enge Verbindung zu einigen Bewohnern.

Sportlich ist Luxemburg nur selten, in jüngster Vergangenheit eher zweifelhaft in Erscheinung getreten. Man denke nur an die Vöckler-Pedalritter. Im Fußball ist Jeunesse Esch eifrigen Ergebnis-Fetischisten ein Begriff. Willkommener Erstrundengegner, denn der Seriensieger in Luxemburg spielt international eine eher untergeordnete Rolle. Aber ein schickes Stadion haben sie hier, um das sie so mancher beneidet. Die Bergarbeiter bestimmten von jeher hier das Bild. Trist kam dieser Landstrich daher. Heute, die Bergwerke haben noch historischen Wert, abgebaut wird hier schon lange nichts mehr – außer ein paar Pfunden beim Bocciaspielen – ja heute, ist es hier bunt und lebendig. Fast schon südländisch. Die Italiener haben hier ihren Einfluss geltend gemacht. Bis hin zum Wappen des Fußballvereins Jeunesse. Schwarz und Weiß – wie Juventus Turin.

Man kann es Mulitkulti nennen. Oder den gelebten europäischen Gedanken. Wer Luxemburg als langweilig bezeichnet, kennt weder Land noch dieses Buch. Über 250 Seiten Appetitmacher auf ein Land, das sich immer noch schwertut eine eigene Identität zu definieren, aber so unglaublich abwechslungsreich ist, dass die geringe geographische Größe dem staunenden Auge ein Schnippchen schlägt.

Und wenn man das Buch mehrmals gelesen hat, kann man die Eingangsfrage auch ganz leicht beantworten: „Ja, ich bin ein Zapper!“ Was das ist? Schauen Sie ins Buch!

Maria Sibylla Merians Schmetterlinge

Das Jahr begann gleich mit einem Jubiläum, das ohne die vermehrte Nennung nur ein klitzekleiner elitärer Kreis gefeiert hätte: Den 300. Todestag von Maria Sibylla Merian. Ob Videotext, Zeitungen oder Ausstellungsankündigungen – der überwiegende Teil kennt diese Frau nicht (mehr). Doch ihr Werk und ihre Werke sind dann doch bekannt.

Schon als Jugendliche hat sich die wissbegierige Maria mit Schmetterlingen beschäftigt. Doch in ihrer Geburtsstadt Frankfurt am Main oder ihrem zweiten Zuhause Amsterdam waren Schmetterlinge nur in Privatsammlungen und Museen zu besichtigen. Ganz zu schweigen von der Metamorphose der Raupen zu den farbenprächtigen Exemplaren, die fern der Heimat zum Alltag gehören.

Maria Merian interessierte sich nicht nur die Vielfalt der Farben auf den Flügeln der flatterhaften Genossen. Siewollte wissen, wie aus einer unscheinbaren Raupe ein anbetungswürdiges Geschöpf entstehen kann. Zusammen mit ihrer Tochter machte sie sich auf den Weg, auf Expeditionsreise nach Surinam in Südamerika, damals holländische Kolonie bzw. Besitztum der West India Company.

Hier fand sie ihre Erfüllung. Unter dem Vergrößerungsglas entdeckte sie die schuppenartige Struktur der Flügel. Schon als Kind bekam sie Unterricht in Malkunst und so machte sie aus ihren beiden Leidenschaften – Malen und Forschen – eine Tugend. Das Ergebnis ist in diesem kompakten Band jedermann zugängig. Erstaunlich mit welcher Akribie sie jede auch noch so kleine Nuance abbilden konnte. Pflanzen und Schmetterlinge, die bis heute ein Faszinosum darstellen. Immer wieder verblüffen ihre Bilder den Betrachter ob des Detailreichtums. Was sonst nur im Museum der Öffentlichkeit gezeigt werden kann, ist nun jederzeit für jedermann verfügbar. Weit weg von kitschig-bunt und nostalgisch verklärter Romantik waren die Bilder schon zu Lebzeiten Maria Merians ein Verkaufsschlager. In unterschiedlicher Druckqualität wurden sie angeboten. King George III. erwarb die Bildtafel, ihm ist es zu verdanken, dass sie als Teil der Königlichen Sammlung bis heute erhalten sind.

Dieses Buch ist sicherlich kein Buch, das man mit auf reisen nimmt, um Schmetterling zu bestimmen – obwohl das möglich wär. Es ist vielmehr ein Beweis für die Kunstfertigkeit einer Frau, die in einer Zeit lebte, in der es Frauen so gut wie unmöglich war, wissenschaftlich zu arbeiten. Umso mehr erstaunt der Lebenslauf der energischen Frankfurterin. Ihre Zeichnungen sind in Ausschnitten den meisten schon mal untergekommen. Doch die Künstlerin dahinter tritt wohl nun erst jetzt so richtig ins Licht. Verdient, wenn auch verspätet!

Happy birthday, Türke!

„Alles Liebe zum Geburtstag, Gesundheit und Glück“, sagt man so, wenn man jemandem zu seinem Ehrentag gratuliert. Kemal Kayankaya bekommt nicht mal diese Floskeln um die Ohren gehauen. ’Ne Flasche Whiskey und Kippen sind seine Begleiter am Jahrestag seiner Geburt. Unrasiert beginnt er den Tag mit einem tiefen Lungenzug. Ein harter Hund, ja, das ist er. Privatschnüffler mit schlagkräftigen Argumenten und einer Schnauze, die jedem Ganoven die Kinnlade offen stehen lässt. Tja, wieder ein Jahr älter und immer noch kein festes, geregeltes und vor allem ausreichendes Einkommen.

Als der Kater so langsam beginnt seine Runden außerhalb Kemals Kopfes zu drehen, scheint ein Sonnenstrahl das Grau des Tages zu erhellen. Ein Auftrag. Die Witwe eines Landsmannes beauftragt das Rauhbein den Mörder ihres Gatten zu finden. Der hat vor ein paar Tagen (glücklich?!) das Zeitliche gesegnet. Im Hinterzimmer, im Hinterhaus, in der hintersten Ecke des Frankfurter Bahnhofviertels. Dort, wo die Mädchen … naja Sie wissen schon. Die Polizei versteckt sich hinter Routine und bringt keine zählbaren Ergebnisse hervor. Deswegen hockt nun die Witwe beim Geburtstagskind und klagt ihr Leid. Da es sich um den Auftakt einer Krimireihe, einer der erfolgreichsten überhaupt, handelt, kann man es ahnen: Der Fall wird gelöst.

Man soll nichts und niemanden nach seinem Äußeren beurteilen. Schon gar nicht Bücher! Doch im Fall von Jakob Arjounis „Happy birthday, Türke!“ in der grandios gestalteten Neuauflage von edition büchergilde wird die Ausnahme von der Regel zur neuen Norm. Für eine Type wie Kemal Kayankaya hat die Farbpalette Schwarz und Grau, vielleicht noch ein schmutziges Grün oder Braun erfunden. Und nun das! Pink, Rosa, Violett – fehlen nur noch die Blümchen. So einer kann doch nicht im Rotlichtmilieu ermitteln! Oh doch, und wie! Philip Waechter zeichnet hierfür verantwortlich.

Auf den ersten Blick ist die Farbwahl gewöhnungsbedürftig. Pink und bäng-bäng geht eigentlich gar nicht. Doch in Japan gilt ja auch Gelb als bedrohliche Farbe. Also warum nicht pink für den Kebab-Mann?! Hippe Teens tragen ja auch keine Bluejeans. Echte Kerle – solche wie Kemal Kayankaya – können alles tragen, auch pink. Denn erst, wenn man sich an die außergewöhnliche Farbe gewöhnt hat und der Kern zum Vorschein kommt, treten ihre eigentlichen Charakterzüge aus dem Schatten.

In dieser Ausgabe des schon als Klassiker zu bezeichnenden Buches des viel zu früh verstorbenen Jakob Arjouni ist der Tabubruch Programm. Zum Einen ist es der Ermittler selbst, der nur sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegen will und wird, niemandem sonst. Zum Zweiten ist es die grafische Umsetzung des Erfolgsromans. Für Fans, für Einsteiger, für Querdenker, für Feingeister, für Ästheten.