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Japan

Eine ordentliche Vorbereitung ist die halbe Miete, sagt man. Und da ist es egal, ob es sich um einen Sportler handelt, der sich auf den Wettkampf seines Lebens vorbereitet, eine Geisha, die sich für ihr Engagement vorbereitet oder man selbst sich Gedanken macht, was man den Lieben an Weihnachten schenkt. Und schon sind wir beim Thema. Japan. Im Sommer 2020 sollten zum zweiten Mal in der Millionenmetropole Olympische Sommerspiel stattfinden. Die ganze Welt wurde in den Jahren seit Bekanntgabe des Austragungsortes vom Japanfieber infiziert. Und dann kam so ein kleines, fieses Virus und alles war dahin. Alles? Nein, nicht alles! Es gibt ja noch Weihnachten und die ewiges Frage: Was schenke ich?

Ein Buch geht immer. Doch dieser Bildband sagt unzweifelhaft, dass man sich Gedanken gemacht hat und dass der Beschenkte einem etwas bedeutet. Ein echtes Schwergewicht – der Titel Sumo ist sein Helmut Newtons Meisterwerk leider schon besetzt – unter den Bildbänden über Japan! Riesige Abmaße. Und der Inhalt begeistert ohne dass man das Buch aufschlagen muss. Eine exzellent vorbereitete Geisha in einem farbenprächtigen Kostüm. Die Rückansicht ist so geheimnisvoll wie das Land rätselhaft.

Einmal Auge in Auge einem Kendo-Kämpfer gegenüberstehen. Einmal inmitten einer schier unendlichen Menschenmenge in Japans Hauptstadt stehen und dem Lichterreigen begeistert zusehen. Über den Wolkenkratzern schweben. Und dann wieder einem Ikebana-Kunstwerk so nahe kommen, wie man es nicht erwartet. Solch einen Urlaub wünscht man sich. Für die meisten bleibt es eben doch nur ein Traum.

Dieser Prachtband macht jede vergossene Träne über einen nicht stattfindenden Urlaub vergessen. Denn Japan ist hier so vielschichtig dargestellt, dass wirklich nur noch eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne es toppen kann!

Die gigantischen Maße des Buches erlauben es nur ausgewählten Muskelmännern, das Buch wie einen Schmöker auf der Couch zu verschlingen. Die Mehrheit legt es sich auf den Lesetisch oder auf den Schoß und blättert mit wachsender Begeisterung darin. Viele Abbildungen erstrecken sich über eine Doppelseite, so dass es nicht viel Vorstellungskraft bedarf das wahre Japan zu erkennen.

Ein Bildband zum Verlieben! In Japan, in das Auge des Fotografen, in die Detailverliebtheit, die jedes Bild ausstrahlt und zum Verweilen nicht nur einlädt, sondern geradezu auffordert. Dieser Bildband ist etwas für Kenner und Genießer. Kein kleiner Appetitmacher, den man in der Gesäßtasche verschwinden lässt, sondern ein besonderes Ausstellungsstück, das man gern immer wieder aus dem Schrank holt und an dem man sich einfach nicht sattsehen kann.

Der Traum von einer schönen Stadt

Es muss nicht immer ein Traum bleiben, schön zu sein. Das beweist Leipzig. Und das wiederum beweisen Wolfgang Hocquel und Richard Hüttel, die mit ihrem Buch der Stadt Leipzig wirklich etwas Schönes geschenkt haben. Ein Buch über eine schöne Stadt und mit im Gepäck der Beweis, dass ihre Titelthese auch wirklich stimmt.

Etwas als schön zu bezeichnen, ist eine schwierige Angelegenheit, wenn man es auch noch beweisen muss. Das fällt einem in Florenz, Siena oder Rom leichter als im dazu unbekannteren Leipzig. Doch die heimliche Hauptstadt Sachsens muss sich architektonisch nicht hinter der Ewigen Stadt oder den Toskanajuwelen verstecken.

Ein derart kompaktes und zugleich flächenmäßig großes Ensemble des Historismus muss man lange suchen. Schlussendlich landet man doch wieder in der Pleißestadt. Ob nun die im alten Glanz wiedererstrahlenden Messepassagen, die reichlich (und doch nicht überladen) verzierten Fassaden der imposanten Bauten vor allem innerhalb des Stadtringes und die weitläufig angelegten Parkanlagen machen Leipzig nicht nur lebenswert, sondern zu einer schönen Stadt.

Bei ihren Streifzügen durch Leipzig entdecken die Autoren nicht nur so manches Detail, sondern forschen ausgiebig auch nach deren Herkunft. So wird so mancher alteingesessener Leipziger aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Seit etwas mehr als anderthalb Jahrhunderten ist die Stadt im steigen Wandel. Die Jahre der Stagnation, in denen die historische Substanz der Natur überlassen wurde – es gab in den Achtzigerjahren Häuser, die mehr Wurzelwerk als Fundament aufwiesen – sind vorbei und noch immer werkelt man an allen Ecken und Enden der Stadt, um die Pracht der Gründerzeit wieder im Sonnenlicht strahlen zu lassen.

Nur wer sorgfältig durch die Stadt stromert, was in Leipzig mehr als nur ratsam ist, wird die Kunstfertigkeit der Architekten und Handwerker erkennen. Die Geschichte dahinter ist nur selten für jedermann einsehbar. Deshalb dieses Buch! Von der größten Errungenschaft der Stadt, dem Kanal, der den Namen seines Erdenkers Karl Heine trägt, und in absehbarer Zeit Leipzig auf dem Wasserweg mit den Weltmeeren verbinden wird, über fast vergessene Idealisten wie Hugo Licht, sowie immer noch präsente Verlegerlegenden wie Hans Meyer, die Meyerschen Höfe gelten heute als begehrte Wohnanlagen, reist der Strom des Staunens beim Lesen nicht ab. Die unzähligen und aussagekräftigen Abbildungen machen es einem leicht die beschriebenen Orte wieder zu erkennen, sofern sie vom Bombenhagel und der Abrisswut der Genossen von einst verschont blieben. Historische Abbildungen zeigen wie sehr sich das Antlitz der Stadt verändert hat. Die Texte der Autoren sind ein wahres Füllhorn für jeden Neugierigen, egal, ob er in Leipzig ansässig ist oder die Stadt für ein paar Tage besucht.

Logbuch

Mit dem Schiff die Welt erkunden hat in den vergangenen Jahren – wegen des massiven Überangebotes – einen bitteren Beigeschmack bekommen. Venedig droht deswegen vollends seinen Charme zu verlieren, Dubrovnik platzt durch die Besuchermassen aus den Nähten. Und dennoch ist die Begeisterung für die schwimmenden Kolosse und ihre Legenden ungebrochen. Das beweisen die unzähligen Buchtitel, die vom Hochglanzprospekt bis zur Wühltischware das gesamte Spektrum des Buchmarktes abdecken.

Doch ab und zu fallen Titel aus dieser Aufzählung, die durch ihren Gestaltung und Illustration selbst diejenigen erreichen, die bisher dem Schiffsbau nicht sonderlich zugeneigt waren. So wie „Logbuch – Schiffe, die Legenden wurden“. Siebenundzwanzig Schiffe – erstaunlich wie viel man doch dem Namen nach kennt – und ihr Weg zur Legende werden auf ganz eigene Weise vorgestellt. Von einfachsten Schwimmfahrzeugen wie dem Surfboard über Kon Tiki, dem berühmten Floß Thor Heyerdahls über den nicht minder berühmten Fliegenden Holländer und die Arche Noah bis hin zur HMS Olympic, dem Schwesterschiff der Titanic, und dem Empire State Building – alles an Bord. Moment! Das Empire State Building? Was hat das denn mit Schifffahrt zu tun? Das einstmals höchste Gebäude der Welt hätte um ein Haar (genauer gesagt um vierzehn Meter) diesen Rekord verpasst. Mit einem Ankermast für Luftschiffe wie den Zeppelin konnte es sich aber um einige Meter mehr in den Himmel recken und verdiente sich so den ersehnten Titel. Tatsächlich, hier sollten mal Hindenburg und Co. einmal vor Anker gehen.

Die Texte zu den Schiffen sind in ihrem Anekdotenreichtum unübertroffen. Lucia, schallt es überall in Italien. Doch am Lago die Como hat dieser Name einen besonderen Ruf. Denn die idyllisch anmutenden Boote mit den drei Bögen, über die bei Bedarf der Sonnenschutz gezogen werden kann, heißen Lucia. Ihren Namen verdanken sie einer der berühmtesten Legenden Italiens. Einer Liebeslegende. Lucia und Renzo dürfen nicht heiraten, weil Don Rodrigo Lucia als seinen Besitz ansieht. Renzo macht die Leinen los und flüchtet mit seiner Lucia über die Wogen des Comer Sees.

Ein Schiff ganz anderer Art hat während des erzwungenen Exils Napoleon Bonaparte beschützt und bewacht. Die Insel Ascension. Hätte irgendjemand versucht den Feldherren von St. Helena zu befreien, hätte er an der vorgelagerten Insel vorbeigemusst. Dort warteten aber die Büchsen und Kanonen der Bewacher.

Lucia Jay von Seldeneck zeichnet für die Geschichten zu Geschichte der Schiffe verantwortlich, die dem Leser mal einen unverstellten Blick auf die Wasserfahrzeuge freigeben. Denn dahinter stehen auch immer Menschen und ihre Schicksale.

Die seitenfüllenden Zeichnungen von Florian Weiß sind mehr als nur eine Ergänzung der Texte. Mit feinstem Pinselstrich im maritimen Blau-Weiß gehalten erzählen sie für sich allein schon ganze Geschichten. Eine zweidimensionale Multimediashow, die einen sofort in den Bann zieht. Bötchen gucken auf allerhöchstem Niveau!

Bahnhöfe der Welt

Barcelona, Bozen, Besewitz – eine Metropole, eine Stadt, ein fast vergessener Ort. Sie alle haben eines gemeinsam: Einen Bahnhof. Während in Barcelona am Frankreich-Bahnhof, Estació de França, mehrere Züge im Stundentakt das imposante Bauwerk verlassen, hält in Besewitz am Naturschutzpark Darß schon seit Langem kein Zug mehr. Gäste gibt es immer noch, da hier Ferienwohnungen entstanden sind. So unterschiedlich die Reisziele auf dieser Welt sind, so unterschiedlich sind die ersten Gebäude einer Stadt, eines Ortes.

Antwerpens Bahnhof ist wegen seiner opulenten Architektur sicherlich ein Augenschmaus. Im Gare de Lyon in Paris kommt zum visuellen Erlebnis noch das lukullische hinzu. Im Restaurant „Le Train Bleu“ wird die gute alte Zeit in die Gegenwart transformiert. Die Decken sind mit nostalgischen Malereien der anzufahrenden Destinationen verziert. Das im rasenden Tempo bedienende Personal ist ein weiteres Highlight.

Wer in Barancas, Mexiko auf den Zug wartet, kommt schnell mit vielen Leuten in Kontakt. Hier trifft man sich wie andersorten auf dem Markt, und da es nur einen Personenzug gibt, ist der Fahrplan mehr als übersichtlich.

Martin Werner schafft es mit wenigen Worten und beeindruckenden Bildern eine Welt darzustellen, die sich jeder vorstellen kann. Denn jeder ist in seinem Leben schon einmal mit dem Zug gefahren. Wer tatsächlich noch nie mit der Bahn unterwegs war, hat es zumindest zum Einkaufen schon mal in einen Bahn hof geschafft. Bestes Beispiel dafür: Der Leipziger Hauptbahnhof. Einst aus zwei Bahnhöfen entstanden, war er jahrzehntelang der größte Kopfbahnhof weit und breit. Momentan sind noch etwas über zwanzig Gleise in Betrieb. Als Einkaufsmeile – und das kann man durchaus wörtlich nehmen: Auf drei Etagen gibt es vom Reisemagazin bis zum Donut wirklich alles hier zu kaufen – ist wider Erwarten der Bahnhof mehr Bummelpfad als Abfahrts- und Ankunftsort. Von Brisbane und Istanbul über Taipeh und Peking bis nach Garub in Namibia und dem U-Bahnhof am World Trade Center – hier geht jedem Bahnfreund das Herz auf.

Wer sich bisher nicht so recht für die Schienenhaltestellen begeistern konnte, wird schon beim ersten Durchblättern Schnappatmung bekommen. Originelle Ein-, Drauf- und Ansichten, detaillierte Raffinessen und die überbordende Vielfalt der gezeigten Bahnhöfe rund um den Globus faszinieren jeden, der sich an Architektur im zügigen Zeitalter an Schönheit erfreuen kann.

World of food Kalender 2021

Wenn jemand dicke Backen macht, ist er erstaunt über das Erlebte. Wer die Welt mit dem Gaumen erforscht, hat noch einen Grund mehr dicke Backen zu machen. Er isst dann baff erstaunt!

Wer reist, staunt je nach Reiseart mal mehr, mal weniger über die kulturellen Unterschiede, besonders bei der Nahrungsaufnahme, bei der Zubereitung und bei der Darstellung in den Auslagen. Ein schier unendliches Feld mit roten … ja womit eigentlich? Es ist rot. Aber was ist dieses ES? Es sind Süßigkeiten. In Vietnam. Zum Trocknen in die Sonnen gelegt, damit Kinder – große und kleine – sich später an ihnen laben können und ihnen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird.

Wie Atlas, der die Welt auf seinen Schultern trägt, wirkt ein weiteres Kalenderblatt dieses außergewöhnlichen Kalenders. Ein Fischer auf dem Mekong in Thailand. Er wirft sein Netz in den Fluss. Das hat die Form eines riesigen Balles, fast wie ein Erdball. Ein Schnappschuss, der für Innehalten sorgt. Oder ein total überladenes Fahrzeug, das unter der Last der Paprikaschoten einzuknicken droht. Überfluss mal anders. Ganz im Gegensatz zur kontemplativen Stimmung im April. Eine Gruppe von Reisebäuerinnen zieht im Morgengrauen über eine endlos erscheinende Plantage. Das zarte Grün der terrassenförmigen Anbaufläche ist für sie nur Staffage. Für den Betrachter eine Augenweide.

Wer Essen nur als Energiegewinnung betrachtet, wird mit diesem Kalender eines Besseren belehrt werden. Diese Welt des Essens ist eine Welt voller Genüsse. Ob ein Basar, der ohne das Übermaß an Gewürzen nur eine Halle im shabby look wäre oder ein kleiner Laden, der so unscheinbar wirkt, dass man ihn glattweg übersehen könnte, dessen Angebot aber so manches Leckermäulchen ins Schwärmen geraten lässt – hier ist die Welt noch in Ordnung.

Zwölf Kalenderblätter, die intensiv unseren Hunger nähren und stillen zugleich.

Farbwelten Kalender 2021

Das Jahr 2021 wird bunt! Nicht im Vergleich, sondern besonders zu diesem Jahr. So könnte man diesen Kalender jetzt schon als hoffnungsvollen Farbschimmer für ein rotes, grünes, blaues, gelbes, violettes Jahr sehen. Erlebnisse, die an einem haften bleiben, sind mit unseren Sinnen verknüpft. Ein duftendes Mahl, ein knalliger Augenschmaus, ein wohlklingendes Geräusch. Damit verbinden wir schöne Ereignisse, eine gute Zeit.

Als optisch eingestelltes Wesen, was der Mensch nun mal ist, gehört es zum guten Ton (ein Sinn allein kann nicht existieren) ein Farbenspiel als Assoziationsmöglichkeit zu empfinden.

Rot ist eine Signalfarbe. Und so beginnt in diesem Kalender das Jahr 2021 mit eben diesem Alarm. Es sticht ins Auge, ohne Schmerzen zu verursachen. Vielmehr ist es „Hallo-Wach-Erlebnis“, dass das Jahr 2021 einläutet. Weiß und Rot, wobei das Weiß lediglich die Leinwand bildet, um dem Rot den Raum zu geben, den es verdient. In China gilt Rot als Farbe des Lebens. Ein Farbe, die Glück verheißt. Deswegen werden in China zum Neujahrsbeginn auch gern rote Dinge verschenkt. Wer Rot trägt (und zwar so eng am Körper wie möglich), dem wird ein glückliches Jahr beschieden sein. Gerade nach dem Jahr 2020 ein Hoffnungsschimmer, eine Verheißung, ein gutes Omen.

Blau beruhigt das Auge. Kalte Fließenornamente bestimmen den Fortgang des Jahres.

Nicht minder entspannt, doch schon ein wenig lebendiger zeugt der März vom aufziehenden Frühling. Ein Kirchendach, dessen Dachziegel in Gelb, Grün und Schwarz in der Sonne glänzen, lässt den Betrachter die kalte Zeit vergessen.

Vom überbordenden Farbrausch kann man 2021 nicht genug bekommen. Jedes Kalenderblatt zeigt in jeweils drei übereinander gestapelten Bildern die Pracht einer oder mehrerer Farben. Alltägliche Ansichten, die man allzu oft übersieht, weil der Weg nicht als Ziel, sondern als nötiges Übel hingenommen wird. Ein Blick nach Oben, nach Links oder Rechts, manchmal auch nach Unten, fördert so manche Überraschung ans und ins Licht. Mal verträumt, mal nachdenklich, mal melancholisch, mal Abenteuer verheißend. Diese Farbwelten sind eine eigene Welt für sich!

Japanbilder

Es ist noch gar nicht so lange her, dass das ferne Japan ein weiteres Mal in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Nicht zum ersten Mal: Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt schlichen sich auch stilistische Einflüsse in die Kunst. In den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts schwappte – unter anderem auch durch Alphavilles „Big in Japan“ – eine regelrechte Japanomania nach Europa, die bis heute anhält. 2020 wird diese Welle einen neuen Höhepunkt erreichen, wenn die Olympischen Sommerspiele in Tokio stattfinden werden. Je nach Qualitätsanspruch wird man dann wieder mit Kuriositäten aus dem Land des Lächelns bombardiert werden oder tatsächlich etwas Substantielles über das Land erfahren.

Den Anfang macht zweifellos dieses Buch. Der unscheinbare Titel „Japanbilder“ verspricht nicht mehr und nicht weniger als persönliche Eindrücke von Michaela Weber, die ans andere Ende der Welt reiste und eine Kultur vorfand, die es vielen schwer macht sie zu verstehen. Und so wird das Lesen dieses Buches zu einer Reise vom Sofa aus in ein Land, das für die meisten ein ewiger Traum bleiben wird.

Besonders auffällig ist das ineinandergreifende Zusammenspiel von kurzen knackigen Einleitungstexten und den imposanten Abbildungen. Michaela Weber vermischt geschickt persönliche Erfahrung und Faktenwissen, die im Anschluss durch unzählige – mal größere, mal kleinere – Bilder untermalt werden.

Mit wachen Augen reist Michaela Weber durch Japan und schon bald wundert sie sich über fast gar nichts mehr. Ein Polizeimuseum in Tokio weist nicht martialisch mit Waffe oder einer staatlichen Symbolik auf sich hin, sondern mit einer niedlichen Comicfigur. Bahnhöfe und Züge sind so sauber, dass es ihr nicht nur auffällt, sondern besonders berichtenswert erscheint. Auch die Schaffner sind von außerordentlicher Freundlichkeit. Und mit den deutschen Fahrkartenkontrolleuren haben sie so gar nichts zu tun.

Michaela Weber reist durch Tokio, Osaka, Hiroshima, Kioto und die eher unbekannteren Städte Inuyama und Nara. Oft unterliegt man dem Vorurteil, dass innerhalb eines fernen Landes alles gleich sei. Dem ist natürlich nicht so. In Deutschland würde ja auch niemand auf die Idee kommen Ostfriesen und Allgäuer in einen Topf zu werfen! Mit dem Finger am Auslöser der Kamera gelingen Michaela Weber einfühlsame Schnappschüsse, die das Bild Japans im Jahr der Olympischen Spiele nachhaltig prägen werden. Alltagsszenen wie spielende Kinder, aber auch für unsere Augen fast schon verspielte Hinweisschilder stehen eng neben Preistafeln für (käufliche!) Gebete und Wünsche für ein besseres Leben. Diese Japanbilder wird man so schnell nicht vergessen, weil man sie wie ein privates Fotoalbum immer wieder ansehen will.

Kalender Deutsche Geschichte 2020

Wenn ein Jahr zu Ende geht, erinnert man sich gern an das, was war. Fast schon im gleichen Atemzug schaut man voraus, freut sich auf das, was kommen wird. Das erinnert auch gern schon mal an eine Rateshow.

Und genauso beginnt auch dieser Kalender. Das Jahr 2020 beginnt auch gleich mit einem Jubiläum. Am 2. Januar 1955 – also vor 65 Jahren – wurde zum ersten Mal die Sendung „Ja oder Nein“ ausgestrahlt. Berühmt geworden ist sie sechs Jahre später unter dem Titel „Was bin ich?“. Robert Lembke wurde zu einer der Kultfiguren im TV und ist bis heute eine Marke.

Ebenfalls eine Marke, die ein Jubiläum feiert ist der DFB, der Deutsche Fußballbund. In jüngster Zeit immer mehr in der Kritik stehend, war es die Gartenkneipe „Zum Mariengraben“ in Leipzig, die als Wiege des deutschen Fußballs anzusehen ist. Die Satzung wurde am 28. Januar 1900 verabschiedet. Wenig verwunderlich, dass auch der erste Deutsche Meister aus Leipzig kam, der VfB Leipzig, der als Nachfolgeverein des 1.FC Lok Leipzig zwischenzeitlich in der ersten Bundesliga spielte, um kurz darauf in den Untiefen des Vergessens begraben wurde.

Ein deutsch-deutsches Phänomen, was ebenfalls wieder in der Kritik steht, war und ist die Sommerzeit. Die wurde gleichzeitig in Ost und West am 6. April 1980 eingeführt. Ihr wird wohl ein ähnlich kurzes Leben wie der DDR beschieden sein. Denn schon in absehbarer Zukunft muss man nicht mehr zweimal im Jahr am Räderwerk drehen. Das Bild zur Einführung der Sommerzeit ist ein echter Hingucker. Denn welcher Schlagerstar war wohl mit der Umstellung der Uhren als Werbegesicht bekannt? Die Woche Karwoche verrät es.

Von politischen Ereignissen über Naturkatastrophen bis hin zu so genannten Lustlagern bietet dieser Kalender einen bunten Über- und Rückblick auf mehrere Jahrhunderte deutscher Geschichte. Vieles ist schon wieder in Vergessenheit geraten, bei manchen ist man erstaunt, dass man sie schon wieder vergessen hat. Jede Woche wird montags mit einem Aha-Erlebnis beginnen.

Kartenwelten

Landkarten haben trotz digitaler Revolution nichts von ihren Mysterien verloren. Kein Piratenfilm, der ohne Schatzkarte auskommt. Keine Reiseband ohne graphische Wegbeschreibung. Keine Wanderroute ohne Kurven und Ecken.

Die Farbenpracht vergangener Karten ist im Laufe der Zeit einer nüchternen Praktikabilität gewichen. Jedoch einfach mal so beispielsweise den Grand Canyon zu kartographieren, das geht auch nicht. Acht Jahre benötigte Bradford Washburn vor rund vierzig Jahren, um dieses Naturschaupiel zu erfassen. Schweres Gerät musste auf Gipfel geschaffte werden. Für Berechnungen standen zwar schon präzise Computer zur Seite. Die Karte selbst zu erstellen, war ein Abenteuer, dessen Ergebnis all die Mühen vergessen ließ.

Eine Karte ist aber nicht immer nur der schnöde Wegweiser, um sicher von A nach B zu kommen. Karten dienen Ökonomen zum Beispiel den Weg von Waren nachvollziehen zu können. Und auch das ist keine Erfindung der globalisierten Gegenwart.

Dieser Prachtband hält sein Versprechen ganze Welten von Karten zu präsentieren. Betsy Mason und Greg Miller lassen phantastische Welten erstehen, die bisher kaum jemand in dieser Hülle und Fülle jemals betrachten durfte. Ist man anfangs noch von der Farbenvielfalt und Detailverliebtheit historischer Karten geblendet, vertieft man sich zugleich in die Texte. Deren Informationsgehalt lenkt nicht von den Bildern ab, sondern schafft ein einzigartiges Kartenuniversum. Museumsreife Karten, Karikaturen (auch dafür eignen sich Karten!) und Abbildungen, die erst auf den zweiten Blick ihr kartographisches Wissen darlegen, geben sich ein Stelldichein, die den Leser immer wieder ins Bücherregal greifen lassen, um die Sinne zu stimulieren. Boston, Hongkong, der Pazifik sind nur drei Beispiele für Karten, die den Leser, der sich wie ein Besucher in einer fremden farbenfrohen Welt fühlen darf, immer wieder Neues entdecken lassen.

Vergessen Sie Schatzkarten! Hier sind die wahren Schätze!

The roaring Twenties

  1. Januar 1920: Roar!!! So einfach war es dann doch nicht. Neues Jahrzehnt und die Sorgen von gestern waren nichts weniger als das, und man konnte das Tanzbein schwingend und Champagne schlürfend die erste weltweite Partygesellschaft feiern. In Deutschland hatte man sich erst vor Kurzem eine Republik zu gelegt, man knabberte immer noch an den horrenden Reparationszahlungen, und der aufkommende Faschismus dient auch nicht gerade als Aushängeschild für ein tolerantes Zusammenleben. Auch wenn es Geld im Überfluss gab …

Im Cafe Größenwahn traf sich die künstlerische Hautevolee und separierte gleich einmal die aus, die ihrer Ansicht nach nicht zum erlauchten Kreis der Eilte gehören durften. Dieser umfasste Brecht, Grosz, Kästner, Kisch, Liebermann. Kokain wurde zur Modedroge, selbst Juweliere fertigten einzig dafür spezielle Döschen an, was den Behörden dann doch zu weit ging und Kokain nur noch auf Rezept erhältlich war.

Während in Paris die Liebe (zwischen Mann und Frau) erblühte wie kaum anderswo auf der Welt, war Berlin das El Dorado für Mann/Mann- aber besonders für Frau/Frau-Konstellationen. Nicht nur auf der Bühne. Gegen Ende der Goldenen Zwanziger war Berlin das geworden, was man sich bis heute unter einer Weltstadt der Zwanziger vorstellt: Kreativzentrum und Sündenbabel zugleich.

Paris und seine Künstleravantgarde, Chicago und seins Al Capone, Lissabons Art Deco, Moskaus revolutionärer Aktionismus – jede Metropole prägte die zwanziger Jahre auf ihre Art und Weise. Von Wien bis Tokio, von Rom bis Shanghai wurden Toren weit aufgestoßen und der Wind der Veränderung wirbelte das Inventar gehörig durcheinander. Bis heute haben die Zwanziger Jahre nichts an ihrer Faszination verloren.

Die Vielfalt dieser Veränderungen überrascht vielleicht nicht jeden, so komprimiert waren sie jedoch selten in einem Buch enthalten. Die beiden Historiker Detlef Berghorn und Markus Hattstein verstehen es mit prägnanten Sätzen die Uhr anzuhalten und um fast ein ganzes Jahrhundert zurückzudrehen. Die ganz- und manchmal doppelseitigen Abbildungen ergeben zusammen mit ihren Texten ein umfassendes Bild einer Zeit, die heute nur allzu oft verklärt in den Köpfen der Menschen herumspukt. Es war nicht alles Gold, schon gar nicht „roar“ in dieser Zeit. Doch die Illusion, dass es so gewesen sein könnte, ist auch schön. Ein bisschen Tatsachenforschung tut dabei aber Not!