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Kulinarische Reise durch Louisiana

Wer gern reist, ist offen für Neues. Und wenn man es sich so richtig gut gehen ließ, ist man nicht abgeneigt, seinen Enthusiasmus mit anderen zu teilen. Mirko Reeh ist Koch. Und er reist gern. Ein kulinarischer Reisender mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Kein Wunder, wenn man Louisiana im Süden der USA bereist und immer der Nase nach sich von Ort zu Ort bewegt.

Mit Unterstützung des Tourismusbüros Louisiana hat er sich auf die Suche gemacht, um den Geschmack des so untypisch amerikanischen Bundesstaates auf die Spur zu kommen. Hier ist alles ein bisschen schärfer, oft auch ein bisschen süßer als daheim. Und da man im Urlaub ist, ist es auch ein bisschen leckerer. Nicht nur ein bisschen! Einen großen Biss leckerer!

Seit Forrest Gump kennen Millionen von Nichtamerikanern auch die Jambalaya. Es einfach nur als Resteverwertung zu bezeichnen, wäre ein Affront gegen jeden Jambalaya-Koch auf dieser Welt. Fleisch und Wurst (Chorizo) anbraten, dazu Gemüse geben und mit Reis kochen. So die Kurzfassung. Schon anhand dieser kurzen Aufzählung sieht man, dass in Louisiana nicht ein Volk die Küche bestimmt, sondern ein ganzer Schmelztiegel – hier passt das Wort endlich einmal – am verzaubern ist. Die Spanier waren die ersten, die den Ureinwohnern ihr Gebiet streitig machten. Dann die Franzosen. 1803 kaufte Präsident Thomas Jefferson Napoleon das Gebiet für fünfzehn Millionen Dollar ab.

Heute ist Louisiana doppelt so groß wie Bayern, zählt aber nur halb so viele Einwohner. Das Land eignet(e) sich nur schwer als Bauland. Und so konnte hier eine Landschaft gedeihen, die man andernorts lange suchen muss. Olfaktorisch und gaumenfreundlicherseits (gibt es dieses Wort überhaupt, nein … aber ein Happen genügt, um zu wissen, was er bedeuten könnte) ist Louisiana ein Unikum auf der Landkarte. Hier strömen nicht nur Einflüsse aus mehreren Ländern, sondern gleich von mehreren Kontinenten zusammen. Da kann vermutlich nur noch Australien, die ehemalige Häftlingskolonie mithalten. Das Feurige aus Afrika und der Karibik. Mehl und Zucker aus der alten Welt. Gewürze und Gemüse vom seit Ewigkeiten hier ansässigen regionalen Anbieter.

Mirko Reeh will aber mit seinem Buch nicht nur Rezepte anbieten. Seine kulinarische Reise führt den Leser durch eine Gegend, die mit ihren Reizen nicht geizt. Aber als leidenschaftlicher Koch sieht er nicht nur mit den Augen, sondern auch mit Nase und Magen. Klingt komisch, ist aber so! Als zusätzlicher Reiseband für all diejenigen, die immer noch ein wenig mit fremden Küchen fremdeln, gibt dieses Buch Hilfestellung bei Magenknurren. Die Rezepte sind einfach nachzukochen (Kochzeit wird immer angegeben), da die Zutaten an die heimatlichen Warenkörbe angepasst sind. Doch Vorsicht, Reisefieber kann man nur mit viel Liebe zum Kochen entgegnen. Und dafür braucht man kein Rezept vom Doc, sondern die Rezepte aus diesem Buch.

La cucina sarda

Na, hier ist doch wohl alles klar! Auch ohne weitreichende Italienischkenntnisse kann man dem farbenfrohen Cover sofort seine Geheimnisse entlocken. Sardinien und lecker Essen. Gehört doch irgendwie auch zusammen, oder?! Und das gleich fünfundachtzig Mal!

Zu einem gelungenen Sardinienurlaub gehört neben einem Strandbesuch, einer ausgedehnten Wanderung durch eine unvergleichbare Natur auch der Besuch eines Marktes und der zahlreichen Feste. Und schon hat Sardinien einen Fest im Griff. Der Duft von Myrte, Rosmarin, und Thymian steigt in die Nase und man wünscht sich, dass der Urlaub niemals enden wolle. Doch das Ende kommt, so viel steht fest. Und dann? Nur ein Urlaub von vielen, an den man sich immer wieder gern erinnert? Jein. Die Erinnerungen verblassen mit der Zeit. Selbige zurückdrehen kann man nicht. Doch sich Sardinien in die Küche, an und auf den Tisch zu zaubern, ist keine Hexerei.

Zur Einstimmung auf den Hochgenuss der einfachen Küche geben Autor Herbert Taschler und Fotograf Udo Bernhart einen kleinen Einblick auf die kommenden über dreihundert Seiten. Das Brot der Erde steht in Sardinien nicht nur sinnbildlich auf dem Tisch. Sardinien und Brot verhalten sich wie Pizza und Neapel – ohne is(s) nich. Dass die Worte nicht vom lauten Knurren des Magens schon bei den einleitenden Seiten verhallen, dafür sorgen die zahlreichen unzähligen Fotografien. Hat man erst einmal die ersten Reisefieberschübe überstanden, lässt es sich vortrefflich durch die Rezepte stöbern. Tartare di ombrina con fichi. Hierfür benötigt man dann doch die deutsche Übersetzung: Tatar vom Schattenfisch mit Feigen. Ist ganz einfach: Den Fisch in Würfel schneiden. Schnittlauch dazu, salzen, pfeffern und mit Öl beträufeln. Drei Viertel der Feigen mit dem Fisch vermengen. Dazu gibt’s … na was wohl? Brot. So einfach kann das Paradies schmecken. Und es ist ein abgerundeter Einstieg ins Buch, das man garantiert nicht ohne abzusetzen durchlesen kann. Wer zu Maharrones mit Tomatensauce, Kartoffel und Ricotta niccht nein sagen kann, der wird sich auch an dem Kapitel über den sardischen Sherry nicht satt lesen können. Vegetarier können beruhigt sein, auch für ihren Geschmack halten Insel, Autor und Fotograf einiges parat. Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, Vermentino und Chiliflocken lassen einen vor Ungeduld schon an den Nägeln knabbern.

Ein rundum gelungenes Buch, das als aperitivo Appetit macht und nach einem Sardinienurlaub die schönste Zeit des Jahres auf einer der schönsten Inseln des Mittelmeeres unvergesslich macht.

La cucina veneziana

Denkt man sich die Touristenmassen, den Schifffahrtswahnsinn und die zahlreichen Besucherfallen in der Lagunenstadt weg, bleibt die Essenz der Serenissima übrig. Und die wird am Mittagstisch oder beim Dinner deutlich: Vielfältig, delikat, schmackhaft und ein bisschen anders als in Mailand, Rom und Neapel. Schon früh erkannten die Stadtväter, insbesondere der Doge, dass die kulturelle Vielfalt einen Mehrwert in jeglicher Hinsicht darstellte. Deswegen erließen sie ein Gesetz, dass jeder zugeriesten Kultur es erlaubte eine Besonderheit ihrer angestammten Provenienz beizubehalten. Wie weitsichtig, bis in die heutige Zeit – nachahmenswert. Und so kommt es, dass auf venezianischen Tellern eben nicht nur Erzeugnisse aus der Region die Sinne erfreuen, sondern auch Exotisches in der Lagunenstadt als „Eigengewächs“ die Phantasie anregt. Gerd Wolfgang Sievers hat sich davon anstecken lassen. Er ist für die Lesedauer des Buches der wissende Connaisseur für den Leser, den Feinschmecker, den Besucher der Stadt.

„La cucina veneziana“ ist bei seinen Recherchen aber keineswegs ein reines Kochbuch geworden. Dieses Buch ist der kulturelle Rundumschlag zu Tische! Den Brückenschlag zwischen den Welten der Erde haben die Venezianer selbst gelegt. Als Großmacht des Mittelalters befuhren zahllose Schiffe die Meere und brachten aus aller Herren Ländern Gewürze, Pflanzen und Kräuter mit in Lagunenstadt. Der Autor hat die (mittlerweile wieder neu erworbenen) Erkenntnisse in diesem Buch zusammengefasst. Und so darf man von der Couch aus, vom Küchentisch aus, an Schneidebrett und Küchenmaschine Venedig aus der Ferne schon einmal vorentdecken. Denn eines steht fest: Wer nach dem Genuss dieses Buches und auch nur eines der darin beschriebenen Gerichte nicht sofort ans nördliche Ende der Adria will, darf sich nie wieder Genießer nennen!

Mit einem (oder gleich mehreren) Ciccheti beginnt die kulinarische Reise in die Stadt von Commissario Brunetti. Geröstete Scheiben Brot, die reich belegt den Mundraum mit Aromen erfüllen. Oder wie wäre es mit einem Insalata die Dogi? Mit Spargel, Garnelen und feinstem Olivenöl? Bevor Gerd Wolfgang Sievers das Rezept zum Besten gibt, verweist er den Leser auf die Schulbank. Doch kein erhobener Zeigefinger trübt die Aussicht auf ein leckeres Mahl, vielmehr ist es ein spannungsgeladener Ausflug in die Geschichte. Ein Appetitanreger, der primo piatti und secondi piatti sehnsüchtig herbeiruft. Die kommen in Gestalt von frittata di San Marco, Bigoli con salsa und natürlich risotto daher. Risotto alla sbirraglia, risotto de gò, risotto co le sécole etc. Und wenn man so richtig eingestiegen ist in die Kulinarik Venedigs verzaubern Bodoletti all muranese, Seppie col nero oder Tettine alla venexiana den immer noch appetitheischenden Gast. Auf dem heimweg schwärmt man immer noch von Fave die morti, Sprumiglie oder Baicoli.  Ein hartes Los, wenn man nur davon liest. Ein wenig abgemildert durch die ausführlichen Einleitungen des Autors zur Herkunft dieser Speisen. Heilung verspricht da nur eine Reise an die Kochtöpfe Venedigs. Adressen hat Gerd Wolfgang Sievers wohlwissend gleich beigefügt.

Es sind Bücher wie diese, die die Sehnsucht nach dem Süden schüren und sie zugleich zu bändigen wissen. Detailreich und mit jeder Silbe nachvollziehbar, bereichert der Autor die Faszination für eine Stadt, die jährliche das Zigfache ihrer Einwohnerzahl als Touristen ertragen muss. Nur wer sucht, wird das Venedig aus diesem Buch finden. Allerdings hat jeder Besucher nun dank dieses Buches die Möglichkeit dazu.

Durch den Süden Frankreichs

„Umso weniger man denkt, desto einfacher wird es“, mit dieser epochalen Erkenntnis reicht es allenfalls für ein projektbezogenes „Kommentatoren“-Engagement in einer Randsportart. Wer mit dieser Einstellung Frankreich im Allgemeinen und dessen Süden im Speziellen erleben will, kommt über Bouillabaisse und Sonnenbrand nicht hinaus!

Manfred Hammes liebt die Côte d’Azur, die Rhône, das Languedoc, den Train de pigne … halt alles, was im Süden Frankreichs den Süden Frankreichs ausmacht. Und das spürt man mit jeder Zeile dieses Buches, mit dem man diesem einzigartigen Landstrich näher kommt und ihn in sich aufsaugt. Ein Reiseband soll Appetit machen, Hilfestellung leisten und die richtige Weg anzeigen. Das tut dieses Buch! Doch es erlaubt dem Leser / Reisenden mehr als nur einen Blick über den Fischsuppentellerrand hinaus.

Sechzehn Postkarten schickt Autor Manfred Hammes an den Leser. Sechzehn Kapitel verführen, verzaubern und lassen den Leser sich in eine Region verlieben, die mit offenen Armen auf Besucher wartet, doch ihre wahren Schätze nur dem Neugierigen offenbart. Joseph Roth und Vincent van Gogh bereichern gleich das erste Kapitel. Letzter war dermaßen von dem Licht angetan, dass er es sich nicht vorstellen konnte jemals wieder woanders zu malen. Eine unglückliche Liebe, wie hinlänglich bekannt ist. Doch die Provence ohne van Gogh wäre auch irgendwie unvorstellbar. Wesentlich kühler ist es, wenn der Mistral durchs Rhônetal bläst. Dann sinken die Temperaturen sichtbar – im Ernst: Wer das Thermometer währenddessen beobachtet, kann den Temperaturabfall nicht nur spüren, sondern auch sehen.

Doch man fährt nicht in die Provence, an die Côte oder in die Pyrenäen, um van Goghs Motiven nachzujagen oder dem Thermometer beim Sinken zuzuschauen. Man will ein Lebensgefühl in sich aufnehmen. Und dazu gehört auch Wein. In loser Reihenfolge berichtet Manfred Hammes über die Flüssigkeit, die in Maßen ein Genuss ist, bei Mangelerscheinungen Objekt der Begierde ist und im Übermaß den Kopf wegen zu viel Input anschwellen lässt.

Zu viel Input kann man diesem Buch nicht vorwerfen. Es gibt halt nur zu wenig Zeit, um alles aus diesem Buch zu besuchen, auszuprobieren oder nachzuempfinden. Wobei das Nachempfinden ganz einfach ist. Besonders mit diesem Buch in der Hand oder zumindest im Reisegepäck. Siebenhundert Seiten sind kein Leichtgewicht. Aber Kultur hat nun mal ihren Preis! Den Preis des Wissens und des Abenteuers. Es ist ein Leichtes sich Land und Leute eigen zu machen ohne dabei anzuecken.

„Literatur, Kunst, Kulinarik“ lautet die Unterzeile des Buches. Es ist schwer eine rundum funktionierende Handhabung des Buches zu empfehlen. Wer den Süden Frankreichs besuchen will, aber partout nicht weiß, wohin, dem fällt die ehrenvolle und segensreiche Aufgabe zu die siebenhundert Seiten zu lesen. Wer sich in Nizza, Perpignan, Montpellier auskennt wie in der sprichwörtlichen Westentasche, findet in den Ecken selbiger noch so manchen Krümel Wissenslücke, der ihm bisher verborgen blieb. Wann und wo auch immer man dieses Buch in die Hand nimmt, wird man fündig, um die nächsten fünf Minuten oder fünf Urlaube gehaltvoll verbringen zu können. „Durch den Süden Frankreichs“ ist mehr als nur eine Ergänzung zu einem klassischen Reiseband. Ohne dieses Buch ist Südfrankreich nur der Süden unseres Nachbarn, mit diesem Buch ist dieser Landstrich die zweite Heimat, die man jeden Tag neu entdeckt.

Clos Gethseman

Wie bringt man das älteste Weinbaugebiet der Welt, Jacques Cousteau, Pablo Picasso und Sisi zwischen zwei Buchrücken? Indem man vier Bücher schreibt, eines über jeden. Bliebe da noch das Problem mit den ZWEI Buchrücken. Es ist eine wilde Hatz, der man gerne folgt, wenn Walter Hönigsberger diesen vier berühmten Namen ein paar weitere zur Seite stellt und einen Krimi von biblischem Ausmaß schreibt.

Karl Breitenstein hat von seiner reichen Tante geerbt. Und zwar für Körper und Geist. Ein Dach überm Kopf muss er nicht mehr suchen – gut für den Körper. Und für den Geist hat die liebe Erbtante reichlich Rebensaft hinterlassen. Nicht irgendwelche Weine, besondere Weine. Und Karl konnte seinen Job an den Nagel hängen. Jetzt besteht sein Lebensinhalt darin dem Geist des Weines auf den Grund zu gehen. Bodensatzleserei? Bei Weitem nicht. Mittlerweile ist er ein ausgewiesener Experte, wenn es darum geht alte – noch trinkbare – Weine aufzustöbern.

So trifft er auch Jakob Jünger, dessen Alter so gar nichts mit seinem Namen zu tun zu haben scheint. Schon seine Vorfahren gaben sich dem Weinbau hin. Und so baut er nicht nur Wein an, sondern ist sogar dem Nachwuchsexperten Breitenstein um Längen voraus. Er und seine Vorfahren tranken schon Weine mit Picasso und anderen Größen ihrer Zeit.

Marion Drygalski ist Journalistin, und mit Karl Breitenstein bildet sie ein Paar. So trifft sie eines Tages einen Weinhändler, der sie umschmeichelt, dass es ihr fast den Magen umzudrehen droht. Er war schon mit Jacques Cousteau auf den Meeren der Welt unterwegs. Doch nicht, um Fischen die Flosse zu reichen, sondern nach versunkenen Schätzen zu suchen. Denn so manches gesunkene Schiff hatte reichliche Wein an Bord. Auf diesen Händler stößt sie als sie zu einem dreisten Weinrebenraub recherchiert. Unbekannte haben dem Emporkömmling der Weinszene die Reben auf dem Boden geholt. Ein immenser Schaden.

Und was ist mit Sisi? Die liegt bekanntermaßen in der Kapuzinergruft in Wien. Jetzt wird’s fiktional – die Gruft stürzt in sich zusammen. Ein großer Schock für die Kulturwelt. Doch auch für den wissbegierigen Weinhändler. Dessen Kellergewölbe, das voller Schätze ist, grenzt nämlich unmittelbar an die Gruft. Währenddessen ist Karl Breitenstein in Georgien unterwegs. Und stößt auf ein welterschütterndes Geheimnis…

Walter Hönigsbergers wilder Ritt durch die Geschichte fesselt ab der ersten Seite. Er holt weit aus, um die Charaktere zu bestimmen. Und gleichzeitig zieht er den Leser immer tiefer in seinen Bann. Reichlich vierhundert Seiten lang zerrt er den Leser von einem Ort zum nächsten, spannt Brücken vom Damals ins Heute und zeichnet ein Bild der Zukunft, dass einem der Atem stockt.

25 begeisternde Erdbeerrezepte

Fünfundzwanzig Mal Erdbeeren – ein guter Anfang für Erdbeerista! Doch die Nuss, es ist nun mal eine, da lässt sich nichts daran rütteln, ist mehr als nur eine leckeres Saison-„Obst“.

Dieses Buch ist zwar nicht so dick wie die Bibel, doch ist ihr Stellenwert für Leckermäuler nicht darunter einzuordnen. Sie nennen sich Mieze Schindler, Florence, Senga Sengana oder Mara de Bois und sind alle verschiedene Sorten Erdbeeren, die den Geschmack des Sommers verkünden.

Schon mal Erdbeeren zum Barbecue genossen. Als Soße mit Chili, Knoblauch, Tomatenmark und allerlei weiteren Zutaten ein Genuss, der schon beim Rezeptlesen die Geschmacksnerven verrücktspielen lässt.

Oder Erdbeeren mit Kokosmilch als Marmelade. Oder als Füllung für Piroggen. Oder als Freakshake. Freakshake? Was soll das denn sein? Eine überreife Banane und einen Viertelliter Milch pürieren. , ein halbes Pfund Erdbeeren, 100 ml Sahne und noch einmal 50 ml Milch dazu geben. Schokolade über einem Wasserbad erhitzen, Alles vermengen und zum Schluss Schlagsahne drauf. Wer das liest, schmeckt schon die Explosion im Mund und scharrt mit den Füßen, dass es endlich wieder frische Erdbeeren gibt.

Wer nicht so lange warten kann, hat sicherlich zuvor gelesen, wie man Erdbeeren nachhaltig einlagert. So manches Rezept scheint auf den ersten Blick ein wenig zu gewagt. Sauerampfer und Erdbeeren für ein panna cotta? Warum nicht! Ob man sich selbst belohnen will oder anderen eine Freude machen will – mit den Rezeptideen aus diesem Buch kann man gar nicht falsch liegen.

Das Herz-Kochbuch

Mal wieder oder öfter was Gutes essen. Ein Vorsatz, den man sich gern an Silvester vornimmt. Doch schon beim ersten Einkauf im neuen Jahr, liegen die Chips wieder im Einkaufswagen. Dahin die rosige Zukunft…

Naja, so schlimm wird’s schon nicht werden. Generationen von Menschen haben lange gelebt und sich dabei nicht gerade gesund ernährt…

Nur zwei Meinungen, die immer wieder ans Ohr dringen, wenn es um gesundes Essen geht. Der menschliche Körper ist ein Zirkulationsmechanismus. Wie Newton schon erkannte, hat jede Aktion eine entsprechende Reaktion zur Folge. Yin und Yang. Gute und Böse. Wie auch immer man es nun bezeichnen möchte. Unser Körper hat dabei eine zentrale Steuerungseinheit: Das Herz. Zu reinigendes Blut kommt rein, gereinigtes Blut wird wieder ausgestoßen. Und das tausendfach am Tag.

Und dieses Herz muss – nicht erst ab einem bestimmten Alter – geschmiert werden. Geschmiert nicht nur im wortwörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne. Gibt man ihm zu viel zu tun (Stichwort Chips oder Stress), läuft es zu lange auch Hochtouren. Und das kennen wir unter anderem vom Auto, das geht nicht lange gut.

Gun-Marie Nachtnebel und Annika Tidehorn ist es eine Herzensangelegenheit dem Leser Tipps und Anregungen, vor allem aber auch Denkanstöße mit auf den Weg zum gesünderen Leben zu geben. So beginnt das Buch nicht mit lukullischen Leckereien, sondern mit einer Unterrichtsstunde, warum das Herz durchaus mit Leckerlis gefüttert werden darf, kann und soll. Denn – wie erwähnt – wenn die Pumpe schlapp macht, hilft kein so flacher Bauch und auch kein so durchtrainierter Bizeps. Dann ist Schluss!

Deswegen ist dieses Buch auch kein Diätplan-Drill-Seargant, sondern der wohlwollende Herzensfreund. Die Einführungskapitel dienen dazu die Notwendigkeit des bewussten Genießens darzustellen. Kennt man den Unterschied zwischen guten und schlechtem Fett, vor allem wie man es erkennt und vermeiden kann, geht es im zweiten Teil um den Genuss. Marokkanischer Suppentopf mit Kichererbsen. Mit Vitamin C und Kalium – gut fürs Herz, wärmend für den Körper und sättigend. Oder wie wäre es mit Erdbeersalat mit Basilikumdressing. Gelbildende Ballaststoffe, die sind gut fürs Herz. Aubergine und Zucchini mit Pesto. Wenn man es mit Mineralsalz zubereitet, wird zusätzlich noch der Natriumkonsum verringert.

Es ist sicherlich nicht einfach seine Mahlzeiten auf den Körper ausgerichtet auszuwählen und die Zutaten mit Bedacht einzukaufen. Aber mit ein wenig Ehrgeiz – schließlich tut man es für sich selbst, also dem Menschen, dem man am nächsten steht – und diesem Buch fällt einem so manche Entscheidung einfacher als bisher vermutet. Und das es schmeckt, steht außer Frage.

Gscheitgut – vegetarische Küche

Man soll aufhören, wenn‘s am schönsten ist! So ein Quatsch! Da legt man erst richtig los! Das dachten sich wohl auch Corinna Brauer und Michael Müller. Ihre „Gscheitgut“-Kochbücher überzeugten von Anfang an mit leicht nachvollziehbaren Rezepten und einer angenehm unaufgeregten Aufmachung. Teil zwei stand dem Erstling in nichts nach. Ein Teil Drei wäre zwar die logische Fortsetzung gewesen, hätte aber die treuen Fans des Michael-Müller-Verlages ein wenig enttäuscht. Also musste was Neues her, dass aber Teil Eins und Zwei lediglich als Vorgänger dastehen lässt. Eine vegetarische Variante – mehr als nur ein Gedankenspiel, ein echter Hingucker und Leckerschmecker … auch für die, „die den Tieren nicht das Futter wegschnappen“.

Saisonal und regional muss es heutzutage ja immer sein. Das ist nicht verkehrt, wird nur allzu häufig übertrieben und falsch bewertet. Wenn der Bauer von nebenan ein Hobbychemiker ist, nützt dem Verbraucher die beste Saisonalität und die beste Regionalität gar nichts. Bei all der political correctness wird viel zu oft das Eigentliche unterschlagen: Es muss schmecken! Und da kann es (wie oft muss jeder für sich selbst entscheiden) auch mal vegetarisch sein.

Die Scheu vor dem Neuen, dem Fleischlosen muss wohl kaum noch jemandem genommen werden. Dennoch ist die vegetarische Küche für die meisten ein Bermudadreieck, in das man sich nicht verläuft. Das kulinarische Dreieck dieses Buches befindet sich zwischen Memmelsdorf, Marloffstein und Bärnfels. Nie gehört? Na dann auf zum fröhlichen Schmausen durch die Jahreszeiten!

Spätestens wenn die ersten Sonnenstrahlen wieder Gemüt und Natur erwärmen, wird es Zeit Neues auszuprobieren. Auf den ersten Seiten erwartet den Leser zum Beispiel ein Brennnesselflan mit Tomatenragout. Dafür benötigt man 100 Gramm junge Brennnesselblätter (kann man selbst “jagen“), ebenso viel Spinat, eine halbe Zwiebel, eine Knoblauchzehe, 80 Gramm Butter, 400 Gramm Sahne, sechs Eier, Muskatnuss sowie Salz und Pfeffer. Allesamt Zutaten, die man mühelos besorgen kann. Auch für das Ragout sind alle Ingredienzien generell verfügbar: Tomaten, Knoblauch, Zwiebel, Olivenöl und Basilikum. Zum Abschmecken wie immer Salz und Pfeffer. Brennnessel- und Spinatblätter (ohne Stiel) waschen, blanchieren, abschrecken, ausdrücken und hacken. Zwiebel und Knoblauch glasig dünsten und würzen. Sahne rein, pürieren und die Eier untermixen. Wieder abschmecken. Nun vier Förmchen ausbuttern, die Masse bis zum Rand einfügen und im Wasserbad im Backofen eine Viertelstunde bei 170 Grad stocken lassen.

In der Zwischenzeit kann das Ragout zubereitet werden. Naschen erwünscht und erlaubt! Tomaten schälen und vierteln. Öl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch dazu, und wenn alles glasig ist, die Tomaten dazugeben. Abschmecken und das Basilikum untermischen. Nun müssen nur noch die Flans darüber gestülpt werden. Alles keine Hexerei, geht schnell und schmeckt.

Wer es nicht erwarten kann, wirft schon mal einen Blick voraus in den Sommer: Dort wartet ein leichtes Thymian-Zitronen-Mousse mit Minzgelee. Oder im Herbst eine Blumenkohlsuppe mit Birnen. Im Winter wird es wieder traditionell bei einem Pfannkuchen mit Apfel-Zimt-Kompott.

„Gscheitgut“ ist die Kochbuchreihe zum Verreisen. Eine Wanderung durch Franken zwischen Bamberg, Erlangen und Bayreuth, auf der sich jede Einkehr lohnt. Auch für Vegetarier. Und für alle, die mal was Neues probieren wollen. Den beiden Autoren merkt man die Lust am Entdecken, Naschen und die Hingabe zum „leckeren Buch“ auf jeder Seite an. Und wer es partout nicht lassen kann, nicht zu kochen, der benutzt „Gscheitgut – vegetarische Küche“ eben als Wanderführer. Denn alle Rezepte wurden auf den zahlreichen Erkundungstouren gesammelt. Kartoffelrisotto mit Pilzen und Petersilienpesto, Beerenlasagne oder Salat vom Bamberger Hörnchen und Birnen mit Hagebuttenschaum gibt es vielleicht nicht überall, aber es gibt sie. Man muss nur wissen, wo man sucht. Lösungsansätze stehen im Buch!

Frankreich á la carte

Essen wie Gott in Frankreich. Schreiben über das Essen wie Gott in Frankreich. Lesen, um das Leben wie Gott in Frankreich zu fühlen. „Frankreich à la carte“ ist die Spitze dieser Assoziationskette. Autoren wie zum Beispiel Émile Zola, Gustave Flaubert oder Alexandre Dumas haben Romane geschrieben, die ein Spiegelbild ihrer Zeit waren. Und dazu gehört nun mal auch die Nahrungsaufnahme mit Genuss oder als Notwendigkeit.

Das Baguette ist so eng mit Frankreich verbunden wie kaum ein anderes Gericht. Doch das kulinarische savoir-vivre nur mit dem braungebrannten Teigling in Verbindung zu bringen, kommt dem Ruf der Cuisine unseres Nachbarn nur im Ansatz nahe.

Man setzt sich an den Tisch mit Größen der französischen Kultur. Trinkt einen Tropfen Roten. Kommt ins Schwärmen. Seite für Seite wird das Barrett zurechtgerückt und Zeigfinger und Daumen öffnen sich blitzartig, wenn man sie von den Lippen wegstößt. Mmmmh excellent!

Anthologien machen von jeher Appetit auf Weiterlesen. Sie sind die amuse geuele aus der Schreiberwerkstatt, die oftmals zur Küche des guten Geschmacks wird. Madame de Sévigné zum Beispiel berichtet in einem ihrer berühmten Briefe an Madame de Grignan von einem opulenten Mahl. Zugegen war auch der König, Ludwig XIV., der Sonnenkönig. In diesem Brief setzte sie ein weiteres Mal dem Hofhofmeister und Koch, Vatel, ein Denkmal. Leider hatte der an diesem Tag nicht gerade viel Glück. Zu viele Gäste, zu wenig Braten. Vatel war untröstlich. Was heißt untröstlich, gekränkt und enttäuscht von sich selbst, war er. So sehr, dass ihm das Schwert näher war als der Trost der Anwesenden. Es war das letzte Mahl, das er zubereitete.

Je mehr man in dieses Buch vordringt, desto appetitlicher zeigen sich die Seiten. Keine Exkurse in die Exotik der Froschschenkel und Gänsestopfleber, vielmehr eine kulturhistorische Reise, die selbst Jahrhunderte später immer noch für Magenknurren und Kopfzerbrechen sorgt. Kopfzerbrechen, weil die wohl gewählten Worte ihre Wirkung nicht verfehlen. Political correctness und falsch verstandene Zurückhaltung sind ad acta gelegt, es regieren die Genüsse und lassen den Leser mit einem knurrenden Magen zurück.

Hunger und Appetit sind es, die man benötigt, um dieses Buch vollständig aufsaugen zu können. Auch wenn in Frankreich „auch nur mit Wasser gekocht wird“, so sind es die Zutaten eines Marcel Proust oder der Durst eines Guy de Maupassant, die dem Leser das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Wie ein elegantes Menü mit mehreren Gängen verführen die Autoren den Leser zum Schmatzen und Schwelgen in den delikatesten Speisen, die je ersonnen wurden. Bon Appetit!

Kuchen steht Kopf

Wer backen lernt, weiß, dass erst der Teig in die Form gegeben wird, und dann wird dekoriert. Dieses Buch stellt Jahrhunderte alte Traditionen auf den Kopf. Denn von nun an wird alles auf den Kopf gestellt und zuerst die Deko, Früchte und Verzierungen in die Form gegeben. Der Teig bildet das Schlusslicht beim Backen. Geht das überhaupt? Schmeckt das?

Getreu dem Buchtitel wird zuerst die letzte Frage beantwortet: Ja! Doch nur unter der Bedingung, dass mit Phantasie und Liebe gebacken wird. Das dürfte kein Problem sein, wenn man dieses Buch zur Hand hat und auch nur ein wenig darin herumblättert.

Also zuerst kommen die Früchte in die Form. Diese wurde zuvor mit Karamell oder Zucker ausgestrichen. Kurz schlucken. Alles ein wenig anziehen lassen und dann den Rührkuchenteig darüber geben. Ab in den Ofen. Warten. Warten. Warten. Fertig. Jetzt nur noch umstülpen. Und … wieder warten – warmer Kuchen schmeckt zwar lecker, aber man kann sich das Leckermäulchen verbrennen!

Welch Duft sich breitmacht und in welcher Pracht sich der Kuchen präsentiert! Denn weil man die oberste Schicht zuerst eingebracht hat, ist das optische Ergebnis umso überraschender. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ob eine Zahl aus Früchten für Geburtstage oder kreative Muster als Aha-Effekthascherei – Lobeshymnen werden die Folge sein.

Äpfel und Erdnüsse oder Mohn, Birne und Honig, Heidelbeeren, ob ganze Torten oder kleine Törtchen – Christelle Huet-Gomez hatte sichtlich Spaß am Ausprobieren und Backbuchschreiben. Rhabarber zaubert ein tolles Muster in den Teig. Beim Anschneiden läuft einem nicht nur das Wasser im Mund zusammen, es wird zeitgleich auch der Sehsinn stimuliert. Wie große Dominosteine (nicht das Gebäck, sondern das Spiel) kommt der Aprikosen-Karamell daher. Wenn Kirschen hinzukommen, entsteht ein feuriges Rot auf dem Kuchen.

Backen für alle Sinne könnte der Untertitel des Buches lauten, der dann ja eigentlich der Haupttitel wäre, wenn alles auf dem Kopf steht. Wird der Kuchen erstmal serviert, ist die Freude groß. Wenn man dann noch kundtut wie die Kuchentafel um den Hauptdarsteller entstanden ist, stehen alle Kopf. Ziel erreicht – Buchtitel bestätigt – „Kundschaft“ zufrieden. Was will man mehr?!