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Neapel abseits der Pfade

Was gibt es Schöneres als an einem Samstagnachmittag durch die Gassen von Neapel zu streifen? Nicht jeder kann sofort in den Flieger steigen und gen Süden abdüsen – aber muss es denn immer gleich die Reise in den Süden sein, um selbigen zu erleben? Im Falle von Neapel ist die Antwort nicht ganz so einfach. Ja, die Stadt hat sich ihren Charme bewahrt, auch ihre Klischees.

Das weiß auch Elisabetta De Luca. Sie ist gebürtige Neapolitanerin, lebt in Wien und hat ein Buch über Neapel geschrieben, das mit Insidertipps von vorn bis hinten reichlich belegt ist.

Es ist ein sehr persönliches Buch, das Elisabetta De Luca geschrieben hat. Schließlich besucht sie ihre Familie, die hier immer noch lebt. So kennt sie auch so manchen versteckten Ort, der zur Einkehr einlädt und zum Hauptniederbetten ideal, weil ursprünglich ist. Da dieses Orte nun in ihrem Buch stehen, werden sie wohl nicht länger als absoluter Geheimtipp gehandelt werden können.

Die Autorin vermeidet es – der Leser nimmt es wohlwollend zur Kenntnis – vorgefertigte Routen anzugeben. Wer also von einem Markt zum nächsten Museum wandern will, und dabei links und rechts mit Highlights bombardiert werden möchte, muss zwischen den Zeilen lesen. „Neapel abseits der Pfade“ ist eine Liebeserklärung an Napoli. Fast unscheinbar zieht Elisabeta De Luca den Leser in eine Stadt hinein, deren Faszination nicht aus Architektur und anderen historischen Hinterlassenschaften besteht, sondern wie kaum eine andere Stadt auf der Lebendigkeit ihrer Bewohner gründet. Eine caffé hier, ein bisschen Pasta dort. Wer eingeladen wird, Gastfreundlichkeit wird hier nicht nur groß geschrieben, sondern gelebt, sollte die Einladung annehmen. Diese These untermalt sie eindrucksvoll mit Anekdoten aus ihrem eigenen Leben, so dass dieses Klischee einfach stimmen muss.

Neapel scheint sich auf den Straßen und Gassen abzuspielen. Spielen im wahrsten Sinne des Wortes. Napolitaner sind Schauspieler, aber nicht um zu täuschen, sondern um gestenreich sich selbst zu inszenieren. Die ganze Stadt ist stetig in Bewegung, und wenn es einmal still steht, dann ist da immer noch das Sprachengewirr einer internationalen Millionenstadt.

Die Touristenströme hat sie gesehen, und Elisabetta De Luca hat sie gemieden. Das kommt dem Leser zugute, der nun weiß, dass er einen unterhaltsamen Samstagnachmittag verlebt hat, aber im Gegenzug sich eingestehen muss, dass zum vollkommenen Neapel-Glück nur noch eines fehlt: Die Stadt noch einmal persönlich zu erobern. Die Vorbereitungen sind mit der letzten Seite des Buches abgeschlossen. Mehr braucht man nicht! Fazit: Neapel ohne dieses Buch im Handgepäck wäre wie Pizza Margherita nur mit Mozzarella: Überall nur weiße Flecke. Ohne das frische Grün für das Leben und ohne das Rot des Lebens.

Kulinarische Reise mit Mirko Reeh – Philadelphia

Schon beim bloßen Erwähnen der Stadt Philadelphia gibt es nicht wenige, die eine kleine Melodie unter den Namen der Stadt legen. Die Werbung macht’s möglich!

Bevor Koch Mirko Reeh seine Nase in die Kochtöpfe der Stadt der brüderlichen Liebe steckt, macht er mit dem Leser einen kleinen Rundgang durch die Stadt, ihre Geschichte und zeigt, was die Stadt so einzigartig macht. Hier wurde die amerikanische Verfassung geschrieben und hier wird dieses hohe Gut immer noch hochgehalten. Philadelphia ist sicherlich eine der europäischten Städte auf dem amerikanischen Kontinent. Das spiegelt sich auch in der Küche wider. Dass man während der Philly Beer Week in Juni nicht unbedingt Cola oder Table Water beim Kellner bestellen sollte, versteht sich von selbst. Wer jedoch einen warmen Batzen Emmentaler oder Gouda erwartet, wenn er eine Cheesesteak bestellt, bekommt große Augen, wenn sich vor ihm ein Riesensandwich auftut. „Wiz Wit“ bedeutet, dass zwiebeln auf dem Fleisch liegen, wer’s nicht mag, bestellt sein Cheesesteak „Wiz Wit-Out“. Gleichzeitig outet man sich nicht sofort als Touri, der zwanghaft nur das Typische aus Pfannen und Töpfen ordert. Wenn man sich doch derart hervortun will, gibt es keine Ausrede 4300 Silverwood Street zu meiden. Pretzel vor der Silberbrezel – so viel sei verraten.

Und noch eine Besonderheit in Sachen Gaumenfreude bietet die Stadt. Hier gibt es – wegen der strikten Auflagen für den Alkoholausschank – BYOB-Restaurants. Bring You Own Beer bzw. Bring Your Own Bottle. Ja, wer nicht auf Alkohol zum Dinner verzichten will, bringt sein eigenes Getränk mit. Und ein paar Dollar Korkgeld sollte man auch einstecken.

Hat man diese Besonderheiten als gegeben hingenommen, fordert Mirko Reeh den Leser nun zum Tanz auf den heißen Kochplatten auf. Scrapple. Kein Schreibfehler, weil kein Buchstabenrätsel. Die Amish aus der Countryside Philadelphias haben dieses außergewöhnliche Rezept in die Stadt getragen. Maismehl undSchweinfleisch werden vermengt, in Scheiben gepresst und gebraten. Schon zum Frühstück eine deftige Variante.

Ebenfalls auf die Hand lassen sich Amish Donuts mit Nüssen und Rosinen leicht und schnell vertilgen. Als musikalischen Abschluss (dieser Aufzählung, nicht eines Dinners) wird einem Meat Loaf vorgesetzt. Nicht der Sänger, sondern – hier nur die Zutaten – Kalbfleisch, Basilikum, Rosmarin, Thymian, geriebener Käse, Eier, Zucchini, Paprikaschoten, Zwiebel, Mais, Öl, Salz, Pfeffer und Butter. Bis auf den Mais würde man bei dieser Einkaufsliste wohl kaum ein typisch amerikanisches Gericht erwarten, oder?!

Philadelphia ist anders als viele Städte der USA. So auch die Küche. Mirko Reeh arbeitet mit viel Liebe zum Detail die Besonderheiten dieser Küche heraus und serviert dem Leser ein reichhaltiges wie abwechslungsreiches Menü, das man sich allen Sinnen schmecken lassen sollte.

Kulinarische Reise mit Mirko Reeh – Illinois

Da schlendert man so vor sich durch die Buchhandlung seiner Wahl. Lässt die Finger über die Bücher fahren. Bayrische Küche – Knödel und Schweinsbraten. Schwäbische Küche – Spätzle, Knöpfle und Co. Italienische Küche – Pasta in allen Variationen. Illinois – äh, ja, was hat es denn Illinois in den USA zu bieten? Auf Anhieb fällt da wohl kaum jemanden etwas Passendes ein. Chicago kennt man. Dass die Hauptstadt Springfield heißt, nein hier wohnen nicht die Simpsons, wissen nur wenige. Doch es gibt ja Mirko Reeh. Der kann kochen und war schon in Illinois. Und in seinem Buch über seine kulinarische Reise in den Präriestaat findet wirklich jeder etwas, das er gern einmal seinen Gästen kredenzen wird.

Die Küche von Illinois ist keine Küche mit besonderen Kreationen, die es ausnahmslos nur vor Ort gibt. Vielmehr hat man sich im Laufe bei anderen Küchen bedient und eigene Variationen entwickelt. Keine Angst, dass man in Chicago einen Blaue-Bohnen-Salat vorgesetzt bekommt. Die Zeiten von Al Capone sind vorbei. Doch eine Deep Dish Pizza wird man außerhalb des Staates kaum bekommen. Es ist eine besonders dicke Pizza, die in mehreren Lagen belegt wird. Der Teig bildet eine Schale, in die die Zutaten gegeben werden. Zum Schluss die Tomatensauce. Also alles in umgekehrter Reihenfolge. Und ein Chicago Style Hot Dog wird im Mohnbrötchen mit Senf und Selleriesalz, und einem quietschgrünen Relish serviert. Mirko Reeh empfiehlt nur denjenigen nach Ketchup zu fragen, die sich ungeniert als Touris zu erkennen geben wollen. Noch mehr Illinois Kitchen Style gefällig? Wie wäre es mit Datteln? Datteln in den USA, in Illinois? Ja, im Speckmantel und Mangochutney, oft auch mit einer Mandel und Chorizowurst. Klingt erst einmal ziemlich wüst. Schmeckt aber, wenn man es einmal ausprobiert hat. Und es beweist, dass die Küche des Staates Illinois bunt ist und seine Wurzeln überall auf der Welt hat.

Wie alle Bücher von Mirko Reeh ist auch dieses Buch kein reines Kochbuch, das man ab und zu aus dem Regal holt, ein bisschen darin herumblättert bis man das Richtige für den passenden Anlass gefunden hat. Ein bisschen Reiseband, ein bisschen Kultur und ganz viel Magenknurren beim Überfliegen der Seiten. Die Zutaten sind auch hierzulande leicht und zu einem erschwinglichen Preis erhältlich. Zum Beispiel für eine Risotto mit gerauchtem Kürbis und Bacon. Wer Eindruck machen will, probiert mal eine Suppe von Cherrytomaten mit gewürztem Popcorn oder Garnelen mit Knoblauch und Pernod. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der bucht einfach seinen nächsten Urlaub zwischen Michigan-See und Mississippi.

Kulinarische Reise durch Louisiana

Wer gern reist, ist offen für Neues. Und wenn man es sich so richtig gut gehen ließ, ist man nicht abgeneigt, seinen Enthusiasmus mit anderen zu teilen. Mirko Reeh ist Koch. Und er reist gern. Ein kulinarischer Reisender mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Kein Wunder, wenn man Louisiana im Süden der USA bereist und immer der Nase nach sich von Ort zu Ort bewegt.

Mit Unterstützung des Tourismusbüros Louisiana hat er sich auf die Suche gemacht, um den Geschmack des so untypisch amerikanischen Bundesstaates auf die Spur zu kommen. Hier ist alles ein bisschen schärfer, oft auch ein bisschen süßer als daheim. Und da man im Urlaub ist, ist es auch ein bisschen leckerer. Nicht nur ein bisschen! Einen großen Biss leckerer!

Seit Forrest Gump kennen Millionen von Nichtamerikanern auch die Jambalaya. Es einfach nur als Resteverwertung zu bezeichnen, wäre ein Affront gegen jeden Jambalaya-Koch auf dieser Welt. Fleisch und Wurst (Chorizo) anbraten, dazu Gemüse geben und mit Reis kochen. So die Kurzfassung. Schon anhand dieser kurzen Aufzählung sieht man, dass in Louisiana nicht ein Volk die Küche bestimmt, sondern ein ganzer Schmelztiegel – hier passt das Wort endlich einmal – am verzaubern ist. Die Spanier waren die ersten, die den Ureinwohnern ihr Gebiet streitig machten. Dann die Franzosen. 1803 kaufte Präsident Thomas Jefferson Napoleon das Gebiet für fünfzehn Millionen Dollar ab.

Heute ist Louisiana doppelt so groß wie Bayern, zählt aber nur halb so viele Einwohner. Das Land eignet(e) sich nur schwer als Bauland. Und so konnte hier eine Landschaft gedeihen, die man andernorts lange suchen muss. Olfaktorisch und gaumenfreundlicherseits (gibt es dieses Wort überhaupt, nein … aber ein Happen genügt, um zu wissen, was er bedeuten könnte) ist Louisiana ein Unikum auf der Landkarte. Hier strömen nicht nur Einflüsse aus mehreren Ländern, sondern gleich von mehreren Kontinenten zusammen. Da kann vermutlich nur noch Australien, die ehemalige Häftlingskolonie mithalten. Das Feurige aus Afrika und der Karibik. Mehl und Zucker aus der alten Welt. Gewürze und Gemüse vom seit Ewigkeiten hier ansässigen regionalen Anbieter.

Mirko Reeh will aber mit seinem Buch nicht nur Rezepte anbieten. Seine kulinarische Reise führt den Leser durch eine Gegend, die mit ihren Reizen nicht geizt. Aber als leidenschaftlicher Koch sieht er nicht nur mit den Augen, sondern auch mit Nase und Magen. Klingt komisch, ist aber so! Als zusätzlicher Reiseband für all diejenigen, die immer noch ein wenig mit fremden Küchen fremdeln, gibt dieses Buch Hilfestellung bei Magenknurren. Die Rezepte sind einfach nachzukochen (Kochzeit wird immer angegeben), da die Zutaten an die heimatlichen Warenkörbe angepasst sind. Doch Vorsicht, Reisefieber kann man nur mit viel Liebe zum Kochen entgegnen. Und dafür braucht man kein Rezept vom Doc, sondern die Rezepte aus diesem Buch.

La cucina sarda

Na, hier ist doch wohl alles klar! Auch ohne weitreichende Italienischkenntnisse kann man dem farbenfrohen Cover sofort seine Geheimnisse entlocken. Sardinien und lecker Essen. Gehört doch irgendwie auch zusammen, oder?! Und das gleich fünfundachtzig Mal!

Zu einem gelungenen Sardinienurlaub gehört neben einem Strandbesuch, einer ausgedehnten Wanderung durch eine unvergleichbare Natur auch der Besuch eines Marktes und der zahlreichen Feste. Und schon hat Sardinien einen Fest im Griff. Der Duft von Myrte, Rosmarin, und Thymian steigt in die Nase und man wünscht sich, dass der Urlaub niemals enden wolle. Doch das Ende kommt, so viel steht fest. Und dann? Nur ein Urlaub von vielen, an den man sich immer wieder gern erinnert? Jein. Die Erinnerungen verblassen mit der Zeit. Selbige zurückdrehen kann man nicht. Doch sich Sardinien in die Küche, an und auf den Tisch zu zaubern, ist keine Hexerei.

Zur Einstimmung auf den Hochgenuss der einfachen Küche geben Autor Herbert Taschler und Fotograf Udo Bernhart einen kleinen Einblick auf die kommenden über dreihundert Seiten. Das Brot der Erde steht in Sardinien nicht nur sinnbildlich auf dem Tisch. Sardinien und Brot verhalten sich wie Pizza und Neapel – ohne is(s) nich. Dass die Worte nicht vom lauten Knurren des Magens schon bei den einleitenden Seiten verhallen, dafür sorgen die zahlreichen unzähligen Fotografien. Hat man erst einmal die ersten Reisefieberschübe überstanden, lässt es sich vortrefflich durch die Rezepte stöbern. Tartare di ombrina con fichi. Hierfür benötigt man dann doch die deutsche Übersetzung: Tatar vom Schattenfisch mit Feigen. Ist ganz einfach: Den Fisch in Würfel schneiden. Schnittlauch dazu, salzen, pfeffern und mit Öl beträufeln. Drei Viertel der Feigen mit dem Fisch vermengen. Dazu gibt’s … na was wohl? Brot. So einfach kann das Paradies schmecken. Und es ist ein abgerundeter Einstieg ins Buch, das man garantiert nicht ohne abzusetzen durchlesen kann. Wer zu Maharrones mit Tomatensauce, Kartoffel und Ricotta niccht nein sagen kann, der wird sich auch an dem Kapitel über den sardischen Sherry nicht satt lesen können. Vegetarier können beruhigt sein, auch für ihren Geschmack halten Insel, Autor und Fotograf einiges parat. Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, Vermentino und Chiliflocken lassen einen vor Ungeduld schon an den Nägeln knabbern.

Ein rundum gelungenes Buch, das als aperitivo Appetit macht und nach einem Sardinienurlaub die schönste Zeit des Jahres auf einer der schönsten Inseln des Mittelmeeres unvergesslich macht.

La cucina veneziana

Denkt man sich die Touristenmassen, den Schifffahrtswahnsinn und die zahlreichen Besucherfallen in der Lagunenstadt weg, bleibt die Essenz der Serenissima übrig. Und die wird am Mittagstisch oder beim Dinner deutlich: Vielfältig, delikat, schmackhaft und ein bisschen anders als in Mailand, Rom und Neapel. Schon früh erkannten die Stadtväter, insbesondere der Doge, dass die kulturelle Vielfalt einen Mehrwert in jeglicher Hinsicht darstellte. Deswegen erließen sie ein Gesetz, dass jeder zugeriesten Kultur es erlaubte eine Besonderheit ihrer angestammten Provenienz beizubehalten. Wie weitsichtig, bis in die heutige Zeit – nachahmenswert. Und so kommt es, dass auf venezianischen Tellern eben nicht nur Erzeugnisse aus der Region die Sinne erfreuen, sondern auch Exotisches in der Lagunenstadt als „Eigengewächs“ die Phantasie anregt. Gerd Wolfgang Sievers hat sich davon anstecken lassen. Er ist für die Lesedauer des Buches der wissende Connaisseur für den Leser, den Feinschmecker, den Besucher der Stadt.

„La cucina veneziana“ ist bei seinen Recherchen aber keineswegs ein reines Kochbuch geworden. Dieses Buch ist der kulturelle Rundumschlag zu Tische! Den Brückenschlag zwischen den Welten der Erde haben die Venezianer selbst gelegt. Als Großmacht des Mittelalters befuhren zahllose Schiffe die Meere und brachten aus aller Herren Ländern Gewürze, Pflanzen und Kräuter mit in Lagunenstadt. Der Autor hat die (mittlerweile wieder neu erworbenen) Erkenntnisse in diesem Buch zusammengefasst. Und so darf man von der Couch aus, vom Küchentisch aus, an Schneidebrett und Küchenmaschine Venedig aus der Ferne schon einmal vorentdecken. Denn eines steht fest: Wer nach dem Genuss dieses Buches und auch nur eines der darin beschriebenen Gerichte nicht sofort ans nördliche Ende der Adria will, darf sich nie wieder Genießer nennen!

Mit einem (oder gleich mehreren) Ciccheti beginnt die kulinarische Reise in die Stadt von Commissario Brunetti. Geröstete Scheiben Brot, die reich belegt den Mundraum mit Aromen erfüllen. Oder wie wäre es mit einem Insalata die Dogi? Mit Spargel, Garnelen und feinstem Olivenöl? Bevor Gerd Wolfgang Sievers das Rezept zum Besten gibt, verweist er den Leser auf die Schulbank. Doch kein erhobener Zeigefinger trübt die Aussicht auf ein leckeres Mahl, vielmehr ist es ein spannungsgeladener Ausflug in die Geschichte. Ein Appetitanreger, der primo piatti und secondi piatti sehnsüchtig herbeiruft. Die kommen in Gestalt von frittata di San Marco, Bigoli con salsa und natürlich risotto daher. Risotto alla sbirraglia, risotto de gò, risotto co le sécole etc. Und wenn man so richtig eingestiegen ist in die Kulinarik Venedigs verzaubern Bodoletti all muranese, Seppie col nero oder Tettine alla venexiana den immer noch appetitheischenden Gast. Auf dem heimweg schwärmt man immer noch von Fave die morti, Sprumiglie oder Baicoli.  Ein hartes Los, wenn man nur davon liest. Ein wenig abgemildert durch die ausführlichen Einleitungen des Autors zur Herkunft dieser Speisen. Heilung verspricht da nur eine Reise an die Kochtöpfe Venedigs. Adressen hat Gerd Wolfgang Sievers wohlwissend gleich beigefügt.

Es sind Bücher wie diese, die die Sehnsucht nach dem Süden schüren und sie zugleich zu bändigen wissen. Detailreich und mit jeder Silbe nachvollziehbar, bereichert der Autor die Faszination für eine Stadt, die jährliche das Zigfache ihrer Einwohnerzahl als Touristen ertragen muss. Nur wer sucht, wird das Venedig aus diesem Buch finden. Allerdings hat jeder Besucher nun dank dieses Buches die Möglichkeit dazu.

Durch den Süden Frankreichs

„Umso weniger man denkt, desto einfacher wird es“, mit dieser epochalen Erkenntnis reicht es allenfalls für ein projektbezogenes „Kommentatoren“-Engagement in einer Randsportart. Wer mit dieser Einstellung Frankreich im Allgemeinen und dessen Süden im Speziellen erleben will, kommt über Bouillabaisse und Sonnenbrand nicht hinaus!

Manfred Hammes liebt die Côte d’Azur, die Rhône, das Languedoc, den Train de pigne … halt alles, was im Süden Frankreichs den Süden Frankreichs ausmacht. Und das spürt man mit jeder Zeile dieses Buches, mit dem man diesem einzigartigen Landstrich näher kommt und ihn in sich aufsaugt. Ein Reiseband soll Appetit machen, Hilfestellung leisten und die richtige Weg anzeigen. Das tut dieses Buch! Doch es erlaubt dem Leser / Reisenden mehr als nur einen Blick über den Fischsuppentellerrand hinaus.

Sechzehn Postkarten schickt Autor Manfred Hammes an den Leser. Sechzehn Kapitel verführen, verzaubern und lassen den Leser sich in eine Region verlieben, die mit offenen Armen auf Besucher wartet, doch ihre wahren Schätze nur dem Neugierigen offenbart. Joseph Roth und Vincent van Gogh bereichern gleich das erste Kapitel. Letzter war dermaßen von dem Licht angetan, dass er es sich nicht vorstellen konnte jemals wieder woanders zu malen. Eine unglückliche Liebe, wie hinlänglich bekannt ist. Doch die Provence ohne van Gogh wäre auch irgendwie unvorstellbar. Wesentlich kühler ist es, wenn der Mistral durchs Rhônetal bläst. Dann sinken die Temperaturen sichtbar – im Ernst: Wer das Thermometer währenddessen beobachtet, kann den Temperaturabfall nicht nur spüren, sondern auch sehen.

Doch man fährt nicht in die Provence, an die Côte oder in die Pyrenäen, um van Goghs Motiven nachzujagen oder dem Thermometer beim Sinken zuzuschauen. Man will ein Lebensgefühl in sich aufnehmen. Und dazu gehört auch Wein. In loser Reihenfolge berichtet Manfred Hammes über die Flüssigkeit, die in Maßen ein Genuss ist, bei Mangelerscheinungen Objekt der Begierde ist und im Übermaß den Kopf wegen zu viel Input anschwellen lässt.

Zu viel Input kann man diesem Buch nicht vorwerfen. Es gibt halt nur zu wenig Zeit, um alles aus diesem Buch zu besuchen, auszuprobieren oder nachzuempfinden. Wobei das Nachempfinden ganz einfach ist. Besonders mit diesem Buch in der Hand oder zumindest im Reisegepäck. Siebenhundert Seiten sind kein Leichtgewicht. Aber Kultur hat nun mal ihren Preis! Den Preis des Wissens und des Abenteuers. Es ist ein Leichtes sich Land und Leute eigen zu machen ohne dabei anzuecken.

„Literatur, Kunst, Kulinarik“ lautet die Unterzeile des Buches. Es ist schwer eine rundum funktionierende Handhabung des Buches zu empfehlen. Wer den Süden Frankreichs besuchen will, aber partout nicht weiß, wohin, dem fällt die ehrenvolle und segensreiche Aufgabe zu die siebenhundert Seiten zu lesen. Wer sich in Nizza, Perpignan, Montpellier auskennt wie in der sprichwörtlichen Westentasche, findet in den Ecken selbiger noch so manchen Krümel Wissenslücke, der ihm bisher verborgen blieb. Wann und wo auch immer man dieses Buch in die Hand nimmt, wird man fündig, um die nächsten fünf Minuten oder fünf Urlaube gehaltvoll verbringen zu können. „Durch den Süden Frankreichs“ ist mehr als nur eine Ergänzung zu einem klassischen Reiseband. Ohne dieses Buch ist Südfrankreich nur der Süden unseres Nachbarn, mit diesem Buch ist dieser Landstrich die zweite Heimat, die man jeden Tag neu entdeckt.

Clos Gethseman

Wie bringt man das älteste Weinbaugebiet der Welt, Jacques Cousteau, Pablo Picasso und Sisi zwischen zwei Buchrücken? Indem man vier Bücher schreibt, eines über jeden. Bliebe da noch das Problem mit den ZWEI Buchrücken. Es ist eine wilde Hatz, der man gerne folgt, wenn Walter Hönigsberger diesen vier berühmten Namen ein paar weitere zur Seite stellt und einen Krimi von biblischem Ausmaß schreibt.

Karl Breitenstein hat von seiner reichen Tante geerbt. Und zwar für Körper und Geist. Ein Dach überm Kopf muss er nicht mehr suchen – gut für den Körper. Und für den Geist hat die liebe Erbtante reichlich Rebensaft hinterlassen. Nicht irgendwelche Weine, besondere Weine. Und Karl konnte seinen Job an den Nagel hängen. Jetzt besteht sein Lebensinhalt darin dem Geist des Weines auf den Grund zu gehen. Bodensatzleserei? Bei Weitem nicht. Mittlerweile ist er ein ausgewiesener Experte, wenn es darum geht alte – noch trinkbare – Weine aufzustöbern.

So trifft er auch Jakob Jünger, dessen Alter so gar nichts mit seinem Namen zu tun zu haben scheint. Schon seine Vorfahren gaben sich dem Weinbau hin. Und so baut er nicht nur Wein an, sondern ist sogar dem Nachwuchsexperten Breitenstein um Längen voraus. Er und seine Vorfahren tranken schon Weine mit Picasso und anderen Größen ihrer Zeit.

Marion Drygalski ist Journalistin, und mit Karl Breitenstein bildet sie ein Paar. So trifft sie eines Tages einen Weinhändler, der sie umschmeichelt, dass es ihr fast den Magen umzudrehen droht. Er war schon mit Jacques Cousteau auf den Meeren der Welt unterwegs. Doch nicht, um Fischen die Flosse zu reichen, sondern nach versunkenen Schätzen zu suchen. Denn so manches gesunkene Schiff hatte reichliche Wein an Bord. Auf diesen Händler stößt sie als sie zu einem dreisten Weinrebenraub recherchiert. Unbekannte haben dem Emporkömmling der Weinszene die Reben auf dem Boden geholt. Ein immenser Schaden.

Und was ist mit Sisi? Die liegt bekanntermaßen in der Kapuzinergruft in Wien. Jetzt wird’s fiktional – die Gruft stürzt in sich zusammen. Ein großer Schock für die Kulturwelt. Doch auch für den wissbegierigen Weinhändler. Dessen Kellergewölbe, das voller Schätze ist, grenzt nämlich unmittelbar an die Gruft. Währenddessen ist Karl Breitenstein in Georgien unterwegs. Und stößt auf ein welterschütterndes Geheimnis…

Walter Hönigsbergers wilder Ritt durch die Geschichte fesselt ab der ersten Seite. Er holt weit aus, um die Charaktere zu bestimmen. Und gleichzeitig zieht er den Leser immer tiefer in seinen Bann. Reichlich vierhundert Seiten lang zerrt er den Leser von einem Ort zum nächsten, spannt Brücken vom Damals ins Heute und zeichnet ein Bild der Zukunft, dass einem der Atem stockt.

25 begeisternde Erdbeerrezepte

Fünfundzwanzig Mal Erdbeeren – ein guter Anfang für Erdbeerista! Doch die Nuss, es ist nun mal eine, da lässt sich nichts daran rütteln, ist mehr als nur eine leckeres Saison-„Obst“.

Dieses Buch ist zwar nicht so dick wie die Bibel, doch ist ihr Stellenwert für Leckermäuler nicht darunter einzuordnen. Sie nennen sich Mieze Schindler, Florence, Senga Sengana oder Mara de Bois und sind alle verschiedene Sorten Erdbeeren, die den Geschmack des Sommers verkünden.

Schon mal Erdbeeren zum Barbecue genossen. Als Soße mit Chili, Knoblauch, Tomatenmark und allerlei weiteren Zutaten ein Genuss, der schon beim Rezeptlesen die Geschmacksnerven verrücktspielen lässt.

Oder Erdbeeren mit Kokosmilch als Marmelade. Oder als Füllung für Piroggen. Oder als Freakshake. Freakshake? Was soll das denn sein? Eine überreife Banane und einen Viertelliter Milch pürieren. , ein halbes Pfund Erdbeeren, 100 ml Sahne und noch einmal 50 ml Milch dazu geben. Schokolade über einem Wasserbad erhitzen, Alles vermengen und zum Schluss Schlagsahne drauf. Wer das liest, schmeckt schon die Explosion im Mund und scharrt mit den Füßen, dass es endlich wieder frische Erdbeeren gibt.

Wer nicht so lange warten kann, hat sicherlich zuvor gelesen, wie man Erdbeeren nachhaltig einlagert. So manches Rezept scheint auf den ersten Blick ein wenig zu gewagt. Sauerampfer und Erdbeeren für ein panna cotta? Warum nicht! Ob man sich selbst belohnen will oder anderen eine Freude machen will – mit den Rezeptideen aus diesem Buch kann man gar nicht falsch liegen.

Das Herz-Kochbuch

Mal wieder oder öfter was Gutes essen. Ein Vorsatz, den man sich gern an Silvester vornimmt. Doch schon beim ersten Einkauf im neuen Jahr, liegen die Chips wieder im Einkaufswagen. Dahin die rosige Zukunft…

Naja, so schlimm wird’s schon nicht werden. Generationen von Menschen haben lange gelebt und sich dabei nicht gerade gesund ernährt…

Nur zwei Meinungen, die immer wieder ans Ohr dringen, wenn es um gesundes Essen geht. Der menschliche Körper ist ein Zirkulationsmechanismus. Wie Newton schon erkannte, hat jede Aktion eine entsprechende Reaktion zur Folge. Yin und Yang. Gute und Böse. Wie auch immer man es nun bezeichnen möchte. Unser Körper hat dabei eine zentrale Steuerungseinheit: Das Herz. Zu reinigendes Blut kommt rein, gereinigtes Blut wird wieder ausgestoßen. Und das tausendfach am Tag.

Und dieses Herz muss – nicht erst ab einem bestimmten Alter – geschmiert werden. Geschmiert nicht nur im wortwörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne. Gibt man ihm zu viel zu tun (Stichwort Chips oder Stress), läuft es zu lange auch Hochtouren. Und das kennen wir unter anderem vom Auto, das geht nicht lange gut.

Gun-Marie Nachtnebel und Annika Tidehorn ist es eine Herzensangelegenheit dem Leser Tipps und Anregungen, vor allem aber auch Denkanstöße mit auf den Weg zum gesünderen Leben zu geben. So beginnt das Buch nicht mit lukullischen Leckereien, sondern mit einer Unterrichtsstunde, warum das Herz durchaus mit Leckerlis gefüttert werden darf, kann und soll. Denn – wie erwähnt – wenn die Pumpe schlapp macht, hilft kein so flacher Bauch und auch kein so durchtrainierter Bizeps. Dann ist Schluss!

Deswegen ist dieses Buch auch kein Diätplan-Drill-Seargant, sondern der wohlwollende Herzensfreund. Die Einführungskapitel dienen dazu die Notwendigkeit des bewussten Genießens darzustellen. Kennt man den Unterschied zwischen guten und schlechtem Fett, vor allem wie man es erkennt und vermeiden kann, geht es im zweiten Teil um den Genuss. Marokkanischer Suppentopf mit Kichererbsen. Mit Vitamin C und Kalium – gut fürs Herz, wärmend für den Körper und sättigend. Oder wie wäre es mit Erdbeersalat mit Basilikumdressing. Gelbildende Ballaststoffe, die sind gut fürs Herz. Aubergine und Zucchini mit Pesto. Wenn man es mit Mineralsalz zubereitet, wird zusätzlich noch der Natriumkonsum verringert.

Es ist sicherlich nicht einfach seine Mahlzeiten auf den Körper ausgerichtet auszuwählen und die Zutaten mit Bedacht einzukaufen. Aber mit ein wenig Ehrgeiz – schließlich tut man es für sich selbst, also dem Menschen, dem man am nächsten steht – und diesem Buch fällt einem so manche Entscheidung einfacher als bisher vermutet. Und das es schmeckt, steht außer Frage.