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La cucina veneziana

Denkt man sich die Touristenmassen, den Schifffahrtswahnsinn und die zahlreichen Besucherfallen in der Lagunenstadt weg, bleibt die Essenz der Serenissima übrig. Und die wird am Mittagstisch oder beim Dinner deutlich: Vielfältig, delikat, schmackhaft und ein bisschen anders als in Mailand, Rom und Neapel. Schon früh erkannten die Stadtväter, insbesondere der Doge, dass die kulturelle Vielfalt einen Mehrwert in jeglicher Hinsicht darstellte. Deswegen erließen sie ein Gesetz, dass jeder zugeriesten Kultur es erlaubte eine Besonderheit ihrer angestammten Provenienz beizubehalten. Wie weitsichtig, bis in die heutige Zeit – nachahmenswert. Und so kommt es, dass auf venezianischen Tellern eben nicht nur Erzeugnisse aus der Region die Sinne erfreuen, sondern auch Exotisches in der Lagunenstadt als „Eigengewächs“ die Phantasie anregt. Gerd Wolfgang Sievers hat sich davon anstecken lassen. Er ist für die Lesedauer des Buches der wissende Connaisseur für den Leser, den Feinschmecker, den Besucher der Stadt.

„La cucina veneziana“ ist bei seinen Recherchen aber keineswegs ein reines Kochbuch geworden. Dieses Buch ist der kulturelle Rundumschlag zu Tische! Den Brückenschlag zwischen den Welten der Erde haben die Venezianer selbst gelegt. Als Großmacht des Mittelalters befuhren zahllose Schiffe die Meere und brachten aus aller Herren Ländern Gewürze, Pflanzen und Kräuter mit in Lagunenstadt. Der Autor hat die (mittlerweile wieder neu erworbenen) Erkenntnisse in diesem Buch zusammengefasst. Und so darf man von der Couch aus, vom Küchentisch aus, an Schneidebrett und Küchenmaschine Venedig aus der Ferne schon einmal vorentdecken. Denn eines steht fest: Wer nach dem Genuss dieses Buches und auch nur eines der darin beschriebenen Gerichte nicht sofort ans nördliche Ende der Adria will, darf sich nie wieder Genießer nennen!

Mit einem (oder gleich mehreren) Ciccheti beginnt die kulinarische Reise in die Stadt von Commissario Brunetti. Geröstete Scheiben Brot, die reich belegt den Mundraum mit Aromen erfüllen. Oder wie wäre es mit einem Insalata die Dogi? Mit Spargel, Garnelen und feinstem Olivenöl? Bevor Gerd Wolfgang Sievers das Rezept zum Besten gibt, verweist er den Leser auf die Schulbank. Doch kein erhobener Zeigefinger trübt die Aussicht auf ein leckeres Mahl, vielmehr ist es ein spannungsgeladener Ausflug in die Geschichte. Ein Appetitanreger, der primo piatti und secondi piatti sehnsüchtig herbeiruft. Die kommen in Gestalt von frittata di San Marco, Bigoli con salsa und natürlich risotto daher. Risotto alla sbirraglia, risotto de gò, risotto co le sécole etc. Und wenn man so richtig eingestiegen ist in die Kulinarik Venedigs verzaubern Bodoletti all muranese, Seppie col nero oder Tettine alla venexiana den immer noch appetitheischenden Gast. Auf dem heimweg schwärmt man immer noch von Fave die morti, Sprumiglie oder Baicoli.  Ein hartes Los, wenn man nur davon liest. Ein wenig abgemildert durch die ausführlichen Einleitungen des Autors zur Herkunft dieser Speisen. Heilung verspricht da nur eine Reise an die Kochtöpfe Venedigs. Adressen hat Gerd Wolfgang Sievers wohlwissend gleich beigefügt.

Es sind Bücher wie diese, die die Sehnsucht nach dem Süden schüren und sie zugleich zu bändigen wissen. Detailreich und mit jeder Silbe nachvollziehbar, bereichert der Autor die Faszination für eine Stadt, die jährliche das Zigfache ihrer Einwohnerzahl als Touristen ertragen muss. Nur wer sucht, wird das Venedig aus diesem Buch finden. Allerdings hat jeder Besucher nun dank dieses Buches die Möglichkeit dazu.

Durch den Süden Frankreichs

„Umso weniger man denkt, desto einfacher wird es“, mit dieser epochalen Erkenntnis reicht es allenfalls für ein projektbezogenes „Kommentatoren“-Engagement in einer Randsportart. Wer mit dieser Einstellung Frankreich im Allgemeinen und dessen Süden im Speziellen erleben will, kommt über Bouillabaisse und Sonnenbrand nicht hinaus!

Manfred Hammes liebt die Côte d’Azur, die Rhône, das Languedoc, den Train de pigne … halt alles, was im Süden Frankreichs den Süden Frankreichs ausmacht. Und das spürt man mit jeder Zeile dieses Buches, mit dem man diesem einzigartigen Landstrich näher kommt und ihn in sich aufsaugt. Ein Reiseband soll Appetit machen, Hilfestellung leisten und die richtige Weg anzeigen. Das tut dieses Buch! Doch es erlaubt dem Leser / Reisenden mehr als nur einen Blick über den Fischsuppentellerrand hinaus.

Sechzehn Postkarten schickt Autor Manfred Hammes an den Leser. Sechzehn Kapitel verführen, verzaubern und lassen den Leser sich in eine Region verlieben, die mit offenen Armen auf Besucher wartet, doch ihre wahren Schätze nur dem Neugierigen offenbart. Joseph Roth und Vincent van Gogh bereichern gleich das erste Kapitel. Letzter war dermaßen von dem Licht angetan, dass er es sich nicht vorstellen konnte jemals wieder woanders zu malen. Eine unglückliche Liebe, wie hinlänglich bekannt ist. Doch die Provence ohne van Gogh wäre auch irgendwie unvorstellbar. Wesentlich kühler ist es, wenn der Mistral durchs Rhônetal bläst. Dann sinken die Temperaturen sichtbar – im Ernst: Wer das Thermometer währenddessen beobachtet, kann den Temperaturabfall nicht nur spüren, sondern auch sehen.

Doch man fährt nicht in die Provence, an die Côte oder in die Pyrenäen, um van Goghs Motiven nachzujagen oder dem Thermometer beim Sinken zuzuschauen. Man will ein Lebensgefühl in sich aufnehmen. Und dazu gehört auch Wein. In loser Reihenfolge berichtet Manfred Hammes über die Flüssigkeit, die in Maßen ein Genuss ist, bei Mangelerscheinungen Objekt der Begierde ist und im Übermaß den Kopf wegen zu viel Input anschwellen lässt.

Zu viel Input kann man diesem Buch nicht vorwerfen. Es gibt halt nur zu wenig Zeit, um alles aus diesem Buch zu besuchen, auszuprobieren oder nachzuempfinden. Wobei das Nachempfinden ganz einfach ist. Besonders mit diesem Buch in der Hand oder zumindest im Reisegepäck. Siebenhundert Seiten sind kein Leichtgewicht. Aber Kultur hat nun mal ihren Preis! Den Preis des Wissens und des Abenteuers. Es ist ein Leichtes sich Land und Leute eigen zu machen ohne dabei anzuecken.

„Literatur, Kunst, Kulinarik“ lautet die Unterzeile des Buches. Es ist schwer eine rundum funktionierende Handhabung des Buches zu empfehlen. Wer den Süden Frankreichs besuchen will, aber partout nicht weiß, wohin, dem fällt die ehrenvolle und segensreiche Aufgabe zu die siebenhundert Seiten zu lesen. Wer sich in Nizza, Perpignan, Montpellier auskennt wie in der sprichwörtlichen Westentasche, findet in den Ecken selbiger noch so manchen Krümel Wissenslücke, der ihm bisher verborgen blieb. Wann und wo auch immer man dieses Buch in die Hand nimmt, wird man fündig, um die nächsten fünf Minuten oder fünf Urlaube gehaltvoll verbringen zu können. „Durch den Süden Frankreichs“ ist mehr als nur eine Ergänzung zu einem klassischen Reiseband. Ohne dieses Buch ist Südfrankreich nur der Süden unseres Nachbarn, mit diesem Buch ist dieser Landstrich die zweite Heimat, die man jeden Tag neu entdeckt.

Clos Gethseman

Wie bringt man das älteste Weinbaugebiet der Welt, Jacques Cousteau, Pablo Picasso und Sisi zwischen zwei Buchrücken? Indem man vier Bücher schreibt, eines über jeden. Bliebe da noch das Problem mit den ZWEI Buchrücken. Es ist eine wilde Hatz, der man gerne folgt, wenn Walter Hönigsberger diesen vier berühmten Namen ein paar weitere zur Seite stellt und einen Krimi von biblischem Ausmaß schreibt.

Karl Breitenstein hat von seiner reichen Tante geerbt. Und zwar für Körper und Geist. Ein Dach überm Kopf muss er nicht mehr suchen – gut für den Körper. Und für den Geist hat die liebe Erbtante reichlich Rebensaft hinterlassen. Nicht irgendwelche Weine, besondere Weine. Und Karl konnte seinen Job an den Nagel hängen. Jetzt besteht sein Lebensinhalt darin dem Geist des Weines auf den Grund zu gehen. Bodensatzleserei? Bei Weitem nicht. Mittlerweile ist er ein ausgewiesener Experte, wenn es darum geht alte – noch trinkbare – Weine aufzustöbern.

So trifft er auch Jakob Jünger, dessen Alter so gar nichts mit seinem Namen zu tun zu haben scheint. Schon seine Vorfahren gaben sich dem Weinbau hin. Und so baut er nicht nur Wein an, sondern ist sogar dem Nachwuchsexperten Breitenstein um Längen voraus. Er und seine Vorfahren tranken schon Weine mit Picasso und anderen Größen ihrer Zeit.

Marion Drygalski ist Journalistin, und mit Karl Breitenstein bildet sie ein Paar. So trifft sie eines Tages einen Weinhändler, der sie umschmeichelt, dass es ihr fast den Magen umzudrehen droht. Er war schon mit Jacques Cousteau auf den Meeren der Welt unterwegs. Doch nicht, um Fischen die Flosse zu reichen, sondern nach versunkenen Schätzen zu suchen. Denn so manches gesunkene Schiff hatte reichliche Wein an Bord. Auf diesen Händler stößt sie als sie zu einem dreisten Weinrebenraub recherchiert. Unbekannte haben dem Emporkömmling der Weinszene die Reben auf dem Boden geholt. Ein immenser Schaden.

Und was ist mit Sisi? Die liegt bekanntermaßen in der Kapuzinergruft in Wien. Jetzt wird’s fiktional – die Gruft stürzt in sich zusammen. Ein großer Schock für die Kulturwelt. Doch auch für den wissbegierigen Weinhändler. Dessen Kellergewölbe, das voller Schätze ist, grenzt nämlich unmittelbar an die Gruft. Währenddessen ist Karl Breitenstein in Georgien unterwegs. Und stößt auf ein welterschütterndes Geheimnis…

Walter Hönigsbergers wilder Ritt durch die Geschichte fesselt ab der ersten Seite. Er holt weit aus, um die Charaktere zu bestimmen. Und gleichzeitig zieht er den Leser immer tiefer in seinen Bann. Reichlich vierhundert Seiten lang zerrt er den Leser von einem Ort zum nächsten, spannt Brücken vom Damals ins Heute und zeichnet ein Bild der Zukunft, dass einem der Atem stockt.

25 begeisternde Erdbeerrezepte

Fünfundzwanzig Mal Erdbeeren – ein guter Anfang für Erdbeerista! Doch die Nuss, es ist nun mal eine, da lässt sich nichts daran rütteln, ist mehr als nur eine leckeres Saison-„Obst“.

Dieses Buch ist zwar nicht so dick wie die Bibel, doch ist ihr Stellenwert für Leckermäuler nicht darunter einzuordnen. Sie nennen sich Mieze Schindler, Florence, Senga Sengana oder Mara de Bois und sind alle verschiedene Sorten Erdbeeren, die den Geschmack des Sommers verkünden.

Schon mal Erdbeeren zum Barbecue genossen. Als Soße mit Chili, Knoblauch, Tomatenmark und allerlei weiteren Zutaten ein Genuss, der schon beim Rezeptlesen die Geschmacksnerven verrücktspielen lässt.

Oder Erdbeeren mit Kokosmilch als Marmelade. Oder als Füllung für Piroggen. Oder als Freakshake. Freakshake? Was soll das denn sein? Eine überreife Banane und einen Viertelliter Milch pürieren. , ein halbes Pfund Erdbeeren, 100 ml Sahne und noch einmal 50 ml Milch dazu geben. Schokolade über einem Wasserbad erhitzen, Alles vermengen und zum Schluss Schlagsahne drauf. Wer das liest, schmeckt schon die Explosion im Mund und scharrt mit den Füßen, dass es endlich wieder frische Erdbeeren gibt.

Wer nicht so lange warten kann, hat sicherlich zuvor gelesen, wie man Erdbeeren nachhaltig einlagert. So manches Rezept scheint auf den ersten Blick ein wenig zu gewagt. Sauerampfer und Erdbeeren für ein panna cotta? Warum nicht! Ob man sich selbst belohnen will oder anderen eine Freude machen will – mit den Rezeptideen aus diesem Buch kann man gar nicht falsch liegen.

Das Herz-Kochbuch

Mal wieder oder öfter was Gutes essen. Ein Vorsatz, den man sich gern an Silvester vornimmt. Doch schon beim ersten Einkauf im neuen Jahr, liegen die Chips wieder im Einkaufswagen. Dahin die rosige Zukunft…

Naja, so schlimm wird’s schon nicht werden. Generationen von Menschen haben lange gelebt und sich dabei nicht gerade gesund ernährt…

Nur zwei Meinungen, die immer wieder ans Ohr dringen, wenn es um gesundes Essen geht. Der menschliche Körper ist ein Zirkulationsmechanismus. Wie Newton schon erkannte, hat jede Aktion eine entsprechende Reaktion zur Folge. Yin und Yang. Gute und Böse. Wie auch immer man es nun bezeichnen möchte. Unser Körper hat dabei eine zentrale Steuerungseinheit: Das Herz. Zu reinigendes Blut kommt rein, gereinigtes Blut wird wieder ausgestoßen. Und das tausendfach am Tag.

Und dieses Herz muss – nicht erst ab einem bestimmten Alter – geschmiert werden. Geschmiert nicht nur im wortwörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne. Gibt man ihm zu viel zu tun (Stichwort Chips oder Stress), läuft es zu lange auch Hochtouren. Und das kennen wir unter anderem vom Auto, das geht nicht lange gut.

Gun-Marie Nachtnebel und Annika Tidehorn ist es eine Herzensangelegenheit dem Leser Tipps und Anregungen, vor allem aber auch Denkanstöße mit auf den Weg zum gesünderen Leben zu geben. So beginnt das Buch nicht mit lukullischen Leckereien, sondern mit einer Unterrichtsstunde, warum das Herz durchaus mit Leckerlis gefüttert werden darf, kann und soll. Denn – wie erwähnt – wenn die Pumpe schlapp macht, hilft kein so flacher Bauch und auch kein so durchtrainierter Bizeps. Dann ist Schluss!

Deswegen ist dieses Buch auch kein Diätplan-Drill-Seargant, sondern der wohlwollende Herzensfreund. Die Einführungskapitel dienen dazu die Notwendigkeit des bewussten Genießens darzustellen. Kennt man den Unterschied zwischen guten und schlechtem Fett, vor allem wie man es erkennt und vermeiden kann, geht es im zweiten Teil um den Genuss. Marokkanischer Suppentopf mit Kichererbsen. Mit Vitamin C und Kalium – gut fürs Herz, wärmend für den Körper und sättigend. Oder wie wäre es mit Erdbeersalat mit Basilikumdressing. Gelbildende Ballaststoffe, die sind gut fürs Herz. Aubergine und Zucchini mit Pesto. Wenn man es mit Mineralsalz zubereitet, wird zusätzlich noch der Natriumkonsum verringert.

Es ist sicherlich nicht einfach seine Mahlzeiten auf den Körper ausgerichtet auszuwählen und die Zutaten mit Bedacht einzukaufen. Aber mit ein wenig Ehrgeiz – schließlich tut man es für sich selbst, also dem Menschen, dem man am nächsten steht – und diesem Buch fällt einem so manche Entscheidung einfacher als bisher vermutet. Und das es schmeckt, steht außer Frage.

Gscheitgut – vegetarische Küche

Man soll aufhören, wenn‘s am schönsten ist! So ein Quatsch! Da legt man erst richtig los! Das dachten sich wohl auch Corinna Brauer und Michael Müller. Ihre „Gscheitgut“-Kochbücher überzeugten von Anfang an mit leicht nachvollziehbaren Rezepten und einer angenehm unaufgeregten Aufmachung. Teil zwei stand dem Erstling in nichts nach. Ein Teil Drei wäre zwar die logische Fortsetzung gewesen, hätte aber die treuen Fans des Michael-Müller-Verlages ein wenig enttäuscht. Also musste was Neues her, dass aber Teil Eins und Zwei lediglich als Vorgänger dastehen lässt. Eine vegetarische Variante – mehr als nur ein Gedankenspiel, ein echter Hingucker und Leckerschmecker … auch für die, „die den Tieren nicht das Futter wegschnappen“.

Saisonal und regional muss es heutzutage ja immer sein. Das ist nicht verkehrt, wird nur allzu häufig übertrieben und falsch bewertet. Wenn der Bauer von nebenan ein Hobbychemiker ist, nützt dem Verbraucher die beste Saisonalität und die beste Regionalität gar nichts. Bei all der political correctness wird viel zu oft das Eigentliche unterschlagen: Es muss schmecken! Und da kann es (wie oft muss jeder für sich selbst entscheiden) auch mal vegetarisch sein.

Die Scheu vor dem Neuen, dem Fleischlosen muss wohl kaum noch jemandem genommen werden. Dennoch ist die vegetarische Küche für die meisten ein Bermudadreieck, in das man sich nicht verläuft. Das kulinarische Dreieck dieses Buches befindet sich zwischen Memmelsdorf, Marloffstein und Bärnfels. Nie gehört? Na dann auf zum fröhlichen Schmausen durch die Jahreszeiten!

Spätestens wenn die ersten Sonnenstrahlen wieder Gemüt und Natur erwärmen, wird es Zeit Neues auszuprobieren. Auf den ersten Seiten erwartet den Leser zum Beispiel ein Brennnesselflan mit Tomatenragout. Dafür benötigt man 100 Gramm junge Brennnesselblätter (kann man selbst “jagen“), ebenso viel Spinat, eine halbe Zwiebel, eine Knoblauchzehe, 80 Gramm Butter, 400 Gramm Sahne, sechs Eier, Muskatnuss sowie Salz und Pfeffer. Allesamt Zutaten, die man mühelos besorgen kann. Auch für das Ragout sind alle Ingredienzien generell verfügbar: Tomaten, Knoblauch, Zwiebel, Olivenöl und Basilikum. Zum Abschmecken wie immer Salz und Pfeffer. Brennnessel- und Spinatblätter (ohne Stiel) waschen, blanchieren, abschrecken, ausdrücken und hacken. Zwiebel und Knoblauch glasig dünsten und würzen. Sahne rein, pürieren und die Eier untermixen. Wieder abschmecken. Nun vier Förmchen ausbuttern, die Masse bis zum Rand einfügen und im Wasserbad im Backofen eine Viertelstunde bei 170 Grad stocken lassen.

In der Zwischenzeit kann das Ragout zubereitet werden. Naschen erwünscht und erlaubt! Tomaten schälen und vierteln. Öl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch dazu, und wenn alles glasig ist, die Tomaten dazugeben. Abschmecken und das Basilikum untermischen. Nun müssen nur noch die Flans darüber gestülpt werden. Alles keine Hexerei, geht schnell und schmeckt.

Wer es nicht erwarten kann, wirft schon mal einen Blick voraus in den Sommer: Dort wartet ein leichtes Thymian-Zitronen-Mousse mit Minzgelee. Oder im Herbst eine Blumenkohlsuppe mit Birnen. Im Winter wird es wieder traditionell bei einem Pfannkuchen mit Apfel-Zimt-Kompott.

„Gscheitgut“ ist die Kochbuchreihe zum Verreisen. Eine Wanderung durch Franken zwischen Bamberg, Erlangen und Bayreuth, auf der sich jede Einkehr lohnt. Auch für Vegetarier. Und für alle, die mal was Neues probieren wollen. Den beiden Autoren merkt man die Lust am Entdecken, Naschen und die Hingabe zum „leckeren Buch“ auf jeder Seite an. Und wer es partout nicht lassen kann, nicht zu kochen, der benutzt „Gscheitgut – vegetarische Küche“ eben als Wanderführer. Denn alle Rezepte wurden auf den zahlreichen Erkundungstouren gesammelt. Kartoffelrisotto mit Pilzen und Petersilienpesto, Beerenlasagne oder Salat vom Bamberger Hörnchen und Birnen mit Hagebuttenschaum gibt es vielleicht nicht überall, aber es gibt sie. Man muss nur wissen, wo man sucht. Lösungsansätze stehen im Buch!

Frankreich á la carte

Essen wie Gott in Frankreich. Schreiben über das Essen wie Gott in Frankreich. Lesen, um das Leben wie Gott in Frankreich zu fühlen. „Frankreich à la carte“ ist die Spitze dieser Assoziationskette. Autoren wie zum Beispiel Émile Zola, Gustave Flaubert oder Alexandre Dumas haben Romane geschrieben, die ein Spiegelbild ihrer Zeit waren. Und dazu gehört nun mal auch die Nahrungsaufnahme mit Genuss oder als Notwendigkeit.

Das Baguette ist so eng mit Frankreich verbunden wie kaum ein anderes Gericht. Doch das kulinarische savoir-vivre nur mit dem braungebrannten Teigling in Verbindung zu bringen, kommt dem Ruf der Cuisine unseres Nachbarn nur im Ansatz nahe.

Man setzt sich an den Tisch mit Größen der französischen Kultur. Trinkt einen Tropfen Roten. Kommt ins Schwärmen. Seite für Seite wird das Barrett zurechtgerückt und Zeigfinger und Daumen öffnen sich blitzartig, wenn man sie von den Lippen wegstößt. Mmmmh excellent!

Anthologien machen von jeher Appetit auf Weiterlesen. Sie sind die amuse geuele aus der Schreiberwerkstatt, die oftmals zur Küche des guten Geschmacks wird. Madame de Sévigné zum Beispiel berichtet in einem ihrer berühmten Briefe an Madame de Grignan von einem opulenten Mahl. Zugegen war auch der König, Ludwig XIV., der Sonnenkönig. In diesem Brief setzte sie ein weiteres Mal dem Hofhofmeister und Koch, Vatel, ein Denkmal. Leider hatte der an diesem Tag nicht gerade viel Glück. Zu viele Gäste, zu wenig Braten. Vatel war untröstlich. Was heißt untröstlich, gekränkt und enttäuscht von sich selbst, war er. So sehr, dass ihm das Schwert näher war als der Trost der Anwesenden. Es war das letzte Mahl, das er zubereitete.

Je mehr man in dieses Buch vordringt, desto appetitlicher zeigen sich die Seiten. Keine Exkurse in die Exotik der Froschschenkel und Gänsestopfleber, vielmehr eine kulturhistorische Reise, die selbst Jahrhunderte später immer noch für Magenknurren und Kopfzerbrechen sorgt. Kopfzerbrechen, weil die wohl gewählten Worte ihre Wirkung nicht verfehlen. Political correctness und falsch verstandene Zurückhaltung sind ad acta gelegt, es regieren die Genüsse und lassen den Leser mit einem knurrenden Magen zurück.

Hunger und Appetit sind es, die man benötigt, um dieses Buch vollständig aufsaugen zu können. Auch wenn in Frankreich „auch nur mit Wasser gekocht wird“, so sind es die Zutaten eines Marcel Proust oder der Durst eines Guy de Maupassant, die dem Leser das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Wie ein elegantes Menü mit mehreren Gängen verführen die Autoren den Leser zum Schmatzen und Schwelgen in den delikatesten Speisen, die je ersonnen wurden. Bon Appetit!

Kuchen steht Kopf

Wer backen lernt, weiß, dass erst der Teig in die Form gegeben wird, und dann wird dekoriert. Dieses Buch stellt Jahrhunderte alte Traditionen auf den Kopf. Denn von nun an wird alles auf den Kopf gestellt und zuerst die Deko, Früchte und Verzierungen in die Form gegeben. Der Teig bildet das Schlusslicht beim Backen. Geht das überhaupt? Schmeckt das?

Getreu dem Buchtitel wird zuerst die letzte Frage beantwortet: Ja! Doch nur unter der Bedingung, dass mit Phantasie und Liebe gebacken wird. Das dürfte kein Problem sein, wenn man dieses Buch zur Hand hat und auch nur ein wenig darin herumblättert.

Also zuerst kommen die Früchte in die Form. Diese wurde zuvor mit Karamell oder Zucker ausgestrichen. Kurz schlucken. Alles ein wenig anziehen lassen und dann den Rührkuchenteig darüber geben. Ab in den Ofen. Warten. Warten. Warten. Fertig. Jetzt nur noch umstülpen. Und … wieder warten – warmer Kuchen schmeckt zwar lecker, aber man kann sich das Leckermäulchen verbrennen!

Welch Duft sich breitmacht und in welcher Pracht sich der Kuchen präsentiert! Denn weil man die oberste Schicht zuerst eingebracht hat, ist das optische Ergebnis umso überraschender. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ob eine Zahl aus Früchten für Geburtstage oder kreative Muster als Aha-Effekthascherei – Lobeshymnen werden die Folge sein.

Äpfel und Erdnüsse oder Mohn, Birne und Honig, Heidelbeeren, ob ganze Torten oder kleine Törtchen – Christelle Huet-Gomez hatte sichtlich Spaß am Ausprobieren und Backbuchschreiben. Rhabarber zaubert ein tolles Muster in den Teig. Beim Anschneiden läuft einem nicht nur das Wasser im Mund zusammen, es wird zeitgleich auch der Sehsinn stimuliert. Wie große Dominosteine (nicht das Gebäck, sondern das Spiel) kommt der Aprikosen-Karamell daher. Wenn Kirschen hinzukommen, entsteht ein feuriges Rot auf dem Kuchen.

Backen für alle Sinne könnte der Untertitel des Buches lauten, der dann ja eigentlich der Haupttitel wäre, wenn alles auf dem Kopf steht. Wird der Kuchen erstmal serviert, ist die Freude groß. Wenn man dann noch kundtut wie die Kuchentafel um den Hauptdarsteller entstanden ist, stehen alle Kopf. Ziel erreicht – Buchtitel bestätigt – „Kundschaft“ zufrieden. Was will man mehr?!

Marmeladen und Curds

Jetzt wird’s ernst! Die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel entfällt! Zumindest für Marmeladen und Curds! Für Marmeladen und was? Curds? Der sitzt doch am Frühstückstisch undstreicht sich daumendick die leckere Konfitüre aufs Brot. Curds sind Brotaufstriche, ein wenig wie Pudding und sagenhaft lecker und süß. Meist mit Butter und Ei angereichert und sämig geschlagen. Bildungsauftrag erfüllt, jetzt kommt die Kür!

Zum Standard der Curds gehört der (oder das oder die?) Lemon Curd. Zitronensaft, Butter, Eigelb und Zucker mit einer Prise Fleur de Sel. Die Zubereitung ist nicht gerade was für nebenbei, denn die Masse darf nicht kochen. Zwanzig bis dreißig Minuten sollte man einplanen. Der Aufwand lohnt sich, denn das Ergebnis begeistert nicht nur den Zubereiter, sondern den ganzen Tisch! Als Abwandlung kann das Ganze auch mit Ananas oder (und?) Kokosnuss zubereitet werden. Ist dann die exotische Variante.

Das kleine Büchlein ist prall gefüllt mit Appetitmachern aus dem Obstland. Apfel-Birne-Karamell-Konfitüre – man bekommt die Tür nicht zu. Feigen-Konfitüre mit Mandeln – nichts für Angsthasen. Brombeer-Thymian-Konfitüre – der Magen brummt (oder brommt er?) schon beim bloßen Nennen der Zutaten. Erdbeeren und Pistazien, Ananas und Kiwi, Quitten und Bananen – das Füllhorn des Gartens ergießt sich wie ein süßer Fluss über den Frühstückstisch.

Die Zutaten sind je nach Jahreszeit überall erhältlich und belasten den Geldbeutel nicht mehr fertiger Süßkram aus dem „Alles für den Frühstückstisch“-Regal. Es gibt also keine Argumente nicht Seite für Seite erst zu lesen und anschließend die Rezepte auszuprobieren. Vorkenntnisse sind kaum erforderlich. Wer weiß wie man die Temperatur am Herd reguliert, hat schon gewonnen. Und wer dann doch nicht am Schokoriegelregal vorbeigehen kann ohne zuzugreifen, wird in der Mitte des Buches zum unumwundenen Fan des Buches: Schokoriegel-Creme. Den Lieblingsschokoriegel zerkleinern – Naschen ausdrücklich erwünscht, also lieber ein bisschen mehr kaufen – Butter und Sahne dazu, eine Masse entstehen lassen und sowie wieder eine Prise Fleur de Sel beifügen. Erhitzen, umrühren und schon sind alle Chocoholics zufrieden. Nicht im Kühlschrank lagern. Naja, lange wird das Glas eh nicht überleben, oder?!

Gelees, Konfitüren, Cremes und eben Curds (wer sie bis jetzt noch nicht kannte, wird begeistert sein und die englische Küche ein wenig besser verstehen) bilden die Glücksmomente eines jeden Morgens. Umso wichtiger ist es, dass der Tag mit einem Lächeln beginnt. Und in diesem Buch gibt es für jeden Tag des Monats einen Grund zum Lächeln.

Sonntag der beleuchteten Fenster

Saucismus – diese Erfindung will und wird Diana Anfimiadi für sich beanspruchen. Malen mit Saucen. Zu kindisch, zu flapsig? Dann verabschieden wir uns an dieser Stelle von allen, denen das Essen auf den Magen schlägt und nicht zu Herzen geht.

Diana Anfimiadi ist Georgerin. Sie ist Autorin. Sie isst gern. Sie schreibt gern übers Essen und ihre Erfahrungen beim Essen und natürlich über ihre Erinnerungen an Freunde und Familie beim Essen. So weit so gut. Aber. Sie schreibt nicht einfach nur darüber, sie verführt. Wer Diana Anfimiadi zu sich einlädt, ob als Autorin oder persönlich, wird den geselligsten Abend überhaupt erleben. Überschwang der Gefühle kommt einem als Erstes in den Sinn, liest man die ersten Zeilen dieses Buches. Und es geht weiter. Kurze Erholungsphasen vom Studium mit Essenfassen, die Düfte in Omas Küche bis hin zu eben den eingangs erwähnten Malen mit Saucen.

Vorblättern bis auf Seite 86. Wieder eine Erinnerung an einen „sehr wundersamen, sehr begabten Kollegen“. Ein Maler. Doch dieses Mal sind es nicht Gerüche und Geschmacksnoten, die sie beeindrucken, sondern Farben. Rote Rüben, gelbe Sauce aus Eiern und Senf, orange Sauce aus Karotte etc. Das alles bringt sie zu der Erkenntnis, dass Malen mit Saucen noch gar keinen Markt hat. Sie meldet schon mal Ansprüche auf das Copyright an.

Während man sich durch das Buch liest, wird der Lesefluss immer wieder von den Rezepten unterbrochen. Und vom Magenknurren. Ohne viel Tamtam werden in Windeseile die Rezepte dargeboten. Bilder? Fehlanzeige. Sind auch nicht nötig, da die Kraft der Worte jede Abbildung überflüssig macht.

Liebe geht durch den Magen – nach diesem Buch kommt der Liebeskummer. Buch schon zu Ende, kein Essen mehr, keine georgische Tischkultur? Man kann es ja noch einmal lesen, und noch einmal. Und vor allem kann man alles nachkochen.

„Sonntag der beleuchteten Fenster“ ist eine Einladung mal in die Kochtöpfe Georgiens zu schauen. Deftig, würzig, scharf, bitter, süß – abwechslungsreich und (nicht aber!) immer geschmackvoll. Ein Appetizer, den man nicht ablehnen kann!