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Alles über Luxemburg

Alles über Luxemburg

Mal Hand aufs Herz: was wissen Sie über unsere direkten Nachbarn? Polen – ist klar – kennen wir seit der Fußball-Europameisterschaft etwas besser. Tschechien mit Prag und dem leckeren Bier. Nach Dänemark fahren wir im Sommer, um uns den Wind um die Nase wehen zu lassen. In Österreich fahren wir Ski und in die Schweiz schaffen wir unser zu viel verdientes Geld. Nach Holland fahren wir zum Entspannen, in Belgien schlagen wir uns jede Menge (Frittier-)Fett auf die Hüften. In Frankreich leben wir wie Gott ebenda. Das ist ja schon ganz ordentlich was zusammengekommen, was wir Deutschen über unsere Nachbarn wissen. Doch Halt! Da fehlt doch noch was! Oder doch nicht? Klar. Luxemburg. Ja … da ist … ähm … Die benennen ihre Hauptstadt nach ihrem Land. Und der Sprit ist dort billig. Oh weh, Sechs, setzen! Unser kleinster Nachbar im Westen ist mehr als eine Tankstelle mit dem Hang zur Phantasielosigkeit (nur (!) in Bezug auf die Namensvergabe der Städte).

Knapp die Hälfte der Einwohner hat keinen luxemburgischen Pass. Von Unruhen oder gar regelmäßigen Übergriffen aus Ausländer hört man nichts. Also scheint man im Großherzogtum etwas richtig zu machen. Trotz seiner geringen Ausdehnung (Luxemburg ist der 166. Größte Staat der Welt, bei der Bevölkerung liegt man auf Platz 170) ist Luxemburg ein bedeutendes Land: Platz 19 unter den Finanzplätzen der Welt, nur in einem Land gibt es mehr Investmentfonds. Doch auch mit diesem Wissen kann man bei einem kurzweiligen Small-Talk keinen Blumentopf gewinnen. Der Mensch muss immer vergleichen. Die ungenannten Autoren nehmen sich Island zum Referenzobjekt. Island hat einen Nobelpreisträger. Hálldor Laxness, 1955, Literatur. Luxemburg hat fünf Preisträger aufzuweisen. Unter anderem für Physik und Medizin!

Dieses launische Buch lädt auf einfache Weise zu verweilen ein. So manche Information ist nicht lebenswichtig, aber sie lässt einen schmunzeln, nachdenken und verweist an die eigene Geschichte. Zum anderen macht dieses Buch Lust dieses kleine, und doch nicht so unbedeutende Land zu besuchen. Die Tourismusmanager Luxemburgs sollten sich dieses Buch als Standardwerk ganz vorn in den Bücherschrank stellen. Denn immer nur auf Wanderungen und die so genannten Best-Ager zu setzen, zahlt sich auf Dauer nicht aus.

Wer Luxemburg auch mal außerhalb der Tankstellen kennenlernen will, wer Müllertal und Wanderweg an der Attert schon in- und auswendig kennt, wem die morgendlichen Spaziergänge durch das Petruss-Tal schon zur lieben Angewohnheit geworden sind, wer in den italienischen Restaurants schon mit Vornamen angesprochen wird, der wird hier wahrhaft ein El Dorado vorfinden. Um der Großspurigkeit mancher Deutschen gleich noch einmal einen Riegel vorzuschieben. Als Lena vor einiger Zeit den Eurovision Songcontest gewann, geschah dies erst zum zweiten Mal in der fast sechzigjährigen Geschichte. Luxemburg, das soooo viel kleiner ist, konnte sich 1961, 1965, 1972 und 1973 (Titelverteidigung – das gelingt nicht einmal der Fußball-Nationalmannschaft Deutschlands) und 1983 in die Siegerliste eintragen. Deutschland könnte theoretisch also erst im Jahr 2016 am kleinen Nachbarn vorbeiziehen. Doch genug der Aufzählungen. Lesen Sie alles über Luxemburg und vergessen Sie die knall harten Fakten. Softnews sind spannender und bleiben eher im kollektiven Gedächtnis haften.

Der ungewöhnliche Verlagsname – capybarabooks (googeln Sie mal nach „Capybara“!, es lohnt sich) – stammt vom Wasserschwein, lat. Capybara. Dieses Tier hat auch einen Bezug zum Lesen! Denn es sonnt sich gern im oder am Wasser. Lässt den Herrgott einen braven Mann sein. Wenn es lesen könnte, würde es sicherlich tagein, tagaus an den Ufern der Mosel oder der Attert (capybarabooks ist schließlich ein Luxemburger Verlag) liegen und unter anderem dieses Buch lesen. Immer nur flussauf und flussab zu schwimmen ohne wirklich zu wissen, was an hinter den Uferpromenaden liegt, ist auf die Dauer auch nicht befriedigend. Außerdem hat ein Capybara nur ein knappes Jahrzehnt Zeit die Welt kennenzulernen.

Machen wir es wie die Wasserschweine, nagen wir nicht länger an unseren Problemen herum. Legen wir uns in die Sonne, und genießen dieses kurzweilige, mit für Gesprächsstoff sorgende Buch. Jedwede Konversation bekommt mit dem geballten Wissen über das Großherzogtum eine überraschende Wendung. Einmal im Mittelpunkt stehen und mit Wissen glänzen, das so nirgendwo geschrieben steht. Faulenzen auf hohem Niveau, mit launischer Unterhaltung.

Luxemburg in der Welt

Luxemburg in der Welt

„Müller, packen Sie unsere Sachen. Wir verreisen für eine gewisse Zeit.“ – „Darf ich fragen, wofür ich vorbereiten soll, Marteling?“ „Tout le monde“. Die ganze Welt. Sie ist das Recherchefeld der beiden Autoren Luc Marteling und Steve Müller. Sie suchen nach Luxemburg.

Die Motivsuche gestaltet sich nicht allzu schwierig. Beispielsweise das Café Luxembourg in Amsterdam. Das benannte sich so, weil Jan Hoekstra in New York das Café Luxembourg besuchte, das seinen Namen vom Jardin du Luxembourg hat, der wiederum … Ach die Spurensuche wird wohl nie enden.

Doch die Detektive mit der Nase fürs Luxemburgische frönen nicht nur den lukullischen Spuren ihres Großherzogtums. Apropos Großherzogtum. Auch dessen Entstehungsgeschichte hat Spuren hinterlassen. In Belgien beispielsweise die Provinz Luxembourg. Die holländische Flagge ähnelt auf frappierende Weise der luxemburgischen. Warum? „Luxemburg in der Welt“ gibt die Antwort auch darauf.

Dieses Buch ist der papierne Beweis, dass das kleine Großherzogtum zu Recht in aller Welt zuhause ist. Europa ohne Luxemburg – da würde was fehlen. So manche Stadt, so manche Region, so manches Land wäre ohne den Begriff Luxemburg um eine Attraktion ärmer. Hotels, Restaurants, Ortschaften wie Luxembourg in Wisconsin, USA, würden gar nicht erst existieren.

Das Buch, das nicht nur für Luxemburger Bürger von gesteigertem Interesse sein dürfte, wurde 2010 mit dem Lëtzebuerger Buchpräis ausgezeichnet.

Luxemburg in der Welt 2

Luxemburg in der Welt 2

Die Reise der beiden Spurnasen  Luc Marteling und Steve Müller geht weiter. Zwei Jahre nach der Buchprämierung ihres Erstlings, geht „Luxemburg in der Welt“ in die zweite Runde. Standen im ersten Band viele Restaurants wie das „Alt Luxemburg“ in Berlin-Charlottenburg und meistens der europäische Kontinent im Fokus, so müssen die Detektive im zweiten Teil durchaus weitere Anreisen in Kauf nehmen. Doch die neugierigen Autoren meistern auch diese Hürde.

Brasilien, Honduras, Venezuela wechseln sich mit Bayern, Paris und Rumänien ab. Eine Weltreise de Lux. Kurze Texte, eine Vielzahl an Bildern und – für Reisende besonders wichtig – nützliche Infos wie Adressen, Internetauftritt und Telefonnummern, machen den zweiten Teil der Spurensuche zu einem vergnüglichen Lesespaß und obendrein noch zu einem hilfreichen Reisebegleiter.

Man schlendert nichtsahnend durch die Straßen Rios, der Strand-Metropole der Welt. Auffällig blinken die Leuchtreklamen. Doch eine fällt besonders auf. „Luxemburgo Motel“ Klingt irgendwie verheißungsvoll. Luxemburg – Luxus. Einundfünfzig Reais, nicht mal 20 Euro. Aber nicht für die Nacht, sondern „nur“ vier Stunden. Verheißungsvoll. Luxemburg. Luxus. Naja…

Im venezolanischen Merida offeriert das Hotel Luxemburgo seinen Gästen ebenfalls Entspannung – hier zahlt man allerdings tage- und nicht stundenweise.  Eine Stadt zum Verlieben. Luxemburg, wo man es am wenigsten erwartet.

Im Alpenvorland, im weitesgehend unbekannten Örtchen Lenggries werden die Detektive noch einmal fürstlich für ihre Suche belohnt. Die hohen Herren aus Luxemburg verbrachten hier oft und ausgiebig ihre Sommerferien. Und einige Ländereien in der Umgebung des malerischen Alpenvorlandes sind bis heute in luxemburgischem Besitz.

Wenn einem etwas gehört, benennt man es nach sich selbst. Das war mal so. Heute zeugen vereinzelte Straßennamen vom einstigen Einfluss der Luxemburger Herrscher. Allein in Frankreich gibt es 266 Hinweise darauf, von der Rue Pierre de Luxembourg in Avignon (Postleitzahl 84000), über die Allée, den Place und die Rue Luxembourg in Le Mans (Postleitzahl 72000) bis hin nach Verdun in die Avenue de Luxembourg (Postleitzahl 55100). Jede einzelne Straße, jeden Platz haben die beiden Autoren ausfindig gemacht (und die Postleitzahlen gleich noch dazu notiert).

Wer immer noch glaubt, Luxemburg sei ein kleines Land inmitten Europas, das jedoch nicht so recht ins moderne Bild der Geschichtsschreibung passt, wird mit diesem Buch eines Besseren belehrt. Luxemburg ist untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden, und trägt zu Recht seinen Namen hinaus in die Welt. Ein amüsanter Blick auf die mal mehr, mal weniger bedeutenden Verweise zum Großherzogtum. Und irgendwas muss ja dran sein, wenn man sein Etablissement, sein Restaurant, sein Viertel nach Luxemburg benennt. Das „Arrondissement du Luxembourg“ in Paris gilt nicht umsonst das Zentrum das Wissenschafts- und Kulturviertel. Ein bisschen Lux-us muss sein.

100 Joer Gare Letzeburg

100 Joer Gare Letzeburg

Wenn man sich zu Hundertjährigen auf den Schoß setzt, haben sie immer eine spannende Geschichte parat. Schließlich können sie auf einen hundertjährigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Was da alles passiert ist: Gekrönte Häupter kamen und gingen. Gesellschaftsformen veränderten sich. Ganze Kulturen wurden dauerhaft umgekrempelt.

Der Luxemburger Bahnhof ist so ein Hundertjähriger, der so manchen kommen und gehen sah, und so manche Geschichte erzählen kann. Gemütlich kann sich der Leser in seinem Schoß den Geschichten und der Geschichte lauschen.

Der Bahnhof in Luxemburg ist viel älter, im Jahr 2012 feierte man den hundertsten Geburtstag des Empfangsgebäudes, dem eigentlichen Wahrzeichen des Knotenpunktes. Unzählige Abbildungen aus längst vergessenen Tagen zieren diesen ungewöhnlichen Bildband. Ein Zeugnis der Geschichte eines zwar flächenmäßig kleinen und doch so bedeutenden  Landes. Es ist sogar noch Platz für den Fahrplan. Und die Reiseziele sind mindestens genauso verheißungsvoll wie das Großherzogtum selbst: Das antik-mondäne Arles im Süden Frankreichs, oder mal schnell mit dem TGV nach Paris, der bezeichnenderweise von Gleis 007 abfährt, oder ins lothringische Nancy, das mit Mirabllen-Bonbons und einem zauberhaften Stadtmittelpunkt, dem Place Stanislaus aufwarten kann. Die unmittelbare Welt liegt so nah.

Das Buch ist nicht nur für Eisenbahnfreunde eine wahre Fundgrube. Hier gelingt der Spagat zwischen Sachbuch, Bildband und urbaner Geschichtenerzählung. Der Bahnhof ist der Ausgangspunkt für Entdecker in einem Land, das im Herzen Europas den europäischen Grundgedanken erfunden zu haben scheint. Ein Land, das Abenteurer anzieht, ebenso Gourmets und Aktivurlauber.

„100 Joer Gare Lëtzebuerg“ ist das erste Buch mit Poster, aber nicht zum Heraustrennen aus der Mitte. Das Poster ist gleichzeitig der Schutzumschlag dieses wertvollen Wissensschatzes.