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Stadtabenteuer Rom

Überall nur alte Steine und Gemäuer! Naja, ist halt Rom. Doch die Stadt am Tiber nur als Sammelsurium von rundgelaufenem Granit zu sehen, ist mehr als ein Frevel. Denn hier lauert hinter jeder Ecke Geschichte, Kultur und eine Unmenge an Abenteuern. Ein Stadtabenteuer Rom – das muss man sich gönnen!

Fangen wir bei diesem Stadtabenteuer am Ende an. Das empfiehlt sich in Rom wie in keiner anderen Stadt. „7-5-3 – Rom schlüpft aus dem Ei.“ Würde man wirklich am Beginn anfangen, würde aus dem Stadtabenteuer Rom eine ewige Reise werden. Obwohl das auch schon wieder passen würde … Wie in jedem Stadtabenteuer der neuen Reisebuchreihe des Michael-Müller-Verlages geben auch hier die Autoren, Sabine Becht und Sven Talaron, einen kleinen Ablauf vor, den man einhalten kann, aber nicht muss. Was kann man am Morgen erledigen, was am Mittag, und wie kann man den Abend gehaltreich in jeder Hinsicht gestalten? Das reicht dann von schmutzigen Füßen über Knochenjobs bis hin zu Ochsenschwanzpasta. Die beiden Autoren hatten sichtlich Spaß bei den Recherchen zu ihren Stadtabenteuern in Rom. Und den teilen sie nun mit dem Leser.

Dass Rom nicht gänzlich aus altem Gestein besteht, beweist ein Besuch des Palazzo Valentini. Ein multimediales Spektakel, an das man sich erst einmal gewöhnen muss. Doch es lohnt sich, weiß das Neugier-Duo Becht/Talaron zu berichten. Nobel war die Gegend schon immer, was den Begriff Upper-Class-Immobilie plastisch werden lässt. Nichts für Puristen, die Rom lieber Stein für Stein erkunden wollen. Meint man, doch allein dieses Kapitel im Buch lässt so manchen Experten in Sachen archäologischem Fachwissen verstummen.

So mancher Rombesucher hat sich schon über Eintrittspreise für so manche Errungenschaft geärgert. Da tun Tipps gut, die das Portemonnaie nicht weiter belasten. Die Giulia 19-21 sollten sich kulturinteressierte Pfennigfuchser notieren. Wohlige Klänge zur Mittagszeit an einem Sonntag. Der Ort: Ein kleines Theater. Live on stage: Schüler des Conservatorio Santa Cecilia.

Zum Schluss noch ein Tipp für alle, die dann doch nicht auf das „übliche Touriprogramm“ verzichten wollen, was in Rom durchaus nicht mit einem Qualitätsmangel zu tun hat. Den Eintritt in die Vatikanischen Museen kann man sich zwar nicht schenken, dennoch kann man sich ein paar Euro sparen, wenn man online reserviert. Selbst die Onlinegebühr reißt da kein Loch mehr in den Sparstrumpf.

Rom muss man erleben. Die Fülle an Abenteuern lässt den Leser erstmal erstaunen. Die sollen alle in diesem 240-Seiten-Buch sein? Vielleicht nicht alle. Ganz bestimmt nicht! Aber die wichtigsten! Zusammen mit auserlesenen Tipps für Leib und Magen sowie den „Wenn man schon mal hier ist“-Infokästen wird Rom nun mehr kein Buch mit sieben Siegeln sein, sondern die Stadt auf sieben Hügeln, die dank Sabine Becht und Sven Talaron einige ihrer eindrucksvollsten Abenteuer preisgegeben hat.

Stadtabenteuer Wien

Würde es Wien nicht schon geben, man müsste es glattweg noch einmal erfinden! Judith Weibrecht hat zwar Wien nicht neu erfunden. Aber ihre Stadtabenteuer Wien geben – wie alle Bücher der neuen Reisebuchreihe aus dem Michael-Müller-Verlag – der reichlich angestaubten Reisebuchbranche eine neue Note. Wer nun erwartet, dass Treppensteigen im Stephansdom als extraordinär einzuschätzen ist, liegt nicht ganz falsch, dennoch kann die Autorin immer noch einen draufsetzen.

Man fühlt sich in einer Metropole schnell allein gelassen. Auch wenn sie quasi vor er eigenen Haustür liegt. Das kann an der Andersartigkeit der Stadt liegen, an ihrem undurchsichtigen Verkehrssystem oder auch an der Sprache. Ja, Wien ist anders, der öffentliche Personennahverkehr ist exzellent organisiert. Doch ein Wiener mal richtig loslegt, ist man schnell mit seinen Deutschkenntnissen am Oarsch! Herr hilf mir, möchte man ausrufen. Besser sollte es heißen: Maria hilf! Denn im Stadtteil Mariahilf, wird einem wirklich geholfen. Eineinhalb Stunden Weanerisch im Dialektworkshop. Danach ist man nicht deppert, weiß, dass es sich gehört ein Servas in die Runde zu werfen, wenn man andere begrüßt und ist nicht länger irritiert, wenn man ein Sackerl angeboten bekommt.

So gewappnet kann der Streifzug durch die Donaumetropole losgehen. Nur ein Katzensprung entfernt liegt der Bauch von Wien, der Naschmarkt. Ein Paradies für alle Leckermäuler. Allerdings auch eine No-Go-Area für alle, die es gern mal etwas ruhiger angehen lassen. In den engen Gassen zwischen den Ständen fällt es zunehmend schwer die lukullischen Extravaganzen in den Auslagen auch wirklich genießen zu können. Doch es gibt einen Trick, den Naschmarkt auch wirklich und gänzlich zu einem Erlebnis zu machen. Während die Sonne sich langsam aus ihrem Nachtquartier schält, stiehlt man sich leise aus seiner Unterkunft. Das ist echte Weanerische Marktkultur! Und im Freihausviertel gleich nebenan kann man sich stärken und in so manchem Designerlokal ein neues Leiberl erstehen. Was das ist, weiß man ja noch aus dem Sprachkurs. Ob da allerdings schon am frühen Morgen die Türen mit einem Lächeln geöffnet sind?

Wer noch mehr Wien und noch mehr Mariahilf verträgt, der trinkt sich genussvoll durch die Kaffeekarte des Cafe Jelinek, kraxelt an einem ehemaligen Flakturm die Wände hoch und taucht im selben Gebäude in die Tiefen der Ozeane hinab. So ist Wien, so sind die Stadtabenteuer, so muss es sein!

Stadtabenteuer Berlin

Ich hab noch einen Koffer in Berlin – na hoffentlich ist da nicht dieses Buch drin! Dann fehlt nämlich was! Oder vielleicht es auch besser, wenn dieses Buch in diesem Koffer wäre. Dann hätte man wieder einen Grund nach Berlin zu reisen. Das Buch aus dem Koffer zu holen und für Stunden, Tage, Wochen unzählige Erlebnisse zu sammeln. Es muss jeder für sich selber entscheiden, was besser wär. Fest steht jedoch, dass man Berlin ohne dieses Buch kaum als Abenteuertrip bezeichnen könnte.

Ein echtes Abenteuer, das für viele einmal überlebensnotwendig war, ist eine Tour durch die Unterwelt Berlins. Das hat nichts mit Luden Dealern und Ganoven zu tun, sondern mit Fluchttunneln. Eng und stickig war es hier, jetzt ist es ein Erlebnis für Besucher, die Berlin mal aus einer anderen Perspektive sehen wollen.

Eine ganz andere Sicht auf die Stadt (und das ist wortwörtlich zu nehmen) hat man am Alex. Und zwar nicht nur vom Fernsehturm, sondern auch vom Park Inn nur ein paar Minuten vom Vorzeigeturm der Hauptstadt entfernt. Wer hier oben steht, kommt aber nicht nur wegen der Aussicht, sondern wegen des Nervenkitzels. Rasantes Abseilen an der Mauer aus ca. 125 Meter Höhe. Ein kurzer Kick, das ist es, was man, wenn man noch unten steht, sucht. Eine Überlegung, was man hier eigentlich tut, wenn man oben auf der zierlichen Plattform langsam emporgehoben wird, um anschließend gen Boden zu sausen. Und wieder am Boden? Schlotternde Knie und das befreiende Gefühl etwas getan zu haben, an das man sich noch lange erinnern wird.

In diesem Tempo geht es weiter im Buch. Auf David Bowies Spuren, Kunst im Nazibunker – Obstlager – Technotempel, Streetart oder Verkehrsregeln missachtender Bikermob – hier ist der Titele des Buches Programm: Stadtabenteuer. Zeit und ein bisschen Kleingeld sollte man auf alle Fälle mitbringen. Wir sind in Berlin! Die Zeiten, in denen es was geschenkt gab, sind vorbei. Doch jedes Stadtabenteuer ist erschwinglich und nachahmenswert. So soll ein Urlaub sein!

Die kurzen Kapitel sind schnell gelesen und langanhaltend im Kopf. Besonders zu empfehlen sind die Sidekicks „Wenn man schon mal hier ist“. Wie in jedem Buch der neuen Stadtabenteuer-Reihe, vervollständigen sie die Eindrücke und Erlebnisse der Autoren. Sie sind wichtig, um das vorgestellte Abenteuer – und es sind auch wirklich welche, nicht nur leere Worthülsen – voll umfänglich genießen zu können. Wer will schon Kreuzberg sehen, ohne den Kreuzberg zu sehen und den Viktoriapark? Zur Belohnung gibt’s Bockwurst mit Ausblick.

Amsterdam Stadtabenteuer

Entgegen des Vorurteils vieler gibt es mehr als nur einen Grund Amsterdam zu besuchen. Auch wenn Coffeeshops immer noch an erster Stelle der zu besuchenden Orte in der Grachtenstadt sind. Aber wie wäre es denn mit einem echten Vermeer, auf dem man selbst die Hauptattraktion ist? Unbezahlbar und vor allem unmöglich, weil der Künstler selbst seit über 350 Jahren tot ist! Nicht in Amsterdam. Hier ist alles möglich! Hält man sich an diese Prämisse, wird Amsterdam zu einem Erlebnis, das man wirklich niemals vergessen wird.

Apropos vergessen. So mancher Amsterdam-Besucher bereut es im Nachhinein so einiges am Wegesrand übersehen zu haben. Tja, so ist das eben, wenn man nur eines im Sinn hat und die Reisehandbücher außer Acht lässt! Die Stadtabenteuer-Reihe macht es unmöglich sich herauszureden. Ein „Woher sollte ich das denn wissen?“ ist kein Argument mehr etwas vergessen zu haben. Diana Stănescu ist die Spielverderberin für alle, die bisher nur schnurstracks durch eine der meistbesuchten Städte der Welt geschlendert sind und schlussendlich doch nichts gesehen haben. Das beginnt beim eben schon erwähnten Porträt, das man von sich in historischer Kulisse anfertigen lassen kann. Und endet noch lange nicht beim kostenlosen Ticket für ein Konzert im Koninklijk Concertgebouw. Ja, kostenlos. Da es nur ein Ticket pro Person gibt, muss man sich allerdings die Mühe machen und selber anstehen. Wann und wo? Steht alles im Buch!

Da darf ein Restauranttipp á la Futtern wie bei Muttern nicht fehlen. Doch obacht – Amsterdam ist einzigartig. Im Moeders stehen die Mütter nicht zuhauf am Herd, sondern schauen von den Wänden den Gästen zu, ob sie sich denn auch benehmen, gerade sitzen und nicht mit dem Essen spielen. Derart viele Blicke auf sich gerichtet, wird man zum Musterkind.

In Amsterdam passt vieles zusammen, was anderswo auf der Welt nicht nebeneinander existieren kann. Die Moderne, die Wandelbarkeit der Stadt und die ältesten Lebewesen der Stadt in einem Viertel, das sich vom Lustgarten zur eher gehobenen Wohngegend entwickelt hat. Weesperbuurt heißt der Stadtteil und der Mikrobenzoo ist das Highlight unter den zahlreichen Museen der Stadt.

Wer bisher meinte, dass Amsterdam wo viel zu bieten hat, dass er auf einen Reiseband verzichten könne, kommt schon nach einigen Seiten zu der Erkenntnis, dass er bisher rundum falsch lag. Viele Reisebücher rühmen sich unentdeckte Hotspots aufgetan zu haben, die keiner kennt. Die man unbedingt gesehen haben muss. Ein Einfaches in einer Stadt, die seit geraumer Zeit darauf verzichtet Geld für Werbung nach außen auszugeben, da eh schon zu viele Touristen die Stadt (über-)bevölkern. Hier wird nicht marktschreierisch das Unbekannte herausgegrölt, hier wird es sanft und nachhaltig angeboten. Die Angebote sollte man aber annehmen!

Lissabon – Begegnungen in der Stadt des Lichts

An der Uni gibt es zu Beginn eines jeden Semesters eine Bücherliste mit Titeln, die man für die jeweiligen Kurse unbedingt gelesen haben sollte. Gewissenhafte Reisebuchautoren fügen ihren Büchern ebenso eine Liste an. Holger Ehling kann sich sicher sein, dass sein „Lissabon – Begegnungen in der Stadt des Lichts“ demnächst (und in alle Ewigkeit) fester Bestandteil solcher Listen sein wird. Denn sein Buch ist zum Einen Appetitanreger für alle, die noch nie in Lissabon waren. Zum Anderen ein Festmenü für alle, die die Stadt schon kennen. Beziehungsweise meinen die Stadt zu kennen.

Ein Reiseband mit dem man über die zahlreichen Hügel rennt, ist dieser Band der Corso-Reihe nun wirklich nicht. Dafür gibt es Bücher im handlichen Format, die Wege aufzeigen, Tipps zur Einkehr geben und einem Aussichtspunkte ans Herz legen. Dieses Buch geht tiefer. Angefangen bei der langen Geschichte der Stadt, immerhin siedelten vor dreitausend Jahren die ersten Menschen bis hin zur allgegenwärtigen Straßenkunst breitet er den Fächer der Stadt vor dem Leser und dem Besucher Lissabons aus.

Eine Fahrt mit der berühmten Straßenbahnlinie 28E, wobei das E nicht für Einrückefahrt, sondern für elektrisch steht, gehört für jedermann, der am Tejo urlaubt, auf dem Programm. Es quietscht in einem fort, dass einem die Ohren bluten, doch so mancher Streckenabschnitt lässt halt nur diese eine Variante der Straßenbahn zu. Zu eng die Gassen für die modernen geräuschlosen Wagen. Ein Gefühl von Nostalgie macht sich breit, der jederlei Fortschritt in den Schatten stellt.

Als Souvenirs für sich selbst oder die, die zuhause bleiben mussten, haben sich die Azuzlejos seit Jahren bewährt. Doch die Zahl der Hersteller wird immer kleiner, und somit nimmt auch die Weiterentwicklung dieses traditionellen Handwerks immer weniger Fahrt auf. Holger Ehling hat einen Handwerker besucht, dessen Familienbetrieb fast dem schnellen Fortschritt zum Opfer gefallen wäre. Aufopferungsvoll bewahrte man das, was in der Kürze der Zeit noch zu retten war.

Es sind nicht nur die zahlreichen – oft auch doppelseitigen – Abbildungen, die einem sofort ins Auge springen. Es sind die einfühlsamen Texte, die die Sehnsucht nach dem Süden, der Freiheit, dem Licht schüren. Viele Begegnungen sind einzigartig und nicht für jedermann nacherlebbar. Deswegen dieses Buch! In eine Stadt wie Lissabon einzutauchen, bedeutet vor allem eine neue Welt zu erkunden. Und das nur ein paar Flugstunden von zuhause entfernt! Wer dem Touristenstrom – immer hin sechs Millionen Besucher jährlich, Tendenz stark steigernd – eine Nase drehen will, muss dieses Buch lesen und sich selber auf die Socken machen das Lissabon der Lisboetas zu finden. Holger Ehling als Ratgeber ist dabei mehr als nur die beste Wahl.

Prag Stadtabenteuer

Es gibt nicht viele generationenübergreifende Städte, also Städte, die man als Kind mit den Eltern besucht, als Erwachsener noch einmal neu entdecken will und man als Gereifter noch einmal auf den Spuren der Vergangenheit wandeln möchte. Prag gehört da sicher zu den Erstgenannten. Mittlerweile verpuppt sich die Jugendstilikone von einst allmählich zur Partyhochburg im Herzen Europas.

Da tut es Not – sofern man nicht zwingend auf Slalomlauf zwischen Selfiesticks steht – einen Reiseband im Gepäck zu haben, der die leicht zu übersehenden Orte in den Fokus rückt. So wie den Schwarzen Ochsen. Eine Kneipe, die diesen Titel auch wirklich noch verdient und sich nicht als touristisches Gegenstück-Hotspot-Abzock-Dingelchen entpuppt. Während überall in der Moldau-Metropole das Bier mittlerweile 50 Kronen kostet, beharrt man hier stur auf den 32 Kronen für den reichlich gefüllten Humpen leckersten tschechischen Bieres. Klein, urig, tschechisch. Dieses Erlebnis wird man sein Leben lang nicht vergessen.

Renate Zöller kennt noch Unmengen dieser Erlebnisse. Sie weiß den Leser und Besucher Prags an die Hand zu nehmen und die Stadt so zu zeigen wie sie mal war und wie sie in den Erinnerungen von Millionen immer noch existiert. Auch wenn Mittwochabend vor dem Hus-Denkmal inzwischen tschechisch als Fremdsprache wahrgenommen wird und allerlei hipper Alkohol in weniger hippen Plastikbechern konsumiert wird. So viel zur weltweiten angesagten Umweltproblematik…

Prag war, ist und bleibt immer eine Reise wert. Wenn nichts mehr geht, Prag geht immer. Doch die Highlights sind dünn gesät. Was nach Widerspruch klingt – Prag kann mit prächtiger Architektur, einer reichhaltigen Gastronomie und abwechslungsreicher Landschaft wuchern wie kaum eine andere Stadt – ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen.

Man muss schon suchen, um im Winter Abkühlung zu finden. Man muss schon suchen, um die Karlsbrücke einmal für sich ganz allein zu haben. Man muss schon suchen, um Kafka auch wirklich verstehen zu können. Und wo sucht man da am besten? Im Stadtabenteuer Prag, der neuen Reihe aus dem Michael Müller Verlag. Preiswerte Tipps zu allen Belangen eines gelungenen Urlaubs. Detaillierte Anfahrtswege und Hinweise wie man dem Nepp aus dem Weg geht und Prag für sich ganz individuell erlebbar macht. Prag schläft nicht. Renate Zöller ist ausgeschlafen und bietet erlebnishungrigen Besuchern der Stadt eine gesunde Mischung aus Exotik, Mainstream und Originalität, die man auf Anhieb und schon gar nicht in der angebotenen Fülle so niemals finden würde.

Lissabon Stadtabenteuer

Lissabon gehört zu den Städten, die man nur mit einem Reiseband umfassend erobern kann. Was den meisten Reisebänden jedoch fehlt – zum Glück, sonst wären sie dicker als der Brockhaus – sind die Erfahrungen, die ein Autor dort machte, um diese Stadt auch wirklich lebensnah wiederzugeben.

Dafür gibt es die Reihe Stadtabenteuer aus dem Michael-Müller-Verlag. Ganz individuelle Eindrücke, die das Lebensgefühl Stadt erzählen und die Erlebnisse in den Vordergrund stellen. Johannes Beck ist der Mann für Lissabon. Zweite Heimat oder doch Sehnsuchtsort, die Frage stellt sich bei ihm nicht. Es ist beides!

Vorweg gleich die Info, dass alle Öffnungs- und Fahrzeitenzeiten der besuchten Orte am Beginn eines Kapitels verzeichnet sind. Und deswegen man keine Angst haben muss am Tabellenwirrwarr der Aushänge zu verzweifeln.

Lissabon hat sich trotz aller Touristenmassen, die die Stadt am Tejo besuchen wollen, ihren Charme und Reiz des Geheimnisvollen und des Noch-Zu-Entdeckenden bewahren können. Im Vergleich zu Barcelona, Venedig und Dubrovnik ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. Doch es gibt natürlich auch die Plätze, auf denen kaum noch Portugiesisch gesprochen wird. Und hier kommt dieses Buch ins Spiel. Es muss nicht immer gleich der teuer bezahlte Ausflug sein, der einen Urlaub unvergesslich macht. Kleine Erlebnisse, die zuerst unscheinbar an einem vorbeizugleiten drohen, sind im Nachgang viel bedeutender. Wie zum Beispiel ein Abstieg in die Metrostationen der Stadt. In Lissabon lässt man gern mal die eine oder andere Bahn an sich vorbeifahren, um sich der kunstvollen Gestaltung der Stadt zu widmen. Es gibt einiges zu sehen, das man auf den ersten Blick nicht ernsthaft wahrnimmt. Johannes Beck öffnet dem Leser – und schließlich dem Besucher – die Augen.

Doch nicht unter der Erde ist Lissabon ein Blickfang, sondern auch weit über dem Geschehen in der quirligen Stadt. Das Topo glänzt (nicht nur in der Sonne) mit einem grandiosen Ausblick, auch wenn der Weg hinauf in die Rooftop-Bar nicht gerade ein Augenschmeichler ist.

Die Alfama, die Altstadt kann nach Johannes Beck in fünf Schritten erobert werden: Sehen, Essen, Ausgehen, Shoppen, Schlafen. Und so geht es im gemächlichen Schritt – man will ja nichts verpassen – durch gut besuchte Straßen, lauschige Gässchen und an einzigartige Orte, die man nur aus diesem Buch kennen kann.

Wer Lissabon noch nicht kennt, bekommt schnell das Gefühl, dass er was verpasst hat. Wer es schon kennt, ärgert sich, dass so ein Buch erst jetzt erscheint. Wer Lissabon noch nicht auf seiner To-Do-Liste hatte, schmeißt selbige sofort über den Balkon und macht sich auf die Socken ans westliche Ende Europas. Die Vielzahl an – preiswerten bis kostenlosen – Erlebnissen verleitet schnell dazu diesen Reiseband einmal komplett durchzulesen und dann noch einmal, um nicht zu vergessen.

Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht

Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant. So einen kann man doch gar nicht nett finden oder gar mögen. Semjon Golubtschik ist so einer. Mittlerweile lebt er in Paris. Auf Geheiß der Partei, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, irgendwann in der 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Tari-Bari ist der Ort, in dem man sich trifft. Kaschemme, Lokal, Bar – auf alle Fälle ist es hier dunkel, grau, verraucht, düster. Auch die Besucher, meist Emigranten aus aller Herren Länder, meist Russen, sind grau, verbraucht, runtergekommen, desillusioniert. Und wenn einer bunt, kann man davon ausgehen, dass man ihn kennt.

Der Erzähler wohnt direkt gegenüber des Tari-Bari. Man kennt ihn. Er ist Stammgast. Ist ein bunter Vogel. Nur ungern gibt er sich als Russe zu erkennen. Zu viele Spitzel. Außerdem könnte man ihn als Spitzel ansehen. Doch dann schnappt er – schließlich spricht er russisch – ein paar Wortfetzen auf. Mörder! Dieses Wort lässt ihn aufhorchen und sich umdrehen. Da hinten, das ist der Mörder. Ein Mörder? Unter uns? Es ist Semjon Golubtschik.

Ehe sich alle versehen, scharen sie sich um Semjon. Und der hat endlich genug von seinem Leben und gibt selbiges zu Besten. Alle sind gespannt auf seine Geschichte. Eigentlich heißt er Krapotkin. Sein Blut ist blau, da sein Papa, besser gesagt, sein Erzeuger, ein Fürst war. Eben ein Krapotkin. Wohlhabend, adelig und keinem amourösen Abenteuer abgeneigt. So kam es auch, dass er der Mutter von Semjon Golubtschik über den Weg lief. Und siehe da, schon kurze Zeit später – neun Monate (!) – war der kleine Semjon geboren. Sein Vater, der Förster, zog Semjon nach seinen Vorstellungen groß. Warum auch nicht, Semjon ist ja sein Sohn.

Schon früh lernt Semjon, dass nicht der Förster, sondern der Fürst sein Vater ist. Alt genug eigene Entscheidungen treffen zu können, stellt er sich ihm vor. Im Schlepptau hat er einen gewieften Geschäftsmann aus Budapest. Der ihn immer wieder ermuntert sein Pläne für die Zukunft in die Tat umzusetzen. Nicht ganz ohne Eigennutz. Der Fürst empfängt den Zögling, speist ihn allerdings nicht minder geschwind mit einer Art Abfindung und abschiedsgrußlos ab. Als Geheimpolizist macht Semjon dann rasch Karriere.

Der Abend verfliegt, die Geschichte wird immer schauriger. Bis Semjon zum Kern des Pudels vordringt: Dem Mord. Oder war es mehr als einer?

Joseph Roth malt mit Worten ein düsteres Bild eines düsteren Menschen. Die Golubtschik / Krapotkin ist keiner, den man sich gern zum Feind macht. Ist er ein Opfer der Umstände oder bringen eben diese Umstände nur das Schwärzeste in ihm ans Tageslicht? Fasziniert und gebannt hechelt man der nächsten Perfidität des Widerlings hinterher. Denn man weiß, dass die Geschichte immer weiter gehen wird…

Klaus Waschk malt mit groben Linien ein nicht minder düsteres Bild. Genauer gesagt sind es fünfzig Bilder. Schroff, fast ausnahmslos Kohlezeichnungen, bieten sie dem Leser eine Leben dar, das gänzlich auf ehrliche Gefühle verzichtet. Der Drang sich selbst in ein Licht zu setzen, das weder strahlt noch eine glänzende Aura verströmt, lässt nur diese eine Art der Illustration zu. Eindrucksvoll und pointiert sind sie mehr als nur Beiwerk, sie sind die ideale Ergänzung zu Joseph Roths einmaliger Erzählweise.

Niemandsland

Der Erzähler (man kann davon ausgehen, dass es sich um den Autor handelt) und sein Freund Frank wachsen im Berlin der späten 60er / 70er Jahre auf. Ost-Berlin! Sie stromern durch Knallerbsenbüsche, schließen Blutsbrüderschaft, stürzen sich von vergammelten Kähnen in Seen, büchsen aus dem Kindergarten aus … halt alles, was man als fantasiebegabtes Kind im Rahmen der sozialistischen Möglichkeiten so tun kann. Von Indianerspielen – Ulzana aka Gojko Mitic ist ihr großes Leinwandvorbild – bis Fahrkartenautomatenknacken – die Beute wird ihnen allerdings schnell wieder abgenommen – ist alles dabei. Doch das ist alles nur ein Vorspiel für eine Jugend, die von Beklemmungen bestimmt sein wird, denen man nur mit Flucht begegnen kann.

Die liebevolle Mutter, der brutale Vater, die Engstirnigkeit der verblendeten Sittenwächter sind anfangs nur Nadelstiche auf der Suche nach Selbstverwirklichung. Je älter die unzertrennlichen Freunde werden, umso tiefer sitzen die Stachel der Verzweiflung. Was als Dummerjungenstreich beginnt, endet abrupt mit dem Eintritt ins Erwachsenenleben.

Matthias Friedrich Muecke gelingt es nicht nur mit Worten den Leser in eine Zeit zu locken, die vielen so weit weg erscheint wie sie gar nicht ist. Denn die Kindheit ist niemals weit weg. Erinnerungen mögen verblassen und die Eindrücke im Laufe der Jahre in einem andern Licht erscheinen, doch sie sind immer (noch) da.

Die Zeichnungen aus der Feder des Autors sind die eigentlichen Helden des Buches. Detailgenau (etwa das Glas mit den Dritten der Oma auf dem Staßfurt-Fernseher) und pointiert geben sie denjenigen, der eine andere Jugend erleben durfte ein exaktes Bild wider, was in den Texten schrill, skurril, melancholisch, aufmüpfig beschrieben wird. Wer ebenfalls mit Osceola, Muckefuck und Westpakete-Aufreißen aufgewachsen ist, wird aus dem vielsagenden Kichern nicht mehr rauskommen.

Am Horizont der Meere

Die starke Frau an der Seite, vor oder doch hinter dem übergroßen Dali? Oder doch hübsches Anhängsel? Oder gewiefte Geschäftsfrau? Helena Diakonova kam nicht mit dem goldenen Löffel im Kindermund zur Welt. Der Familie ging es gut, im zaristischen Russland als sie 1894 in Kasan zur Welt kam. Kaum vor dem Gesetz erwachsen, muss sie ins schweizerische Davos reisen. Zur Kur. Doch sie stirbt fast, vor Langeweile. Wären da nicht ihre Bücher – u.a. Anna Karenina – die blühende Schönheit würde bei klarer Bergluft eingehen wie Zimmerpflanzen, die man nicht gießt.

Als Wasserspender – bleiben wir bei dem Sprachbild –  erweist sich alsbald der junge Paul. Er liest ihr vor, umgarnt sie, beide sind sich sicher, dass sie ohne den Anderen nicht sein können. Doch der Kanonendonner dröhnt schon aus der Ferne und als die Kur der beiden vorbei ist, rasseln die Säbel und Panzerketten im Gleichklang. Mit Energie und Enerviertheit gelingt es Helena, die sich nur allzu gern Gala nennen lässt, ihre Eltern davon zu überzeugen, dass Paul im fernen Paris der Eine für ihre Zukunft ist. Helsinki, Schweden, England sind ihre Zwischenhalte auf dem Weg in ihre persönliche Freiheit. Paul, Paul Éluard, der Dichter, stammt ebenfalls aus nicht gerade ärmlichen Verhältnissen. Auch seine Eltern haben Vorbehalte gegenüber der Auserwählten. Schließlich ist Krieg!

Aus Helena und Paul wird das Ehepaar Gala und Paul Éluard. Sein mühsam erdichtetes Geld steckt der ruhelose Künstler in Kunst. Picasso (echt) hängt an der Wand wie anderenorts heutzutage Billard spielende Hunde. Gala ist willkommen im Kreis der Bohème von Paris. Und sie strahlt über beide Ohren ob dieses Umstandes. Als Dada die Kunstszene Europas durcheinanderwirbelt, sind Breton und Paul engste Vertraute, Freunde, Tippgeber, Anstupser … und Paul auch der Vater ihrer Tochter. Mit der kann Gala allerdings wenig anfangen. Sie wächst den größten Teil ihrer Kindheit bei Pauls Eltern auf.

Paul stellt Gala Max Ernst vor. Ein begnadeter Künstler wie Paul meint. Gala findet das auch, wird seine Muse und ein bisschen mehr. Paul ist gekränkt, aber im gleichen Maße weiterhin in Gal verliebt. Als ihm die Luft zum Atmen dennoch geraubt wird, flieht er. Gen Westen, bis in die Südsee. Gala wagt einen letzten Versuch ihre Ehe zu retten. Von Liebe keine Spur, Zusammengehörigkeits- und Pflichtgefühl sind der Kitt, der beide zusammenhält. Paul begeht ein weiteres Mal den Fehler Gala einem begnadeten Künstler vorzustellen. Doch dieses Mal wird Gal nicht mehr zu Paul zurückkehren. Denn der Mann, den sie am Strand in Spanien trifft, der so penetrant nach Ziege stinkt, ist Salvador Dali. Aufstrebender Star der Surrealisten. Er wird den Surrealismus an sich reißen, dass neben ihm nur noch Platz für Trittbrettfahrer sein wird. Gala sieht die Chance sich zu verwirklichen und Dali zu einer Marke zu machen.

Unda Hörner strickt den durchaus nachvollziehbaren Fakten des Lebens von Gala Dali ein feines Gewand das so luftig-leicht daher kommt wie selten eine Romanbiographie zuvor. Dabei verzichtet sie auf die Klischees, die unweigerlich mit dem Namen Dali einhergehen. Die Biographie endet an dem Zeitpunkt als Gala und Salvador aufeinandertreffen. Alles, was sie bis zu diesem Treffen ausmachte, nennt man Leben. Und genau um dieses Leben geht es der Autorin. An ihrem 125. Geburtstag am 7. September 2019 gedenkt man vielerorts Gala Dali. Diese Biographie wird dem Einfluss Galas auf die Kunstwelt mehr als gerecht.