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Ma

Paris ist für Massiré Dansira, Ma genannt, nicht das Paradies. Vielmehr ist es der Ort, der ihr die Möglichkeit bietet ihre Familie „durchzubringen“. Denn die lebt noch in Mali, mitten in Afrika, einem Land, das hierzulande nur durch Blauhelmmissionen und Attentate bekannt ist. Und sie bringt vier Kinder zur Welt. Einen Sohn als Erstgeborenen, welch ein Glück. Und dann ein Tochter.

Sie ist in Frankreich geboren. Ist also Französin, wird aber von ihrer Mutter, Ma, mit den Traditionen Malis gegängelt. Zumindest empfindet die aufsässige Tochter es so. Tradition ist wichtig, das wird ihr immer wieder eingeimpft. Und so wird zuhause Bambara gesprochen. In der Schule, auf der Straße, mit Freunden ist Französisch die Sprache der Tochter. Beide, Mutter und Tochter haben so ihren Kampf, der ihr Leben prägt. Nur mit dem Unterschied, dass Ma ihre Kämpfe schon hinter sich wähnte.

Die Tochter ist es auch, die mit Liebe und Würde von ihrer Mutter spricht und schreibt. Denn Ma ist nun nicht mehr da. Der Rückhalt, der ihr all die Jahre alles ermöglichte, den sie verfluchte, doch tief im Inneren verehrte und bis Ende liebte, ist nicht mehr. Sie erzählt vom Leben in der Fremde. Für Ma eine Welt, die sie nicht kannte. Nicht einmal vom Hörensagen. Die Verbindungen in die Heimat waren Mas Rückhalt, aber auch Fluch. Denn die Traditionen wurden auch hier in Paris von Männerräten hochgehalten. Freie Entfaltung Fehlanzeige.

Der Tochter geht es da schon einen Tick besser. Sie findet Zuflucht im Boxen. Ihr ist Mali so fremd wie es Paris einst ihrer Mutter war. Und sie ist erfolgreich…

„Ma“ ist der zweite Roman von Aya Cissoko. Auch sie wurde in Frankreich geboren. Auch sie fand ein rettendes Ufer im Boxsport, war sogar Weltmeisterin. Bis eine Wirbelsäulenfraktur ihrer sportlichen Karriere ein jähes Ende bereitete. Sie weiß wovon sie schreibt. Sie kennt die Aufmüpfigkeit der Jugend, besonders der zweiten Generation afrikanischer Einwanderer. Heute lebt sie in Paris und ist Schriftstellerin und Politologin. Das Besondere an diesem Buch ist die schonungslose Offenheit, mit der die Tochter ihrer Mutter ein Denkmal setzt. Weit entfernt von tränenrühriger Geschichte, dafür ganz nah am Leben beschreibt sie den Mut der Mutter sich gegen alle Widerstände durchzusetzen. Auch das färbt natürlich auf die Tochter ab. Durchsetzungsvermögen und schnelles Erfassen sind im Boxsport genauso (überlebens-)wichtig wie im „wahren Leben“. Die Einblicke, die man als Leser in die ach so fremde Kultur Malis erhält, sind so einmalig, dass sich sofortiges Verständnis für die eine oder andere beschriebene Situation einstellt. Das fremde Mali ist von jetzt an Geschichte, die Wurzeln des Landes können nie mehr verleugnet werden. Dank Aya Cissoko.

Kalender „Two Of Us“

„Let’s Talk“, „Telling Time“ und nun „Two Of Us“. Soll die Kalender-Trilogie mit Werken von Mehrdad Zaeri und Freunden schon zu Ende sein? Dann wäre 2018 ein trauriges Jahr. Zwei Jahre haben seine Kalender den Betrachter durchs Jahr begleitet, haben die Bilder zum Nachdenken angeregt, ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert, die Kunstwelt bereichert. Doch sind wir optimistisch und wagen schon mal schon mal einen Blick ins neue Jahr.

In jedem Monat zeigen Mehrdad Zaeri und einer Freunde wie Reza Riahi, Ellie Zahedi, Marie Lafrance und Nelleke Verhoeff, wie sie sich Zweisamkeit vorstellen. Und wie in jedem guten „Schöner-Schreiben-Seminar“ kommen unterschiedliche Ergebnisse heraus. Schwarz-Weiß, knallbunt, Skizzen, Farbexplosionen, skurrile Charaktere, stilistische Brüche – die ganze Vielfalt der künstlerischen Phantasie wird auf Papier gebannt. Man kann es kaum erwarten nach zwei Wochen endlich umblättern zu dürfen.

Auch wenn man sich in Bildergalerien nicht heimisch fühlt, kommt man dem Geheimnis der Bilder schnell auf den Grund. Es sind die Perspektiven, die die Protagonisten einnehmen. Wenn zwei Schiffbrüchige sich auf dem Meer begegnen, ein Riese und ein Zwerg, dann erwartet man, dass der Zwerg flehentlich um Hilfe bettelt. Bei „Two Of Us“ wird die Welt auf den Kopf gestellt.

Apropos auf den Kopf stellen. Derzeit scheint ja nichts mehr sicher zu sein. Prognosen fallen ins Wasser wie ein riesiger Felsen am Meeresrand. Alle Analysten werden vollgespritzt mit dem Ergebnis dieses Falls. Ist die Welt aus dem Lot? Ganz so schlimm scheint es doch nicht zu sein. Solange der Humor noch atmen kann, ist Rettung noch in Sicht, ist sie greifbar. So sehen es auch die an diesem Kalender beteiligten Künstler. Mag die Welt auch noch so grau sein, es geht immer weiter. Man muss sich nur aufeinander einlassen können. Ob nun zu Zweit wie in „Two Of Us“ oder im „wahren Leben“.

Dieser Kalender ist zeigt wie man es machen kann, dass zwei mit-, neben- und füreinander da sind. Jedes Bild erzählt gleich mehrere Geschichten. Und jedes Mal, wenn man an diesem Kalender vorbeikommt, fällt einem eine andere Story ein.

Und vielleicht wird ja aus der Trilogie mal eine Tetralogie, Pentalogie, Hexa… Oder es kommt etwas ganz Neues – Hauptsache, dass Mehrdad Zaeris sinnliche Reisen weitergehen.

Thorbeckes Obst Kalender 2018

 

Die Aprikose als Kunstform. Der Apfel als Museumsobjekt. Die Süßkirsche als Bote des Hochsommers. Es müssen nicht immer die großen Meister sein, die uns unseren Alltag ins rechte Licht setzen. Nicht immer nur überladene massive Holztische, von denen die Trauben lust- und bedeutungsvoll so wohlig dargeboten werden. Es gab tatsächlich eine Zeit, in der Erdbeeren als eine Neuentdeckung galt. Und da man nicht mal schnell sein Smartphone zücken und diese Neuentdeckung posten konnte, waren es die Wissenschaftler, die mit dem Stift besonders gut umgehen konnten, die der Nachwelt zeichnerisch ihre Entdeckungen kundtaten. Und jetzt stelle man sich vor, jede Woche eine neue Expedition ins Reich der Vitamin-Fauna unternehmen zu können. Man muss nur den Blick geradeaus richten und sich auf das Abenteuer Nostalgie einlassen.

Dieser Wochenkalender mit seinen sechsundfünfzig Blättern ist mehr als nur eine Zierde einer stilvoll eingerichteten Küche. Feinste Striche, kräftige Farben, klare Konturen zeichnen dieses kleine Kunstwerk für jedermann aus. Mal überladen, mal übersichtlich wie ein Almanach galoppiert der Betrachter durchs Obstjahr und kann sich in kurzen Texten ein wenig informieren, was er denn da sieht. Und schon bekommt man Appetit. Auf Mandeln, auf Papaya, auf Pfirsiche, auf Birnen, auf Reneklode … auf was? Reneklode! Was ist das denn? In der Woche vom 30. Juli bis zum 5. August wird man es erfahren. So viel sei schon verraten, es handelt sich um eine Pflaumensorte, deren Name royalen Ursprungs ist. Und schon hat man wieder was gelernt beim Museumsbesuch in den eigenen vier Wänden.

Oft kommt einem beim Spaziergang das Wort Pracht in den Sinn. Blütenpracht, die einen überwältigt, wenn die Natur in voller Blüte steht. Die Augen quellen über vor Freude über so viel Farben- und Formenspiel. Doch leider ist diese Zeit schnell vorüber. Mit diesem Kalender dauert sie nun exakt dreihunderteinundsiebzig Tage. Ein Jahr und dann noch sechs Tage von 2019. Und jede Woche kommt Obst in den Sinn, auf den Tisch, an die Wand. Und jeden Tag erfreut man sich an der Vielfalt der Natur. Und … und … und.

Es müssen nicht immer die selbst gemachten hochauflösenden Bilder sein, die Erinnerungen hervorrufen. Ein bisschen Nostalgie gefällig? Bitte sehr, hier kommt die Vitaminbombe fürs Auge!

Wolf und Leonard Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2017

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2017

Alt und Jung, erfahren und neugierig, gelassen und ungestüm – oder einfach Vater und Sohn. Die Reibungspunkte sind genetisch vorgegeben, genauso wie die Beäugung von Anfang an. Das ungleiche und doch so ähnliche Paar zu beobachten, ist immer ein Blickfang. So auch bei Wolf und Leonard Erlbruch. Staffelübergabe inklusive. Denn passend zum Thema wird nun der Filius Kalender beim Peter-Hammer-Verlag gestalten. 2017 ist das Übergangsjahr, in dem beide zusammen ihr Können unter Beweis stellen.

Zwölf Mal darf nun der Betrachter vor den großformatigen Bildern verweilen und kommt schnell ins Nachdenken, nicht Grübeln. Der fürsorgliche Vater, der sich um ein warmes Umfeld für seinen Stammhalter sorgt und auch schon mal vermeintliche Mutteraufgaben übernimmt. Als Dank gibt es dann auch mal Ablehnung – so viel zu den Reibungspunkten. Nachahmer in Kinderschuhen, ein Bild, das man so oder ähnlich schon öfters gesehen hat.

Es ist ein Jahresfest sich diesen Kalender nicht nur als Dekoration ins Zimmer zu hängen. Unweigerlich spinnt man sich seine eigenen Geschichten zusammen. Ein planschender Bärenjunge, Papa Bär hängt am Sprungbrett. Hat der „Alte“ etwa Angst? Dem Jungen freut’s! Und wer‘s nicht gesehen hat, wird’s nicht glauben: Auch Gänse spielen Indianer, so richtig mit Pfeil und Bogen.

Noch nie waren vermenschlichte Tiere so authentisch und ohne Kitsch die bestimmenden Wandelemente. Fernab jedweder Klischees beweist das Vater-Sohn-Gespann Erlbruch, was jahrelanges Zusammenleben und Arbeiten hervorbringen kann. Farbenfroh, ironisch, naiv, lebensfroh, dramatisch – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Vater und Sohn – ein Hingucker für jeden Tag!

Aufbau Literatur Kalender 2017

Aufbau Literatur Kalender

Wie oft würde man gern den richtigen Spruch oder das richtige Wort parat haben, wenn einem wieder mal was gegen den Strich geht. Eine wohlformulierte Phrase, die man seinem Gegenüber selbstbewusst um die Ohren haut. Oder einfach nur einen Leitspruch für den Tag, als Stimmungsaufheller. Seit fünfzig Jahren gibt der Aufbauverlag in diesem Fall wort- und bildreich Unterstützung für das ganze Jahr.

Der Literatur-Kalender strotzt nur so von Weisheiten. Gleich auf dem Deckblatt gibt Margaret Mitchell allen, die gern mal einen erfrischen Kick (was wortwörtlich zu nehmen ist) als Starthilfe benötigen mit auf den Weg. Sie meint, dass wir unser Glückes Schmied sind. Wer wartet, wartet oft vergebens. Nur wir selbst sind für uns verantwortlich.

Ein weiterer, sofort ins Auge fallender Vorteil ist die Tatsache, dass man endlich mal ein Bild von den Verfassern der geistereichen Gedankenblitze hat. Wer weiß schon wie Hunter S. Thompson aussah? Oder Ferenc Molnar? Oder wie die Erstausgabe von beispielsweise Baudelaires „Les Epaves“ gestaltet war.

Immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Dazu eine kurze Geschichte zu den Zeilen: Zu Ende ist das Sinnsuchen. Wohltuend auch die klischeefreie Gestaltung der Wochenblätter. Guiseppe Tomasi di Lampedusa stellt man sich vielleicht mit einem Leoparden vor. Nein, in diesem Kalender dienen Frau und Hunde als dekoratives Beiwerk. Daphne die Maurier kommt strahlend mit ihren drei Kindern und nicht düster und morbide daher.

Auch Geschichtsfaktenfans kommen ganz auf ihre Kosten. Denn an jedem Wochentag sind Geburts- bzw. Sterbedaten berühmter Persönlichkeiten abzulesen. Manch einer scheint schon vollkommen in der Versenkung verschwunden zu sein. Dank des Kalenders taucht er zumindest für einen Tag wieder auf. Und er erinnert an Jahrestage, wie den Todestag von Alfred Döblin, der sich 2017 zum sechzigsten Mal jährt.

Der Kalender verleitet sicher auch so manchen Leseunwilligen wieder mal ins Bücherregal zu greifen und sich das eine oder andere Buch (noch einmal) zur Brust zu nehmen. Und vielleicht entdeckt man darin dann seinen eigenen Kalender mit dem passenden Spruch zur Stimmung des Moments…

Telling Time Kalender 2017

 

Telling Time 2017

Wer (bzw. was), wenn nicht die Zeit, soll uns erzählen? Vom Miteinander der Menschen, Kulturen, Religionen. Mehrdad Zaeri ist Illustrator und mit Marie Wolf hat er dem Buch Martin Bubers „Ich und Du“ ein bzw. vierundzwanzig eindrucksvolle Gesichter gegeben. Zwei Bilder pro Monat, die man selbst wählen kann. Denn jeder Monat wird komplett angezeigt, hat aber zwei Bilder. So kann man jeden zwischen Tagen die Bilder tauschen oder nach zwei Wochen oder oder oder …

Doch der Kalender ist kein reines Tagesanzeigeobjekt mit grafischer Aufarbeitung. Die Bilder sind der Hauptbestandteil des Kunstwerkes. Das Buch „Ich und Du“ stammt aus dem Jahr 1923. Martin Buber war Religionsphilosoph. Ihm ging es um den Dialog der Menschen, um sich kennenzulernen und einander zu verstehen. Denn nur, wer sich mit dem Anderen auseinandersetzt, kann ihn auch verstehen. Wie aktuell das Thema nach fast einhundert Jahren immer noch ist, wird jedem klar, der mit offenen Augen die Welt geht. Selbst die, die Augen vor Vielem verschließen dürfte das klar sein.

Mit jedem Umblättern – ob nun jeden Tag oder im Wochenrhythmus – wird dem Dialog ein Bildstatement gesetzt. Der gebürtige Iraner Mehrdad Zaeri und Marie Wolf, die in Berlin Kommunikationsdesign studierte, setzen Textpassagen aus „Ich und Du“ in Bilder um. Mit jedem Betrachten kommt man der Thematik näher. Immer wieder entdeckt man neue Facetten des Themas und setzt sich so mal bewusst, mal unterschwellig damit auseinander.

Flucht und Vertreibung sind mehr als nur ein Sommerthema, um die Saure-Gurken-Zeit zu überbrücken. Für aktive Politiker ist es die Herausforderung, die sie mehr oder weniger gut annehmen (können). Es ist Wahlkampfthema, Populismusfutter und der Grund für Zerwürfnisse ungeahnten Ausmaßes.

Da tut es gut, wenn Künstler wie Mehrdad Zaeri und Marie Wolf leise Töne anschlagen. Siepoltern nicht gleich los, schwingen nicht einmal ansatzweise die Radikalenkeule, sondern beweisen einmal mehr, dass die Feder um einiges schwerer wiegt als die Axt. Mit unterschiedlichen Stilen, sofern ein Laie das beurteilen kann, mal karikaturistisch, mal farbenfroh, mal bunt, mal strikt in Schwarz und Weiß interpretieren sie die abgedruckten Auszüge aus „Ich und Du“. In jedem Bild werden ganze Romane erzählt. Picknick im Wald, Flussfahrten, Kaffeepausen – das Zusammenleben findet nicht nur statt, wenn man es benennen kann. Keine Angst vor großen Tieren! Jeder, egal wer er ist, woher er kommt, was er vorhat, ist es wert, dass man sich mit ihm beschäftigt. So sollte man auch diesen Kalender eine Chance geben. Nicht jeden Tag wird man minutenlang davor verharren und sich fragen, was der Künstler damit aussagen wollte. Aber wenn man nur einmal pro Bild kurz innehält und in die Welt von Mehrdad Zaeri und Marie Wolf eintaucht, wird man merken, dass Kunst doch nicht so unverständlich ist wie sie oft verschrien wird.

101 Stockholm

101 Stockholm

Stockholm übt eine sagenhafte Faszination aus. Sie gehört nicht unbedingt zu den Hauptstädten der Welt, die man als erstes Reiseziel auf dem Schirm hat. Doch ist es mehr als wert besucht zu werden. Hat man die „angesagten Hauptstädte“ wie London, Paris und Amsterdam schon besucht, rückt die schwedische Hauptstadt ganz schnell um einige Plätze auf der Wunschliste nach vorn. Auch wenn man noch nicht so viel weiß über Gamla Stan, Riddarholmen und Strömsborg weiß man, dass man sich nicht als Weltenbummler bezeichnen darf, wenn man Stockholm nicht einmal live gesehen hat. Doch wo anfangen?
Die 101er-Reihe von Iwanowski’s bietet da mehr als nur einen Appetitanreger. Der Name ist Programm – einhundertundeinen Tipp für die Hauptstadt der Schweden, die auf vierzehn Inseln jeden Besucher verzaubern wird. Schon beim ersten Überlesen der generell auf zwei Seiten verteilten Tipps steigert sich das verlangen Stockholm nun endlich aufsaugen zu können. Auch wer nicht die Regenbogenpresse zur Pflichtlektüre erkoren hat, nicht die Promi- und Klatschsendungen im Fernsehen verfolgt, kennt die royale Pracht Schwedens. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht über Hochzeiten, Taufen oder gar Skandale berichtet wird. Umso logischer ist es, dass auch dieses Buch sich gleich zu Beginn mit den Bernadottes die Krone aufsetzt. Gamla Stan heißt der Stadtteil, den es zu erkunden gilt. Und da sich nicht alles auf zwei Buchseiten erzählen lässt, sind es gleich drei Kapitel, die sich diesem Fleckchen Stockholm widmen.
Klar strukturiert liest man sich durch die schönsten Ecken der Stadt. Kurze und längere Spaziergänge werden von Kunst und Kultur, Aussichtspunkten, architektonischen Highlights über Wasserwege bis hin zu ausgiebigen Shoppingtouren erläutert. Man muss nicht das ganze Buch durchleben – Stockholm ist zwar nicht sehr groß, umso größer die Chance letztendlich doch alles im Buch erwähnte zu sehen – doch sollte man Stockholm nicht ohne Reiseband erkunden. Es könnte so manches „vergessen werden“. Wie der Skogskyrkogården, der Waldfriedhof. Seit über zwanzig Jahren ist er Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes. Oder Fläderholmarna, der Mini-Archipel rund eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt. Ein Ort mit promillehaltiger Tradition. Sozusagen ein absolutes Ereignis. Kenner wissen jetzt Bescheid! Gemächlicher geht es auf dem Mälarsee zu. Kanuten finden hier ideale Bedingungen für ihr Hobby.
Das sind nur drei willkürlich ausgesuchte Orte, die man in Stockholm erleben kann. Auf eigene Faust in die Fußstapfen von Eroberern zu treten, tut jeder Reise gut. Doch dazu ist Planung erforderlich. Was nach Arbeit klingt, wird mit diesem Buch zum Erlebnis! Kurze, knackige Texte versprühen schon vor Reiseantritt Leidenschaft und einzigartige Erinnerungen. Es ist schon fast so als ob man gar nicht mehr nach Stockholm müsste, so umfang- und abwechslungsreich ist dieser Reiseband. Das wäre allerdings ein Fehler! Denn Stockholm selbst ist der einzige Ort, der dem Buch das Wasser reichen kann!

Archäologischer Kalender 2017

Archäologischer Kalender 2017

Aller guten Dinge sind drei. Zum dritten Mal in diesem Jahrtausend ist die Jahreszahl eine Primzahl. Grund genug, um das ganze Jahr vorzüglich durch die Wissenschaften zu schreiten. Wie wär’s mit Geschichte? Der Archäologische Kalender aus dem Philipp von Zabern Verlag ist seit Jahren ein zuverlässiger Partner in Sachen Wissensvermittlung, Geschichtswahrwerdung und Innendekoration. Wieder drei Dinge …

Tibetische Gottheiten, Aquarelle von griechischen und italienischen Vasen und Goldketten lassen das Jahr mit der ganzen Pracht und Handwerkskunst vergangener Tage, Jahre, Jahrhunderte beginnen. Kein billiger Touri-Schrott, denn man im Urlaub noch chic findet und zuhause dann einstauben lässt. Echte Schätze, nicht nur materiell. Die Rückseiten der Kalenderblätter geben den wahren Wert der Abbildungen preis. Kleine Geschichten aus der Geschichte der geschichtsträchtigen Fundstücke. Wieder drei – dreimal Geschichte…

Aus allen Ecken der Erde kommen die Ausstellungsobjekte, die in diesem Kalender eindrucksvoll in Szene gesetzt werden und so manche Urlaubsplanung um den einen oder anderen Museumsbesuch bereichern werden. Nigeria, Tibet, Kreta in den Museen in Köln, Paris, Teheran. Sie wurden aus Ton, Gold und Kupfer gefertigt, um Göttern zu huldigen, Auftraggeber zufrieden zu stellen oder den Alltag zu erleichtern.

Die Bandbreite der Dinge in diesem Kalender ist so breitgefächert wie die Menschheitsgeschichte. Es ist schwer sich auf eine Lieblingsseite (jeweils für zwei Wochen) festzulegen.

2017 ist ausnahmsweise kein Jahr mit großen sportliche Ereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußball-Meisterschaften (abgesehen von der Frauen-Fußball-EM in den Niederlanden), auch wenn das Titelbild etwas anderes vermuten lässt. In Deutschland steht Martin Luther im Mittelpunkt des Feierjahres. Den „Luthereffekt“ beleuchtet dabei das Deutsche Historische Museum in Berlin (ab dem 12. April 2017), passend dazu ein Bild in der Kalender-Doppel-Woche vom 3. bis 16. April 2017, das den Reformator im Kreis von Gleichgesinnten zeigt. Das Bild ist mehr Wunschdenken des unbekannten Künstlers als Realität. Denn – so erfährt man auf der Rückseite – unterschiedliche Generation und Herkunft führten oft zu Zerwürfnissen.

Einmal mehr beweist der Archäologische Kalender, dass Geschichte nicht mit staubtrockener Faktensammlung zu tun hat, sondern bildgewaltige reisen bedeuten kann. Es ist wie eine nicht enden wollende Weltreise, von Kontinent zu Kontinent, von Zeitalter zu Zeitalter, von Ahhhs zu Ohhs. Und das mehr als nur dreimal…

Schmetterlingskalender 2017

Schmetterlingskalender

Woran soll man nur erkennen, dass der Wonnemonat Einzug gehalten hat? An den vielen Feiertagen? Das könnte auch ein anderer Monat sein. Wer die Augen offen hält und ein wenig Sinn für das Farbenspiel der Natur hat, bemerkt die vielen bunten flatternden Leichtgewichte der Lüfte. Die Schmetterlinge sind zurück und mit ihnen der Frühling und der Sommer. Die meisten der zerbrechlichen Geschöpfe beginnen ab Mai ihren Tanz.

Die schönsten von Ihnen allerdings sind ganzjährig zu sehen. Das ganze Jahr 2017 hindurch. Das Farbenspiel, schier unendliche Formenreichtum und natürlich die fast schon romantische Darstellungsform lassen schon in den ersten Kalenderwochen den Frühling herbeisehnen. Es sind nicht nur die beeindruckenden Stiche und Lithografien, die Einen in ihren Bann ziehen. Es sind auch die kleinen Begleittexte. Ein Hauch von großer weiter Welt umweht den Betrachter, wenn er liest, dass beispielsweise der Odysseusfalter in Australien und Neuguinea beheimatet ist. Koffer packen? Dann verpasst man die nächsten Seiten, und auch die nächsten Reiseziele. Indien, Indonesien, Mittelamerika gilt es ebenso „schmetterlingskundlerisch“ zu erkunden wie es Wochen im Jahr gibt.

Jede Woche bringt einen neuen Schmetterling und eine neue Sehnsucht, ein Stück vom Sommer, von fremden Ländern in die heimischen Stuben. Mal fast kitschig bunt, mal nüchtern sachlich – der Kalender macht von allein auf sich aufmerksam. Verblüffend welch Farbenreichtum allein Gelblinge aufwiesen können. Von blassem gelb über saftiges obstgelb und dunkelgelb bis ins tiefste orange hinein: Alles Gelblinge, die über den gesamten Erdball verstreut leben.

Aber wollen wir Mitteleuropäer uns nicht grämen, weil es in Sri Lanka und der Mongolei so vielfältige Schmetterlinge gibt. Das Tagpfauenauge muss sich nicht verstecken. Und sie sind oft anzutreffen, selbst dort, wo Pragmatismus und Ordnung herrschen (sollten): Im Keller. Denn sie lieben es dunkel und feucht. Beim nächsten Mal also nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Schmetterlingskucken in den Keller gehen!

Das Jahr 2017 wird bunt und flatterhaft – es liegt an jedem selbst, was er daraus macht!

Paris Kalender 2017

Paris s-w

Quadratisch, praktisch, gut – nicht nur irgendein Werbespruch, der zwar nicht auf Paris zutrifft, jedoch auf die Art-12-Collection. Und auf diesen Paris-Kalender im Besonderen. Es gibt so viele Attribute, die auf Paris zutreffen, so viele Beinamen, die die Stadt schon erhalten hat, fehlt eigentlich nur noch einer: Kalender-Hauptstadt der Welt. Kaum eine andere Stadt wird so oft auf Kalendern verewigt wie Paris. Es bietet sich aber auch an. Dieses Modell zeigt die gesamte Spannweite der Motive: Vom Riesenrad am Place de la Concorde, über Sacre-Cœur bis hin zu Eiffelturm und Notre-Dame. Das Besondere des Kalenders liegt nicht an der Motivauswahl, es sind die Einstellungen, die Blickwinkel und die detaillierte Wiedergabe der Orte, die man unbedingt sehen muss, die man gesehen hat und die man immer wieder besuchen will. Schon beim Titelbild rätselt man von wo aus dieses Bild gemacht wurde. Ein Wohnhaus – mehrere Etagen – das unter dem Eiffelturmbogen zu verschwinden scheint. Es ist natürlich eine Fotomontage. Aber so gut gemacht, dass man es als gegeben hinnehmen kann.

Real ist der Blick von Notre Dame an einem Wasserspeier vorbei über die Seine bis hin zum Eiffelturm. Und zwar so scharf, dass man fast die Marke der Schuhe der Parkbankbenutzer sehen kann. Die wahre Kunst der Fotografie besteht im Handwerk. Einen Wasserspeier kann jeder fotografieren. Aber kleine Risse, feinste Ziselierungen, Kanten und Konturen, dazu noch in schwarz-weiß, das kann nicht jeder.

Ach ja, ein paar Kalendertage sind auch noch abgedruckt. Die werden fast übersehen bei so viel Detailreichtum der Bilder. Jetzt braucht man nur noch einen Stift, zieht einen Strich quer über die Kalendertage und schreibt ganz groß darüber P-A-R-I-S!